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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-21 · Heft 1217 (21.6.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1217 (21.6.1922)
Date
1922-06-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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- > V" , \ v * Outu a SöUii, a/fiufuvö) Drittgrößten Stadt des Kontinents das Wirtschaftliche Leben zum Stillstand kommen kann. Es ist nicht abzusehew, wie der nächste Herbst und Winter überstanden tverden sollen. Zum Schluß erklärte Dr. Dinghofer, daß die Lage auf höchst einfache Art zu löst» .sei: -; / Entweder bringt der Völkerbund die in ihm, vertretenen Regierungen dahin, daß sie astf mindestens zwei Jahre dauernde Zuschußbeiträge sich monatlich zu leisten - ver* Pflichten, oder es bleibt schließlich doch nichts anderes i'lbrig, als daß die österreichische Regierung, dem wiederholt einmütig ausgesprochenen Wunsch der Bevölkerung sowie aller drei Pärteien der Nationalversammlung entsprechend, öndie. Reichsregierung mit dem Ersuchen herantritt, Oesterreich in das Deutsche Reich aufzunehmen. Vorschläge der ErsparungskomMission. Streichungen im Budget iu.de; Höhe von. 150 Milliarden. Die- ErsparNngskommissron hat. der Regierung eingehende 'Vorschläge zur. Hcrberführung geordneter - Verhältnisse in der innerm Organisation des gesaniten Verwaltungsapparates erstattet. Wenn auch diese umfassende, naturgemäß mit zahlreichen Cryeoungen verbundene Arbeit gegenwärtig noch nicht, volllicindig vorliegt,'so ist doch ein' bedeutender Teil bereits zum Abschluß gebracht und der Regierung soeben teils' zur sofortigen Berücksichtigung, teils zur Verwertung bei Ausstellung des nächsten Budgets übermittelt worden Die darin enthaltenen Ersparüngs-' Vorschläge beziehen sich einerseits auf die allen oder mehreren BerwaltüngSzweigengemeinsamen Fragen von allgemeiner Bedeutung für die Staatswirtschaft, andererseits im einzelnen vorläufig aus den Dienstbereich des Bundeskanzleramtes, des Bundesministeriums für Inneres und Unterricht und des Bundesministerrums für Justiz. Die finanzielle Wirkung der Durchführung bernts dieser Anträge kann nach dem Geldwert im ersten Quartal 1922 mit etwa 59,8 Milliarden Kronen jäh r'i ch beziffert werden-, was nach den augenblicklichen Geldverhältnissen etwa 150 Milliarden bedeutet, einen Betrag, der einen nicht' unbeträchtlichen Teil unseres gegenwärtigen Defizits ausmacht. Das GesamtergeLni s der Ueberprüfung des Budgets hofft die Kommission, der Regierung ungefähr anfangs Juli vorlegen zu könmn. An die Spitze des eben überreichten Teilelaborats hat die Ersparungskommission init nachdrücklicher Hervorhebung den Grundsatz gestellt, daß keine, neu; Ausgabe erfolgen dürfe, durch die diese Ersparungsvorschläg". wieder auf der anderen Seite gegenstandslos gemacht werden; namentlich müsse aber mit dem Aufgebot aller Energie wichc-rzur alten Methotze der Gebarung zurnckgekehrt werden, daß sich der Ausgabenetat unbedingt innerhalb des in rationeller Weise erzielbaren- EinnahmeetM des Staateshält, da. nur auf diesem Wege zur-. DeMüg staaKcher- Bedürfnisse erhofft werden kann. Sind diese Ziele einer geordneten Staatsverwaltung auch, nicht sofort erreichbar, sy muß doch alles daran, gesetzt werden, um sie in möMchst kurzer Zeit wieder zur