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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-25 · Heft 1221 (25.6.1922) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1221 (25.6.1922)
Date
1922-06-25
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1221 raten, Sonntag t lcht mit dem beständigen Problem zerbrechen müssen, ob eS heute oder morgen ist ... . In dieser Weise wird Samoa allerdings etwas an seiner Originalität einbüßen. Mer diese malerischen Inseln sind an schönen und interessanten Naturerscheinungen reich genug, um auf diese Kalender-Eigentümlichkeit verzichten zu können. R. Gouzy. Für das notleidende jüdische Schnlwerk. Gartenfest im Ersten Kaffeehaus. Heute 3 Uhr nachmittags. Das am 18. d. infolge Regenwetters abgesagte Gartenfest des Jüdischen Schulvereins findet heute Sonntag den 25. d. um 3 Uhr nachmittags mit einem erweiterten künstleri-, schen und Juxprogramm im großen Garten, Kasinosaal und Veranda des Ersten Kaffeehauses statt. Restliche Karten im Sekretariat des Jüdischen Schulvereins, 2. Bez., Zirkusgasse 33, und an der G a r t e n k a s s e. ErhShrmg des BroLpreises. Ein Laib Brot 1360 Kronen. 'Von morgen an wird der Brotpreis um 70 K. beim Laib erhöht, so daß ein Laib Brot 1360 K. kosten wird. Die weißen Wecken (bisher 660 K.) werden nunmehr 600 K., ein Extrabrot 1260 K., ein Stück Kleingebäck 84 K. kosten. Lohnbewegungen. Mit Rücksicht auf die enorme Teuerung haben sich die Unternehmer zahlreicher Branchen zu ganz beträchtlichen Lohnerhöhungen an die «Arbeiter verstehen müssen, die natürlich auf das Publikum abgewälzt werden. Die Bäckergehilfen erzielten eine Erhöhung' von 58 Prozent und bekommen jetzt 64.000 bis 70.000 K. Wochenlohn. Im Zuckerbäckergewerbe wurde eine 71prozentige Aufbesserung mit Gültigkeit vom 19. d. erzielt. Den Maurergehilfen wurde eine 71prozentige Steigerung, rückwirkend vom 23. d., zugestanden. Es werden also in Zukunft bekommen: Die Maurer einen Stundenlohn von 1440 K., die Spezialmaurer 1580 K., ide Zimmerer 1510 K., die Gerüster 1350 K., die Hilfsarbeiter über 20 Jahre 1160 Krotten, die Hilfsarbeiter unter 20 Jahren 940 K. und die Hilfsarbeiterinnen 790 K. pro Stunde. - Die Zahnärzte erklärten sich bereit,' den Monatsgehalt der zahnärztlichen Assistenten von 93.000 auf 260.000 K., alle übrigen Gehilfenlöhne um 90 Prozent und die der Lehrlinge um 100 Prozent zu erhöhen. Nach dem Assistenten würde der erste Zahntechnikergehilfe nunmehr 140.000 K. monatlich als Lohn erhalten. Die neuen Löhne treten rückwirkend ab 1. d. in Kraft. Die Zahntechnikergehilfen nahmen diese Zugeständniffe der Zahnärzte an. Die Lohnverhandlungen mit den Zahntechnikermeistern, die noch zu keiner Einigung geführt haben, werden fortgesetzt. Die Z e n t r a l h e i m a r b e i t s k o m m i s s i o U für die Strickwarenerzeugung, hat für einfache Kommerzware, das sind Handschuhe, Strümpfe und alle sonstigen handgestrickten odergehäckelt'en, einfarbigen, glattmaschigen Artikel, ohne jede Verzierung, einen Mindeststundenlohn von 234 K-, für handgestrickte Modeartikel (Wollkleider, Jumper, Schals usw. von 270 K., für maschinengestrickte.Kommerzware von 324 K. und für maschinengestrickte Sport- und Modeartikel von 396 K. festgesetzt. Für die Fransenknüpferei beträgt der Mindeststtlndenlohn 234 K., für dgs Ausfcrtigen von Kommerzware 234 K. und von Sport- und Modeartikeln 270 K. In der Wäschcwareuerzeugung einschließlich der Weiß- und Buntstickerei sowie der Filet- und Spitzenerzeugung wurde der Mindeststundenlohn mit 300 K. festgesetzt. Diese Mindestlöhne gelten vom 26. d. bis auf weiteres. Das Lohnkomitee der Wiener Engros-Konfektionäre erklärte sich zu einem Lohnzugeständnis von 70 Prozent an die Stückmeister bereit. Eine morgen abends im Hcrnalser Brauhaus stattfindende Versammlung der Stückmeister wird darüber entscheiden, ob sie auf Grund dieses Lohnzugeständnisses gewillt ftnb, weiter zu arbeiten. Zweite hebrKische Aufführung der „Iabne". Die hebräische Sprache ringt um Herrschaft über das jüdische Volk. Erzeigt sich immer deutlicher, daß alle diejenigen, welche die Existenz unseres Volkes ernstlich bejahen, ebenso unbedingt seine Sprache bejahen müssen. Laue Zustimmung für hebräische Sprache „als unserer Nationalsprache", genügt jetzt nicht mehr. Wir müssen uns ernstlich mühen, sie zu erlernen und zu verbreiten. Der Hauptzweck der h e b r ä ischen Aufführungen der „Iabne" ist nicht die Propaganda für die Sprache, obwohl sie auch in dieser Hinsicht hoch genug anzuschlagen sind, sondern eine hebräische Bühne zu schaffen, welche die künstlerischen Bedürfnisse des Hebräers befriedigt. An diesem zweiten Abend wurde P e r e z H i r s ch b e i n 8 bieraktiges Drama „M i r j a m" gegeben. Es behandelt die Geschichte eines Provinzmädchens, das als Waise in die Großstadt kommt, von einem reichen Bürgerssohn verfichrt und später verlassen wird, worauf das Mädchen der Prostitution verfällt. Mirjam, das leichtgläubige, unvevderbte, lebenslustige Mädchen, und eine Reihe anderer Figuren sind lebenswahr geschildert. So vor allen: Debora, die Frau des Schusters, bei dem Mirjcmr wohnt, eine gütige, jedoch von den Qualen der Armut gebrochene Person, die in Mirjam, der Jungen und Lebensfrohen, ihr eigenes Jugendbild wiedersindet. Sie sieht die Gefahren, denen sich Mirjam durch ihr Verhältnis zu Silbermann aussetzt und warnt sie in zarter Weise. Sie bleibt ihr auch nach dem Fall zugetan. Hingegen ist ihr wortkarger Mann Stmon sehr sittenstreng und bringt daher für Mirjan: kein Verständnis auf. Jona, der Schwiegersohn der Schusterfamilie, ein gewesener Soldat, der die Großstadt kennt, in seinem Aeukeren roh, ist eine treue Seele. Seine vlmnpen Ber- _Mene? MorgenzErmg. suche Mirjan zu retten, mißlingen. Lea, die Tochter der Schustersleute, die zukünftige zweite Frau JonaS, wird mit einigen Strichen als gute, treue Kameradin Mirjams und später als gute, jüdische Frau gezeigt. Mosche, der Träger, ein Bettbewohner beim Simon, ein erzgütiger Mensch, treu seiner abwesenden Frau ergeben, geliebt und geachtet von seinen Wohnungsgeüern, huscht nur so vorbei. Silbermann, der Gegenspieler Mirjgms, ein Muttersöhnlein, versteht es, seinen Zweck zu erreichen. Nur wird man sich schwer darüber klar, ob er in Momenten seiner Liebe an seine Worte glaubt oder nicht. Die- Dirne Groua rast vor Verzweiflung über ihr Schicksal, mit dem sie sich offenbar noch nicht ganz abgesunden hat. Hingegen repräsentiert Natalka den Typus der Gefallenen, die bereits „ausgeglichen" ist: sie ersäuft ihr Leid im Alkohol. Wenn man in Betracht zieht, daß die Darsteller des Abends durchaus Dilettanten waren, muß mau insbesondere Frl. M e i s e l, Herrn B r i n d, Herrn Da v i d, Herrn S ch apira, Frl. Grünberg und Herrn Ben-Ar je volles Lob spenden. Frl. Rosenst ein als Debora repräsentierte richtig die lebenserfahrene und müde Frau, die sich ein warmes Herz für fremde Leiden gewahrt. Die kleine Lehr war überraschend gut. Vortrefflich fanden sich die Damen L e w i n und Stein in ihre Rollen als Grona und Natalka. Wir müssen jedoch hervorheben, daß die Gesamtleistung ohne die Umsicht des Regisseurs, Herrn Leo Halpern undenkbar wäre. Es zeigte sich, was eine kundige Hand auch aus Dilettanten zu machen versteht, wenn sich zur Kenntnis Liebe zur Sache gesellt. Dr. Ch. T. Reue Methoden gegen Epidermen. Die Erfindung Prof. Bezredkas vom Pariser Pastenr- Jnstitut. Im Kriege hat man in allen Armeen die obligatorische Impfung gegen Bauch-' und Flecktyphus, Dysenterie und Cholera ein geführt und mit ihr glänzende Resultate insofern erzielt, als durch' diese Impfungen der Prozentsatz der mit diesen Krankheiten behafteten Personen erheblich reduziert wurde. Gegenwärtig wird angesichts der Ausbreitung von Epidemien in Rußland, vor allem in den Hungergebieten, die Frage der Epidemiebekämpfung wiederum akut. In den „Postednije Nowofti" beurteilt A. Nostowskij die'Möglichkeiten und Mittel einer Epidemie- Hilfe iu Rußland, in einem Lande, das insbesondere an den notwendigen Heilmjtteln und ärztlichen Instrumenten furchtbaren Mangel leidet. Die Immunisierung von Personen durch Serum- Injektionen hat sich insoferne nicht bewährt, als die Injektionen innerhalb einer Woche wiederholt werden müssen und vollkommene Sterilisation der Instrumente erfordern. Ueberdies haben die Injektionen vielfach Temperaturerhöhung, Anschwellungen und Erkrankungen zur Folge. Unter solchen Umständen ist die Art Verabreichung der Gegenmittel' auf dem Verdauungswege, also durch den Mund, die von Prof. M. Bez,redka am Pasteur- Institut in Paris zum ersten Male angewandt wurde und in letzter Zeit in Frankreich überaus verbreitet wurde, vorzuziehen. Die Arbeiten Prof. Vezredkas beruhten auf der Wahrnehmung, daß sich bei Bauchtyphnserkrankungen und Dysenterie eine ungeheuere Anzahl von Mikroben in der Darmgegend zeigte. Wenn man zum Beispiel einem Lebewesen in irgend einer Extremität lebende Bazillen eiuimpft, so kann inan bereits nach einigen Stunden diese Mikroben in der Darmgegend konstatieren, während sie an anderen Teilen des Körpers und selbst in den Blutgefäßen noch unkonstatierbar sind. Die erstell Versuche der Fütterung von Kaninchen, die zu Experimentierzwecken verwendet wurden, mit abgetöteten Mikroben zeitigten nicht die erwünschten Resultate der Immunisierung. Augenscheinlich passierten die als „Gegengift" verwendeten Mikroben den Darm, ohne dessen Wand zu tangieren. Erst als Prof. Bezredka gleichzeitig mit dem Gegengift Galle einsührte, wurden die Darmwände infolge der Reizung durch die Galle für die Ggenmittel empfänglich. Die derart immunisierten Kaninchen vermochten eine fünffach tödliche Dosis lebender Mikroben ohne Schaden für ihre Gesundheit zu vertragen. Es erübrigte nur noch, die neue Kampfesmethode bei Menschen zu erproben, was jedoch durch das Gesetz untersagt war. Vor kurzem wurde in den Annalen des Pasteur- Institutes eine überaus interessante Arbeit des Sanitätsinspektors des Departements Pas de Calais, Dr. V a illant„ veröffentlicht, die äußerst lehrreiche Angaben über die Immunisierung von Menschen uüttelst der Methode von Prof. Bezredka enthält. Im Herbst 1921 traten infolge der Dürre in vielen französischen Dörfern Bauchtyphuscpidemien auf. Da die Bevölkerung gegen die Injektionen eingenommen war und viele der zu Immunisierenden zur zweiten Injektion nicht mehr beim Arzt erschienen, beschloß Dr. Vaillant, die Methode Prof. Bezredkas zur Anwendung zu bringen. Er immunisierte in dieser Weise in sechs Dörfern 1236 unter 2000 Ortsbewohnern. Die Präparate wurden in Pastillenform an drei Tagen hintereinander eingenommen, gleichzeitig mit ihnen Grllenpillen. Erkrankungen infolge dieser Behandlung wurden nicht wahrgenommen In einem Dorfe wurde konstatiert, daß sich unter 396 Personen 15 über leichte Anfälle, 5 über eine kleine Magenverstimnmng und 24 über Migräne beklagten. Die Leute konnten ihrer gewohnten Beschäftigung nachgehen und brauchten ihre übliche Kost nicht zu ändern. Die Resultate waren ausgezeichnet. Während von 650 nicht immunisierten Personen 60 an Typhus erkrankten und zum großen Teile starben und unter'173 mittelst Injektion inunnnisiertcn Personen vier Mkrankuugsfälle verzeichnet wurden, konnte man unter 1236 nach der Methode Prof. Bezredkas immunisierten Personen am zehnten Tage nach der Einführung der Gegenmittel lediglich zwei -Er- 25. Juni 1922 Seit- 9 krankungsfälle feststellen. Auf wie lange die Behandlung nach der letzgenannten Methode wirkt, läßt sich allerdings noch nicht mit Sicherheit konstatieren, doch darf man an» nehmen, daß sie für Jahresfrist von Wirkung ist. In analoger Weise wurden im Laboratorium Prof. Bezredkas von seinem Schüler Masakr Versuche der Immunisierung von Kaninchen gegen Cholera unter, nommen. Vor kurzem führten die Doktoren Nikolu und Conseil Immunisierungen gegen Dysenterie in Tunis mit Erfolg durch'. Wie uns von medizinischen Fachleuten mitgeteil! wird, handelt es sich um ein seriöses Heilverfahren, das auch in der Tschecho-Slowakei, insbesondere gegen Typhus und Dysenterie mit Erfolg angewendet werden könnte, vor allen: in Karpathorußland, in der Slowakei und in Mähren. ' Dig. Sherlotk Holmes «nd die Medrziu. Die spannenden Sherlock Holmes-Romane von Conan Dohle gehören auch heute noch zu den meistgelesenstett Büchern; man darf diese Detektivgeschichten ruhig zu den sittlich einwandfreien Büchern zählen, denen sogar ein gewisser volkserzieherischer Wert zugesprochen werden kann, was sonst Pcht von allen Kriminal- und Detektivgeschichten behauptet werden kann. Bei den großen Auflagen der deutschen Ausgaben der Conan Dohle-Bücher und bei der Unzahl ihrer Leser ist die Frage wiederholt aufgetaucht, ob. der Held dieser Romane, der unvergleichliche Detektiv Sherlock Holmes, gelebt hat oder nicht; ein englisches Blat hat nun diese Frage folgendermaßen beantwortet: Sherlock Holmes hat nicht existiert und ist lediglich ein Deckname,für den Universitätsprofessor Dr.' Bell, der in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre an der medizinischen Fakultät zu Edinburgh eine Lehrkanzel bekleidet hat; er war nicht nur ein ausgezeichneter und sehr gesuchter Arzt, sondern auch ein unendlich scharfsinniger — Sonderling, von dem heute noch unzählige Anekdoten erzählt werden. Dieser schrullenhafte Gelehrte hatte sich im Laufe der Jahre zur Gewohnheit gemacht, aus den kleinsten Anzeichen weitgehende Schlüsse zu ziehen, in welcher Beobachtung er es schließlich zu einer Virtuosität brachte, die oft alle Welt verblüft hat; ja, es kam sehr häufig vor, daß er Patienten, die er nie vorher gesehen, aus geringfügigen Anzeichen ihres Aeußeren das Alter, ihren Stand, die Leiden, ihre Privatverhältnisse usw. auf den Kopf zusagte. Eine der meistbekanntesten und wahren Anekdoten ist folgende: Eines Tages' erschien bei ihm ein schlichter- Mann, den er rait den Worten begrüßte: „Guten Tag, lieber Freund, nun, wie steht es mit Ihrer Kranken?" „Meiner armen Frau geht es sehr schlecht,. Herr Professor, aber verzeihen Sie, woher wissen Sie, daß ich eine kranke Frau habe? Sie kennen mich doch gar nicht." „Ach, das habe ich , auch, nur vermutet, denn aus der Tasche ihrer Weste schaut eine Besuchskarte für die weibliche Abteilung des städtischen Krankenhauses heraus. Daß Sie verheiratet sind,'sagt mir ihr Trauring, und daß gerade die Frau die kranke Person ist, glaube ich deshalb, weil Sie heute Ihr Bett selbst gemacht haben dürften, wie ich aus den Federfläumchen auf Ihrem Anzüge sehe. Bevor Sie aber Ihre Frau ins Krankenhaus geschafft haben, sind Sie zuerst zun: Kurpfuscher gelaufen, anstatt gleich zu einem Arzt zu gehen..." „Aber Herr Professor..." „Leugnen Sie nicht, Sie waren beim alten Schäfer Corle in der Leydener Heide; der gelbe Lehm an Ihren Schuhen verrät es mir und den hätte Ihre Frau sicher entfernt, wenn sie nicht im Krankenhaus läge. Ich mache ja Ihnen schließlich keinen Vorwurf darausj daß Sie bei dem alten Kurpfuscher waren, denn als Schuhmacher verdienen Sie wohl nicht genug, um in einem Krankheitsfall einen ordentlichen Arzt holen zu können, aber es gibt auch Aerzte, die um Gottes Lohn arbeiten, und vernünftige Menschen sollen mit der Gesundheit kein frevles Spiel treiben!" „Ja, sagen Sie, verehrter Herr Professor, woher wissen Sie..." „Daß Sie Schuhmacher sind? Nun, das sieht doch jedes Kind; der breite spröde Daumen der rechten Hand verrät, daß Sie in Ihrem Leben schon ziemlich viel Pechdraht gezogen haben und an Ihrer Hpse sieht man an den abgewetzten Stellen genau, wo täglich der Knieriemen sitzt. Auch sind Sie mit Ihrem Geld zu Ende, sonst würden Sie Ihre Uhr nicht versetzt haben, denn Ihre Uhrkctte ist ohne Uhr an die Tasche Ihrer Weste gesteckt; das macht aber nichts,'lieber Freund, und wenn ich Ihrer Frau noch helfen kann, tue ich es gerne, auch wenn Sie kein Geld haben, nur zu dem alten Kurpfuscher, dem Schäfer Corle sollen Sie niemals mehr gehen, wenn eines von Ihnen einmal krank wird."- Conan Doyle, der die Figur des Meisterdetektivs Sherlock Holmes geschaffen, war seinerzeit Hörer des Professors Bell, widmete sich aber später ganz der Schrifistellere: und gab seiner Begeisterung für die scharfsinnigen Eigenschaften seines ehemaligen Lehrmeisters beredten Ausdruck, indem er ihn als Helden seiner Romane Wiedererstehen ließ. Der Soda-König. An der Bahre des im 85. Lebensjahre in Brüssel . hingegangenen Industriellen Ernest Solvay darf sich die immer noch zerrissene Menschheit einer Gelegenheit freuen, vereinigt eines ihrer Wohltäter, eines „self made n:an", wie er sein soll, dankbar zu gedenken. Zu den größten Jndustriekönigen gehörend, die das 19. Jahrhundert hervorgebracht hat, überragte Solvay menschlich. doch die meisten von ihnen. Weniger deshalb, weil er durch eigenste,, nicht nur geschäftliche, sondern auch wissenschaftliche Arbeit aufgestiegen war; ihm genügte es auch nicht, die Früchte seines Schaffens ohne viel Nachdenken .r'inätÄ.

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