Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1217 (21.6.1922)
- Date
- 1922-06-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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«p y - ■> an v’i v 4 < ' v">?»<;*< / \ . ....!« j' Nr. 1217 Wien, Mittwoch wenn nicht sämtliche Siebenbürger K i r ch e n mit jüdidi s ch e m G e l d e r La u t wurden und begründete u. a. damit die tiefe Erregung unter der Bevölkerung wegen der Judenverfolgungen in Horthy-Ungarn. Nun berichtet das in Szatmar erscheinende ungarische Blatt „S z am o s" über den, interessanten Fall, daß die Bauern der Nachbargemeinden von O s u b o g sich vereinigt haben, um den Juden dieser Gemeinde den Bau einer Synagoge durchzuführen. Die Bauern sichren die erforderlichen Arbeiten nach dem System der.„Kalaka", d. h. der gemeinsamen Arbeit ohne jedes Entgelt, durch. Besonders geschieht auf diese Weise die unentgeltliche Beistellung von Fuhrwerken'für das Material: Von dieser „Kalaka" hat sich selbst die Gräfin de Ger an de nicht ausgeschlossen, auch sie stellt die auf sie entfallenden Fuhren unentgeltlich bei. Daß unter solchen, Umständen in dieser Gegend die Horthy-Agenten, die sich über die Grenze schmuggeln, für ihre Agitation keinen günstigen Boden finden, ist nur natürlich. * Schnellzugsvermehrung Wien-WeMLnhof—Salzburg. Zur Entlastung des Schnellzuges 2072 vDchrt Freitag den 23. und. 80. Juni und Samstag den 24. Juni und 1. Juli Wien-Westbahnhof—Salzburg Schnellzug 205. Abfahrt ab Wien-Westbahnhof 18 Uhr 5 Min., an Salzburg 1 Uhr 55 Min. * Mißbrauch von Banknoten zu Reklamezwecken. Laut- Mitteilung eines Wiener Mrttagblattes. werden Zweikronennoten für Reklamezwecke in der Weise mißbraucht, daß ein Ueberdruck angebracht wird, der die Einladung zum Besuche eines Vergnügungslokales enthält. Da ein derartiger Vorgang geeignet ist, in der Bevölkerung berechtigten Unwillen zu erregen, und unter Umständen zu Störungen der öffentlichen Ruhe führen kann, wurde die Abstellung dieses Mißbrauches veranlaßt. Die Polizeidirektion macht darauf aufmerksam, daß das Ueberdrncken und Ueberstempeln von Banknoten verboten ist und mit Geldstrafen oder Arrest bis zu 14 Tagen geahndet werden kann. * Millionendiebstähle aus dem Nachlaß des spanischen Botschafters in Wien. Ein Wiener Bankgeschäftsinhaber and seine Schwägerin wurden unter dem Verdacht verhaftet, den Nachlaß des vor vier Jahren hier verstorbenen spanischen Botschafters Don Antonio Castro y Casaleys gebrandschatzt zu haben. Ein Teil dieses Nachlasses gelangte nämlich hier zur Versteigerung und war vorher im hiesigen Botschaftsgebäude in der Annagasse zur Besichtizung ausgestellt. Bei dieser Gelegenheit sind damals Silbersachen, RiPPes und Sevres-Porzellangeschirr abhanden gekommen. Die Polizei ist erst jetzt zur Kenntnis Kieses Diebstahls gelangt und von einen Untersuchungshäftling auf die Spur des nunmehr verhafteten Paares gebracht worden. Der Bankier leugnet jede Schuld, seine Schwägerin ist aber geständig. * EinbrNchsdiebstahl. Am 17. d.wurde vom Keller ans die. Wohnung des Salomon Rappel, Klosterneuburgerstraße Nr. 78, erbrochen und 50 Dutzend schwarzer und weißer Cordzwirn' verschiedener. Größe, Bruchgold, Silber- und Kupfermünzen aus einer Sammlung und . andere Gegenstände im Werte von fünf Millionen Kronen gestohlen. Die Ausforschung der Täter wurde eingeleitet. Vereine, Vorträge und Versammln»gen. Letz t e r S a i s o n a b e n d der Zionistischm Sektion Wr