Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1245 (19.7.1922)
- Date
- 1922-07-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' ■ / '■ ■ / keire 4 ©fett', Mittwoch Wiener Älorgenzemrns. 19. Juli Nr. lato sche Literatur und mancherorts auch Naturgeschichte und Geographie Unterrichteten. In einem oder V wurde auch Soziologie gelehrt, in Re'ihoboth gibt es einen eigenen Lehrer für die Jemeniten; in Sichron lernen die Jemenitenkinder bei Lehrern des Kultürausschufses. Die Bibliothek umfaßt heute gegen 60 Filialen. Zwei ständige Bibliothekare arbeiten in der Zentrale in Tel-Awtw, einer wandert von Ort zu Ort, um die Bücher einzutauschen. Im Auslande wurde eine Organisation zwecks Büchersammlung ins Leben gerufen. Im Winter wurden systematische Vorträge auf dem Gebiete der Oekonomie, Literatur und Siedlungsgcjchichte abgehalten; in Jerusalem systematisch wissenschaftliche Kurse organisiert. In Kfar-Gileadi wurde eine neu' Kinderschule gegründet, in Kfar-Uriah, En-chai, N'halel, Encharod, En-Tibora steht ihre Eröffnung bevor. Diese Frage wartet einer gründlichen Lösung, ebenso die der Kindergärten, tvo arme Arbeiterkinder einet: großen Teil des Tages unter Aussicht einer geschulten Lehrerin verbringen. Wie der Referent erklärte, war die geleistete Arbeit zur Genüge ausgedehnt, sie ging jedoch nicht in die Tiefe. Die schwierigen Lebensverhältnisie der Arbeiter, ihr ewiger Ortswechsel, Mangel eines gesicherten Budgets und passender Lehrer — waren die Ursachen dieses Zustandes. Dabei rekrutierte sich das Einwanderermaterial aus Elementen ,deren Leben eine Kette von Verfolgungen, Abschlachtungen bedeutete, in deren Augen sich das furchtbare Elend ihrer letzten Jahre spiegelte. Auch andere Schwierigkeiten kamen hinzu, um die Arbeit zu erschweren. Daher sei für den Kulturausschuß große moralische und materielle Hilfe nötig. Die Konferenz müsse jedem Arbeiter zur Pflicht machen, im Verlauf von zwei Jahren die hebräische Sprache zu erlernen, sonst wird er als von der Organisation ausgeschlossen betrachtet. Ein elementares Bedürfnis ist die Herausgabe eines Iton minukad (einer mit Selbstlauten versehenen Zeitschrift). Zur Frage der A r b e i t e r b a n k referierte A h r o u owiez. Er wies darauf hin, daß die bei anderen Banken natürliche Erscheinung, daß bei Beginn die Ausgaben größer als die Einnahmen seien, hier zu einer Katastrophe führen können, da die Bank nicht dieselben Verdienstmöglichkeiten habe, und speziell keine hohen Zinsen entheben könne. Um dieser Gefahr vorzubeugen, ist es notwendig, daß schon jetzt die Ausgaben die Einnahmen nich^ übersteigen und daher der Gründungsfonds vergrößert und die Propaganda gesteigert werden. Die BanMentel machen die Kooperativen und Gruppen aus. Da diese oft herrenlos sind, muß die Ban! nicht nur finanzielle Garauircu verlangen, sondern auch soziale, die besagen, welcher Art die betreffende Gruppe sei. Zu diesem Zwecke sollten alle diese Gruppen zentralisiert und eventuell für sie ein eiserner Fonds geschaffen werden, um den finanziellen Gafantiesoderungen der Bank Nachkommen zu können. Solange die Organisation jeden Arbeiter verpflichten kann, einer Gruppe oder Kooperativen beizutreten, wird einer Einzelperson kein Darlehen erteilt. Darlehen können mornenta nur für die Dauer von sechs Monaten erteilt werden. Um der Bank die Gewährung langfristiger Kredite zu ermöglichen, ist es notwendig, spezielle Fonds zu schaffen. Um das angestrebte Ideal jedes Arbeiters verwirklichen zu können, d. h., ie Bank zur Führerin der Besiedlungsarbeiten durch diejüdischen Arbeiter zu machen, müsse der Verkauf der Aktien mit aller Energie betrieben werden, zuerst im Lande selbst und dann erst im Ausland. Bis zur Konferenz sind 115 