Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1239 (13.7.1922)
- Date
- 1922-07-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 8 . Wien,-Donnerstag Oberst, Georg Pölll, Oberleutnant. (A?it dem Siegel des, Verbandes versehen.) 5. Aus den protokollarischen A n g Mb e n des Obersten Leopold Legat, Geschäftsführer des Nationalverbandes deutscher Offiziere. „Ungefähr am 9. März 1921 erschien in unserer Derbandskanzlei Leutnant Richard Breuer, ein - Siebenbürger Sachse» der nn Flüchtlingsgewa'nde um Arbeit bat. Er wurde auch als Hilfskraft (Schreiber) verwendet. Oberstleutnant Herrliugcr, der das Wa'ffenrcferat innehatte, wechselte damals den Dienstposten und schlug Leutnant Breuer zu seinem Nachfolger vor. Er wurde angenommen. Die Landesleitung ließ Breuer einen vollständigen Anzug um 26.090 Kronen machen. Er hatte Patronen, Gewehre usw. eiuzukanfen und der, Landesleitung dann zu verrechnen. Eines Samstags wurde bei Fräulein Kaps (ick Verbandsheim) eingvbrochen, gegen 2000 Patronen kamen abhanden. Eine polizeiliche Anzeige durfte in Anbetracht des Materials (Patronen) nicht gemacht werden. Fräulein Kaps wurde gleichsam als vertrauenswürdiger Kamerad betrachtet, in manches eingeweiht, namentlich von Breuer, Nenwirt und Spitzer. Die Herrerl waren zu vertrauensselig, ohne die allfälligen Folgen in Betracht zu ziehen. Leutnant' Breuer - insbesondere plauderte manches Dienst geheim ni.s ans. So wußte Fräulein Joseüue Kaps alle W affen de Pots der Nationalen. Fräulein Kaps wurde von den. Herren des öfterere als Botin zum Her- und Hinbringen von Munition verwendet. Sic brachte Munition von der Wohnung Neuwirts in ihre Wohnung, aus ihrer Wohnung zu Oberleutnant Spitzer, wo ein Zwischendepot eingerichßtzt war. Oberleutnant Neuwirt kam in einwandfreier Weise in den Besitz von Munition. Diese kaufte von ihm die Landesleitung. Tatsache ist, daß der Waffenrefereni Oberleutnant Gradl (der Nachfolger Breuers. Anm. der Red.) nur eine von den Quittungen besitzt. „Fräulein Iosesine Kaps mutzte zu dem subjektiven Urteil kommen, daß von Neuwirt zweimal dieselben Patronen verkauft wurden. Sie wußte, ja dürfte die Herkunft der Patronen absolut nicht wissen. Sie hatte von der Geldabfuhr Neuwirts an den „Schwarzen Fonds", von dessen Dasein sie keine Ahnung hatte, keine Kenntnis. Hierüber'wurde sie erst von Oberst Buley aufgeklärt. Wien, den 9. August 1921. Unterschrift: Josef Legat, Oberst. (Mit dem Berbandssiegel versehen." Aus diesen Proben geht zur Genüge hervor, daß in Oesterreich eine unter dem Kommando der reichsdeutschen Morderorganisatlonen stehende Gesellschaft ungeniert und von den Behörden unbehelligt Waffen kauft und einlagert und sich für Zwecke des Umsturzes, der Juden- und Fremdenhetze usw. rüstet. Die Großdeutsche Volksparteft heute Regierungspartei, liefert Hr-Mittel und gewährt ihr politischen Schutz. Der derzeitige.Justizminister Wabe r, dem wir schwersten Amtsmißbrauch nachgewirsen haben, verbindert die Verfolgung und das Unkraut gedeiht üppig weiter. Was sagt die Regierung, was sagt die österreichische Oeffentlichkeit dazu? Werden sie auch {ernetfjiit schweigen? Wird Waber Minister bleiben? Der Vatikan und Palästina. ) R i'itt, 9. Juli.. Wie bereits gemeldet, ist vor einigen Tagen Sir Herbert Samuel, der Oberkommissär von Palastia, vom Papst empfangen worden. In vatikanischen Kreisen bewahrt man über die Unterredung strenges Stillschweigen. Hingegen veröffentlicht „Corriere della Sera" ein Interview mit einem hohen vatikanischen Würdenträger, der auf das besondere Interesse des Vatikans an Palästina hinweist, wo sein Prestige und seine. historischen Rechte zu schützen seien. Der wachsende Widerstand der Araber gegen den Zionismus beweise, daß das Eintreten für eine andeve Politik als die des gegenwärtigen englischen Kabinetts noch keine