ausschließlichen Geltung zu bringen. Tie Verhandlungen mit de« KohlengrotzhSndler«. Eine kleine Ermäßigung der Kohlenpreise. . Wien, 20. Juni. Heber Anordnung des Bundesministers für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten, (Hnil Kraft, haben am 19. und 20. d. in diesem Ministerium Verhandlungen mit dem Verein der Köhlengroßhändler angehörigen Firmen über die Preisfestsetzung der Kohle' stattgefunden. Hierbei -ist festgesiellt Wörden, daß diese Firmen ihren Monatsbedarf an ausländischen Zahlungsmitteln zum Bezüge von oberschlesischer Steinkohle wie üblich gemeinsam bereits zu Beginn des'Monats Juni im. Wege der DevrseNzentrale zu einem einheitlichen Kurse von 49.65 für deutsche Reichsmark und von 280.35 für tschechische Kronen gedeckt, und auf dieser Grundlage die Preise für Juni festgesetzt hatten. - Trotzdem der seither eingetreiene. Anstieg der Valutenpreise von. den Kohlengroßhändlern also nicht zum Anlaß einer Preiserhöhung genommen worden ist, hat sich - der Verein auf Grund der Verhandlungen entschlossen, für . den Rest des Monats Juni, beim Verkauf von oberschlesischer Kohle und, von Koks,auf die Hülste des.bei Kohle mit 4 Prozent, bei Koks mit 5 Prozent, berechneten Nutzens. zu verzichten und die Preise für 100 Kilogramm bei Kohle um 180 K., bei Koks um 360 K. .zu ermäßigen. . Eine wesentliche Herabsetzung ' des Kohlenpreises ist im Monat Juli zu gewärtigen, wenn, wie zu erhoffen, die zur Bezahlung von. Kohle und Koks erforderlichen deutschen und tschecho-slowakischen Zahlungsmittel zu einem niedrigeren als dem oben angeführten Kurse beschafft werden können. Der italienische Kredit. Rom, 20. Juni. Der Finanzausschuß der K a m m e r hat dieZustimmÜng des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten z^r Gewährung eines Kredits. an Oesterreich, der ihm zur, Begutachtung zugewiesen worden war, ohne Verhandlung zur Kenntnis genommen. Die Vorlage wird nunmehr in den nächsten Tagen in der Kammer eingebracht werden. Der tschecho-slowakische Kredit genehmigt. Prag, 20. Juni. Das Abgeordnetenhaus hat in seiner heutigen Sitzung'' nach m eh r st ü n d i g e r Debatte die Regierungsvorlage betreffend den tschecho - slo w' a k ififceit K«-dit von Rno Mi llronen K.ro.nen cm V- ."r'- Evrener Ergenzptrmrg. Oesterreich mit den Siinimen der ^Hischen Koalitions- - Parteien, der Kommunisten, 'der deutschen Sozialdemo-'" kraten und voin deutschen, parlamentarischen Verband mit den Stimmen des Bundes der deutschen Landwirte, der ^ristlichsoziglen . und der Deutschdernokratischen Partei.?- gegen die Stimmen; der ^eüischnätionÄenWarhei^ der^ Deutschnatioyalen SozialiMn Und der. Slöwasüscheü Volks- ' Partei angenommen i ' . . " . . _V. - 'j- ■ | \ .. ' Äeues aüs Patästina. Die zweite Plenarsitzung des Waad Leumi. In'der jüngst abgehaltenen zweiten Hlenarsttzitng - stattete der Generalsekretär - Czern o Witz, der unter, dem Namen „Sfög^ - bekannte' früher^ Mitarbeiter der „H äz e fira"'in Warschau,''genauen Bericht'über die Verhandlungen mit der Negierung betreffend die Einwand e-r u n g, Mer das G e m e i n d e g es e tz, . die D e l e- .grertenversammlüng -und ,vor allem über den Besuch der Kolonien durch die-Mitglieder des Präsidiums des- Waad Leumi sowie die Interventionen desselben in Angelegenheit des Streiks in Tel-Awiw. Er gab ein genaues Bild über, die Materielle und sonstige Lage der 16 Kolonien in Judäa und wies auf die Mittel hin/ die der Waad Leumi ergreifen müsse, um diese Siedlungen aus ihrer schweren Krisik. zu' befreien. A. S p r i n z a k und U s s i s ch k i n traten gegen die Hoffnungen auf, die der'Waad Leümi in dem alten Jischuw durch seine Besuche geweckt habe. Aber auch sie sowie. die anderen Teilnehmer in der Diskussion gaben zu, daß die Wirksamkeit des Waad Leumi in der'letzten Zeit eine sehr fruchtbare und lebhafte gewesen sei. Ueberhaupt wiesen die Vertreter der Kolonien, Herr Eisenberg und Meerowitch, auf die erfreuliche Tatsache hin, daß zum erstenmal die Kolonien ein besonderes. Interesse von seiten der Vertreter des Jischuw gesehen hätten/ und drunten ihre Genugtuung über die-moralische Hilfeausdie durch die Besuche des Wackd -Leumi den schwerringenden Kolonien zuteil wurde. Sie beklagten sich darüber, daß man allerseits eine Vernachlässigung der Kolonien bemerke, während man in der letzten Zeit das gesamte Interesse auf den Ausbau der St ä dt e konzentriere; selbst.wenn Delegierte aus-Amerika' kompteü, UM heilst: Hänserbau zu Helsen, werden Darlehen bloß den Städtern gegeben. Diese Redner wiesen ferner darauf, hin, daß trotz der schweren Krise die Kolonien 'ihren Bewohnernmehr bieten, qls man in den Städtenerreiche, denn dergroße Besitz, den man -in der Landwirtschaft seit 40 Jahren erlangt habe, repräsentiere einen sehr hohen Wert. Ussischkin wies in seiner Antwort auf die Ausführungm/vM Eisenberg und Meerowitch daraus hin, wie unrichtig dft Meinung sei, daß die Ziönisüsche Exkutive die Landwirtschaft. vernachlässige. Wenn man über PrZvatpersomn spEe, so sei es ja richtig, daß fic fid; iw dm-MMew. ks^enMben/Mer die^Zionistische - tive hätte, abgesehen'vonDeN letzten Käufen in:Tel-ÄV)iw;" /Jerirsalem. und Haifa, alle ihre Gelder, in die neuen land^ ' wirtschaMchen Äetriebe"'inpej'tiert, und selbst , die Grün- . düng der'Hhpdthekenbank sei bloß eine'Einleitung zur' 'Gründung der spater folgenden landwirtschaftlichen Bank. |; In:bet Disküssion ' tviesen ' die ' Herren^ Sprinzak, - I Dr. Mossinsohn' ünd Röbbiner Ostrowski auf Hie -Notwendigkeit hin, die Ukrainer Waisen nicht in Privathäüsepr.!unterzubriügen, ' sondetn in 'öffentlichen Instituten^ damit' - sie sich ständig unter' öffentlicher Kontrolle hesänden. Weiters würde' die Fröge des Schulbudgels verhandelt. Dr. Mossinsohn als Referent, sprach sich ent-- lschiedenst dagegen aus, daß dieses von der zionistischen Organisation gewährte Budget verkürzt werde, und zwar aus folgenden Gründen: -1. Die Schulen in.Palästina sind -nicht bloß für-die Landesbewohner, sondern auch für die ' Kinder der neuen Einwanderer bestimmt. 2. Die Kulturarbeit im Lande sei keine lokale Angelegenheit, sondern eine Frage der allgemeinen Renaissance'des jüdischen Volkes. 3. Die kulturehe Arbeit sei auch ein großer politischer Faktor. 4. Das Schulwerk in Palästina ermögliche es, die verschiedenen Meder des' Volkes zu einer Einheit zusammenzuschweißen. '.! Ben Gurion bemerkt, daß die zionistische Organisation nur a u s Z w a n g . das Kulturbudget verkleinere. Man :könne nicht , zu einer Zeit, da man die Einwanderungs¬ und Arbeitsbudgets Nrze, das Külinrbudget 'in seiner Gänze aufrecht erhalten. Schiller wies auf die' große Gefahr der L e v a ntisterüng der jüdischen Jugend ^in, der man inur dutch ein gesundes hebräisches Schulwesen mit Erfolg :entgegentreten könne. Ussischkin teilt offiziell mit, daß in der zionistischen Organisation kein Beschluß gefaßt worden wäre, d i e K n lllu r a n g e l e g e n h e,i t e n aus den Agenden der Zionistischen Exekutive auszuschalten und sie dem Waad Leumi zu übertragen. Schließlich wurde einstimmig eine Resolution angenommen, welche von einer^ speziell eingesetzten Kommission, bestehend, aus Ben Gurion, Dr: Mossinsohn und Sprinzak, ausgearbeitet wurde, wonach die zionistische Organisation auch fürdie Erziehüngsbedürfniffe des Jischuw und der neuen Einwanderer zu sorgen habe. Der :Waad Leumi könne gegenwärtig das Schulwerk nicht übernehmen, weil er noch kein Steuerrecht besitze und die materiellen Kräfte des Jischuw noch nicht Völlig dazu ausreichen. Dann würde die Frage der Unterbringung d e r E i n w a n d e r e r behaüdelt. Herr Liebermann teilte die Beschlüsse mit, welche M Zionistischen Einwanderungsawt diesbezüglich gefaßt würden: Die EinwanvereMger sind von Jaffa und Haifa in die Kolonien zu verlegen, ferner seien die Einwanderer drlrch Reservearbeiten zu beschäftigen, damit sie nicht ohne Arbeit im Lager sitzen. Er ..teilte/ferner mit. daß ein Teil djeses Beschlusses hereits 21. Juni 1922 : Nt. 1817 durchgeführt worden sei, indem in Mikweh Israel und im neu' entstehenden Bornchow-Biertel' die neuen Einwanderer' bereits beschäftigb werden. / . . llnterbringung der neue« Einwanderer».;« den Kolonien. .. Vom, Präsidium des Waad-Leumi begaben sich Herr David Min und Ben Zwi'Ende Jjar nach Petach Tikwah, um diese Frage für diese Kolonie endgültig zu regeln. In einer gemeinschäftlichen Sitzung dieser Mitglieder. deS Waäd Leumi-mit' Vertretörn^er Koloüisten und ' Arbeitern. wurde folgendes beschlossen:" Die Kolonisten Petäch Tikwahs verpflichten sich, inden. Monaten Atp unh Ellul 200, E r w a ch s e n e. u;p d. 400 M-ind er j ährig e zu.b esch äs Ligen,, abgesehen -von den ständigen. Arbeitern der Kolonie. Zur Zeit /her Orangenernte im Wintex. werden, die.Kolonisten 400 Arbeiter beschäftigen, unabhängig, von den ständigen Arbeitern. Diese -Beschäftigung soll eine b a u e r n d e sein, und zwar sechs-Tage iü der'Woche: Hierdurch werde die Möglichkeit vorhanden sein, - Chaluzim und Neueingewanderte zu beschäftigest. Außerdem verpflichteten sich die Kolonisten, von nun an 100 Neueingeivanderten Beschäftigung zn geben, nach der vön der Arbeiterorganisatiön in Petach Tikwah vorzulegenden Liste. Dieser Schritt ist der erste Versuch, Chaluzim ständig in den Kolonien zu beschäftigen. Das Gelingen dieses Schrittes wird auch günstige Folgen in den übrigen Kolonien zeitigen. - . Zahl der Einwanderer in der Zeit, vom 1. Jänner bi 31. 1922. - Laut Angaben des Majors Morris, Leiters der Einwanderungsbehörde in Jerusalem, sind in diesem Zeitraum insgesamt 2631 Per so n en .eingewandert. Darunter waren: 233 bemittelte Unabhängige, 69 Angehörige freier Berufe, 17 Familienangehörige der Angehörigen freier Berufe, 659 Personen, die bereits in Palästina Verwandte haben, von denen sie ernährt werden, 1170 Personen, denen Beschäftigung zugesichert wurde, 371 Personen, Verwandte der letzten Kategorien, und. schließlich 12 Einwanderer aus religiösen Motiven. Dr. Chäim Tartaköwer Die Judenfrage in Sowjetrutzland. Ein Interview mit Tschitscherin. Her Führer der. russischen Genua-Delegation, der Kommissär . für, Auswärtiges, G.. T s ch i t s.ch e r'i n, gewährte vor seiner Abreise aus Geüira dem KorresPonden- -ten'der „Jüdischen Preßzentrale Zürich" ein längeres Jntervieiv, aus dem folgendes wiedergegeben sei: -' Zn Beginn hep Unterredung.zeigte sich Hschitscherist ^Mt^SW/MeiA^ ^stch^^ WerMö Wge^dÄc'JMeM iir] ’lanb jü äußern unter oem Hinweis, daß sin Sowjettüßland. iüherhantzt' Itixi't Jud c.st-fr age existiere. Die Sowjetregierung mache keinen Unterschied unter den Konfeffioüen; Staat und,"Kircheseien völlig voneinander getrennt, die Juden genießen volle Gleichberechtigung und jede Nationalität besitze kulturelle Autonomie, -'Der Korrespondent gestattete sich.hiexauf, Tschitscherin «über die Konfiszierung 5er Shnagogenschätze zu befragen, Mobei er nicht.verfehlte, aus die mannigfachen Verfolgungen hinzuweisen, denen die Juden ausgesetzt sind; er «erwähnte u. a. die Schließung der jüdischen Religionsschulen und die Bestrafung der Religionslehrer, und richitete an Tschitscherin die Frage, wie diese Tatsachen mit seinen Aeußerungen zu vereinbaren seien. Tschitscherin unterbrach den Korrespondenten mit nervöser, erregter.Stimme und sagte: „Das ist eine Unwahrheit, die von der bürgerlichen Presse des Auslandes erfunden wurde zu dem Zwecke, das Ansehen der Sowjetregierung zu schädigen." Auf die Entgegnung des Korrespondenten, daß er diese Jnfornrationen aus den k o m m u n i st i s ch e n Zeitungen „Prawda", „Jswestia" und „Enres" selbst geschöpft habe, steigerte sich die Erregung Tschitscherins sichtlich, und er verbat-sich aufs entschiedenste — wenn der Korrespon- ' dent die Unterredung mit ihm fortfiihren wolle — jede weitere derartige Beschuldigung der Sowjetorgane. Er fuhr sodann in großer Erregung fort: „Teilen Sie, bitte, durch Ihre Zeitung der öffentlichen Meinung der Welt mit, daß die Lage der Inden in Rußland nicht schlimmer sei, als die der übrigen Bürger Rußlands." Der Korrespondent lenkte sodann die Aufmerksamkeit Tschitscherins. auf einen aufhetzerischen Artikel, beit Merejine, der Leiter des jüdischen Kommiffariats im Moskauer „Emes", veröffentlichte und' worin er strenge Bestrafung der jüdischen Krämerschaft fordert, die sich infolge der zu hohen auferlegten Steuerlasten geweigert habe, ihre Läden zu öffnen. Tschitsechrin bemerkte hierauf, er kennir Merejine Persönlich und glaube nicht, daß Merejine jemals so etwas schreiben würde. Es handle sich hierbei sicherlich, um eine Mystifikation. Ue'brigens sei ja das Kommissariat bereits aufgelöst. Auf den Hinweis des Korrespondenten, daß die Aus. Hebung des jüdischen Kommissariats doch sicherlich als eine Bestätigung der Mißbräuche anzusehen sei, die einige jüdische Kommissäre sich zu schulden kommen ließen, fragte Tschitscherin pikiert: „Wem denn sollten wir die jüdischen , Angelegenheiten anvertrauen, wenn nicht R a f f e s (jüdischer Volkskömmissär), der immer für eine jüdischkültürelle Autünömie eingetreten ist. Was können wir im übrigen dafür, daß es unter den Juden so viele Parteien gibt, daß wir nicht imstande'sind, uns zu orientieren, wer , eigentlich djtz. wiMjchen .Vertreter des JudenAwS sind? Ätiäiek

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