Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-06-18 · Heft 1214 (18.6.1922) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1214 (18.6.1922)
Date
1922-06-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980294--11437-2997889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6_ Men, Sonntag ist Lei Blutarmut und Nervenschwäche ein vorzügliches Heilmittel. Die Wärmeentziehung durch das Wasser ruft die Gegenwirkung hervor, daß sich unter der Haut bald ein leichtes Fettpolster bildet, das von der Natur bestimmt ist, den Wärmehaushalt des Körpers zu regulieren. Gleichzeitig stärkt bte rhythmische Bewegung die Muskulatur des Rumpfes und der Extremitäten. Magere Frauen verbessern durch Schwimmen ihre Formen, korpulente Frauen vermindern den Fettansatz. An die zweite Stelle setzen die Sportkundigen das stilreine Laufen. Es verleiht — ebenfalls unter der Voraussetzung, daß cs maßvoll betrieben wird — Schönheit der Bewegung und der Form. Die durch diesen Sport erlangte Technik der Beine übertragt sich von selbst auf die Schönheit des Ganges, die man im täglichen Leben ja leider fast ganz vennißt. Von den Aerzten sind viele Erkrankungen beobachtet worden, die aus Uebertreibungen des Laufsports berdorgegangen sind. Nach fachmännischer Ansicht - dürfen Frauen keine Wettkämpfe im* Laufen austragen. Frauen, die völlig ausgepumpt am Ziel; zusammenbrechen, gewähren keinen erhebenden Anblick. Selbst Frauen von starker Konstitution haben sich den Anforderungen eines Wettlaufes unter ernsthaften Bedingungen vielfach nicht gewachsen gezeigt. Das Laufen war ein Hauptspori der spartanischen Mädchen. Diese übten auch, den Hochsprung aus, und als eine erstrebenswerte Fertigkeit galt es, beim Niedergehen mit dem Gesäß die Fersen zu berühren. Von den denkenden Sportfachleuten unserer Zeit wird der Weit- und Hochsprung in seiner Bedeutung für bte Frau nicht so hoch eingeschätzt. Abgesehen davon, daß/springende ■ Frauen gewöhnlich nicht sehr schön wirken, bedeutet d'e benötigte Kraftanstrengung in den meisten Fällen eine Ueberspannung der.. weiblichen Leistungsfähigkeit. Als Energieleistung von manchen gepriesen, halten es einsichtsvolle Sportsleute mindestens für überflüssig. In jeder Beziehung angemessen ist für die Frau das Rudern, wobei das Rennrudern. aus denselben Gründen wie das Wettlaufen ganz und gar auszuschalten ist. Zulässig ist nur das Touren- und-Wanderrudern, das eine wirkungsvolle Uehung für die Brust- und Armmuskulatur der Frau bedeutet. lieber die Kräfte der Frau geht im allgemeinen auch das Kugelstoßen und das -Ger- und Speerwerfen. Besonders das letztere hat häufig zu Zerrungen des Ellbogengelenkes und der Bauchmuskeln geführt. Die beiden Sportarten gehören zu denen, welche eine einmalige, ganz forcierte Krastanstrengung erfordern, und sollten ausschließlich dem Mann überlassen bleiben. Die Frau, welche auf diesem Gebiet Lorbeeren ernten will, wird auch niemals einen erfteulichn Anblick bieten. Aus dem gleichen Grunde soll die Frau auch, unbedingt dem Fußballspiel fern bleiben. Unser ärztlicher Gewährsmann wünscht sogar ein Verbot für Frauen, da sich bei uns vielfach die Neigung zeigt, die englischen Sitten, die die Frauen vom Fußballspiel nicht auöschließen, zu.