die westlichen Bezirke und des Vereines Tikwath-Iehuda!m Keim. VIII., Bennoplatz 1. Borlrag des Kerrn Z. Lewanon. Nachfolgend bunles Programm. — Z i o n i st i s ch e B ezirk sfektton Alsergrund lFrauenkomitee). Donnerstag den 22. d., 7 Uhr abends, in den Bäumen der Dezirksfeklion, IX., Liechlensteinstraße 1l. letzle Sitzung des 9nttiativkomjte.es vor den Ferien. Echekelblocks zur Abrechnung bestimmt mitbringen. — Akademisch- PhilosophischeDereinigung„P. latonik a". Am Samslag den 24. d:, 6 Ahr abends, findet im Saale 35 der Wiener .Universität (philosophische Fakultät) die konstiluirende Generalveriammlung der obgenannlen Bereinigung sialt. Bon seilen des Beirates werden folgende Kerren sprechen: Cm. o. ö. Prof. Dr. Richard W a h i e. o. ö. Prof. Dr. K. A r n i m und Univ.-Doz. Dr. Oskar Ewald. Alle diejenigen, dte an philoophifci'-llterar,fcher Arbeit ernstes Interesse haben, werden hierzu eingeladen. Technsch es Museum. Morgen. Donnerstag. den s22. d., 5 Uhr nachmittags, achier Lichtbildervonrag; Bonder Wolle zum Kleid" von Prof. Ing. G. Linnert. Kierauf Führung durch die Gruppe „Textilindustrie". Für die Wiener Lehrerschaft frei zugängig. Gäste willkommen. Urania. Keule, Mittwoch, 5 Uhr (Großer Saal): Indien. 7*8 Uhr (Großer Saal): Aus der Glanzzeit der heiteren Wiener Wiener Musik. 7,8 Uhr (Kleiner Saat): Rektor A. K e inen: Der Verfall der Familie. 7-8 Uhr (Kurssaal): Kofrat Dr. Keinrtch Z i m m e r in ä n n: Das Porlrät in alter und neuer Zeit. II. 7-6 Uhr (Kludsaal): Un'v.-Prof. Dr Robert F. A r n o l d : Bom Gespräch, l. 7,8 Uhr (Lehrsaal ll): Oberinspektor Ing. Dr. Ernst Käudela: Die Erzeugnisse des Gaswerkes Leopoldau. —.„Verwahrlosung und S u g e n d b i l d u n g"' Dieser zweite .Urania-Vortrag von Rekior A. Keinen (München-Gladbach) findet Freitag den 23. 7,8 Uhr, im Kleinen Saale stall. V o l ksbildungshaus W i ener Urania (Wien. I., Uraniastraße i). Dom Gespräch. (Zwei zusammenhängende Vorträge. Wiederholung.) Univ.-Prof. Dr. Robert F. Arnold. Mittwoch, 21. und 88. Juni, 7,8'Uhr, Älubsaal. — Die sexuelle Aufklärung vom pädagogischen Standpunkt. Wiederholung. Eduard Golias. Sonntag. 25. Juni» 7,8. Uhr Aurssaal. — Der . Verfall der Familie. Rektor A. Keinen (München- Gladbach). Mittwoch, 21. Juni, 7,8 Uhr. Kleiner Saal. — Verwahrlosung und Iugendbildung. Rektor A. Keinen (München- Gladbach). Freitag, 23. Juni, 7,8 Ubr, Kleiner Saal. — Der Streit um das Elektron. (Mit Lichtbildern.) Dr. Rudolf Schmid. Freilos» 23. Zuni, 7,8 Uhr, Kursfaal. - Der Böhmerwold. Adalbert Stilters unerlöste Keimat. (Musikalische Beispiele und Volkstänze.) Unter Mitwirkung der „Egerländer Landsmannschaft" und der „Egerländer Gmor". Schriftslellerin Clfriede Fürslenseid. Dienstag, 27. Juni. 7-8 Uhr, Größer Saal. — Verlorene Keimat. (Das steirische Unterland.) Landeskonservalor Dr. Walter Semeikowskl (Graz). Donnerstag, 22. Juni. 7,6 Uhr. Klemer Saal» - WtenÄMorgeürett''üns.__ . ' ErnWrung., Der MarkLberLcht. Passive Resistenz der Hausfrauen. Der Verkehr aus den Markten war gestern im allgemeinen schwach. Die Hausfrauen beschränken sich noch mehr als in den srühercil Tagen auf den Einkauf der notwendigsten Artikel, da sie eine Wirkung der von der Regierung unternommenen Maßnahmen zur Verbilligung der lebenswichtigsten Artikel -erwarten. Die'Tendenz auf dem Fleischmarkt war Nicht einheitlich. Während sich im Großhandel Rindfleisch um 100 K., iRindsbraten um 200 K. und Schafe um 550 K. pro Kilogramm verteuerten, ermäßigten sich die Preise für Fleischschweine und Speck um 200 K., für mindere Sorten von Kalbfleisch um ' 800 K. pro Kilogramm. Im Detailkauf,blieben die Preise unverändert. Von auswärts waren drei Waggonladungen mit Schweinen und Schweinefleisch eini'.cnngt, und zwar zwei aus Jugoslawien und ein Waggon aus dem Burgenland. . Die Grünwarenmärkte wiesen gestern eine reichliche Beschickung'auf. Trotzdem blieben die Preise so ziemlich unverändert hoch, auch :m Verläufe des Marktes trat, obwohl man deutlich die passive Resistenz der Käufer beobachten konnte, keine. Preisermäßigung ein. Italienische Kartoffel haben sich zwar um . ein geringes im Großhandel ermäßigt, doch ist die Nachfrage nach inländischen Kartoffeln, die bereits sporadisch auf den Markts gebracht werden, noch immer sehr groß. Gestern war das erstemal in dieser Saison heuriges Kraut auf dem Markte zu sehen. Es kostete im Großhandel pro 30 Stück 1300 bis 1400 K. Es waren.auch die ersten italienischen Marillen eingelangt, die im Großhandel auf ungefähr 3200 K. pro Kilogramm zu stehen kommen, Geringe Quantitäten von Johannisbeeren, die aus Ungarn eingetroffen waren, fanden trotz des hohen Preises lebhaften Absatz. Der Preis betrug 1200 bis 1500 K. per Kilogramm. Die Zufuhen von Kirschen aus dem Burgenland nehmen täglich zu, doch sind die Preise unerschwinglich. Schöne Qualitäten stellen sich im Großhandel auf ungefähr 1050 K., mindere Sorten sind allerdings „bereits" zu einem Preise den 500 K. zu hoben. Eier, waren über Bedarf angeboten, blieben jedoch zum größten Teil wegen des hohen Preises unverkauft liegen. Der Stückpreis bewegte sich auf dem Naschmarkt zwischen 265 und 280 K. BÄhkLe Md Kunst. Aus den Theater«. Im B u r g t h e a t e r wird 'morgen . »D e r j u n g e M e d o r d u s" gegeben. Fm O p e r n t H era t e p gelangt morgen »Lohen« g r i n zur Auffüh'ung. In der Volks o p e t findet heute die Premiere des. Abends „Keitere K. u n st" stall, unter welchem Titel das Singspiel ..;Franz Sä'über!" von Suppö mit den ©äffen' Kerrn Schöndöff und Frau Polo und dem G.astdiriaenien Keren Ku^monn aufgefuhrt wird. Ferner tritt Eiße Altmann unter Mitwirkung des Balleitkorvs auf. Weiiere Sensationen dieses Abends sind: Fräulein Lilli Marbera. Kerr Raoul Aslan und Kerr Otto Treßler vom Burgtheatrr in ihrem Repertoire. Im D e u t I ch e n D o l k s 1 h e a t e r werden morgen „D e r! e b e n d e L e i ch n a m" und für Freitag Schnitzlers Groteske „Der grüne Kakadu" mit Alexander M o i s s i als Kenri und Tolstois Komödi; ..E r i st a n allem f ch u l d" mit dem Künstler als Wanderburschen angeletzt. Das aestern wegen mehrfacher Erkrankungen abgesehte Trauerspiel „Die Räuber" wird mit Moiili als Franz Moor voraussichtlich Mittwoch den 28. d. in den Spielplan eingestellt. Im Raimund-Theater beginnt die morgen slaltfindende Premiere von ,.D t e L i e b e g e h t u m" von Robert Bodansky lind Bruno Kardt-Warden, Musik von Robert Stolz, mit Franz G l o w a t l ch und Pepi Glöckner in den Kauplrollen pünktlich um 7,8 Uhr. Der Komponist dirigiert diese Uraufführnng. In der Roland-Bühne wird die griechische Kellseherin Madame Karo! y ein kurzes Gastspiel absolvieren, das morgen um 7i8 Uhr abends beginnt. Das Lotte-Haus ln Wetzlar. Dieser Tage wurde in der alten Reichsstadt Wetzlar an der Lahn das '„Lotte-Haus" eröffnet. Es ist das Wohnhaus des Amtmanns Buff, in dessen Tochter Lotte der 23jährige Goethe sterblich verliebt war. Dieser Liebe ist bekanntlich die Entstehung von Goethes „Werther" zu Verdanken. Dieses Haus, dicht an dem stattlichen Deutschordenshaus gelegen, war in den letzten Jahren zu allerlei praktischen Zwecken verwendet worden. Es bestand nur noch das Lotte-Zimmer, das viel vön Fremden aufgesucht wurde. Nun ist das ganze Haus in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt, und eine Fülle von Sammlungen, die auf Lotte und' ihre Familie, auf Goethe und Werther Bezug haben, wurden dort vereinigt. Im ersten Stock ist das Gesellschaftszimmer des atzuses mit den alten Rokokomöbeln wieder instand gesetzt, in dem Lotte Goethe empfing: Die Malereien der Wände sind wieder aufgefrischt. Das Spinett, auf dem Lotte spielte» steht noch hier. In den anstoßenden Zimmern sind inhaltsreiche Goethe- und Lotte-Sammlungen aufgestellt. Neben allerlei Reliquien aus dem Besitze der Familien Buff und Kestner finden wir kostbare Handschriften Goethes: seinen Gruß „Lotte, gute Nacht", am 17. Juni 1774 mit einer Bleistiftzeichnung seines Profils gesandt, Briefe Goethes an Lottes Bruder Hans; das Buch „The deserted village" von Goldsmith, das Goethe an Kestner als Äbschiedsgeschenk mit folgenden Versen sandte: Wenn einst nach überstand'ner Lebensmüh' und Schmerzen, Das Glück Dir Ruh' und Wonnetage gibt, Vergiß nicht den, der — ach! von ganzem Herzen Dich, und mit Dir geliebt. Im Lotte-Haus sind auch alle Erstausaaben des Wertber 21. Juni 1922 _ Seite T zu sehen. — An der Eröffnungsfeier nahm ein Ururenkel Lottes und Kestners. teil, ein junger, blonder Student,...der. aus Göt. tingen ka mund jene Pistolen ins Lotte-Haus brachte, die Kestner dem unglücklichen Jerusalem geliehen hatte. Die Taucherglocke als Maleratelier. Wie die New Yorker Blätter berichten, hat sich der amerikanische Maler Cassidy eine große Taucherglocke bauen lassen, die als ein vollständiges Maleratelier eingerichtet ist, und.die es ihm ermöglicht, Stlrdien in bedeutender Meerestiefe, nach der Natur zu zeichnen. Die technischen Vorrichtungen gestatten einen Rundblick über einen Durchmesser von 400, Fuß. Der Maler bringt täglich vier , Stunden unter Wässer zu. . Ein neues Molnar-Stück. Aus Budapest wird ttj# te« richtet: Dem hiesigen Lustfpieltheater steht eine Sensation in Form Zeines Neuen Molnar-Stückes bevor, welches der Wchter für diese Bühne schrieb. Das Stück heißt „Jrdffche und himmlische Liebe", Legende in fünf Bildern. Der Aufbau des Stückes gleicht dem „Liliom", nur' spielt dieses Stück' in bürgerlichem Milieu. Die Heldin ist ein fünfzehnjähriges Mädchen. Wohltätigkeits-Matinee. Zugunsten des Ersten österreichischen Blindenvereins findet DonNetstag den 29. d. um 10 Uhr vormittags im L i ch ts p i e l t h e a t e r Hernals, 17, Bez., Jörgerstraße 19, eine Matinee statt. Mitwirken, werden: Klare Musil (Volksoper),, Erika v. Wagner (Deutsches Volkstheäter), Heinrich de Carro (ehcm. Deutsches Volkstheater), ein Chor der Staatsoper (16 Sänger), Kammerorchester des Lichtspieltheaters. (Dirigent Emil Herrmann), am Klavier Erich Meller (Staats oper). Karten znm Preise von 1000 bis 6000 K. sind zu haben in der Vexeinskanzlei, 8. Bez., Floriamgasse 41, und in der Warenhalle der Produktivgenossenschaft für blinde Bürstenbinder und Korbflechter, 7. Bez., Neubaugasse 75. Die neue Lilien-Mappe „Erez Israel und seist Volk" ist in der Buchhandlung R. Löwit (Dr. Präger), 1. Bez., Rotelv turmstraße 22, bereits eingetrofstn. Das außerordentlich ansprechend ausgestattete Werl, aus drei voneinander unabhängigen Mappen bestehend, bildet ein vorzügliches Geschenkwerk. Preis jeder Mappe 300' Mark (dazu der übliche Teuerungszuschlag). . ' „. > Gerichtssaal. Das Urteil im Südbahn-Prozetz. Nach zweitägiger Verhandlung wurde gestern abend8 das Urteil im Süd bahnprozeß publiziert. Der Vorsitzendr verkündete zunächst, daß die des Betruges beschuldigten Ämgeklagt-'n Oskar Fischer und Ferdinand C empyrek über Rücktritt des Staatsanwaltes von der Anklage sreigesprochen werden. Dagegen wurde KäA Töpfl des Verbrechens des Betruges, Alois Merth, Ottokar Leipweber und Heinrrch-.Kliche der Mitschuld am Betrüge, Kliche auch des Verbrechms des Diebstahls und Johann Berka der Mitschuld am Verbrechen des-Diebstahls schuldig erkannt, Das Urteil lautete für Karl. Töyf.l auf zwei Jahre schweren Kerkers, für Heinrich K l i ch e auf e i n Jahr' schweren Kerkers, für Alois. M e r t.h auf a ch t Monate schweren Kerkers, für Ottokar Leinweber und Johann Berka auf je sechs Monate schweren Kerkers. ' In der , Begründung, des Urteils wurde betont, daß der Gerichtshof auf Grund der Ergebniffe des Beweisverfahrens zu der Ueberzeugung gekommen sei, daß die Angeklagten in einzelnen Punkten der Anklage in gegenseitigem Einverständnis und in bewußtem Zusammenwirken sowie in Schadensabsicht gehandelt haben, Sämtliche Angeklagten bchfelten sich die dreitägige * Bedenkzeit offen. Diebstahl im Gifenbahncoupe. Der Oberste Gerichtshof hat gestern ein Urteil Landesgerichtes 2, in welchem es sich um Kerkerstrafen von drei Jahren und einem Jahre handelt, wegen erheblicher Bedenken gegen den Indizienbeweis aufgehoben und den Hauptangeklagten zum größten Teil, die. Mitangeklagte gänzlich frei ge sprachen. Das ist auch deshalb von besonderem Interesse, weil der Kassationshof von seiner bisherigen Judikatur, daß auch ^»urch Losungswort gebundene Sparkassebüchdr für den Dieb ein Wertobjekt seien, ab ge gangen ist. Dem Hotelbesitzer Johann Wertschnigg, einem jetzt in Amerika weilenden vielfachen Millionär, war am 11. Oktober v. I. auf der Fahrt vom Semmering nach Wien im Coupe erster Klaffe aus seiner Handtasche ein Sparkaffebuch des Wiener Bankvereins auf zwei Millionen Kronen und einige daneben befindliche Gebrauchsgegenstände gestohlen worden^ Er erhielt alles wieder zurück, weil die Sachen von einem Eisenbahnbediensteten beim Reinigen des. Zuges unter dem Sitz- Polster des Wagenabteils gefunden wurden. Da mit ihm in dem Wagenabteil erster Klaffe nur der Handelsangestellte Johann G r e g u l l und die Hausgehilfin Hedwig K u t i l gereist wtEcn, wurden diese beides unter der Anklage.des Diebstahls verhaftet und dem Landesgerichtq 2 eingeliefert. Bei der Verhandlung galt als Hauptindiz, daß beide, obwohl sie nur über geringe Barmittel verfügten, in . einem Coupe erster Klasse gefahren waren, woraus; zu schließen sei, daß. sie es auf die Beraubung eines reichen Passagiers abgesehen hatten. Die Verantwortung des Angeklagten Gregull, daß er Hedwig Kutil erst auf der Reise kennen, gelernt und daß er, weil er sich ein galantes Abenteuer mit ihr erhoffte, für sich und für-sie ein Billett erster Klaffe gelöst habe, um in dem ursprünglich leeren Coupe mit ihr allein zu sein, erachtete der Gerichtshof nicht für glaubwürdig, nahm vielmehr au, daß . beide im Pnverständniffe mit einander den Hotelbesitzer beftobleu «uh hw* aestohleneu Gegenstände unter dem Sitzpolster rfn*WLrT 11lii'ni' .- -r-- -■->