Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1228 (2.7.1922)
- Date
- 1922-07-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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. jjtr« 1228 Dien, Sonntag . ----------——-—-- .... Hevrschechanseszählenden Personen festgesetzt, Weshalb: ebendagenannte Gesetzt erlassen wurde.' Die Entscheidung des^ Obersten Verwaltungsgerichtes hat für die Durchführung des Gesetzes vom 4. August 1921,.betreffend die Uebernahme der Güter und des Vermögens der gewesenen Herrscherfamilie Bedeutung, unter ' Welche nach der Bestimmung des Gesetzes auch die Güter und das Vermögen des. verstorbenen Tronfolgers Franz Ferdinand und seiner. Nachkommen fallen. Sitzung der internationalen Eibe- KommMo«. Prag, 1. Juli. Heute fand hier die erste Sitzung der Internationalen Elbekommission statt, der vier Delegierte Deutschlands, zwei der tschecho-slowakischen Republik und. je emer Englands, Frankreichs, Italiens und Belgiens beiwohnten, D-n Gegenstand der Verhandlungen bildete Unter anderem auch die Ausarbeitung eines Vertrages Über Schiffahr!sgerichte und dieRatifikation und Inkraftsetzung' der E'.beakte vom 22. Februar 1922. Zum Präsidenten er Kommission wurde der belgische Minister Brun et gewählt. ' Ungarn. , Der christliche Kurs funktioniert schon «ieder. Budapest, 1. Juli. Mittwoch wurde bei der Franz Josefs- . Brücke eine männliche Leiche aus der Donau gezogen, die außer ' einigen unwesentlichen Hautabschürfungen keinerlei Zeichen äußerer Gewalt aufwieS. 'Die Nachforschungen haben ergeben, daß die Leiche mit dem Direktor der Genossenschaft Akarat, Alexander Uray, identisch ist, der sich tags zuvor mit dem Bemerken aus seiner Wohnung entfernt hatte, daß er sich.zu einer Verhandlung mit einem rumänischen Kaufmann in Angelegen» VH eines Holzlieferungsgeschäftes in der Höhe von sechs Millionen Kronen begebe. Uray hatte, als er seine Wohnung verließ, k'men Betrag von 200.000 K. bei sich. Bei seiner Auffindung wurde jedoch dieser Geldbetrag nicht vorgefunden. Es konnte.nech nicht festgestellt werden, ob es sich um einen Mord oder um Selbstmord handelt. . Das Mtualmordmärchen im Posener Gebiet. . Kauzig, 28. Juni. (I. K. B.) Die polnische „Liga zur Verteidigung von Vaterland und Religion" übt, einen ständigen Teror gegen die'im Posener Gebiet ansässigen Juden aus, um sie - zu zwingen, für Deutschland zu optieren und P o l e n z u v e r la s s e n. Fast die gesamte Posener Presse! schlägt über das angebliche Ritualverbrechen des 70jährigen' Inden. Engel Alarm und fordert die polnische Bevölkerung, auf, an den Juden Rache z u nehmen. Engel wird weiter in Haft b eh alt en, obwohl außerder verworrenen Aussage des angeblichen Opfers, der 20jährigen schwachsinnigen Wagd Katharina. Metze l nichts Gravierendes gegen ihn . vorliegt. Die Juden befürchten, daß die Katharina. Metzel plötzlich verschwinden könnte, wodurch die Angelegenheit kom- . pliziert werden würde. In W e n g r o w i e z» wo der „Ritual- Mord" passiert, sein, soll, wohnen jetzt nur noch' 40 Juden. . Vor kurzer'Zeit lebten dort 7 00 Juden. ARttsemitische Exzesie in Kaltowrtz.. Krakau, 30. Juni. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) (ach hier eingelangten Nachrichten finden in K a t t o w itz seit' dem Zeitpunkte der Uebernahme Oberschlesiens - Judeuexzesse statt. So. werden jüdische Passanten geprügelt, jüdische Geschäfte geplündert, ohne daß die Polizei irgendwelche Schritte gegendie Exzedenten unternehmen würde. Zur Ermordung Rathenmrs. Wz Führer in der Mordaffäre ... kompromitiert! Berlin, J. Juli. (Tel.