Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1219 (23.6.1922)
- Date
- 1922-06-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1219 Wien','Freitag machen, da sie von H a m st e r e r n überlaufen werden, die an Ort und, Stelle jeden geforderten Preis bezahlen, den sie von ihren Stammkundschaften, Dclrkateffenhandlmlgen, Marmeladefabriken, Restanrationsbetrieben, Privaten usw. mit reichlichem Gewinn wieder hereinbringen. Die Zufuhren der einheimischen Produzenten sind infolgedessen sehr gering und können nicht preisregülierend wirken. Die Gendarmerie auf dem flachen Laude, die den Hamsterei großes Augenmerk zuwendet, ist diesen gegenüber ohnmächtig, da sich die Hamsterer mit ordnungsgemäß ausgestellten Legitimation en ausweisen, die ihnm im Sinne des § 10 des Preistreibereigesetzes vom 24. März 1917 von magistratischen Bezirksämtern und Bezirkshauptmannschaften seinerzeit ausgestellt wurden, als Not an Lebensmitteln war. Diese Hamsterer rekrutieren sich zum großen Teil aus Angehörigen von' Eisenbahnern, die Fahrpreisbegünstigungcn genießen, und aus Leuten, die früher den verschiedensten Gewerben und Berufen angehörten, und st": bei dem viel lohnenderen Geschäft des Lebensmittelwuchers bleiben. Diese Hamsterer beschränken sich nicht nur darauf, ihre Ware im, Rucksack hereinzubringen, sondern haben sich in vielen Fällen bereits großzügig mit Fuhrwerken, Gehilfen usw. ansgestattet und machen es dem legitimen Handel zuweilen ganz unmöglich,- Ware zu bekommen linb in Konkurrenz zu treten. Nach Schätzungen von fachmännischer Seite entsallen 60 Prozent der gegenwärtigen Gemüse-, Obst-, Eier- und Butterhändler auf diese Art von neuen Geschäftsleuten. Es muß im Interesse der breiten Schichten der konsumierenden Bevölkerung dringend gefordert werden, daß hier radikal Wandel geschaffen werde.; * Perfsnalnachrichr. Der Präsident des Norddensichen Lloyd, Kerr Philipp K e i n e k e n, ist von der technischen Kochschule in Danzig zum Ehrendoktor promoviert worden. Das Diplom hierüber wurde ihm vor einigen Tagen gelegentlich des Stapellaufes des größten deulschen Kandelsschiffes „Eolumbus" überreicht. * Verrnöhlrmg. Fräulein mag. pharm. Marie Wenedikter, Tochter des Seklionschefs ,m Bundesminislerium für Inneres. Richard Wenedikter, hat sich mit Kerrn Dr. med. univ. Franz Schaffer vermählt. * Frau Halpern-Ginsburg gestorben. Aus Berlin wird uns berichtet, daß vor einigen Tagen Frau A. Halpern- G ins bürg gestorben ist. Die Verstorbene war die erste jüdische Advokat in in Rußland. Sie beendigte ihre Rechtsstudien in Frankreich und ließ sich sodann in Rußland nieder, wo sie sich wissenschaftlich auf dem Gebiete des Strafrechtes betätigte. Trotz mehrjähriger Bemühungen wurde ihr nicht gestattet, ihren Advokatenberuf auszuüben. Sie veröffentlichte eine Reihe sehr wertvoller wissenschaftlicher Arbeiten. Zu den .bedeutendsten gehören: Der Weltkrieg und das internationale Recht und die Garantien für einen dauerhaften Weltfrieden. Frau Halpern-Ginsburg nahm auch einen regen Anteil am jüdischen gesellschaftlichen Leben in Petersburg und Kiew. * Vor einem Telephonstreik? Das Streikkomitee der Teled ‘ Phon-' und Telegraphenangestellten wird , heute entscheidende Beschlüsse fasten. Falls das Finanzministerium in der Frage der Nebengebühren seinen ablehnenden Standpunkt aufrechterhält, erscheint der Streik unvermeidlich. Die Vorbereitungen .für den Streik sind bereits getroffen. Am Streik wären rund 10.000 Telephon- und Telegraphenangestellte beteiligt. In einem Aufruf betont die Organisation, daß sie alle ihr zu 'Gebote stehenden Mittel erschöpft habe, um ihre Forderungen auf gesetzlichem