Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1236 (10.7.1922)
- Date
- 1922-07-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mteralltterten Politik im Orient ein und sprach sich gegen , die Absendung eines Ultimatnms an die Türkei aus. Die j beiden Minister verhandelten auch über die Augelegeu- Rhetten in Aegypten, Tripolis und Tanger, wobei über ' verschiedene Punkte Meinungsverschiedenheiten auftauchten, die eine unmittelbare Lösung dieser Fragen nicht gestatteten. Schanzer überreichte Lloyd George eine Denkschrift, in der der Standpunkt der italienischen Negierung dargelegt wird. Eine CH^utzpolizei in Walen. Warschau. Juli. der „Wr. Morgenzeitnn.z") In Polen wird jetzt nach deutschem Muster eine Schutzpolizei errichtet. Die Aufstellung erfolgt in den einzelnen Bezirken durch ernannte Polizcioffiziere. Bei der Schutzpolizei sollen vor allem demobilisierte Offiziere und Mannschaften Verwendung finden. Der Abrüstttnasvorschlaq Ceeils. Paris, 7. Juli. (Wolff.) Der vom Völkerbund eingesetzte Ausschuß zur Herabsetzung der Rüstungen hat heute seine Tagung beendet. Am Schlüsse der Beratungen ergriff L'ord Robert C e e i l das Wort, um zu erklären, die Kommission habe wesentliche Vorarbeiten geleistet und durch ihre Tätigkeit die Bedingnnoen geschaffen, die zur Herabsetzung der Bewaffnung führen könnten. Die Aufgabe bleibe schwierig und verwickelt. Trotzdem könne die Kommission hoffen, im Monat September der Versannnlung des Völkerbundes Material vorzulegen, das ohne Zweifel nicht gestatten werde, einen wirksamen Abrüstungsplon anfzustrllen LoL aber erlauben werde, die Grundsätze hierfür festzulegen. ' Auch V i v i a n i drückte seine Befriedigung über die von der Konferenz geleistete Arbeit a.us. Man habe einige Schritte nach vorne getan. Die Arbeit des Völkerbundes auf dem Gebiete der Entwaffnung sei vielleicht d'e größte Anstrengung, die bis jetzt unternommen worden sei. Amerika verhandelt mit Anqora? Paris, 9. Juli. (Wolff.) Nach Meldungen aus Konstantinopel sollen die Vereinigten Staaten beabsichtigen, durch einen nichtcffiz'.ellen Vermittler mit Mustafa Kemal Pascha über ein Handelabkommen zu verhandeln. Der Danziger Landtag.' Danzig, 9. Juli: (Wolfs.) In iur lc <-•» r Danziger Sejms wurde ein Antrag betreffend die Erhöhung der Börsenumsatz st euer und ein Gesetzentwurf betreffend die Einführung einer Debisenumsatzsteuer in allem drei Lesungen armen unmen. Ebenkn w'^de der Gesetzentwur über das Getreidekontingent in der Höhr von 15.000 Tonnen für das ' > •;, . .. . angenommen. Hierauf trat der Sejm in die Ferien. Die Russen im Heran. Paris, 9. Juli. Die Agenee Havas meldet aus dem ^a a g: In dem Augenblick, da die Konferenz infolge der Nnnachgiebigkeit der Russen, namentlich in der Frage des Privateigentums, ihr Ende finden sollte, hat sich am 8. d. abends folgendes ereignet: K r a s s i n hatte dem englischen Delegierten einen Besuch abgestattet und ihn gebeten, die Erklärungen der russischen Delegation in der Freitagsitzung nicht wörtlich zu nehmen. Er führte aus, daß er gezwungen sei, sie in der Kommissionssitzung abzugeben und daß er sie gegebenenfalls wiederholen würde, um der kommunistischen Anschauung Moskaus Ge nüge zu tun, daß man jedoch unterscheiden müsse zwischen den in öffentlicher Sitzung gesprochenen Worten und Privatgesprächen. Er sei geneigt,- den früheren Eigentümern mehr als 90 Prozent ihres Besitzes zugusprechen. Es ist unwahrscheinlich, daß irgend eine europäische Macht ein derartiges Doppelspiel hinnehmen könnte. Der Krieg in Irland. London, 8. Juli. (Wolff.) Nach sechsstündigem Gefecht ergaben sich die Rebellen in Skogh (Grafschaft Donegal), sechzig an der Zahl. Ihr Führer wurde schwer verwundet. Die Freistaattruppen machten auch in den anderen Teilen des Landes bei der Unterdrückung des Aufruhrs wesentliche Fortschritte. 'Die Verluste der Freistaattruppen, die gegen die Hauptquartiere der Rebellen in Dublin, den Forts Courts und in der Sackvillestreet, gekämpft hatten, werden amtlich mit 16 Toten und 122 Verwundeten angegeben. Belfast, 8. Juli. (Wolfs.) Die Polizei von Ulster fand in dem Hauptuartier der irischen republikanischen Armee ein großes Lager von Bomben, Massen, Munition, Brandkörpern und wichtigen Dokumenten. Die SirdbahnkremsereNH belmtzrt. 'Venedig, 8. Juli. (Stefan!.) In der Schlußsitzung der Südbahnkonferenz hielt der Vorsitzende Dtarchese I m p e r i a l i eine Ansprache, worin er allen Delegierten seinen besonderen Dank für ihre sachkundige und werktätige Mitarbeit aussprach und im weiteren ausführte, daß man angesichis der Rückwirkungen, die die wirtschaftlichen Beziehungen der Länder auf deren Gesamwerhältnis ausüben, behaupten könne, daß das von der Konferenz abgeschlossene vorläufigeAbkommen große Bedeutung für die Entwicklung und Festigung der 10. Jul, 1U22 «r. 128» Politischen Beziehungen der an der Konferenz teilnehmenden. Staaten habe. Er werde sich überaus glücklich schätzen, die Delegierten bei der nächsten Tagung wiederzusehen, die wahrscheinlich im Herst zusammentreten werde, um die von der Konferenz angenommenen Entwürfe in internationale Vereinbarungen nm;uwandeln. Sodann wurde das Protokoll über die Entwürfe des Abkommens unterzeichnet, die sich auf die Sicherung der Regelmäßigkeit des Betriebes und die Organisation des technischen sowie des administrativen Dienstes der Gesellschaft und auf die Freiheit des Verkehres beziehen. Der Ausbau' von Jerusalem. 6. Juli. (I. C. B) Wie bereits gemeldet, bildete sich in T e l - A w i w eine Gesellschaft für den Bau eines Handelsviertels, die ein gewisses Kapital unter den eigenen Mitgliedern ausbrachte. Diese Gesellschaft schloß gestern einen Vertrag mt der Anglo-Egyptian Bank, wonach ihr die Bank einen Kredit auf 700.000 Pfund erteilte. Der Kredit gelangte auch sofort zur Auszahlung. Die Regelung der jüdischen Auswanderung aus Antz'and. I. C. B. meldet aus Berlin: Wie wir erfahren, wurde dieser Tage zwischen dem Vereinigten jüdischen Emigrationskomitee und dem Rationalitätenkommissariat der Sowjetregie-! rung ein Uebereinkommen geschloffen, welches die jüdische Auswanderung aus Rußland nach den überseeischen Ländern regeln soll. Das jüdische Emigrationskomitee verpflichtet sich zur Erwirkung der Durchroiseerlaubnis in den Nachbarländern Rußlands sowie zur Deckung der! Reisekosten für die jüdischen Auswanderer von der ruffi- : schen Ausgangsstation bis zum Bestimmungsort in den Einwanderungsländern. Ein ähnliches Abkommen soll > demnächst auch mit der ukrainischen Sowjetregierung abgeschlossen werden. Die Verhandlungen mit den russischen Rand'taaten wegen der Erlangung der Durchreisevisen nehmen einen günstigen Verlauf. . Tagesbericht. Die Bekämpfung der Lustseuche. Paris, 8. Juli. Die dem letzten Pariser DermatoloMlongreß unterbreiteten Berichte stellet: fest, daß sich das von einem französischen Arzt erfundene Wism ut tzverfahren zur Behandlung der SyP.MS als wirksam erwiesen hat. ______ Svharrn Strauß-Theater, jßm hösi'ch's Milieu und gar die theatralische Sphäre eines Düode -Fllrstenlumes üb n auch in der Republik rure Operetlenwirkung. Dazu die buntesten Calmen-Lrinneru. gen, Tänze aus dem Lande der Kastanien, ein verlrotleller herzoglicher Kaushoimeister. der Menelaus, dem