Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1229 (3.7.1922)
- Date
- 1922-07-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980309--11590-2998047- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
■1 ■Efrff»1.. Wien, Montäz Wiener Morgenzeitung. s. Juli 192I Nr. 1229- Der italienische Kredit für Oesterreich. Rom, 1. Juli. Der Ausschußbericht über den Oesterreich zu gewährenden Kredit wurde heute verteilt und aus die Tagesordnung d er Kammer tzchtt- - '; Aus Palästina. Kurs« für jüdische Fremdenführer. Die heurige Hrsuchensaison hat bewiesen, wie gut organisiert Lie den Juden feindliche arabische Bevölkerung P, indem sie eS verstand, durch die durchwegs arabischen Fremdenführer den ganzen Strom der Touristen ausschließlich den nichtjüdischen Hotels zuzuführen, sie auf alle Sehenswürdigkeiten des Landes aufmerksam zu machen, mit Ausnahme derjenigen der Juden, sowie vornehmlich aber der neuen Aufbauarbeit, die durch Juden geleistet werden. Diese befremdliche Tatsache löste im Lande in der ^hebräischen Presse eine lebhafte Diskussion über die Gründe dieser Erscheinung aus. Von jüdischer Seite hatte man. bisher gar nicht für die Ausbildung jüdischer Fremden- Mve gesorgt, die allein in der Lage gewesen wären, diesem Unwesen entgegen zu treten. Diese Erfahrung hatte nun zur Folge, daß in hebräischen Gymnasien in Jerusalem am 10. Siwan spezielle Kurse für Fremdenführer unter Leitung des D. B r a w e r errichtet wurden. Es besteht vor allem die Absicht, intelligente Chaluzim für diesen Zweck zu verwenden. Leihkaffen. Mit Ende des Jahres 1921 schloß bekanntlich der Joint in Palästina seine bisherige Tätigkeit. Die von ihm gegründeten Leihkassen mußten dafür sorgen, unabhängig vom Joint ihr Dasein zu führen und neue Bahnen der Selbsthilfe zu betreten. Im „Haare z" wird «un der Rechenschaftsbericht für die ersten drei Monate veröffentlicht. Aus demselben ist ersichtlich, daß an zehn Orten Leihkaffen bestehen. Die Zentralkaffe verfügt über ein Vermögen von mehr als 52.000 Pfund. Die übrigen Kassen bestehen in Jerusalem, Jaffa, Liberias, iSafsed, Haifa und Hebron, sowie in den Kolonien Rosch Pinah, Sichron Jakob, Neß Zionah und Rischon le Zion. Das in diesen Leihkaffen investierte Gesamtkapital (einschließlich der Zentralkassc) beträgt zirka 10 5.0 0 0 V s u n d. Im Monate Dezember 1921 wurden 5670 Pfund verliehen. Die höchste Summe, zirka 2000 Pfund, wurden für Handel- und Jndustriezwecke geborgt. Andere Darlehen gingen für Wohnungsmiete, für Studienzwecke, für Kolonisation, für den Lebesunterhalt,' für Herüberschaffung von Familien ems dem Auslande, für Heilungszwecke rc. An Zinsen Verden sieben Prozent berechnet. Für jedes Darlehen muß genügende Bürgschaft gegeben werden. . Für die hebräische Nationalbibliothek. Frau M. Mopfch o w i tz in London) hat der Nationalbibliothek ein bedeutendes Geschenk gemacht: „Die politische Kommiffion der Juden Rußlands," welche in Petrograd etliche Jahre vor dem Kriege entstand, hat während des Krieges Rach? vichten über die Lage der Juden in Rußland an das Ausland übersendet, und zwar aus Leinwandstreifen, die in die Kleider der Reisenden eingenaht waren. Solche 17 Streifen, mrs tznen die Nachrichten mit Hand- und Maschinenschrift ausgezeichnet sind, wurden durch die Genannte der Bibliothek geschenkt; sie selbst hat seinerzeit bei der Ueberbringung ^seser Nachrichten aktiv mitgewirkt. , Die Bibliothek ,,Schaar« Zion" in Jaffa, an deren Spitze der greise Schriftsteller Alexander Süßkind Nabinowitz steht, hielt unlängst die Generalversammlung ab, yn der sich auch Achad Haam beteiligte. Ws dem Berichte, den die Bibliotheksverwaltung gab, ist ersichtlich, daß die Bibliothek eine eigene