Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1249 (23.7.1922)
- Date
- 1922-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980329--11785-2998262- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
.'V. I — f A y} ß f ( " J-* j “i K * i * *i i v >£jr # „»wr ' * .(/ i- . / ./> ■''',' IlazelimminerRioö Vien: Znm Abhojan in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, oder in einerVerschleisstelle ^rafik) monatlich *K 2900 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl. IC 2900 Tschecho-Slowakei: Moi». K20. Ungarn: Mon. K150. j ugosl awi en: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland: Men. Mark 60. F r a n ke ie h: Monatlich Frcs. 6 Tschecho-Slowak«! I schech. K f.SO Italien: Monatl; 6. Lire Rumänien: Moni, 49. Lei Schweix und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3, Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3*19,1 ab 6 Uhr abends 16-301. TeL-Adr.: ,Morgenzeibung‘, Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150,693 Rr. 1249 Wie», Sonaiäg, 23. Juli 1822 4. Jahrgang Hie deutsche« Reparattynen. - Berlin, 22. Juli. (Del.-Komp.) Die Antwortnote der deutschen Regierung an das Garanttekomitee ist bereits nach Paris abgegangen und wird hinnen kurzem veröffentlicht werden. Gestem ist sie noch dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages Vorgelegen, der stch ausführlich mit ihr befaßt hat. Die Reichsregiernng hat in den gestrigen Beratungen dem Ausschuß zügesägt, den Text der Note entsprechend den aus den Ausschutzverhandlungen sich ergebenden Verhältnissen einer erneuten Nachprüfung zu unterziehen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses Doktor Stresemann gab zu Eingang der Verhandlungen der Mißstimmung Ausdruck, die im Ausschuß darüber herrscht, daß sich die Regierung bereits vor der Befragung des Ausschusses festgelegt habe. Dr. Hel ff er ich schlug sogar vor, man falle überhaupt nicht in Verhandln u ge n ei nt re ten, zog jedoch diesen Einspruch wieder mit der Begründung zurück, es ließe sich vielleicht dadurch noch etwas zur Verbesserung der Antwortnote erreichen. IN den Beratungen stellte die Regierung mit allem Nachdruck fest, daß die Zustimmung zur Finanzkontrolle nur im Zusammenhang mit dem Moratorium denkbar sei. Sollte Las M o r a t o r t u m nicht zustande kommen, wären selbstverständlich die Vereinbarungen mit dem Garanttekomitee hin fällig. Besonderer Nachdruck würde bei der Ausführung der Kontrolle darauf gelegt werden, daß das Sie uer geh ei mnis der einzelnen Zensiten nicht verletzt werde. Das habe auch das Garantiekomitee nachdrücklich zugestanden. Das Finanzministerium seinerseits werde jedoch nicht unterlassen, eventuelle liebergriffe der Ententekontrollore abznweisen. Ein Beschluß Wurde im Ausschuß nicht gefaßt und lediglich der Bericht der Regierung znr Kenntnis genommen. Die Natio»al-e«vkratea gegen PUsudski. Warschau, 21. Juli. (Tel. 