Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1237 (11.7.1922)
- Date
- 1922-07-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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....>.^7^.>«> <• •, -^parwrasr," Rr. 1.257 Men, iDienstag: Wiene? Myrgerizertung. 11. Juli 1922 Seite' S gestellt, daß:die Jickenfrage in Polen noch lange nicht gelöst sei, im Gegenteil habe der Sejm in Uebereinstimmung mit dem Regier.ungsprojcktttrotz der Proteste der Linken neuer- ' liche Beschränkungüm der jüdischen -Rechte -angenommen. Der Antisemitismus der Nationaldemokraten. Warschau, 5..Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Als Einleitung zur bevorstehenden Wahlkampagne halten die Nationaldenipkraten. gegenwärtig Kongresse ihrer Organisationen ab.--In d'iesen werden Resolutionen, die ausschließlich die B e k ä m p f u n g der I u de n zum Inhalt haben, angenommen. So fand hier ein Kongreß der nationaldemokratischen Eisenbahner statt. Auf demselben wurde eine Resolution gefaßt, in der u. ä. die Juden beschuldigt werden, sich durch die gegenwärtige Wirtschaftslage bereichert zu haben. Außerdem wird festgestellt, daß'die Juden „die unkluge Toleranz der polnischen Regierung"-ausnützen und, gestützt auf die" „allweltlichen jüdischen Organisationen", Polen vollkommen verjuden. Sodann wird die Regierung aufgefordcrt, sofort Z w a n g §- maßnahmen gegen die Verbreitung^des jüdischen Elements zu ergreifen. ' ' Eine Konferenz^der nationaldemokratisch gesinnten Bauern verlangte in einer Resolution die sofortige Abberufung des polnischen Delegierten beim Völkerbund, des Prof. Aszkenazy, der als Jude keine Garantien biete, mit Erfolg für die Rechte des polnischen Volkes und Staates einzutrcten und Polen vor der gefahrvollen Aktion des internationalen Judentums zu beschützen.' ■ Ans als' diesen Vlerbereitungk^'leiten ist klar zu ersehen, welcher Mittel sich die Nationaldemokraten in ihrem Wahlkampfe bedienen werden. . , Die antisemitischen Exzesse in Wilna. . Wilna, 8. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der Delegierte - der polnischen Regierung, Roman, erließ nach den anlisemitschen Exzessen an die Wilnaer Bevölkerung einen Aufruf, in dem das Bedauern über die letzten Ereignisse zum Ausdrucke gebracht wird, Die Wilnaer Bevölkerung wird aufgesordert, die öffentliche Ruhe aufrecht zu erhalten und die Regierung in ihren Bemühungen zu ^unterstützen. Mit der Untersuchung der Vorfälle am 2. Juli wurde der Staatsanwalt betraut. Das Resultat der Valkszählung. , Lemberg, 10. Juli. Das Lemberger Tagblatt „Hromadskyj Wistnhk" meldet: Das polnische Hauptamt für Statistik stellt in seiner Publikation unter dem Titel „Die vorläufigen Resultate der ersten allgemeinen Volkszählung in der polnischen Republik" fest, daß mehr als 31 Prozent der Bewohner- Polens aus N i ch t p o l e n bestehen, und daß in den von Polen okkupierten Ostgebieten (Wolhynien, Poljesje, Ostgalizlen) wert über .6 Millionen Ukrainer und nur zirka,2 Millionen Polen, Jud^n, Deutsche, Russen.ünd Tschechen wohnen.- Es ist für jedermann klar, daß,, da zirka 600.000 Ukrainer der Volkszählung. überhaupt ferne geblieben find, und viele Nichtpolen siir Polen eingeschrieben-wurden, das heutige Polen ein künstliches,- durch . Waffengewalt erhaltenes Gebilde darstellt. Amerikanische Schiffe für Polen. Washington, 10. Juli. (Tel.-Komp.) Senator France hat'dem Senat einen Gesetzentwurf vorgelegt, durch Nn Präsident Harding ermächtigt werden soll, seine amerikanischen Kriegsschiffe, deren Ausrangievung durch das Abrüstungsabkommen von Washington beschlossen wurde, Polen für den Kern seiner Flotte zu übergeben. Ungarn. Streiks in Budapest. Budapest, 10. Juli. (Tel.-Komp.) Der Streik der Beamten des Wiener Bankvereins dauert an. Die Direktion weigert sich noch immer, mit dem Verband der Bankangestellten zu verhandeln. /Für heute wird die Ankunft des Präsidenten des Betriebsrates der Wiener Zentrale erwartet, der die Berechtigung der Forderung überprüfen soll. Budapest, 10. Juli. (Tel.-Komp.) Bei - den Rima- M n ran her Eisenwerken traten heute 1200 Arbeiter in den Ausstand. Außer Lohnforderungen stellen sie das Verlangen auf Konstituierung einer permanenten Lohnkommission . und auf Zusicherung der Straflosigkeit für die Teilnahme an Streiks. Die Direktion ist bezüglich der Lohnforderungen zu Konzessionen bereit, über die Machtfragen will man jedoch nicht verhandeln. . Rundschau. Dünderweldes Moskauer Eindrücke. Der belgische : Sozialistenführer B a nd erwelde, einer der westeuropäischen.Verteidiger im Moskauer Prozeß gegen die Sozialrevolutionäre, welche bekanntlich angesichts der Haltnng des böls^ewikischen Tribunals die Verteidigung vorzeitig niederlegen mußten,, hat einem Zeitungskorrespondenten ein Bilh seiner/in Rußland gewonnenen Eindrücke übermittelt. Der kurze Aufenthalt von ungefähr einer Woche habe ihm in Milliarden Rnhel gekostet. ' Er bewohnte ein ungefähr 15 Kilometer'von Moskau gelegenes Haus, den ursprünglichen Sitz eines kaukasischen Vizekönigs, welches mit erlesenem Geschmack eingerichtet .war. Für den Gast war ein eigenes Stndietzinttncrcingerichtet.worden, welches die Bilder von Marx, Lcmn und 'Trotzkp 'sowie eine kleine Bibliothek von guten Aercherrmgen 2 Tee Eindruck der Untevhausabstimmung. London, 8. Juli. (I. C. B.) Der Präsident der zionistischen Weltorganisation, Dr. Weizmann, äußerte sich dem I. C. B. gegenüber, wie folgt, über den zionistischen Sieg im englischen Unterhaus: „Die überwältigende Majorität des englischen Unterhauses heißt die Politik der britischen Regierung gut, wie sie in der Balfour-Deklaration und in dem Weißbuch vom Juni 1922 sestgelegt ist. Nach einer Kontroverse, die mehrere Monate hindurch geführt wurde und nach einer Kampagne von Verdrehungen und falschen Darstellungen von seiten der Juden- und Zionistenfeinde > ist diese Abstimmung ungemein kennzeichnend und begrüßungswert. Ich fürchte, daß unsere Feinde dennoch ihre Propaganda fortsetzen und zwischen uns und den Arabern Uneinigkeit säen werden. Sie werden uns auch weiterhin Absichten zumuten, die wir niemals gehegt haben. Ich vertraue daraus, daß unsere Handlungen und Taten in Palästina sowie unser friedliches Wiederaufbauwerk unseren arabischen Freunden und der ganzen Welt zeigen werden, daß unser Nationalheim in Palästina aus Recht, Gerechtigkeit und Billigkei t basieren wird. Die Entscheidung des Unterhauses legt uns neue Verpflichtungen gegenüber der britischen Nation auf, die wir bloß durch größte An st r ömgung für die rasche Entwicklung des Landes zum Segen aller erfüllen können. Jerusalem, 8. Juli. (I. C. B.) Die hier eingetroffenen telegraphischen Berichte über die erdrückende Majorität im englischen Unterhause zugunsten der Palästina-Politik der Regierung riesen unter der jüdischen Bevölkerung die größte Befriedigung hervor. Die scharfe Kritik am Weißbuch der britischen Regierung über ihre neue Palästina-Politik,, namentlich in bezug auf die Regelung der Immigration, ist in den Hintergrund getreten, da die ganze Aufmerksamkeit der jüdischen Bevölkerung Palästinas dem Sieg der Negierung im Unterhause gewidmet wird. Die jüdische Presse drückt ihre Zufriedenheit mit dem Abstimmungsergebnis aus und weist darauf hin, daß die politische Atmosphäre nunmehr von den Wolken gereinigt und geklärt ist. Herbert Samuel beim Papst. Rom, 8. Juli. (I. E. B.) Ueber den Empfang S i r H e r b e r t S a m n c l s beim. Papst erfahren wir, daß der Oberkommissär in Begleitung des englischen Vertreters beim Vatikan, Count de Salis, in Audienz erschien, die in der Privatbibliothek des Papstes stattfand und über eine halbe Stunde dauerte. Die Unterhaltung bezog sich auf das P a l 8 st i m/- M a n d a t und aus die Note des Vatikans, die soeben von der britischen Regierung beantwortet wurde. Sir Herbert Samu el war über seine Aussprache mit dem Papst z n f r i e de n, da eine Verständigung über die angeschnittenen Fragen erzielt werden konnte. Sir Herbert Samuel hatte auch eine längere Konferenz mit dem Lord Kardinalstaatssekretär Gaspari über den gleichen Gegenstand. Am Nachmittag wurde Sir Samuel vom italienischen König empfangen. Der König bekundete lebhaftes Interesse für die Zukunft Palästinas und zeigte sich über alle Einzelheiten der Palästina-Frage glänzend informiert. Rückkehr Samuels nach Palästina. Rom, 8. Juli. (I. C. B.) Der Oberkommisfär für Palästina hat über Neapel und Brindisi die Rückreise nach Palästina angetreten. Er wird am 16. d. in Jerusalem eintrefsen. Die unzufriedenenesr Araber. London, 8. Juli. (I. C. B.) Der Jerusalemer Korrespondent der „T i m e s" telegraphiert, daß die Araber auch gegenüber der neuen Erklärung der britischen Regierung Verlegenheit und Niedergeschlagenheit an den Tag legen. Sie erwägen zunächst jene Machtsülle, die dem „gesetzgebenden Rate" in Palästina zustehen wird. Eine Erklärung der Poale Zion. Die Poale Zion haben im „Daily Herald" eine Erklärung veröffentlicht, die auch sämtlichen Mitgliedern der parlamentarischen Labour-Fraktion übersandt > wurde. Es heißt darin u. a.: „Arabische und englische Kon-. servative fühlen mit Unwillen, daß jüdische gewerkschaftliche und genossenschaftliche Arbeit am Schnittpunkt dreier Kontinente, in Palästina, nicht nur gepredigt, sondern in Büchern enthielt. In der Stadt begegne man zahlreichen Soldaten, die in der verschiedensten Weise, bekleidet sind, und einer Unmasse Von Bettlern. Einer W ihnen wies die Gabe von 100.000 Rubeln zurück. Cs war ihm zu wenig. Die Stadt Moskau ist in gutem Zustande, aber man begegnet Kühen, welche auf den Boulevards weiden und einflußreichen Regievungsmitgliedern im 'Flanellhemd. Die offiziellen Persönlichkeiten sind beständig von einer Schar von Abenteurern und einem Heer der traditionellen russischen Bureaukratie umgeben. Die Zusage an die Verteidiger, ihrer Aufgabe ungehindert obliegen zu können, welche die Sowjets gegeben hatten, wurde nicht oingehalten und'so mußten Vanderwelde und Genossen mit Zustimmung ihrer Klienten die Verteidigung niederlegen. Er wurde ständig bewacht unter dem Bortvande, daß ihm ein -Führer als Dolmetsch mitgegeben sei. Er wurde jedoch nicht r. Weizmanns. Tat umgesetzt wird. Ehrliche arabische Nationalisten wer» den verstehen, daß gemeinsame Arbeit der ar. beitenden Massen beider Völker die.Emanzipation des Orients beschleunigen wird. Jüdische. Arbeit ist die. beste Garantie gegen nationale Vorherrschaftsversuche. Wir werden unsere Ideale nicht verraten in dem Lande, in dem die Botschaft internationalen Friedens nnd Brüderlichkeit durch jüdische Propheten zuerst erklärt wurde. Wir gehen nach Palästina, entschlossen,, unsere Beziehungen zu unseren arabischen Landsleuten auf/die nationale Autonomie beider Völker «nd aus internationale Solidarität zu basieren. - Ein protestantischer Forschen über die Palästina-Frage. Prof. Lridwig Köhler, der Nachfolger, aus dem Lehrstuhle des berühmten Palästinaforschers .. Konrad Furrer an der Universität Zürich, nimmt als protestantischer Theologe großes Interesse an den. aktuellen Palästina-Problemen. Eine von ihm getane Aeußerung dahingehend, daß ihn gerade das Studium der antizionistischen Literatur der Araber, die ihm zngegangen sei, »überzeugt habe, wie Unrecht sie hätten, gegen die zionistischen Bestrebungen aufzutreten, deranlaßte unseren N. W.-Mitarbeiter, ihn um öffentliche Darlegung seines Standpunktes zu den wichtigster: Fragen zu ersuchen, die noch unmittelbar vorder ’ Erteilung des Mandates die Gemüter der Zioni- sten und Nichtjuden beunruhigen. „Es ist nicht ausgeschlossen," sagte-Pros. Köhler, „daß die Wiederbesi-edlnng Palästinas mit Juden für die Araber Schwierigkeiten schaffen k a n n, weil -diese die wirtschaftlich und zivilisatorisch Ueberlegenen sind, und weil, wenn kapitalistische Interessen im Ansiedlungswerk bestimmend würden, berechtigte Ansprüche der wehrlosen Araber verletzt werden könnten. Hier Mvd man dafür sorgen müssen, daß Araber und Juden brüderlich'nebeneinander arbeiten und daß sich nicht das Schauspiel der Kolonisationen Afrikas wiederholt. Die Juden werden darauf au stehen müssen, erstens da zu siedeln, wo sie die Araber nicht verdrängen. Das ist durchaus mögliche weil Palästina, dessen'heutigen Zustand ich ans eigenem Augenschein gut kenne, infolge der türkischen Mißwirtschaft viel weniger besiedelt Ist, als es sein könnte^ und weil aus seinem Boden durch moderne intensive 'Bewirtschaftung sich ganz anderes herausholen läßt, als bis jetzt geschah, wie die jüdischen Kolonisten durchaus schon beweisen. - Zweitens werden sich die Juden ganz und gar als die'Vertrauensmänner der Weltzivilisation gegenüber den Arabern betrachten müssen, und es ist ihre Aufgabe, die Araber kulturell zu h eb'e n. Ob es den Führern der Araber wirklich ernstlich um die HÄüüg ihres Volkes zu ÄN' ist, das erscheintmir fraglich." ' „Wenn der Vatikan füröhtet, daß mit der Schaffung eines Heimes für die Juden m Palästina den heiligen Stätten der Christenheit Gefahr droht, so muß man bedenken, daß der Vatikan um die Anrechte auf diese Stätten mit den anderen orientalischen Kirchen lange und schwere Kämpfe geführt hak. Er fürchtet also den neuen Gegner. Er fürchtet wohl auch, daß das Ansehen dieser heiligen Stätten sinkt, wenn sie nicht mehr ' in einem verwahrlosten, sondern einem geordneten Palästina liegen. Er fürchtet drittens wohl auch, daß das Judentum als Ganzes durch das Heim in Palästina einen neuen Aufschwung nimmt, der der Macht des Vatikans hemmend in den Weg tritt. So erklärt sich die Politik des Vatikans aus Gedanken der Macht, nicht des Glaubens. Mein ganz abgesehen davon, daß der Glaube an heilige Stätten im Christentum nicht die Be- - deutung haben kann, die ihm der Vatikan gibt, genügen die Schutzbestimmungen für diese heiligen Stätten, die Erklärungen der zionistischen Exekutive und die Erwartungen, die man in die politische Klugheit des Judentums setzen darf, vollkommen, um alle sachgemäßen Befürchtungen zu zerstreuen." „Wenn die Juden nach der hoffentlich ’ noch in diesem Monat erfolgten.Ratifizierung des Mandats an die Errichtung ihres Heimes in der angestammten Heimat gehen können, sind sie der Mfmerksamkeit uud der Teilnahme der gutgesinnten Nichtjuden sicher. Möchten nur auch die Juden, schloß Prof. Köhler mit Nachdruck, besonders die in guten und gesicherten Verhältnissen befindlichen, wenn die Ungewißheit der sicheren Tatsache gewichen ist, stets tun, was wir, die Christen,' als ihre Ehrenpflicht betrachten! Das Judentum macht eine große - Prüfung seines inneren Wertes durch. Würde sie von ihm nicht bestanden werden, dann wäre die Schande für alle Zeiten untilgbar und alle Juden ohne Ausnahme dürften sich nicht wundern, wenn sie viel von Achtung bei den anderen Völkern . verlören." verfolgt, noch feindlichen Demonstrationen ausgesetzt. Die Kundgebung in Moskau war künstlich vorbereitet.' Der belgische Sozialiftenführer und Exminister erklärt, es sei unmöglich, in einem Lande zu leben, wo die Freiheit der Presse und der Meinung fehle. NÜrßland'befinde sich in Agonie und man müsse es wieder in die europäische Zivilisation eintreten lassen. „Denken Sie," sagte er, „in den Schulen gibt es eine einzige Feder für je hundert Schüler." Die Lage der Armenier. Aus Paris wird uns gemeldet: Im Anschlüsse an dst Jahresversamnilung der „Internationalen Liga der Freunde Armeniens" fand eine von dieser einberufene öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung „Pro Armenia" statt, in welcher der Senator Berard den Vorsitz führte.'Auf der Verbietet jeckem unsere einrixartixe Xusvsbi in Regenmänteln, engl. Stoffen, Damen* ««ui fcUrranwiÄchfi^ Stricke und .Wirkwweii. II., Taborstraße 48 Telephon 4^-79 Bn arei Bit ilattnll 287