Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1241 (15.7.1922)
- Date
- 1922-07-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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' S-i>r « äStctt, ©amitttft Wiener MorgenzelLuttg. 16. Juli 1922 Nr. ILLt '/' Letzte Nachrichten. Die Haager Konferenz gesprengt. Haag, 14. Juli. (Wolfs.) Heute vormittags fand noch ifite Sitzung der Unterkommission für Kredite mit den .mtffen statt. Vorsitzender Avezzana wies darauf hin, daß vs unmöglich sei, die Bestechungen über die Kreditfragp rac^ den Vorgängen in der Unterkommission für das Privateigentum fortzusetzen. Der britische Delegierte Voüng erklärte hierauf, die unversöhnliche Haltung Rußlands habe eine weitere Besprechung der K r e d i t f r a g e unmöglich g e.m a ch t. Litwinow erwiderte, daß nur die nichtrussische Unterkommission an dem Mißlingen der Konferenz schuld sei. Avezzana erklärte demgegenüber, daß auch die nichtrussische Kommission Nicht unversöhnlich sei und die Tür noch nicht geschlossen habe. Wenn die Russen neue Tatsachen und neue Vorschläge mitzuteilen hätten, so wäre setzt Zeit dazu. Litwinow antwortete, daß die Russen keine neuen Vorschläge zu machen hätten. Nachdem die Aussprache noch einige Zeit fortgesetzt worden war, wurde die Sitzung geschlossen. Eine ExplosionsLatastrophe bei Rzeszow Die W e st u k r a i n i s ch e Presseagentur ftclbei: Die Stadt Rzeszow (Westgalizien)' und Umgebung ist von einer schweren Unglückskatastrophe heimgesucht worden. Das militärische Pulvermagazin in Powicznia bei Rzcszow ging am 12. d. in die Lust. Da im Magazin Geschosse schwersten Kalibers deponiert waren, ist das durch diese Explosion verursachte Unglück unermeßlich. Die umliegenden Dörfer sind vollständig zertrümmert. Die explodierten Geschosse fallen auf die Stadt Rzcszow. Eine Rettungsaktion ist zurzeit unmöglich. Die Zahl der Opfer konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Die. Ursache der Explosion ist noch nicht festgestellt worden. * Jakob Kirschenbaum in Wien. Seit gestern weilt hier der bekannte Redakteur des New Aorker „I e w i s h M o c* ning Journal", Herr Jakob Kirschen b anm. Kirschenbunin wirkte längere Jahre als Generalsekretär des amerikanisch-jüdischen Galizianerverbandcs in New-Z)ork und hat sich um die Organisierung der galizischeu Juden in Amerika besondere Verdienste erworben. Er war die Seele der jüdischen Hilfsaktionen für Ostgalizien, die in Amerika unternommen wurden, und hat auf diesem Gebiete Bdeeutendes geleistet. In der Frage des amerikanisch-jüdischen Kongresses hatte Kirschenbaum' als Wortführer des Gälizianervcrbandes eine führende Rolle inne. Er ist ein gründlicher Kenner des jüdischen Emigrantionsproblems und war als solcher längere Zeit dem amerikanischen Emigrationsamt in New tzjork als jüdischer Konsulent.beigegeben. Herr Kirschenbanm hat gegentvärtig im Aufträge seines Blattes eine Reise nach Osteuropa unternommen, um die jüdischen Emigrationsfragen zu studieren. Er wird einge Tage in Wien, verweilen. * Personalnachricht. Ter Schweizerische Gesandte Doktor Charles Bourcart begibt sich mit seiner Gemahlin auf Urlaub in die Schweiz. Er wird voraussichtlich Mitte September auf seinen Posten zurückkehren. Während seiner Abwesenheit wird Legationssekretär Ch. v. Jenner als' Geschäftsträger amtieren. * Entfallender Empfang. Heute entfällt der übliche Empfang beim Bundesminister für Verkehrswesen Doktor