Wege durchzubringen. „Wir sind," heißt es in dem Aufruf weiter, „durch die ablehnende Haltung des Finanzministeriums sowie -des Verkehrsministerinms gezwungen, das letzte Mittel, den Streik, zu ergreifen. Obwohl wir uns vollständig bewußt sind, dadurch die öffentlichen und Privaten Interessen anis schwerste zu treffen, hoffen wir von allen Kreisen der Bevölkerung volles Verständnis für unseren wirtschaftlichen Kampf. Wir werden uns bemühen, den Rettungsstationen, Spitälern, Feuerwehren sowie Sicherheitsanstalten, soweit es technisch durchführbar ist, die notwendigen Verbindungen zu ermöglichen. Sollte eiu Anruf dieser Stationen von privaten Nummern aus unmöglich sein,-so machen wir die Oeffentlichkeit austnerksam, daß die Rettungsgesellschaft durch sämtliche Feuermeldestationen, Polrzeiorgcme und Polizeiwachstuben erreicht werden kann und daß Feuerwehr, Polizei und Rettungsgesellschaft durch eigene Leitungen untereinander verbunden sind." * Abänderung des Spielabgabegeseßes. Die „Wiener Zeitung" veröffentlichte eine Verordnung de? Bundesmiulsteriums für soziale Verwaltung betreffend die Abänderung des Spielabgabcgesetzes. Die Lokale sind in vier Stufen eingekeilt, in denen 20, 40, 60 und 200 Kronen an Spielabgabe cingchobcn werden. In die erste Stufe gehören Lokale des Gast- und Schankgewerbes in Wien mit weniger als zehn im Betrieb beschäftigten Personen sowie Klubs 'md Vereine, die ausschließlich aus Festbesoldeten bestehen; in die zweite Lokale des Gast- und Schankgewcrbes in Wien mit wenigstens zwölf und höchstens zwanzig, in allen übrigen Gemeinden mit wenigstens zehn und höchstens zwanzig im Betrieb beschäftigten Personen; in die, dritte alle anderen Lokale des Gast- und Schankgewerbcs; in die vierte alle nicht in die erste Stufe gehörenden Klub- und Vereinsräumlichkeiten sowie sonstige entgeltlich für Spielztoecke überlassene Lokalitäten. * Vvm Nolhschild-Spttal. Wie wir erfahren, finden seit gestern wieder Aufnahmen von Patienten im Spital der Israelitischen Kulusaemeinde flott. Die Aufnahmen waren 'wegen verschiedener U '. stände seit zirka zwei Wochen sistiert. * Die Verhandlungen mit den EreahenSahnern. Gestern vormittags fand im Eisenbahnerheim eine Vollvniam nlung der Ltroßenbahnvexlrauensmänner flott. Sie sprach sich mit 163 gegen 10 Stimmen f ü r d i e Annahme des neuen Vertrages aus. * Darrr Jud! Eine arge Blamage haben sich die Denlschnoiionalen wieder einmal im Prager Parlament zugezooen. Dort ipielen sie sich aus durchsichtigen Gründen als leidenschaftliche Verfechter der Minoritäisrech>e auf, die jede moralische oder phyfifche Unterdrücküna dar Windorketten in Karnlscv brinat. Mutter' MöMüMÜW?"'" Nun hat jiincst ein. Konnaiioual^r dieser , vom heiligsten i'wror Teiüonu-.i's Entflammten eine Aerißenma gemacht, die ihnen nicht in den Kram paßte unist ihre Kritik heraussorderte. .Diese Kritik ballte sich in. ememWorte zusammen: „Sie I u d 1" Lächwd hMen'cöirnffiMchischen Unterdrücker" diese Äußerung germanischer Begeisterung für die Rechte der' Mind'rMen. Ähre Keilerkeit war umso tzrklärlicher, da der oliv Arostrophierle alles eher ist als ein Jude. * Eine Unwetterkatastrophe "in' Bistxrtz. Ein Wolkenbruch hat in Bistritz (Siebenbürgen)' zahlreiche Häuser zerstört. Zwanzig Personen sind ums Leben, gekommen. * Brand eins? Ehlorkalkfabrtti in Ldnlen. Nach einer Meldung des ,.Kärnwer Tagv'aites" ist in der Knochschm E'wrkalksabrik bei Brückl im Görtchihläl ein GrdßsLü"r ausgebrochen, zu dessen Bskämpfungauch die Klagenfurter freiwillige Feuerwehr ausrücken mußte. Amfang und Schaden des Brandunglücks find noch nicht bekannt. «Wetterbericht. Das Metier war heute morgens in ganz Oesterreich heiler, vielfach wolkenlos. Unter dem Einfluß der klaren Nacht war es morgens kühl» um 10 Grad. Miilaqs trat rasch Trübung ein, Wien hotte ein lokales Gewtier mit 9.Grad Abkühlung und ergiebigem Niederschlag. Voraussage: Im a I I« gemeinen S ch ö n w e t t e r ch a r a k t e r, örtliche Störungen in der Bewölkung, vielleicht Gewitter. * KeirnsNhru»ig von Kriegerleichen. Die Rückführungen von Kriogerleiclen aus'Italien finden erst im September dieses Jahres statt. Insolo ödesten können noch einzelne Anmeldungen hlesür sowie auch für Nachforschungen, phoiographilche Aufnahmen und Patenschaften im Sekretariat des ölletreichifchen Schwarzsn Kreuze;, Wien, I., Kerrengaffe 21, entgegengenvmmen werden. * Lohnerhöhung km Lapezisrergewsrbe. Infolge der außerordenilichen.Teuerungsverhültmsst wurde der Gehilfenschaft eine L0°/gtge Lohnerhöhung ab 12. Juni zugesianden, so daß nunjnehr die Regiestunde 2500 K. beträgt. * Verhastimg eines Sche-ckfälschers. Am 3. d. wurde in dem Bankhause T a u I t n g K S ch > e s i n g e r, l.,Tegeithvffiiraße 4, ein Privatscheck die es Bankhauses lautend auf 400 000 K. präsenileri, der die gefälschie Unterschrift eines Gesellschafters der Bank trug. Zehn Tage später wurde wieder ein gleichartiger Scheck auf 400.000 K. vorgelegt, aber als Fälschung erkannt und nicht elngelöst. Der Täter, der 25jährige Drogist Alfred Grauer, stellte sich am 20. d. selbst der Wiener Polizeibehörde und wurde dem Lands-gerichle eingelieferl. Vereine, Vorträge und VersawmlunHerr. B u k o w i n ä e r Zentral»erband in Wien, Geschäfisslelle in der .österreichisch-rumänischen Kammer. Ul.. Marxergasse 2 (ehemaliges Mannemmisterium) im Kose links, 1. Stock. Tür 80, fordert al'' jene Bukowinaer und ihre Familienangehörigen auf, ire'dje nach der Bukowina mit ollen ihren Mobilien die Keimreise anzutreien sich entschlossen haben,, dies zwecks Zusammenstellung eincs Sonderhelmkehierzuges mit tunlichster Beschleunigung bei der Geschäfisiiklle täglich von 8 bis 4 Uhr. Camsiag von 8 bis 1 Uhc nachmittags und Sonntag ab 9, Uhr vormitiags stundenden Verbaudsdislmssionen im Casü Edison, I.. Kai 13, 1. Stock, bei der Kcimkehrersektion anzumelden. Geburts- und Keimaisdokuments sind mitzubringen. Letzter Anmeldetermin 25. Juni 1922. I. A. S., B v r o ch or", 5 ch a ch s e k t' i o n. Keute, 7,8 Uhr abends, Eröffnung der Schachseklion. Freunde und Interessenten willkommen. Technisches Museum. Morgen, 3 Uhr nachmittaos, Führungsoortrag: „Die Erzeugung undr Verwertung des elsk- Irischen Stromes" von B o r o r e v ' c. — Sonntag den 25. d, .10 Uhr vormittags. im grofrey...Körsaal L.lchtdiidervortrag: „Technischer Monatsbericht über neue Erkenniniffe und, Erfindungen" von Dr. O. B r y k. Urania: Keule, Freitag. 5 Uhr- (Großer Saal): Herrscher der Lilfle. 7-6 Uhr (Kleiner Saal): Kosrat Ing. Dr. Georg Binder: Der Aggstein. V28 Uhr (Großer Saal):" In den Felswänden Tirols. V2S Uhr (Kleiner Saal): Rektor A. Keine n München-Gladbach): Verwahrlosung und Jugendbildung. V2S Uhr -Kurssaal): Kochschul-Affijient Dr. Rudolf S ch m i d: Der Streit um das Eleklron. V38 Uhr (Kiubfaal): Robert Friedma nn: Goethe als Denker und der Begriff des Lebens. HI. 7.8 Uhr (Lehrfaa II.I): Oberinspektor Lng. Emil S e i d l i n g e r: Die Förderanlagen eines Gaswerkes' BÄhAe Md KRKst. Ioha«nes Schlafs sechzigster Geburtstag. Johannes Schlaf, der gegenwärtig einsam in Wennar lebt und schafft, ist in das sechzigste Lebensjahr getreten. Man kennt den Namen dieses bedeutenden Dichters besser als seine Werke. Insbesondere seine Dichtergemeinschaft mit Arno Holz, die mit cinein argen Mißakkord endete, hat den Namen Johannes Schlaf bekanntgemacht. Die Leiden Lyriker haben unter anderem genieinfanr das Drama „Familie Selieke",.ferner das Buch „Der geschwungene Pegasus" verfaßt, wozu Schlaf eine Anzahl Zeichnungen lieferte, da er auch zeichnerisch sehr begabt ist. Nach seinem Zerfall mit Holz machte, der Dichter eine schwere Nervenkrise durch, sammelte sich aber dann wieder zu schöpferischer Arbeit, der eine Anzahl von Dramen und Romanen entsprang, unter beiten wir neben dem Roman „Das dritte Reich" das Romäniverk „Peter Bojes Freite" besonders hervorheben. Sehr bekannt ist sein Drama „Meister ^)elze" und hervorragend sein Gedichtband „Frühling". Schlaf, der sich auch als Essayist betätigt, hat sich in den letzten Jahren mit wissenschaftlichen Themen beschäftigt und ist astronomischen Forschungen ergeben. Gerhart Hauptmann,^als besten Vorläufer Johannes Schlaf anzusehen ist, hat ihn in einem überaus herzlichen Schreiben zum sechzigsten Geburtstag begrüßt. Für die jüdischen Leser sind jene Stellen seines Romanes „Peter Bojes Freite" von besonderem Interesse, in welchen er Hamburger jüdische Gestalten schildert. RyNKiffaneebührre. Gastspiel Carola Toelle — Ernst Stahl-Nachbaur. Eine wohlgestimnite Auffnhnmg von Ibsens „B a u m e i st e« S 0 l n e ß". Cyrola Toelle ist keine geborene Hilde Wangel. Die seelenvolle, warmblüüge Blondine mit den dunkel getönten Blauaugen hat nicht das kühle „Wickingerblut" in den Adern. So biegt sich denn die Künstlerin ihre Rolle zurecht. Nicht die herbe, schneidende Frische der Gleffcherfirnen,— den süßen, bunten, süddeutschen Frühling bringt sie in das Haus des Baumeisters Solneß. Freilich; mitunter versucht sie auch, herrlich grau- Sun! 1922 ' Erste 5' sam zu sein. Es gelingt'schlecht, weil messerscharfes Skan. dieren der' Sähe ein untaugliches Mittel für diesen Zweck ist. Um so voller kann sie dafür ihre Begeisterung im dritten Akt ausströmen lasten. Ihre letzte Szene klingt lange nach. Diese junge Dame wird hoffentlich eine ganz große Tragödin werden. — Ernst Stahl-Nachbaur, dem der Referent, zum erstenmal in einer tragenden Rolle begeg- . net, scheint einen bösen Feind zu haben: den Affekt. So künstlerisch einfach er in den meisten Szenen wirkt, so peinlich hohl ist sein Deklamationston in der Erregung. Die Grundlinie seines Baunreisters Solneß ist klar, sein Knnstverstand jedenfalls bedeutend. Sehr fein Olga Traeger-Matscheko als Frau Aline. Das verkörperte klagende Lied, vornehm Verhalten. Durchaus voll Verdienst die übrigen Mitwirkenden: Lola Urban-Kneiding e r, Jens Friedrich, Karl M a u t h und Robert Balberg. O. A. InLerrrationale Kunstausstellung in Düsseldorf. In Düffeldorf ist die erste internationale Kunstausstellung nach dem Kriege eröffnet worden. Die Hälfte der etwa 800 Bilder gehört den Deutschen, in der anderen Hälfte überwiegen an Zahl die Franzosen, von denen neben den besten Namen — Braque, Derain, Glizes, Leger, Matisse und Vlamirk — die „Section Franeaise" und der „Salon d'antcmne" vertreten sind; quantitativ stehen ihnen die Russen am nächsten (unter ihner^ sind Archipenko, Chagall und Kandinskh mit bezeichneten Stücken). Folgen Italiener, Polen, Rumänen, Spanier, Belgier, einige Schweden, Holländer, Ungarn, Japaner, je. ein Aeghpter, Finne, Ire. Nur die Tschechn, die recht zahlreich genannt haben, fehlen infolge der Zollfchwierigkeiten. Aus den Theatern. Im Burgtheater geht morgen „C 0 r i o» l a n u s" mit Kugo T h i m i g als Menenius Ägrippa in Szene. ■ Im Operntheater wird morgen. „C arn a v a 1* und „F 0 s e f s l e g e n d e" gespielt. Pobphaos' Weib gibt Frau Lili.Marberg vom Burgthealer. In der R e n a i f f a n e e - B ü h n e gelangt morgen und die folgenden Tage „Baumeister Solneß"' zur Aufiührung. Volksoper. Schon fünfzig Jahre vor dem „Dreimäderlhans" gab es ein Originalsingspiel „Franz Schubert" von Hans Max. Wir begegnen hier den Tondichter in der „Höldrichsmühle" bei Mödling, seine Freunde, darunter der Dichter Mayrhofer und der Opernsänger Vogel besuchen ihn, es gibt allerlei Kurzweil und schließlich kriegt der Müllerbursch seine Liebste, die Müllerstochter. Dazu hat Franz v. Suppe, der Tondichter klassischer Operetten, eine Musik geschrieben, in der die schönsten und bekanntesten Schubert-Lieder recht willkürlich aneinandergereiht werden. Natürlich nehmen die „Müllerlieder" einen breiten Raum ein — dazu muß eben die Höldrichsmühle die Veranlassung geben —' mit ihnen sind die beiden „Ständchen", „Die Forelle", „Der Wanderer", „Ungeduld", „Heidenröslein" und andere Blüten Schubertscher Lyrik zu einem farbenbunten Strauß gebunden. Das Werkchen, das vor langer Zeit in der Hofoper lebhaften Erfolg hatte, gefiel auch in der Volksoper. Die Aufführung trifft den Ton der altväterlichen Behaglichkeit dieses naiven Singspiels und besitzt in Frau Pola ein recht niedliches Müllerstöchterlein mit hübschem Sopran und frechem Spiel, in Dr. Kroegler einen prächtigen Müllerburschen, der sich nicht mir durch seine schöne Erscheinung, foubcnt auch durch seine warme Tenorstimme die Braut verdient hat. Den Schubert sang Herr Fälbl, in kleineren Rollen wirkten die Damen.Herzog und Attlcr, die Herren Eckner, Schönhoff, Tauber, Neumann und Beer. Aust den Einakter folgten bunte Vorträge. Frau Lili Marberg erwies sich als geistvolle Erzählerin, Raoul Aslan bezwang mit seiner feinen Kabarettkunst alle Frauenherzen, Otto T r e ß l e r ioirkte durch seine unwiderstehliche Komik und das Ballettkorps der Volksoper tanzte den blauen Donauwalzer. Einen besonderen Genuß bot Elfte Altmann mit ihren reizvollen , Tanzpiecen. Bald wie ein bunter Schmetterling, dann wieder wie ein Pariser Gassenjunge wirbelte das zierliche Nippesfigürchen auf der Bühne umher und verscheuchte mit ihrer heiteren Kunst die Sorgen des Alltags. flb. Ein neues „Saul"-Drama. Ans Paris wnd uns berichtet: Das Vieux-Colombier-The.ater hatte dieser Tage eine interessante Uraufführung. Der wegen seiner Originalität bekannte Schriftsteller Andre Gide hat sein fünfaktiges Dvam.o „Sau'.", wc>hes vor ern'-ier Zeit in Buchform erschien, auf die Bühne gebricht. Di>» Kritik st.llt fest, daß das neue Werk von Gide gelesen besser wirke tls auf der Bühne. Wie in allen seinen Werken verrät.Gide, d:c c ne Vorliebe für biblische V->rwürfe ha>, auch in se-nenl „Saut" einen bis ins Rücksichtslose gesteigerten Mut der Ansiffsnr.g. In dieser neuen „Saul"-Bearbeitung handelt es sich um d e so sonderbar anmntende Liebe, welche der alternde Kenia S-rnl für seinen Harfenspieler David empfindet. Die Ph'lijier b" drohen das Land Sauls. David schlägt Goliath uirber nüd wendet damit die Todesgefahr vom Lande Israels ab. Saul .bestellt den jungen, in Schönheit blühenden Hel>rn zu fei nee eigenen persönlichen Dienstleistung. Die Königin verl.cbt sich in den jungen David, worauf Saul in einem Eist.rsubtsansall seine Gattin tötet. Aber damit nicht genug: Auch sein eiuzraer Sohn Jonathan bekundet eine dem Saul un'genehme, übermäßig warme Freundschaft für David. Saul erfährt vim einem Wahrsager, daß sein Nachfolger auf dem Thron nicht Jonathan, sondern David sein werde. Abermals naht die Slv-iee der Philister, David stellt sich an die Spitze der feindlichen Truppen, um Saul zu besiegen und die Krone seinem Freunde Jonathan zu verschaffen. Das Fatunr entscheidet jedoch anders: