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Wiener Morgenzeitung · 1922-07-08 · Heft 1234 (8.7.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1234 (8.7.1922)
Date
1922-07-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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»'■vvvvv wrr 4 Mtr^ÄM^rag Preisen in engste Fühlung treten. Die Vertreter der oster- 'reichrfchen HattdelZintereffeu legten ihren Standpunkt bezüglich der Jmanznraßnahmen dar, die trotz der größten OPseÄvMgkeit der Kaufmannschaft deren Zttstinunung nicht finden können. Namentlich haben die Wü euer und die Innsbrucker Handelskammer auf die Gefahren der inneren Anleihe und des geplanten Steuersystems hingewiesen. Die Großdeutschen. Die Großdeutsche Volkspartei hat gestern beschlossen, ^egen den Dalorisierungsantrag der Sozialdemokraten Stellung zu nehmen. Larrdtsg von Wien, Der Landtag von Wien nahm in seiner gestrigen Sitzung die Wahl eines Schiedsgerichtes für Wien vor. Gewählt wurden gegen die Stimmen der Christlichsozialen Stadtrat Speiser, Vizemagistratsdivektor Dr. Mahr und Dr. Gustav Harpner. 'Weiters beschloß det Landtag eine .Gesetzesvorlage betreffend die Einhebung von Gebühren für die Kranken- und Leichenbeförderung mit städtischen lFahvbetriebsmitteln und für die Bestellung von Särgen in Wien. Hierauf gelangten Ansuchen um Auslieferung einzelner Mitglieder wegen Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre zur Verhandlung, worauf die Sitzung geschlossen wurde. Der GLrgeKlattdÄvnMkt. . Der von der Königin der Niederlande auf Ersuchen der österreichischen und der ungarischen Regierung bestellte Schiedsrichter Dr. Alfred Z i m m e r m a n n, Bürgermeister von Rotterdam, ist vor einigen Tagen in Wien eingetroffen. Wie bekannt, .besteht die Aufgabe des Schiedsgerichtes, dem außer Dr. Zimmermcmn für Oesterreich Minister a. D. Dr. Reisch und für Ungarn der ehemalige Gouverneur der österreichisch-ungarischen Bank v. Popo die angehören, in der Entscheidung der zwischen Oesterreich und Ungarn anhängigen, aus der verzögerten Ueber gäbe des Burgenlandes entstandenen finanziellen Schadenersatzfragen. Das Schiedsgericht hat sich bereits konstituiert. Die meMorlschen Verhandlungen werden nach. Austausch der beiderseitigen Streitschriften anfangs September ftattswden. f “ ' Tschechs - StsWKkLi. Dschechisch-deirtsche GrenzkortzeKLureu. Prag, 7. Juli. (Tel.-Komp.) Wie ein nationaldemokratisches Blatt mitteitt, beabsichtigt die Tschecho-Slowakei, -re d r e i Gemeinden, die aus Grund des Ergebnisses der Volksabstimmung in Oberschlesien der Tschecho-Slowakei zuerkannt wurden, an Deutschland wieder zurück^rgeben und dafür die Stadt An nab erg einzutauschen, deren Einwohner eine Angliederung an den tfchecho-slowakischen Staat wünschen. Deutschland würde dann'ein Gebiet von 2500 Hektar, die Tschecho-Slowakei ein solches von 1000 Hektar erhallen. ssfettefc MorrZenzeitUNg. Po!§K. Dir SchmkerigAerter; des Ktzhiuetts... Warschau, 7. Juli. (Tel. der „Wiener Morgettzeituntz".) In der nach dem Expose des Ministerpräsidenten folgendert Debatte sprach sich Abgeordneter G'lo mb in ski rm Namen 'des Nationaldemokratischen Klubs gegen das jetzige Kabinett % HüntMuchem f- EhM JÄdeA schilt verleg. ■■ ul;- Wilna, 6. JÄi. (Tel. derÄorgenzeitung".) Das nativnaldemokratisHv OrM MziekM WilenSki^ forderte vor einigen Tagen die christliche Bevölkerung ans, bei dem von den Nationaldemökrattn entgegen Ment Verbot der Regierung einberufenetz Meeting zu' .erscheinen. Demzufolge waren die Behörden gezwungen^ eine Polizeiabteilvng aus den Versammlungsort zu entsenden, nm die Abhaltung des Meetings zu verhindern. Infolge des großen Massenandranges zog sich jedoch die Polizeiabteilung allmählich vom Versammlungsort zurück. Es sprachen der Redakteur des „DzienUik Wilenöki", der bekannte Judenhetzer Obst, Chamiet■ und zwei Geistliche, die die Versamyietten aüfforderlen, gegen die Juden und die Polizei, die den Juden Schutz biete, auszutreten. Auf diese Hetzreden hin zogen die versammelten Massen gegen das Zentrum der Stadt und begannen jüdische Passanten anzugreifen und zu mißhandeln. Unter den Versammelten befanden Manche aktive Militärs. Archer den Juden wurden auch einzelne Polizeileute überfallen und geprügelt. Aus diesem Grunde sah. sich die Behörde veranlaßt, eine Abteilung berittener Polizei gegen die Exzedenten ausrücken zu lassen, der es teilweise gelang, die Exzedenten auSeinattderzntreiben. Ueber Fürsprache eines Geistlichen wurde jedoch die Polizei zurückgezogen. Diese Situation nützten die Exzedenten auS und begannen die Pottzet Zn beschießen, Zwei Personen wurden getötet. Dle Polizej machte hieraus von den Waffen Gebrauch. Als aber die in die Lrrft abgegebene Salve wenig wirkte, zog sich die Polizei ins Kommissariatsgebäude zurück. Die Exzedenten stürmten den Polizeileuten nach, drangen ins Kommissariat eitt und begannen zn plündern. Ein anderer Teil der Exzedenten plünderte jüdische Geschäfts- und Wohnhäuser. Auf die Kunde von der Verhaftung mehrerer Exzedenten formierte sich unter, dem Kommando des Generals Konarzewskis ein Zug von Exzedenten, der vie sofortige Befreiung der verhafteten Plünderer verlangte. Der Staatsanwalt fügte sich dem Generell und setzte alle Verhafteten auf freien Mß. Während der Plünderung im jüdischen Viertel wurden zehn Personen, darunter sechs Inden, schwer der wu n h e t. Die Lage der Juden ist verzweifelt. Die jüdische Bevölkerung befürchtet weitere Ausschreitungen der durch die unverantwortliche Wühlarbeit der Natroriald'emokraten verhetzten Massen. An den Exzessen nahmen Angehörige der Intelligenz, Offiziere nnd Hochfchüler teil. Eine Gruppe polnischer Studenten plünderte, mit entsprechenden Geräten ausgerüstet,^ jüdische Geschäfte. Herbert SeMW heim Papst.- , Rom, 7. Juli. (FünkWch.) Sir. Herbert S a M «e l, der britische Kommissär für Palästina, wurde gestern vom Papst in Audienz empfangen. aus. Abgeordneter Daszinski, der über die Zustände in - Sowjetrußland und. den damit im Zusammenhang stehenden Rapollovertrag^sprach, erklärte schließlich, daß.sein Klub für das Kabinett S l i w i n 8 k l eintrete. Abtzeördneter D ü ft o- W.icz erklärt im.NameÜ seiner Gruppe, daß sie nicht geneigt sei; das Kabinett Sliwinskis. zu unterstützen. Abgeordneter S k u ls k t erklärt, daß seine' Partei (Wiszwolemel nicht nur gegen das Kabinett sei, sondern, in s ch a rs st e Opp o s ition treten werde. Werker, ohne Schulbildung, aber erfüllt von altjüdischer, inniger Religiosität, hatte er merkwürdigerweise ein tiefes Verständnis für die Lehren des seligen Chacham Bernays. ' Ich wurde schon zu Hause sehr frühzeitig zum Lernen angehalten und konnte im Alter von dreiundeinhalb Jahren bereits perfekt hebräisch und deutsche lesen, wurde aber erst mit vierundeinhälb Jahren „ausnahmsweise" in die Schule ausgenommen. Als ich sechs Jahre alt war, mußte Tueitt Vater wieder von Hamburg nach England zurückkehren. Ich und nteine Schwester, Mirjam Marcus — die erst vor zwei Jahren ihr 40jähriges Jubiläum als Direktorin der israelitischen Töchterschulei in Hamburg feierte — wurde, zu Pflegeeltern gegeben, da meine Mutter seligen Andenkens in meinem fünften Lebensjahre gestorben war. Ich habe viel Elend gekostet, warf mich aber umso eifriger aufs Lernen. Der Leiter der Talmud-Thoraschule, Dr. Samuel Nathan, war das Musterbild eines 'pflichtgetreuen, ausgezeichneten Lehrers. Der Lehrplan der-Schule ioar hauptsächlich auf das Jüdische eingerichtet. Da ich immer der Primus der Klaffe war und nur wegen meiner Jugend — vor dem neunten Lebensjahre war dies nicht gestattet — nicht in die erste (heute sechste Klaffe) einrücken konnte, nahm ich doch auch mit den Vorzugsschülern am Talmudunterricht teil, den ich schon im Alter von sechs Jahren bei einem Lehrer ältesten Schlages, R. Lewi, mit Erfolg zu betreiben begonnen hatte. Französisch erlernte ich allein, nachdem mir in meinem siebenten Lebensjahre ein französisches Lehrbuch, der „Ahn", geschenkt 'worden war. In der Bibliothek meines Onkels fanden sich französische Bücher und viele Geschichtswerke, wie auch Romane, die ich mit Heißhunger verschlang; ich wurde ein vollendeter Bücherwurm. 'Von der Medizin fühlte ich mich'so angezogen, daß mir Dr. Benny Cohn (einst Bismarcks Hausarzt, der auch zu meinem Onkel ins Haus kam) sagte: „Du mußt Naturforscher werden." Ein frommer Vorsteher der Gemeinde, Simon May seligen* Andenkens, der sich zu seinem Vergnügen in seiner Villa ein chemisches nnd j physikalisches Laboratorium eingerichtet hatte, warnte mich vor dem Schneckengange, der mit dieser Karriere verbunden sei, und riet mir, einen anderen Beruf zu erwählen. Ich wollte Ingenieur werden. Ich lernte Mathemattk bei einem Engländer namens Dr. George; englisch erlernte ich spielend beim Dolmetsch Caffuto. Da kam' mein Vater zur Feier meiner Barmizwah nach Hamburg und beredete mich, Rabbiner zu werden. Ich kam also zu meiner weiteren talmudischen Ausbildung zum Rabbiner Stern seligen Andenkenseinem sehr braven Juden alten Schlages; aber da mir fein Unterricht wenig bot,^ warf ich mich selbst mit großem Eifer auf das Studium des Talmud, so gut es ging. Rabbiner Stern hatte ein"Privatseminar gegründet, von dem aus man das Abiturientenexamen'machen konnte. Hauptlehrer an demselben war ein 48er Demagoge, Dr. Kleinpaul, ein einfältiger,. aber enrängrerter Atheist, der uns Knaben mit seinen Theorien gehörig zusetzte. Ich bewältigte mit Leichtigkeit die teinischen und die griechischen Schulaufgaben, aber mein opf war bei der Gemarah. Bald darauf kam nach Hamburg Rabbiner Dr. B. Lrpschütz, der tvegen seiner unbeugsamen orthodoxen Haltung aus Schwerin sozusagen vertrieben worden war. Das war ein hochbegabter Mann; Professor Trendelenburg nannte ihn -den einzigen Philosophen unter den Juden seiner Zeit. Der “ Mann befriedigte mein Verlangen nach tieferem Wissen und da er nach Krakau gehen sollte und mich die furchtbare Degeneration der jüdischen Verhältniffe in Hamburg immer mehr ackvrderten, so entschloß ich mich, voraus nach Krakau zu Hetzen. — Das übrige in meiner Lebensgeschichte ist Ihnen aus meinem „Chassidismus" verständlich." So weit das Manuskript Ahron Marcus. Vielleicht ergibt sich für mich noch die Gelegenheit, nach Ergänzung des mir' vorliegenden, ziemlich spärlichen biographischen Materials weiteres über die Lehensgeschichte des interessanten Mamres zu berichten. . G. Cmarm. 6i IM IMS . r.. — ' n i— "-vK . ‘ Nach der Sejinsttzung fand eine Versammlung sämtlschtt KlubS t>cc rechten Parteien' statt, in der die-Situation besprochen würde, die sich ergäbe, wenn das Kabinett SliwinSkt kein Vertrauensvotum erhielte. Nach einer längere« DÄrtte wurde der Beschluß gefaßt, iinen.Kandidaten der rechte« Parteien für den MinisterprÜsidentenposten auszustellen. Warschau, 6. Juli. (Poln. Tel.-Ag.) Im Sejm wurv^ heute die Debatte über die RegterungSerklSrung fortgesetzt. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wurde zwar mit 200 gegen 101 Stimmen angenommen, jedoch der Beschluß nachher reassumiert, so daß morgen die Debatte -ihre Fortsetzung finden wird.- RuWchrm. Die Äerttsche KrM - /. , Geringe Aussichten auf ein KoApkyMitz. Berlin, 7. Juli. (Tel.-Komp.) Die Verhandlungerr zur Verbreiterung der gegenwärtigen Regierungskoalitlott nehmen ihren Fortgang. Die politische Lage ist durch den Brief der Demokraten und des Zentrums an'die Deutsche Polkspartei außerordentlich verworren geworden. Die' Deutsche Volkspartei ist zivar bereit, in die Regierung einzutreten und mit den ändtzV'eU bürgerlichen Parteien zu verhandeln, doch würden damit die Sozialdemokraten automatisch üus der Regierung hinausgedrängt. Theoretisch beftehi zwar die Möglichkeit einer rein bürgerlichen Regierung, praktisch ist jedoch wenig Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden, die gegenwärtige schwierige Situation durch eine geschloffene Linksoppositton auf die Spitze zü treiben. Die Unabhängigen haben aus den Brief des Zentrums und der. Demokraten bereits reagiert und erklärt, daß sie nicht gewillt seien, irr eine wettere Verschleppung der Angelegercheit zn willigen. Ihr Interesse an dem Eintritt in die Regierung werde bei weiteren Verhandlungen mit der Deutschen Volkspartei hiyfällig. Die Unabhängigen wollen ans dieser Haltung auch insoserne die Konsequenz ziehen, als sie beim Eintritt dsr Deutsche« . Volkspartei in die Regierung gegen das Schützgesetz stimmen nnd so die erforderliche Zweidrittelmehrheit für da3 Gesetz verhindern werden. Eine Auflösung des Reichstages ziehen sie der Koalitton mit der Deittschen Volks-! Partei vor. Auch die Sozialdemokrattsche Parter ist nicht gewillt, ' einet einseitigen Verbreiterung der RegierungskoaMon nach rechts zuzustimmen. Augenblicklich finden zwischen den beiden sozialistischen Parteien unverbindliche Besprechungen statt, die ans die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft der Linien hinzielen, die nach Rücktritt der sozialistischen Minister aus dem Kabinett zu einer eventuellen bürgerlichen Regierung in schärffte Opposition treten würde. : •; , Uner diesen Umständen ist es momentan völlig undürchsichttg, wie man aus dieser schwierigen Sttuation herauskommen wird. Zentrum und Demokraten wollen unbedingt die Volkspartei in der Regierung haben, die Sozialdemokraten wiederum die Unabhängigen. Ein Kompromiß, daß beide Flügelparteien in die Regiemng eintreten, erscheint unmöglich. . .... > Der Mord an R-the«a». < Berlin, 7. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzettung".) Im preußischen Landtag teilte. gestern Abg^ K u tt n e r mit, der deutschnatiomle Reichstagsabgeordnele Henning, einer der .verbissensten Äntisemiten, habe in Osnabrück einem der Mörder Erzbergers die Mittel zur Flucht ins Ausland gegeben. Im bayrischen Landtag wurde gestern der gewesette Ministerpräsident von Kahr wegen seiner monarchistischen Propaganda scharf angegangen. Die Regiertrng antwortete, Kahr habe feine m Reden in einer geschloffenen Be- * amten- oder Studentenversammlung gehalten. . Die Erweiterung der Regierung^koalition ist bisher nicht gelmtgen. Strestemann und dev linke Flügel der Volkspartei sind zum.Eintritt bereit, was die Gegnerschaft der..Unabhängigen hervormft. Dir Unruhrrl in Zwickau. Dresden, 7. Juli. (Tel.-Komp.) Der sächsische Minister des Innern teilte dem Landtag mit, daß die Unruhen in Zwickau insgesamt 14 Todesopfer und 60 bis 70 Verwundete gefordert haben.. Von der Polizei werden zehtt Mann vernrißt, sechs Polizisten wurden verwundet. Sie hatten fest mb tren zusammen.'. Berlin, 7. Juli. (Tel.-Konrp.) Der deutschnation a l e. P a r t e i v o r st a n d erläßt eine Erklärung, wonach hie deutschvölkischen Organisationen nach wie vor als Verbündete der deutschnationalen anzusehen seien und daher keine Redse davon sein könne, daß deutschnattonale Parteiangehörige wegen ihrer 'Zugehörigkeit zu.deutschvölkischen Organisationen aus der Partei ausgeschlossen werden. Die Forderungen der deutschen Vuch^ drucker. Berlin, 7. Juli. (Tel.-Komp.) Die Buchdrucker-^ . gewerkschaft h^absichtigt dem am 11. d. in Leipzig zusammentretenden TürifauSschuß für das deutsche Buchdrucker», gewerbe ein 48stündige8 Ultimatum an die Ärbeitgeber vorzulegeu, ut dem die Fordemng nach einer Wochenlohnerhöhung von 800 Mark im deutschen Buchdruckergewerbe nochmals Erhoben wird, widrigensallö her Buchdruckerstreik iur ganzen Reiche proklamiert werden soft.

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