Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1229 (3.7.1922)
- Date
- 1922-07-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IlBziImatr I so Vita: Zaa Abhflea in der Expedition, ll..Taboratr.l-3, oder in einerVerschleiaatelle (Trafik) monatlich IC 2900 Mit Pofltversand für Wien v. Oesterreich monatl. K 2900 renrr Tschech o-Slowakeir Mon. K20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland * Mon. Mark 60. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 Ticltcdio4le««k8l ' tsch«ck. K 1.10 Italien: Monatl. 6. Lira Rumänien: .Mon. 46. Lei ‘‘Schweiz und das übrige! Ausland monatlich Frei. 3.1 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1-— Telephone: 44-0-38,43*3-19,; ab o Uhr abends 16-301J Tel.- Adr.: »MorgenzeRuagV Wien ( Oesterreichisches Postapar-j kassen- Konto Nr. 150.693 Vit. 1229 Wie«. Montag, 3. Anli 1922 4. Jahrgang Heute früh ist der Stratzenbahüverkehr im vollen Umfang ausgenommen worden. Damit ist der Streik, der nn Montag abends ausgebrochen war, beendigt. Die seit Samstagabend auf Initiative der Arbeiterkammer geführten Verhandlungen dauerten bis heute halb 5 Uhr früh und endigten mit der Annahme eines K o m P r o m i s s e s, in welchem die Vertreter der Streikenden unter grundsätzlicher Anerkennung der Mündigen Arbeitswoche; eine Mehrleistung von sechs Ueberstunden. zugestanden, deren Verrechnung nicht allmonatlich, sondern wöchentlich erfolgt. Ferner wurde ihnen eine Mittagspause von anderthalb vis zwei Stunden und eine Erhöhung * der monatlichen TenerungSzvlage um tO.OOO K. zugestanden. Im Verlaufe der Verhandlungen ergaben sich schwerwiegende Anzeichen dafür, daß der Streik van christlichsozialer Seite Verschärft worden war. Das Aktionskomitee der Streikenden hatte dies fortwührend bestritten. Die christlichsozialen Mitglieder, dieses Ausschusses versuchten wiederholt, zuletzt noch Sonntag nachts, die Verhandlungen zu verschleppen und fanden in dieser Absicht die Unterstützung der Kommnnisteu. trotzdem gelang es, zu einer Einigung zu kommen, deren Kosten natürlich die Bevölkerung zu tragen Haben wird. ' Der Sormtagsverkehr. Das gestrige wolkenlose Somitaqswetter war zu ver- <ockend. als daß sich die Wiener durch den fehlenden Ztraßenbahnverkehr hätten abhalten lassen, die beliebten Ausflugsorte der Umgebung, aujzusuchey,. .Die Lqkatzüge der West-, Süd- und Franz'MoisefSbahn und die Züge der Bo rortelinie und der Verbindungsb a h n beförderten hunderttausende lüfthungrige.Menschen in die Umgebung Wiens. - > ' Geschäftstüchtige Unternehmer nützten natürlich die Konjunktur aus: Der Besitzer eines Leiterwagens, der Nachdem jüngst der amerikanische Senat die Reso- T lution Lodge, die den Inhalt der Balsour-Deklaration aufnimmt, zum Beschluß erhoben hatte, ist ihm jetzt auch das Repräsentantenhans gefolgt. Eine Washingtoner Meldung der Pariser Ausgabe des „New Aork-Herald" besagt: „Das Repräsentantenhaus hat eine Resolution angenommen, die sich zugunsten der Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina unter der Bedingung ausspricht, daß die bürgerlichen und religiösen Rechte aller nichtjüdischen Gemeinschaften in wirksamer Weise gewahrt und geschützt werden." Durch diese Entschließung wird der auswärtigen Politik Amerikas bei den Verhandlungen mit de» europäischen Mächten in bezug auf die Palästina-Frage die Bahn vorgezeichnet. Dieses Präjudiz ist im Hinblick aus die Haltung des englischen Oberhauses sehr bedeutungsvoll. Bekanntlich hat in der Vorwoche eine Zufallsmajorität dieser Körperschaft einen gegen die derzeitige Fassung des Palästina-Mandats gerichteten Beschluß angenommen. Die englische Regierung, die an ihren dem jüdischen Volk gegebenen Zusagen loyal festhalten will, erhalt jetzt durch die Resolutionen der amerikanischen Gesetzgebung eine sehr wertvolle Unterstützung. Gestempelte Krone ----- —.027« Centimes. Auszahlung Wien ---- —.02% Centime-. In Zürich notierte bis österreichische Kronr . . . —.03«/. (—.02*/. m 1. Juli) die österr. gestempelte Krone. —.02?