gu en, ebenbürtig ist, überdies ein lindes Rokokoiüftchen, das nutz den Cr» nsr^'naen an e ne he ße Tänzerm Abkühlung bringt. Damit besitzt .ihre Koheit — die Tänzerin' die nötigen Eigenscha len. um eine Sommersai on durchzutanzen. Die Musik m'scht Alles und Neueres dur i einander, sie spart nicht und bri gt eine star'l'che Ac'he von Schlagern, die mehrsach wiederholt werden mußten. Sv haben die Textdichter Oswc Felix und Richard B a r s wie auch der Komponist Waller W. G o e tz e wohl bestanden. auch die Darsteller er reuten durch hübsche L.tstungen. Elly Kreith singt und spielt ncht lebendig, G'sa Kolbe erw es sich als vr läßliche Sängerin und schw'ng dczu ein wunderschönes Tanzbein, dre Kerren Sml) offub Kober erlcd'gisn mit Anüand ihre Gesangsparlien. Kerr Egger war em diastischer 5.om>ker,.Kerr B a si a r s ein sp-n'scher^Z gcuner aus dem Wierernalü — Die neue Op>re.te ha! ihr» Schuld g° heit getan, dos Publikum bestätigte dies mit Beifalls^aloen und kostbaren Blumenspenden. flb. Briefkasten dev Redaktion. Bücherfreund. Wenden Sie sich an den Verlag „Ewer", 2. Bez.. Taborstraße 1-3. — M. N. Die Adresse lautet: Berlin, Sächsische Straße 8. — Nob. F. Das „Joint" hat seine Tätigkeit für Wien seit geraumer Zeit eingestellt. Fragen Sie bei «der Sozialen H'üfsgcmeinschaft (Anilta Müller), 9. Bez., Berggasse 7, nach. — Slowakei. In Ihrer Angelegenheit wird Ihnen Dr. S. Sajo, Bratislava, Corvingasse, Auskunft geben können. __ Der Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Uebsrerregbarkeit bei Säuglingen. Die fürchterlichsten Augenblicke erlebt eine Mutter,, wenn ihr scheinbar gesunder Säugling plötzlich von MuSkelzuckungen und Krämpfen befallen wird, die sich meist an längeres Schreien des Kindes anschließen. Das Kind hat eine große, tiefe Ausatmung gemacht, ohne wieder eine Einatmung zu vollziehen. Der Blick und. der Gesichtsausdruck sind starr, Arme und Beine geraten in zuckende Bewegungen, bisweilen wird der ganze Körper erschüttert. Schaum tritt aus dem Mund. Die Mutter hält scheinbar ein totes Kind in den Armen und weiß sich nicht zu helfen. Die Situation wird für sie noch schwieriger, wenn sich gerade niemand sonst zu Hause befindet. Der geschilderte Zustand dauert glücklicher Weise meist nur ganz kurze Zeit, das Bewußtsein des Kindes kehrt bald zurück, und nach kürzerem oder längerem Schlafe ist das Kind wieder wohl. DaS geschilderte Ereignis wirkt bei der Mutter noch lange nach, denn sie fürchtet das Auftreten neuerlicher Anfälle. Diese Krampfzustände sind ein Zeichen der Uafieft* erregbarkekt des kindlichen Gehirnes und können entwedeL als Folge der rhachileschen Erkrankung des Schädels auftreten oder sich als Teilerscheinung einer schweren Gehirn-; erkrankung, Gehirnhautentzündung darstellen. Fieberhafte Krankheiten, besonders Darmstärungen; : können bei Kindern ebenfalls mit solchen Krampfzuständew beginnen. Besteht keine Temperaturerhöhung des kindlichen Körpers, dann stellt ein Griff des Arztes auf den Schädel des Kindes meist sofort die Ursache der Uebererregbarkeit in der Schädelrhachitis fest. Die englische Krankheit ist beim Kinde bisher ziemlich fymptomlos verlaufen, die Mutter hatte keine Ursache, ihren Säugling dem Arzte vorzustellen. Das aufregende Ereignis mit den Zuckungen des Kindes hat erst dessen Untersuchung herbeigeführt. Durch Ausfragen erfährt dann der Arzt, daß schoy gewisse verdächtige Zustände vorausgegangen sind. Beim Kinde ist es bisweilen zum „Ausbleiben" gekommen, wie die Laien die Unterbrechung der Atmung bezeichnen.. Der berüchtigte Stimmritzenkrampf, der eine Verengung der Stimmritze durch Zusammenziehen