Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1239 (13.7.1922)
- Date
- 1922-07-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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beite 4 Wien. Donnerstag Wiener Movgerrzekkrtng. 18. Juli 1928 Jfc 1S3V »ungen freizurnachen. Seit der Zusammenlegung der Bundesbahndirektionen Nord, Nordwest und Steg wurden zahlreiche Amtsräume aufgelassen, wodurch 200 Bedienstete Wohnungen bekamen. Den staatlichen Industrie- Werken konnten 54 Räume übergeben und für Person alküchen und Personalausschüsse ungefähr 40 Zimmer zur. Verfügung gestellt werden. Außerdem konnten einige -Nietungen in Privathäusern aufgelassen werden. Auch die Bundesbahndircktion West hat, allerdings in geringem Ausmaße, Amtsräume für Wohnzwecke umgestaltet. Durch Auflassung der erwähnten Amtsräume wurden Ersparungen an Beleuchtung und Beheizung im Betrage von 300 Millionen jährlich erzielt. Der Abbau von Amtsräumen wird weiter betrieben. Eine gründliche Abhilfe kann nur durch die Verlegung des Verkehrsministeriums in ein großes gemeinsames Gebäude geschaffen werden. Als solches kommt das Kriegsministerium in Betracht. Durch weitere Uebertragung von Amtsräumen aus Privatgebäuden ist zu erwarten, daß ungefähr 35 weitere Wohn räume freigemacht werden. Eine Konferenz der Regierung mit den ParteienVertretern. ' Wie die Korre'vondenz Kerzog me'del, fand gestern abends in Bundeskanzleramt über Einladung des Bundeskanzlers eine mehrstündige Besprechung der Negierung mit den Befreiern sämtl'cher Parteien-und der Neserenten über Sie G.setzesvorlagen, die de-zeit das Parlament beschäftigen, stalt. Verschoben! Paris, 11. Juli. (Havas) Die Reparationskommission hat die Erörterung über den Vorschlag der österreichischen Regierung auf Heranziehung gewisser öffentlicher Einkünfte als Bürgschaft für eine Anleihe verschoben. Paris, 12. Juli. (Havas.) Die Reparationskommisston beschäftigt sich gegenlvärtig mit der Aushebung der ö st e rreichischen Pfandrechte. Es wurden qn die verschiedenen Legierungen bestimmte Fragen gerichtet, deren Beantwortung die Reparationskommission abwartet, bevor sie eine Entscheidung trifft. Ungarn. NaLionalVersammlANg. Budapest, 12. Juli. (Ungar. Telegr.-Korr.-Bur.) In Fortsetzung der Debatte über das Budgetprovisorium äußerte sich Handelsminister Valke über die aktuellen handelspolitischen Fragen. Was die wirtschaftliche Verbindung mit den einst zum gemeinsamen Zollgebiet gehörigen Staaten betrifft, führte der Minister aus, so streben wir nicht solche Abkommen an, die bloß Ungarn Vorteile gewähren, sondern solche, die auch für jene Staaten von Vorteil sind, mit denen wir die alten Verbindungen wieder anknüpfen wollen. Es muß nicht gleich von Handelsverträgen die Rede sein, sondern infolge gewisser finanzieller Fragen von Abkommen wirtschaftlicher Natur, die den Warenaustausch und die Ko n L r n g e n t i e r u n g e n regeln. met sind vier jüdische Delegierte aus Saloniki und ein Delegierter aus Adrianopel. — Der Vorgang der Wähl allerdings ist höchst eigentümlich. Die Juden dürfen keine eigene Liste aufstellen; um doch Mandate zu bekommen, schließen sie mit den beiden konkurrierenden Parteien ein Wahlkompromiß ab, demzufolge beide Parteien vier Juden im Wahlkreis Saloniki aufstellt. Da in Griechenland kein Proportionalwählrecht existiert, so bekommen die Juden — welche Partei immer siegt — ihre vier Mandate. Bei einem moderneren Wahlrecht hätten sie allerdings etwa zehn Mandate zu erwarten. Die jüdische Gemeinde genießt weitgehende Autonomie und ist in zionistischen Händen. Eine nichtzionfftische Partei existiert in Saloniki nicht. Einzelne „Notabeln" gibt es, die nicht