Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1245 (19.7.1922)
- Date
- 1922-07-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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"Dien. -Mittwoch' Wierrev Morgenzeltrtng. Blässe (Profeffionisten) 2,060.000 K.^ in -ter dritten KlßW (auf mechanischen Betriebsmitteln beschäftigte Perzonen, ölst» auch •bic Straßenbahnschaffer Und Fa^er) 2,OOO.OOO K., in der vierten Klaffe '(angelernte Arbeiter) 1.9O4.OOO K., in der fünften Klaffe (Hilfsarbeiter) 1,824.000 K. und in der sechsten -Masse (Frauen) 1,744,000 K. Natürlich erreichen die Pensionen diese Höhe erst nach vollkommen vollendeter Dienstzeit. Die Penflonsregelnng gilt rückwirkend vom 1. Oktober 1921. Für die Mpensioniften, das sind die> die vor dem 1. Oktober 1921 in Pelffwn gegangen sind» toird die Pensicn mit 75 .Prozent bemessen, und zwar uickwirkenb vom 1. Mai d. I. -Die Verwaltung der Pensivn-Aaffe Wird par italisch gebildet. Der Bürgermeister ernennt den Vorsitzenden und sechs Beanüe ans den städtischen Werken. Die Mitglieder der Kasse wählen ans ihrer Mitte ebenfalls sechs Delegierte. -Daß über die Versorg n u g der Witwen nnd Waisen nach den städtischen Bediensteten in der Vorlage in weitgehender Weise Bestimmungen enthalten sind, ist nur selbstverständlich. Es kann nicht geleuguet werden, das; die Vorlage in der Altcrö- und Jnvalidilätsoersicherung für manuelle Arbeiter einen ganz bedeutenden sozialen Fortschritt, bedeutet. Nichtsdcswivenigcr bekämpften die christl-ichsoziÄen Redner in der Debatte, wenn auch in sachlicher Weise, die Vortages wobei Genre indera! Doppler behauptete, das; die Vorlage eine parteipolitische Demonstration 'bedeute und nur zum geringeren. Teil voir sachlichen Ertragungen ausgche. Ihnen erwiderte der Sozialdemokrat Grünwald' in sachlicher Weise. Dann holte sich der Deirtschnatiönäle Erntner mit '„hochpolitischen" Ansführuirgen. einen HeiterkeitScrfolg. Stadtrat S p e i s e r wies in eingehender Werse ans die Vorteile der Pensionskasse hin und erklärte die Kritik der Opposition für ganz ungerechtfertigt. Die Personalpolitik der jetzigen Mehrheit unterscheide sich wesentlich von der Rachepol itik der früheren Mehrheit. Bei der Abstimmung winde die^Lorlage unter Ablehnung aller christlich- 'ozvalen'Abänderungsanträge angenommen.. Nachdem hierauf noch einige Geschäftsstücke ohne Debatte angenommen worden waren, wurde die Sitzung — die letzte vor den Sommerferien — geschlossen. Der, Leichensrmd in SiMMer'mH. Der gestrige Leicheufuiid in Siinrnering hat die Polizeibehörde vor eine ungemein schwierige Aufgabe gestellt. Ebensowenig wie die Person, wie Alter und Gesellschastsschichte feststehen, ist auch der Ort der Ausführung der Tat ganz unbekannt. Daß es sich um ein Verbrechen handelt, kann als gewiß angenommen werden. Daß dieses aber im Kornfeld selbst ansgeführt worden sei, gilt als tven-ig wahrscheinlich, weil sonst der Täter sich kaum'die Mühe genommen hätte, die Leiche zu zerstückeln. Daß er den Kopf der Leiche abges ch n i t ten hat, könnte dem Zwecke dienen, die Bestimmung der Hirsen zu erschweren nnd damit die Entdeckung des Täters hintanzuhalten. Daß er aber auch die Beine abgeschnitten hat, läßt daranf schließen, daß hie. Leiche von anders s woher an den Fundort gebracht worden ist. Man denkt an den 11. oder den 8. Bezirk. Damit