Darlehen im Betrage von 85.000 Pfund zilc'üi, deren Rückzablungen zur bestimmten Zeit eingellossen sind. Die nächste Konferenz wurde für den 15. Ab unberufen. AMevikemischer Seelerrfany. Jerusalem, 16. Juli. (I. C. B.) Die Amerikanerin Frau G e t l i n g ist in Jerusalem zum Zweck der Propagierung der Heilmethoden der Christian Science eingetroffen. Sie hat eine große Druckerei gekauft und beginnt mit der Herausgabe dreier Tagblätier in englischer, hebräischer und arabischer Sprache. . Rundschau. Der BölKer-rmdrat. London, 18. Juli. (Wolfs.) Der Völkerbundrat, der festen: in London zusammentrat, hat unter Vorsitz deS spanischen Boffchafters in Paris, Dr. Leon, seine Beratungen wieder ausgenommen. Infolge der verspäteten Ankunft Fishers, der an Stelle Balfours England vertritt, erfolgte die Eröffnung erst spät nachmittags. In einer ziemlich kurzen Sitzung wurden größtenteils formelle Fragen erledigt. Der Bericht des Ausschusses für li tt t e rdrückung des Frauen- und Kinderhandels wurde mit allen Empfehlungen des Ausschusses angenommen. Es wurde beschlossen, die Regierungen Deutschlands und Amerikas aufzusordern, Delegierte in den beratenden Ausschuß zu entsenden. Viviani fragte, aus tvelchem Grunde der Vorschlag einer Beteiligung des deutschen Vertreters gemacht worden sei. Der Vorsitzende desberatenden Ausschusses legte dar, daß viele Frauen von deutschen und holländischen Häfen kommen und daß Holland deshalb die Zuziehung eines deutschen Vertreters vorgeschlagen habe. Äe Verhandlung war größtenteils nicht öffentlich. Die Oeffenllichkeit wurde erst hergestellt, als die Frage einer Uebettragung gewisser Fonds für die Sozialversicherung von der deutschen aüf die polnische Rs-aieruna vovaebrackt w^rde. Verschärfung fcer ^Uparationoftn e. London, 18. Juli. (Wolff.) Der Pariser Korrespondent der „Times" schreibt, die Reparationskrise habe sich etwas verschärft und es scheine, daß Lloyd George nach den Beratungen der letzten Tage sich gegen einen Verzicht auf die England von Frankreich geschuldeten Summen ausgesprochen habe, bis Frankreich vernünftig gew o r d e n s e i. Ohne Kompensation aber werde Frankreich unnachgiebig bleiben. Wenn jede Regierung, sagt der Korrespondent, auf die großmütige Geste der anderen wartet, dann müsse man notwendigerweise zu etwas kommen, to-ak schlimmer aT§ ein Stillstand sei. Der Besuch Poincares in London scheine in Frage gestellt. In der Reparationskommission standen sich offenbar zwei Parteien gegenüber, die englische sei für ein Moratorium, während die französische eine absichtliche Nichterfüllung Deutschlands mit allen Schlußfolgerungen festzustellen wünsche. London, 18. Juli. (Wolff.) Der Pariser Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt, von der Entscheidung der Reparationskommissi-on wie auch von der Prüfung des Berichtes des Garantiekomitees werde die Frage des Besuches Poincares in London abhängen. Der französische Ministerpräsident werde bezüglich der Zusammenkunft mit Lloyd Gorge erst eine Entscheidung treffen, wenn die Beschlüsse der Neparationskommission vorliegen. Wenn in, der Reparationsfrage keine nette Entwicklung zu verzeichnen . sei, fv werde eine Zusammenkunft der beiden Staatsmänner nach Poincares Ansicht überflüssig sein. . Paris, 18. Juli. (Wolfs.) „Petit Journal" meldet aus London: Die dilatorische Antwort der französischen Regierung auf die englische Anfrage betreffend eine Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Po in care habe tiefste Erregung hervorgerufen. Die britische Regierung sei der Ansicht, daß die Finanzlage so ernst sei, daß nicht eine Woche verhören werden dürfe, wenn Man der Gefahr Vorbeugen wollte, die ganz Europa bedrohe. Sie glaube, man müsse zuerst ein Heilmittel.finden