Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1220 (24.6.1922)
- Date
- 1922-06-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Paris, 22. Juni. (Havas.) Die B o t sch a f t e r k o n f erenz trat heute vormittags zu! einer Sitzung zusammen und stellte den Entwurf einer an die deutsche Regierung zu richtendey 'N o t e fest, worin, g?,ien die Rede deS Reichstagspräsidenten Löebe protestiert wird, die dieser, zugunsten eines Änschlusses Oesterreichs an Deutschland gehalten höL Der französische Kredit. Paris, 23. Juni. (Havas.) Das Amtsblatt veröffentlicht dqs Gesetz bet^fsend den Vorschuß von 55 Millionen Francs qm Oesterreich. Ungar». Maßregelung des Staatssekretärs 'Aus Budapest wird uns berichtet: Einer der gefährlichsten antisemitischen Hetzer, in dem der sogenannte'christliche Kurs mit dem weißen Terror eine bedeutende Stütze hätte, ist der politische Staatssekretär im Kultus- und Unterrichtsministerium Dr. Julius P e k a r./Er verstand es, von. den ersten Tagen des christlichen Kurses angefangen, sich förmlich zum Diktator der ungarischen Kultur und der konfessionellen Angelegenheiten aufzuschwingen. In dieser seiner Eigenschaft arbeitete er mit unheimlicher Konsequenz daran, dtzm Geiste der Verhetzung und der antisemitischen Politik Geltung zu verschaffen, wobei er auch, auf die dem Staate unterstellten Theater einwirkte^ daß sie womöglich die jüdischen Künstler entfernen oder durch schlechte Behandlung hftrausekeln. Gleichzeitig zwang er sie, feilte eigenen Theaterstücke'— denn Dr. Pekar ist auch Schriftsteller — zu bevorzugen. Nun hat der neue Kultusminister. Gi^af Kuno Klebe ls b e r g diesem famosen Staatssekretär feines Ministeriums den Ahschied gegeben. An seine Stelle wurde der Ab-- geordnete Dr. Paul Petri zum politischen Staatssekretär |m Ministerium für Kultus und Unterricht ernannt. Die, Mische Kreditkaffe:. . Warschau, 18l. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Ae jüngst gegründete Jü d i s ch e w i e d it la s s e hat im ersten Monat ihres Bestehens einen Umsatz von einer Mi fl rar de 60 VMillion en polnische Marl gemacht. Die Käste besitzt ein Gründungskapitäl von zirka 70 Mllionen Polnische Mark und zählt 501 Mitglieder. : Der deZrtsche Handelsboybott. Paris, 23. Juni. (Tel.-Komp.) Die Botschafterkonferenz Mt gestern der polnischen Gesandtschaft eine offizielle Nöte alS Antwort auf - die polnische Beschwerde wegen des Bo yk o t ts d u r ch D eit t sch land überreicht. Die Boffchasterkyyserenz teilt mit,sie habe die deutsche Regierung in Kenntnis gesetzt, daß'sie ihre Maßregeln über den Boykott des polnischen Handels sofort aufheben möge. i Machnos Aysliefernng abgelehnt. Warschau, K. Juni. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) ^)er'Vertreter 1>'et Sowjet--Ukraine überreichte dem polnischen Außenministerium eine Note, in der die Auslieferung des bekannten ukrainischen B^ndenführers Wachno verlangt wird. In seiner Antwortnote stellt das polnische Außenministerium fest, daßeine Auslieferung i nd i s f u t ab e l sei, da zwischen Polen und der Sowjet-Ukraine keine Abmachungen bezüglich eines Auslisferuygsversährens von -Beicbrechern bestehen. (Machuo stt ein berüchtigter Pogromisü) Palästina. Neise Iabytinskys nachPalästina -V W. Juni. (AL B.) ««dimir Jobotinsry ist von', seiner Keren Hajessod-TourO.e'durch, die Vereinigten Stääsey hiecher zurü tgekohrt. Er wird sich jedoch bloß einige Tage in Londoff ausjllten, um sich Upverzüglich nach Palä- Üt na,'einzuschiffen, - ' Sunyatsen gefangen. Peking, ZI.Jum. (Havaß.) Chinestsche Truppen ha- He iden ftüheren Präsidenten Sunyatsen in -ihre Ge- Wt bekommen, -7-. Ärnyatsen ist der Führer des repuhlMnischen WdenS. . hoch' kMWBFi mmm muumi Wiener -Myvgenzerfstrrg. -' ' ' £4. 3intt 1 Seite 9 Raufereien zwischen deutschen und tschechischen Abgeordneten. — Die Parlaments^ wache mutz eirrschreiten. Präg, 23. Juni. (Priv.) Während der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam. es zu großen Skandalszenen. Nach mehr -als vierstündiger Pause wurde die Sitzung um dreiviertel 8 Uhr bei vollbesetztem Hanse wieder eröffnet. Eine ungewöhnlich große Zahl von Abgeordneten war erschienen, die sich um die Ministerbank gruppierteil, auf der die meisten Minister, mit Ausnahme des Ministerpräsidenten Dr. Benesch,' der sich im Saüle anfhielt, Platz nahmen. Die deutschen Abgeordneten, die sonst den auf sie fallenden Teil des Raumes vor der Ministerbank einzunehmen pflegen, standen, in zweite Linie gedrängt, in einer Ecke. Abgeordneter Jung war seit der Unterbrechung der Sitzung noch immer aüf der Rednertribüne. Präsident Tomasek forderte ihnauf, diese zu verlassen, da er ihn: das Wort entzogen habe., Abgeordneter Jung erwiderte, daß er für den Präsidenten' alle Hochachtung habe, er stehe aber hier, um eine Pflicht zu erfüllen und werde nicht weichen. Hierauf erklärte Präsident Tomasek, daß er die Sitzung unterbreche,, damit der Redner entfernt werden könne.' Dem großen Beifall ' auf tschechischer Seite, d^r diese Worte begleitete, folgte Unruhe bei den Deutschen, von denen sich einige,'darunter Lodgman, Watzel, Pittinger Kallina, Schollich und Josef Mayer über die inzwischen geräumte Ministerbank hinweg zur Rednertribüne schwangen und Jung umgaben. Die Tschechen waren inzwischen gefolgt und es entstand auf'der Präsidententribüne ein wüstes Handgemenge, bei dem die Deutschen zuerst die Oberhand behielten, dann aber, als, immer nrehr tschechisches Abgeordnete auf die Tribüne stürzten, verdrängt wurden. Lodgman wurde hiebei buchstäblich über den Rednertisch und den Stenographentisch vor die M i n i st e r b a n k geworfen, worauf er sich mühsam erhob und fortgeführt wurde. Inzwischen Kar die 4 5 M a n n st a r k e Par l a- Rundschau. Das englische Oberhaus nnh das Palästina-Mandat. Von der Zionistischen Exekutive in London wird uns gedrahtet: Das Haus der Lords nahm am 21. d. mit 60 gegen 2ß Stimmen eine Resolution an, welche die Verschiebung der Annahme des Völkerbundmandates vorschlägt, bis die Artikel . betreffend die jüdisch e H e i' m st ä t t e modifiziert werden.. B a l s o u r veptrat Kcuneuß, der. Regierung. in sehr energlscher Weise die britische Mändqtspolitik. 'Die Exeklüive /der zioüistischen Organisation stellt in einer Erklärung fest, daß. di ^Opposition der Lords auf irreführender Information beruhe und die.Zusicherung übersieht, welche die britische Regierung im November 1917 Lem jüdischen Volke gemacht'hat. Die Exekutive vertraut darauf, daß Großbritannien sein Versprechen einhalten wird. Hierzu wird uns weiter aus London,mitgeteilt: Der Beschluß des englischer: Oberhauses, ist zum guten Teile aüf die skrupellose . antizionistische Propaganda zurückzuführen, die keine Unwahrheit und Verdrehung scheut, um den reaktionären Kreisen in der englischen Politik die Gefahren auszumalen, welche die prozionistische Palästina-Poliük Englands heraufbeschwören könnte. Die Resolution des Oberhauses ist bedauerlich, weil sie geeignet erscheinen wird, die arabische Agita'tiorr aufzumuntern, welche ohne alle Bedenken arbeitet, und deren Methoden, wie das Auftreten Monsignore Barlassin o s beweist, auch auf kirchlicher Seite Nachahmung finden. Die Resolutionsannahme zeugt von keiner richtigen Beurteilung der Sachlage durch das Oberhaus, welches. bei seiner Abstimmung nicht daran gedacht zu haben scheint, daß seine Haltung geeignet sein könnte, in Palästina recht unerwünschte Wirkungen'zu zeitigen und der englischen Verwaltung neue Verlegeüheiten zu bereiten. Laut Informationen aus den Kreisen der englischeU Regierung ist das Ministerium enischlossen, von seiner bisherigen Politik niä)t ab zu weichen.. Die Röte des Vatikans. London, 20. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) „Morning Post" teilt den Wortlaut der Note mit, die Kardinal-Staatssekretär G a s p a r r i wegen des Schutzes der christlichen Minderheiten in Palästina an den Völkerbund gerichtet hat. Es wird darin mitgeieilt, daß der Vatikan n i ch tsgegendieErteilungbürgerl ich er R e ch t e. a n. I u d e n. in Palästina einzuwenden habe; seine Verwahrung richte sich vielmehr gegen eine Bevor-, zitgung der Juden, gegen? mangelhaften Schütz der christlichen Rechte und gegen den Inhalt des § 14 des britischen Palästina-Mandats. In der'Note wird .schließlich erklärt, daß der Vaükan diesen Paragraphen, der die Bildung der Kontrollkommiffion für die Heiligen Stätten.vorsieht, in seiner gegenwärtigen Form für unannehmbar halte; der Heilige Stuhl empfehle^ daher, die Mitglieder der Kommission aus dex. Mtte der palästtnensischen Konsulate jener Regierungen zu wählen, die im Völkerbundsrat vertreten sind. : mentsw a ch e erschrenen und die Rauferei breitete sich zusehends aus. Jung und se:::-i Leute waren von der Präsidententribüne Wohl schon verdrängt, aber die Parlamentswache ging nun gegen die deutschen Abgeordneten im Parterre, darunter auch die deutschen Sozialdemokraten, vor, die sich bisher zurückgehalten, hatter:. D ä s w ü st e Geschrei und das D r e i n s ch l äge n b a u e r t e e i n ig e M i n u t e n. Man sah den Abgeordneten Svehla mitten im Knäuel von Abgeordneten und der Parlamentswäche und erkannte auch, daß er'sich Mühe, gah, die Parlamentswache zurückzuhalten, in der Meinung, daß sie ihre Aufgabe bereits beendet habe. Endlich gelaUg es ihm, sich Gehör zu verschaffen und er sagte: Wir können selbst miteinander Ordnung machen,' wenn wir wollen. Die Parlamentswache . beschränkte sich sodann darauf, die beiden Lager getrennt zu halten und es trat endlich Ruhe ein. . , Die Szene hatte geyan eine Viertelstunde gedauert. Die Gruppen zerstreuten sich sodann und man sah die Abgeordneten, sich den Schweiß von der Stirne wischend, ihre Plätze aufzusuchen . Prag, 22. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Um halb 10 Nhhr abends wurde die Sitzung wieder eröffnet. Die deuffchen Abgeordneten sind im Saale nicht anwesend. Später erschienen die deuffchen Sozialdemökrgten, die gegen die Berufung der Polizei, in den Sitzungssaal protestierten. - ' , Die Vorlage betreffend die Verstaatlichung der Aussig- Teplitzer-Bahn wurde spät nachts mit den Stimmen d"- tschechischen'Mehrheitsparteien angerwmmen. * Der Anlaß zu dieser stürmischen Szene ist die-von der Negierung eingebrachte Vorlage über die Verstaatlichung der Aussig-Teplitzer Eisenbahn, die von? den deutschen Abgeordneten obstruiert wird. Die Iudenfrage vor der Völkerbundliga. Prag, 20. Juni. (I. C. B.) Wie wir nachträglich er» fahren, hat die polnische B ö l k e r b u n d g e s e l lff ch a f f dem Kongreß , der Völkerbundligen ein M e m o r a n b u r> überreicht, in dem sie unter anderem auch.die jüdische Frage in Polen als gelöst betrachtet und als Zeichen dafüranführt, daß am Kongresse als polnischer Delegierter ein Jude, Dr. Poll a k, der Präsident des Exekutivkomitees der, polnischen Völkerbnndliga, teil- . nimmt. Ferner erfährt das J. E'./B., daß iw ber Debattl über den Schütz der nattonalen Minderheiten,' her r u m ä n i s ch e Delegierte Antoniade folgende - Erklärung abgab: „Die Minderheitsfragen sind sehr delikat und schwer zu lösen. Die Judenfrage ist in Rumänien auf dem Wege zur Lösung. Die Juden die sich loyal benommen und am Weltkriege teilgenommen haben, wurden naturalisiert. Die rumänische Konstitution ist ganz liberal. Di<^ jüdische Nationalität hat ihre Repräsentanten im P a rlament. Die Liga für den Völkerbund hat in dieser Angelegenheit bei der rumänischen Regierung um-Aufklärung ersucht und hat die von Rumänien überreichte Antwort als befxiedigend befunden. Auch die Schulfrage wurde auf eine gerechte Art gelöst. Es gibt zwar Streitigkeiten in jenen Gebieten, wo sich die Minoritäten befinden, die Regierung tue jedoch ihre Pflicht, um sie zu beseittgen. Die Frage, ob die jüdffchen Forderungen in den ge» mnnten Ländern erMt sind, kann ohne Befragung.der jüdischen Vertreter nicht beantwortet werden. , Eine einfache Anfrage bei den jüdischen Deputierten Polens' kann die Bölkerbundligen darüber belehren, daß von, einer, bisherigen Lösung der Judenfrage in Polen keinerlei Rede fein kann. Auch in Rumänien ist. die Frage der jüdischen Bürgerrechte und der Schule noch yicht in beftiedigender Weise gelöst.. Die Behandlung der Judenfrage vor dem Forum der Völkerbundligen läßt die'Schafstrng einer.jüdischen Völkerbund liga, die in diesem'Blatte wiederholt angeregt wurde, besonders aktuell erscheinen. Schanzer t« London. Die Orientmandate. Rom, 22. Juni. „Jdea Nazionale" schreibt im Leitartikel, Aufgabe Schanzers m London werde es!sein, entweder die Aufhebung aller Orientmandate-und die'Politik der offenen Türe oder die Teilnahme Italiens an den Mandaten, eventuell unter einer t e r r i t o r in len B eschränkung der Mandate, zu fordern. Die Sowjetregiervvg reklamiert die zaristische« Depots. London, 23. Juni. (Tel.-Komp.) Nach Informationen , der „Times" hat die Sowjetregierüng die russische Delegation int Haag beauftragt, die .Rückgabe der Summen zu'reklamieren, die d u r ch die Zaren re giernng im Auslände beponlert wurden. Diese Summen betragen 300 . Millionen Rubel in engl. Stoffe, Herren- und Damen? wische, Leinen-und Strickwaren, alles erstklassig und billiget bei II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 - .-kn, detail mimiiiiiTii 1; - 4