der Kehlkopfmuskeln darstellt, ist Wohl aufgetreten, doch führte die Mutier das Atemhindernis auf zu langes Schreien des Kindes zurück. Bei Untersuchung des kindlichen Schädels tastet der Arzt einen Weichen Hinterkopf, fast pergamentartig knistert das Schädeldach an einzelnen Stellen, die Fontanellen, besonders die Lücken zwischen den Schädelknochen am Vorderhaupte sind groß oder haben sich noch nicht geschloffen, was im allgemeinen am Ende des ersten Lebensjahres stattfinden sollte. Man erfährt dann auch von der Mutter, daß das Kind nicht gut schläft, daß es viel mit dem Kopfe herumwälzt, seine Lage zu verändern sucht. Meist schwitzt das ' Kind auch sehr stark am Kopfe, was nicht nur Kahlheit am Hinterhaupte, sondern meist auch einen lästigen Hautausschlag (Ekzem) zur Folge hat. Diese kleinen Kinder, die mit der Schädelrhachitis behaftet sind, sind überhaupt sehr erregbar und schreckhaft, und zucken beim geringsten Geräusch heftig zusammen. Sie sind ziemlich ungebärdig und große Schreier, geraten schon bei der ärztlichen Untersuchung in den gefürchteten Krampszustand. Das wirksamste Mittel ist der Phosphorlebertran, wie ihn der verstorbene Wiener Kinderazt Dr. Kaffowitz angegeben hat. Nebstdem wird man selbstverständlich die bei der Rhachitis sonst übliche Behandlung durchführen. Insbesondere wird man das Kind in die frische Luft und an die Sonne bringen. In jüngster Zeit hat man auch mit der künstlichen Höhensonne gute Resultate erzielt. Im Sommer wird man bei der Behandlung die natürliche Höhensonne vorziehen. Tod durch elektrischen Strom. Dr. Mauz tritt in einer medizinischen Zeitschrift der irrigen Anschauung entgegen, die sowohl in Aerzteals auch in Laienkreisen herrscht, daß die gewöhnliche Lichtstromleitung von 110 oder 220 Volt als ungefährlich gehalten wird. Vielfach sind Todesfälle schon bei dieser Stromspannung durch mangelhafte Sicherungen herbeigeführt worden. Wieso die elektrische Schädigung zustande kommt, ist nicht mit Sicherheit aufgeklärt. Während einzelne Autoren den Tod durch elektrischen Schlag durch Sekundenherztod durch Kamimrslimern erklären, ist der Wiener Elektrotherapcnl Doktor Jellinek der Anschauung, daß Scheintod durch Schockwirkung vorliegt. Die Stellungnahme zu diesen theoretischen Auffassungen ist für die Behandlungsart von wesentlicher Bedeutung. Während im ersteren Falle jeder Wiederbelebungsversuch aussichtslos ist, stellt die letztere Anschauung Doktor Jellmeks eine Wiederbelebung als möglich hin. Dieser Versuch muß aber sofort einsetzen und stnndenlanq fortgesetzt werden. Wenn in einer Statistik von 242 Unfällen 24 Personen wiedcrbelebt wurden, so ist es als schönes Resultaten werten. Durch den Ausbau der Wiederbelebungsmethoden sind noch bessere Erfolge zu erwarten. Man hat auch daran gedacht, ein durch einen Schwachstrom getötes Herz durch hochfrequente Ströme, die int Körper keine zerstörende Wirkung ausüben, zu beleben. Aer-tNcher Fragekasterr. Allcqe. Betupfen der Haut mit Wasserstoffsuperoxyd oder Bestreichen mit 3prozentiger weißer Präzipitatsalbe. — Leo. Kropf ist kein erbliches Leiden, wir kennen bis jetzt noch immer nicht dessen Entstehungsweise. Es hilft , Jodbehandlung bisweilen, meist ist aber operative Behand- 1 lung notwendig; das hängt von der Art des Leidens ab. I — Säugling. Im Sommer treten durch Ueberernährung der Kinder häufiger.Darmstörungen auf, die sehr gefährlich werden können. Regelmäßige vierstündige Pausen in der Ernährung sind wichtig. — Phlegmone ist eine Entzün» 1 düng des tiefen Zellgewebes; meist operative Behandlung. 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