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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-17 · Heft 1213 (17.6.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1213 (17.6.1922)
Date
1922-06-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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•S / 's- ‘ ‘ ' .An S?. 1213 Men, ©ariÄTdf ‘. 838*eitet* MorgenzeiLurrg. 17. Juni 1922 Seite 3 Puhustellen beäbsichtigt. Dtzr Staatschef erklärte den Mit- Kindern des Kabinetts, daß das Kabinett trotz, des status demissionis alle laufenden Agenden zu erledigen habe, dadie Krise noch sehr lange anhalten könne. Bisher hat der Staatschef noch keinen Kandidaten, für den Premierposten namhaft gemacht, ebensowenig daL. Regierungsprogramm, das er verwirklicht haben mochte, umschrieben. In der Sitzung des Verfassungsausschusses wurden die vom Staätschef bei der letz.ten Beratung des Senioren-' konvents berührten Fragen bezüglich seiner, in der kleinen Verfassung nicht ganz deutlich umschriebenen Kompetenzen erörtert. Die Vertreter der größten vier Sejmklubs übermittelten hem Ausschuß'schriftliche Deklarationen, in denen sie ihren Standpunkt zur kleinen Verfassung klarlegen. Abgeordneter GrünLaum erklärte im Aufträge des tübi» scheu Klubs, daß der Klub den. Standpunkt des Staatschefs teile, wonach er berechtigt sei, im Einverständnis mit dem Sejm eine Regierung einzusetzen. Da in der Sitzung keine Einigung erzielt werden konnte, wurde eine Subkommission, in hie Vertreter sämtlicher Sejmklubs delegiert wurden, beauftragt, eine Einigüugssormel auszuarbeiten. | Steinhaus — rZmisch-kaLhorisch. Lemberg, 14. Juni. (I. C. B.) Der jüdische Sejm- Deputierte Dr. S t e i n h a u s trat aus dem. Judentum aus und nahm die Taufe der katholischen Kirche. Doktor Steinhaus wurde 1911 als Deputierter des Wahlkreises Pelz mit Unterstützung der dort ausschlaggebenden orthodoxen Judenschast ins österreichische Parlament gewählt. Vor drei Jahren wurde er aus demselben Wahlkreis in den polnischen Sejm gewählt. Weder im einstigen österreichischen Parlament, noch in dem jetzigen polnischen S^jm.hat er sich für, die Interessen der Juden irgendwie eingesetzt. Der Mgaer Vertrag. Warschau, 14. Juni. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Im Außenministerium fand eine Konferenz zwecks Beratung über die Nichteinhaltung des Rigaer Vertrages d u r ch S o w j e t r n ß l a n d statt. An der Konferenz nahmen auch der Handels-, Kriegs-, Finanzmid Innenminister teil. Verhaftung des Schriftstellers Opatoschu. Warschau, 14. Juni. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) gestern abends wurde vom . jüdischen Literaten- und Joürnalistenverein ein Festbankett zu Ehren'des bekannten jüdischen Romanschriftstellers O p'a t o s ch ü veranstaltet. Knapp. vor dem Bankett weilte Opatoschu in liierarischen Angelegenheiten in den Bureauräumen der jüdischen Kültürliga.. Währendseiner Anwesenheit .dort erschienen zwei Polizeibeamte mit einem jüdischen Uebersetzer zwecks Durchührung einer Hausdurchsuchung in der Kulturliga,- wobei . alle Anwesenden, darunter auch Opatoschu verhaftet wurden. Trotzdem Opatoschu sich als amerikanischer Staatsbürger legitimierte, wurde er auf das Wachzimmer gebracht.. Hier fragte ihn der Beamte, wie. es kommt, daß er ,-als ein anständiger Mensch" mit solchen Menschen, wie die Verhafteten, verkehre. Zu bemerken ist, daß unter den Verhafteten sich durchwegs namhafte jüdische