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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-18 · Heft 1214 (18.6.1922) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1214 (18.6.1922)
Date
1922-06-18
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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w ~I I ■ - »TU* ■» " '~ii v~-'V1*“”*« ' »» -Wi" * 1 'W1***' \ i Sette lb Wien, Sonniüg Wrener Morgenzeitung. 18. Juni 1923 Nr. 1214 Vuf) erzeugte Knappheit zu Prsistreibweien benützt wird. V: e Kaufleule berechnen die Detailpreise für einzelne Artikel, , als ob sie ihre gesamten Vorräte gerade indenTagen der höchsten Valutenkurse eingekaust hätten.' Es sind deshalb strenge Weisungen an die Organe des Krieg'wucheramtes ergangen, genaue Kontrolle zu üben und auch Fakturen» auswei-e in verdächtigen Fällen zu sordrrn. ✓ Bühne und Kunst. Ueberführrrrrg der Gobelins in die Burg. Wie verlautet, werden die im Zusammenhang mit den Krediiverhandlungen so vielfach erwähnten Gobelins aus dem früheren Hofbesitz in nächster Zeit i.n die Wiener Burg überführt werden. Die kostbaren Bildteppiche, unter denen sich bis ins sechzehnte Jahrhundert znrückreichende .niederländische Tapisserien befinden, haben verschiedene Größen. Sie zählen etwa 800 Stück. Seit langem waren sie nn Schönbrunner Schlosse in Verwahrung, um für die Hoffestlichkeiten sofort bereit jju sein. So waren bei eimn Besuche, den Kaiser Wilhelm der Zweite dem Kaiser Franz Josef abstattcte, die Wege auf dem ganzen Wege aus dem Innern des Schlosses bis in das Schloßtheater, wo eine Galavorstellung statffand, mit den schönsten Gobelins verkleidet. Soweit die Gobelins des ehemaligen Hofbesitzes nicht anderweitig verwendet sind — so im Redoutenthcater und in einzelnen Schlössern —, sind sie in der Schönbrunner Sammlung vereinigt. Die Prachtstücke, die schon in Schönbrunn unter Aufsicht der Leiterin des früheren Hofateliers für Restaurierung der Gobelins, Kammerkunststickerin Hermine Bach, standen, werden an ihrem neuen Aufbewahrungsorte in der Burg — in den Räumen der Esteschen Sammlung — auch wüKrhin die sorgfältigste, sachgemäße Behandlung finden und auch zeitweise der Besichtigung zugänglich sein; sie befinden sich durchaus in denkbar bestem Zustande. Das Aktionsprogramm des Raimund-Theaters. Die Direktion des Raimund-Thealers hat für die z teile Wlnterspiclzeil, welche Freitag den 3. Leptembcr 1922 beginnt, IDorbereitanaen getroffen, die eine Durchführung des bisherigen Planes (eine Verbindung Lee bsid.-n Lhcaterstädte Wien und Berlin, welche sich bereits im ersten Fahre sehr erfolgreich bewährt hat) auch für die kommende Saison als gesichert erscheinen lassen. — Als Spielleiter werden sich betätigen: Kar! Keinz Martin, der für drei Monate dem Theater verpflichtet wurde, Intendant Leopold I e ß n e r vom Staalstheater. der zwei Inszenierungen in Wien leiten wird, Jörgen Fehling von der Volksbühne in Berlin, nunmehr ebenfalls dem Staatstheatet verpflichtet, der gleichfalls dis Regie zweier Ersiaufführungen im Raimund-Thealher übernimm'; ferner wurde der Regisseur . drs Schauspielhauses in Leipzig, Robert Pirk, ganzjährig dem Institute verpflicht.t, weiters wurden der Ober» (xegifseur Ludwig Stärk, ferner Karl Forest, Willy Schmieder und Dr. Rudolf Beer» als Spielleiter tätig fein. Die Ergänzung des Personals wurde von dem Gesichts» punkte aus vorgenommen, daß eine gewisse Stabilität der dar» stellenden Kräfte gewährleistet sein soll