Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1244 (18.7.1922)
- Date
- 1922-07-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie will durch diese -Mitteilung dem Gerücht entgegenwirken, das sich seit einigen Tagen hartnäckig erhält.' Eine Beunruhigung, wie che die Regierung anzunehmen scheint, hat dieses Gerücht nicht hervorgerufen, eher ist eine entgegengesetzte Wirkung zu verzeichnen gewesen. Denn die Erscheinungen der letzten Zeit sind nicht darnach angetan, Vertrauen in die ordnende Fähigkeit der maßgebenden Kreise zu verbreiten. Von dem ersten Austauchen der NoteubcmNdee angei fangen bis zu der gestrigen endgültigen Abstimmung im Nationalrat ist viel Zeit vergeudet worden, die von den Großbanken zu einer Reduktion ihrer Beteiligung, von i den Agrariern zur Sicherung ihres Einflusses in der zu bildenden Leitung des Instituts ausgenützt wurde. Der Weg zum Ende der Inflatation ist durch das Indexgesetz verrammelt worden, das durch den zweitägigen Verkehrsstreik erzwungenwurde. Das von den Christlichsozialen angelegte Gegenfeuer des Straßeubahnstreiks brachte eine Einigung auf Kosten des Publikums. Kurz darauf kam die offizielle Errechnung der Teuerung mit neuerlichen 41 Prozent und die Bekanntgabe, daß der Banknotenumlauf die Höhe von 560 Milliarden erreicht habe. Diese Umstände wirkten zusammen, um die Flucht von der Krone zu begünstigen. Verstärkt wurde die Bewegung durch die Bemühungen Deutschlands, die zur Aufbringung der Julirate seiner Reparationen notweMgen Devisenmengen in Wien zu decken, Das Bild, das der österreichische Platz heute bietet, ist das einer mit Kronennoten 'bedeckten Schuttstätte. Für einen Dollar zahlte man gestern 36.794, für ein englisches Pfund 164.775. . firx^denMhtyMxIMk^707L. für eina tschechische Krünk 83Z LsterMchssM KWness. ») E WM' der Goldkrone ist-derzeit mit 6100 Kronen festgesetzthat pber diesen Starck bereits überschritten. Es ist also nicht so verwunderlich, wenn das Gerede Mer die ausländische Kontrolle der österreichischen Finanzen vielfach mit freudiger Hoffnunss'angehört wurde. Aber viel steckt nicht dahinter. Die Entente hätte die Finanzkontrolle schon längst einführen können, chat es aber unterlassen, weil die Voraussetzung hierfür die Gewährung von Arbeitskrediten nach der Aufhebung des Generalpfandrechtes wär^. Aber die Entente ist auf dem Ohr der Kredite stocktaub. Sie verspricht nur und sendet höchstens einige geringe Vorschüsse, zu deren Verwaltung Kontrolleure nach Wien gesetzt werden. England verfügt über ein solches Organ, Frankreich hat einen Delegierten ernannt und Italien dürste diesem Beispiel folgen. Es ist möglich, sogar wahrscheinlich, daß diese bret- Revisoren sich von Fall zu Fall zusammenfinden werden. Aber Oesterreich hat bisher von solchen Beratungen wenig Gutes gehabt. - Im Widerspruch zu dem Kontrottplan steht auch das gestern aus London verkündete Desinteressement der finanziellen Kreise für Oesterreich. Die internationale Haute finänce ist gegenwärtig von der Angst um die deutsche Mark derart gefesselt,, daß sie für andere Dinge kein Interesse aufbringt. Es ist nutzlos hervorzuheben, daß der Niederbruch Oesterreichs, die Zurückweisung seiner Währung durch die eigene Bevölkerung,, den Niederbruch der mitteleuropäischen Politik besiegeln und einer neuen bolschewikischen Welle den Weg freimachen würde. Das ist auch in der Entente wiederholt aüsgesprbchen worden und in der französischen Kammer hat man vor kurzem Oesterreich den Eckstein des mitteleuropäischen Systems genannt. Aber Ecksteine haben ein etwas anrüchiges Schicksal. . Was aber geschieht in Oesterreich, dessen leitende Kreise, sowohl die politischen wie die finanziellen, doch heute schon wissen sollten, was in solchen Zeiten und Stimmungen möglich ist? Es geschieht das, daß der Nationalrat nach erfiMer Abstimmungspslicht in die Ferien geht, daß der Hauptausschuß der Bureaukratie die Erlaubnis erteilt, Monopolpreise und Tarife nach, ihrem Ermessen hinaufzunmnerieren, Weder wirtschaftlich noch politisch zeigt sich der Hauch einer rettenden Idee. Die Christlichsozialen haben, die Bauern aus der Zwaugsanleihe - und der Goldhypythek herauseskamotiert, die Sozialdemokraten haben rasch, ehe die Notenbank noch konstruiert ist, den Index gesichert und der Finanzminister hat unter deutlicher Anspielung aus den jüdischen Blitzableiter eine Teilung der Bevölkerung in Gutgesinnte und Böswillige vorgenommen. Das ist alles Die Großdeutschen sind mit ihren häuslichen Streitigkeiten zwischen Radikalen, Deutschsozialen und alten Die Wiener Male der reMeMett Unsere Enthüllung^., über Waller. — Eine Interpellation int Nattonalrüt Die von uns gebrachten Enthüllungen über den Amtsmitzbrcmch durch den als Judenhetzer bekannten Minister Waber haben zu folgender Interpellation der Sozialdemokraten im Nationalrat Veranlassung geghen: Anfrage der Abg. Glöckel, Prost, Al link und Genossen an die Bundesregierung über die öffentlich gegen den Bundesunnister Dr. Waber erhobene Beschuldigung der Begünstrgung von Perbrechern: In der „W r. Morgenz eitung" erschienen in der letzten Zeit mehrere Artikel, bezw. Abschriften von Urkunden, ans denen hervorgeht, daß. Personen, die im Nationälverband deutscher Ossiziere eine Rotte spielen, sich verschiedener Verbreche n, insbesondere auch des Hausfriedensbruches und des Diebstahls schuldig gemacht haben, nnd daß der gegenwärtige Minister Dr. W a b e r in seiner früheren Eigenschaft als Bundesminister für Inneres und Unterricht den ertappten Verbrechern amtliche Schriftstücke über die gegen sie geführte Untersuchung zugänglich gemacht und dadurch die Untersuchung erschwert Hai. Die Polizeidirektion hat in der letzten Zeit eine Mitteilung veröffentlicht, die im wesentlichen eine glatte Bestätigung der Angaben der „Wiener Morgenzeitung" bringAW aber natürlich Über die Rölle des Ministers ausschweigt, der ganz ergeben mit trendentschem Gruß »abgesträsten Pervrechern Polizeiberichte zugänglich macht. Dir haben an Hand dokumentarischer Belege die lichtscheue, die Sicherheit des Staates gefährdende Tätigkeit des Nationalverbandes deutscher Offiziere, Landes» stelle Oesterreich, foferne sie sich auf die Anlage geheimer Waffendepots, Verhetzung und „Wehrhastmachurrg" der Jugend bezieht, der Oeffentlichkeit enthüllt. Die Hohenzollern-Lrute in Oesterreich begnüge« sich aber nicht mit der Vorbereitung zu Gewalttaten, sonder« trachten auch mit Hilf« gefügiger Elemente bei den Regierungsstellen, vornehmlich aber mit Hilfe der Gvoßdeutschen Bolk^partei und der dieser Partei angehörenden Minister, unbequeme Elemente aus den öffentlichen Acmtern zu entfernen und ihre Posten mit „zuverlässigen" Leuten zu besetzen. Wie weit diese hinterhältigen Machinationen gediehen sind, erhellt aus dem nachstehenden Briefwechsel. Er ist auch interessant zu beobachten, wie energisch die Hohenzollem- Leute die Staatsgewalt, deren grimmigsten Feinde sie selbst sind, aßrufen, wenn es sich um ihre politichen Gegner, die Karlisten, handelt. Der uns im Original vorliegende Brief trägt die Stampiglie: „Natwnalverband deutscher Offiziere, Landesleitung Deutschösterreich, Wien, 8. Bez., Langegasse 13." Er ist. mit Protokollzahl 257 und dem Datum vom 22. September 1921 versehen. Um Raum zu sparen, sind^ einige belanglose Stelle« weggelasse», Der Brief lautet: „An die vrrehrliche Parteileitung der Großdeutschrn Volkspartei! Der Natwnalverband deutscher Offiziere hat bei seiner letzten Versammlung am Mittwoch den 21. d. beschlossen, drei zur Sprache gebrachten Fragen -er Parteileitung der Grotzdeutschen Bolkspartei zur besonderen Beachtung zu empfehlen, mit der Anregung, ihren Parlamentarischen Verband mit der rücksichtslosesten Erledigung dieser Fragen zu beauftragen" „Me Welt weiß, daß die Kavlisten auf einen gewaltsamen Umsturz in Oesterreich htnärbeitey. Alle Welt weiß, daß der Reichsbund der Oesier- Da dieser selbe Minister im jetzigen Kabinett mit der Würde eines Justizministers belleidet ist, hat die gesamte Oeffentlichkeit ein großes Interesse daran, z« wissen, ob jene öffentlich erhobenen und noch nicht widerlegten Vorwürfe gegen den Buttdesminister Dr. Waber gerechtfertigt sind. Die Gefertigten richten daher an die BnudestegiS' rung die Anfrage: Ist die Bundesregierung geneigt, dem Natioualrat voll und rückhaltslos darüber AusklLrmtg zu geben, ob und inwieweit die in der „Wr. Morgenzeitung" gegen den Bundesminister Dr. Waber erhobenen Vorwürfe einer Begünstigung der wegen Hausfriedensbruches und Diebstahls verfolgten Angehörigen des Nai'wnalverbarrdes deutscher Offiziere den 'Tatsachen entsprechen? Wir sind begierig zu erfahren, was die Negierung antworten wird. Wir halten-unsere Behauptungen selbst» verständlich vollinhaltlich aufrecht, und sind neugierig, ob die judenliberalen ZeitungWMie die „Neue Freie Presse" nnd das „Nene Wiener Tagblatt" usw., noch weiterhin ihrem Lieblistg, dem Judenfresser Waber, die Mauer machen werden. - BLQMle reicher der Herd der Wühlarbeit ist. Mau weiß, daß Prinz Johann Liechtenstein das Haupt des Bundes ist, dast Dr. Wiesyer der Diplomat, Dr. Funder und Dr. Eberle mit ihren Blättern das Sprachrohr der Kar- Usten sind. Das alles weiß man, , nur die Regierung und die Behörden scheinen das nicht zu merken oder wollen es nicht merken. Da es allgemein bekannt ist, daß französisches Geld den Karlismus unterstütze, etwa amtliche Feststellung: dessen aber unsere Stellung gegenüber der Entente ungemein stärken müßte, wäre energisches Zugreifen hei allen führenden Karlisten geboten, um die karlistische Gefahr im Keime zu ersticken." „Die Regierung wird von seiten der Entente zum Abbaue der Beamtenschaft genötigt. Die früheren Regierungen haben das unglaubliche Verbrechen auf sich geladen, zahllose Ftemdstammlinge, vor allem Tschechen und Juden in allen Zweigen der Staatsverwaltung zu belassen. Tschechen sitzen in allen Aemtern, im Richterstande, in der Wehrmacht, in der Gemeinde Wien und unter den Eisenbahnangestellten. Der Abbau kan» am besten damit begonnen werden, die Tschechen u n d d i e Juden anSznscheiden. Aber rasch müßte mit diesem Abbau begonnen werden. (Anm. der Red. Hier folgt ein längerer Passus, der die Verhinderung des Verkaufes des Krongutes Eisenerz-Padmer an die Amerikaner fordert.)" „Der Natwnalverband deutscher Offiziere lenkt die Aufmerksamkeit her W^eileHung aus diese wichtigen Frage»! und fordert sie auf, dahin zu wirken, daß die Abgeordneten der Grotzdeutschen Volkspartei das Eingreifen der Regierung erzwingen. Im Aufträge des N. D. O. Der Geschaftsführende: (Unterschrift) Legat, Oberst." Der Brief trägt die Bemerkung, daß der Obmann des Rationalverbandes Geneval Kraus sein Verfasser ist. Das nachstehend, auszugsweise wiedergegebene Antwortschreiben trägt die Geschäftszahl R I— Ratiottalverbändlern aufs intensivste, beschäftigt.' Alle Parteien haben das ihre erreicht, der Ersparüngskommissär. denkt angestrengt über den Beamtenabbau nach, und der Waber ^verwelktet die Justiz. Er muß die tschechischen, klerikalen und jüdischen Bearpten hinausekeln. So heiter ist das Leben in Oesterreich. Indessen braut sich das Ungewstter zusammen und, - wenn es zu . einer Explosion kommt, wird man in Oesterreich den . Terror der Straße verfluchen . und die hochwohlweisen Staatsmänner der Entente werden ägriert die Meldungen ihrer Wiener Vertreter lesen: Vielleicht werden sie sogar eine Konferenz abhalten, welche beschließt, / das österreichische Problem einer Subkommission des juristischen Ausschusses des/ Völkerbundrates zuzuweisen-