für zionistische »Zwecke Geld geben wollen und in letzter Zeit eine an Zahl sehr geringe Gruppe jüdischer' Jugendlicher, die sozialistisch organisiert ist. Das jüdische Proletariat Salonikis, die Hafenarbeiter, Bootsknechte, Handwerker, ist überhaupt nicht organisiert und lebt ziemlich getrennt von der jüdischen Bourgeoisie. Diese wieder ist dadurch dem Volke allmählich enffremdet worden und — da eine Schicht geistiger Arbeiter, wie sie in Europa vorhanden-ist. — vollständig fehlt — noch mehr in Gefahr, zu erstarren als anderswo. Um meinen Gesamteindruck von Saloniki in wenigen Worten zusammenzufassen, möchte ich die Worte wiederholen, die der Großrabbiner tiefernst zu mir gesprochen hat: „Die eine Million sephardischer Juden ist zionistisch well ein Sepharde gar nicht versteht, daß man nicht für die Rückkehr der Juden nach Zion sein könne. Wir haben bisher am Aufbau Palästinas sehr wenig teilgenommen, weil man uns nicht gerufen und nicht unterstützt hat. Aber — unsere Massen sind noch zionistisch, noch jüdisch. Schon beg'nnt die Jugend uns entfremdet zu werden. VergnügunaLsucht und Eitelkeit beginnt sich bei uns einzunisten. Wenn die Juden Europas nicht bald uns zu Hilfe kommen, wenn sie uns nicht bald helfen, uns zu organisieren, kann das sephardische Judentum für die Aufbauarbeit Palästinas verloren-gehen." Messina, 5. Juni 1922. Aus dem Mschlusse solcher Abkommen können sich später Situationen ergeben, die dem Abschluß von Handelsv e r t r ä g en förderlich sind. In Verbindung damit mag später auch dke Regelung der schwebenden finanziellen Fragen leichter von statten gehen. Der Minister hofft, daß sich binnen, kurzer Zeit die Möglichkeit ergeben werde, auch.mit anderen Staaten ein solches Wirtschaftsabkommen zu treffen, wie es mit Oesterreich abgeschlossen wurde. Der Munster befaßte sich..sodann-mit der Steigerung ö e r P.r 0 d u k t i 0 n und sagte weiters: Besonders aktuell ist die Val Uten frage. Bei uns ist gegenwärtig ein Prozeß zu beobachten, in dessen Verlauf die inländische Kaufkraft der Krone sich ihrer medrigen ausländischen Bewertung auzupassen versucht. Unsere Pflicht ist es, diesem Prozeß ein Gegengewicht zu bieten. Am besten kann dies im Wege her P r 0 d u k t i 0 n s st e i g er u n g versucht werden. Zum Zweck der Bes s e r u n g unserer Außenhandelsbilanz muß die größtmögliche Sparsamkeit geübt werden, die auch in der Einschränkung der Einfuhr, zutage treten muß. Voll einem gänzlichen Einfuhrverbot kann jedoch nicht die Rede sein. Der Minister bekennt sich als Anhänger des Freihandels, doch hänge die gänzliche Befreiung des Handels in seinen ausländischen Beziehungen auch von den ausländischen Staaten ab. Im Jnlande strebe die Regierung, von einzelnen durch spezielle Gründe gebotenen Ausnahmen abgesehen (Kohlenversorgung), die vollständige Befreiung des Handels an. Die vollständige Besserung der Lage sei nur stufenweise im Verlaufe mehrerer Jahve zu erreichen. , Das Schiedsgericht zwischen Oesterreich nnd Angarn. Budapest, 12. Juli. (Tel.-Komp.) Dr. Zimmermann, der Bürgermeister von Rotterdam, der zum Präsidenten des ungarisch-österreichischen Schiedsgerichtes ernannt wurde, ist heute hier eingetroffen. Pressevertretern gegenüber erklärte er, daß Oesterreich unter anderem Schadenersatz.für entfallene Zollernnahmen im Burgenland fordere, die Höhe dieser Forderungen bisher ziffernmäßig aber nicht angeben konnte. Die erste Schiedsgerichtssitzung, die heute staitfand, trug bloß formellen Charakter, die meriiorischen Verhandlungen beginnen im September, von welchem Zeitpunk: an das Schiedsgericht abwechselnd in Wien und Budapest tagen wird. Die MietverorÄnung. Budapest, 12. Juli. (IX .T. K. B.) Der Teuerungsaussch.rß de-. Nationalversammlung befaßte sich gestern mit der M i e t v e r 0 r d um n g. Volkswohlfahrtsminister Dr Baö erklärte, daß die Regierung die ursprünglich vorgesehenen Mictsteigerungen. fast auf die Hälfte herabsetzen werde. _______ Polen. Die neue Regierungskrise. Warschau, 12. Juli. (Poln. Tel.-Ag.) Der Hauptausschuß des Sejm hat mit 216 StjMmen bei 209 Stimmenenthaltungen eine Entschließung angenommen, worin erklärt wird, daß der Hauptausschuß zur 'Designierung des Ministerpräsidenten schreiten werde, falls der Staatschef von seinem Recht reinen Gebrauch machen sollte. Die Resolution ist dem Staatschef Pilfudski übermittelt worden. Die Exzesse in Wilna. Warschau, 10. Juli. (I. C. B.) Der Sejm beschloß eine aus sieben Personen bestehende Kommission nach Wilna zu entsenden, um die genauen Einzelheiten und die Ursachen der von einer Rozwoj-Bande am vorletzten Sonntag veranstalteten blutigen Ausschreitungen gegen die Juden Wilnas zu untersuchen. In der Debatte erklärte der jüdische Abgeordnete Grünbaum, er habe Beweise erhalten, daß die reaktionären Rozwoj- Bündler die Exzesse in Wilna mit dem Ziele veranstaltet haben, das neue Kabinett S l i w i n s k i zu kompromittieren und zu seinem Sturze beizutragen. Abg. Grünbaum sprach, der Wilnaer Behörde für ihr mustergültiges Verhalten während der Unruhen die Anerkennu ng aus. Er stellte die Forderung auf, daß der nach Wilna zu entsendenden Kommiffion mindestens ein Jude angehören solle. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt, woxf?gen der konservative Führer Dnrovski, den die Rozwoj- Bündler zu den ihren zählen, in die Kommission gewählt wurde. Eine Proklamation in Schlesien. Warschau, 12. Juli. (Funkspruch.) Aus Kattowitz wird gemeldet: Der Woiwode Oberschlesiens, Rhmer, hat folgende Kundmachung erlassen: Die polnische Regierung hat die Gewalt in dem ihr zuerkannten Teil Oberschlesiens übernommen, und ist entschlossen, in kürzester Zeit Ruhe, Ordnung und ein friedliches .Nebeneinander l e b e n der Oberschlesien bewohnenden Nationalitäten hexzustellen. Zu diesem Zwecke wird die Regierung alle Mittel und die ganze Gewalt, die ihr auf Grund der bestehenden Gesetze zukommen, zur Anwendung bringen. Die' Regierung wird Gewalttaten und jeden Terror, der gegen die deutschen Minderheiten gerichtet ist, rücksichtslos bekämpfen. Jeder denke daran, daß solche Gewalttaten für unsere Landsleute, die auf dex deut- ■ Icknm Seite wobnen. schwere Folgen nach sich, ziehen. Die Negierung hält es für ihre wichtigste Aufgabe, de» Flüchtlingen die Rückkehr zu ermöglichen." — Eine ebensolche Kundmachung. hat die deutsche Regierung im deutschen Teil Oberschlesiens' erlassen. Beide Regierungen haben sich hinsichtlich der anzuwendenden Mittel ins Einvernehmen gesetzt. Palästina. Ein Interview mit Sir Samuel. Ein Vertreter des „Mezzogiorno" in Neapel erbat sich M Sir Herbert S ä muel ein Interview über seine Audienz beim« Papste. Der Oberkommissär von Palästina erklärte jedoch, keinerlei politische Erklärungen abgeben zu 'können. Hingegen äußerte er sich im allgemeinen über Palästina und den Zionismus. Palästina sei ein Land, welches enorme Reichtümer produzieren könnte, wenn man die Bodenschätze und Erdöllager ansbeuten könnte. Hiezu würde es genügen, der Einwanderung die Wege zu öffnen. Herbert Samuel wies auf die kulturelle Entwicklung der letzten Zeit, . welche in der Errichtung von ungefähr 120 zionistischen Schulen zum Ausdruck komme und auf die geplante Hochschule hin und erklärte, in Palästina könnte die Zahl der Bewohner auf das Sechsfacherhöht werden. - Direktor Majerczik über Palästina Der Direktor der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschasi. Dr. Majerczik, der im Auftrag dieser.Gesellschaft im Frühjahr Palästina besucht hat, veröffentlicht nun in der letzten Ausgabe , des „Israelitischen Wochenblattes" für die Schweiz einen Artikel über seine Eindrücke. Wie er mitteilt, stand seine Reise im Zusammenhang mit dem Ruthenberg-Projekt. Er fand das Land im Beginn der Entwicklung. Die noch immer nicht erfolgte Ratifikation des Mandates hindert in einem gewissen Sinne den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes. Auch sei die teuere Währung des englischen Pfundes eine Kalamität. Trotz-- dem regte sich überall im Lande ein energischer Unternehmungsgeist. Die stärkste Entwicklung weist Tel-Awiw auf, auch Haifa ist in lebhaftem Aufschwung begriffen. Die Entwicklung in Jerusalem selbst hält nicht den gleichen Schritt. In der kleinen Stadt Liberias entfaltet sich eine große Bautätigkeit. Ueber das A r a b e r-P r 0 blem schreibt Dr. Majerczik: „Ich bin zu der Auffassung gekommen, daß eine ftiedliche Verständigung mit maßgebenden arabischen Kreisen durchaus möglich ist. Die Araber sind zu klug, um nicht einzusehen, daß sie von einer Mitarbeit der Juden an der wirtschaftlichen Erschließung des Landes auch ihrerseits großen Vorteil haben." Zum Schluß hebt Dr. Majerczik die besondere Leistung der C h a l u z i m und der jüdischen Arbeiter an dem neuen Ausschwun« in Palästina hervor. : Die Tätigkeit des Palestine Developpment Council in Jerusalem. Jerusalem, 9 .Juli. (I. C. B.) Am 6. Juli fand in Jerusalem die Grundsteinlegung des neuen jüdischen Viertels.Bone Bajit statt, welches mit Hilfe der neu gegründeten Kreditbank der Brandeis-Gruppe erbaut wird. Die Zeremonie der Grundsteinlegung vollzog die Gemahlin des Oberkommissärs Lady Samuel. Der Vorsitzende der zionistischen Exekutive in Palästina, Ussischki n, hielt eine Ansprache, in welcher er die große Wichtigkeit der Arbeit der, Brandeis-Gruppe in Palästina hervorhob. Der Stellvertreter des Gouverneur» von Jerusalem, Colonel Luke, beglückwünschte das Unternehmen und gab seinen Zuhörern das Versprechen, sobald er das nächstemal aus einer jüdischen Feier dasW ort ergreifen werde, dies in hebräischer Spräche zu tun.. Rundschau. Die englische PÜlitik in Vorderasien» Ein abgelehntes Tadelsvotum. London, 12. Juli: (Reuter.) Im U n t e r h a uS wurde ein Antrag, worin die englische Politik in Mesopotamien und Palästina getadelt wird, mit 210 gegen 79 Stimmen a b g e l e h n t. Die Rekorm des englische» Oberhauses. London, 12. Juli. (Reuter). Im Obechause gab Lord Crawford die Entschließung des Regierungskomitees über die Reform des Oberhauses'bekannt. Darnach sollen sich in Zukunft die Mitglieder des Obechanses zusammensetzen aus den Peers aus königlichem Geblüt, Bischöfen und ritterlichen Peers und Mitgliedern, die direkt oder indirekt außerhalb des Hauses gewählt werden. Die Zahl soll durch Statut f e st g e s e tz t werden. Mit Ausnahme der königlichen und der ritterlichen Pqers sollen alle anderen Mitglieder rmr für einen kurzen Zeitraum ihre Sitze innehaben, aber die Fähigkeit der Wiederwahl besitzen. Das Haus soll aus etwa 350 Mitgliedern bestehen. Das Oberhaus wird nicht das Recht haben, Vorlagen, durch die Geldmittel genehmigt werden, abzuändern oder abzulehnen. Die Entscheidung darüber, auf welche Vorlagen diese Bestimmung anzuwenden ist, soll von einem gemeinsamen Ausschuß des Ober- und Unterhauses getroffen werden. Belgischer Boykott der Wiener inter» parlamentarischen Konferenz. Brüssel, 12. Juli. (Wolff.) Die belgische Sektion der Interparlamentarischen Union hat heute vormittags.mit '86 gegen 41 Stimmen die .Beteiligung an der Wiener Kon-