und wurden in diesem Sinne mit Ferdinand Bonn» Kar! F o r e st, Kans Karr, Willy T h a l e r Verträge geschloffen, die den betreffenden Darsteller sür mindestens vier, respektive sechs Monate der Spielzeit dcm Thecnhsr gewinnen. Ein- bis zweimonaltige Gastspiele absolvieren: Fritz Kortner, der bereits im Shakespeares ■ „Othello" und „Sturm" und im neuen Stück von Ernst Toller spielt, Tilla D u r i e u x (zwei Monate), die - im Oktober die Novität von Nicodenn „Der Schatten" kreieren wird. Eugen K l ö p s e r, der im November und Dezember ein zweimonattiges Gastspiel absolviert, und den Göh, den Richtervon Zalameo, Tartuffe und in Schnitzlers „Komödie der Worte" spielt, ferner Max Palle nberg (zwei Monate), der das frcmzösiiche Schauspie' „lle cocu“ von Emil Mozaud, übersetzt von Alfred Polgar, ferner „Tobias Bundschuh" und eine Novität von einem österreichischen Dichter spielst In das Ensemble des Raimund-Theaters treten ferner Kans Z i e g l e r von den Bernau-Bühn^n, weiters die Kerren Kauz B e h a l und Keinz Fischer von der Wanderbühne Gustav Kenne vom Stadllheater in Essen, Keinrich Schnitzler von der Wanderbühne (em Sohn des Dichters^ ^Keinz S t r a n s k y von der Staatsakademie. Maria Karsten vom Frankfurler Schauspielhaus und Margarethe R i e vom Landestheathw in Linz. Aus den Theatern. 5jn Burgtheater werden morgen «Die Geschwister" und «Kanneles K i m m e l f a h r t" gegeben. 6m Operntheater gelangen morgen «Cavalleria r u st i c a n a" und «Der Bajazzo" zur Auf» jührung. In der V o l k s o p e r gehen heule «DieMeistersinger von Nürnberg" mit Kerrn Kammersänger Rudolf Ritter als Stolzing und Frau de Debicka als Eschen in Szene; den Sans Sachs fingt zum ersten Male Zerr Aaumann. Diugent: Kerr Dr. Meirich. Beginn V-6 Uhr. —Morgen, gelangt «DerZigeunerbarvn" mit Fräulein Paula Bäck a. G. als Arsena und Herrn F. Schönhoff a. G. als Zsupan zur Auf» führung. Herr Ritlersheim, der an diesem Abend zum ersten Male in dieser Saison qusiritt, singt den Barinkay, die Saffi, singt Frau Pfiffer-Lax. Im Deutschen Volkstheater gastiert morgen Kerr Moisii als Hamlet und Dienstag. V°7 Udr in Schillers .jOPISCHER SCHULVEREIN. WIEN. Sonntajj den 18. Juni 1922 im I. CafShaus, Prater Hauptallee 4'(Garten und Kasinosaal) . Grosses Gartenfest mit originellem künstlerischen Programm u. Tanz Mitwirkung hervorragender jüdischer Knnstkrllfte, Orchesterkomert nnd Tanzkapelle. Jiidischo Ha^cnn Mot'nitfioc Volkslieder gesungen v. Oberkanior UtJ»oUII If]dl yul’BOy am Klavier: RrscSavcifV Hebräische Kuiderchöre. palii- Profossor Dl <IO*ClVoRjr. .(inensiscbe Reieen, ArifTöhrung des biblischen Kinderspiele« „David w’Goliaih“, Verlosung einer reichhaltigen hebräischen Ribbothek und anderer WertgojeoallLnde, Vergniigungshölten, Jnxpost o. k. w. Beginn: 3 Uhr nachm. Ende : 12 Uhr nachts. Karlen h K fiOfl.— im Vorverkauf: Sekretariat de«*J/ldischen Pchnlvereins. If.. Zirknsnisso 33, Zionistisches Landoskomiteo, II., Tnborstrasso 20 a. Alministration der „Wienor Morgenzeitnng“, If.. Taborgtrass» 1/3, sowie bei sämtlichen zionistischen Korporationen und bei den MitüUedarn d»s Vereines Erez Israel. An der KassaK 800.— -.. — ...■■■■ « "... — Im Folie nngiinMiper Witternng behalterr die gelüsten Karton ihre Gültigkeit Mr Sonntag den 25., bezw. Donnerstag den 29. Juni 1922 (Feiertag). 