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Wiener Morgenzeitung · 1922-07-23 · Heft 1249 (23.7.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1249 (23.7.1922)
Date
1922-07-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seit« Wien. Sonntag Wiener MorgxrrLertrrng. 23. Juli 1928 Nr. 1249 Englische Pressestimme« zur Palöstinasraae. Der „Daily Chronicle" dem 5. d. schreib!: „Der Zionismus war ein integraler Bestandteil unserer Kciegspolitik und half uns, den Krieg zu gewinnen. Dies in.Betracht, ziehend, konnte das Haus nicht ein, Verspreche« zurückweiscn, nachdem es sich abgeki'chlt-hatte. Mr. ..ChptrchillfterklW, ^gß.in<- Palästina Raum ist für eine weit größere Bevölkerung als gsgenwävt-ig. Wenn die Ankunft der Juden iate Araber n'cht; schädigen soll, müssen die Juden neue Quellen von Reichtum schassen, und die wichtigste dieser Quellen ist die Ausnü^ung des Jordans zur Erzeugung billiger elektrischer- Kraft." 'Die liberale „Daily News" schreibt iu ihrem ersten . Leitartikel vom 5. Juli: „Die volle Aussprache über den Sta-- ’ tus von Palästina sollte es klarstellen, daß die britische offen!- j liche Meinung besorgt ist, eine gerechte Verwaltung Unseres Mandats gegenüber Arabern und Juden zu sehen, und daß cs nichts wesentlich Unvereinbares gilbt in den berechtigicn und vernünftigen Aspirationen der beiden Rassen. Das will nicht sagen, daß alle Forderungen auf beiden Seiten berechtigt und vernünftig seien. Die Aufgabe dieses Landes unter der Leitung des Völkerbundes ist, sie zu sondieren und den Weg für die legitime Selbsterfüllung für beide zu weisen. Es ist klar, daß das Versprechen für arabische Sclbstrcgierung ein bedingtes und kein absolutes war und daß es in jedem Falle nur für die Teile bestimmt war, welche mit den Verbündeten zusammen an der Abschüttlung des türkischen Joches gearbeitet haben — und dies haben die palästinensischen Araber offensichtlich nicht getan. Wir haben weder den Arabern versprochen, die Juden nicht nach Palästina zu lassen, noch den Juden, daß wir ihre Füße auf die Nacken der Araber setzon werden. Das Selbstbestunmungsrecht wird in so schnellem Maße verwirklicht werden, als es die Umstände erlauben. Aber den gegenwärtigen Einwohnern eines rückständigen und dünn bevölkerten Landes wird nicht die Macht emgerämnt werden, eine richtig geregelte Jmigrä- Hon z u verhindern. Di-e Forderung der Kinder des zerstreuten Volkes nach einer Gelegenheit zur Rückkehr nach Beendigung der verheerenden Tiirkenwwtschast, kann nicht ernstlich in Frage gestellt werden. Es ist AnfgaDe der M<Mccks- -macht, zu sehen, daß diese Rückkehr unter Bedingungen geschieht, die für die jetzige Bevölkerung gerecht sind, und die Wagschale mit absoluter Unparteilichkeit zwischen beiden Rassen zu hatten. Die Anklage, daß Sir Herbert Samuels Verwaltung dies nicht getan habe, hat Schiffbruch gelitten. Die Mutmaßung,. daß er, well er ein Jude ist, nicht unparteiisch handeln könne, ist weit' hergebolt und widerspricht den Tatsachen und der WahrscheiMchkeit. Der erste Gouverneur mußte entweder Jude oder Christ oder Mohammedaner sein, und alle diese drei Religionen fordern die Börherrschcnst aus diesen historischen Boden. Sir Herbert Samuel ist ein hervorragender Bürger der Mandatsmacht, mit einer großen admiimstrativen Erfahrung in dieser Ausbildungsstätte großer Verwalter. Keiner glaubt ehrlich daran, daß er des FavoMsnms fähig sei. Er könnte eher der ungenügenden Verwirklichung seiner Verpflichtungen gegenüber seinen Rassengenossen