antienglische. Haltung bedeuten müsse, wie die Abstimmung des englischen Oberhauses beweise. Was den Zionismus anlange, so sei zunächst festzustellen, daß noch vor der Ratifizierung des Mandats in Palästina eine starke Aenderung der Verhältnisse erfolgt sei. Aber wahrend im Sinne des Mandats die Mandatsmacht die Aufgabe habe, die Entwicklung der noch unreifen Völker zu ermöglichen, fördere man die Entwicklung Palästinas keineswegs, indem man dortselbst eine „exotische" (!) Bevölkerung ansiedle, mit der Absicht, die Eingeborenen zu unterdrücken und den Plan des Zionismus zu verwirklichen. Gegenüber der allgemeinen Ablehnung des Zionismus durch die öffentliche Meinung, hätten die Zionisten versucht glauben zu machen, daß sie Wasser in ihren Wein, getan hätten; in der Tat aber gehen sie nicht von ihrem Plane ab, die Herren Palästinas zu werden. . Auf dem letzten Zionistenkongreß in Karlsbad habe Doktor Weitzman erklärt, unter nationalem jüdischem Zentrum verstünde man die Schaffung von' solchen Bedingungen in Palästina, daß dieses 60.000 bis 60.000 Juden jährlich aufnehmen und die jüdischen Institutionen, Schulen und die hebräische Sprache dermaßen zur Entfaltung bringen könne, daß Palästina jüdisch werde, wie Amerika amerikanisch oder England englisch. Im übrigen genüge es, an ein Rede Zangwslts vor einer Versammlung von „Semiten" in London zu erinnern. Der vatikanische Gewährsmann führt hier einige überradikale Phrasen an, bte Zangwill gebraucht haben soll, und die, wenn sie tatsächlich ausgesprochen wurden, weder von . Taktik, noch von politischer Klugheit zeugen. Daß Zangwill ein erklärter Gegner der. gegenwärtigen zionistischen Politik ist,, wird natürlich hier nicht gesagt, Wiener Morgenzeitung. 13. Juli 1922 «r. 1189 Das filr Deutschland. / De«tschla«L feaiM nicht zahlen. Paris, li. Juli. Die Agestce Havüs melde!: " Ministerpräsident Poittcare und die Minister de Lasteyrie und Reibell hatten abends eine Unterredung mit Dubais, der mit den übrigen Mitgliedern der Reparationskommission die Lage auf Grund der gestrigen Erklärungen der deutschen Delegierten erörtert hatte. Deutschland wird wahrscheinlich heute abends oder morgen offiziell die Reparationskommission verständigen, , daßes die auf 32 Millionen Goldmark herabgesetzte Zahlung am 15. Juli leisten werde, aber betonen, daß auch die herabgesetzte Zahlung unter. Schwierigkeiten erfolge, die aus die Zukunft der schon sehr.stark gefährdeten Finanz-, läge eisten-schwerwiegenden Einfluß ausi'chen würden. Demgemäß werde Deutschland die Befreiung von weiteren Zahlungen im Jahre 1922, die Suspendierung der Barzahlungen . im Jahre 1923 und die Hera tzminder ung der Naturalleistungen fordert:. In der Reparationskommission tritt eine Mehrheit für die Bewilligung eines Moratoriums z u t a g e,- das vom britischen Delegierten formell befürwortet wird,: während Dubais unter Berufung darauf/. daß die wirtschaftliche Blüte Deutschlands einem finanziellen Zusammenbruch w i d e rsp re che, sich dagegen aussprechen soll. Dubois erzielte eine Aufschiebung der Entscheidung her Kommission bis zum Einlaufen des Berichtes der Garantiekomitees über die Finanzlage Deutschlands, der für anfangs nächster Woche erwartet wird. Der Standpunkt Englands. In der Abendsitzung des britischen Kabinetts wurde; uftet; die Lage berichtet. Eine Ent sch e idp n gwurde nicht gespaßt,- da, wie eine halbamtliche Note er-, klärt, die Frage des Währungssturzes in den Rahmen einer internationalen. Aktion falle. Auf diese Weise wird der, Appell der. französischen Staatsmänner an. die interalliierte finanzielle Solidarität zur Zeit der Friedensverhandlungen gerechtfertigt und d-rgetan, daßjene, die damals sich dagegen aussprachen, einen Fehler begangen haben. Die Anschauung, wonach die Entwertung der Mark eine Herabminderung der deutschen Schuld herbeistihren müsse,, wird. von französischer Seite eine .-ernstliche Berichtigung erheischen, denn Deutschland hat sich keineswegs bemüht, der Geldentwertung Einhalt zu tun. Die aus London stammende Darstellung, wonach Frankreich bereit wäre, einen Teil der deuts ch e n Schuld zu erlassen und ein dreijähriges Moratorium zu gewähren, ist verfrüht. Weder über Schulderlassung noch über internationale Anleihe, könne entschieden werden ohne vorherige Aeußerung der Reparationskommission über Maßnahmen, deren ” erste Äe Gesundung der deutschen Finanzen, während die; zweite die Erlassung der interalliierten Schulden mit -einbegreift. . Aus London ist gemeldet worden, daß man aus das waldige Erscheinen Poincares in England bestehen würde wegen einer vorhergehenden Beratung, der sich eine Tagung des Obersten Rates unter Teilnahme Italiens und Belgiens anschließen würde. Der französischen Regierung sind jedoch bisher keine derartigen Vorschläge, zugekommen. Keine Einladung Poincares nach England. London, 12: Juli. (Reuttzr.) An wohlinform7ei*rr Stelle wird die Zeitungsnachricht dementiert, wonach die Regierung dringend wünsche, daß Poincare so bald als möglich nach London komme, um die durch den Sturz der Mark geschaffene Lage zu erörtern. Frankreichs Forderungen. Paris, 12. Juli. „Cablogramme" erfährt an unterrichteter Stelle, daß die Mehrheit der -Mitglieder der Reparationskommission der Gewährung eines M oratoriums an Deutschland für einen.Zeitraum von drei bis f ü n f I a h r e n grundsätzlich geneigt sei. Das französische Kabinett dürfte an«- sichts dieser Lage sich bemühen, Sicherungen für d i e Z u k u n s t zu schaffen und vor allem eine V e rstärkung derKontrollmaßnahmen fordern, die Deutschland verhalten sollen, in den. Staatshaushalt Ordnung zu.bringen, das Gleichgewicht im Budget wieder herzustellen und so den wirtschaftlichen Wieder-, aufbau zu gewährleisten. Italien sei im Orient vielfach interessiert und dürfe die Araber nicht vor den Kopf stoßen. Auch dürfe man nicht vergessen, daß . die Interessen^ welche der.Vatikan in Palästina verteidige, mit. den Interessen . aller lateinischen. Mächte identisch seien. Was die von der italienischen Presie /eingenommene Haltung in der Frage der Stätte des. letzten -Wendmahles anlange, welche Italien für sich beansprucht, so gehe diese daraus aus, Zwietracht zwischen Italien und. den Mohammedanern zu^säen: Die Haltung des Vatikans, welche schon im ProteDKeneVikts des 15' im Juni ,192t' , zum' Ausdrucke gekommen sei, bleibe unverändert. Der Vatikan wolle auf einen, geistigen Einfluß nicht, verzichten, welcher Jahrhunderte , all seft...und auch, der Islam könne für diese offene Haltung nur Sympathien haben. Der römische Bericht des „Corriere" verschweigt den > Namen seines vatikanischen Gewährsmannes. Seine.Darlegungen selbst beweisen) daß Rom nicht gerade versöhnlich ist, aber auch, daß sich die Gegnerschaft des Vatikans, nicht allein gegen den Zionismus richtet, sondern ebenso «gen die Mandatserteilung an England, wenngleich mal? sich bemüht, diesen Stndpunkt nicht mit voller Offenheit zu vertreten. . .. Die Landeskonferenz der ostgalizischen Zionisten. (Bon unserem Lemberger .Korrespondenten.) Lemberg) 9. Juli.) Der drückend schwüle Jülitag ist nicht gerade geeignet für eine Konferenz von.Delegierten, deren Stimmung schon von.vornherein.ziemlich erregt ist,, da. sich .hie zwischen den einzelnen Gruppen, bestehenden Gegensätze seit der letzten Konferenz eher verschärft als gemildert haben. Diesmal tritt eine neue Gruppe,. unter den Namen „Zentrum" auf den. Plan, die besonders in Lemberg. mit dem rechten, um die bisherige Exekutive gruppierten. Flügel, einen ziemlich scharfen Wahlgang ausgekampft hat. Außer, den Delegierten, deren Zahl im Hinblick auf das veraltete Ovganisationsstatüt die Ziffer don 330 erreicht hat, sind