Schriftsteller,. wie Mendelohn, Messel, Arohnsohn, Rubinstein, befanden. Kurz darauf wurde Opatoschu enthaftet. Am Bankett nahmen Vertreter sämtlicher jüdischer kultureller und literarischer Organisationen teil. Nrrmänte«. Die ueue Amnestie. Bukarest, 14. Juni. (I. C. B.) Im Zusammenhang nyt der anläßlich der Hochzeit der Prinzessin Mariorara erlassenen neuen Amnestie unterbreitete der jüdische Deputierte Dr. Fildermann dem Minister für öffentliche Arbeiten Marees'eu ein Memorandum, jn welchem die Ausdehnung der,. Amnestie aus die während des Krieges zu Zwangsarbeiten verurteilten jüdischen Soldaten gefordert wird. Die SuhventrouLerung des jüdischen Schulwesens. Bukarest,' 13. Juni. (I. C. B.) “ Der Magistrat der Stadt R i nt n i ku-Sa r a t bewilligte den in der Gemeinde bestehenden j ü d i s ch e n S ch u l e n eine Subvention. von 15.000 Lei. Wie verlautet, sind bereits fast sämtliche jüdische Schulen des alten Reiches im Genuß von Subventionen der städtischen Gemeinden. Offizielle Anerkennung des jüdischen GeMeinüebuNdes. ... Bukarest, 14. Juni. (I. C. B.) Der Kultusminister B g n u gibt in einem Schreiben an den Reichsverein , der rumänischen Juden der rumänischen Jüdenheit - bekannt, daß der Verband der jüdischen Kultusgemeinden Rumäniens als legale Körperschaft und als oberste Behörde des jüdischen Konfessionswesens von der rumänischen Regierung offiziell anerkannt wurde. Dr. Nemirower wird in .urzem zum Oberrabbiner Altrumäniens ernannt werden. LrLauen. VerkehrsoerhandLungeu mit Polen,. Kowuo, 13. Juni. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die hiesige Regierung.hat beschlossen, mit Polen, Verhandlungen wegen Abschluß einer Post-, Telegraphen- und Konsülardienstkonvenüon einzuleiten. Eine diesbezügliche Verständigung ist bereits. an die Warschauer Regierungabgegangen. Die Konferenz soll in Warschau stattsinden. MüMriLt des Mrsrachi-BertreLers derm Werad Leumi. Jerusalem, 14. Juni. (I, C. B.) Der Vertreter der Misrachi-Organisation im Waad Leumi (Nationalrat) Rabbiner Ostrowski legte sein Mandat nieder, da er der Meinung ist, daß einige Beschlüsse des Waad Haleumi mit den religiösen Vorschriften nicht im Einklang sind. In einer Erklärung sagte Rabbiner Ostrowski, er habe nicht im Auftrag der Misrachi-Organisation, sondern aus eigener Initiative gehandelt. Ukrainische Müder nach Palästina. Jerusalem, 14. Juni. (I. C. B.) Der Waad Leumi beschloß die Einleitung einer . unverzüglichen Kampagne für die Beförderung ukrainischer Kinder nach Palästina, um ihnen j)ie landwirtschaftliche Ansiedlung in Palästina zu ermöglichen. NURdschM. Italien und die Wandatssrage. Paris, 16. Juni. (Tel.-Komp.) Einer, römischen Meldung der „Information" zufolge, soll Italien iy London..eine Denkschrift überreicht haben, in der als Grundlage des. italienisch-englischen Abkommens betreffend die Regelung der Orientsrage folgende drei Punkte vorgeschlagen werden: Räumung Konstantinopels durch die interalliierten Truppen, Rückgabe von Smyrna und eines Teiles von Thrazien an die Türkei und. endliche WiMraufnahme der Prüfung der Mandatsfrage, Die Präsidentenwahlen Deutschland. ' Berlin, 16. Juni. (Tel.