Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1231 (5.7.1922)
- Date
- 1922-07-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fw« WHIf '*v»tcner iWüS$c;cl]t'itvi#$> ^BifTfü'SS IS^WJJ^llW'l^i4)(UJl Nr. 1231 schen Gemeinschaft vitalen Frage auch der jüdischen Vertretung von Vorneherein der entsprechende Einfluß gesichert worden wäre. Die Antwort der zionistischen Exettrtive an daS Kolonialamt begnügt sich hier mit allgemein ausgedrückten Wünschen, eine deutlich um-5 schrsebene Hervorhebung dieses Standpunktes wäre/ unseres Erachtens wohl am Platze geweftn. . Die Entwicklung der Palästina-Frage in der letzten Zeit enthält für den Kenner der zionisvschen und der allgemeinen Weltlage nichts. Enttäuschendes. Sie lehrt höchstens von, neuein, daß sich Entwicklungsprozesse' nicht überspringen lassen nnd daß die Realitäten stets das letzte Wort sprechen.^ Der politische und historische Wert der Deklarationen soll nicht geschmälert werden, Geschichte aber wacht letzten Eüdes doch, die befreiende, Tat. Unseren jüdischen Aufbauwillen zur Realität zu machen, unseren Idealismus zum festen, gleichblcibenden Faktor, unsere friedlichen Methoden der Wirklichkeit und ihrer jeweiligen Gestaltung anzupassen — das>ist die alte stets nette Lehre, die wir aus den. Ereignissen der letzten Zeit ziehen sollen. Die Bestätigung des Man-. dats ist auf dem Wege, die Formen der hohen Politik mit dem entsprechenden Inhalt zu erfüllen, das ist unsere Aufgabe, hie vor uns. steht in, . ihrer . ganzen Schwere nnd Schönheit. , Ei« amerikanischer Zionist an die „Times". Aus London wird uns gemeldet: In einer gewissen englischen Presse wird seit einiger Zeit der Versuch unternommen, einen Gegensatz zwischen idealem und politischem Zionismus zu konstruieren und einer Interpretation der Balfour-Erklärung das Wort zu reden, ivelche den zionistischen Ansprüchen jeden realen Inhalt benimmt. Der bekannte amerikanische Zionist Professor Richard Gottheil von der Columbia-Universität, der auf seiner Reise nach Palästina in London weilt, richtet ‘ ein -Schreiben an die „Times", in welchem er den Versuch, zwischen idealem und politischem Zionismus zu unterscheiden, scharf zurückweist. In Amerika sage. man — so schreibt Gottheil in dem genannten Blatte—England habe, als es Hilfe von außen nötig hatte, und als ihm viel daran lag, möglichst viele Freunde für die britische Sache zu gewinnen, bereitwillig die größten Versprechungen gemacht. Da nun die Zeit gekommen sei, diese Zusagen zu erfüllen, habe sich das Gold und Silber in Staub und Asche verwandelt. Der Versuch, einen Unterschied. zwischen geistigem und politischem Zionismus zu machen, laufe auf nichts anderes heraus. Wenn das Versprechen gegeben worden sei, den Juden ein nationales Heim zu gewähren, so war darunter ein reales Heim zu verstehen, nicht aber ein bloßes Ideal. Die Berhandlmigen mit $iaiUn, Rom, 4. Juli. (Tel.-Komp.) „Corriere della sera" berichtet über die Verhandlungen SchanzerS in London, daß eS sich hierbei vornehmlich um Besprechungen über Palästina handelt, hie allgemeiner Ansicht mach, einen günstigen Fortgang nchmen. Bezüglich der Rohstoffe dürfte kein besonderes" Abkommen getroffen' werden. ES soll' vielmehr der privaten Initiative.der Weg gechnetwerden.Hin-, sichtlich der Petrolemnfrage wurde, bemerkt, ^ßdervonLloyd George an Schänzer gerichtete Pries, keine zahstnnläßigsn Verpflichtungen enthalte, sondern lediglich'die. Zusicherung, die italienische Initiative sofern zu wollen, die sich allerdings infolge der BanÄrise nicht entfalten konnte. Der größte amerrkaMsch-jMische Orden für de« Aufbau Palästinas. Vom 11. bis 14. Juni wurde in Mlantie City die 88. Jahreskonvention des größten jüdischen Ordens in Amerika, der über 150.000 Mitglieder zählt, des Independent Order Brith Abraham, abgehalten» an der 934 Delegierte, die 586 Logen vertreten, teilnahmen. Vom Präsidenten Harding lief ein Begrüßungsschreiben ein. Nachdem der Großmeister, Richter Aaron I. Levy, seinen Jahresbericht erstattet hatte, wurde die Diskussion eröffnet. Die Konvention hörte u. ,a. einen Appell von Dr. Singalowsky, dem Vertreter der russisch-jüdischen Gesellschaft „Ort" an, Worin derselbe verlangte, daß der Orden die Gesellschaft JOrt", die über 60 Handwerkerschülen aufrecht rhalt, untevstützen soll. Die Konvention nchm eine Reche wichtiger Resolutionen an, u. a., daß der Orden sich verpflichtet, am Wiederaufbau Palästina mitzuarbeiten und den Keren Hajessot zu unterstützen. In einer Resolution wurde gegen die Einwanderungsbeschränkung protestiert und' der amerikanische, Kongreß aufgefordert, die dreiprozentige Norm für Einwanderung auf- .zuheben. Die Resolution, die jüdischen Arbeiter, Kriegs- und Waisenopfer durch den Roten Magen David zu unterstützen, wurde dem Exekutiv Board überwiesem Als Großmeister wurde wieder der Richter Levy nominiert.; ‘ Das Paläftirra-MeMvat. Ein« arabische Pressestimme. Jerusalem, 1. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeiiung".) :DaS arabische Organ „Marath el Shrak" schreibt, daß die! palästinensischen Araber sich mit der Bestätigung des Mandats abzufinden suchen, da man den Versprechungen der vielen Englischen Lords nicht vertrauen könne, so lange Lloyd George an der Spitze der Regierung stehe, die Majorität des Unterhauses gegen die Araber sei und die Vereinigten Staaten dem Mandat zugestimmt hätre«. Konferenz der arabische« Führer. Jaffa, 1. Juli. (Tel. der ,-Wiener Morgenzeiiung".) ,itvt Exekutive des arabischen Kongresses wird unmittelbar vor Eröffnung der nächsten Völkerbundtagung in Jaffa eine! außerordentliche Konferenz abhalten, um noch einmal zum -britischen Pa lä.Üi na-Mandat Stellung M nehmen. , ic- Das Mtentat gegen Hardexr. Per lln, -4,/Kli. ^^el^p. „Mv. MoWHeitnng".) H a $$ e ß stand bereits feit d i‘i \ Dw chd n «ttter Bedb-' achtnng der Ha k fH'i t <M lei Der Üeberfall erfolgte vor der ^a.rieMür' t tn- Jiit ketn^C^wurdevon r vch wätts mkt einem Gnmmiknüttel achststal über den Kopf geschlagen, rief urB Hilfe nnd brach dann znsamMn. Der Täter ist entnommen, der Verhaftete, ein Student namens W <g b'rie ch t, wnr dek AnfpDer. 7 ' Amtlich wird mitgeteitt: Die von. der Berliner politischen Polizei sofort nach dem. Aeberfall auf Maximüia» Harden angestellten Ermittlungen haben ergeben, daß bei'fo*at Abschläge zwei Perfouen mikgewixst haben Bon den Latertt ist deiej[A iiotlic», bent andern ist die Berliner Polizei ans der Spur., Die Tater entstammen ähnlich errKroisen wie die Mörder des M i n ist e r s Rathett a n. Der bereits festgenommene Tater ist Mitglied'des vom preußischen Minister des Innern jüngst anfgelösten Vechqnhes m a tio« a l g esinntet;Soldate«. Bei der Tat trnß er als Krabattennavel ein Haken k r e n z. . B e r l i n, 4. Juli. (Wolff.) Die eingehenden 'Ermittlungen Men börits zu Wer ÄuMrnng des Anschlages auf Maximilian Harden geführt. An dem Anschlag haben neben dem festgrNommenest landwirtschaftlichen Beamten Herbert Weichart der Oberleutnant a. D. jetzige Kaufmann Walter Ankermann,, geboren am 21. April 18S8, teilgenomnten. Er hat mit einem sogenanstten Totschläger auf den Kopf Hardens eingeschlagen, während Weichart stuft Paßte, um Ankermann vor Neberraschunge« zu sichern. ES ist bereits erwiesen,. daß die beide» Täter den Anschlag nicht aus eigenem Entschlüsse ausgeführt haben, sondern daß sie zu dem Attentat von einer hinter ihnen stehenden geheime» Organisation bestimmt, worden sind. Ankermann hält sich nach den bisherigen Feststellungen sicher noch in Berlin auf. Auf feine Ergreifung ist eine Belohnung von 1V.M) Mark ansgesetzt. Harden operiert. -; Ber l i n, 4. FM. ^'Yvel. d. 'Mr. MorgenzeiKtng*H An Maximilian H a r d e n mutzte, um Mitternacht eine Kopfoperätion vorgenommen werden. SeinZustandistschr ernst. Dem SchpiDAe^waM^eit^feinemflehten Arttkel in^ der „Zukunft" Wer den an Rathenan zahlreiche aniisemi tisch e Drohwüest-gngegangery weshalb er sehr znrückgWgen lebte und nicht einmal den Besuch seiner besten'Arrnstde angerwWeN Mti / ' . ^r Schutz der NePrtbM. Berlin, 3. Juli. In Her henttgen Ätzung des Reichstates wurde der Gesetzentwurf züm S ch u tz e der ReP«blik mit 48 gegen18 Stimmen angenomm e n. Dagegen stimmten außer B a y e r n die Prchinzen Ofipt entzen, Brandenburg, Pommern, Westprentzen, Pos e n, Ried e rs ch lesi e'n, Ob e rschlesien, Schleswrg-Holstein und Hessen- Nassau. Das Amnestiegesetz gelangte mit 65 gegen ll Stimmen zur HnuaWe. Dagegen stimmten Bayer u und B r e m e n. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also bei beiden Gesetzentwürfen vorhanden. Ber l i ü, 4. IM. (Tel^-Komp.) Das Gesch ' zum Schutze der Republik ist heute dem Reichstag zugegangen und wurde i n e r st er L e sn n g ohne Zwischenfall dnrchgebracht. Es besteht die Absicht, die nächsten Lesungen in derselben Weife durchzusühren, um das Gesetz ohne Debatte dem Ansschnsse znzuweisey. Berlin, 4. FM. (Wolfs.) Nach denr vom Reichsrat angenommenen Gesetz zum Schutz der RepnSUk können Angehörige ehemaliger landesherrlicher Famlliest, die wegen einer nach hieM Gesetz strafbaren Handlnng verurteilt worden sind, ans dem Reich sgeb.tat *,üS-ewi^s'en'w.'tR-e'n. .MiigWer solcher Familie«, die bereits autzerhalb des Reiches ihre« Wohnsitz haben, können nur mit Genehmigung bet NeichSregiernng zurückkehren. Die Zustfindigkeit des vorgesehene« Staotsgerichtshofes gilt Unbedingt für alle BervrHe« oder Vergehe« gegen das Reich und gegen die Mitglieder jetziger oder früherer rePMikanischer SkichSregternnge«. Derbrechrn oder Vergehen gegen die Landesreglernngen üsttzm.-iwr dem' 'itt^mHen^-GDhte' der bettWstden Länder abgeurteitt werden. Die Meltungsdau-r de? Gesetzes tzstrd auf fünf Fahre festgesetzt. Der d s Y r i sch e Antrag, wonach der Abschnitt Wer die Brsch^nlnttg der Vereins-, BersammlnngS- und Preßfreiheit aus dem Getetze herausgenommen ustd durch eine Verordnung ge Mitglttöer ehemaliger landesherrlicher Famil'ea üb«» Haupt gestichen lxerdeN'sollen, wurde mit mehr als ZweidriftelMchrheit abgelehnt. ^ie WestWer Kundgebungen. Berlin, 4. Juli. (Tel.-KornP.) Die heutigen De». monstrationen haben einen ruhigen Verlauf genommen. Die Demonstranten Men von der Kaiser Wllhelms-Gedachtniskirche in großen Zügen zum Bahnhöf Hallenser, wo sie, sich .Programmgemäß ohne die geringste Störirng , anllöstem Die Beteiligung war eine ungeheure, man schätzt die Zahl der Teilnehmer auf über 600.000. Die Berkehrsrnittel nahmen am Nachmittag den Betrieb wieder ans, ebenso öffneten die zahlreichen Läden und Geschäftshänser, die während des Auftnrrschrs und der Kundgebung geschlossen hielten, gegen Abend wieder ihre Betriebe. Aus dem Reiche liegen in de« frühen Abendstunden Meldungen Wer Zwischenfälle oder Zusammenstöße nicht vor. « * Eine Eekläimttg der Gewerkschaften. Berlin, 4. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeittmg".) ■ Zn den heutigen Arbeiterdemonstrationen verlautbaren die Gewerkschaften die folgende Erklärung: . ' „Die deütfchnationale Partei hat ihre Mitschuld an dem System des politischen MeNch elm o rd es bestritten. Diese Schuld ist nicht ei»- mal, sondern hundertmal nachgewiesen. T)er Kvmpl'ce der RatheUau-Mörder, Günther, war früher Privatsekretär L u d e n d o r f f s. Er stand unter diesem, Helsserich, Westarp nnd Jagow in angeregter Korrespondenz. In deutschnatronale« Parteibnreans sind W a f f e n l a g e r entdeckt worden, deutsch-. nationale Vertrauensleute haben politische Mörder in Schutz genommen und wollten ihnen zur Flucht verhelfen. Das Auto, das bei der Verübung des Anschlages benützt wurde, ist von dem deutschnationalen Fabrikanten K ü ch e « m e i st e r geliefert worden. Angesichts eines so drückenden Beweismaterials Hilst kein Leugnen. Hinter alldem steht die Organisation C, die intt deutschvölkischen «nd deutschnationalen Organisattone« in enMer Verbindung steht. Eine wüste.nationalistische «Nd antisemitssche Heche, verübt durch eine z ü g e ll o s e Pres sie,Hezeichnet die Opfer «nh Mt Pie Urteile, die von v ö l k s s ch e r Feme vollstreckt ioerde«. Was die Mörder.und ihre, Spietzgesülen treibenist nicht nur blinde Rüchsnchtt Sie Verfölgen einen groß angelegten tenflischen Plan. Die Massen solle» öa^rch/ daß Mir einen ihrer Führers nach dem andern abknallt, in sinnlose Wut versetzt, d e r Bürgerkrieg soll entfesselt werden. Aus dem blutige« Chaos soll d i e n e n e M o n a r ch i e entstehen. Durch Meuchelmord soß einem neugekrönten Herrscher der Weg zu seinem Thron gebahnt werden. In Erkenntnis der furchtbaren Gefahr, in die die Republik » durch dieses furchtbare Treiben gerate» ist, demonstrieren heute die Masten. Sie fordern von der Regierung «nd vom Reich, daß sie den Verbrechern einmal d i e st a r k e haust zeigen sollen. Sie wollen die Regierung aufmerksam machen auf ihre nngeheure Verantwortung. Wir sagendaß es so nicht Wetter geht, denn so geht alles zngmnde." Die Möeder in Oberfchlesten. B t c li n, 3. Juli. (Lel. d. „Wr. Morzenzeituug".) Die blntigen Zusammenstöße zwischen Polen, Deutschen und Franzosen, die sich in den letzten Tagen in mehreren Städten in Oberschlesien zugetragen haben, sind zweifellos zum Teil durch den sogenannten „Selbstschutz" verschuldet, der in Overschlesien jetzt sttn Unwesen treibt. Die SelbMutzorganisatio«, die aus nicht immer zweifelfreien Elementen zusammengesetzt ist, macht sich jetzt auch für die deutsche Bevölkerung in unangenehmer Weise fühlbar. Charakteristisch für ihren Terror ist, daß sie jede Histung der schwarz-rot-goldenen Fahne verbieten, dafür aber schwarz-weiß-rote Abzeichen verbreiten und Hake n k r e n z e tragen. Die Leute haben sich auch darguf verlegt, Mädchen, die während der Besatzungszeit mit stanzöfischen Offizieren girsehen wurden, du r ch Z w a ng 8t8towiernnge« im Gesicht zu brandmarken. In Arbettettkretsen herrscht über'dieses Treiben starke Erregung. An die Regiernn/ist von mehreren Seiten das Ersuchen gerichtet worden, s^h gegen dieses Treiben der Selbstschntzlente in energischer Weise zu wenden und de« regest werZen solle wwir. dgß Telbstschutz, der jetzt Werjlüssib geworden ist, aufzulösen.