übernehmen. ' Prachtvoll ist dagegen alles winterliche Wandern, vas Mauen und der Schlittschuhsport! Kaum bei einer anderen Gelegercheit kann die Dame soviel Anmut und Geradheit entfalten wie hierbei. Die frische'Schneelust erhöht den Reiz und macht diesen Sport zu einem der gesündesten und schönsten. Der mondäne-Sport des Reitens wird-zurzett nur wenigen Frauen erlaubt sein, seine Wirkungen lassen sich auch mit billigeren Mitteln, wenn auch nicht ganz, so doch annähernd, erreichen. Das Tennisspiel ist ganz besonder starken Damen zu empfehlen; wenn sie nicht nurstillstehen und warten, ob der Partner den Ball annimmt, werden sie bald etwas von ihrem lästigen Ueberflutz verlieren. Alle Arten des Turnens, Freiübungen nach Musik ohne Kommando, Reck- und Barrenturnen sind unbedingt gut. Die Muskulatur erstarkt, die Bewegungen bekommen elastischen Schwung, und bleiben doch weich und rund dabei. Also alles Dinge, nach denen eine Frau strebt. Mit Vorsicht ist das Radfahren zu betreiben. Nur Leute, die ein ganz gesundes Herz und gesunde Nieren haben, sollen sich aufs Rad fetzen. Selbst ganz langsames und mäßiges Fahren hält unser ärztlicher Gewährsmann für schädlich, wenn jene beiden Organe nicht vollkommen intakt sind. Ein schöner Sport, der es verdient, mehr betrieben zu werden, ist das Handballspiel. Er fördert die Handfertigkeit und die' Schnelligkeit der Bewegung und stärkt den im allgemeinen nur schwach entwickelten Korpsgeist der Frauen. Die Frau nämlich eignet sich vorläufig nur in bedingtem Grade zum Gemeinschaftsspiel; sie ordnet sich nicht gern der Allgemeinheit unter, hat vielmehr das Bestreben, mit einer Einzelleistung möglichst hervorzutreten. So soll beispielsweise das plötzliche Auftauchen eines Photographen oder Kinooperateurs schon imstande gewesen sein, eine Damenriege im Handumdrehen zu sprengen. Jede Dame wollt am por-, teilhaftesten auf die Platte kommen. Die sportbeflissenen Männer spielen in solchen Fällen ungestört weiter. Das ist der Unterschied. Das einzige Kind. Im „Berliner Tageblatt schreibt Professor Doktor St. Engel: „Vielfach wird angenommen, daß für die Entwicklung der Persönlichkeit die Anlage des Charakters bei weitem das Wichtigste sei. Wie sehr aber das Kind^in feiner ganzen Art von den Einflüssen der Umgebung abhängig ist, kann niemals klarer erkannt'w-rden wie berm „einzigen Kinde". Das „einzige Kind" hat seine Sonderart, ganz gleichgültig, ob es nie Geschwister gehabt oder sie vorzeitig verloren hat. Besondere' Erbeigenfchaiten kommen ihm nicht ätfe i Das „einzige Kind" ist ein Sorgenkind. Mehr wie in kinderreichen Familien zittern die Eltern .vor-der Möglichkeit des Verlustes. Jede Kleinigkeit, ein Schnupfen, Husten, jede auch noch so kleine Unregelmäßigkeit der Verdauung und ähnliches mehr bilden den Gegenstand großer Aengste und werden eingehend beachtet, begutachtet, besprochen. Der, Verkehr zwischen Eltern und -Kind gestaltet sich ahnorm. Schon früh wird das „einzige Kind" als diskussionssähiges Mitglied der Familie betrachtet. Me Angelegenheiten werden mit ihm besprochen, erörtert, wie wenn es sich um einen . Erwachsenen handelte. Auch die eigenen Angelegenheiten des Kindes, seine körperlichen Funktionen, sein Verbältnis zur Schule, sein Wohlergehen, i seine körperlichen Störungen bilden den Gegenstand : breiter Betrachtungen. Der äußerliche Lebensgang wird! nicht so sehr nach dem Urteil der Eltern wie nach dem : Willen des Kindes eingerichtet. . Diese - Behandlungsweise ist unnatürlich und ent-! spricht nicht dem Wesen des "Kindes. Sie wird den Not- - Wendigkeiten