und man habe später Zeit genug, zu prüfen, ob nicht der Kranke für die Krankheit verantwortlich sei. Lloyd George fei überzeugt davon, daß der Augenblick gekommen sei, um, koste es, was es wolle, die deutsche Schuld zu k o n s o l i.d i e r e n und zu mobilisieren. Lloyd George habe einen Plan ausgearbeitet, der vielleicht zum Teil Chimäre sein tverde, aber — so schließt das Blatt — wenn der Plan uns nicht gefällt, stellen wir ihn doch dom ^^vrö'i^cben aeaenüber. Paris, 18, Juli. (Wolff.). „Ere Rondelle" schreibt: Wenn man beit Franken retten will, muß man die Mark retten. Man muß begreifen, daß das gebeugte und ruinierte Deutschland uns in den Sturz mit hineinzieht und daß der 'toaifac Sicaer des Krieges der amerikanische Bankier ist. Unsere ganze , Politik muß ihr Augenmerk nach Washington Teufet. Aber leider wird als Schicksal Frankreichs von der Mentalität von Versgifles Und Bär-le-Duc beherrscht. Diejenigen, die, wie wir, immer davon überzeugt sind, daß sie wahr? ^ernttn?t predigen., denken mit Entsetzen daran, daß sie zu spät gehört werden könnten. Deul-scher RrLchtz^g! Berlin, 18. Juli. (Wolff.) Der Reichstag nahm in seiner heutigen Sitzung zunächst das.8 u f t.f a hrge setz in allen drei Lesungen an, ebenso das G e s e tz g e g e n d i e Notlage der Presse. imd die jüdischen GeMernden. München, 16. Juli. (I. (£. B.) Während der Beratung des Kultusetats im' Landtag entwickelte sich eine längere Debatte bei dem Posten für israelitische.Religionsgemeinschaft, wobei der demokratische Abgeordnete E i s e n b e i s eine Erhöhung der Leisttmgen des Staates an die israelitische Religionsgemeinschaft befürwortete. Kultusminister Dr. Matt sprach sich gegen eine gleiche Behandlung der israelitischen mit den ^christlichen Religionsgemeinschaften aus. weil ttjterc das Wesen einer Privatkirche habe, auf welche der Staat keinen Einfluß ausübe. Er sei darum für eine Staatsleistung von 300.000 Mark. Die israelitischen Religionsgemeinschaften seien sehr wohl in der Lage, für ihre religiösen Bedürfnisse zu sorgen. Hierauf wurde ein Antrag angenommen, dem „Zweckverband israelitischer Kultusgemeiriden" eine» Betrag bis zu 300.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Verurteilung der Wilson-Mörder. London, 18. Juli. (Reuter.) Die Mörder des Marschalls Wilson sind zum Tode verurteilt worden. Der russische Vertreter Lu Wien hieher zurückaekedrt. ' Mett, 18. Juli. (Rosta-Wien.) Der bevollmächtigte Vertreter der russischen Sowjetrepublik in Oesterreich, Alexander Schlichter, ist von der Konferenz der Vertreter des Völlskommissariats für Außenhandel in Moskau nach Wien zurückgekehrt. Auf der Konferenz, welche vom 17. bis 23. Juni gedauert hat, wurden die Wirtschaftsderhältnisse Sowjetrutzlands wie auch die Fragen des Handelsverkehrs mst den Weststaaten erörtert, wobei Beschlüsse von weitestgehender Bedeutung über den Ausbau der Handelsbeziehungen gefaßt wurden. Der Wiener Vertreter Sowjetrußlands hat aus Moskau sehr wichtiges Material nach Wien gebracht, um mit den ttwßgebenden Faktoren Oesterreichs über die Frage des Ausbaues dyr gegenseitigen Handelsbeziehungen zu.verhandeln. Dieses Material betrifft insbesondere den Plan einer Agrarkorrzession für österreichische Gettos s e n s chä f t e n und ändere Interessenten in. Rußland, die Gründung gemischter Handels- und Jndustriegesettschaften sowie auch die Wiederbelebung des finanziellen , Verkehrs Livischen den be.iden Staaten. Tagesbericht Abermalige Brotpreiserhöhung. Mit Wirksamkeit von heute wurde« fbt gende neue Preise für Brot und Gebäck festgesetzt und zwar: für b*ti Nermallaib 2170 K. (80 K. Rabatt *fitt W e erverkäufer); für das Extrabrot 1050 Ä. (80 K. Rabatt für Wiederverkäufe*); für ehe« weihe« Wecke« 