'd. „Wr. Morgen, zeitung".) Die linken SejmllW haben nach längeren Äeratungen folgende Beschlüsse -gesüßt: 1.' Der Block der linken Parteien erblickt als einzigen Ausweg aus der gegenwärtigen KabiOttskrise die I n i t i a t i v e d e s S t aatSch efs Mr Bildung einPe PegiMyg. Dii Abgeordneten Mtos^Moraszewski, ChadWstsftstnnd Mäpinski' Werpe)» bjevollmächtigt, mit dem Ztnlrr^m Verhandlungen über die- Sicherung Är GMndlag'MWtzK. neuen Kabinetts zu. führen. Witz verlautet, ist estke?Mi n^gär »g tzer Linken Mit dem Zentrum aus der Grundtqgtz eines a n ß e rparlamentarischen Sabrneits und der Annullierung des Beschlusses der Hauptkowmisiiön betreffend die Kandidatur Korfantys zustande gekommen. Der Klub für konstitutionelle Arbeit beginnt allmählich von Pen Nationaldemokraten abzurücken, da die ernsteren Mitglieder nicht gewillt sind, Korfanty zu unterstützen. . Der infolge der Nichtannahme, der von Korfanty vorgeschlqgenen Liste zwischen diesem und Prlsudski ausgebrochcne Konflikt düM^ordem Sejm ausgetragen werden. Die - Nationaldemokraten treffen bereits Vorbereitungen zu einem GeneratgWM.auf Pilsudski. . Die Führung? des Mren Blocks hat W i t o s übernommen. Man hofft, daß es ihm gelingen werde, der Korfanty-Faree ein Ende zu mache» und den Weg zur end» gültigen Lösung der Krise sreizumachen. Die amerikanischen Äiesenstreiks. Kohlenarbeiter und Eisenbahner, e w - I o r k, 22. Juli. (Tel. det ,Diener Morgenzeitung".) Die Lage im Kohkeuarbeiter- und Eisenbahnerstreik .hat sich bedeutend verschärft, was auch durch den Umstand bestätigt wird, daß Präsident H a r d i n g den üblichen Wochenempfang der Journalisten absagte. Ein Einigungsversuch' den der Präsident in Unterhandlungen mit dem Vorsitzenden der Chicagoer Arbeiterkommission machte, verlies ergebnislos.; ' Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln wsrd durch allerlei Notmsttznahmen aufrecht erhaben. An vielen wiHtigen Kttoitznpunkten sind die Kohlenvorräte nahezu gänzlich aüMbrarrcht, so daß die Einstellung zählreicher Zuye verfügt werden mutzte. Die in Ohio angeordnete inilitärische Bes e tz u n g der Gruben hat Gegenmaßnahmen der Arbeiter znr Folge, in deren Verkgüf es leicht zn blutigen Zusammenstößen kommen kann^ Die Arbeiterführer haben die Regierung neuerlich um eine gemeinsame Konferenz der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ersucht. Expyrtabggve» pUd Beamte«abbau. In der gestrigen Sitzung des Finanzausschusses des österveichischen Nattonalvates Wurde die Beratung des AusfuhrobgabengefttzeS. zu Ende geführt. Es wurde.beschlossen, .den Abgabenatz für Brennholz von 0.90K. auf 6.80 K-, den für anderes Hotz und SägÄvarep von 1.20 auf V.80 K. herabznsetzen. Ferner würde beschlossen, die Regierung aufzusordern, den Viehexp o r.t aus den Alpenländern zu gestatten. ' Sodann begann der Ausschuß die Beratung des (Sw. setzgs über den Beamtenabbau. Da mit den So- Zlaldemokraten eine Einigung erzielt worden war, ging die Vevhandlnug sehr rasch vor stch. Die Bestimmungen wurden gemäß der Fassung der Unterausschußvorlage angenommen. ' ' Schließlich wurde das gesamte Gesetz angenionunen und für das Plenum des Nationalrates bereit. gestellt. Zum Ncferenten für das Pleuunc wurde Abgeordneter Volker bestellt. Ruhe in Zlälien. Mailand, 22. Juli. (Del. der „Wiener Morgenzrilnug"., Mit Ausnahme von einigen Orten in der Provinz, wo noch vereinzelte Zusammenstöße zwischen Faszisten und Kommurüsten statf'inden, bei denen es in San A gab io einen Taten gab, ist es nach der plötzlichen Beendigung des Streiks überall wieder ruhig. Die meisten Faszisten haben Mailand wieder verlassen und auch ihr Führer Mussolini ist nach Rom Auvückgekchrt. Handelsverhandlungerr mit Italierl. Der Handelsattache bei der Wiener italienischen Gesandtschaft Cav. F r a n e o P i e t r a n i s s a ist infolge Berufung gestern abends nach Rom abgereist, wo gegenwärtig verschiedene Handelssvagen zwischen der österreichischen und d^r italienischen Regierung verhandelt werden. Die gestundete Strafe. -y. Wien. 83. Juli. Der Beschluß der Reparations'kommisiion «auf Freigabe der österreichischen Pfänder gibt Oesterreich die Ertragnisse ans den Zöllen, Staatsforsten, Domänen und Salinen > sowie aus dem Tabakttronopol zu dem Zwecke frei, für die BetMgung des auswärtigen Kapitals cm'der Notenbank und an einer äußeren Anleihe die nötigen Garantien zu stellen.. Für seine ■ inneren Zwecke verfügt Oesterreich über die Einkünfte aus den Steuern und Gebühren und über 'das Grukomnten aus dem Titel Post und. Eisenbahnen. Mchte Oesterreich bisher einen sehr bedeutenden Teil seiner Aktiven brach liegen lassen, weil sie für. die Reparationen beschlagnahmt waren, so kann es sie jetzt als Unterlagen jenen Konsortien, anbieten, die ihm. Kredit gewähren wollen. Das ist eine sehr wesentliche Aenderuug in der Stellung der Republik gegenüber den: Auslande. Die Reparationen waren als Kriegskotttributrou und als Gutmachung von Schädencmszufassetk, die durch das Verhalten Oesterreichs ün Krieg entstanden waren. An diesen Schäden trug aber das hmtige Oesterreich nur zu einem sehr geringen Teile. schuld. Die Kriegsregierungen setzten sich, aus Angehörigen aller in der Monarchie zusammengeheirateten Natiomn zusammen; die Armeen und ihre Leitu^ng.entsprachen im organisatorischen Aufbau genau dem Bevölkerungsverhaltnis, und mlch der vom Hochsommer 1914 bis zuan Zusammenbruch in permanenter Spannung erhaltene offizielle Patviotlsmus tmg die Farben aller Nationen. Bon Spa-. Llto bis Bvody und von Kufstein bis Czernowitz gab es Gepichte, die Hychve.rväter äburteilten und Fräutzn ernsperrten, die mit Kriegsgefangenen geliebelt hatten; die Staatsanwälte und Amtsdiener und. Professoren taten ohne Unterschied das,. 4vas mair in Festreden und Hlttdigilngstelegrammen zehn- , hlnsend entzüOsn'Zuhör^m. zu vernehmen ^äh: W wett- , echrrten in Beweffetl der^^Lrebe.ulch^DW^^ WMNMrHi^.. Md' lHtÄr ihre^DMhle an Mn StüW 'meder." Inzwischen nwrdete.und plünderte d^gHMte SqBMM., Hn Osten wie im Westen: Nachher las Mws anders/ Da wollte' es niemand gewesen sein, und. die yeuentstandenen Sutzessionsstäaten wären eifrig und mit Glück.bestrebt, ihre Angehörigen von jeder Schuld zu reinigen urtd alles auf den zurückgelassenen Rest zwischen Retz und Brlchs abzllladen. Die Friedenskonferenz entschied, während sie die österreichische'Delegation'in St. Germain in strengster .Haft hielt, in diesem Sinne. Sie strafte Oesterreich und verurteilte es zur TraMlg der imgeheuerlichsten Kosten. . Bei der Sinnesart de» obersten Richter war eine Berusting ausgeschlossen Sie saßen in ihrem Palais in Paris beisammen und verteilten die Welt, von deren politischen, wirtschaftlichen und .ethnischen Verhältnissen, sie nicht die leiseste Ahnung besäßen. Sie unterschrieben, was ihnen die Männer mit dem langen Nlesser diktierten, ohne Kenntnis, daß sie lebendige Völker anseinanderschnitten, 'histovisch gewordene- Beziehimgen der intimsten und heikelsten Art in Fetzen rissen mrd ganze Volkstelle, die im Krieg nur das getan hatten, was ihnen Lehrer, Gendarmen ulld Geistliche aller Kaliber als Pflicht vordeklam-ierteli, in Schuld und Not stürzten. Vom Selbstbestimnrungsrecht war viel die Rede. Aber nur vor der Ergebung der Uo'bevwundenen. Nachher bestimmten die Racheyeister, die Rüsttn\gsinduftviellen und die Generalstäbler. Oesterreich mußte das Urteil annehnren und unterschreiben. . Da es die Waffen abgegeben und das Mut seiner besten Jugend auf Geheiß der Dnrchhalter und Siegft>iödler katholischen und alldeutschen Bekenntnisses in den Schützengräben verströmt hatte, da im Hinterland das große Sterben begonnen hatte, Frauen, Greise und Kinder im Rinnstein verreckten, konnte Oesterreich nichts aitders tun und es gereicht der damaligen Regierrmg zur Ehre, daß sie irr genauester Kenntnis der Lage den Vertrag ohne Hmtergedanken nnterfertigte.^ Sie konnte nur eme Politik der Tatsachen inachen, nur auf 'das Ziel.der möglichst innigen Annähevimg an die Nachbarstaaten hinarbeiten. Die Zeit heilt alle Wunden und sie lehrt auch vergessen. In Prag fand Oesterreich zuerst Verständnis, und die tschechische Regierung crka-lwte es als ihr eigenstes Interesse, Oesterreich zu Helsen- und alles zu tun, die jahrhundertealte BeMndrmg soweit pur möglich wieder herzustellen. Immer wieder versuchten eD die österreichischen Deutschvölkischen, das reine Konzept her politischen Geographie zu stören und Oesterreich auf den Weg der KatastroPhenfVlitik zu drängen. Arlch den Chr'rstlichsozialen jvar die Freundschaft mit den freisinnigen Tschechen, den Hochverrätern.von gestern, peinlich. Wer die realpolitische Erkenntnis .dieser Partei, hie doch gleich dm Sozialdemokraten . aus. weitaus ergiebigeren Polksresevvoiren schöpft als der gvößdeustche EmigrantenMngel, siegte über dgs Sentiment. Oesterreich schloß mit der Tschecho-Slowakei fyu ersten Staatsverttag und trat damit als gleichwertiger und gleichberechtigter Faktor auf den Boden der PoliÄ, die letzten Elldes zum wirtschaftlichen Zusammenschluß der »»« 8Wgl in Wb,MW.MMMKWMaik. liche Konstruktion sich an den Sperrketten der Zollgrenzen wünd'reibtt Dawit ivwe aber auch der Ausgangspunkt für i die Bestrebungen zur Durchbrechung des St. Germainer Vertrages gegeben. Den Kanzler Renner, der als Schüler Viktor.Adlers/die Linie vovgezeichnet -hatte, stürzten die EhvistkichsvKialen. Herrn Mayr und Schober die Zugereisten; Herr Seipel hat den Weg sdrtgesetzt und legt jetzt, in der Stutlde der bittersten Not, derc Erfolg vor -dem Volk nieder. Sein politisches Bekenntnis darf niemanden an.der Anerkennung hindern, daß er sich nur von der Logik und von, dem. Glauben an Oesterreich hat leiten lassen und; daß er sich durch " keim Intrige des. Emigratrtestzirkels, - der schon stir.ein Kreditulti'mattlm anidie Erttente und für das H'mschmeißen aller Verantwortung agitierte, beirren bat NM... st'.. . ...; . . Die Reparationskomnrission hat den Vertrag revidiert. Sie hat die über Oesterreich verhängte Strafe zwar nicht aufgehoben, aber doch gemildert und gestundet. Für mindestens zwanzig Jahre braucht Oesterreich nicht vorgegessene Schulden zu bezahlen und kann sich auf seine Aktiven Geld ausbovgen. Es erhält Kredit auf seinen Besitz, auf seine Arbeit und seinen Fleiß. .Kapital ist nicht Philanthropie und die Entente will ein Geschäft rnachen. Das ist gut für beide Teile und nimmt die letzten Reste der Dernütiglmg von Oesterreich. Eine halbwegs „geschickte Politik kann jetzt das Werk der Selbsthilfe in rascheres Tempo bringen und sich das Vertrauen des Auslandes erwerben. Allerdings nmß sie den Mut cntfbringen, rnit der Demagogie und. «der Gehe'nn- MUif der MsteiMartei gründlich anfznraunstm