der Erziehung nicht gerecht, sie lenkt das Kind.gewaltsam auf die Betrachtung seiner Person und verleiht, ihm eine überwertige Anschauung von seiner Wichtigkett. Den Eltern, fehlt der Mut, erzieherisch mit J starker Hand einzugreisen, und so kehrt sich der Spieß um, > die Eltern werden zmn Spi'elball kindlicher Launen und ' Willkür, das Kind zum unbeherrschten Tyrannen. Die körperliche Erziehung steht unter dem Zeichen i der Ueberseinerung. Nichts ist gut, kostbar und fein genug, - um den zarten Sprößling zu ernähren und zu pflegen. ' Der an sich allen Müttern eigentümliche Urinstinkt, ihre ' Kinder möglichst gut und reichlich zu ernähren, erfährt gro- ' teste Auswüchse^ 'quantitativ oder qualitativ, - oft nach ' beiden- Richtungen. - Entweder wird übermäßige - Ge-; fräßiakeit oder krittelndes und nörgelndes Wählerischsein gezüchtet. Noch kürzlich sah ich ein etwa zehn Jahre altes einziges Kind eines an sich bescheidenen Lokomotivführers, das zum Frühstück nur' geschlagenes Ei zu sich nahm und 'alle anderen Möglichkeiten auf Befragen mit einem gewissen Ekel von sich wies. In der Klinik, wo das Mäd- : chen übrigens bezeichnenderweise wegen heftiger Leib- ' schmerzen- ' ausgenommen worden war und wo man sich um ihre Eigenheiten nicht kümmerte, aß sie das übliche Frühstück mit bestem Appetit und machte auch sonst keinerlei Schwierigkeiten. Zu Hause wird ihr die Mutter diese „barbarische Behandlungsweise" wohl schnell wieder i mit geschlagenem Ei und anderen Delikatessen wieder . abgewohnt haben. Alle die Besonderheiten, im Verkehr von Eltern und Kind führen' gemeinsam und gleichsinnig zu der kenn-; zeichnenden Art des „einzigen Kindes." Das übermäßig l sargende Eingehen auf die Ernährung, die Körperfunk- ' tion und dersileich'en, W'-.vMeiüge. PeschästitzUM und. Ärrer- ' kennüstg des Kindes als" VeWndltlNgspürtet rauben ihm; feisten schönsten Zanders mrs Unbewußte, Unbefangene. Düs'Kindwird aMug'mWwissend vor der Zeit. Viele; Dinge, die im Unterbewußtsein ablaufen sollen, werden . dem Kinde mit Gewalt ins Bewußtsein gerufen und er- ' zeugen so eine falsche seelische und geisttge Einstellung. Die . natürliche Lust, welche jedes gesunde Kind beherrscht, wird gewaltsam unterdrückt und den schmerzlicheren und i unangenehmeren Empfindungen ein weites. Tor geöffnet. ■ Aus dem heiteren Kinde, wird ein kleiner Hypochonder . und vorsichtiger Lebensküststler. Es weist zum Beispiel Speisen zurück, weil sie ihm „nicht bekommen", es geht i nicht in den Garten, weil es sich erkälten könnte, und so •; kommt eine Bedenklichkeit nach der anderen. Kurz, das ' Kind weist eine Reihe von Eigenschaften aus, wie sie zäg- ' haften'Erwachsenen eigentümlich sind, anstatt sich in. der unbefangenen Lust der Jugend auszutobest. Von vornberrm war das mcht fct»»c Art, sondern stt ist ihm künsl» , lich aufgepropft worden. Man muß sich das ct;va so vor- 1 füllen, wie au fj ein tapferer Mensch in dunkler Nacht ■ ängstlich wird, wenn man ihm grausige.Dinge erzählt. : Solange nicht von. Gefahren, Ueberfällen und dergleichen - gesprochen wurde, kam er gar nicht auf ängstliche Gedanken. Sie verlassen ihn schwer, wenn erst ehfimfl die Rede davon war. - Einzige Kinder sind häufige und etwas gefürchtete Patienten in - der - Sprechstunde des Arztes. Abgesehen . von der Äengstlichkeit der Eltern, wird die Beratung : durch Beschwerden veranlaßt, welche dem Kinde aus - seiner besonderen Art erwachsen. Die körperliche Er- : ziehung verweichlicht die Kinder. Man will sie gewissermaßen am Glashause aufziehen und macht sie erst recht anfällig. Die falsche Stellung,' welche ' das Kind" im ganzen einnimmt, seine Stellung'im Mittelpunkte des ■ Interesses, seine vorzeitige geisttge Entwicklung, erzeugen ein Heer von nervösen Eigentümlichkeiten und ■ nervösen Krankheiten. Das „einzige Kind" ist das reinste Beispiel des nervösen Kindes. Wenn es keine andere Veranlassung hätte, nervös zu sein, so wäre es schon der stete Umgang mit Erwachsenen und das anerzogene ängstliche Achten auf sich selbst. Das erstere bedeutet eine starke Inanspruchnahme des' Gehirns, welche allmählich schädlich werden muß. Das letztere lenkt chie Aufmerksamkeit des Kindes aufs Unbewußte, läßt vieles aus den Tiefen des Unterbewußtseins emportauchen und verwirrt und stört so die normalen Bahnen des Geistes- Und Seelenlebens. . Das Wesen des „einzigen Kindes" entwickelt sich überaus häufig so, es braucht aber nicht der Fall zu sein. Wenn die Elternhinreichend Einsicht und Selbstzucht haben, wenn sre das Kind als Kind behandeln, wenn'sie ihm Spielgesellschaft verschaffen, wenn sie nichtüberängstlich austreten, so bleiben alle die Schäden.ans.Prst'gekehrt braucht es-nicht gerade ein „einziges Kwd" 'zu seiü;üvelcheS - das' Bild bietet, UeberänMiche Eltern könnenauch 18. Juni 1VSS Nr. 1214 zwei oder selbst drei Kieder verziehen. Handelt es sich gar um sehr Wohlhabende, welche für jedes Kind eine eigene Erziehttngsbeihilfe, Fräulein, Lehrerin oder dergleichen haben, so können erst recht ähnliche Ergebniste herbeigeführt werden. Es kommt eben nicht so sehr ans die Zahl der Kinder wie auf ihre Beeinflussung und Erziehung an. In diesem Sinne ist es verständlich, daß die Sorge um das „einzige Kind" besonders häufig zu einer unersrmttchen Enwicklung führt.! Die Schlußfolgerttngen ergeben sich von selbst. Die Einkinderehe ist in den meisten Fällen ungünstig, für das Kind. Geschwister verteilen die Sorgen und erziehen sich gegenseitig. Sind Geschwister nicht vorhanden, so müssetr die Eltern ihren Kindern kindliche Gesellschaft geben und müssen ihre allzu große Äengstlichkeit beherrschen. Sie dürfen das Kind nicht zum Tyrannen heranwachsen lassen, sondern müssen es leiten, führen und seine Fähigkeiten sorgsam entwickeln, kurz bas tun, was man eben nennt: ein Kind erziehen. Je größer die Angst ist, je weicher ein Kind atlgefaßt wird, um so weniger wird es später dem Lebenskämpfe gewachsen sein, um so härter wird es einst büßen müssen, wenn es erst gänzlich aus sich selbst.angewiesen ist. Dann aber wird es den Eltern keinen Dank wissen für all die übergroße Sorge und Liebe, welche die Jugend in falsche Bahnen gelenkt hat. Millionßnspende siir de« Verein „Machsike Hadath". Der bekannte amerikanische Philanthrop. Elias Gottfried, der zum Besuche seiner Verwandten und-Freun.de in Begleitung von Gattin und Sohn in Wien kurzen Aufenthalt nahm, benützte diesen Anlaß, die Leistungen des Vereines „Machsike Hadath", 2. Bez., Schiffamtsgasie 20, auf dem Gebiete der unentgeltlichen Armenausspeisung kennen zu lernen. Tief gerührt vom Elend und dem Jammer derer, die im Vereine „Machsike Hadath" Schutz und Hilfe suchen, fand sich Herr Gottfried veranlaßt, zu Händen seines Jugendfreundes, des Herrn Präsidenten Jakob März, folgende .Spenden für den Verein „Machsike Hadath" zu erlegen: 1,600.000 K. für die Armenausspeisung, 1,600.000 Kfür den Jakob März-Gemilas Chesed-Fonds zur Gewährung von unverzinslichen Darlehen an Juden, die ihre wirtschaftliche Existenz gründen oder festigen wollen. Zur Ehrung des Gastes veranstaltete der Vorstand des Vereines „Machsike Hadath" im Restaurant Barschak ein Festbankett, bei welchem Herr Rabbiner Meyersohn in einer geistreichen Rede hervorho.b, daß das starke jüdische Gefühl, das in den Ahnen des Gefeierten lebte, und die zu den Zierden der jüdischen Geisteskultur gehörten, Herrn Gottfried in seinem segensreichen Wirken anfeuere. Es'sprachen noch unter anderen Herr Prof. Menkes und der Dichter: Mordche Gottfried, ein Neffe des Gefeierten, Bei,dieser.Gelegenheit erlegte Herr. Gottftied weitere 600.00Ü K. zu Händen des' Komitees. „Lomde Thora", In Anerkennung seiner Leistungen überreichte der' Vorstand des „Machsike Hadath" Herrn Gottfried' ein kunstvoll ausgestattetes Ehrendiplom dieses Vereines. Am Schluffe ergriff Herr Gottfried das Wort, dankte dem Vereine und den einzelnen Rednern für die ehrenden Worte und schloß mit dem feierlichen Versprechen, auch weiterhin des Vereines „Machsike Hadath", von dessen segensreicher humaner Wirksamkeit er sich aus eigenem Augenschein überzeugen konnte, bei-seiner bevorstehenden' Rückkehr nach Amerika zu gedenken Und bei seinen dortigen Freunden, -und - Wohltätigkeitsvereinen für die Ziele des Vereins tätig, zu sein. Es sei noch hervorgehoben, daß Herr Gottfried überdies mehrere Millionen zur Unterstützung von verarmten Juden seiner galizischen Heimatsgemeinde.zur Verteilung brachte. Eine stürmische Versammlung der Hakenkrenzler. Die Wiener Polizei im Dienste der Riehl-Partei? Für. gestern abends berief die berüchtigte Riehl-Partet eine Versammlung in die Sophiensäle ein. Zu der Schaustellung des Herrn Riehl hatten sich zahlreiche Kommunisten und Sozialdemokraten eingefundm. Gleich zu Beginn der Versammlung provozierten die Hakenkrenzler^ durch antisemitische Provokationen die anwesenden Arbeiter, so daß eine Rauferei entstand. Die Sache war von der Riehl- Partei arrangiert, und die Polizei augenscheinlich in dm Plan miteingeweiht worden. Als die Pogromisten die Arbeiter überfielen und blutig schlugen, erschien gleich Polizei im Saale und leistete den Riehl-Leuten Sukkurs, indem sie die Arbeiter aus dem Saale drängte, blutig schlagen ließ und noch obendrein verhaftete. Die Lage war so kritisch, daß ein Detachement Volkswehr ausrückte. Von unbeteiligter Seite erhallen wir Berichte, nach welchen die Polizei ganz offen die Partei der Pogromisten ergriff, sich in antisemitischen Schimpfereien gegen die Verhafteten erging und sich ihnen gegenüber auch sonst brutal benahm, was wir Herrn Schober zur Beachtung empfehlen. In der r Versammlung selbst hetzten die Herren Riehl und die zwei Tschecho-Slowaken Patzelt und Jung rytd der Hakenkrenzler. Hütter aus München gegen die bodenständigen Wiener Christen und Juden. Die österreichischen Heimwehren. Die Kundmachung der Wiener Polizei- Direktion. Dtt Wiener Polizei-Direktion erläßt eine Kundmachungdaß das Liquidiernngsorgan der interalliierten Kontrollkommissionen unter Berufung auf die Bestimmung des Staatsvertrages von Saint Germain-en- Laye das Verlangen gestellt hat, es seien die- Statuten des Selbstschu-tz v erLandes-- und der ineizelnen i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.