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Wiener Morgenzeitung · 1922-07-13 · Heft 1239 (13.7.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1239 (13.7.1922)
Date
1922-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ElnzilBUBBerRloo Wen: Znm Abhole* io der Expedition, lI.,Tiborstr.l-3, oder in einerVerschleisstellr ^Trafik) monatlich’ K 29Ö0 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl. K 2900 Ischech 0-31owa k ei^ Mon. IC 20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 60. Frankeich: Monatlich:: Frcs. 6 Tschecho-Slownkel : tschech.K1.kO Italien: Monatl. 6. Lire Rumänien: Mon.-40. Lei Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse i—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab o Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.:,Morgenzeitung4, Wien O österreichisches Postspaf kassen-Konto Nr. 150.693 m Rr. 1239 Wie«, Donnerstag, 13. Juli 1922 4. Jahrgang Waber als Minister. ' —y Wien, 13. Juli. Nach einer Pariser Meldung Hai die Reparations-o kommission die Erörtetung über die Pfänder für eine österreichische Anleihe vertagt. Die knappe Nachricht besagt nichts über die Ursachen dieses Beschlusses. An sich würde die Mitteilung ourchaus der bisher beobachteten Haltung der Entente entsprechen, die für Oesterreich nichts übrig hat als Zusagen und Vertröstungen. Im gegenwärtigen Zeitpunkt aber, wo infolge der Ereignisse in Deutschland bas gesamte mitteleuropäische Problem sich wieder anmeldet, bestzht doch die Möglichkeit, das; die Verschiebung nur deshalb ersolgt ist, um die österreichische Frage im Zusammenhang mit den übrigen Te'len dieses Problems der Lösung näberzüsi'chren. Die Reparationskommission zeigtdas Bestreben, Zeit zu gewinnen, und hat deshalb provisorisch eine Herabsetzung der deutschen Zahlungen für den Monat Juli von. 50 Millionen auf 32 Millionen Goldmark zugestanden. Der Gedankenaustausch der Machte dauert fort und es ist eine neuerliche persönliche Aussprache der führenden Staatsmänner über die Lage in Deutschland in Aussicht genommen, wobei selbstverständlich auch über Oesterreich gesprochen werden wird. Der, italienische Außenminister Schanzer hat auf die Wichtigkeit der Vorgänge in Wien aufmerksam gemacht, und obzwar feinte Position nichtz die beste ist, wohnt doch seiner Anregung große Wichtigkeit inne. Jedenfalls muß die österreichische Regierung alles Vorkehren, ihr Land bei der Abwicklung dieser Debate nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Sie muß dies tun, weil die Entwicklung Oesterreichs mit Blitzesgeschwindigkeit dem Nichts entgegentreibt. Die Beratung über Notenbank und innere Anleihe hat trotz ihrer Dringlichkeit viel kostbare Zeit verloren und es zeigt sich/bevqiG-M>MMs.altgewohnte Erscheinung, daß man für die Eruptionen ^der MJuten-' Haussee,, die durch die: deutschen Ankäufe: sich zu einem - großen Teil erklären, schon verantwortliche Prügelknaben sucht. Aber die Schuld, so weit sie in Oesterreich zu finden ist, liegt bei dem System, das. die Öffentlichkeit im Bann hält und jede gute Regung im Keime erstickt.. Es ist das unselige System der Zwilterhaftigkeit der Regierung, die zwischen, dem christlichsozialen Arbeitsprogvamm und der großdeutschen Sabotage eingeklemmt ist. Ueber die allgemeine Lage des Staates, die weit gefährlicher, ist : als man gemeiniglich annimmt, herrscht volle Unklarheit. Das Mißtrauen der breiten* Massen in alles, was nach Politik aussieht, ist so groß, daß sie sich um die.Art der Verwaltung gar nicht mehr kümmern. Dadurch ist die Verwaltung in vollste Entartung verfallen./und die hohe Buteaukratie kann nach Gutdünken , schalten und walten. Sie weiß sich vollauf gedeckt durch die' Zusammensetzung der Regierung, die den Waber als Justizminister duldet, so wie sie ihn als Innenminister geduldet hat, und die nichts zu den erstaunlichen Mitteilungen über seinen Verkehr mit dem Nationalverband der deutschen Offiziere : zu bemerken weiß. - , * ■ ' Dieser Waber hat me Funktion eines Aufpassersim Kabinett gehabt und sie, wie wir an einem Akt Nachweisen konnten, auch vollauf erfüllt. Er hat eingesperrte Einbrecher geschützt, die im.Auftrag der österreichfeindlichen Horthy-Regrerung einen Einbruch verübt hatten. Kein Wunder, daß sich diese von den deutschen Geheimstellen instruierte.. Gesellschaft sicher fühlte und unter den Augen der Behörden eine förmliche Bereitschaft mit allemzum. Handwerk gehörigen Material heranbildete.. Das Vorhandensein solcher Umtriebe besagt noch nichts, gegen den Staat. Aber daß diese Propaganda von oben geschützt war und sich in diesem Schutz sicher wußte, das läßt auch den Staat, seine Leitung, seine Presse mitschuldig werden. Schon bei dem Rechtsbruch der Optionsordouanzen des .Waber zeigtesich mit augenfälliger Raschheit die Reaktion in der äußeren Haltung des Staates und seiner Kreditwürdigkeit. Söll sich das jetzt wiederholen? •, ,; Dte EinigüngsverMche der amerikanischen Zionisten. New Aork, 9. Juli. (J.E.B.) Sofort riach Schluß der'?5. Jahreskönferenz der amerikanischen Ziönisten-'in Philadelphia trat das neuevwählte administrative Komitee zu einer Sitzung zusammen/ in welcher, über 8ie-, vom-'-Sekretär des Palestiüe Debeloppment Council ^(Bkandeisgruppe), Jakob de H a a 8, - verfaßte Resolution für die Wiederherstellung des inneren Friedens m der zionistischen Bewegung Amerikas verhandelt' würde. Dokumente betreffend die Anlegung von Waffendepots Wir-ha ben vor wenigen Tagen die -Nachricht gebracht, das; dieunter Leitung des ehemaligen österreichischungarischen Generals K r a u s stehende Landesstelle Oesterreich des Nationalverbändes deutscher Of fixiere, welche in engsten Beziehungen zur Großdeutschen Volkspartei steht und von ihr mit Geldmitteln versehen i wird. Waffen und' Mnniüon einkaust rind einlagert, Uno hüben auch einige der Mitglieder des Verbandes, welche mit der Waffenmanipulation beschäftigt sind und waren, namentlich angeführt. Wir bringen nunmehr der Oeffentlichkeit und der Regierung den Inhalt uns vorliegender Originaldokumente auszugsweise zur Kenntnis. Der volle Abdruck aller Dokumente würde viele Seiten erfordern. Die nachstehenden, von den Beschuldigten und den Zeugen eigenhändig gefertigten Protokolle svurden anläßlich eines von: Nationalverbande eingeleiteten - ehrengerichtlichen Verfahrens verfaßt. Die Herren Offiziere hatten sich nämlich gegenseitig des Ehrenwortbruches und betrügerischer Manipulation beim Wafienkauf beschuldigt. Zur Klärung der Angelegenheit hat ein vdm Nationalverbande eingesetztes, aus den Herren Johann F e. l s i nger, Hauptmann, Herntann Herrlinger, Oberstleutnant, Heinrich L Üst i g-P r e a ü, Oberst, Artur W ie l em a n s, Oberleutnant,' Gustav Ke s s e r n i g g, Oberstleutnant, Ferdinand Winkler,' Oberst und Wilhelm B a n'ko w sk i' (Charge unleserlich, ' wahrscheinlich Feldmärschslleütnant)' bestehendes..Ehrengericht' getagt, und die folgenden' Aussagenzm ProtokMMnornmen. Der. hierbei > vebfüßte" Akt trägt' di^MümMfitz IMtwMverband der - deutschen' Wiziere^ iLändesstelle' Deutschösterteich",: die ' Protokollzahl 221' und' das Daürm 12. August 1921, ist von d^n Genannten eigenhändig gezeichnet und gesiegelt. Es enthält u. a. nachstehende Aussagen: : . -. 1. Auszug aus der - Anssage 'des Leutnants'- Richard Breuer vom 29. Juli 1921. BÄüer war „Waffenreferent" des Verbandes und in dieser Stellung Nachfolger des Oberleutnants. urch derzeit Streckenmeisters der Bundesbahnen Hermann Herrlinger. Cr bezog als' solcher im Jahre.1921 vom Verbände ein Monatsgehalt von 6000 K. ' , -„Eine - genaue Skontrierung der vorhandenen Waffen- und Paironenbe-stände konnte nicht dnrchgeftchrt werden, da einige Herren, bei denen sich solche Devdts befinden, verreist waren. Wenn Fräulein Josefine Kaps angibt, sie kenne alle Waffendepots, so ist dies ihrer - reichen Phantasie: zuzuschreiben/ Sie konnte nnr jenes bei Oberleutnant Spitzer und das in der „Teutonen-- bude" kennen." .„OberlemnaM N«,U;what -.-rnir einmal vier- - zlg Mannlich er-Gew ehre zum^ Kaufe . angeboten und äußerte sich dabei, daß wir den Gewinn teilen sollen. Ich ging auf!>äs Geschäft nicht ein, da ich vermutete, daß er hierbei zu viel gewinne, wodurch ich für , Meine Person als W a ff e n r e seren t in : ein schiefes Licht geraten könnte/4 . .Ich bestätige meine Aussagen als richtig ausgenommen. Unterschrift: Richard' B reu er. Geschlossen und gefertigt: Josef Legat, Oberst, Georg Pöltl, Oherleutnant. (Mit dem Verbandssiegel versehen.) 2. Auszug aus der Anssage des Oberleutnants Leopold Ne üw ir t vom 4. August 1921. Neuwirt ist Ad-' jutant des Geschäftsführers Oberst L e g a t, besoldeter Angestellter des Verbandes.?!...; „Die von mir km den Preis von 4 oder 5 Kronen durch . Herrn Knechtl der Landesleitung verkauften Patronen stcnnmen nicht aus den. Beständen der von Mir Herrn . Oberstleutnant Herrlinger zur Verfügung gestellten 3000 bis , 40ÖÖ -Patronen. Die durch - Herrn' Knechtet verkauften Pa- . tronen; stammten aus dem Besitz des Herrn. Feldpiloten' Dupre, der mich seinerzeit bat, .für ihn Patronen zu verkaufen,-und zwar 600 bis 700 Stück. Von dem dafür er- . hältenen Gelde bÄ,am Knechtel dieeine Hälfte, die andere - übergab - er Mir, - die ich Herrn /!,D«pre ausfylgte. Es istrichtig, -daß - Fräulein Josefine Kaps von mir Mehrere Male Patronen abholte,da ja ein, Großteil der von mir Herrn - Oberstleulnanr Hcrrlinger. zur Perfügung gestellten Patronen noch in' meiner - Verwahrung war. Erst nach länge- - . rem Drängen von meiner Seite würden'die Patronen ab-- gcholt» Damals war bereits .&i«xx •. .fteutnant Breuer Wästenreferent."' Airs die Frage, warum Neuwirt sich anläßlich einet polizeillcheN Einvernahme fälschlich den Titel „Ingenieur" beigelegt habe, sagt er: v „Ich harre nicht im geringsten die Absicht, mir den nicht' zustehenden akademischen Grad beizulegen.' Erst aus die Frage des Kommissärs, was mein Beruf sei, gab ich diesen Grad an, weil ich befürchtete, ^s würde sonst aufkon?men, von welcher Seite ich an gestellt bin. Ich hielt mich in diesem Falle an die mir seinerzeit als Kommandant einer Ueberwachungspatrouille zugestandenen Rechte", Meine Aussagen sind richtig ausgenommen.' Die Wahrheit meiner Aussagen bestätige ich auf Ehre und - Pflicht. Unterschrift: Leopold Neu Wirt. Geschlossen und gefertigt: Josef Legat, Oberst, Georg Pöltl, Oberleutnant. (Mi: dem Verbandssiegel versehen.) 3..Aussage des Herrn Franz Knechtel, früher Polizist, jetzt 5lanzleibeamter 'des Verbandes, vom ' L8. Juli 1921.' . „Vor Ostern oder Pfingsten holte Fräulein Josefine ^Kops auf Ersuchen des Herrn Oberleuntants Neuwirt aus dessen Wohnung Patronen (ungefähr 1500 bis, 2000 Stück) und brachte sie in ihre Wohnung. Oberleutnant Neuwirt ersuchte auch, HMHher: d're ^gÄiefert-en Patronen, das Stück zu 4 Kronen, eine Quittung auszustellen. Das Stück kostete 3 Kronen und eine, Krone konnte ich für Meine ^gchabte Mühe beim, Herbringen verrechnen. Herr Oberstleutnant- Herrlinger, „der damalige Waffenreserent, wußte,, " paß ich mir eitte 'Kroue prö' Pa5roNe mehr' verrechne.- Ja,, es geschah über seine Aufforderung. ' Als' , tum Leutnant' 'Breuer das Waffüurp'f'erat übernommen , hatte,' geschah erst oben angeführte Abrechnung. Hierbei figuriert? i chals scheinbarer Verkäufer, da ich auf Wunsch des Ober-? lentnants Reuwirr die Quittungen unierfertigte, damit sein Name dabei nicht genannt werde. Fräulein Kaps behaupt ' tete mir gegenüber, diese Patronen wären schon einmal (der Landesstclle) vom Oberstleutnant Herrlinger verrechnet worden. Ich, habe die Ueberzeugung gewonnen, daß Oberstleutnant Herrlinger nnschrüdig wäre. Ich wußte nicht, /wo- , hm der Geldübcrschuß kam. Vom Vorhandensein eines, „Schwarzen Fonds" wußte ich'nichts. Herr Oberleutnant Neuwirt zog mich überhaupt nicht ins Vertrauen, wohl aber Fräulein Josesine Kaps." Ich bestätige meine, Aussagen als richtig ausgenommen. Unterschrift: Franz Knechtel. Geschlossen und gefertigt. Josef Legat/Oberst, Georg Pöltl, Ober- . leutnant, (Mit dem Verbandssiegel verschen.), 4. Aus der Aussage des Fräuleins Josefine Kaps, Strickerin und Wirtschafterin beim Verbände,, vom' 28. Juli 1921. (Wohnt im Verbandsheim.) „Im Monat März brachten verschiedene Herren , der» , sch cedene Patronen (Gewehrmunition) sowie S ch i e ß- Waffen.und Handgranaten*in meine Wohnung,zur Aufbewahrung. Der damalige Waffenrefereut Herr Major Herrlinger ersuchte mich, diese Waffen bei mir aufzu- - bewahren. Eines Tages ersuchte mich Oberleutnant N e u- .Wirt, Gewehrmunition aus seiner Wohnung in meine zu tragen-.Das wiederholte sich öfter. Er bemerkte - hierbei gesprächsweise, daß er schon diese Patronen dem Oberstleutnant Herrlinger übergeben habe, dieser dieselben , bereits um eine Krone verrechnet habe, und er, Neuwirt, wird nicht so dumm sein, für seine Mühe und Plage nichts . uz-, haben, während Herrlinger hierbei schon so viel ge- . Wonnen habe. Neuwirt gab an, daß-er diese Patronen jetzt . noch einmal der Landesleitung verkaufen werde. Herr Knechtel wußte nichts über die Herkunft der Patronen. Er wurde erst spater von mir darüber aufgeklärt. Oberleutnant Neuwirt äußerte sich, daß er sehr viel Geld für seine Braut brauche.,Ich mußte daher annehmen, daß er das Geld-,in dieser Art verwendet; und glaube das heute noch." /„Meine Aussagen sind richtig ausgenommen, und, ich . habe nur noch beizusügen, daß, wenn irgendeine Ausfuhr . rung, wie zum Beispiel Kommunistenaushebung ' In,Döbling (Anw. der Redaktion: Das ist der von uns . gestern im Zusammenhang mit der Entlarvung des Mi- : .■ nistsrs Waber behandelte Fall), R o ß a u e r k a s e r n e und -Entwaffnung der Wachtposten^ Äus- . Hebung des dortigen Waffendepots, geplant war, Lberlentnan: Neuwirt mich davon verständigte." Unterschrift: Josefine Kaps. Geschlossen und gefertigt: Josef Legat-

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