Abteilung enthält, die Bücher über die Erforschung Palästinas und der orientalffchen Länder umfaßt die erste Sammlung dieser Art m Uvez Israel. Die TAigkeit der Palestin« Land Devoloppment Company. Bei der im Mai d. I. stattgefundenen Direktoriumssitzung dieser Gesellschaft erstattete Dr. Thon Bericht über die Tätigkeit der Gesellschaft im Jahre 1§21. Aus demselben ist ersichtlich, daß die Gesellschaft Käufe landwirtschaftlichen Bodens in einem Umfange von über 8 8.00 0 Dunam zum Gesqmtpreise pon über 8 66.000 Pfund, hingegen von städtischen Boden Me? 2221 Quadratpik um den Preis von über 52.0000 Pfund abgeschlossen hat, Auch hat die Gesellschaft auf noch nicht definitiv abgeschlossene Käufe über 83,000 Pfund Angaben ausgezghlt. Bon diesem Boden hat hje Gesellschaft über 63,000 Dunam landwirtschaftlichen Bodens hem Keren KgjeMth und 6000 Dumm anderen Gesellschaften verkauft. Zusammen hat die Gesellschaft über 61.000 Dunam landwirtschaftlichen Bodens und zirka 8000 Quadratpik städtischen Bodens verkauft, Nach Abzug der allgemeinen Ausgaben im Betrage hon 4006 Pfund blieb ein Reinertrag von 2038 Pfund. Es wurde bekanntlich beschlossen, wiejm vorigen Jahre sechs Prozent Dividende zu verteilen. Tagesbericht. * Grundsteinlegung zu einer jüdischen AhropMt, Wje «Ns aus Hust (Slowakei) telegraphiert wird, findet hie Grund, Einlegung zu d?m Beth Hamidrasch W dMiM MßrachiÄ BMns am Dienstag den 4, d, statt. ' ' wr F X*—- Gerichts saal. Fünf Kommunistenführer vor den Wiener Geschworenen. Ein zweitägiger Preffeprozeß. Heute begann unter Vorsitz d«8 Hpfrates Dr. H ä b i e t i n tz k der Preffeprozeß Wen fäuf Wiener kommunistische Führer wegen Aufreizung gegen die Staatsgewalt. Angeklagt sind der 38jährige Karl T o m a n n, Zeitungsherausgeber, der 69jährige Josef Mornik, zu Mailand geboren, Privatbeamter und Schriftleiter, der Sekretär der kommunistischen Partei Dr. Paul Friedländer, 31 Jahre alt, in Baden bei Wien geboren, Dr. Johannes Wertheim, Schriftsteller, und der Bankbeamte Franz Koritschoner. Dem Karl Tomann, Herausgeber der „Roten Fahne", und Mornik, verantwortlicher Schriftleiter, wird zur Last gelegt, daß sie durch eine Reihe von Artikeln zu Haß und Verachtung gegen die Staatsverwaltung und zum Widerstand gegen Erkenntnisse und Verfügungen der Gerichte aufgereizt haben. Das gleiche Delikt liegt Dr. Friedländer, Johannes Wertheim und Franz Koritschoner zur Last. Tomann und Mornik sind ferner angeklagt, durch gefährliche Drohung auf Beschlüsse einer Behörde, nämlich der Staatsanwaltschaft, einzuwirken gesucht zu haben. Karl Tomann und Josef Mornik sind beschuldigt, einen Teil -er Bewohner Wiens durch einen Artikel, der am 20. Dezember 1921 erschien und den Titel führte: „Wo man das Plündern lernen könnte" mit Verletzungen am Eigentum in der Absicht gedroht zu haben, sie in Furcht und Unruhe zu versetzen. Dem Karl Tomann und Josef Mornik wird das Verbrechen der Störung dtzx öffentlichen Ruhe, das Verbrechen der öffentlichen Gewalttätigkeit durch gewaltsames Handeln gegen eine Behörde sowie gefährliche Drohung zur Last gelegt. Dr. Friedländer, Dr. Wertheim und Koritschoner sind des Verbrechens der Störnug der öffentlichen Ruhebezichtigt. Die Anklage. In den Gründen der vom Staatsanwalt Dr, Forma n e k vertretenen Anklage heißt es unter anderem: Am 1. Dezember 1921 kam es in den Nachmittagsstunden zu schweren Ausschreitungen- und Ru he stör un gen, bei denen Geschäftsauslagen, Cafes und Hotels beschädigt, verwüstet und geplündert wurden. Die bürgerliche und sozialdemokratische Presse mißbilligte die Vorgänge aufs schärfste, suchten die aufgeregte Masse zn beruhigen und vor weiteren Ruhestörungen abzuhalten. Die „Rote Fahne", das