Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1216 (20.6.1922)
- Date
- 1922-06-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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?' •* .*(y w-^v Kr. 1215 v M?y/ DietMß j Nationalversammlung erfordere' es, daß er und seine Gesinttuflgsgenossen an dem feierlichen Akt nicht teilnehmend Freilaffung von Pogrombanditen. Budapest, ,16. Juni. (I. C. B.) Das Strafgerichthat. die Enthaftung der beiden „Erwachenden Magyaren" Aladar Gerlitza uyd Gisela M a r k i^_die der Vorbereitung emes Attentats auf den jüdischen Tempel in der Eavakgasse beschuldigt.sind, angeordnet. Der Einspruch dev Staatsanwaltschaft' gegen diese Enthaftung blieb erfolglos. Das Gericht begründete die Freilassung dannt, daß' dieses ÄtteNtckt vorerst bloß Gegenstand einer Besprechung zwischen den Beschuldigten war, was noch nicht zum Sühstrat eines gerichtlichen Verfahrens gewacht werden kann. Eine stürmische Sitzung im Dudapester Gemeiuderat - (Budapest, 16. Juni. (I. C. B.) Die vorgestrige Sitzung tmHauptstädtischen Magistrat verlief überaus -stürmisch. Der demokratische Gemeiuderat Dr. Baraes fordette die Auflösung des- Gemeinderates und das Aufgeben der hisherigen schändlichen Parteidiktatur des fogenatinten christlichen Kurses in der ungarischen Hauptstadt, da die soeben abgeschlossenen Parlamentstvahlen,. insbesondere in der Hauptstadt, bewiesen haben, daß die Bürgerschaft Budapests der bisherigen Majorität ihr Vertrauen. ^gekündigt hat. Bei den Wahlen in Budapest errangen dieLiderasen Und die Sozialdemokraten über die Zweidrittstljnajorität. Dies beweise, das; die Bürger der Hauptstadt von konfessionellen Vergewaltigungen nichts mehr wissen wollen und die durch die Entlassung der jübischen Le h rkraste und städtisch,en?Beamten kilMich ge-, steigerte Brotlosigkeit aufs schärffte mißbilligen. Die wieder auferstandene liberale Bevölkerung Budapests will ihre Organisationsfähigkeit in den Dienst der Gemeinde stellen, um mit der Desorganisation in der Verwaltung und in der Gemeindepolitik gründlich anfzuräumen. Die Mitglieder der Wolf-Partei störten den Redner durch heftige Zwischenrufe wie „Jude! Rabbiner Lyw! Verleumder! Bolschewik!" Der Antisemitenführer Karl Wolf erwiderte auf die Angriffe Dr. Baracs'/daß die Niederlage seiner Partei bei ben Parlamentswahlen einen Zweifel an der von ihr vertretenen politischen Richtung noch nicht zulasse. Die gegenwärtige Verwaltung der Hauptstadt werde daher ihre Macht nicht aus den Händen geben, es sei denn,'daß die Liberalen und Sozialdemokraten sie sich' mit Gewalt holen.; ^Beomtenabbau. Budapest, 19. Juni. (Tel.-Komp.) Eine heute erlassene' . $«0imng8lO!e^ angekündigtett' Beauitenabbau auf unerwartet breiter Grundlage durch, Nach dent Entwurf wirv'am M d. die Auszahlung der Gehalte aller jener Angestellten de- Staates, der Staatsbahnen, der Konntate, der Stadtgemeinden und Religionsgemeinschaften eingestellt, deren Bezüge im letzten Budget unter dem' Titel „lleberzählige Angestellte" ausgenommen worden waren, oder deren Stellen-nach ihrem Austritt nicht mehr besetzt werden sollen. Alle diese öffentlichen Angestellten werden anfangs Juli bereits einem Absertiguugsverfahren unterzogen und erhalten 80 Prozent ihrer früheren Bezüge als Vorschuß. Die Zahl der zum Abbau bestimmten Beamten wird in emgeweihten Kreisen aus 80.000 bis 10.000 geschätzt. Polen. Przanowski — MinisterprSfiderrt. Warschau/19. Juni. Der Hauptausschuß des Landtages hat m seiger gestrigen Sitzung Stephan Przanowski, der im Kabinett Mtos das Portefeuille für Handel uno Industrie innehatte,, mit 299 gegen 98 Stitnchen zum Ministerpräsidenten designiert. Die Nativualdemokratcn hatten Szalski oder Korfanty vorgeschlagen,'Ersterer lehnte ab, gegen letzteren erklärten sich die Volksparteiler und die Sozialisten. Przanowski hat nach Fühlungnahme mit.den Parteiführern den Sejmpräsidenten davon verständigt, daß er die Kabinettbildung übernehme. Dieser machte dem Staatschef davon Mitteilung. ■ ' ' .' '■ Przanowski ist ein hervorragendes Mitglied der polnischen Großindustrie -und Mitinhaber der Warschauer Firma Przanöwski, Chrzanöwski u. Co. Er war im Jahre 1918 während der deutschen Besetzung Handelsminister im Kabinett KucharczewSki und im Jahre 1920 Handelsminister im'Kabinett Witos. Et gehört dem Landtag nicht an, ist kein ausgesprochener Parteimännnnd soll mit der'Mittelpartei Skulskis, der nationalen Bolksvereinigung, und nnt der zweitenGrupPe der Mittelpartei, der bürgerlichen Vereinigung an deren Spitze Abgeordneter Npsset steht,- sympathisieren. Fusion zwischen Witos »md Stapinski. Warfchaü,17. Juni.(Tcr.dLr „Wr. Morgenzeitung"). Zwischen dem Klub der Witos-Grüppe tznd der Volkspartei,' die unter der Führung des Abgeordneten StaPinskr steht, haben Fusionsverhandlungen begonnen. Die Spaltung det ehemals vereinigten Volkspartei ist zufolge Differenzen zwischen Witos und Stapinski vor zwei Jahren eiNgetreten. Die UMvostave Kirche. Warschau, 17. Juni.(Tel. der „Wr. Mörgenzeitnng"). Die vor kurzem stattgefundene Konferenz der pravoslaven Bischöfe in, Polen faßte den Beschluß, die Unabhängigkeit dev Prapoflavettkirche iy. Polen wvn Rußland zu erklären, mit dU . Motivierung,- daß gegenwärtig in Rußland auf dem Gebiete . der kirchlichen, Ängelegenheiten Anarchie Herrsche. Außerdem würde eine Resolution gefaßt, in der der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daßdie polnische Regierung im Geiste? der Verfassung die rechtgläubige Kirche > ÄlWHWMHM MhMdeN Wd vöEPaWrchen iE ' KMWMW hie KWnmnA zu der NAbhiWtzkWeHr k klärung erwirEn werde.', / . . Die Ailnaer Iu-tnschäft für da» hungernde Rntzlaud. Wilna, 16. Jüür. (Tel. W „Wk.Mvrgenzeiiung"). Das Wilnaem Rabhinat hat den ,16. .Juni.als einen.Samntelsagfür die -^ungerleidendenM Rußland Lesttmint. An diesem Tag, haben alle Ju^nMlnas ihren Tagesverdienst, zugunsten der hungerleidenden Juden zu spenden. Die Rabbiner selbst spendeten ihren Hochertgehalt. , Litauen. Iwangssonntagsrnhe in Litauen. - Kowno, I6l Juni. (Tel. , der ,Mr. Morgenzeitvng"). In der letzten Sitzung des Parlaments wurde in erster Lesung' das Gesetzesprojekt über die. Einführung der Zwangssonntagsrithe fiir alle Bürger Litauens angenommen. Palästina. Dr. Bruck - gestorde«. Jaffa, 16. Juni. (Telegramm d. „Wr. Morgenzeitung") Dr. Grigori Bruck ist hier um 11. d. gestorben. Dr. Bruck gehörte zu den führenden'Persönlichkeiten des russischen Zionismus und war seit seiner früesten Jugeüd im Dienste der jüdischnationalen Idee tätig. Er war-auch jüdischer Abgeordneter der ersten russischen Duma und mußte nach Auflösung der Duma wegen Unterzeichnung des bekannten Byborger Manifestes eine vierjährige Kerkerstrafe durchmachen. Bor zweiJyhre«'Merfiiche^^t^Mrnck MachtMaLsünä» wo - er in Jaffa als Arzt tätig war. I Hausdurchsuchung in Bezalel, - Jerusalem, 16. Juni. .(Telegr. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die Ortspolizei hat. in der letzten Nacht einen plötzlichen Ueber- . fall aufdie Bezalelschul^ gemacht und mehrere Schüler aus dem Schlafe heraus, verhaftet. Sodann wurde eine. strenge Hausdurchsuchung nach Waffen in allen Ubikationen veranstaltet. Als hierauf nichts, vorgefunden wurde, wurden die-verhafteten Studenten auf freien Fuß/gesetzt. , Die Palästina-Regierung und der R«thenherg-Plan. Ingenieur P. R u t h e n b e r g, der sich im Interesse seines Bewässerungsplanes nach Amerika begab, erhielt vor seiner Abreise das folgende Schreiben des Oberkommissärs Sir Herbert Samuel: Die Mission, in welcher Sie sich nach Amerika begeben, ist für Palästina von größter Wichtigkeit. Der Plan der Nutzbarmachung der Hauptwasserquellen der Wasserkräfte in Palästina für die Schaffung von elektrischer- Kraft, verbunden mir der Bewässerung und Besiedlung gewisser gegenwärtig noch unbewohnter oder nur spärlich kultivierter Landstriche, ist e i n e.d e r wertvollsten M a ß- ' nahmen, welche für die wirtschaftliche Regenerierung des Landes angewendet werden kann. Die Regierung Sr. Majestät, wie auch die Verwaltung, von Palästina, sind an dem Projekt in hohem Maße interessiert und haben den Wunsch und den Willen, den Plan in jeder Weise zu fördern. Die erfolgreiche Dnrchfiihrung des Projektes wird, indem sie den Wohlstand des Landes heben wirb, allen Bevölkerungsschichten zugute kommen. Sie wird aber auch ein schlagender Beweis, dafür sein, welche Vorteile sich aus der Einführung jüdisch en 1tntcrnehmcrrnms, jüdischen Kapitals und die Gründung von weitererr Siedlungen jüdischer Kolonisten ergeben würden. Ich möchte die ernsteste Hoffnung ausgesprochen haben, daß es Ihnen gelingt, in Amerika jene finanzielleHilfe sicherzustellen, welche für die Durchführung Ihres, wertvollen Planes unerläßlich ist. WahtLomproArß der Sozialdemo kraten mit Witos? Arabisch-jüdische Verftündig»ng in Tiberias. Warschau, 17. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung"). In den S?.jmeoülpirE-sinE Gerüchte verbreitet, daß demnächst einWaWmproÜntz-.-LwisKen der Witos-Gruppe und den Sozialdemokraten abgeschlossen werden wird. Die diesbezüglichen Verhandlungen sollen in den nächsten Tagen zum Abschluß geführt werden., ' In T ib e r i a s bat die arabisch-jüdische Berständigungsaktron' erfreuliche Elgcbnifle gezeitigt. Der Sicdtrat' besteht nunmehr aus drei Juden, drei Moslims und einem Christen. Der Bürgermeister ist der Araber Huss'eini Z aha bi und seine engsten Mitarbeiter sind Juden. Tatsächlich sind seit' dieser Kooperation zwischen Arabern Und Juden in Liberias I engl. Stoffe, Herren- und Dameri- I Wäsche, Leinen-und Strickwaren, f alles erstklassig und billigst bei K. ' ' - ' - . . - " ■■■■■ -■ . . ■ ■ -.%■ . .... 20. Juni 1922* , Seite 3 J c in erlei Miß Helligkeiten zwischen den, Mitgsiederv der beiden R ätion en zw age getreten.' - Ein äußeres Merkmal- -- dieser B.'r'l1:r-.'gun,' l egt auch darin, daß sämtliche Aussendüngen des Magistrates von Tiberias sowie alle wichtige:r Aktenstücke in arabischer n n.d hebräischer S P r ach e gehalten sind. , . Rundschau. Judenpogrome in Rußland. W a r sch a ü, 19. Juni. (Tel.-Komp.) Hier eingetroffeaeit Meldung« zufolge haben in zahlreichen Ortschaften Rußlands und der Wraine neue Judenpogrome stattgesimden. In ein, zelnen Orte» wurde die ganze jüdische Bevölkerung niedergemetzelt. Polizei und Militär verhielten sich durchaus päsiiv. Die englische IudenheiL forpert die Ratifizierung des Palästina-Mandats. L o n d o tt, 17. Juni. (I. C; B.) Das aus Vertretern des Jewish Board of Deputies und der Anglo-Jewifh Affoeiation zusammengesetzte Joint Foreign Committee nahm in seiner jüngsten Sitzung eine einstimmige Re so» lution an, in welcher die britische Regierung namens der gesamten englischen Judenheit ersucht wird, ihr möglichstes auszubieten, um die B e st 8 t i g ung des P a l äst-i n a - M a n d a ts in der bevorstehenden Sitzung des MlkerbWdrates zu sichern. Die Resolution wendet sich glelchzeM mit einem Appell an den Bölkerbundrat, das brittsche Mandat über Palästina ohne weitere Verzögerung zu rattfWren. Oberschleste«. ' Kattowitz, 19. Juni. (Tel.-Komp.) Die Besetzung der den Poley zugesprochenew oberschlesischen Gebiete durch die polnischen Truppen beginnt unter der Führung des Generals Szepthcki am 20. d. Die Uebernahme wird bis zum 10. Juli beendet sein, Die Polnische-Polizei ist bereits', in Kattowitz eingerückt. Auch die Uebernahme der.Eisenbahnen, des Post-, Telegraphen-, und Telephondienstes ist bereits vollzogen. Berti», 19. Juni. (Wolfs.) ..Gemäß, dem Regiernngsababkommen wurden die Eisenbahnen- sowie der Pvst-, Telegrahen- und Fernsprechbetrieb gestern in Polnisch-Oberschlesien den Polen übergeben. Die neue Zollgrenze trat heute in §ttast. Heute nachmittags findet in Ober-Glogan und in Kreuzburg der Platzwechsel statt. Damit sind diese Gebiete wieder unter deutsche- Regierungsgewalt getreten. Die französischen Truppen sind heute Vormittags ans Kattowitz abgezogen.' ^77".11 Tagesbericht. HWWÜM MMtMithl-BWÄMMkuW * Die Polizei-fühlt sich bemüßigt, dev Kritik, die ihr merkwürdiges Borgehen in der Riehl.-Bersammlung vom Samstag in der objektiven Wiener Presse gefunden hat, enigegenzütreten. Um zunächst unseren Standpunkt in dieser Sache zu präzisieren,-betonen wir, daß uns die deütschsozialen'Argumente ebenso gleichgültig sind wie die kommunistischen, die beide einander so ähnlich sehen, wie ein geschwungenes Stuhlbein dem anderen. Was uns aber weniger kalt läßt,? ist dev Gebrauch antisemitischer Schimpfwörter durch die im Dienste stehenden Polizisten. Dieser Unfug sternpelte die Sicherheitsbehörde förmlich zu' einem ‘ Exekutivorgan der Riehl-Leun und daran können die schönsten amtlichen Berichtigungell nichts ändern. Wenn vollends die „Deutschösterreichische Tageszeitung" in ihrer Montagnnmmer dankbar anerkennt, , wie groß das Verdienst der Polizei ist, daß sie die nntisemitischen Hetzreden ermöglicht habe,'so tut das großdeutsche Organ genau dasselbe, was wir in unserem Versammlungsbericht getan haben: es bezichtigt die Polizei des Einverständnisses mit den Riehl-Leuten. Uns ist diese Sympathie nicht ganz neu.' Wir konnten ja erst jüngst berichten, daß eine Hausdürchsuchung be im deutschen. Nationalverband österreichischer Offiziere nach Waffen ergebnislos verlief, weil die Pogromisten von einem Polizeiorgan vorher gewarnt worden waren. Bei solchen Verhältnissen m Oesterreich ist es sehr lustig, daß der Tenor'der dentschsozialen Reden im Sophiensaal gegen di«. — „stetig überhand n e h m ende Judentyranner" gerichtet war. Diese Judentyrannei kann gar nicht besser illustriert werden als durch die Tatsache, daß sich die Wiener' Juden die Pöbeleien zugereister Tschecho-Slowaken und Bajuwaren gefallen lassen müssen, weil zu deren Schutz die Wiener Polizei in Aktion tritt! . Wie viel Kronen darf ei« Reisen-er ins Äustand fuhren? Erhöhung der Quote auf 200.000 K. , Das Bundesministerimu für Finanzen hat. mittels Erlaffes von: 6. Juni 1922 verfügt, daß im. R eis ende uu tt d Grenzp af s a n t e n v e r k e h r beim Grenzübertritt österreichische Kronenuoten bis zum Betrage von 2 00.0 00-K. Per Person ohne besondere Bewilligung mitgenommen werden dürfen. Die Mitnahme von ausländischen Zahlungsmitteln bei Reisen nach dem Ausland unterliegt auch weiterhin leinen anderen als den in der Steuerfluchtverordnung (L.-G.-Bl. Nr. 758 von 1921) begründeten Beschränkungett. Tdborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En detail