Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1224 (28.6.1922)
- Date
- 1922-06-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I., und zwar an einer sreigewählten Mittelschule ablegeu können. H«r Verfall de» ungarischen Inden-» tnms. Die Zunahme der Sterblichkeit in Ungarn. Aus Budapest wird uns berichtet: Laut den soeben erschienenen amtlichen statistischen Mitteilungen über die Bei völkerunMewegung im ersten Quartal IMS wurden in Ungarn :iti diesem Zeitraum insgesamt 2 3.920 Ehen geschlossen, so daß auf je tausend Seelen eine Ehe kommt. Bon diesen Ehen Awaren 4132 gemischte Chon, und zwar die meisten (2143) zwischen Römisch-katholischen und Reformierten. Die Zahl der Ehen zwischen Christen und putzen tzetrug in diesem kurzen Zeitabschnitt 237. Als ein Zeichen des Verfalles muß die Bemerkung der amtlichen Mitteilungen angesehen werden, daß mehr als 10 Prozent der die Ehe schließenden Juden sich mit Christen vermählten. Auch im allgemeinen bieten diese Mitteilungen ein für Ungarn wellig tröstliches Bild.' Die Sterblichkeit weist eine geradezu erschreckende Steigerung auf. Während e8 nämlich im ersten Quartal des Jahres 1981 nur 38.849 Sterbefälle gab, starben in dem korrespondierenden Vierteljahr 1982 bereits 61.664 Personen. Die Steigerung beträgt daher nicht weniger als 13.000. Besondere Beachtung verdient jedoch die große Zahl der an Schwindsucht Verstorbenen: 6778 gegen 6670 im Vorjahre. Pole«. Dar Kabinett Sttwinskt. Barschau, 27. Juni. (Poln. Tel.-Äg.) In der gestrigen Sitzung des Hanptausschusses verlas der SejmptästdenL ein Schreiben des Staütschefs PilsudSki, worin dieser von der Designierung des Vizepräsidenten von Warschau Artur Sli- 'w in Ski znm Ministerpräsidenten Mitteilung Macht. Bei der Abstimmung wurden 226 Stimm für-itnb 188 Stimmen gegen Sltwinski abgegeben. Gegen die Ernennung Ssiwinskis stimmten die rechtsstehe nd e n Parteien. Die Konstituierung des neuen Kabinetts wird voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages erfolgen. „Czas" meldet, daß Finanzminister Michalski voraussichtlich im neuen Kabinett.verbleiben werde, daß hingegen an Stelle Skirmunts der bisherige Gesandte in. Bukarest Alexander Skrzinski auserschen sei. Die Wahlordrrmrg. Warschau, 24. Juni. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) In der letzten Sejmsitzung wurde Wer den Wahlordnungsentwurf abgestimmt. Nur die ersten acht Artikel' des Wcchlentwurfes wurden angenommen, worauf beschlossen wurde, die Abstmrmung bis zur nächsten Sitzung zu verschieben. Bei der eBhandlung des Art. 9 beantragten die Sozialdemokraten die Äenderung des ganzen Wahlordnungssyftsnrs, wogegen die rechten Parteien austraten und dis Vertagung der Abstimmung beantragten. Polnisch-tschechische SanitLtskonvention. Warschau, 26. Juni. (Del. der „Wiener Morgenzeitung") Gestern wurde hier die polnisch-tschechische SanitätSkonvention unterzeichnet. Am 28. d. trifft hier ein Vertreter der lettischen Regierung zwecks Abschlusses einer ähnlichen Konvention zwischen Polen und Lettland ein. Ein Anslandskrevit fftt Polen. Warschau, 26. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Wie die „Gazeta Warszawska" meldet, seien den offiziellen Regittungskreisen in den letzten Tagen authentische Nachrichten zugekommen,' daß eine Gruppe amerikanischer Bankanstalten, die Polen eine Anleihe in der Höhe von 40 Millionen Dollars zugedacht hatte und dieser Tage nach Warschau eine Speialkommission entsenden sollte, die Entsendung dieser Delegation verzögert habe, um den Ausgang der Kabinettskrise' abzuwarten. Der jüdische Wiederaxfbau und der „Joint". * Warschau, 25. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Wie bereits gemeldet, wurde vom Vorsitzenden des jüdischen Wiederaufbaukomitees Dr. Klumel eine neuerliche Sitzung des Zentralkomitees für den Wiederaufbau einberufen, um die Erklärungen dys Jyint, wonach e» sich verpflichte, ohne Zustimmung de« WiederaufbaukomiteeS keine Schritte zu unternehmen, zur Kenntnis zu bringen. Nach einer längeren Bekatung, in die auch der Direktor des American Joint Distribution Committee -R o b i n s o n eingrifs, beschloß dar Komitee, s>aß har Zentralkomitee als das leitende Organ der Wiederauf* Untätigkeit ohne Zustimmung des genanntenKomitoeS keinerlei' MMWWWWPVWWMWWW^^^^ Wiener: MoLyenzeitung. Schritte tu der WiederaufbaüättgelöMheit untkrnehlnen dürfe. Da die Mitgtjsder -des Joint dis Beschlüsse des Zentralkomitees nicht zur Kenntnis nehmen wollten, ist ein neuerlicher Konflikt ausgetzrochen. Hierauf beschloß das Zentralkomitee sich in ein direktes Einvernehmen mit der New-Aotker Zentrvllitung der Joint-Exekutive zn setzen. Ms d«utsch--pol«Nchen Ve«rinbLrutlgrn «der Sberschlesie». Berttü, 87, Juni. Dsv Aeichsrat hat gestern fünf Gesetzentwürfe über weitere BerMtzsmnM mit Polen angenommen, die Erleichterungen des Gelbverkehrs, die Frage dev Weiiergeltttng von Gesetzen, die Rechtsübekleitung im Mrschlestschen ÄbsttAMuttgsgetziet, das berg- und hüttensiMische Eigentum im polnischen Teil Otzerschlesiens und die Gewährung von Sttüsfreihett für in Otzerschlesten begangene Straftaten betreffen. Ferner wurde das Mchsjugendwshlfahrtsgesetz nach den Beschlüssen des Reichstages angenommen. Wetter gelangte einstimmtg etne Erklärung zur Annahme, wonach der Retchsrat an dem grundsätzlichen Standpunkt festhält, daß das Reich zur Tragung sämt-* ltcher Mehrkosten, verpflichtet sei, die dm Ländern und Getneittdött aus dem Jugendwohlfahrtsgefetz entstehen. Schließlich wurde ein Nachtrag Mt Etat votiert, der die Teuernngszufchläge für die Beantten und die Kinder- Zulagen um 40 Prozent erhöht. Litauen. Die SpMcheysrchte vee Miirseitiiten. Kowno, 25. Juni. (Tel. der ,Mr. Morgenzeitung".) Im Ministerium für innere Angelegenheiten ' fand eine zwischenamtliche Beratung statt, an der sich Bertreter des Innenministeriums, Kriegsntinisteriums und des jüdischen Ministeriums beteiligten, zwecks Durchführung der seinerzeit vom Kabinett beschlossenen Verordnung, daß alle AmtsüMMgnngen der zivilen und militärischen Behörden in jenen Ortschaften, wo eine Minderheit von. 20 Prozent der BMkemng bestehen, in der Minberhettssprache veröffentlicht werden müssen. Während der Verhandlungen wurde auch die Frage der ungenauen statistischen Zahlen über die Stärke der Minderheiten in den einzelnen Ortschaften besprochen. Der Vertreter des jüdischen Ministeriums, Gchapira,^schlug vor, daß unabhängig davon schon jetzt an die strikte Durchführung des erwähnten Beschlusses in jenen 20 Kreisstädten, wo die Inden unzweifelhaft 20 Prozent der Bevölkerung auMachen, heranzutreten wäre. Die Vertreter des Innenministeriums und Kriegsmittisteriums stimmten ml Gründen der statistischen Ungenauigkeiten gegen den Antrag des Herrn Schaptra. Erst nach längerer Debatte ivurden folgende Beschlüsse gefaßt: a) die Kommission bestimmt, baß die Verordnung des Kabinetts inzwischen itt vier -Kreisstädten Kowno, Panewesz, Szawel und Äilkomir zur Durchführung gelauM: b) bezüglich der Durchführung dieses Befchwsfts in den Übrigen Städten Wäre bis zum Gnlangen entsprecheuder Erklärungen abzuwaren, - ' Um die Mivakitütsrechte. .Kowno, 36. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) In der letzten Sitzung der Cxeklttive des jüdischen Nationalrates erstattete Minister Solowejtschik einen ausführlichen Bericht über seine Konferenzen mit dem Staat sch es und Minifterpräfibtzttten in Angelegenheit der Verankerung der jüdischen Autonomie in der Verfassuugsmkunde. Nach einer längeren Debatte wurde der Bericht zur Kenntnis genomnwn und der Minister, wie auch die Mische Sejmsraktion bevollmächtigt, mit der Regierung weitere Verhandlungen zu silhren. Minister Solowejtschik stellt fest, daß Innerhalb der lithauischen Gesellschaft Tendenzen vorhanden sind, die diversen Meinungsverschiedenheiten im jüdischen Volke, in der Frage der jüdischen. Autonomie im Kampfe gegen die jüdische Autonomie auszunützen. Insbesondere benützt die litauische Gesellschaft den Umstand, daß die linken jüdischen 'Parte i e n das Gebäude der jüdischen Autonomie scharf bekämpfen. Nicht minder gefährlich sind die Aeußerungen der jüdischen Orthodoxie, die, wie Vertreter der Regierung nach authentischen Mitteilungen behaupten, das jüdische Ministerium nicht anerkennen wolle. AuS diesem Grunde legte der Minister folgende Resolution vor: „Die Exekutive deS Jüdischen Nationalrates stellt fest, daß der Kampf um dir jüdischnationalen Rechte, der von den Organen der jüdischen Autonomie geführt wird, ein KampfedeS gesamten jüdischen Volkes in Litauen ist,- welches durch dieses Organ repräsentiert wird." Diese Resolution Wurde's4nstimmig angenommen, Palästina. Rücktritt des stellvertretende« OberkommisiLrs? Der „Doar Hajom" meldet aus London, daß dev Rücktritt Sir Windham Deeds von feinem Posten in Palästina fast sicher ist. Cr werde sich um einen Sitz im englischen Untechaus bewerben, wo er wegen seiner großen Kentniffe des nahen Ostens wahrscheinlich eine außerordentliche Position einnehmen wird, . Die Aspirationen dev Kemalisten. Der Kairoer Korrespondent der „Morning Pofl* drahtet seiner Zeitung, daß: er in Palästina «in Schreiben Mustapha K e m a l S gesehen habe, in welche dieser zu einer Agitation gegen England rät bis zu dem Zeitpunkte, wo 'SS. Juni 1922 Seite 5 er an der Spitze eines türkischen Heeres nach PMstin koulinen wird. Die Zeitung „Near East" benterkt ftap, daß wie wohl die Araber auch viel unter den Türken gelitten haben» ej doch keinen ZiUerfel gebe, daß viele von ihnen nur den Türkei konspirieren und das; die Propaganda Mustapha KemalS viej auf die Araber in Mesopotamien, Syrien un) Paläst'na ein gewirkt hat. AunLschM. Das englische Oberhaus mb ba& PalMna-Mimdat. Eine Grkliirttttg See Zionistischett Exekutive L o n V o tt, 23. Juni. (Verspätet.) In der gestriger Sitzung des Oberhauses brachte der als Gegner des Ziv« uismus und des Judentums bekannte Lord Jsling. ton die bereits gemeldete Resolution bezüglich des Palm stiua-Müttdäts ein. Lord Jslington begründete seim Resolution mit der falschen Motivierung, daß das Manöw die der Bevölkerung von Palästina gemachten Zusagen ver» letze» Er stützte sich aus ungenaue Angaben und suchte zu beweisen, daß die jüdischen Einwanderer in Palästina Schwierigkeiten bereitet haben und daß ein großer Teil der jüdischen Vevölkerung in PMstino dem Zionismus mit Abneigung gegenüberstehe. In einer aussührttchen und geistvolle« Rede trat Balsvur den Ansführungett Jslingtons entgegen und wird u. a. daraus hin, daß die englische Verwaltung, die seit 1017 in Palästina fungiere, ln ihrem gegenwärtigen Zustande von den Miierten und assoziierten Mächte« anerkannt sei und daß der Wlkerbundrat England zur Uebernahme des Mandats aufgeforder^ hübe. Balfour hezeichnete die Annahme, daß die Juden die Araber unterdrücken loollen, als p y a n t a st i s ch. Er trat dafür ein, daß das jüdische Volk die Möglichkeit erhalte, unter engli-. schem Schutze seine Gaben in Palästina zu entwickeln. Die Exekutive der zionistischen Organisatisn veröffentlicht eine Erklärung, in welcher ste ihr Bedauern Über die Annahme des Antrages ausdrückt. Diese sei infolge dersystematischen Verbreitung von Unrichtigkeiten und vorurteilsvollen Behauptungen durch die Gegner der zionistischen Bewegung erfolgt, welche ihre Kräfte für die gestrige Sitzung des Oberhauses sichtlich organifiert hatten. Die Zionistische Exekutive spricht die Erwartung aus, daß das Unterhaus in der bevorstehenden Palästina-Debatte seine bereits früher zum Ausdruck gebrachten Sympathien für die zionistischen Bestrebungen in unzweideutiger Weise wiederholen werde. Schließlich weist sie ans die feierlichen Erklärungen der englische« Regierung bezüglich der Schaffung des jüdischen Nationalheims in Palästina hiü, welche bei verschiedenen Gelegeuheiten wiederholt worden seien und die Hoffnungen der Juden in der ganzen Wett erweckt sowie deren Dankbarkeit hervorge- Lüfen hätten. Die Zionistische Exekutive erwartet, daß die englische RegierüNg ihr Wort einlosen werde. Schauzer in Die Palästina-Frage. London, 27. Jüni. (Reuter.) Premierminister Lloyd George und Minister des Auswärtigen Schanzer hatten in Gegenwart des italienischen Botschafters eine längere Unterredung, die hauptsächlich Palästina betraf. Auch die Frage der Lage der italienischen Kolonisten in Aegypten wurde erörtert. Von London wird sich Minister Schanzer nach Paris begeben, wo er mit dem Ministerpräsidenten Poincare konferieren wird. Die Petroleum-Frage. Paris, 26. Jum. Der Londoner Korrespondent des ,M tin" erfährt an gut informierter Stelle, der italienische Mi« nister des Aeußern Schanzer sei nicht, wie englische Blätter erklärten, nach London gekommen, um die Grundlagen für ein englisch-italienisches Abkommen zu schaffen. Seine Regierung wünsche nur engere Beziehungen, insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiete herzüstellen. Die Unterredungen Schanzers mit Lloyd George, Balfour und dem Präsidenten desBoardofTrade dürsten vier Tage dauern, das politische Gebiet nur streifen und hauptsächlich wirtschaftlichen Fragen gewidmet sein. Der „Däily Telegraph" meint, daß auch die Petroleumfrage behandelt werden soll. Die englische Regierung sei hierzu bereit. Italien interessiere sich auch für die . galizischen Petroleumselder und suche auch von der Türkei Konzessionen in einigen Vilajets, besonders in Erzerum, zu erlangen. London, 27. Juni (Wolfs.) Die „Times" melden, daß zwischen dem italienischen Außenminister Schanzer und Lord Balfour eine vorläufige Unterredung stattgefunden habe. Die beiden Minister hatten eine Anzahl Fragen erörtert, die die britischen und italienischen Jntereffen benchren, jedoch Fragen von allgemein internationalem Charakter seien. Von dem Verlauf dieser Unterredung sei man sehr befriedigt und werde ihr wettere Aussprachen folgen lassen. Die Fragen, die zur Erörterung gelangen sollen, würden die Reparatiousfrage, die besten Mittel, zur Entwicklung der Handelsbeziehungen mit Rußland, die griechisch-türkische Frage, die Lage in Oesterreich und das Palästina-Mandat einschließen. Die „Daily Chrortzele" sagt in einem, „England - ..d Italien" überschriebenen Leitartikel, die Genueser Konferenz habe eine bemerkenswerte Gleichartig-keit der Politik und der Ansichten der britischen und der 'llalienischen Regierung sowohl bezüglich des russischen Problems als auch in anderer Hinsicht gezeigt. lUabonMg Ist, H 140 cm Cosercooi VI