Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1225 (29.6.1922)
- Date
- 1922-06-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Juni 1922 leite* Morgenzeiiuirs. Nr. 1325 noienbank und innere Bleibe. Die Reise Mr. D»«ngs «ach Iöndo«. ' Mr. N ö u tt g Ist gestern stach London avgereist, um dort mit dem unter der Führung Morgans sleheHen eng* lisWmeritänischen Ao^örtium lvegen der Placierung einer Anleihe für Oesterreich im Ausmaße von 37 M i llionen Gold franken zu verhandeln. Die Summe von 37 Millionen Goldfranken ist als Beteiligung der N o t d n b a n k g r Ü n d u n'g gedacht Und ergab sich aus folgenden Erwägungen: ' Das österreichische Finanzkapital bringt bekanntlich 60 Millionen Goldfranken des Aktienkapitals auf, doch ist bei den letzten Verhandlungen die Ansicht durchgedrungen, daß es' unbedingt notwendig fei, die Kapitalsausrüstung der neuen Notenbank auf eine möglichst breite Grundlage zu stellen »und sie daher so bald als möglich mit einem Kapital v o n mindestens 100 Millione n Go ldfranken ins Leben zu rufen. Von den nach der Uebernahme von 60 Millionen durch das heimische Kapital verbleibenden 40 Millionen Goldfranken entfallen 3 Millionen a u f di ^Aktionäre der Oe st e r r.e i ch i s ch - u n g a r is'chen Bank, denen das Bezugsrecht auf die Aktien der neuen Notenbank im Verhältni ß von fünf alten Aktien der Oefterreichisch-ungarischen Bank aus eine neue Aktie eingeränMt werden soll, so daß eine alte Aktie sich auf 20 Goldfranken stellt, der Gesamtwert der alten Aktien also 3 Millionen Goldfranken ergibt. Die Verhandlungen über den quotenmäßigen Anteil des heimischen Finanzkapitals an der Aktienzeichnung haben .zst einer im Interesse der Bankgründung günstigen Modifikation des Schlüssels geführt. Die Großbanken mit dem Hanse Rothschild an der Spitze werden nunmehr von den 60 Millionen Goldfranken nicht, Wie. sie ursprünglich beabsichtigten,, bloß 60 ProzeM, sondern 75 Prozent, das ist also 45 Millionen Goldfranken. Übernehmen. Davon werden sie aus den eigenen Beständen sofort 18 Millionen zeichnen, für die restlichen 29 Millionen, die sie bei ihrer Klientel aufbringen wollen, übernehmen sie die Solidarhaftung. Die übrigbleibenden 15 Millionen Franken werden im Verhältnis von 6, 3 und 6 Millionen ans den Verband der Banken und Kommissionsfirmen, auf die in der Bankenvereinigung,zusammengeschlossenen Kleinbanken und auf die Spar¬ und Raiffeisenkassen üufgeteilt. Für diejenigen Firmen und. / Kleinbanken, die über kein^ eigenen Devisen^ verfügen, ist estie Erleichterung derart vorgesehen, daß «ationalstzaatl i ch e, insbesondere tschechische Effekten bei der nlruen Notenbank gegen Belehnung auf Golddevisen hinter- ^gt'.-werdeW-Annem'...- 'Ä/cküs. '; Die Notenfundieeung. -Die gesternvaSgehaltene Konferenz über die- Fundierung, der Noten hat zu-folgenden Ergebnissen geführt: Das Aktienkapital de« Notenbank hat nicht zur Notenfundlerung, sondern zur Verstärkung der Sicherheit der Notenbank zu dienen. Für die Fundierung der Noten sind nach den Aufstellungen 210 Millionen Goldfranken notwendig, und zwar ergibt sich dies auf Grund folgender Erwägungen: Der . derzeitige Umlauf ston 480 Milliarden Kronen macht samt dem vorgesehenen Notenkredit vom 260 Milliarden 730 Milliarden aus, wovon die durch Kommerzwechsel im Betrags von 160 Milliarden keine vollständige Bedeckung durch Golddevisen erfordern, da an- ' genommen wird, daß sie durch die Warenwechsel bis zu 30 Prozent fundiert seien. Nach dem derzeitigen Stande des Schweizer Franken ist aber für die Bedeckung des gesamten Notenumlaufes ein Kapital von etwa 210 Millionen Goldfranken erforderlich. 90 Millionen Goldfranken stellt die Regierung mit ihrem Goldschätze und den französisch-italienischen Vorschüssen zur Verfügung, so daß 120 Millionen Goldfranken übrig bleiben, die durch eine mit größten Sicherheiten zu umgebende innere u n d ii u tze r e V aluta a n l e i h e aufgebracht werden sotten. Heranziehung des mobilen Kapitals zur inneren Anleihe. Im Sinne der Forderungen der Agrarier, die sich mit der Zwangshhpothek bereits abgefunden haben, wird, wie die „Börse" mitteilt, auch das mobile Kapital in irgend einer Weise zur inneren Anleihe herangezogen werden, doch sollen sowohl die Krone nb e s i tz e r g e s ch o n t, wie auch Zwangsmaßnahmen nicht angewendet werden. Es wird geplant, die Besitzer von Sachwerten, also auch von Effekten und Devisen, mit 6 Prozent deren Wertes zur Beitragsleistnng für die innere Anleihe heranzuziehendoch ist weder gn eine Kontosperre noch Wiedereinführung des Legitimationszwanges gedacht. Die Form der Besteuerung steht übrigens noch nicht fest, es wird auch weiter das Auswertungsprojekt Dr. Rosenbergs erwogen, das dadurch an Aktualität gewonnen hat, haß.die Regierungsvorlage über die Notenbank doch eine Stabilisierung des Kronenkurses, beziehungsweise eine Maximalisierung des Notenumlaufes auf 730 Milliarden vorsieht und daher die Gefahr eines Rückschlages, der eine neuerliche Aufwertung. des Aktienkapitals im Falle eines Sinkens der Krone erheischen würde, als abgewendet erscheinen darf. Es wird auch eine Kombination der inneren Anleihe mit dem M iet a u fw a n d erwogen; jedenfalls kann als sicher angenommen werden, daß auch das mobile Kapital sein Scharflein für die Besserung det Kronen wird beitragen müssen. Vene 2 Men, Donnersrag aus allen Seiten zur Heilung der geistigen und materiellen Schäden Zusammenwirken, die sich.eine falsch eingestellte Welt in sinnloser Selbstzerfleischung beigebracht hatte.;; Und so war er ein guter Deutscher, ja einer der besten, ein guter Europäer. Und er war ein guter Freund. Wo immer er den ernsthaften Willen und eine starke Aufgabe sah, brachte er jedes Opfer, Es war kein kleines siir/ einen Mann, dessen Leben voller äusgefüllt war, zwei Jahre hintereinander in immerhin nicht leichter Stellung große Kolynialstudien, die ihm körperliche Strapazen, schwierige Situationen, ja ernsthafte Krankheit brachte», mit mir gemeinsam zu treiben, und er tvar, man verzeihe mir die Intimität, der beste Sohn." Rumänischer Brief. Bon unserem Bukasester Korrespondenten. Der plötzliche Tod Take Joneseusbedeutet für. die vereinigte Opposition gegen die liberale Regierung und ihre Mehrheit einen schweren Schlag. Der Verstorbene war die anerkannte große Persönlichkeit, um die sich alle demokratischen Elemente, mögen sie sich auch nach politi-. schen Nuancierungen - in Sonderfraktionen gruppieren, sammelten. Sein Tod erfolgte mitten in. den Bemühungen der Führer der oppositionellen Parteien', Unter der oberen Leitung Take Joneseus und Jorgas die gesamte Opposition mit'Einbeziehung der siebenbürgischen und Bukowinaer Nütionalpartei in ein einheitliches Oppositonslager zu bereinigen. Die scholl weit gediehenen Verhandlungen wurden durch den jähen Tod Take Joneseus unterbrochen, werden jedoch jetzt von neuem ausgenommen werden. Titu lesen, der Take Jonescu sehr nähe stand, - wurde bereits aus London zurückberufen und auch bezüglich des Nachfolgers Take Joneseus in der Führung der Opposition hat man sich in der' Person des Thoma S t elian geeinigt.. Kommt diese' Vereinigung zustande, so dürfte das Bestreben dieser Opposition, den: Regime der Liberalen ein Ende zu bereiten, bald in Erfüllung gehen. Inzwischen setzt die Regierung alles daran, während - der Sommerferien den neuen Berfafsungsentwurs fertigzustellen. Ein mit dieser Arbeit betrauter Spezialausschuß hat bereits die Vorarbeiten begonnen und der zum Referenten der Verfassungsreform ausersehene Abgeordnete Dissescu hat neun prinzipielle Vorfragen' aufgestellt, die vor' der meritorischen Behandlung des Verfassungsentwurfes bereinigt werden müßten. Diese Punkte enthalten manches, was auch für die Juden des Landes von vitalstem Interesse ist. Dissescu wünscht -Üämlich Klarheit und Einigung über die folgenden Vorfragen: 1. Sollen die Landesgrenzen in der Verfassung deutlich; umschrieben werden; 2. sollen die Rechte der N a ti o-' nalitäten in der Verfassung inartikuliert' werden; 3. Klärung der Jrage der f o n f e ss ionellen S ch ul e n; 4. das Verhältnis zwischen Staat u n d K i r ch e; 5. die S p r a ch e n f r a g e im öffentlichen Leben; 6. Ver-' mögensfragen; 7. die Frage des Zweikammersystems; 8. die Rechte der Krone und 9. die Petroleumsrage. Den schwersten Stand in den wichtigsten Fragen der Verfasiungsreform hat die Regierung in Siebenbürgen. Unterrichtsminister Bann, der soeben von einer Jnfor-. mationsreise in Siebenbürgen zurückgekehrt ist, konnte fest-' stellen, daß sowohl die griechisch-katholische als auch die römisch-katholische Kirche - in Siebenbürgen entschiedene' Gegner-des-Prinzips der herrschenden Kirchen sind, und die volle Gleichberechtigung aller Konfessio-< n e n, beziehungsweise aller konfessionellen Kirchenorganisationen fordern. Leider kann dieselbe Einmütigkeit nicht auch unter den Juden Siebenbürgens festgestellt werden. Wie überall, tritt auch hier die Trennungsorthodoxie ln beschämendster Weise als der Friedensstörer hervor. Bekanntlich hat der Jüdische Nationalverband km Einvernehmen mit dem Verbände der einheimischen Juden in Rumänien für die Anerkennung der nationalen Rechte der Inden in den maßgebenden politischen Kreisen Rumänis Verständnis zu erwec^n verstanden. Die rumänischen Regierungen, die jetzige, sowohl wie ihre Vorgänger, haben auch aus anderen politischen Gründen die Lösung der jüdischen Frage in nationalem Sinne einer anderen vorgezogen. Dieser Auffassung entsprach auch.die Haltung der Regierung gegenüber den jüdischen Schulen. Die rumänische Regierung gewährte den jüdischen Schulen in Siebenbürgen,- in denen die Unterrichtssprache zumeist die ungarische ist, eine Frist von drei Jahren/ binnen^ welcher diese Schulen den Uebergang zur hebräischen oder jüdischen Unterrichtssprache, borbereiten können. Nach Ablauf dieser Frist wird in den jüdischen Schulen nurdiehebräische, beziehungsweise die jüdische oder die rumänische Sprache zulässig sein. Mit anerkennenswertem Eifer haben nun die meisten jüdischen Gemeinden, welche eigene Schulen erhalten, diese Uebergangsarbeit begonnen. Da trat plötzlich die neugegründete „orthodoxe Israel itische Landest anzlei" — immer wieder diese unglückseligen Landeskanzleien — auf den Plan und drängte sich an die rumänische Regierung mit einer Resolution heran, in welcher sie erklärte, daß sie nach Ablauf von drei Jahren in den. orthodoxen Schulen die rumänifche Unterrichtssprache eingeführt zu wissen wünsche. Ein schmählicherer' Verrat am Judentum ist kaum noch begangen worden: In; hiesigen politischen Kreisen weiß man nicht recht, was mit dieser unerwarteten Aufdringlichkeit' anzufangen ist.' Ist sie von der Linterbältigkeit der ebemaligen maavarisLäs f i m i l'a t ö r i s ch e n O r t h o d o x i e diktiert, welche im stillen hofft, daß Siebenbürgen' noch an Ungarn zurück-, Mt, oder, ist es die bedenkenlose. Assimilationstuft.