Organ der kommunistischen Partei, suchte den Anlaß für ihre revolutionären Zwecke auSzubeuten. Sie erhob die schwersten Angriffe gegen die Staatsverwaltung in der Absicht, zur Verachtung und zum Haß gegen sie aufzufordern und eine Fortsetzung der Tumulte herbeizuführen.. Am 8. Dezember wurde in einem Artikel: „Die Massen bäumen sich gegen die Verelendung auf", die Staatsverwaltung als Verbrecherregierung, Gesindel, Halunken und dergleichen bezeichnet und für die Vorgänge am Tage vorher verantwortlich gemacht. In einem weiteren Aussatz wird die sofortige Freilassung aller Verhafteten verlangt. Die Vorfälle vom 1. Dezember werden als 'gewaltige geschichtliche Tat verherrlicht. Die Anklageschrift führt noch eine ganze Reihe von Aussätzen ähnlichen Inhalts an. * In einer Nummer vom 4. Dezember ist eine Rede des Tomann abgedruckt, in welcher er erklärt, daß die Regierung aus skrupellosen Menschen bestehe, hie inS Landesgericht gehören, und zwar an Stelle der dort sitzenden Exzedenten vom t Dezember. Dann hat das Matt der Staatsanwaltschaft den Vorwurf gemacht, daß sie den Hungertod zweier verhafteter jugoslawischer kommumstischex Abgeordneten herbeiführen wollo und daran Drohungen geknüpft. Bon der gleichen Absicht getragen seien Aussätze: „Die Blutrichter yn der Arbeit, „Gegen die Blutmteile her Klassenjustiz" und . „Demokratische Justiz". Der HmZsMzt. Redigiert pon Dr, GgM B e?r, Schutz oir Im Kampfe gegen die Tuberkulose, die an ungeheurer Ausdehnung in den letzten Jahren gewonnen hat, hat man insbesondere die Notwendigkeit des vorbeugenden Schutzes der Umgebung des Kranken vor Anstßckung mit der verdMiche,; MMW ersannt, Die Tuberkulose gilt heute hauptsächlich als Wohmmgskraiikheit. Sie ist in den dichtbevölkerten Proletarierbezirlen mit den Zinskasernen und Heu enger; WohMngMMltrrissen mehr verbreitet als in BMkon, wo hie Menschen weniger eng beisammen wahnem Wo durch hie günstigen materiellen BsMtnlss? die Beobachtung der Wohnnngshygienie möglich ist, pq kann die DngMug des Tuberkulosen vor Injektion Mchützt werden. , . Am besten ist die Isolierung des Kranken, die 'Unter-; Bringung tjt Mer A'ilanslaft ans HM AM, in der der Kranke hei o«! sprechende? Pfkgr und Nahrung emo geeignetst Lufts und Lnj'Mr dnrchnmchtm kann. Schon im AnsanMMuwErMMns ist. hft'M . ein? drei- bis sechsmonatige Behandlung notwendig, -die groß' materielle Opfer von der Familie erheischt. Während es in Deutschland Hunderte Heilstätten fib Lungenkranke gibt, besitzt das arme Österreich kaum dreh solcher Volkshstslstättsttt. Infolge der beschränkten Anzahl der Plätzedauert es Monate oder Jahre, bis ein Patten» unterkommt, abgesehen davon, daß die meisten die Mittel für den Aufenthalt gar nicht ausbringen, falls sie nicht das seltene Glück haben, ein Stiftungsbett durch eine Krankenkasse oder einen Verein zu erlangen. ' Die Mehrzahl der Tuberkulosen ist somit auf di? häusliche Pflege angewiesen. Mr ein ganz kleiner Teil der Schwerkranken und Bettlägerigen findet Aufnahme in Tuberkulosen-Stationen der. Spitäler, die säst ständig belegt sind. Da das Ideal für die Behandlung des Kranken unb den Schutz der Umgebung, die Unterbringung in einer Anstalt, in Oesterreich auf große Schwierigkeiten stößt, muß immer größere Aufmerksamkeit der individuellen Vorbeugung der Erkrankung gewidmet werden. Die Wohnungsnot gestattet leider auch nicht immer, dem' Kranken ein eigenes Zimmer zuzuweisen, womit eigentlich schon jede wirksame Vorbeugung hinfällig wird. Der Tuberkulose, e§ ist hier die Lungentuberkulose hauptsächlich gemeint, wird ja seiner Umgebung durch den Auswurf und durch den Husten gefährlich. Es ist also die Austlärung des Patienten durch den Arzt dringend