Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1238 (12.7.1922)
- Date
- 1922-07-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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v" ^'f1' <” > \ - ■V' 1 * *- ”> ™ T 1 u 's •, " ' r " r'(» f D'eüe' * üstctt, s^wtmvaf jaftfÄi#• ALKMMzMÄMtz. rNrix mii' iüTz Das Palästr^a-MandaL und die heittgen Stätten. London, 8. Juli. (I. C. B.) Aintlich wird mügoieilt: Die englische Regierung hat einen neuen Entwurf des § 4 ’feS palästinensischen Mandats verfaßt, der sich mit der Frage der Kontrollkommission für die Heiligen Stätten in Palästina beschäftigt. Die Kontrollkommission soll aus nnndestens sieben Mitgliedern bestehen, ne mit Zustimmung des Völkerbundrates von den Man- -atsmächten ernannt werden. rir. r?S8 Oesterreich Notenbank und inneT?' Für gestern hatte man den Näiionalrat in der Eri vürtnnF einbernfen, daß bis dahin zumindest das Gesetz | lber die neue Notenbank zur zweiten Lesung gestellt weri!en könnte. Dem,war nun nicht so. Man begnügte sich j üsö damit, 8ie kurze Tagesordnung, einen Antrag über ine Tiroler Lokalbahn La n d e cf—P f u n d s, und die kxekutionsnovelle vom Jahre 1922 zu erledigen.?ach diesem neuen Gesetze können u. a. auch Teuenmgsulagen gepfändet werden. Im übrigen unterliegen die Bezüge aus Dienst- und Arbeitsverhältnisien der Exekution nit der Beschränkung, daß dem Verpflichteten bon der Gesamtsumme dieser Bezüge für das Jahr mindestens '.00.000 K., bei Bezügen über 600.000 K. bis einschließlich *,000.000 K. vom Ueberschuß überdies zwei Drittel und!ei Bezügen über 2,000.000 K. bis einschließlich 4,000.000 fronen vom weiteren Ueberschuß überdies die Hälfte freilleiben müssen. Der Ueberschuß über 4,000.000 K. unterlegt der Exekution ohne Beschränkung. Die für gestern angekündigte Einbringung des S t a-;u t ö der neuen Notenb a n k unterblieb, da die Verhandlungen mit dem Bankenkonsortium noch nicht beendigt sind, gleichwohl nahm der Finanzausschuß nach der Zaussitzung das Notenbankßesetz gegen die Stimmen der Sozialdemokraten a n. Die Deutsche Bauernpartei, die ancheinend im Zuge der Verhandlung des Finanzplanes ein politisches Geschäft machen will, ließ durch ihrem Vertreter m Ausschuß Einwendungen erheben, im übrigen iereiten die Bauernparteiler und die christlichsozialen lgrarier dem Finanzplan mannigfache Hindernisie, indem le ihre Zustimmung zu dem Sanierungswerk von der Erüllizng von Postulaten abhängig machen, die teils widerinnig, teils, wie die Herrschaften nur zu gut wissen, un- -rfüllbar sind. Für die Regierung besteht also die Schwierigkeit, ihren Finanzplan zwischen den Widerständen der vzialdemokratischen Opposition und den Fußangeln der lgrarier durchzulotsen. Die Agrarier verlangen namentlich, daß die aus der sineren Anleihe stammenden Hhpochekarobligationen nicht n ausländische Hände gelangen können, und bindende Garantien für die Erfüllung ihres sonstigen Wunschzettels. Donnerstag kommt das Notenbankgeßetz im ^ationalrat zur zweiten Lesung, am Freitag womöglich chon die Zwangsanleihe. Vor den Sommerferien sollen dann noch.M übrigen Vorlagen dos .Finanzplanes, ferner das & eb e-p smitt e'l^ ir s ch u ß-Ä b b a' U äe sptz, das Wohümig'saüforbübkOgslÄMLTWatergesetz verabschiedet,werden. Die nächste Sitzung des Nati.oMlrates findef Donnerstag um 3 Uhr nachmittags statt:/ ' * "•;; ■ r; Die Ausschüsse. Der Unterausschuß. des Finanzausschusses setzte gestern die Beratung, über die Wären um s a tz st euer fort. Die Frage, ob Phasenbesteuerung oder einmalige Besteuerung, wurde zugunsten der einmaligen Best e ü e rü N g entschieden. Weiters besteht die Absicht, in den Prozentsätzen, zwischen lebenswichtigen Artikeln und den sonstigen Artikeln des täglichen Bedarfes eine Differenzierung eintreten zu lassen. Die Regierung erklärte sich bereit, den Anteil der Gemeinden von 20 auf 30 Prozent zu In der Sitzung des Juftizausschusses wurde die vierte Gerichtsentlastungsnovelle angenommen. Das Gesetz ivurde im wesentlichen nach der Regierungsvorlage beschlösse^ wobei einige Erhöhungen der Wertgrenzen genehmigt wurden. Die iAte^parlKMentoirische Union. Abg. Dr. M ata ja, der Obmann der österreichischen Gruppe -der Jnterparbrmentarischen Union, berichtete gestern dem Bundespräsidenten über den Stand, der Vorbereitungen für die 20. Interparlamentarische Konferenz, die bekanntlich vom 28. bis, 30. August in Wien stattfmdet. Es ist bereits, eine Reihe bon Anmeldungen, teils ftt Genf, teils in Wien eingetroffen. Ungarn. Nationalversammlung. Budapest, 11. Juli. (U. T. K. B.) Nationalversammlung. Abgeordneter Baron Stefan Bottlik befaßt sich mit dec Frage der, Teuerung und mit der Bodenreform. Er v rlangt, daß die Lasten der Teueurng in erster Reihe den vermögenden Klassen auferlegt werden, und zwar in Form einer progressiven Berpslegssteuer. Zur baldigen Durchführung 2er - Bodenreform sollen die Gundbesitzer, von einer gewissen Besitzkategorie an, eine prozentuelle Steuer in Weizen entrichten, aus deren Gegenwert dann ein Fonds zugunsten der schleunigen Durchführung der Bodenreform gebildet werde soll. Redner nimmt die Indemnität an. Abgeordneter Graf Jul. Andrassy weist darauf hin, daß sich ganz Europa in einem Zustandes rankhaft er Erregung befinde. Manches Land habe durch den Friedensvertcag so große Gebietsteile erhalten, daß es diese nicht verwalten könne, anderen seien wieder,. HL Lebensnotwendigkeiten entrissen worden. Er und seine'Partei seien bereit, in diesen schwierigen Zeiten den oppositionellem Kampf gegen die Regierung auf dar Äeutzerste herabzumrldern, wenn sich auch die, Regierung zur Erfüllung von Minimalsorderungen Verstehen würde. Diese bestünden namentlich in der Ahndung gewisser WahlmiWräuche/ in einer reinlichen. Durchführung her noch ansstehenden Äahley jitttb in der unparteiischen Behandlung jener, Staatsbeamten/ die, etwa fitr diex-Qppostr'.on gestimmt haben. Das Wirtschastsproblem stehe im Vordergrunoe der aktuellen Fragen. Das Hauptaugenmerk sollte die Negierung jedoch 8er Förderung 'der Produktion zuwenden. Nächste Sitzung morgen.' Eckhardt kommt nach Madrid. Budapest, 10. Julü^Tel. d. >,Wr. Morgenzeituüg".) Das „Reue Pester, Journal" verzeichnet das Gerücht, daß der gegenwärtige Pressechef Dr. Tibor Eckhardt nach der Rückbernsung Praznovszkys vom Pariser Posten dessen Akkreditive am Madrider Hofe übernehmen werde. Diese Madrider Betrauung legt man in legitimistischen Kreisen dahin aus,, daß Eckhardt die Aufgabe haben werde, die Aktionen. der ungarischen Monarchisten am Madrider Hofe zu überwachen. Praznovszky wäre die Stelle eines ersten Sektionsrates in Budapest zugedacht, Minister des Aeußern, Graf Banffy, würde als Gesandter nach Paris gehen. Eine Bestätigung dieser Nachricht ist zunächst nicht zu erhalten. . Jugoslawien. Tagung der Kulturvereine. Sarajevo, 10. Juli. (Tel.' d. „Wr. Morgenzeitung",) Hier haben sich am 5. Juli alle Kulturvereine des jugoslawischen Königreiches versammelt, um eine gemeinsame Tätigkeit zu vereinbaren. Vertreten waren der katholische Verein „Napredak", der serbische „Prosveta", der muselmanische „Gajret" und der jüdische „Benevolentia^ Rundschau. Der Kampf gegen den jüdischen RekLOr. Herr Naegle war nicht anwesend. Der Prager Senator, Priester und deutsche Demokrat Dr. August Naegle sendet dem „Prager TagblaL' die folgende Berichtigung: „Ich lege Gewicht darauf, festzustellen, daß ans den ’ am 29. Juni zu Aussig abgehaltenen Akademikertag. der größtenteils von Alten Herren besucht tvar, die Beratung über die betreffs der letzten Rektorswahl an der deutschen Universität zu unternehnrenden Schritte uich. unter meinem Vorsitz stattfand, sondern daß ich das Präsidium zur. Zeit der Behandlung der Rektorsfrage abgegeben und den Beratungs' saal verlassen hatte." Dieser. Alibinachweis ist wohl eine noch ärgere Schande als die Beteiligung an dem Beschlüsse. Der Herr Naegle hat die „Alten Herren" reden und beschließen lassen, aber er hat den Vorsitz abgegeben! 