Odehnal. * Wetterbericht. Die westlichen Teile Oesterreichs haben bedeckten Himmel, die östlichen Teile haben nur geringe oder mäßige Bewölkung. Tie Temperaturen sind sehr gemäßigt. Irl Deutschland hält trübes, vorwiegend kühles Wetter an. Voraussage: Wechselnde Bewölkung, zeitweise etwas Regen, mäßig warm, unsicheres Wetter vermutlich noch von längerer Dauer. * Fahrt auf der Ueberleitungsstrecke Währingerstraße— Haltestelle Westbahnhof der Wiener Stadtbahn. Wer, von der Franz Josefsbahn kommend, einen nur bis Wien Franz Josersbahn (Währingerstraße) gültigen Fahrtausweis oder, von der Westbähn kommend, einen nur bis Wien Westbahnhof (Haltestelle Westbähnhof) gültigen Fahrtausweis besitzt und die Strecke Währingerstraße—Haltestelle Westbahnhof befahren will, hat zur Vermeidung einer Strafzahlung von 400 Kronen für die dritte Klasse oder 800 Kronen für die zweite Kalsse schon in der E i n ste i gst a t i on eine'besondere Ergänzungskarte zu lösen. _* Die Volkszählung in der Tschecho-Slowakei. Die gestern veröffentlichten Resultate sind dal)in zu versieben, daß es sich um die Volkszählung in Böhmen, also nicht in der gesamten Tschecho-Slowakei, handelt. Darnach bekannten sich von 0,070.578 Einwohnern 4,382.803 zur tschechischen, 2,173.230 zur deutschen und 11.251 zur jüdischen Nationalität. * Eine Prämie der französischen Akademie. Ans Paris wird uns berichtet: Tie französische Akademie hat Frau Sophie .Klein, Professorin der französischen Sprache und Literatur in Wien, 500 Franken zngesprochen. * Eine neue Methode gegen Typhus, Cholera und Ruhr. Die französischen Aerzte haben mit einem neuen Verfahren gegen Typhus, Cholera und Ruhr, das wirksamer ist als die Schutzimpfung, ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Das Verfahren besteht darin, daß der Kranke nicht geimpft wird, sondern den Impfstoff einnimmt. Besonders in von Typhuskrankheiten heimgesuchten Gebieten zählte man unter 054 nicht geimpften Bewohnern 50 Fälle von Typhuserkrankungen, wahrend bei 1236 nach der neuen Methode behandelten Personen bloß zwei Fälle von Erkrankungen gezählt wurden. * Lemüerger Ostmesse. Unter der Teilnahme des Gremiums der Wiener Handelskammer, des „Polmarkt", - des Handelsmuseums der Warentransportgesellschaft „Wawel", der Redaktion der „Wiener Messe", des Gremiums der-Kaurmannschast und anderer fand gestern eine Besprechung üoer die Lembcrger Ostmesse statt, bei wlcher der Direktor der Lem- -berger Ostmesse, Dr. Großmann, der eigens zu diesem Zwecke nach Wien gekommen war, Aufklärungen gab. Alle Anwesende" bekundeten ar-Ms Interesse für die Lemberger Ostmesse» Mitteilungen aus dem Publikum. Buczacz Stanislau Verlobte Im Juli 1 922 meter,cherbe. Der Chauffeur ist ein großer, starker und dicker - Mann. Auf die Wiedererlangung , des KoffeLs mit Inhalt ist " chtc Belohnung von einer' Million Kroneu^uZgesetzl. * Äerzl-Andachk. Im Belhäüsvereins L'vias Ehen. Hl. Kollandsttatze 2 (Stefaüiehof) ‘ wird Heute, 6 Uhr nachmittags.J eme SS e r 3 l - A n dacht veranstaltet. Es werden die'Kirren ' 2. 