-Komp.) Der Amtliche Pressedienst «klärt gegenMer hen Ableugnungen betreffs der Bez i eh ungen führen der deutschn a t i o n a l e r Politiker, zu Günther, daß die Beziehungen aus einem Fahnenweihspruch hervorgehen,, den Helfferich an Günther geschickt hat. Der Fahnenweihspruch ist von Helfferich eigenhändig geschrieben und lautet: „Mahne an dre Vergangenheit! Wache über die Gegenwart! B e r e ite V c Z u k,t ns t! Berlin, 22. März, am 100. Geburtstag des großen Kaisers. Dr. Helffec.ch, Staätsminister, Mitglied des Reichstages." Das Schreiben Jagows an Günth r lud diesen zu Ostern nach Gollnov ein, Günther war tatsächlich in Gollnov und wurde dann von Jagow nach München gekchickr, nm in der Auge-, legonhmt der Wiederaufnahme -des Hochvevatsverfahrens gegm ihn.zu . verhrg^-ln. Bei dieser Gelegenheit hat Günther auch mehrfach mit General Ludendorff gesprochen. Graf Westarp und General Ludendorff haben an Günther gleich, falls Fcchnenweih>prüchL gesendet. Der Fahnensprrrch Ludendorffs war einem eigenhändig 'geschriebenen Briefe beigefügt/ der mit „Lrebed Güther" begann und mit „herzlichen Grüßen" schloß- . Berlik t Juli. (Wolfs.) Bei dem Eigentümer des bei der Ermordung RaÜhenaus verwendeten Automobils, Küchenmeister zu FrelLerg in Sachsen, beschlagnahmte die Polizei zwei MMckverfer, sechs schwere und vier leichte Mschineugewehre, ISO Gewehre, 30 Kisten Muüttion und eine telephonische Einrichtung, die in einem Schacht eingemauert waren. ' ' / \ # Wtenev^ Ärörgeirzeltun^ 2. Juli 192S Seite 0 Eine Knrrdge dnng der amerikanischen Zionisten. Philadelphia, 27. Juni. (I. C. B.) Die Jahreskonferertz. der amerikanischen Zionisten, wurde hier unter dem Vorsitze von Louis Lipsky eröffnet. Die Konferenz nahm eine Resolution an, .in welcher das Bedanem über die Resolution des englischen Oberhauses bezüglich des Palästina-Mandats ausgesprochen wird. Die Resolution der amerikanischen Zionisten weist aus den Eindruck hin, welcher die Balsour-Deklaration und deren Bestätigung in San Nemo auf das Gesamtjuventnm geübt habe. Das Versprechen Englands lege dem jüdischen Volke chwere finanzielle Verpflichtungen auf und das jüdische. Volk warte geduldig die Ratifizierungde 8 Palatina-Mandats ab, ,deren wiederholte Verzögerung zu Inruhm in Palästina geführt und eine Propaganda hervorgerufen habe, deren letzte Folge in der^ Resolution der englischen Lords zu erkennen sei. Diese Erscheinungen rufen m jüdischen Volle Beunruhigung hervor. Daher fordere, die Konferenz die britische Negierung aus, unverzüglich Schritte für hie endgültige.Ratifizierung des Palästina-Mandats bei der bevorstehenden Sitzung des Völkerbnndrates zu unternehmen. Oberst Patterson suchte die Konferenz bezüglich rer Wirkung der Oberhausresolution zu beruhigen und erhärte, daß das Votum des Oberhauses nicht gegen Palatina, sondern gegen L l o y d G eo r g e gerichtet sei. Der Schatzmeister der zionistischen Organisation Amerikas PeterSchweitzer berichtete über die bisherigen Ergebnisse des amerikanischen Keren H a j e s s o d. Die abgeschlossene Kampagne brachte fünf Millionen Dollars in Verpflichtungen ein, wovon zwei MilIionen Dollars in bar eingetroffen sind. S.okolow führte in einer längeren Ansprache aus, es sei beklagenswert, daß in diesem Augenblick gute Zionisten außerhalb der Organisation bleiben. Die Balfonr-Erklärnng sei ein internationaler Akt geworden nnd als solcher unwiderruflich. VerhandlNugerr