auch Mehrere hundert Gäste aus allen Kreisen der jüdischen Gesellschaft erschienen. Man bemerkt auch eine Reiche von offiziellen 'Kästen, darunter die K o nsuln von England, Bctgien und Oesterreich. Präsident Dr. Reich eröffnet die Konferenz ' Mit einer längeren Ansprache, in der er einen Rückblick auf alle wichtigen zionistischest Vürkomirmisse 'M'der •' letzten Konferenz wirft und die durch die augenblicklichen Ereignisse in der Gesamtbewegustg geschaffene ernste Situation beleuchtet, die' uns zü 'umso intensiveres, sachlicher Arbeit im Dienste unserer großen Sache amiser'n muß.' Dr. Reich gedenkt sodann der schweren.Verluste, die wir im Lause des letzten Jahres' Mrch den Hingang so vieler bewährter Gesinnungsgenossen erlitten haben und widmet insbesondere den hochverdienten : Pionieren der zionistischen Bewegung in Galizieü, Dr. Gerson Zipper, Dr. Abraham Korkis utch Dr. Isaak Fild, wie auch dem unvergeßlichen Warschauer Rabbiner Dr. Pozna n s k i,. herzliche Nachrufe, welche. die. Versammlung. stehend anhörft Reich.begrüßt sodann in herzlichen Worten) die anwesenden.diplomatischen Vertreter, die in ebenso' verbindlicher Weise im Namen ihrer Staaten ihrer Sympathie für die zionistische Bewegung Ausdruck geben. Besonders warm klang die Ansprache des englischen Konsuls, dem die Anwesenden eine stürmische Ovation, bereiteten. ’ Bei der1 daräuffolgenden Konstituierung wurden im Einvernehmen der einzelnen Gruppen Dr. Alexander Hausmann zum Vorsitzenden, die Herren^ Dr. Geyer, Dr. Silberschein und Goldberg zu Vizepräsidenten der Konferenz gewählt. - Hierauf erstattete der Generalsekretär der Exekutive Dr. -Le s e r den sehr eingehenden, mit einem reichen Zifftriftnaterial belegten Rechenschaftsbericht über die abgelaufene Tätigkeitsperiode. Die Exekutive hat es als eine ihrer wichtigsten Auf« - gaben angesehen, einen möglichst regerk Kontakt mit allen Provinzorganisationen aufvechtzuerhalten,und hat zu diesem Zwecke hie schon bestehenden Kveiskomitees ausgebaut und, wo solche noch nicht bestanden, dieselben nach Möglichkeit ins Leben gerufen. Der Erfolg dieser Aktion ist nicht aüsgeblreben und äußert sich vor allem in einer nicht unbeträchtlichen'Steigerung der Schekeleingänge, dank' )welchem Umstande Ostgalizien M Karlsbader Zionisten-' kongreß durch 25 Delegierte vertreten war. Auf dem Gebiete'der Palästina-Arbeit ist auf die' Ausgestaltung des Palästina-Bureaus wie auch aus die Organisiemng der Emigration in steter Fühlungnahme mit. dem. Warschauer Palästina-Amt zu verweisen. In der Zeit dom 1. Mai 1921 bis 31. Mar 1922 sind durch Vermittlung der Bureaus 6 46 Personen aüsgewaNdert, darunter 522 ukrainische Flüchtlinge und 124 Galizianer. Es gelang der Palästina-Kbmmission, auf verschiedene Weise zugunsten der unbemittelten Emigranten den Betrag von 683 Pfund aufzubringen, die ihnen in Form von Darlehen eingehändigt wurden.' . Gewisse Anfänge nutzbringender Arbeit sind auch in Hinsicht der Anregrtng der Privatinitiative, wie auch des Ankaufes von Grundstücken im Namen der P. L. O, C. anfzuweisen. Der Berichterstatter der Keren Hajessod-Miün, Dr. Rosenzweig, verweist aus die technischen Schwierigkeiten, wie auch auf den Mangel an brauchbaren Mitarbeitern in verschiedenen, Ortschaften Dennoch ist die Aktion in vollem Gange. Bis heute haben .6200 Familien ihre Pflicht gegenüber dem Keren Hajessod erMt. Auf -wirtschaftlichem Gebiete wurde die Schaffung einer Organisation aller jüdischen wirtschaftlichen Institutionen in der FoM eines Landesverbandes in die Wege geleitet. Sehr erfreuliche Anfänge sind auf denr Gebiete des- F a ch s ch u l w e s e n s zu verzeichnen.' Es. seien hier nur die in schöner Entwicklung befindlichen Farmen in S t a n i s l a u, C h l e b o w i c e und S y g u i o x i a, dann mehrere Äandwerkerkr: rsc für Thalttzirn her- , YorMobM. 9553