6. Vetter und Lackstei n sprechen. Der übliche Bor- : trag des Vereinsrabbiners wird um 7,5 Uhr nachmittags statt- .stnden. Zur Vermählung meiner lieben Pchwpsbr Frl. Girl Linczyc mit Herrn Mendel Tarnorucki gratulieren herzl chst Josef Ltacxyc und Frau . cr,M ... Wien, II. , IIJiLLY , Herr und Frau Josef Knisbacher zeigen die glückliche Geburt einer Tochter an Wien, im Juli 1922 9704 .TALES-FQBRÜU ÖTelephon 15-5-3.) DTl^tO Telephba 15-55-35 | Knfsbacher & Windschauer, Wien, 1.,-Mwnt 6 | im' vsr'sny <«* b Export nach allen Staaten Metallwarenfabrik I X., Bttenreicligasse 3 I offeriert zu den kulantesten Bedingungen 6C7 Haus- und Hü eben ge rate aller Art, besonders Spezialerzeugung von cleklrisclien Koch-, Heiz- und Bügelapparaten Verlangen S i e P r o s p e /» t! '* Der Telephonverkehr. Nach einer Mitteilung der Telegraphendirektion wurde der telephonische Verkehr ausgenommen von Wien: mit Jllmitz im Burgenland (ein Ge- S 540 K.), mit Maria-Saal in Kärnten (900 K.) und mit isch-Feistritz in.Jugoslawien (150 Cents in Gold, das sinh 4200 K.).' Die Telephonstelle in Feistritz (Bezirk Murau) wurde aufgelassen. -'..Die Erhöhung des Spielkartenstempels. Das Bnndesministcrinm für Finanzen hat verfügt, daß alle Spielkartenverschleißer die am 19. d. bei Wen vorhandenen Vorräte an Kartenspielen, die nach den bisherigen Vorschriften gestempelt.. sind, Inhaber von Gasthöfen, Gasthäusern. Kaffeehäusern und sonstigen Beherberaungs- oder Verköstigungsunternehmungen, Vereine, Klubs uno sonstige Personenvereinigungen, wenn, in den von ihnen benützten Räumen der Gebrauch von Spielkarten regelmäßig stattfindet, und.Privatpersonen, die mehr als fünf Kartenspiele in amtlich verschlossenen Umschlägen besitzen, dies bis längstens 16. August d. I. beim Stempelamt in Wien, bei einer Finanz- und gerichtlichen Depositenkasse in Wien oder bei einem Steueramt unter Vorlage der Kartenspielc und gleichzeitigem Erlag des für die Nachstempelüng zu entrichtenden Gebührenbetrages mit stempelfreier Eingabe "an* zmnelden haben. Die Anmeldung ist in zweifache r Aus- '• fertigung zn überreichen und vom Einreicher zu unterfertigen. Sie yar außer der Firma (Vor- und Zuname) des Anineldenden die Anzahl der nachzustempelnden Kartenspiele gesondert nach der Höhe des bisher entrichteten Stempelbetrages von 2, 4 oder 8 Kronen sowie die Abgabe des für die Nachamnel- . düng zu entrichtenden Betrages (von je 48 Kronen für die mit 2 Krotten gestempelten, von je 90 Kronen für die mit 4 Kronen gestempelten und von je 192 Kronen für die mit 8 Kronen gestempelten Kartenspiele) zu enthalten. * Strafanzeige gegen den Goldfüllfederköniz. Gegen den durch seine ausfallende Reklame bekannten Goldstillfederkönig, 1. Bez., Graben, sind beim Kriegswucheramte wiederholt Anzeigen wegen übermäßiger Preisforderung für Reparaturen nn-d deren unsachgemäße Ausführung cingelaufen. So verlangte er im März dieses Jahres für die Reparatur einer Füllfeder von einer Wiener Hochschülerin 6000 K., wobei er die schadhaften Teile, die er'schon vorher hätte austauschen sollen, cujt nach der Beanstandung von seiten der Eigentümerin der Fiillsoder durch neue erjetztc. Für die anderen zur Anzeige gebrachten Reparaturen verlangte er ebenfalls Beträge, die mit der Arbeitsleistung nicht im Einklang stehen. Erhebungen in einschlägigen Geschäften ergaben, daß die beanständeten Reparaturen billiger herzustellen gewesen wären und nicht sachgemäß durchgeführt wurden. Zur Kalkulation aufgefordert, rechnete er die Kosten seiner außergewöhnlichen größere Reklame sowie, die Kosten der Einrichtung des Pavillons am Graben in die für einen Zeitraum von drei Monaten aufgebante Rcgieaufftellung ein. Die Preisprüfungsstelle bezeichnete das geforderte Entgelt in allen Fällen als übermäßig. Der Besitzer der Firma Ernst Winkler wurde dem Gerichte angezeigt. *' Ein diebischer Chauffeur. Wie berichtet hatte am 11. d. ^abends ein Währinger Kaufmann ein unangenhmes Erlebnis. Er war mit der Westbahn angekommen und hatte im Bahnhof einen Antvtaxichanffeur zur Führt in die Wohnung ausgenommen. Am. Ziele angelangt, war der Chauffeur auch abgestiegen und hatte dem Kaufmann das Gepäck aus dem Wagen gereicht. Während der Kansman das Fahrgeld zuisammensuchte, stieg der Chauffeur wieder ans und sagte auf eine Frage, er habe dos letzte Gepäckstück, einen Kofer aus weißem Schweinsleder mit braunem Ueberzug, schon der Gattin des Kaufmannes : gereicht. Dann fuhr der Chauffeur weg. Dann erst nahm der 'Kaufmann wahr, daß der Koffer fehlt. Sein Inhalt ist 20 Millionen wert: Außer einer mattgoldenen Handtasche mit. glanzgoldenom Bügel, die allein etwa 12 Millionen wert ist, waren darin: ein Nähneeessaire, Toiletteartikel, eine weiße und eine schwarze K'ammgarnitur, eine Haarschneidemaschine usw. Der-Kaufmann ist überzeugt, daß der Chauffeur gewußt hat, das; dieser Koffer noch im Wageninnern ist. Der Wagen ist von alter Tvpe, rot gestrichen, hat eine Figur auf 1 dem Küble.)-, schwarze Lederpolfteruna. und eihe runde. Taxa- Vereine, Vorträge und Verfammlnugen. I u g e n d v e r e i n A h a w a t h Zion, II.» Kwsnk Zufahrtsstraße. ' Leute, prä zise 8 Uhr abend-/ Kärzl'-Feier.. Programm: Deutsche .Antpräche.' Kebräische. Änspräche. Deklamationen.' Gäste willkommen. — Kebrä-ischer Klub, ll.. Taborstraße 1, Mezzanin. Keule, 7 Uhr aben.ds, Vortrag des Kerrn Dr. Chaim Lartokower: „Theodor Kerzls . 18. Todestag." Kebräischsprecbende willkommen. — Verein Crez Israel, II., Zirdusgosse 33. Keule, V»8 Uhr abends, int-rne Kerzl-Fe'er. Erscheinen aller Mitglieder Pfl'cht. Morgen. 7 Uhr früh, treffen sich die Sammler für den Keren Kajemelh bei der Kalteslelle des 10er-Maarns. — . Z i o n i.ft i s ch e Zugendgruppe XX, (Kultursektion), XX., Karl Meißlslrotze ö. Keule. 3 Ubr liochmiltags, wichtige V itgliederoekfammlung. Morgen, 7 Uhr früh, Gang zum Grobe Kerzls. Versammlung im Vereinslokale. XX., Karl Meißlftraße 5. - H28 Uhr abends. Kerzl-Fe>er in der Toynbeehalle, XX., Demsoasse 33. Restliche Karlen an der Abendkasse. Karlenabrechr.uug ob 3 Uhr nnchmiliags bis 7 Uhr abends. — Jüdisch-aka d e m isch e r Verein K a 0 r. Zwecks gemeinsamen Ganges zum Grabe Kerzls. Iresfen sich alle Anlglieder morgen. l/2S llhr früh, beim Kolel Union. Nachher wichtige Besprechung — I ü d isches Jugendheim. Pros. Dr. Friedrich. .Kettüer hält Dienstag den 18. d., 7 Uhr abends,' im Jlidiscken Jugendheim. IX., Berggasse 7. einen' Vortrag über den „Sinn der elhischen Erneuerung: Freier Zutritt für die denkende Jugend. —, Emigruntenhe i m. Im Waadlaa-iM .owdim wn'd Kerr Dow Kos aus Paläslina, heute, '/.,3 Üdr nachmittags, 4m Bet Chaluzim IX., Türkenstrahe 24, einen Vortrag über „Dl: ’ gegenwärtige Lage in Erez Israel" Hallen. Urania. Keule. 6 Uhr'(Großer Saal): Durch den West-Sudan. 8 Uhr (Großer Saal): Beherrscher der Lüfic. — Sonnlag den 16. d., 5 Uhr (Großer SaalF. Durch den Wesl- Sudan. 7,8 Uhr (Großer Saal): Aus der Glanzzeit der heiteren Wiener Musik. — Montag den 17. d.. 7,6 Uhr (Großer Saal): Lhackletons Südpol-Expedition.' 8 Uhr .Großer Saal): Durch' den West-Sudan. ■ Eruährrmg. Die LedeNSMittelMärkte. Geringer Verkehr, steigende Preise. Der Verkehr in der Großmarkthalle ist anhaltend ger.rnK. da die Preise für Fleisch und Fett keine Entspannung aufweisen. Wohl hat sich im Kleinverkehr Rindfleisch um 200 K. pro Kilogramm vevbilligt, doch übte dies auf den Konsum nicht die geringste Wirkung aus. Schweinefleisch hat sich im Detailverkauf weiter um 200 K. verteuert. Im Großhandel wurden außerdem die Preise für Speck und Selchfleisch weiter um 800 K. hinaufgesetzt, der Preis für Banchfilz hat sich im' Beraleiche zur vorigen Woche um 2000 Kl beim Kilogramin er-, höht. Im Großharrdel ermäßigte sich der Preis für Pferdefleisch um 200 K. beim Kilogramm. Von auswärts waren gestern fünf Waggonladungen mit verschiedenen Fleischgattungen angekommen, von denen drei aus Jugoslawien,' einer aus dem Burgenland und einer aus Ungarn stammten. Auf den Brünwarenmärkten. sind die Zufuhren an Gemüse und Obst schwächer, als-es sonst in dieser Jahreszeit der Fall zu sein pflegt, weshalb auch die Preise nicht nachgeben. Man kann im Gegenteil leider auch aus den Grünwarenmärkten eine steigende Tendenz der Preise konstatieren. Bei den aus dem Auslande bezogenen Artikeln werden die valutarischen Verhältnisse als Grund der Steigerung angeführt, die aus dem Inland kommenden werden „angeglichen". So kostete gestern ein Kilogramm itulienischcr Paradeiser'auf dem Naschmarkt 1400 K., italienische Kartoffeln notierten m-t 900 bis 940 K., Häuptelsalat,. Kohl, Kohlrabi steigen weiter im Preise. Auch auf dem Obstmärkt macht sich dieselbe Tendenz' bemerkbar. Ungarische Marillen notierten 1000 bis 1700 K., Pflaumen mit 1100 K. das Kilogramm. Eier waren aus Steiermark, aus dem Burgenland und aus Ungarn in genügenden Mengen auf dem Markte, ihr Preis bewegte sich zwischen 285 und 300 K. pro Stück. Niederösterreichische Butter war zu einem Kilogrammpreise von 9000 bis 12.500 K. auf dem Naschmarkt äugoboten. Bühne und Kunst. Lrtdwig Fulda. Heute feiert Ludwig Fulda seineu 60. Geburtstag. Ein liebeuswürdiges Talent, das unberührt von den bedeutsamen literarischen Revolutionen, zu desseü Zeitgenossen es der Zufall gemacht hatte, das dankbare Genre des ewig Gestrigen pflegte. Trotzdenr ist auch Fulda einmal als „Revolutionär" in die Acht getan tvorden. Natürlich ivar es der übertriebene Spürsinn Wilhelms des Zlveiten, der für diese Lächerlichkeit sorgte. Deutschlands letzter Kaiser entsetzte sich über die respektlosen Verse rm „Talisman": „Herr König, dürft euch nicht erbosen: Ihr bleibt ein Herrscher auch in Unterhosen." Nun, an Wilhelm dein Zweiten hat sich diese Prophezeiung nicht erfüllt. Die Wirklichkeit, legte noch eine viel größere Respektlosigkeit an den Tag, als Fulda in seinen ziemlich harmlosen Lustspielen, die aber stets ein gewisses literarisches Niveaix Ivahren. Was Fulda zu einen: wirklichen Künstler stenrpclt, ist hauptsächlich sein Formtalent. Dieses prädestinierte ihn auch züm klassischen U e b e r s e tz e r. Als solcher hat er sich um die Verdeutschung Molieres und des „Cyrano de Bergerac" von Rostand bleibende Verdienste erworben. Von seinen eigenen Stücken stehen immer einige auf dem 1 Repertoire der literarischen Bühnen. Das Wiener Burgtheater leistete sich das heimlich viel belachte Hirschauerstückchen, im ersten Kriegsjahre/ als die Wogen patriotischer Begeisterung besonders hoch' gingen, am Jahrestag der Thronbesteigung des Kaisers Franz Joseph Fuldas — „Dummkopf" anzusetzen. Zum Glück erüging die verfängliche Sache den stets mit Blindheit geschlagenen Behörden, und so blieb Fulda das unverdiente Schicksal erspart, auch' in Oesterreich als staatsgejährlich verschrien, yi werde'* * /