der Westmächts Wer . Das Mandat. r' \ London, 30. Juni. (I. C. B.) Wie wir erfahren, .haben die Verhandlungen zwischen der franzöfisch en, italienischen und der englischen Regierung in der Frage des Palästina-Mandats zu einem Einvernehmen bezüglich gewisser Aenderungen im A t Litel 14 des May- .datsentwurfes geführt. < i (Eine offizielle Bestätigung dieser Nachricht. muß abgewartet werden. Der. Artikel 14 des englischen Mandatsentwurfes enthält, die Verpflichtungen für England zur Einsetzung einer Kommission zwecks Studiums der Fragen und Ansprüche der verschiedenen religiös en Gemeinschaften. Ter Vorsitzende dieser Kommisiion soll durch den Völkerbundrat ernannt werden,- und ihre Aufgabe soll sein, dafür zu sorgen, daß die heiligen Stätten bestimmte- Religionen unter geeignete Aufsicht durch Angehörige de< betreffenden Religion gestellt werden, wobei die Verpflicht tung Englands, für Ordnung zu sorgen,' auftrechterhattev bleibü) - / -'. - PrSfiderrt WeitzMann über die LWSz London, 30. Juni. (I. C. B.) Der Präsident der zionistischen Weltorganisation, Dr. Weitzmann, äußerte sich über die Palästina-Resolution des Oberhauses, daß diese in manchen Belangen zweifellos unangenehme F o l g e n nach sich ziehen könne. Namentlich in bezug auf die Propaganda der arabischen Delegation aus Palästina, die in der Resolution des Oberhauses eine Ermutigung für ihre weitere Tätigkeit finden wird, was eine mögliche Versöhnung neuerlich verzögern wird. Was die R a 1if i z i e r u n g des Palästina-Mandats in der bevorstehenden Sitzung des Völlerbundrates betrifft, so sei diese Angelegenheit b e r e i t s s o w e i t v o r g e s ch r i t t e n, daß sie nicht wehr von solchen Schritten wie die Resolution im Oberhause beeinflußt werden kann. Dr. Weitzmann drückte sein volles Vertrauen in die endgültige Rgti- ' fiziernng des Mandats in der bevorstehen-.' den Sitzung des VölkerbnndraLes ans. Verschiebung Der PalastrnaÄebaLLe ■ englischen AnLerhäus, ’ London, 28. Juni. (I. C. B.) Die für gestern angekündigte Palästina-Debatte im englischen Unterhause wurde ge». . mätz einer Erklärung Austen Chamberlai ns namens der. Negierung auf Dienstag den 4. d. verschöben. Kolonialminffter Winston Churchill wird die Haltung des Kolonialamtes in der Sitzung verteidigen. ' ' ' . ' ' . Die OrierttfrLgen. London, 30. Juni. (Havas.) Ueber die VerhaMuntz«, zwischen Lloyd G e o r g e sowie B a l f o u r einerseits und Schanz er andererseits verlautet, daß von englischer Seite die italienffchen Wünsche bezüglich Palästinas, namentlich bezüglich des Besitzes des sogenannten Abendmahlraumes, als im Augenblick und unter den. von Italien' vorgeschlagenen BediMmgen unerfÄllb«« lez«t net werden. Auch in der Frage der Berichtigung dev Grenzen zwischen Tripolis und Ae'ghpten hätten die englischen Staatsmänner ein Eingreifen rm Sinne der italienischen Wünsche mit^ dem Hinweis darauf äbgelehnt, daß die fraglichen Gebrete unter ägypttscher Oberhoheit stehen und infolgedeffen ohne die. Regierung des Khedive nichts unternommen werden könnte. In der Frage von Tang e r sind die Besprechungen betreffend die Teilnahme Italiens an der. bei der letzten englisch-französischen Zusammenkunft in London ins Auge gefaßten Konferenz, noch nicht beendet. Hermes rehaMMert. , ' Berlin, 1, Juli. (Wolfs.) Der Reichstagsausschutz, der zur Untersuchung gegen Minister Dr. Hermes eingesetzt war, hat sich dahin ausgesprochen, daß ^er keinen Anlaß gegeben finde, dem Reichstag'zu empfehlen, gegen, den Minister vorzügehen. Der Vertreter der Unabhängigen hatte sich an der Beschlußfassung nicht beteiligt.. , - Das GetreideUmLagegesetz angenomMeA. Berlin. 30. Juni. (Wolfs.) Jm.Reichstag wurde der Tagesbericht. ZrsnWsches LandesKoMiLeC. Der diesjährige Gang zum Grabe Theodor HerzK findet Sonntag d e n 16. d. (20. Thämus) statt. Genaue Anordnungen betreffend Sammelplätze, Marschordnung, Ordnungsdienst und Ehrenwache am Grabe werden in den nächsten Tagen veröffentticht. Nt ft der Getreideumlagevorlage in der Ausschußfassung angenommen. Darnach bleiben Betriebe bis fünf Hektar von der Umlage befreit. Die Versorgung mit billigerem Brote tritt nur über Antrag für jene Personen ein, die ihre Bedürftigkeit nachweisen. Die dritte Lesung der Gesetzesvorlage wird morgen erfolgen. Annahme des Rapirllo-Vertrages in Berlin. Berlin, 1. Juli. (Wolfs.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages hat den Rapallo-Vertrag angenommen. GemralstreiK der. .Setzer in Berlin. - Die Generalversammlung der Groß-Berliner Setzer und Buchdrucker beschloß gestern vormittags in einer stürmisch verlaufenen Versammlüng, in de n St re ik zu treten. Der Streik, der ursprünglich nur die Astas chin e nw eist er umfaßte, hat sich nun auch auf die Setzer.und das . gesamte Hilfspersonal ausgedehnt. Sämtliche . Druckereibetriebe Groß-Berlins sind seit gestem mittags sttllgelegt. 'D i e Ze-i tu »ge n kö n n en /.hiZ a u f w e i t e r e s nicht m e h r e r s ch e in e n. Nur^ die „Rote Fahne" ist Freitag abends erschienen,^ und zwar nur.mit einem habben Blatt und mit der Ankündigung, daß sie infolge, des Ausstandes bis auf weiteres ebenso wie die übrige Arbeiterpresse nicht erscheinen werde, x SLraßMWmPse in GleLchitz. yleiwitz, 1. Juli. (Wolfs.) Anläßlich der Ablieferung der Waffen seitens der Apo an die französischen Besützungstruppen kam es.zu Zusammenstößen zwischen Zivilisten und französischen Truppen, bei denen 15 Personen,-- darunter auch ein, Franzose, getötet .und gegen 25 vettvundet worden.' Ueber Gleiwitz wurde der verschärfte Belagerüngs-- züstand Zionistischer ParLeirat. - ' - Morgen um 6 Uhr abends findet rm Bureau, 2. Betz.^ Taborstraße 20 a, die außerordentliche Tagung des Par^ rates statt. Der wöchentliche „Preisabban". Neuerliche Berteuernng des Brotes — ein Laib 1530 Montag tritt wiederum, Wie dies nun seit einer Reihen von. Wochen der'Fall ist, mne Erhöhung des Pro tp reifes ein, die diesmcm aber stärcker ins Gewicht, fällt als in der letzten Zeit. Der Brotpreis erfährt eine . S l e ige r u n g von 12,5 Prozent und wird von 1360,. auf 1530 K . erhöht. Eine Steigerung in ungefähr dem gleichen Ausmaße erfährt.das' Kleingebäck) das. von 84 anf^. 90, K. verteuert wird. Die Bäcker rechfferttgen diese Preissteigerung mit der.außerordentlichen.Verteuerung des M e h l p reife s, die in den letzten Tagen als Folge dev höheren Palntenknrfe eingetveten ist, Diesem Umstande mußte um so mehr Rechnung getragen werden, als bei der Erstellung des Brotpreises der letzten Woche nu r auf. die Hinauffetzung der Löhne ohne Rücksicht auf den schon damals erhöhten Mehlpreis Bedacht genommen worden war, Tariferhöhung für -te Kohlen- «u- KokMför-ernng von den Wiener Bahnhöfen. Die Getwffenschastsn der Fuhrwerksbvfitzer haben bet der Wiener Landesbehörde-eine 120pvozenttge Echöhung des: erst, im Vormonat fefigesetzlen Maximaltarifes für die. Kohlen- und KoWeförderung von den Wiener Bahichöfen verlangt. Da dieses Ansuchen zMich gerade mit dev von ILTabsrslFaBe 17t>