/, (—.027, am 1. Juli) die tschechische Krone ... . 10.10 (10.10 am l. Juli) die Mark... 1.31 ( 1.33 om 3. Juli) Agram ........ . . 1.677» (1.67 a« 1, Juli) Sofia ... . . . . 3.45 ( 3.42 am 1. Juli) Budapest.... . . — 50 (—.51 am 1. Juli) Warschau . . . . . . —.117* (—.117. am 1. Juli) TI ■ III I ■lllll—iiwr acht Personen Platz bot, verlangte vom Hietzingerplatz bis Mau er K. 16.000 pro Person! Die Badeorte an der Dona« wiesen sämtlich den gewohnten Massenbesuch auf und die neueingestellten Fliegerautos der Kahlenberg - A.-G. waren bis auf den letzten Platz, um den sich dann noch ein Kampf entspann, besetzt. Mit beispielloser Geduld harrten die Ausflügler beim Anstellen um die Fahrkarten aus. Die Bündesbahndirektion Wien-West hatte anerkennenswerterweise wenigstens drei Kasten für die Ausgabe von Karten für die Lökalzüge bis Neulengbach geöffnet. In manchen Stationen aber, in denen nur eine Kaste Tausende abzüfertigen hotte, mußte sich das Publikum bequemen, eineinhalb bis zwei Stunden angestellt auSzuharrem Die Verbindungsbahn verstärkte gestern den fahrplanmäßigen Verkehr durch ringeschobene Züge, deren Waggons buchstäblich bis zu den Dächern'voll besetzt waren. Auch die Badener Elektrische hatte eine Rekordfrequenz zu verzeichnen. Die Rückbeförderung der Ausflügler vollzog sich selbstverständlich nicht ganz glatt, und noch um die MitternachtSstunde strebten viele müde Ausflügler von den Bahnhöfen heimwärts. Der Schaden der GerrreiAÄe Wien. Der Schaden, den die Gemeinde Wien bisher durch den Streik erleidet, wird auf über 800 Millionen Kronen beziffert. Der erste Tag des Streiks, " dev M26. Juni um 6 Uör abends einseM verursaHts^ernerr-^Schade^' von 49 Willioneu Krönen, die folgenden.sechs Tage bedeuteten einen Ausfall von je 130 Millionen Kronen p e r T a g. Hiezu kommen noch die Entschädigungen, die die Gemeinde den Streckenkartenbesitzern für die Streiktage zu bezahlen hat. ' - . . Paris, 3. Juli. (Tel.-Komp.) Dem Journal de Debat" zufolge steht auf der am 1. August in Genf stattfindenden nächsten Sitzung des Völkerbundrates als wichtigster Punkt der Tagesordnung die Mandatsfrage. Diese Frage wurde bisher noch nicht geregelt, da die Vereinigten Staaten es nicht zulasten wollten, daß über ihren Kops hinweg über die Mandate verfügt werde. Inzwischen ist'eine Verständigung zwischen Amerika und den verbündeten Staaten erfolgt. Insbesondere sollen die von England geführten Verhandlungen zu einem Ergebnis geführt haben. Der amerikanische Senat hat die gegenüber Pal 8stiua geübte Politik gebilligt. Lord B a lfonr wird beim Völkerbund die Prüfung der Klauseln, unter denen die O b e r h o h e i t Palästinas ausgeübt werden sollte, beantragen. Das Blatt will Wetter wissen, daß Verhandlungen der anderen Staaten mit Amerika ebenfalls so weit fortgeschritten, daß in kurzer Zeit eine bestimmte Entscheidung über die Mandate in Kleinasien und Mittelaftika erwartet werden kann. Wiener Börse. Eröffnung fest, geringes Geschäft. " Kredit 9540, Anglo 2600, Bankverein 9000 ex, Länderbank 27.800 ex, Staatsbahn 291.000, St. Gen. 274.000, Depositen 3500, Alpine 180*000, Rima 52.100, Skoda» 158.000, Juli-Süd 103.900, Zivno 155.000, Salgo 192.000. Valuten: Tschechen 380, Dollar 19.8Q0, Poln. Mark 4,12 Berlin 49, London 86.000. Der Berliner Zeitnngsstreik. Berlin, 3. Juli. (Tel.-Komp.) Der Streik der B u chdrucker in den Berliner Zeitungsbetrieben dauert fort. J&ufi beMLMLüd. Lewe i&tiuiaeg .erikÜMM» Die Ermordung Nathenaus. Das Material gegen die Mordgesellschaften. Weimar, 2. Juli. Wir «om thüringischen sterium mitgeteilt wird, ist im Anschlüsse an die Ergebnisse- , der Untersuchung des Mordes an Minister Dr. Rathenaw Befehl erteilt worden, alle Mitglieder der 'an der Verschwörung beteiligten Organisation „C? zui verhaften. Es ist bereits eine große Anzahl von' Verhaftungen erfolgtwobei wichtiges Beweis-' material gefunden worden ist, das aber im Interesses der Durchführung der Untersuchung einstweilen geheim-! gehalten wird. Die politische« VorgSnge in Deutsch» land. Berlin, 2. Juli. (Priv.-Tel.) Die innere Situation hat durch die gestern erfolgte Annahme des Getreideumlagegesetzes eine erhebliche Ent- spannung erfahren und die Reichs tag sauflösung,^ die als drohendes Gespenst, an die Wand gemalt wurde/ darf als beseitigt gelten. Aber es wäre fa l s ch,i anzunehmen, daß nunmehr auch alle Gefahren weiterer! Verwicklungen beseitigt sind. Wohl dürste das Gesetz zum Schutze der Republik trotz der bestehenden Wider-! stärwe Annahme finden, doch die Radikalisierung^ Deutschlands macht zusehends Fortschritte, fast in dem gleichen Tempo wie. der Sturz der Mark. Alle Ab-! machungen mit der Reparativ nskommission sind in Frage gestellt und das deutsche! Budget läßt . sich nicht durchführen, Das Bürgertums erkennt, daß die^A r L.eite-rs ch a st -nunmebr, .ernstüch.,^ "MraWW:u; VaTTrreren, um ihre radikalen’ Forderungen durchzusetzen. Diese Erkenntnis dringt allmählich auch in die Kreise der D e u t.s ch e u V o l k spa r t e i, die im Hinblick auf die.Zusammensetzung ihrer, Wählerschaft, an dem wirtschaftlichen Pestehen Deutschlands selbstverständlich das stärkste materielle Interesse hat. Es ist. deshalb nicht unmöglich,'daß die vernünftigen und unbefangenen Elemente dieser Parier einen Anschluß nach links suchen werden, weil sie einsehen, daß sie mit ihren monarchistischen Bestrebungen das ganze Reich in die höchste Gefahr gebracht haben. Ob sich dieser Umschwung noch durchführen läßt, erscheint fraglich. Schon stehen die Buchdrucker im Streik und mit ihnen streikt das Maschinen-, personal der großen . Zeitungen, die seit zwei Tagen nicht erscheinen. Man befirrchtet, daß aus dem Generalstreik der Buchdrucker sich ein allgemeiner Generalstreik entwickeln .werde. Für Dienst« g sind neuerliche g r o ß e D emo n* strationen angekündigt, denen man nicht ohne Besorgnis entgegensieht. Demonstratione« i« Berlin. Berlin, 2. Juli. Infolge des allgemeinen Streiks der Berliner Buchdrucker sind heute' keine Morgenblätter; erschienen. Nur ein Nachrichtenblatt der Berliner Arbeiter-; schaft ist von der Gewerkschastskommission ausgegeben worj den. Das Blatt veröffentlicht das von den Gewerkschaften und den. drei sozialistischen Parteien ausgestellte Programm! der Dienstag nachmittags stattfindenden Demonstration. Die Bannmeile soll strenge beachtet werden.! Die Kundgebung wird sich diesmal im Westen Berlins abspielen. Die Einheitsfront der Linken. Berlin, 2. Juli. Die Unabhängigen hielten heute eine Fraktionssitzung und später eine Reichskonferenz ab , und beschäftigten sich mit dem Angebot der Mehrheitssozialisten, in die Regierung einzutreten. Die Reichskonferenz erklärte sich nicht abgeneigt, dieser Aufforderung Folge zu leisten, wünschte, aber erst die näheren Bedingungen der Koalitionsparteien über die Forderungen der Unabhängigen bezüglich der Gewerkschaften zu hören. Oesterreich. Die inner« Anleihe. Morgen wird der Finanzminister die Vorlage über dke inner« Anleihe im Rationalrat einbrmgen. Gestern und heute verhandelte die Regierung mit den Vertretern der Landwirlschast über dertn Förderungen bezüglich des Statutsder Rotenbank. Sie verlangen eine Keran-' ziehung des mobilen Kapitals, insbesondere der Besitzer a u sländischerWertpapiere für die innere Anleihe und eine größere Beteiligung der Sparkassen und Raiif- Ci« Beschluß des amerikanischen Neprllsentantenhanses. Der Dölkerbnnd ««- die Mandate. Die Devisenkurse A0-A