notwendig, daß er den Aüswurf nicht verstreue, sondern in einem Spucknapfe sammle. Der Kranke muß mit Güte — und wenn es nicht anders geht — mit Strenge zum Schutze der Mitbewohner zur größten Reinlichkeit angehalten werden. Er muß eigenes Eßbesteck, eigene Sacktücher und Wäsche benützen und selbe müssen nach . Gebrauch gehörig ausgekocht mkd desinfiszicrt werden. Zum Aufenthalt des Kranken wird man das größte, sonnige Zimmer wählen und für beständige Lusterneuerung durch Ossenlassen her Fenster bei Tag und Nacht sorgen.' Kinder wird man von diesen Hustenden und Spuckenden möglichst sernhalten, denn die chronischen Lnngenkatarrhe sind stets auf Tuberkulose verdächtig und die' Jugend ist besonders leicht empfänglich für die Infektion. In der Nachkriegszeit hat die Tuberkulose besonders bei den alten Leuten zugenommen, die für die Gefährlichkeit ihres Zustandes für die Heranwachsende Jugend, der diese alten Leute meist als Großeltern — große Liebe entgegenbringm, kein Verständnis aufbringen. In solchen Fällen muß die Rücksicht auf das Wohl der Jugend den Empfindungen der Pietät den alten Kranken gegenüber — wie schwer diese Einstellung' menschlich auch fällt — vorangehen. Sonnenbäder. Seitdem der Schweizer Rikli in Veldes iVled) m Krain aus die Bedeutung der Sonnenbäder hingewiesen hat, haben die Menschen die Wirkungen des Lichtes auf den Körper schätzen gelernt. Die Wissenschaft hat alle Wir> kungen der Strahlen des Sonnenlichtes studiert und ihren günstigen Einfluß aus den menschlichen Körper bestätigt. Die erste Einwirkung auf die Haut, die einer Verbrennung ersten Grades gleichkommt, ist den ultravioletten Strahlen zu danken, hernach stellt sich die Pigulentierung (Dunkelfärbung) der Haut ein, die als Schutzvorrichtung des Organismus aufzusassen ist. Das Sonnenlicht führt zweifellos eine Aerrderung im Wärmehaushalte und im StofftmrM des Körpers herbei, die SHweißproduktwu ist vermehrt. Aus dem Pflanzenreiche ist dis fördernde Wirkung des Sonnenlichtes auf die Wachstumvorgänge bekannt' Mer den Gebrauch de? GomwMdo? ist zu sagen, daß mit grZßW Pyxstcht zu beginnen ist. Bei möglichstem Schutze, des Kopfes durch einen Hut oder kühlen Umschlag, sehe man Mch dm ganzen »Körper de? Gönne ans, wechsle aber alle fünf Minuten die Körperlage, um die unangenehme erste Reizwirkung ans die Haut zu vermeiden. Das erste Sonnenbad dauere nicht länge? als zehn Minuten, man gehe auch späte? übe? eine Stunde nicht hinaus. Jede Besonnung schließe man mit eine? kühlen Begießung zn? Erfrischung ab. ' Langdauernde Sonneuftlxen, die mit starke? Schweißabsonderung einhergehen, und zu Entfettung dienen, sottleu nie ohne ärztliche Kontrolle durchgesiihxt werden. Gs vßrtrßgön nicht alle Menschen Sorlnenbäder. Bei Bestehen bestimmte? Krankheiten kommt es hiebei zu unangßMhmeu, selbst lebensgesährlicherr Erscheinilngön. Besonders schwächliche, sehr blntarnw, nervöse sRenscheu, fori geschrittene Lungenkranke, Leute nut Herzfehlern und besonders mit Arteriosklerose sollten sich vor Sonnenbädern hüten. Im Kindesalter sind Sonnenuufo Luftbäder bei Skrophulösen und DkÜ^NkMNksn, bei Rhachitikern und Blutarmen sehr erivistlscht. Bei LrllWnkrankou und Bronchialkatarrhen ist jg die Liegekur im Freien nsbst Sounenbehandlung die souveräne Methode. Gewisse Nerven- und Muskelerkrankungen werden durch das Sonnenbad günstig beeinflußt. Fn? die Behandlung der Knochentuheriulose inft Sonnenlicht gibt O jetzt ühexall eigene Anstalten, seitdem Rogser in Leysin (Achwkjz) Wundercheilungeu | erzielte. Wie das Sonnenlicht die wohltätigsten Wirkungen aus dm menschlichen Körper ausznüben. vermag, so schweren Schaden kann dieser von der jib^triebenen Sorrnenhaderei i, Mbouiraflcit: