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Wiener Morgenzeitung · 1922-07-02 · Heft 1228 (2.7.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1228 (2.7.1922)
Date
1922-07-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wlen, Soüntag äffende akademisch gebildet ist oder nicht, ob cr fünf »der fünfzehn Jahre im Dienste ist. Ist er geeignet, in »er betreffenden Schule zu unterrichten, so muß er sich, vie der akademisch gebildete, satt essen können. Aus diese küeise wird der Zustand der natürlichste, da die jungen Kräfte (also, ohne Praxis) größtenteils ledig sind, daher kleinere Bedürfnisse haben; die Familien der länger im Dienste stehenden sind schon selbstständig und ernähren sich selbst, der Lehrer muß daher nur für sich und seine Frau sorgen. Auf diese Weise wird ein Uebel aus der Welt geschafft, daß einerseits die hohen Gehälter der Lehrer einer scharfen Kritik uterzogen werden, und anderseits ein großer Teil der Lehrerschaft mit seinen Familien hungert und sich nicht an Brot sattessen kann. Wird die Fragendes Gehaltes geregelt, so wird es ruch möglich sein, einen Teil des noch so winzigen Budgets für Erziehungszwecke zu verwenden. Resunrieren wir: Die zionistische Organisation hat nicht das Recht, sich der Arbeit'auf dem Gebiete der Erziehung zu entledigen, ivenn sie sich nicht der Gefahr aussetzen will, daß auch ihre politische und ökonomische Arbeit wertlos wird. Das Budget von 100.000 Pfund darf nicht um einen Heller verkleinert werden; ja, es müßte vergrößert werden, wenn unsere finanzielle Not nicht so groß wäre. Dagegen nmß der Jischuw zum Budget statt 25.000 Pfund das Doppelte, das heißt 50.000 Pfund beitragen. Daher muß die Staffelung der Gehälter nach der bisherigen Methode aufhören ' und an ihren Platz die Größe der Familien und ihrer Bedürfnisse treten. Oesterreich. Streik in de«steirischerr Kohlengruben. Graz, 1. Juli. Eine heute stattgehabte Konferenz der Betriebsräte der west- und oststeirischen Kohlengruben hat einstimmig beschlossen, wegen Nichtbewilligung von Lohnforderungen von Monlaa früh an in den Streik zu tret er. Der Streck dürfte etwa 10.000 Bergarbeiter umfassen. BezugsauszayLuugen im Juli an BrmdesarrgesteAte und Burrdesverkehrsbedienstete. Amtlich wird gemeldet: Um Zeitpunkt und Ausmaß der Monatlichen Bezugszahlungen für alle Kreise , der Bundesangestellten einheitlich zu gestalten, sieht das Besoldungsnächtragsgesetz, das im Einvernehmen aller politischen Parteien zustande gekommen ist, für die Zukunft vor, daß, so lange die Indexziffer steigt, die Bezüge in drei Teilbeträgen, und zwar am 1., 11. und 21., wenn aber die Indexziffer sinkt, in zwei Teilbeträgen (am 1. und 16.) ausbezahlt werden. Dem Standpunkte des Gesetzgebers hat die die erste Julizahlung an die Bundesbedienfteten regelnde Verfügung bereits Rechnung getragen; diesen Bediensteten wurden am 1. Juli die zehnfachen Märzbezüge angewiesen. Am 11. und 21. Juli werden je acht Märzbezüge angewiesen werden. Für die übrigen Bundesbediensteten konnte die gleiche Aordnung' nicht mehr getroffen werden, da die Auszahlung des fünfzehnfachen Märzbezuges schon vor der Beschlußfassung des Besoldungsnachtragsgesetzes verfügt worden war. Doch wird vom Monate August angefangen für die Bundes- und die Bnndesverkehrsangestellien ein einheitlicher Vorgang eingehaltcn werden. Zu einer Beimruhigung irgendeiner Gruppe der Bundes- oder Berkehrsangestellten liegt kein Anlaß vor, da das Gesamtausmaß der Monatszahlung hierdurch nicht berührt wird. 500 Kilometer langer Front den Griechen gegenüber und wartet, bis den Griechen die Geduld oder das Geld ausgeht. Die Türken zahlen ihren Offizieren in Gold — ein Leutnant bekommt zum Beispiel 20 Pfund in Gold monatlich — und die Griechen . . . haben „halbes" Papiergeld. Die Griechen haben eine prachtvolle Idee durchgeführt, die ich den österreichischen Finanzministern wärmstens empfehle. Der jüdische Finanzminister Mall ah (der unterdes gemeinsam mit dem übrigen Kabinett G u n a r i s demissioniert hat) machte eine Zwangsanleihe in folgender Form: Eines schönen Morgens stand in allen Zeitungen, daß von den griechischen Banknoten über fünf Drachmen Nominale nur die eine Hälfte (die nlit einem Porträt) Gültigkeit habe, und zwar als „halbe" Banknote die Hälfte des NonffnaleD. Die zweite Hälfte (mit einer Krone versehen, die sogenannten „Eouronnes") seiest im Handel ungültig, werden aber gegen Lose, die mit 6,25 Prozent verzinst und mit hohen Treffern dotiert werden, umgetauscht. (Die Banken belehnen diese „Eouronnes" mit 60 Prozent des Nominales.) Diese Idee ist genial. Keine Notenabstempelung, die Geld, Zeit und Beamte kostet und Anlaß zu Fälschungen gibt, keine Möglichkeit, Banknoten versteckt zu halten, keine Konsignierung von Noten nöttg, alles ist höchst einfach. Die Zwangsanleihe, die z. B. der griechische Staat in Gergeli bei der Stationskasse vornahm, bestand in einem sorgsamen Zerreißen meiner Banknote. Die „richtige" Hälfte nahm der Beamte als Zahlung, die „Eouronnes" durfte ich wieder einstecken. ' Die Saloniker Juden sind natürlich von dieser „Halbierung" ihres Vermögens höchst wenig erbaut. Trotzdem sind sie int geheimen sehr stolz, daß ihr Mitbürger Mall ah, ein organisierter Zionist und Bruder des „Repräsentanten" der Federation Sioniste de Grece Ascher M a l l a h, es war, der diese originelle Idee hatte. Minister Mallah ist ein persönlicher Freund des Königs Konstantin, den er in die Verbannung begleitet hatte. Dieser Unterschied zwischen Griechenland ltub Oestereich ist mir übrigens ausgefallen: In Griechenland kann ein Jude Finanzminister werden, auch ohne christ'lichsozialen Vorgesetzten, während in Oesterreich . . < Wiener MorgenzeitunA. 2. Juli 1922 Nr. lgaff j Einberufung der Wiener Konferenz der Vertreter aller Organisationen. Die Vorschläge der Ärbeiterkammer als Grundlage weiterer Verhandlungen Heute ist, wenn wir den Montag mitrechnen, wo um , 6 Uhr abends der Streik einsetzte, der siebente Tag, wo Wien ohne Straßenbahnverkehr ist. Alle Hoffnungen, die sich an die Einigungsversuche der Arbeiterkammer knüpften, sind an dem starren Sinn des Aktionskomitees der Streikenden zerschellt. In diesem „Kampfe" zwischen Mitgliedern einer und derselben Partei — der sozialdemokratischen — hat sich gerade die Gemeinde selbst unter schweren Opfern als die entgegenkommende gezeigt, aber die Streikenden blieben hart, obwohl die Gesamtbevölkerung, die Streikenden selbst mitinbegriffen, aufs empfindlichste davon getroffen werden. Die Sympathien wmden sich unter solchen Umständen ganz natürlich der Gemeindeverwaltung zu, die in diesem Falle die Interessen der Gesamtbevölkerung wahrt. Aber mit aller Sympathie ist nicht geholfen. Ein Auswegmuß gefunden werden. Nachdem alle Aussichten auf eine Verständigung gestern durch Abbruch der Verhandlungen in der Arbeiterkammer geschwunden waren, hatte die sozialdemokratische Parteileitung für gestern nachmittags eine „Wiener Konferenz" von Vertretern sämtlicher Organisationen ins „Eisenbahnerheim" einberufen, um über die Beilegung des Streiks zu beraten. An dieser Konferenz nahmen auch Vertreter der Gemeinde teil. Neber den Verlauf dieser Konferenz berichtet die „Sozialdcm wüsche Korrespondenz" folgendes: Die Wiener Konferenz. llnt 3 Uhr nachmittags trat die Wiener Konferenz (die Versammlung sämtlicher Vertrauensmänner der politischen Organisation der Wiener Bezirke) mit der sozialdemokrätischen Fraktion des Wiener Kreisarbeiterrates unter dem Vorsitze des Abgeordneten Pölz er zusammen. Nach dem einleitenden Referate des Wiener Sekretäts Abgeordneten Richter,, gab der Obmann des Handels- und Transportarbeiterverbandes Abgeordneter F o r st n e r eine Darstellung der Verhandlungen mit den Straßenbahnern. Er schilderte die langwierigen Verhandlungen, die der Verband und die Personalkommission mit der Gemeinde Wien führen mußten, bis der erste Vertrag zustande kam, ferner die Wahl eines anderen Lohnkomitces, den neuerlichen Abschluß und dessen abermalige Ablehrlung. Stadtrat Speiser gab'eine eingehende Darstellung der Notwendigkeit jener Vertragsbestimnumgen, die die Durchrechnung der Arbeitszeit zum Inhalt haben, und die Wirkungen aller bisherigen Zugeständnisse auf den Tarif. Während der Rede des Abgeordneten Forstner teilte der Vorsitzende mit, daß sich vor dem Eisenbahnerheim eine große Zahl von Straßenbahnern empfunden habe, die wünsche, eine , dreigliedrige Deputation zur Konferenz entfenfceu zu dürfen. Die Verfammlmrg beschloß einstimmig, diese Deputation unter der Bedingung zuzulassen, daß ihre Mitglieder gewerkschaftlich und politisch organisiert seien. Nach dem Referat des StadtratS Speiser legten ditz Mitglieder der Deputation den Standpunkt der Straßem hahner dar. Nach einer längeren Debatte wurde mit allen gegen acht Stimmen folgende Resolution angenommen: Die Wiener Konferenz '■ nimmt den 58%. richt der sozialdemokratischen Gemeinde» r a t s f r a k t r o n und der Vertreter des Verbandes der Handels- und Transportarbeiter zur Kenntnis. Sic bedauert, daß es zwischen der Gemeindeverwaltung und den Straßenbahnern zu einem Konflikt kam, der im weiteren Verlaufe zu einem Streik führte, der sowohl wirtschaftlich als auch politisch die Interessen des Gesamtproletariats auf das schwerste schädigt. Die Konferenz anerkennt weiter, daß die sozialdenw krat'ffchen Gemeindevertreter sich besonders bemüht haben, den Konflikt zu lösen, indem sie unter Zubilligung beträchtlicher Zugeständnisse eingewilligt Hallen, den Vermittlungsvorschlägen der Arbeite Kammer sich zu fügen. Sie gibt schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß es der gewerkschaftlichen Organisation gemeinsam mit der sozialdemokratischen Mehrheit des Gemeinderates doch noch gelingen wird, eine Vereinbarung zustande zu bringen. Zum Schlüsse appelliert die Konferenz an das Solidaritätsgefühl der Arbeiterschaft und erwartet, daß die Vermittlungsvorschläge der Arbeiterkammer als Grundlage weiterer VeHandlungen angenommen werden. Es wird also weiter verhandelt werben und, wie wir erfahren, dürften die Verhandlungen heute das Resultat zeitigen, daß morgen gefahren wird. Eine Nachtkonferenz. — Wahrscheinlichkeit der Aufnahme des Verkehrs. | Nach Schluß der Wiener Konferenz ersuchten die Mit- ' glieder der Deputation der Straßenbahner, die an der Konferenz nachmittags teilgenommen hatten, den PMi- ' deuten Seitz um eine neuerliche Zusammentretung mit den Vertretern der Gemeinde. Diese fand um 10 Uhr im; Rathaus statt. An ihr nahmen teil außer dem Präsidenten Seitz und Bürgermeister Reumann Vertreter der Gemeinde, des Handels- und Transportarbeiterbandes, des Aktionskomitees und der Personalkommission (Hauptausschuß). Die Verhandlungen begannen anfangs in Abwesenheit der Vertreter deK Aktionskomitees, von dem erst um 11 Uhr zwei erschienen waren. Diese teilten mit, daß die Mitglieder des AkttonsLomitees von der Konferenz beim Bürgermeister zu spät verständigt worden seien und daß man dieselben aus den verschiedenen Bezirken mit Autos holen müsse, was auch sofort in Angriff genommen wurde. Inzwischen, es war bereits Mitternacht, gingen die Verhandlungen weiter, bis nach und nach alle Mitglieder des Aktionskomitees erschienen waren. Bei Schluß des Blattei erhalten wir die Nachricht, daß es allen Anzeichen nach zu einer Verständigung kommen und der Betrieb heute wieder ausgenommen werden wird. tz iBVnECion: Die innere Arrlelhe. Der Gesetzentwurf über die innere Anleihe wird erst in»! der kommenden Woche dem Nationalrate zugchen. Einstweilen j nehmen die Verhandlungen der Regierung mit den Wirtschaftliehen Interessenten, darunter den Banken und Vertretern der Industrie- und Handelskreise ihren Fortgang. In den bisherigen Beratungen sind mancherlei Schwierigkeiten aufgetaucht, weil von seiten der Repräsentanten der Finanz- und , Wirtfchaftswelt ernste Einwendungen gegen verschiedene Pläne \ der Finanzverwaltung erhöben wurden. Die Regierung scheint anerkennenswerterweise von der Mich: gelcitcl zu sein, die Grnndzüge für die innere Anleihe unter Zustimmung de? Vertreters der Privatwirtschaft sestzuWjen, wodurch diese allerdingö auch zur Mitverantworti.t| für diese große Finanz-. trcmsaktion herangezogen werden. Cs sst anznnehmen, daß dieses von beiden Tellen gesuchte Einvernehmen ln den noch bevorstehenden Konferenzen schließlich hergestelll wird. Eine technische Rothilse in Vorarlberg. Innsbruck, 1. Juli. Wie der „Allgemeine Tiroler Anzeiger" meldet, hat der Vorarlberger Landtag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten die Auslieferung des sozialdemokratischen Abgeordneten Peter an die zuständigen Gerichte beschlossen, der als Soldatenrat gegen die Offiziere seines Bataillons verschiedene Anschuldigungen vorgebracht hat.Weiter genehmigte der Landtag nach längerer Debatte und gegen die Opposition der Sozialdemokraten die Unterstützung des in Bildung begriffenen Notbann Vorarlbergs, der bei Wiederholung von Streiks als technische Nöthilse die Fortführung der lebenswichtigen Betriebe und Verkehrsanstalten ^möglichen soll. Salzburger Landtag. Salzburg, 30. Juni. Der Landtag beschloß gestern die Einführung einr Schulabgdbe auf den Verbrauch von Mehl und Getreide. Das Ergebnis wird mit 160 Millionen Kronen veranschlagt und soll zu einem Viertel dem Lande und einem Viertel den Gemeinden zusallen. Sodann wurde eine Mietzinsabgabe in folgender Form beschlossen: Unter Zugrundelegung des Mietzinses von 1911 Weeden beim Jahreszins die ersten 600. .Kronen $inet jechsjachM nächsten .600 Kxoyen einer zehnfacheck und über diesen Betrag hinausgehende Zinst einer zwanzigfacheil Abgabe unterzogen. Der Landtag nahm sodann das Budget an. Den errechNeten Ausgaben von 4.300,231.000 K. stehen 3.981,099.260 K. an Einnahmen gegenüber. Cs verbleibt also ein unbedeckter Abgang von 319,131.710 K. Uebeödies wird die Ermächtigung zu Kreditoperationen in der Höhe von achthundert Millionen Kronen erteilt. Hieraus wurde die Vertagung des Landtages bis zum Herbst 5* schlossen. Tschecho - Slowakei. Die GerneinLewahlen in Göding. Drei Jüdischnationale gewühlt. Göding, 1. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Diam 26. Juni stattgehabten Wahlen in denGemeinderat brachten den Jüdischnationalen einen schönen Sieg. Sie errangen drei Mandate. Es würden die Herren Ingenieur Siegfried Stein itz, Rudolf Scelenfried und 3^-- Arnold Rosenseld gewählt. Die Söhne Franz Ferdinands geger ihren Willen als Mitglieder des ehemaligen Kaiserhauses anerkannt. Prag, 1. Juli. (Tjchech. Preßb.l-'.eu.) DciSOber'le V erwaltungsger i ch t hat die Beschwerde der Sohne ■::ü gewesenen Erzherzogs Franz Fwe'.nandi der '.ninderjährig.m Max und Ernst Hoh nberg, die En'.scheidn'.'g des Ministeriums des Jnuern, daß sie Mitglieder des ge-, wesenen Herrscherhauses ünd. a b g e w i e s e n. In der Vc-. grüttdung wird angeführt,, daß die Entscheidung , des Ministeriums des Innern sich' auf die von den Beschwerdeführern nicht in Abrede gestellte Taffache stützt, daß sie die Söhne desl verstorbenen Erzherzogs Franz Ferdinand sind und daher "l jen.en Personen gehören, die im Sinne des Gesetzes vom 1. August 1921 Mitglieder des gewesenen östcreichischen Herr.» schechauses sind. Die HauSgesetze der gewesenen Herrschersamilie sind für die Frage ohne Bedeutüng. Auch der FricidenSvertratz W.,mK genau W KrM her zW tzetpefeM

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