angeklagt werden, wenn er nicht schon angeklagt wurde. Wenn dies geschehen ist, müssen wir seine Kritiker daran erinnern, daß das Versprechen Lord Balfours nicht darauf ausgmg, einen Judenstaat am Jordan zu schaffen, sondern nur, daß die Rückkehr der Juden; zu einem palästinensischen Staate willkommen geheißen und unterstützt werden wird." Der sozialistische „Daily Herald" schreibt in seinem ' Leitartikel vom 5. d.: „Die gestrige Diskussion gab eine bewunderswerte Offenbarung imperialistischer Gefirmu-ng. Unsere Herren lieben es, von der Pax Britaqmica zu sprechen, von der zivilisierenden Mission Großbritanniens, von dem geduldigen Tragen der „Lasten des iveißen Mannes". Sie roden sich sogar ein, wie die deutschen Imperialisten sich eingerodet halben, daß ihr Reich, mit all seinem Machtappavat, «in göttliches Instrument sei zur Wohltat für die „niederen issen außerhalb des Gesetzes" und daß, wenn unsere Aevoavabische Lager oder indische Gvenzdö.rfer bombardieren, um dor Menschheit willen geschehe, daß wir -die Singe« '2tzenen bombardieren zu ihrem eigenen Wühle." „Aber, ab und zu fühlen sich die Pharisäer wund gevick»en irrch ihre bretten Gebetriemen und Wersen sie in in einem unbewachten Momente ab. Und dann sicht die Welt (oder^ könnte cs scheu, wenn sie nicht so oft blind wäre), daß all das' Gerede von Zivilisation nur Heuchelei ist, daß die beivegende Kraft der Imperialismus das ist, was der Dichter „den langgezogenen Schrei nach Beute" nennt. Der Schrei nach Beute ist der Anreger -der meisten Tory-Attacken auf die Ruchenbarg-Kvnzession. „Wir haben," sagen sie, „4x»8 Mandat für das Hsilige Hand. Seiive Eroberung hat om8 Geld gekostet; seine Erhaltung kostet uns Geld. Dcher haben wir, und nicht einige ausländische jüdische Financiers, das Recht auf alle Beute". Ein interessanter Kommentar zu den erhabenen Worten, mit welchen das Mandcrtssystem einer bewmvdevten Weilt vorgesetzt wurde. Aber betrachten wir vorerst, wer dieses „wir" ist. „Wir zahlen für kas- Heilige Land", sagen unsere Herren, daher sind wir zu allen Profiten berechtigt." Scheu Sie den Kniff? Wir und wir. Wir, das Volk, zahlen. Wir, die Herren aus der City, profitieren. Dieser kleine Hader liegt fast jedem Kriege zugnunlde. Zwei Nationen kämpfen, geben Millionen für Waffen und für den Krieg aus. Weswegen? Um stärkte ' für Konzessionen zu haben. Wer bekommt diese Märkte oder die Konzessionen? Die Völker, die zahlen? Nein, die anderen „wir"; die kleine Gruppe von Herren. Immer der gleiche Trick und immer erfolgreich. Die Arbeiter zahlen; die Herren nehmen di« Beute. WM wir es erlauben, daß sie uns überreden, daß wir sie sind, und sie wir. Ist es.nicht Zeit, daß wir «La totm« elementare Grammatik lernen?. Die „Westm iuster Gazestte" vom- 8. d. schreibt in ihrem Leitartikel:' *' " ‘‘ '' „Eines der vielen Uebel des Koalitioussystems ist, daß 'Angriffe gleichzeitig aus den verschiedensten Richtungen gegen die Politik der Reglerstug geführt .werden. und aus. so verschieden-tt-Moitven,. des;- -der nächterne Kritiker oft 'gezwungen ist, ruhig zu seln, -da-rsi er nicht zu Unrechter Alt verwunde und so ejn sch'ch cs, Resultat erMe. Rn Beispiel dafür ist'die Politiker Regierung itt Palästina.