würde auch übereinstimmen, daß Jutesäcke der Art, wie der, in dem die Leiche lag, auch von Gärtnern vswvendet zu tverden pflegen. Das ist allerdings kein eindeutiger' Fingerzeig. Doch läßt der Vorstand des Sicherheitsbureaus in den Gärtnernrederlassungen nachforschen, ob ein Mann vermißt ist. Nun arbeiten hie und da Pente bei Gärtnern nur einige Tage und ziehen dann weiter. Namentüd) Männer ans dem Bnrgenland pflegen Beschäftigung bei den Snmneringer Gärtnern zu suchen. Sie melden sich bei nur vorübergehender Arbeit mitunter gar nicht an, so daß. eine Kontrolle ungemein erschwert ist rmd die Nachfrage von Haus zu Haus geschehen muß. Wie die benachbarten Felder, wie der alte und der neue Simmennger Friedhof nach dem noch fehlenden Kopf der Leiche mit Polizeihunden abgesucht wurden, so hat RegierungZvat Wahl auch den Auftrag erteilt, in engerer und weiterer Umgebung - die Düngohanfen, Miststätten, Strohtristen und dergleichen nach dem K o p f d e s E r m o r d e t e n abzusucheu. An das Sicherheitsbureau sind vielfach Anzeigen über Vermißte gelangt, doch haben , sich alle als entweder überholt oder keinesfalls nüt dem Loichensund in Zusammenhang , stehend erwiesen. Auch im Aboängigen-Referat des SicherhvitsbureanS wurden alle Abgängigkeitsanzeigen eingehend geprüft, doch fanden sich bei keinem der Vermißten bisher Merkmale, die auf die Person des Toten schließen ließen. Die Nachforschungen werden trotz alledem mit dem größten Eifer betrieben. , Man mutmaßt, daß der Mörder zu seinem Opfer in irgendeinem näheren Verhältnis gestanden sein muß. .Hätte dsr Mörder einen ganz Fremden ums Leben ge-. bracht, so hatte er nicht die Erforschung der Person durch das Abschneiden des .Kopfes erschweren müssen. Daher nimmt man an, daß der. Mörder gefürchtet hat, man könne auf ihn verfallen, wenn man weiß, wer das Opfer ist. Wan.nimmt ferner an, daß der unglückliche Mann in einer Wohnung ermordet worden ist, weil er nur' mit Hemd tmd Unterhose bekleidet war; die Frauenkleider dürften nur dazu gedient haben, itm ein Durchsickern des Blutes zu verhindern. . Eine Mirrsshah« am - Plattensee.. ■ Der ungarische HandelSmmffter erteilte die Kon- Kessipn zum Bau einer elektrischen Ringbahn um den Pseitensee. An dem Unternehmen ist auch ausländische- Kapital beteiligt. Man plant einen Berckehr, der sämtliche Plattenfeekurorte verbinden soll, und rechnet mit einer ^ahrtdauer von sechs Stunden für die ganze Strecke. Die Arbeiten sollen krcifS im Herbst ihren Anfang nehmen. ■ Letzte NachrichtM. BeschrS«8ter Verkehr mit a«slLÄSischen Val«te«. Das he-ute erscheinende Bundesgesetzblatt enthält folgende Verordnung, des Bundesministeriums für Finanzen betreffend Beschränkung des Handels nnd Verkehrs mit mtsländischen Zahlungsmitteln: . Ans Gruwd des Gesetzes vom 24. Juli 1917, B.-G.-Bl. Nr. 807, win Verordnet: .. : § 1. Jeder freie Handdl ruit ausländischen Zahlungsmiiteln (auch an der Börse und von Bureau zu Bureau) und die Vermittlung von Geschäften in solchen ist bis auf weiteres verboten. Dieses Verbot gilt auch für die im Sinne des § 3 der Devisenverordnung befugten Personen; ausgenommen ist jedoch die im § 10, Abs. 1 b, der Deviseiwevordmmg vorgesehene Abgabe von ausländischen Zahlungsmitteln zur Bestreitung von Reisespesen. Alle nach der Devisenverordnung zulässigen Geschäfte mit ausländischen Zahlungsmitteln find ausschließlich int Clearing der Devisenzentrale abzuwicceln. ' § 2. Als Preise für ausländische Zahlungsmittel dürfen nur die von der Devisttizentvale veröffentlichten Kurse Verlautbart werden. Jede, andere auch nicht zisfermäßige Mitteilung über die Bewertung solcher Zahlnngsnrittel ist verboten. § 8. Ueöertretuugen dieser Berordnrmg werden nach den Sirafbestimmnugen der Devisenverordnung geahndet. 