Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1244 (18.7.1922)
- Date
- 1922-07-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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: Seite * Wien, DtenSlag Wiene« Morgenzeitung. 18. Juli 1922 Nr. 1244 h'ßäI,fA ffiJUCt'-VFfTRI*' 87—3 der Kanzler der Großdeutschen Bolkspartei und ist vom 27. September 1921 datiert. ' „An den Nationalverband deutscher Ofsiziere, Wien, - 8. Bez., Langegasse 13. Wir bestätigen den Empfang Ihrer Zuschrift vom 22. d., Zahl 257, und erlauben uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir uns wegen einer entsprechenden Aktion Mit dem Herrn Vundesminister Dr. Waber in Verbindung gesetzt haben. Was die Ausschaltung der karlistischen Beamten sowie der Juden betrifft, bitten wir Sie, die Versicherung zur Kenntnis nehmen zu wollen, daß wir nach dieser Richtung hin schon seit längerer Zeit arbeiten und auch schon eine Reihe von Erfolgen aufzuBeifen haben. Gerade im Laufe dieser Woche beschäftigen wir uns mit der Durchführung eines Reinigungsprozesses in einem für unsere gesamte Volkswirtschaft sehr wichtigen Ministerium." „Wir Knnen von der Arbeit auf diesem Gebiete leider nicht einmal einem weiteren Kreise unserer Vertrauensmänner Mitteilung machen, weil unsere Arbeit fast unmöglich wäre, wenn sie gewissermaßen unter öffentlicher Kontrolle erfolgen müßte." „Die Karlisten fühlen sich augenblicklich als Herren der Situation und sind schon etwas unvorsichtig geworden, so daß wir schon eine ganze Anzahl von Leuten als Habsburger-Monarchisten eruieren konnten, die man blS vor kurzem noch als verläßliche Nationale bezeichnet hat. Diesen Erknnungsprozeß dürfen wir jetzt nicht stören, weil wir sonst niemals in der Lage sein werden, unser Haus gründlich zu säubern." „Was die Entfernung der tschechischen und jüdischen Beamten anbelangt ist unsere Arbeit verhältnismäßig einfacher. Es händelt sich in den einzelnen Fällen immer nur darum, halbwegs plausible Gründe für die Entfernung der Leute zu finden. Mit Massenausschaltungen wird allerdings auch da nichts zu machen sein. Wir waren für die nächste Zeit schon damit zufrieden, wenn es uns gelänge, im Ministerium des Aeutzern und auch im Ministerium des Innern halbwegs erträgliche Zustände herbeizuführen." „Indem wir Ihnen wiederholt für jede Förderung, unserer Bestrebungen danken, möchten wir nochmals darauf Hinweisen, daß wir vor allem anderen darauf Gewicht legen, daß über unsere Arbe.it auf diesem Gebiete in der Oeffentlichkeit möglichst wenig gesprochen werden soll. Mit vorzüglichster Hochachtung: Unterschrift: Ehrlich. Stampiglie: Großdeutfche Volkspartei, Hanptgefchästsstelle, Wien, 8. Bez., Piaristengasse 2." . . ' , Das gefährliche und feige Treiben dieser Herren ist durch ihre eigenen Worte am besten gekennzeichnet: „Unsere Arbeit wäre unmöglich, wenn sie gewissermaßen unter öffentlicher Kontrolle erfolgen müßte." Von deutschem Mannesmnt und deutscher Ehrlichkeit wahrhaftig keine Spur. Auf der einen Seite werden Waffen aufgestapelt, junge Butschen verführt und aufs Totschlägen dressiert, auf der anderen Seite, werden Beamte unter „halbwegs Plausiblen Gründen" von hinten angefallen und um ihre Stellungen gebracht, weil sie der deutschnationalen reaktionären Maffia unbequem sind. Wird die Regierung und wird die österreichische Oeffentlichkeit noch weiter schweigen? Werden sie weiterhin dulden, daß der von uns als Amtsmißbrucher entlarvte Minister Waber und seine Genosse« ihr den Staat und seine Bürger , bedrohendes Treiben ungestört fortsetzen? Die von uns heute berührte Angelegenheit ist von besonderer Aktualität. Der Beamteuabb«r beginnt. Soll er tatsächlich nach Waberschem Rezept durchgeführt, sollen aus den österrekchtfchen Behörden Filialen der reichsdeutschen Geheimorganisationen und Mordzentralen gemacht werden, sollen alle Beamten weg, die für ehrliche Arbeit und Frieden sind und von reaktionären Hetzereien nichts wissen wollen? Wird der freche Anschlag auf die Beamten jüdischer und tschechischer Abstammung nach dieser Veröffentlichung mit Wissen der Regierung — zur Ausführung gelangen? Wir werden diele Ftage immer und immer wieder stellen. Oesterreich. Made in Germany Tie Großdentschen haben die MnieMche Entdeckung gemacht, daß es auf dieser schnöden Welt' so törichte, grausame und empörende Dinge gibt, wie völkischen Chauvinismus, der die bizarrsten Blüten treibt, Unduldsamkeit, die naturgemäß Erbitterung erzeugt, Uebergriffe von RiegierungSorganen gegenüber nationalen Minoritäten ufw. Was ist geschehen? Haben die Großdeutschen mit Nützest-die „Wiener Morgenzeitung" gelesen und erschauern vor den Uebergviffen ihres Ministers Waber, der einer Gcheimverschwörung zur' Jnszenievung einer von bizarvem Chauvinismus und erbitternder Unduldsamkeit beseelten Soldatenherrschaft liebevoll die . Wege ebnet, entsetzen sie sich vollends über die blutigen Erfolge der Organisation C, die im Deutschen Reiche von solchen Vorbereitungen bereits zu Taten übergehen konnte: ' die den deutchen Namen in der ganzen Welt chänden? Nichts von alledem. Die lustigen Ntbe-- langen wollen sich den ästhetichen Genuß, den ' die bizarrsten Blüten des furor teutonicus bei ihnen äüslösen und - die Freude über die Erbitterung, die die gttmaniche-Unduldsamfeit bei allen Kulturvölkern Hervorrust, nicht trübenlalien.. Der Versuch Wir haben berichtet, daß in einem Teile .der tschechischen Presse der Versuch gemacht worden ist, die Auffindung einer Mädchenleiche bei D o b e r e n z, in der Nahe des berüchtigten Städtchens Pol na, im Sinne der Aufwärmung der Ritualmordlüge auszuschroten. Au der Spitze der Ägitatnion stand, wie uns aus Prag berichtet wird, das tschechisch-agrarische-Blatt „Benkov" und der tschechisch-katholische (römische?'Richtung!) „C e ch". Die tschechische Regierung trat der Propaganda sofort in einer am 15. Juli verlautbarten Erklärung entgegen, die -wörtlich besagte: Am 10. Juli 1922 um 21 Uhr wurde auf einem Frlde beim Walde in dr Nahe -er Gemeinde Zdirec tBe;. D-ubchbrod) unter einem Haufen Reisig der nackte Leichnam, eines ungefähr 25 Jahre alten unbekannten Mädchens gefunden. Unter der Leiche breitete sich eine ziemlich große Blutlache aus. Die gerichtliche Obduktion wurde am 12. Juli durchgeführt. Hcerbei wurde auf der linken Vorderseite des -Halses eine ungefähr sieben Zentimeter lange Schnittwunde konstatiert, welche die Schlagader verletzt und den Tod bewirkt hat. Es besteht der Verdacht, daß es sich um einen Raubm-ord handelt. Bei der Obduktion wurden auch die ■ verschiede n e n Gerüchte berücksichtigt, welche sich sofort nach dem Leichenfund über die Motive de8 Mordes verbreiteten, und festgesiellt, daß sie nicht die geringste Unterlage haben. Grundlos ist insbesondere das Gerücht, daß der Körper der Ermordeten absichtlich, vom Blute entleert wurde, denn'es wurde bei der Obduktion einerseits Blut noch in der Leiche, andrerseits eine ziemlich große. Blutlache direkt unter' der Leiche vorgefunden. Die .beunruhigenden. Gerüchte >nt- - behren also jeder G r u nhlag e. Die Behörden haben umfangreiche Nachforschungen nach der Identität der Ermordeten und der Mörder eingeleftet. Inzwischen ist die Untersuchung schon weit fortgeschritten und hat zur Verhaftung eines Fleischergehilfen P y t l rk geführt. Doch wird auch noch eine ander« Spur verfolgt.. In dem Walde,-in. dem die Leiche lag, wurden Ueberrefte von Herdfeuern aufgefunben, und es besteht Gerade deshalb sind sieüberdie schlechten Kerle so. ungehalten, die ihnen ihr harmloses Vergnügen zu beeinträöAigen suchen.. Solche Spielverderber 'find nämlich die Magyaren. Während alle EntrüstungsMrsbrüche.der-'zivil'ssiexten Menschheit über die" .• M-etstschM-Di^dHGeft.. HMdsp^drachenhavt^- fc*. Mrtzeryen. SieHviede,. wirkungslos. .qhpxcckley, -haben. die GorchhaM glücklich die einKige der deutsche Pationalis-' mus kitzlich ist.- Sie' bringen nämlich gegen die in Ungarn wohnenden Deutschen, dieselben Mittel - zur Anwendung, di« -die Helfftrtchs, Wabers und Niehls dort, wo sie. zu Haust sind, ist Theo.rie und Praxis, propagieren.- Dabei sind die gelehrigen betharischen Schüler so zynisch, sich, sogar über di« den Groß-' deutschen bekanntlich besonders heiligen Verträge' von Saint-' Germain und. Trianon hinwegKusttzen. Man ermesst -also den. -tvutonischen Schmerzt Er.fand-seinen Ausdruck in einer.gr oßdeutschen Anfrage an,b.ie. österreichische Re-, .'g i e r um g, in der diese zu. Repressalien gegen. die Madjaren in der Form ausgefordert lvird, die vor den Horthyanern nach Wien geflüchteten. — J u d e n-'aüsznweistn. Diese. Rache wird Herrn Horthy ganz sich«? gefährlich werden: et wird, sich über sie gewiß krank-, wenn nicht gar fö-flachen. Da aber damit' leider die Gefahr nicht gehärmt ist, W'die germanischen Kampf--' methöden auch - sonstwo ('in der "WÄ unwillkömmene Nachahmung finden könnten/die" GaDtzbnüschen aber durchs charakteristische atttistmitifche Zwichsenrust ist'der gestrigen ParlülMentSsitzung zü erkennen' gäbest, -daß sie an' ihrem 'blutrüstst-iigen System auch weiterhin 'festhälken' wollen,könnenwir ihnen ein' noch viel geeigeteres Mittel zur Wahrung ihrer' Autorrechte empfehlen: Sie -mögen einfach hie Satzungen der' Ovganiation C. des Nationalverbandes deutscher. Offizier«,- der Riehl-Partei und alles,-was sonst noch um Hevmqnischen Wesen gehört, an ' dem. die Welt genesen soll, dem —. Patentamt« verlegen. Der fördernden Protektion — pardon!.des „Ehvenschntzes" des Ministers, Waber können sie auch bei dieser Aktton sicher sein, uich es kann für die Erhaltung der Ruhe und Ordnung auf der ganzen Welt nur vorteilhaft-sein, wenn bizarrer Chauvinismus, nationale-Unduldsämbeit und -anttstmiischer Amtsmißbrauch vor Nachahmung-geschützt werden-— als gesetzlich registrierte'Made in. Germany. Interesse für unaarrsche« Wein. Budapest, 17. Juli.' (Tel.-Komp.) Wie aus Fachkreisen Verlautet,..zeigt sich bei. der Annahme des - österreichischungarischen Warenaustauschvertrages 'ein lebhaftes Interesse Oesterreichs für ungarische Weine. Zahlreiche ungarische» Kellereien haben bereits größere Mengen der zu erwartenden Fechsung nach Oesterreich verkauft. , Die Könzesst«« der Markoni»Gesell« sch«st- Wien, 17. Juli. Eine hiesige Zeitung hat das Gerücht registriert, daß der englische Gesandte anläßlich der Verhandlungen mit der Mareom-Gesellschaft einen Druck äuf die öfter-- reichische Regierung - ausgeübt und insbesondere die Gewährung : , weiterer Kredit« von der Amvahine des Anbötes -der englischen - GeMschaft abhängig. gemacht haN s^^Polttische Korvespondrurll.-U.Lu der.Jestslelluna armächitüt.?'daß diese Müdung den Ritualmordlüge. die.Möglichkeit, daß das Mädchen von Wanderzigeunerk erschlagen worden ist. Die . am Mittwoch den 12. Juli vov> genommene ' Obduktion ergab, daß die Leiche sich bereits in einem ziemlich tzsyW» schrittenen Stadium der Verwesung befindet und daß sich - infolge dieses Umstandes am linken Fuß die Haut ablöse., An der linken .Halsseite wurde eine ungefähr sieben Zentimeter lange Schnittwunde festgestellt, welche die Hauptschlagader durchtrennt und den Tod des Mädchens herbeigeführt hatte. Weiter wurde an der linken Schläfe eilt« Verletzung und in ihrer. Nähe wurden kleine Kratzwunden festgestellt, die, wie die Wunden an. der Schläfe, von einem Hiebe, mit einem sülmpfen Gegenstände herrühren. Der Mörder hatte nämlich das Opfer, bevor er den Halsstich - führte, mit einem stumpfen- Gegenstände betäubt. In- - folge des Verwesungszustandes der Leiche konnten nähere - Untersuchungen nicht durchgeführt werden. Die Ermordete' hatte, wie die Obduktion ergab, an einem leichten Lungenkatarrh gelitten. - Allem Anscheine nach handelt es sich um Raubmord. Dafür sprichtder Umstand, daß der Leiche nichts be» lassen worden war. Außerdem weisen eingetrocknete Blntspuren am Halse der Leiche auf ein Kollier, das dic Täter geraubt haben dürften. Alle behördlichen Stellen, die bisher die Untersuchung in dieser Angelegenheit gepflogen haben weisen austzrückcklich darauf hin, daß es sich in diesem. Falle um einen gemeinen Mord handle und alle Gerüchte.' die von einem Ritualmord sprechen, böswillige Erfindungen und Hetzereien seien. Erwähnenswert ist noch, daß ein tschechisches fort« schrittliches Blatt die Vermutung äußert, das Gerede vor dem Ritüalmord sei asts dem Kr^is der ' ' Erzberger- und Rathenau-Mörder geflissentlich herausgetragen ivorden,. um. auch auf dieft Weife' im. antisemitischen Sinne zu wirken.. Diese Vermutung ist nicht .so unwahrscheinlich, als es den . An, schein hat. ' , Tatsachen nicht Ms^vicht Und der englische- Gesandtebtc- Er tcÄimg der Konzession cm die Marconii-Gesellschäft mit keine» - andsven.Fvage- »n..Aus-äm'm«n!hang.geibracht^hatjs. Vom chtistlichnatlonale« Kurs. HejjaL bäum nicht vorgelayen jverden. Budapest, ^;17." Juli. Gegen 'die Journalisten 'Lehel< K.a d a r und Stephan-L e n d v ach, die in. der vergangenen- Woche in den Zeitungen „Szoszat" und j,Ä Nep" über' H e' j a s Artikeh - veröffentlicht haben, die die Kon'fiszie- - rung der . beiden- Blätter nach .sich zogen, hat die Staätsa.rwaljschaft die In k lag es chrift fevtiggest eil ft - Gegen die Genastnten ist das.Verfahren wegen Anpreisung' eine# Verbrechens eingeleitet worden. In der Sa'mstagsihung der Nationalversammlung hatte Mamrtlich'der Ministerpräsident erklärt, daß die Staatsanwaltschaft zum Gegenstand , ihrer Erwägung machen.müsse, ob gegen Ivan Hejjas wegen seiner letzten Erklärungen ein Verfahren eingeleitet wer-' den könne. Der gegenwärtige Leiter der.Budapester Staatsanwaltschaft Dr. P o l a n y r. erschien heute in dieser Angelegenheit beim Justizminister. Er erklärte Journalisten gegenüber, daß er sich über djese Sache e r st E n d e, dieser Woche äußern könne. Nach dem Bomben alten tat gegen das El.isa b ethst ä dt er K a-s i n o ließ der Verein der Erw a ch e n d e n U n g a r n. ein Plakat afstchieren, in dein der damalige Minister des Innern Graf. K l ebelsberg auf das heftigste angegriffen wurde. Der Minister. erstattete gegen die Verfasser des Plakats die Strafanzeige wegen Verleumdung. Wie die Blätter melden,. erklärten die zur Polizei zitierten Direktoren des Vereins der'Erwachenden Ungarn, daß jenes Plakat auf Grund eines Direktoriumsbeschlusses entstanden sei und daß sämtliche Direktoren die Perant- Wortung dafür übernehnren. Die Polizei hat festgestellt, daß das Manuskript des Plakates von Ludwig Lukae sevics geschrieben ist, der jedoch erklärte, daß ihm der Text von mehreren Personen diktiert worden sei. Wie „Birradat" meldet, hat Oberst Paul Ron a h an der Verfassung des Plakats nicht teilgenommen. Die Polizei wollte in dieser. Angelegenheit auch Ivan Hejjas verhören; dieser konnte aber nicht borgeladen, werden. Hie. Untersuchung ist noch im Gange. ArbeiLerattssperrung. Budapest, 17. Juli. (Del.-Komp.) In der Ra-absr Waggonfabvik wnrden. durch die Direktion 2000 Arbeiter oüsgespevrt. Die Arbeiter hatten eine Lohnerhöhurrg verlangt, di« die Ddvektion im PrjnzlP zü gewähren geneigt war. di« sozialdemokratischen Angestellten traten jedoch, ohne daS Verhand-. lungSende abzuwarten, in-den Ansstand.-Die christlichsozinlen Arbeiter, die den Streik ausdrücklich Mißbilligt hatten, wollten < die ^vboit< sortsetzen.- DmMrektion' verfügte jedoch die AuSlvewuna der gesamten Ärbeiterschast.