1 EIN NEUER REKORD an Billigkeit in la Regenmäntel, engl. Stoffen, Leib- und Bettwäsche, Strick-.u. Wirkwaren etc. IL Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gres En detail irjath Anabim. (Aus dem jüdischen Arbeiterleben in Palästina.). Ter nachfolgende Aufsatz, den wir dem „H a p o e l H a z a i r" entnehmen, gibt ein lebendiges Bilö von der Gründung einer ne ren Arberterswdlmlg (Kwuzah) in Palästina, welcy r ein vor einiger Zeit von uns veröffentlichter Aust jatz von Dr. Josts Klausner galt. Der interessante Artikel zeigt, wie sich die jüdischen Arbeiter mit einem ihnen völlig neuen 'Arbeitszweig vertraut machen und wie sie es verstehen, , ' den Felsen, die sogar den Einwohnern des Landes . als völlsg unverwendbar erschienen, neues verheißungsvolles Lebetc zu entlocken. Zwei Jahre sind dahin, seitdem wir gekommen sind itttt zu arbeiten. Bon den weiten Steppen Südrußlands lammend, sammelten wir uns in dön schmalen Tälern )udäas. Die erste Zeit wohnten wir in einem unseren Grundstücke nahe gelegenen arabischen Dorfe und gingen eden Tag ins Tal zur Arbeit. Bald stellten wir rurser »rstes Zelt auf unserem Grundstücke auf und einige von uns gewohnten es. So betraten wir festen Fußes den jüdischen Loden, von dem wir noch keinen klaren Begriff hatten. Über nachdem wir ein Zelt aus Brettern, statt des einenen, aufgeschlagen hatten, fühlten wir uns als Voll-t^ -iirger in einem jüdischen Punkte in Palästina, her in der zeographischen Karte eingetragen und von dem in den Zeitungen berichtet wird. Der erste Sommer war der Urbarmachung des Bodens gewidmet. Wir befreiten die Grundstücke von Dornen, ent- -ernten Felsensplitter und beträchtliche Steine, die dem Ackerbau hinderlich sein könnten, brachten sie nach den Abhängen und bauten eine Mauer daraus. Anfangs hatten xir gar keinen Begriff von dem eigentlichen Zweck dieser llrbeit, aber nachdem eine längere Zeit vorüber war, sahen wir ein, daß es unsere Aufgabe ist, die Ueber'bleibsel der oberen Erdschicht aufzubewahren und eine neue an einem Orte auszuhauen, der uns förmlich unter den Beinen weg--' zerissen und durch Regen nach unten geschleppt wurde. Die große Chaussee zwischen Jerusalem und Jaffa oerband uns mit diesen beiden Städten. Die rege und unrnterbrochene Kraftwagenbewegnng rief in uns die Vorllelluna des geräuschvollen Stadtlebens wach^ Bald, aber entfernte«: tott uns von der großen Chausiee, begaben uns tiefer in die Berge und bauten eine anderthalb Kilometer lange Chaussee, die eine Wagenverbindung zwischen den Bergen ermöglichte. Bei. diesen Arbeiten verging Per Sommer. Für. den Winter bauten wir uns Hütten für Mannschaft, Depot und Vieh. Mit dem echen Regen begannen wir zu säen, zu Pflanzen und uns mit wirklicher Feldarbeit, zu oesassen. Nun sind schon zwei Jahre' vorüber, seit wir die Felsen Judäas betraten. An einer wüsten Stelle versuchten wir den Grundstein unseres Gemeinlebens zu legen, Zwar verhielt sich < der größte Teil der Arbeiterschaft ablehnend zur Frage einer Bergansiedlüng, wo den kahlen Felsen kaum die allernotwendigsten Bedürfnisse abgerungen werden können und wo infolgedessen eine eigenartige, der im Lande üblichen unähnliche Wirtschaft geschaffen werden mußte. Wir aber haben doch den einmal eingeschlagenen Weg weiter verfolgt und nach Mitteln gesucht, die imstande wären, einer öden Stelle durch immerwährende Energie und folgerechten Willen zur Blüte zu verhelfen. In unserer Versammmlung bei Wiederbeginn der Feldarbeit, überblickten. wir die bisherige Arbeit ««bl bemühten uns, die . künftigen Wege int Wirtschaftlichen' und im Gesellschaftlichen vorzumerken. Allerdings haben wir. noch nicht den richtigen Weg gefunden. Suchen doch ältere Anstedlungen nach einer richtigen Lösung -und haben sie noch nicht gefunden. Glücklicherweise sind wir jene Art von Fragen schon los, die noch' nicht erledigt sind, ohne die man aber nicht von einer vollen Schöpfung sprechen kann, ebenso wie man ohne deren Lösung die GruPPPe nicht als' Lebensform und stete Ansiedlung betrachten kam). Es gab bei uns keine Frage der -wechselnden Arbeiter, der alten und neuen, der Gruppe und Kolonie, des Jahresprogramms usw. Wir bemühten uns, von der knappen Erfahrung und von den.Jrrtümern zu lernen und eine Lösung für die Wirtschaft, für das Leben außerhalb der Wirtschaft und für unsere Aufgabe als gewerkschaftlicher Körper zu suchen, der sich nicht nur auf die privaten Bedürfnisse der Gruppe beschränkt, sondern als Vorkämpfer für die Arbeit, für die Arbeitenden und ihte Ideale gelten will. Was ist eigentlich das Eigenartige in der Wirtschaft von Kiriath Anabimdas sie von andren unterscheidet?. Dex Mangel an Aeckern, um Getreide im großen Maße zu bauen, die Unmöglichkeit, infolge der vielen Steine und schmalen Stufen Maschinen zu gebrauchen, viel Handarbeit zur Urbarmachung des Bodens und in der Feldarbeit selbst, die Nähe.einer großen Stadt, die ein beständiges Absatzgebiet für Milch, Eier, Grünwaren und Obst bildet, das alles und dazu noch der Wille zur kollektiven Wirtschaft, die das Maximum der Bedürfnisse der Arbeitenden durch ihre eigene Arbeit befriedigt, obendrein eine Gruppe, die zirr Hälfte aus Männern und zur Hälfte aus Frauen besteht, hat die Art und Weise der Wirtschaft besttmmt. Eine intensive Wirtschaft, in der die .Handarbeit den Platz der Maschine einnimmt, in der jeder Fleck durch Wasser und Düngmittel von den Launen der Natur weniger abhängig gemacht wird, eine vielseitige Wirtschaft, die eine geregelte und gleichmäßige Arbeitsverteilung für jede Jahreszeit gestattet, ohne Mangel an Arbeitskraft in der einen und Uebersluß in der anderen Jahreszeit — das ist der Grund, auf dem die Wirtschaft in Kirjath Anabim aufgebaut wurde und durch die Verwirklichung derselben sind wir imstande, Herren d.er Naturschwierigkeiten zu werden. Und noch etwas: Die gegenwärtige Lage der Arbe^. in Palästina zwingt uns, uns mit denjenigen Zweigen der Wirtschaft zu beschäftigen, die sofort einträglich sind. Auf diese Weise werden wir in der Lage sein, die Summe der zionistischen Unterstützungsgelder zu reduzieren und sie für weitere, umfangreichere Unternehmungen frei zu machen. Der letzte Grund hat uns bewogen, die Wasser- und Düngmittelfrage, ohne die eine intensive Wirtschaft ganz ausgeschlossen ist, auf die Tagesordnung zu fetzen, und obzwar der größte TeU unseres Bodens sich für Pflanzen mehr eignet, faßten wir den Beschluß, folgende Zweige der Feldwirtschaft zu kultivieren: Wein, Molkerei, Futter, Grünwaren, Geflügel, Obstbäume, Futtersamen und Bienen- , zucht. In allen diesen Zweigen sind schon ernste Versuche zu verzeichnen. Allerdings wird es noch verfrüht sein, De-7 finitives von jedem Zweige im einzelnen zü'sagen. Doch ist/ der . Glaube an das Gelingen und ein beträchtliches Fortschreiten auf jedem Gebiete trotz der schlechten pekuniären Bedingungen unserer wie anderer Wirtschaften zu verzeichnen