9574 Troüerspj'l «D i e Raub e r" als Franz Moor. Kerr Kliisch gibt den Karl, Kerr Ziegler den Spiegelberg. In den K a m m e r s p le n ist am 1. Juli Premierenabend. Als Abendvorstellung geht die dreiaktige Burleske «Abenteuer in Marokko" von Pierre M a l i n, deutsch von Ernst Kerbert. zum ersten Male in Szene. AlsNachjx Vorstellung wird ein Einakterabend aus dem Repertoire des Parjer Grand Guignol-Theolers vorbereitet, und zwar gelangen die Einakter «Venus" von Claude Benjamin, «Die' Spelunke" von Charles M e r e, deutsch von Bruno Frank und «L a u f d o ch n i ch t i m m e r nackt h e r u m"! von Georges Feydea u, deutsch von Rudolf Lothar, zur Aufführung. Im Raimund-Theater spielt nur heut; Fräulein Elly R e i t h o s e r, Mitg'ied des Schauspielhauses in Frankfurt, die Toni Weber im «Vermächtnis" als Debütantin. Donnerstag findet die Ersiaufsührung des Scherzspieles «D i e Liebe geht um" von Robert Bodansky und Bruno Kardt-Warden, Musik von Robert Stolz, statt. Die Hauptrollen verkörpern Franz Glawatsch. Pepi Glöckner. Emmy Förster, Adrienne Geßner, Gusii Liedermann, Finni Zernitz. Louis Böhm, Oskar Kvmvlka, Alfred Neuge'oauer und Eduard Loibner. Im WienerKomödienhaus gelangt Dienstag, V°8 Ahr abends, die erfolgreiche Posse «D i e P a r I m e n t skathi" mit Otto Glaser, Mihi Freihardt. Turl Wiener und Trude Traubert als Gästen zur 75. Aufführung. In der R o l a n d - B ü h n e gelangt morgen die Burleske aus der Lederbranche «S ch u h h a u s Z e n i t h" zur 25. Aufführung. Beginn 3/48 Uhr. In der N e u e n W i e e r B ü h n e beciinnen morgen die Vvrslellungen des heiteren Linakterabends («D er une rbittliche Wachmanns «Die Spieler", «Ein Keiratsantrag") mit Max Gülstorff als Gast, eist um ^8 Ahr. Ei» Ehrcngrab für Karl Blasel.. Bürgermeister R e m m a n n hat verfügt, daß die sterblichen Ueberreste Karl B l asels in einem Ehrengrabe, der Stadt Wien am Zentrilsriedhose, und zwar;in der Nähe seines gle'chbtrübmten Kollegen Joses Matras bestattet werden. Eine Wiener Sängerin an der Berliner Staatsoper. Wie aus Berlin berichtet wird, hat an der dortigen Staatsoper die Wiener Sängerin Fried! Böhm, die viele Jahre am' Landestheater in Prag engagier: war, als Butterfly und Evchen einenn solchen Erfolg irrnngen, daß sie von der Intendanz der Berliner Staatsoper zu einem längeren Ga>tspiel im Herbste eingeladen wurde. Die Salzburger Festspiele. Die Orchesterproben für die Salzburger Festspiele beginnen bereits anfangs der kommenden Woche. Das Orchester scht sich in der Hauptsache zusammen aus Mitgliedern des Opernorchesters (Philharmoniker) und ersten Kräften anderer Wiener Orchester. An der Spitze der Streicher wirkt als Konzertmeister Prof. Arnold Rose. Wiener Opernsänger in Budapest. Die Damen Jeritza, Schumann, Schöne und die Herren Piccaver, Duhan, Manowarda haben unter der Leitung des Direktors Schalk vom 30. Mai bis 11. d. ein erfolgreiches Gastspiel in der Budapester kgl. Oper absolviert. Museumsdirektor Probst in Pension. Der Wiener Gemeinderai hat in vertraulicher Sitzung dem Direktor der städtischeu Sammlungen Johann Eugen P r o b st anläßlich seiner Versetzung in den bleibenden Ruhestand in Würdigung seiner Tätigkeit den Dank und die volle Anerkennung ausgesprochen. Direktor Probst hat sich während seiner Dienstzeit um die Einrichtung des Hauses e r t h e i m st e i n und «die dort untergebrachte-Volksbibliothek'sbwie um die Schaffung des Museums in Schuberts Geburtshaus verdient gemacht. Von ihm stammen die Anträge zur Organisation der. öffentlichen Kuüst- und Denkmalpflege der Gemeinde und auf' Herausgabe der kritischen Gesamtausgabe der Werke Grillparzers durch Professor Sa.uer sowie auf Herausgabe der bei Gerlach u. Wiedling erschienenen Sammlung von Altwiener Liedern und Tänzen, desgleichen auf Herausgabe des Kataloges der Brieffammlung der Stadtbiblioth»k. Auch um die Durchführung des Wettbewerbes zum Neubau des städtischen Museums und um die Durchärbeitung der Pläne hat sich Direktor Probst Verdienste erworben.' ■ ' 1 I I ‘ ' •' . , Alfred Grünseld Bürger üon. Wien. Der Gemeinderat.hat! in.vertraulicher Sitzung den Pianisten und Komponisten Alfred ‘ G r ü-n f e l.d' ^anläßlich -s^nes- '70. Geburtstages ,in ''dankbarer ■ Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um. die Stadt' Wien auf musikalischem Gebiete zum Bürger der Stadt Wien ernannt.. Wägend des zu Ehren Alfred Grünfelds verauüaluten Festkonzertes erschienen Bürgermeister Reumann mnd Sektionschef Folter Strefföenr im Künstlerzimmer, um Alfred Grünseld im Namen der Stadt Wien, des Ministers für Unterricht sowie im eigenen Namen die wärmsten Glückwünsche zu überbringeu. Grünseld dankte in tiefer Bewegung für diese im zuteil serc-urdene Ehrung. Der Wiener Männekgesangverem ließ dem Künstler durch sein Vorstandsmitglied Ludwig Sild einen mächtigen Lorbeerkranz mit einer huldigenden Widmung überreichen. Einladung Gerhart Hauptmanns nach Amerika. Die Deutschen in den Vereinigten Staaten haben ein neues Liebes» werk vorbereitet, das Ende Juli dieses Jahres in Angriff genommen werden soll. Man will mindestens drei Millionen Dollar sammeln und dieser Betrag soll in erster Linie den darbenden und unterernährten Kindern im Deutschen Reiche und in O est e r r e üch in den nächsten drei Jahren zugute kommen. Gerhart H a n p t m a n n wurde eingeladen, eine Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten zn unternehmen. Amerikasahrt der Wiener Philharmoniker. Wie bereits gemeldet, unternehmen die Wiener Phill)armoniker eine Tournee durch Südamerika. Die Künstler treten" ihre Reise am 29. d. an; bis einschließlich 28. d. sind sie im Orchester der Staatsoper tätig. In den letzten Tagen der Spielzeit, am 29. und 30. d., werden Ballette, und zwar „Prinzessin von. Tragant", „Coppelia" und „Pnppenfee" aufgeführt. Goethe und das Proletariat. Der Herausgeber der „Aktion" Franz P e m p f e r t lehnt anläßlich einer Polemik über die Bedeutung Goethes für das Proletariat die Werke Goethes als „Gift" ab, nnd schreibt unter anderem: „Nicht weil die Exzellenz Goethe auf der Karlsbader Kurpromenade die „Damen der Hofgesellschaft" lakaienhaft grüßte, sondern weil alles, was Goethe, diese Klassenangelegenheit der Bourgeoisie, schuf, den Geist der Bourgeoisie enthält, deshalb sind Goethes Verse dem Proletariat, das zum Klassenbewußtsein erwacht ist, „ungenießbar", auch, nein: gerade dort, wo diese Verse „freiheitlich", „tief", „vorurteilslos", „allumfassend", klingen! Wie ein politischer Schüft kein privater Ehrenmann sein kann, so darf ein geistiger Repräsentant - der auf Menschenausbeutung gegründeten Gesellschaft, ein Spießer, Reaktionär, Speichellecker, Bürger, Nevolutionsverleumder nicht gleichzeitig, nur weil er toiettcidjtjm bürgerlichen Sinn formvollendete Liedchen gereimt hat, den anmarschierenden Arbeitern zur „Beachtung" in den Weg gestellt werden." Pempferts merkwürdige % Aeußerung dürfte auch in weiten Proletarierkreisen als lächerlich empfunden werden. . . ’ Eine deutsche Münze mit hebräischer Inschrift. Der Frankfurter Münzkenncr Julius C a h n beschreibt in der Zeitschrift für Numismatik ein Wettauer Dynastenbrakteat (Blechsilbermünze) mit hebräischer Inschrift. Seine Arbeit führt den Untertitel: „Ein numismatisches Denkmal des Judenschutzes im >12. Jahrhundert." Die Bedeutung' der hebräischen Namensunterschrift ist ihm käum zweifelhaft. David ha Kohen, der seinen Namen an so auffallender Stelle aus diese Münze gesetzt hat, kann nur ein Münzmeister oder Münzpächter des Reichserbkämmerers Knno von Minzenberg - gewesen sein. Das Auftreten eines Juden in solcher Stellung schon zu Zeiten Friedrich Barbarossas könnte merkwürdig erscheinen, - doch sind jüdische Münzmeister in Deutschland auch sonst im 12. Jahrhundert bereits nachweisbar. Wir besitzen zwei Brakteateir, die älter oder spätestens gleichzeitig sind und ebenfalls hebräische Inschriften tragen; freilich konnten beide Inschriften bisher nicht entziffert werden. Aber beide können nur Erzeugnisse einer Münze sein, an der Juden an leitender Stelle tätig waren. Mit einem Amt ist auch David ha Kohen von Kuno von Minzenberg betraut gewesen, sonst hätte er nicht seinen Namen ‘ aus die Münze.setzen können. Die Figuren auf der Münze zeigen einen Juden, der sich hilfesuchend dem thronenden Dynasten näht. Dies deutet Cahn auf Friedrich Barbarossa und Kuno von Minzenbcrg, die zu jener Zeit Schützer der Juden waren. Daß die Münze in Frankfurt am Main geprägt sein muß, sucht Cahn wissenschaftlich nachzuweiscn. v Katschalow über das Berliner Theater. W. Katschalo w, der berühmte Darsteller und Spielleiter des Moskauer Künstlertheaters, der in Wien anläßlich des Gastspieles der witrde. ist setzt wieder an »en Mostt.-cr Kammeriv-elen tätig. In einer Denkschrift, die das Komitee der akademischen Theater in Moskau herausgäb, finden wir eine sehr abfällige Aeußerung. Katschalows über den Berliner Theaterbetrieb. Er schreibt unter anderem: „Ich sage Berlin Lebewohl und nehme vom Berliner Theater Abschied. In meiner Tasche steckt ein Billett sür das „Königgrätzer Theater", das ich mit Müh nnd Not erhielt. Es ist sozusagen das sensationellste Werk der Berliner Saison „Die Abenteuer des Kapellmeisters Kreisler", die Inszenierung eines Hoffmannschen Märchens. Es ist so traurig, daß man die Eindrücke gar nicht schildern will. In den deutschen Theatern gibt es nicht viel Erfolgreiches. Weit mehr wurde in der Bühnentechnik geleistet, schier Wunder an Auffühungskniffen, aber kein lebendiger Geist,, weder beim Schauspieler noch beim Regisseur. In dieser Hoffmann-Aufführung gehen säst 40 Bilder im Verlauf von zwei Stitnden über die Bühne. Die Bühne ist in acht Szenen geteilt und die Handlung voll-/ zieht sich in allen acht Teilen der Bühne fast ununterbrochen, — das Licht in einem Teil erlischt und flammt gleichzeitig im anderen auf. Dies ist eine ungewöhnlich neue Technik, aber, mein Gott, wie hoffnungslos alt und traurig hinsichtlich der .Ausführung./ Alles das nämliche alte, tödliche, gedrückte, schwere Pathos. —' Etwa drei Tage vorher sah ich „Faust" mit Janiks als Mephisto, dem dank dem Kinematographen . gegenwärtig in Deutschland populärsten Schauspi^ser. Und wirklich, int Kino' ist' Janiks gut, eine ruhige und deutliche Zeichnung eines großen Schauspielers. Aber hier'im Lessing- Theaicr als Mephisto überragte er unsere provinzialeü Oper- Mephistophelt aus der Vor-Schaljapin-Periode nicht. Nein, ick habe keine Luit, über das Berliner Theater zu sprechen...

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