^Obwohl cs,gute,politische Grude gibt, sie ke'-''!ert werden kann, beruht die lan'es!: Optn si'wn sticke 0'-z einer w' hren il'ieee für die Araber und n--5i wen.'i r cn.f.c'.n,'v wehren Cwuben an das Recht der Sclbstbi-'stimmnna. sondern lediglich auf dem schreiendsten a nt iscniii i\ ch cn P o r ur t eil Während die R uth enb e r'g-Kcnwssien,' so v'el wir wissen, auf re^n geschäftsmäßiger Basis angreifbar sein mag, ist die' Kampagne dagegen wiederum davon ansgegangcn, daß Herr Rutenberg ein russischer Iu dt ist und einMgpn^ her eine?begreifliche Vorliebe hat, Dinge aufdein billigsten Markt einzukaufen. Dcrarlige Verbündete nüden dar arabische 'Sache, welche keinesfalls schwach ist, nichts, denn der normale nüchterne Mensch, wie groß auch seine Symp '' '.'n mit. arabischen Aspirationen und mit arabischen .Befürchtr«gen sein mag, wird'sich nicht für Mekka einsetze«, wenn /.Grika bloß als. Augrisfsbasis für einen allgemeinen Annrisf auf Zienbenützt werden soll. „Die Kcinler der Ruchrnberg-5ionzession haben von Beginn ihre Sache leicht aus der Hand gegeben. Es ist klar, daß es wünschenswert ist, daß die Wasserkräfte Palästinas ausgenützt werden, und gerade diese Art der Entwicklung werden die Araber wahrscheinlich nicht unternehmen, und nur die jüdische EinwanÄerung kann sie ermöglichen, zum allgemeinen Nutzen, aller Einwohner des Landes, inklusive der Araber. Gegen die Ruthenberg-Konzessiou kann kaum -ein betveiskräftiger politischer Grund vor gebracht werden. Wenn Herr Ruthenberg ein solider Mann ist, der das auSführen kann, was er ausführen zu können glaubt, ist überhaupt nichts , dagegen vorzubvingon. Di« allgiomome Politik der Regierung in Palästina ist freilich ein schwieriges Problem. Wir, müssen irgendwie unser Versprechen, in Palästina ein nationales Heim für die Inden zu schaffen, mit der Tatsache in Einklang bringen, daß, die Araber, bereits in einer großen Majorität im. HaMWd,'ÄrH ArmeN-Ars-nkcht cinschen, wanvm die Wagschale' MsMH zu.ihren-' UnsüNstert gsfenkt werden soll. Es ist zweifellos, daß durch den exzessiven Eifer einiger Zionisten viel ttn* riecht geschehen ist, nrw daß nun dm starkes Gefühl der Unruhe unter den Arabern existiert. Es ist wesentlich, daß die Negierung die Wagschale halten soll, wie wir auch glauben, daß sie bLLbsichti-gt, es zu tm- Die Araber werden von der Entwicklung ihres Landes Vorteil ziehen, aber es wird einige Zeit dauern, bis sie, diese Tatsache Einsehen und den^Wert der Vörteil« zu schätzen wissen werden. In der Zwischmzett darf nicht vergessen werden, daß die Araber tatsächlich ein Veto gegen den' ganzen Plan habeni Men entschlossenen Widerstand gibt' 'es 'Mne-HofM'itj aH'H'eKnM. Wir,' und vor allem' die Juden, dürfen nicht vergessen, daß langsam oft schneller ist, und müssen die Araber bei jedem Streit versöhnen und keines ihrer Rechte beeinträchtigen, welche sie als eine eingesessene Majorität unzweifelhaft besitzen. * Das PaLLstirra-Mandat vor dem Völkervrmdrate. Die Äguda — antichambriert. London, 20. Juli. (I. C. B.) Der Völkerbundrat.verhandelte gestern m einer besonderen Sitzung über das Palast i n a - M g n d. a.t, zu, der .die Pressevertreter kamen Zutritt hatten. Nach unseren Informationen Nahm die ganze Dis- -kussion im allgemeinem «inen für die jüdische Sache günstigen Verlauf. Als erster sprach Lord Balfour. Die meisten Delegierten befaßten sich hauplsächlich mit den nettesten Vorschlägen firr den Schutz der Heiligen Stätten. In der Morgensitzung wurde ein Brief des cmtizionistischen' Lords Sydenham dem Vorsitzenden des Völkevbundrates einge- Jn den WarlesAen des St. James-Palastes,- wo die' Sitzung ' des Bölkerbundrates statt-findet, beinerkte man albe Mitglieder der arcMschen Delegation ' sowie eine von einem euglischen Dolmetscher ^begleitete Abordnung der- Agudas Jisroel. Auch der Präsident des syrisch-palästinensischen Kongresses, Fürst Lotfallan, war anwesend. Die Mitglieder der Agrrda-Wbordnung verweigerten die Namensabgabe. Sowohl sie,- als auch di« Araber wünschen durchaus die Einvernahme vor dem Bölkevbrrndrat-e. Die Aguda-Mordnung. will die Einbeziehung ^er Agndas-Jsiroel in die Jewish Agency vergangen. . Nach der Sitzung des Rates wurde den außerhalb des Sitzungssaales wartenden ^JMrnalisten erklärt, daß über den Verlauf der Sitzung keine Mitteilung gemacht wevdm könne, woboi jedoch angedeutet wurde, daß die weitere Behandlrmg -dieses Gegenstandes zweifellos vor Sessionsschluß stattfinden wird. - 83 M i t tz! i ed e r beider -Häuser des englischen Parlaments,, unter ihnen viele ^bekannte Antizionisten und Juden» fernlde, überreichten dem Völkerbundrate eine Eingabe, in welcher die Verschiebung her Ratisiziernng des Palästina- Mandates gefordert - wird. Der nnlierMche Hensser. Von Defidörius Papp. Wer kennt semen'Namen nicht?.. Bor acht Wochen ließ sich noch Niemand in ganz Groß-Berlin von seiner Existenz träumen. Unerwartet, unverhofft ist er eines schönen Tages aus dem Meere der Unbekanntheit äufgetaucht, um mit eineyr Schlag einer der populärsten Männer Berlins/ ja ganz Deutschlands zu werdest. Große Tagesbläiter bringen Interviews mit Heusse'r, dem großen Hcusser , und illustrierte Brollbüreu eviLirinan übLv. k.uleL L.Lbens.lau1 un^ seine weltbeglückenden Ideale. Die Damen schwärmen föi ihn und er pflegt täglich ein halbes Kilo Liebesbriefe vor den Schönen des,Berliner W zu erhalten. Und all dies in zwei kurzen Monaten . ä Wie hat es nur begonnen? . . - -Ich war eben in Berlin, als eines schönen Tages an den Litfaßsäulen der großen Verkehrsstraßen ein schreiend rotes Plakat erschien. Ein rätselhaftes Plakat! Das offk zielle Zeugnis der Münchner Irrenanstalt, daß ein gewisser Herr Hmsser...deutscher Staatsbürger, Juweliax, an Unheil-, barem Irrsinn leidet. Nach der.regelrechten ärztlichen Untersuchung wurde er — hieß es — von der Anstalt in die Pflege genommen. Er habe auch lichte Augenblicke, | aber nur selten. Sonst verhält er sich sehr ruhig, das einzig. Unangenehme und Auffällige an seinem Benehmen sei nur, daß er ständig die chinesischen Klassiker zitiert.''! Ungeheure Menschenmengen standen von früh bis in den späten Abend, hinein vor dem roten Plakat..Wer hat denn dieses Jrrenanstaltszeugnls asiichiert, fragten sich die si Neugierigen,-Niemand konnte Bescheid sagen, und 24 Stun-! den stand dgs mysteriöse Plakat im Mittelpunkt des Jnter- ‘ esses der deutschen Hauptstadt. Es war noch vor der Ermordung Rathenaus. Ztvei Tage später erschien eine neue Affiche. Diesmal illustriert. Sie trug die, Photographie, Heussers in Hemd : mit entblößter Brust und zerrauftem Haar, so wie , er seiner-! zeit in der Sonderzelle des Minchner Irrenhauses herurn- - gelaufen ist. j „Ich, der Monarch," hieß es auf dem Plakat, „kam diesmal zu Euch, .um die wahre Monarchie zu verkünden. Es gibt nur eine Monarchie, die des Geistes." Der Text geht iu diesem Ton weiter, platt und banal. So oft das Wort „ich" vorkommr, springt es mit großen Buchstaben in die Augen des verblüfften. Lesers. Am Ende heißt es: „Ich bin der neue Messias da ich allein die Offenbarung und-ihren Geist verstehe Ich' bin auch Zarathustra, da ich neue Wrrtr auf alte Tafeln setze. Aber auch Laotse bin ich, denn mir ward die Erkenntnis zuteil. Ich allein habe den Mut und die Kraft, Deutschland zu retten." Die Wirkung dieses zweiten Plakatbriefes