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Wiener Morgenzeitung · 1922-07-07 · Heft 1233 (7.7.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1233 (7.7.1922)
Date
1922-07-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite L .Mm, Kr'eltag 'Serbien teilzunehmen. Aus diesem Grunde sei auch Italien von dem Streich im Jahre 1914nicht u n t e r r i ch t e t. worden, an dem es sich deswegen nicht beteiligt habe, weil es der Ansicht gewesen sei, daß der Dreibund bloß - defensiven Charakter getragen habe. Viviani erinnert an die bezüglich der vorliegenden Frage im Vertrag vorgesehenen Bestimmungen und fragt, ob diese Debatte der Sache Frankreichs diene. Die Verhandlung wird sodann auf morgen vertagt. Abg. Thomson verlas in der gestrigen Sitzung einen Artikel Jan res, den dieser nach seiner Rückkehr von einer Tagung des Internationalen sozialistischen Bureüus in Belgien einige Tagevor Kriegsausbruch veröffentlicht hatte. Darin sagt Jaures: Wenn die Mittelmachte den Krieg entfesseln sollten, dann würden sie. auch die Verantwortung tragen und die französischen Sozialisten'könnten dann ihrer Negierung nicht mehr eine Friedenspolitik aufzw'mgen, die die Negierung tatsächlich betreibt. Ich habe das Recht, zu sagen, daß die französische Regierung den F r i e d e n w i l l. Abg. V a i l l a n t - C o u t u r i e r: Aber Jaures> ist zwei Tage später er'mordet worden. Er hat nicht alles gewußt. Trotzdem hat er die von Frankreich und Rußland verfochtene Politik bekämpft. Der Abgeordnete verliest sodann Dokumente aus dem jüngst veröffentlichten Schwarzbuch und sagt, die Sowjetregierung sei bereit/ jedem, der es wünsche, die Originale zur Verfügung zu stellen. Hierauf ging' der Abgeordnete aus die Angelegenst des Botschafters Louis ein, derans Veranlassung Sasanows von Petersburg abberufen worden sei. Weiters verlas er mehrere Briefe Sasanows aus dem Jahre 1912. Darin wurde gesagt, Poincare sei eine starke Persönlichkeit, die man ganz auf russischer Seite haben müsse. Poincare erkenne an, daß man militärischen Operationen, von Frankreich und Rußland geführt, ruhig entgegensehen könne. Sasonow habe nach Petersburg telegraphiert, wenn Rußland den Krieg führe, werde ihn auch Frankreich führen. Poincare ruft dazwischen: Sie wissen aus dem Gelbbüch, daß die russische Regierung gewußt hat, daß sie nicht meine Gedanken ausspricht. Abg. Vaillant-Couturier fährt fort: Wir besitzen noch andere Telegramme. In einem Telegramm Jswolskhs wird gesagt, daß Comb.es eine Kampagne für den Frieden führe, daß aber die starken Männer des Kabinetts, nämlich Millerand, Poincare und Delcasse, der Allianz treu bliebew und daß sie über die anderen Politiker siegen würden. (Poincare ruft dazwischen: Diese vergeblichen Ansichten Jswolskhs verleumden Herrn Combes, der vollkommen einverstanden war.) ■■■ _■ Oesterreich. Die i««ere AnleiHe. Valorisierung der.Anleihebetrage? Im Unterausschuß des Finanzausschusses stellte geffern Abg. Dr. Bauer einen Antrag zur Erörterung, der daraus hinausläuft, die Beträge für die innere Anleihe nicht starr zu bernbssen, sondern sie dem jeweiligen Kronenkurse.. anzupassen. Zu diesem Zwecke seien die Anleihebeträge valorisiert in Gold kr onen auszudrücken. Es bestände nämlich sonst die Gefahr, daß Lei sinkendem Kronenkurs Wohl Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und Handel die Anleihe leicht entrichten, von der einfließenden entwerteten Valuta der Staat aber keinen Vorteil ziehen könnte. Andererseits würden bei einem Steigen der Krone namentlich die kleinere Industrie, der Kleinhandel und das kleine Gewerbe außerstande sein, die Anleihebeträge zu leisten. Der Vorschlag Dr. Bauers bildet nunmehr den Gegenstand von Beratungen der übrigen Parteien,.und wie die Dinge jetzt liegen, dürften sowohl das Finanzministermm sowie auch die Parteien des Nationalrates nicht abgeneigt sein, dem Vorschlag Dr. Bauers nähert zutreten. In einer Wählerv ersammlung der Großdeutschen in Währing erklärte gestern Vizekanzler Dr. Frank, der Finanzplan und die innere Anleihe würden, wie die Stellung der einzelnen Parteien zu den Gesetzentwürfen der Regierung erkennen läßt, im wesentlichen in der von der Regierung vorgeschlagenen Form unbedingt noch vor Schluß der Sommersession im Nationalrat zur Erledigung gelangen. Uater««»sch»tz LesFinauz- und Budgetau«schusses. Der Unterausschuß deS Finanz- und Budgetausschusses zur Beratung der Vorlagen, welche Steuererhöhungen betreffen, hat in einer Reihe von Sitzungen die ihm zugewiesenen Vorlagen, und zwar die Finanzzolltarisnovelle, die Verbrauchsübgabennovelle, das AüSfuhrabgabengesetz und das Süßstoffsteuergesetz erledigt. Beim Gesetz über die Holz produktiv ns ab gäbe gab die Regierung die Erklärung ab, daß sie diese Vorlage zurückziche. Der Unterausschuß beschloß ferner mit Mehrheit, dem Finanz- und Budgetausschuß den Antrag zu unterbreiten,' daß von der Durchführung des Gesetzes über die Wein Produktions üb gäbe abzusehen sei. Der österreichische Gesandte in -er Schweiz. . Bern, 5. Juli. (Schweizerische Depeschenagentur.) Der Bundesrat haj dem österreichischen Getanhteu in 3Lau ii, i>o3 Lkrerrer Mrorgenzpitung. Die königlich ungarische SoziaLdeMvkratie. Budapest, 6. Juli.. .(U.-I.K.-B) Nationalversanttulung. Das Haus setzt, die. Debatte .über das Bndgetprovisorium fort. Abg.llL s isrna di a. (Einheitspartei), bemerkt,' daß das Problem der Teuerung baldigst.gelöst.werden müsse. .. Abg. Pr o p p e r (Sozialdemokrat). erklärt, seine Partei habe im Interesse des Wiederausbanes des Landes gehofft,.. . eine, g e m c .t n \ a me Plattform für die Arbeit mit der Regierung zu finden, bisher Habsich diese Hoffnung nicht erfüllt. Er halte bie . Liquidierung des Bolschewismus und der Gegenrevolution.für-unbedingt notwndig. Die Arbeiterschaft strebe nicht nach,der Klaffenherrschaft. Ihr Internationalismus sei wirtschaftlicher Natur. - . Polen. Die Wahlen ’zue zionistischen Landeskonferenz. Lemberg, 4. Juli. (Tel. der „Wr. Morgcnzeitung".) Gestern fanden hier unter sehr reger Beteiligung die Delegiertenwählen für die ans den. 9. Md. 10. Juli einberufene zionistische Landeskonferenz statt/ Der Wahlkampf spielte sich diesmal in sehr lebhafter Weise ab,, da drei Wahllisten Vorlagen. In dem.Wahllokal im Passage Hausmann herrschte den ganzen Tag über.ein sehr regs Treiben, das ganz. besonders seitens,, der Zen t.r.u fix sgr up p e, die eiste' ,große Anzahl von Mädchen und Händelsangestellten aüsgeboten hatte,, zutage 'trat. An der Wahl beteiligten 'sich 1298 Schekelzahler, davon stimmten 473, auf Liste Nrt 1 (Listensilhrer Dr. Leon Rei ch), 455auf Liste Nr. 2 (ListenWrer Redakteur Frostig), .368 aus Liste. Nr. 3 (Liftenführer H.e hl e r), 'Auf. diese Weise erhielt die Liste Nr. 29,^ Nr. 2 19,und Nr. 3 15 Delegierte. Auch aus der Pwvirrz liegt eine Reihe von Wahlresültaten vor, wobei eine, Reihe der Lemberger Delegierten auch dort.gewählt wurde. ' ' Legalisierung Zer Schulen Zer Mdischen / / /. KullurgesMchast. Warschau, 4. Juli. '(I.- C. ,B.) -Die seit der derrtschen Okkupation in Warschauexistierenden' jüdischen weltlichen Schulen waren bisher bloß toleriert, aber nicht legalisiert. Me Gesuche um Legalisierung wurden vom Schulrat mit der Begründung abgewieseü, daß von nicht anerkannten weltlichen Organisationen erhaltene Schulen nicht legalisiert werden können. . Nach-vielfachen Bemühungen gelang es jedoch, die Legalisierung der Statuten der jüdischen Arbeiter-Kultur- -und. -Bildungsgrsellschäft zu erreichen, sv daß auch der LegalisieckmgMr Von dieser/Institution erhaltenen: S ch u l e n nichts, mchr im Wege steht. Die " Gesellschaft' erhielt das Recht, /Schulen mit jüdischer Unterrichtssprache sowie ebensolche Vorschule^ und Abendkurs e zu leiten und zu unterstützen. (Die jüdische Kulturgesellschaft ist eine von jüdischen linken Sozialisten geschaffene- Institution, welche eine beträchtliche Anzahl -von Volksschulen und Bilkmngskursen in Polen errichtet hat. Diese Anstalten, in denen moderne pädagogische Systeme zur Anwendung kommen, bedienen sich durchaus des. Jiidischen als Unterrichtssprache und stehen der. Frage des Hebräischen ablehnend gegenüber. Die Gesellschaft gibt auch eine eigene Zeitschrift in Wischer Sprache, „Schul un Leben", heraus. > Die Legalisierung der hebräischen Schulen in Polen, welche die Gesellschaft „Tarbuth" erhält, ist bekanntlich vor einiger Zeit erfolgt. Mit der bloßer: Legalisierung allein sind allerdings die jüdischen Forderungen ans dem Gebiete der Schule nicht erschöpft und * die jüdische Politik in Polen wird nach wie vor auch die staatliche Subventionierung der jüdischen Unterrichtsanstalten verlangen müssen) Die Programmdebatte. Warschau, 6. Juli. (Poln. Tel.,Ag.) Nach dem Expose des. Minifterpasidenten StiWinski stellte die Li'nke den Antrag aus Vertagung der Verhandlung über die Regierungserklärung. Der ' Antrag wurde mit 195 gegen 169 Stimmen abgelehnt, Es entwicklte,sich sodann eine längere.Debatte. In der heüftgen'Sitzung wird' über das Vertrauensvotum für die'neue Regierung abgestimmt werden. - ' V'v . Rundschau. Amerika lehnt den Numerus clausus .. ab.- Die letzte Nummer des -/AMerrkär Magyar Nepszava" bringt folgende Mitteilung: Die Nachricht, daß das Professorenkollegium der Harward-Universität in Boston eine Beschränkung bei der Aufnahme von Hörern einzuführen plant, und daß . sich diese Beschränkung zum Teile auch gegen dse Juden richtet, hat nn-Staate Maffachusetts, auf bestem Gebiete die Universität sich befindet, große Erregung hervorgerufen. Die gesamte öffentliche Meinung wandte-sich" gegen diesen Bövsuch, die Rechtsgleichheit aus dem Boden der Universität 'zu verletzen und obgleich die Aufsichtsbehörden der Universität/ denen die endgilltige Be- MlßsastMg in dieser - AngeleMheit zusteht, sich noch nicht geäußert haben,: gilt es heute schon als zweifellos, daß' dieser _7. Juli 1622 Nr/1233 daß Gouverneur Cox sofort, nachdem die Absicht, eine Art Numerus clausus' an der Harward-Universität einzuMren, bekannt worden war, eine strenge Untersuchung gegen die - Universität einleitete, Er ernannte eine siebengliedrige Kommission mit den: Austrage, zunächst sestzustellen, ob eine Unterscheidung nach Nation und Nasse an der Universität in Wirklichkeit geplant werde. , Der Präsident der Universität, Lowell, hielt' zunächst unter Berustrug auf die Autonomie der Universität ein Eingreifen der Staatsbehörden oder die Vornahme einer Untersuchung für ausgeschlossen, da hierfür eine gesetzliche Handhabe nicht bestehe. Cox beruft sich jedoch auf die.Bestimmungen der State University Bill (Staatsgesetz über die Universitäten), in denen sich ein Punkt über die Ausgaben der vom Staate einzusetzcnden Ueberwachurrgskomnrission befindet und folgendermaßen lautet: Die Kommission hat die Aufgabe, die Frage zu prüfen, ob die Möglichkeit der höheren Airsbildurlg jedem inännlichen und weiblichen Bewohner des Staates in gleicher Weise offen steht. Zu diesem Berichte schreibt uns unser New Wrker Korrespondent: Dieser Bericht bezieht sich auf einen Vorgang im Schoße des Prosessorenkollegiums der altberühintcn Harward-Universität -in Boston. Einige reaktionäre Mitglieder dieses Kollegiums brachten in einer. Besprechung des Lehrkörpers die sich immer mehr häufende Schwierigkeit zur Sprache, die sich in der Unterbringung der Hörez:. der Urriversität zeigt. Die Harward-Universität ist eine der ältesten Universitäten des Landes. Sie blickt auf. einen Bestand von 286 Jahren zurück und steht in Cambridge, einer Vorstadt von Boston. In der Harward-Universität ist noch das sogenannte K o n v i k t s Y st e m eingeführt. Die Hörer verbringen ihre ganze Studienzeit in den zur. Universität gehörigen Konviktsgebäuden. Diese Universität, der angehört zu haben und in ihr promoviert worden zu. sein/ den Stolz eines amerikanischen Akademikers bildet, gilt allgemein als die hervorragendste anrerikanische Rationaluniversitüt. Seit einiger Zeit mehren sich die Zeichen, daß, die Agenten H e n r Y F o r d s, dessen Zusammenarbeit, mit den europäischen Antisenriten immer klarer und deutlicher wird, den Antisemitismus auch in die Hochschulen hineinzutragen bemüht sind. Da und dort beginnt sich ein sogenannter amerikanisch-nationalistischer Antisemitismus in den Blldungsanstalten breitzumachen, der jedoch bisher von der Majorität der Bevölkerung und der Mitglieder der Shmtoxim der betreffenden Anstalten energisch zurückgewiesen wurde. Die antisemitische Liga hatte gleich die Empfindung, daß die äntijüdische Kampagne in den Hochschulen, nur dann einen Erfolg würde ausweisen können, wenn in diesem jwdenfeindlichen Kampfe die anges-ehenste. und älteste Universität, die Harward-Universität, voran'ginge. Nun steht seit einiger Zeit'an der Spitze der Harward-Universi-- tät Professor Lowe l l als Präsident, der sich von Henry Ford.ms Schlepptau nehmen ließ. Schon in der ersten Besprechung über ' dw geplanten Beschränkungen stieß Lowell aus die entschiedene und unnachgiebige Opposition der meisten Professoren der Hochschule. Es war auch die Frage noch nicht über das Stadium der ersten Diskussion hinausgekommen, als der Chef dvr Presseabteilung der Universität, Frederik L. Allen, ans bisher noch nicht auf-, geklärten Gründen nicht nur die Diskussion der Oeffentlichkeit preisgab, obgleich sich die Teilnehmer an der. Beratung zur Diskretion verpflichtet hatten," sondern sie als hauptsächlich gegen die Juden gerichtet hinstellte, indem er den Satz einstreute: „Es ist selbstverstäMich, daß bei einer breiteren Diskussion dieser Frage auch Wer die Verhältnisziffer der Juden an dieser Universität wird gesprochen werden müssen." Diese Wendung der Dinge hat nicht nur 1>ie bedeutendsten ehemaligen Hörer der Harward-Universität, sondern auch Männer der Presse und anerkannte Persönlichkeiten in: öffentlichen Leben veranlaßt, den geplanten Schritt als unamerikanisch, unmenschlich und schändlich zu erklären. Unter den ersten, die. einen feierlichen Protest gegen einen solchen Plan beschlossen, war der G e m e i n d e r a t Bostons, der in einer Resolution mit Bezug auf die Zeitungsnachrichten den einhelligen Beschluß faßte, daß ein solches Unterfangen als unamerikanisch, und den Interessen der .Stadt und des Landes schädlich zurückzuweisen sei und dagegen protestierte, daß einem Teile amerikanischer Bürger und Bewohner des Landes die Erziehungs- und Fortkommensmöglichkeiten verweigert werden, die einem anderen Teile zrlgestanden sind. Scha«zer i« London. Die Bcrhandlungen über Olimlfrage» zwischen Enzian» und Italien. Aus London wird uns gemeldet: Der italienische Außenminister, Schanz er, hat bei seinem Londoner Aufenthalte mit den verschiedenen Staatsmännern des englischen Kabinetts wiederholte Konferenzen abgeihalten, welche, wie die Blätter melden, ausschließlich den Problemen des Orients gewidmet wären. Schanzer hat diese Fragen mit dem-Kolonialminister Churchill sowohl als auch mit dem stellvertretenden Außenminister B a l f o n r und mit Lloyd George besprochen. Auf der Tagesordnung der Verhandlungen stand die Frage des Palästina-Mandats, die türkische Frage sowie die Angelegenheit"'der Grenzregnlievungen des italienischen Besitzes in Nordasrika. So bemüht sich Italien um die Abtretung der Mündung des Juba- Flüsses im Somaliland im Interesse der italienischen Schiffahrt sowie um Grenzberichtigungen in Lyb-ren, welch letztere jedoch nur im Einverrwhmen mit, der ägyptischen Regierung . endgültig. erledigt tverden ,können, dä MsilMd. die-ImWMWh,.WwWns.lrwttMert fe' .j

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