1050 (45 K. Ra< *«tt für Wiederverkäufe!:); für ein Stück W-itziebäck 140 K. (8 K, Rabatt für Wi derverkäufer). Die Notwendigkeit die'ev neuen Preise« .fteklurrg wird von de« Broterzertgern mit der Steigerung dev fremden Zahlungsmittel in dev letzten Lagen Le gründet, insbesondere der tschechische «und ungarischen V a< luten» die für die einschlägigen Branchen am meisten ausschlaggebend find. GleichfaNe als Folgeerscheinung der Valutensteigerung hat auch der Preis der Kohle eine sehr starke Erhöhung gegenüber der letzten Kalkulation erfahre«. Die Bro tfab rikeu und Bäcker erklären es für wahrscheinlich, -atz mit Beginn der nächsten Woche, falls nicht eine Besserung der Lage eintritt, mit einer neuerlichen Erhöhung der Brot- und Gebäckpreise gerechnet werden mutz, da^ gegenwärtig abermalige Lohnforderungen der B Ücker ge Hilfen bereits vorliege«, die in der nächste« Woche schon zur Auswirkung kommen dürste». Neuerliche Erhöhung der Post-, Telephon- und TelegrapheugehShrett. Im Berordnungsweg. Der Hanptausschuß wird sich voraussichtlich afk Donnerstag mit der Fmge der Erhöhung der Post-, Telephon- und Telegraphengebühreu beschäftigen utrd dem Verkehrsmrmster die generelle Ermächtigung erteilen, rm Verordnungswege die Gebühren jeweils „den valutarisrhen Verhältnissen anzupassen", um diese Betriebe aktiv zu machen- und zu erhalten. Seit der letzten Erhöhung der Postgebühren sind . die Bezüge der Bundesangestellten von 8 Märzbezügen des Jahres 1921 auf 36,6 Märzbezüge gestiegen, so daß man ab Mitte August 1922 mit einer etwa 300- bis 360prozentigen Erhöhung aller Postgebühren zu rechnen hat. Die Postdirektion erklärt, sie sei bestrebt, nicht über die wirklichen Selbstkosten hinauszugehen und rverde sich vor der definitiven Festsetzung der neuen Gebühren noch mit den Handels- und Arbeiterkammern in Verbindung setzen. Auch die Gebühren für Jnlandstelegramme, telephonische Gespräche und Terlnehmerstellen werdet! ab Mitte August eine bedeutende Erhöhung erfahren. Es ist mit enter etwa 230prozentigen Erhöhung der Jnländstrlegrammgebühren und mit einer etwa 200Prozentigeu Erhöhung der Telephongebühren zu rechnen. Die Abonnementsgebühren im Telephonverkehr dürften um 160 Prozent erhöht lverden, so daß z. B. ein Telephonanschluß in der niedersten Kategorie Per Halbjahr sich auf 75.000 K., in der Mittelstttfe auf 150.000 K. und in der obersten Stufe auf 300.000 K. stellen wird. Da ab 1, August die Gütertarife verdoppelt werden und die P e r s ö n e n t a r i f e auf den Eisenbahnen ebenfalls sehr namhaft hinaufgesetzt werde«, wird das ganze Verkehrswesen eine enorme Bertetrerung erfahren, was naturgemäß auf das volkswirtschaftliche Gebiet eine verhängnisvolle Rückwirkung üben muß. Wiener Gemeinderat. (Sitzung am 18. Juli.) Die Penskonseinrichtttttg für die Bediensteten der Gemeind» Men. Das Hauptinteresse in der gestrigen Sitzung konzentrierte sich» wie die atrßerorventllch stark besuchte Galerie schon zeigte, auf das Referat des Stadtrates Speiser, das die P e n s i o n seinrichtung für die im Kollektrvvertrag stehenden Bediensteten der Gemeinde Wien zum Gegenstände hatte. Nach diesem Referate bringt die Borlag!? den Bediensteten der städtischen Unternehmungen die völlige Sicherheit der Alters- und Jnvaliditäts'. Versorgung. So wird im ,allgemeinen die voll« Pension nach 36 Dienst fahren erreicht, den Ar. beitern, deren Dienst besonders gesundhertsgeföhrffch ist, .wer den gewisse Begünsttgungen emgeräumt., Die Vorlage . sieh sechs- Klassen vor, in welche ^re p-nsionsberechtigten Bedien« stetett eingeveiht werden. Nack - den - gegeoir-artigen Lohnsätze, N nd die Pension in der ersten Klasj? (FnnkN'wäre und Auf sichtspersonen) 2,400.000 K. läyrttch betrügen, in der Äve>it<u>