-/ heute, 'dieser Nation,'/morgen "einer anderen anMreöern' . versucht,/umdafür .politische Gegendienste gegen das' nä- ' tjönäle Judentum zu erlangen? - Diese junge orthöd.oxe Landeskanzlei, an . deren. Spitze agudistische Rabbiner/ stehen, hat sich, wie der Fall-'von- Klausenburg beweist, sogar dazu verstiegen, in einem sogenannten Urteil es den ' Orthodoxen zur Pflicht zu machen, aus Gemeinden,- in denen.Zionisten sind, auszutreten ■ und sich selbständig zu organisieren. Diese Vermessenheit, über die Zionisten sozusagen den Bannfluch 'Wird allergings auch von einem großen Teile der Orthodoxen mit Entrüstung zurückgewiesen, weil die Einhaltung' dieses „Urteils" eine neue, tiefgehende Spaltung der jüdischeu Gemeinden herbeisühren müßte. Oesterreich. , Der Firralrzplan. Einsetzung von vier SubkoMitees des Budgetausschusses. ..Vor Eingang in die Tagesordnung des Finanz- und.' Budgetausschusses, wünschte Ahg, Dr. Bauer,, daß .die Regierungsvorlage über die. Verlängerung, des Gesetzes betreffend den Abbau der Lehensmittelzus.chüsse. sofort noch in.. Verhandlung gezogen werde. Diesem Wunsche wurde entsprochen und die Wirksamkeit des. Gesetzes bis..16. Juli ausgedehnt. / Sodann. wurde in die - Generaldebatte üb e r .die. Fi.nanzVorlagen, eingegangen. ... ' Ppndesminister Segur . äußerte. .sich über derp Modus procedendi M Erledigung des; Finanzplanes. Der Finanzplan beinhaltet derartige Bindungen her Regierung in bezug auf die weitere Inanspruchnahme von Noten, daß seine r a s ch e st e V e.r a b s ch i e d u n g notwendig ist, damit dje Regierung in d.ie Lage versetzt werde, die Durchführung. des Finanzplanes möglichst.schnell in die.Wege zu leiten. Nach Gründung der neuen Notenbank wird der Staat nur mehr Noten gegen Deckung in, G o l d. o d e r D e v i s e n .beziehen können und er wird, daher nicht mehr in der Lage fein, Auslagen einfach, durch Bezug von Noten aus der Bank zu decken. Er wird, diese Auslagen vielmehr durch Einnahmen decken müssen. Zu. diesem Zwecke sind im- Finanzplan Steuererhöhungen, Steuerneuanschaffungen sowie die innere Anleihe vorge- / sehen, damit der Staat bis zum Zeitpunkte, , wo die Krone : Stabilität erlangt hat und die ausländischen Kredite ein-., setzen, hinüberzukommen in der Lage ist. Der Finanz- Hinister bittet,' öie 'Beratung'en sozu''beschleunigen," daß, : der Finanzplän bis zum 10. Juli unter Dach gebracht werden könne. 'Die noch aüsstehe'nde"Vorlage'über. dieUn-, , «eie Anleihe werde., am Freitag dem Hause? /vörgelegt werden. ' ' . " ' '": Es wurden vier Subkomitees eingesetzt, .denen die Vorberatung der gesamten zum Fmanzplan gehyrigen Gesetze zugewiesen wurde. Index und Lebensmittelznschntz. In aller Eile hat gestern der Nationalrat den Tags zuvor von der Regierung eingebrachten Entwurf eines Besoldungsnachtragsgesetzes, das den Bundesangestellten ‘ die Entlohnung nach , dem Index für alle Zukunft sichert, e i nstimmig angenommen und so das den Verkehrsangestellten bei Abbruch des Streiks von der Negierung gegebene Versprechen eingelöst. ,/ Hierauf wurde die Novelle zum Gesetz über' den A b b a u d e r. L eb' e n s m i t t e l z u s ch ü s s e' in Verhandlung gezogen. Da nach dieser Novelle, die Gewährung der Zuschüsse an die Hilfsbedürftigen der Gemeinde aufgelastet worden wäre und diese. —Wien mußte beispielsweise für diesen Zweck zehn Milliarden aufwenden — sich außerstande erklärten, die erwähnte Mehrbelastung ans eigenem zu tragen, ent- / schloß sich der Nationalrat, das nur mehr bis Monatsende in Geltung befindliche Abbaugesetz bis'16. Juli d. I. in seiner Wirksamkeit zu erstrecken. Ohne Debatte wurden danri noch mehrere belanglose Vorlagen, betreffend die Emission 1922 der österreichischen Baulose, betreffend Adaptierungen in. den Bundestheatern, .betreffend Ausbau des Schönbrunner Schlosses u. a. m. angenommen. Nächste Sitzung: Freitag den 30. d., 12 Uhr'vormittags. Tschecho - Slowakei. Die Nationalversammlung. Prag, 28. Juni. Das Haus hat die Vorlage betreffend die Verschiebung der. Gemeindewahlen gegen die Stimmen der Kommunisten und der Deutschen. unter scharfem Protest dieser Parteien angenomnren. - Bei den Verhandlungen über-die .Vorlage betreffend Abänderung und-Ergänzung der Bestimmungen für diq Ueberuahnie des beschlagnahmten Bodenbesitzes exhoben die Abgeordneten Haas .(deutscher Sozialdemokrat)/ zmd ■ s 1