4. Diese Verordnung tritt. am 19. Juli 1922 in Kraft. . ■ - Segur m. p. Das Gesetz zrZM Schrrtze der deAtschen MeprrblLk sregerwmmerr. Bsrttrr. 18. Juli. (Wo!ff.) Sn her Schlußabstimmung wird das G e s e tz z u m S ch u tz e d e r A e p u b l i h mit 308 gegen 102 bei vier Stmrriienenllraltlmgen angenommen. Die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also erreicht. Gegen das Gesetz stimmten die Deuischnationalen, die Kommunisten, die beiden ybarischen Fraktionen und einige Mitglieder de rDeutschen Vojksparlei. Die Wirtschaft der Baron Hirsch- Schulstiftimg. Die B-aron Hivsch-Schulstiftung beschäftigt schon fort langem die jüdische Oefferrtliichkeit. Wiederholt ist in diesem Blatte die Art bchandelt worden, in welcher das Krrratorimn seine Lehrer behandelt, die es entweder ohne Bezüge läßt oder mit — FvvedensgehAtern ajbspsfft, und -mehrfach sind Per auch die Praktiken ibeleuchtet worden, durch welche die.Lehrer der Stiftung in -unveDäntwortlicher Weise zu einer Rückkehr aus ihren früheren Drisnftart cmfgrfordert würden, wo sie das nackte GeM M'MvärtiM hatWsMW' Äst Wd vivs-e ZustaM in einer hiesigen GevichtsdechöMnng zutaK getveten, welche zu-r EvbrinAmg weiterer Beweise vertagt tfedieit mußte. Unsere wiederholten Aufforderungen nach dar öffentlichen Rech nun gl eg u ng, welche sch .Jahren unterbilieben . ist, sind bisher völlig rmbeanttvovtet gebNsben und sowohl das Kuratorium — bestehend aus «den Herren Dr.' Edmund K o h n, Hofvat^ L ö w n e r, Direktor H. Glücks t h a l, Knffner, Hir ch, Steinhülbel, Dr. W. Guttmann, Dr. Edm. Kornfeld, Dr. Lud. Schnitzer und Hoftat Wilh. B i n d e r als auch der Generecks-ekretär Dr. Ascher hüllen sich in ein Stillschweigen, ivelches -bei einer öffentlikcheu Jlfftitution doppelt psdMch wirken timß. Bei >der Baron Hirsch-Stiftung hat sich seit Jahr und Dag nichts geändert. Von Frühjahr zu Frühjahr erscheinen die alljährlichen Aufrufe an die Lehrer, sich unverzüglich an ihre Dienstorte zu begeiben, .widrigenfalls ihnen die Bezüge, die sich zwischen 60 und 208 K. bewogen, eingestellt werden. Einern solchen Aufrrff Folge leistend, erschienen unverhofft am 16. April 1021. in ihrem Dienstort Odertyn zwioi Lehrer, Re der und Schützer; der erste kam ans Sambor, der zweite aus Buezacz, wo sie inzwischen irgendeinen Verdienst zur Echaltung ihrer zahlreichen FanMe gefunden hatten. Die Schulleitung vtzrstöud-igts daZ. Knratorvum der Baron Hirsch- Stiftung in Wien vom An langen dieser Lehrer und fügte bol, daß die Schule gegenwärtig nicht in Betrieb gesetzt werden famt, da -die Schulräume nicht in Ordnung und auch keine Schulgeräte vorhanden seien, was der Leitung ja bekannt sein mußte. Die Stiftung wußte gut, daß in dem vernichteten Obertyn ein Lehrer keine Wohnung finden wird und von 160 deutschösterr. Kronen monatlich nicht loben kann. Die zwei genannten Lehrer tv-silteu acht Tage in ihrem Dienstovte in der Erwartung, die Stiftung werde. Geldmitt-ül zur Noaktivierung der Schule senden. Aber das Kriratorium der Baron Hirsch- Stiftung gab auf den Bericht der Schulleitung keine Anttoort. Ein Lehrer K arpel erteilte im Schuljahr 1921—22 auf Gvitnd des mündlich erMten Mstrages des von der Stiftung mit einer Vollmacht zur Reaktivierung der Schulen in Galizien designierten Inspektors' Sperber einen Monat Unterricht. Die Stiftung hielt ihm aber den Lohn von etwa 10.000 P. Mk. mit -der Begründung vor, daß in demselben Schulhause noch einte hebräische Schule ihre Tätigkeit ausübte. Der Schulleiter Li Her blieb im Drenstorte Obertyn bis zum 1. November 1921 mit dem Gehalt voll 20 0 deutsch öfter r. Kronen monatlich,, von,denen er eine sechsköpfige Familie erhalten sollte. Roch als er seine ganze Habe.verkauft hatte und'seine kleinen Ktndsr Hunger und Kälte litten, wollte er als treuer Diener «nt 25 Drenstjahren ausharren und schrieb! an das Kurcktovstmt, daß, falls man wieder -nicht an die WKW 19. Jülfissr ewn? Reaktivievung der Schrrl« schritte, ihn Hunger rmd Kalt^ zwingen würden, 1 mit Beginn des Schuljahres 1921—22 de« Dienstort zu verlassen. Darauf kam keine Aüttvovt. Aber vom! 1. März 1922 wurden ihm die lächerlichen Bezüge von 200 St.j gleich 60 p. Mk., mon-aüich, ohne vorherige VmständEgung, ent-s zogen und am 1. April 1922 wurde er aufgefordert, entweder! den Dienst bis 1. Juni aufzunehmen oder er werde penstonie^ tverden. In Galizien Mt es alte Lchrer der Siftung, Fwrrilien^ Väter, die buchstäblick) hn^ngeru, wenn es ihnen nicht gelingt, sich anderweitig ihr Brot Zu finden. Das Kuratorium erläßt, Scheiuzirkttlare, die offenbar den Vorwand herbeiischasse^ sollen, die Lehrer gänzlich abzuschütteln, um auch die Friedens^ gehälter, die nran -ihnen in österreichichen Kwnen zahlt, zu tu sparen, oder es wartet, bis die Lehrer verhungern. Die Wirtschaft 'bei -der Baron Hirsch-Stiftung hat sich zU! einem wahren Skandal he^usgewachsen! Gibt, es da wirklich Leine Möglichkoit, Remvdur zu schaffen und eine entsprechende Kontrolle walten zu -lassen? Der GrZiehrrngsbankrott. Ueber das, was in der Erziehung der Heranwachsende^' Generation zu vermeiden ist, sind alle frei und gerade den^ lenden Menschen einig. Wir tvollen keine kriegerische Denkweise, keine SoldatensPielerei, die schließlich doch 'nur diy Vorbereitung zu konzessioniertem Mord ist, kein Mucker-! tum mit scheinheilig verdrehten Augen, keine nationale und keine konfessionelle Undnldsamkeit. Ueber diese negative Seite des Prgrammes bedarf es, wie gesagt, keiner besonderen Verständigung, da sind wir alle eines Sinnes.' Man könnte auch nicht behaupten, daß Lei den Positives Fordermrgen an die Erziehung etwa der Kampf beginne^ Im Gegenteil — da herrscht allgemeine, mehr oder minder bewußte und mehr oder minder gut kaschierte RaLlosig-' keit. Welche Lebensgrundsätze könnte man mit gutem Ge* wissen Heranwachsenden, werdenden Menschen einprägen,' heute, da die toll gewordene Wirklichkeit all unser sittliches! Wollerr und Meinen so närrisch Lügen straft, heute, dcr alle Lehren, die Erzieher zu geben wußten, so lächerlich ad absurdum geführt wurden, heute, da der Erzieher von ehedem beschämt ist wie nie zuvor. Der Konflikt zwischen. Schulmeisters Lebenöregel^, und der Wirklichkeit hat wohl imnrer schon bestanden. Im-! mer erzählte man den Kindern, daß Bescheidenheit, Fleiß,! Genügsamkeit usw. usw. die einzigen Fundanlente wahren Glückes seien und ein paar freche, faule Lausbuben gingen hin und wurden mit Frechheit und Faulheit in wenigen^ Jahren steinreiche Männer; immer las man in der Schule: i edel sei der Mensch, hilfreich und gut, und die durchaus Unedlen bauten sich Villen und tranken Champagner. Dass war, wie gesagt, immer so. Aber die grotesken Formen gesellschaftlichen Lebens, die tolle Umkehrung aller Wertes .hat es doch nicht gegeben. Man konnte ein Vermögen der-! dienen, während man sich die Nägel polierte —.aber die Regch war das am Ende doch nicht. Es konnte auch eininab schief mit dem Schwindeln gehen, während es heute, wenn auch kein sicherer, so . immerhin noch der sicherste Weg zum Erfolg fft. Alle anderen Wege — ach, wer hätte heute beit Mut, der Jugend zu sagen: Wissen ist Macht? - Leute tvinmen hinauf, die über die Verwendung der grammatikalischen Fälle durchaus originelle Ansichten haben. Leute, denen Kultur ein leercs Wort ist und immer bleiben wird. Aber sie haben bemerkenswerte Talente in der Verwertung von Fleischabsällm. bewiesen und sind die ungekrönten Könige der Jetztzeit. Mag auch der unmoderne Schulnteister ihrem Verhalten so manches rote—Tinten—Zeichen widmen, sie haben nicht nur Geld, sondern auch Ehrcrr, Würden, Macht. Und die übrigen Tugenden...? Fleiß wird immer mehr das Kennzeichen der Unfähigen, und der Scherz aus'dem „Simplizissimus": den ganzen Tag arbeiten drese Man- . rer — ja, wann verdienen sie denn eigentlich Geld? hat seinen sehr ernsthaften und traurigen Hintergrund. Arbeitsamkeit fft jetzt nicht der Weg zum Wohlstand, so wenig wie Ehrlichkeit, Rechffchaffenheit, gerader Sinn. Die Sparsamkeit ist' noch ärger ramponiert worden als alle anderen! Lesebuchtugenden. Nur ein Narr spart heut;, nur ein gott-i verlassener Tor versagt sich einen Genuß, so lange er einen Pfennig in der Tasche weiß. Denn morgen bekommt man nur die Hälfte der Sachwerte für. den ersparten Betrag,! und in. einem Jahre fft der „Notpfenning", der im Be-, darfsfall für Krankheit, Spital, Pflege reichen sollte, sicherlich nur mehr ein schlechtes Trinkgeld an den Kranken-^ Wärter. Ebenso wenig wie die Sparsamkeit, kann der Jugend die Bescheiden^ empfohlen werden. Wenn nian schon früher „ohne ihr" weiter gekommen ist, so ist siejetzt erst recht ein Hemmschuh geworden und man kann es wahrhaftig keinem der jungen Menschenkinder zumuten.' sich diesen Hemmschuh anzulegen. Wozu denn auch? Die frechen, jungen Schieber erfreuen sich — neben reelleren Gütern — allgemeiner Wertschätzung, Beliebtheit und Bewunderung, urid die anspruchsvollen jungen Koketten finden in der Jagd nach dem Mann durch die Fähigkeit zu fordern eine sehr wesentliche Unterstützung. Niemand hat das Recht, der Jugend Hindernisse in Gestalt von sittlichen Forderungen in den Weg/zu legem Dieser Bankrott des Schulmeisters findet auch darin scinew Ausdruck, daß eigentlich niemand für das vielbehandelte „Lesebuch" positive Vorschläge zu machen weiß. Auch dabeschränkt man sich darauf, die Verherrlichung des Krieges,! die.süßlichen Frömmeleien und die GehassigkeiL gegen Fremdnationm zu bekämpfen. Mer man muß durchaus! kein Freund von moraltriefettden Erzählungen und Sal-i badereien sein, um zu finden, daß poetische Werke, Schilde- 140 Ci« £0fl8rC88l^4» ax Jpj k >