übertraf noch die des ersten. Es war nun klar, daß Herr -Heusser selbst das Jrrenanstalts zeugnis auf allen Litfaßsäulen anschlagen ließ. Was wollte er aber damit? Erst die drittel Affiche gab die Antwort. Heusser gab darin bekannt, daß die Tyrannei der Republik, die ihn, den Propheten, in die Irrenanstalt sperren ließ, in München ein Redeverbot über ihn verhängt hatte. In Berlin bestehe aber augenblicklich kein solches Verbot, und so wolle er in einer Villa im Grunetvald zum Volke sprechen. Eintritt haben nur diejenigen, die feine Zeitschrift, betitelt „Heusser", abonnieren. Die neuen Abonnenten beziehen -auf einmal alle erschienenen ExemplärE - - . - - - Eine Unmenge von Neugierigen überschwemmte zur angegebenen Zeit -die Gegend der Villa. Besonders Frauen wollten um jeden Preis den großen Heusser hören. Der. hervorragende Mann erschien und begann nach einigen einleitenden, jeden Sinn baren Plattheiten mit einer wüsten Schimpferei auf die Polizei. Der anwesende Polizei-, kommissär erhob sich und verbot die Fortsetzung der Rede. Ein fanatischer Hensserianer zog seinen Revolver und, feuerte auf den'Polizeikommissär, der den Apostel zu beleidigen wagte, drei Schüsse ab. Die Sipoleute griffen ein,. Herr Heusser biß einem höchstpersönlich einen Finger ab. Es gab einen Toten und vier Schwerverwundete. Tableau!' Heusser war den nächsten Tag der berühmteste Many Berlins. Wer ist dieser-Heusser? Cr ist kein einzelner Mensch, er ist ein Typus, ein unsterblicher Typus, da sein Lebenselement: die menschliche Dummheit, unvergänglich ist. Mag er ein Schwindler oder ein Fanatiker sein, er arbeitet mit dem dankbarsten Stoff auf Erden, der menschlichen Dummheit. Wer auf dieses eiserne Funldament baut, der hat wahrlich nicht auf Saud gebaut. Und Heusser, der große Heusser, ist nur ein ganz kleiner Schüler größerer Ahnen. Wer erinnert sich noch an Müller, das kleine amerikanische Schneiderlein, das rund zwei Jahre hindurch über eine Million Menschen an der Nase herumsührte. Es ist wahr,- dieser amerikanische Heusser lebte um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Er hatte aber keine Plakate zur Verfügung, und doch konnte er dem real denkenden Iankee Dollariens glauben machen, daß der Untergang der Welt rund am 23. Jänner 1851 erfolgen wird. Den ganzen Staat Ohio hielt er in den Händen. Es gab Familien, die noch vor dem fatalen Datum ihm das ganze Hab und Gut vermacht hatten! Ihr sagt, es war in Ohio im. 19. Jahrhundert. ... Und Leon Taxil, der lebte mitten im Lichte des 20. Jahrhunderts in Paris. Am Ufer der Seinfand er Hunderttausende, die ihm aufs Wort glaubten, daß er den Satan in einer Freimaurerloge persönlich' gesprochen habe, ja, das; dieser ©aton eine Tochter habe, und diese Tochter, die schöne Engländerin Miß Patterson' sei. Man schrieb eine ganze Bibliothek pro und kontra Leon Taxil, bis der kühne Schwindler sich selbst im Festsaal des Pariser Geographischen Instituts entlarvte. Auch Umoersitätsprofessoren waren in der Angelegenheit kompromittiert. , Der französische Heusser tat. dies im Jahre 1905 und jetzt liefert der deütsche Heusser einen glänzenden Beweis für die Weisheit des greisen Voltaires, der in Hinblick auf ein langes, in nnercküdlichem Kampf gegen jeglichen FanatlSmus und Aberglauben geopferte Leben sagen konnte: „Was wir auch >mmer tun, schreiben und sprechen mögen, wir verlassen die Wett ebenso dumm, und unheilbar. wie wir sie anaeiroffen hatten." wf.Mii KfiÜtfttOfiBH

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