-Kom.) Bekanntlich hat Reichskanzler Dr. Wirth bei seiner jüngsten Anwesenheit in StUtt gart erklärt, sofort nach seiner Rückkehr mit den maßgebenden politischen Parteien über die Neuwahlen des Reichspräsidenten zu verhandeln. Ueber diese Besprechungen ist .bisher in gut unterrichteten parlamentarischen Kresseu bekannt geworden, daß die Wahl Ungefähr anfangs Oktober erfolgen wirp, nachdem dem Reichstag bis dahin noch.zwei nstt diese, Frage zusammen-. hängende Gesetzentwürfe' zugegängen sein' werden:' 'Auf die eventuellen Kandidaten haben sich die Besprechungen bisher nicht erstreckt. ' . ' '> ' MonarchisMNs auf Aktien. Berlin, 16. Juni. (Tel.-Komp.) Unter der UebeWrist „Monarchismus aus Aktien" berichtet die „Vossssche Zeitung" aus München: Die christlichsoziale Zeitung „Das freie Volk" veröffentlicht ein geheimes Handschreiben des Direktors. dei? nme Zentralstelle der bayrischen christlichen Bauernvereine,. durch das die einzelnen Obmänner aufgefordert werden, überall im Land Köuigsbünde zu gründen und Bauerngeld bis „ein tausend Mark Extrabeitrag" für den neuen König einzusenden. Das Schreiben schließt mit der Aufforderung: Helfen Sie mit, daß wir recht bald zum Wöhle des ganzen Volkes einen tüchtigen Herrscher bekommen. Die irische Verfassung. -London 15., Juni. (Reuter.) .Der Entwurf einer Verfassung für den irischen Freistaat ist heute abends veröffentlicht worden.. Jn der Einleitung wird bestimmt, daß jede provisorische Verfassung, jedes Amendement dazu und jedes Gesetz, das dem englisch-irischen Vertrag widerspricht, ungültig ist. Im Verfassungsentwurf selbst heißt es: ' v . Der irische Freistaat ist. ein gleichberechtigtes Mitglied der das britische Reich bildenden Völkergemeinschaft. Die Landessprache ist die irisch e, aber auch das Englische soll als Amtssprache anerkannt werden. Männer' und Frauen haben die gleichen Bürgerrechte, einschließlich des Stimmrechtes. Die G e w i s s e n s f r e ih e i t ist unverletzlich. Kein Gesetz, das erlassen wird, darf zwischen den R e l i g i o n e n einen Unterschied machen. Die R e d e-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit wird gewährleistet. Die Mitglieder des Parlaments, einschließlich des in -Zukunft zu, wählenden, sollen dem K ö n i g G e or g und seinen Nachfolgern den Treueid leisten. Beide Häuser des. Parlaments sollen auf der Grundlage proportionaler Bertretung. gewählt . werden. Für das' Oberhaus, den Senat, soll jedoch die Halste der Mitglieder vom Premierminister in einer Weise ernannt werden, die eine Vertretung für jene Gruppen und Parteien vorsteht, die in der Kammerin nicht entsprechender Weise vertreten sind. Die andere Hälfte der Senätsmitglteder soll von der Kammer gewählt werden. Alle Gesetzesvorlagbn erfordern die Zu st im m u n g d es Königs. Abgesehen von dem Fäll, daß ein tatsächlicher Angriff' erfolgt, soll der Freistaat nicht verpflichtet ^sein, an irgendeinem Krieg ohne Zustimmungsei-rheS Parlaments teilzunehmen. Die Krone soll ebenso' wie in Kanada durch einen Generalgouverneur vertreten sein. ' . ' Northeliffe erkrankt London, 16. Juni. (Tel.-Komp.) „Daily Mail"' teM Mit, daß Lord N o r t h e l iss e erkrankt ist. Tie. Aepzte haben ihm für einige Zeit jegliche Arbeit untersagt, so daß' die Veröffentlichung seiner Artikel über Deutschland eine “ löaKi ' Verzögerung erfahren wird. Die zrveLejnhaLbte InLernatronale. Frankfurt,, 15. Juni. (Wolfs.) Das Bureau der inter« nationalen Arbeiterkonferenz sozialistischer Parteien hat heute hier eine Sitzung abgehalten, an der unter anderen Adler (Oesterreich),. Crispien (Deutschland), Long u e t (Frankreich), W a l h e a d. (England) und mit beratenden Stimmen C z e r m a k (Tschecho-Slowakei) - sowie M a r t o w und S^ch r e i b e r (Rußland) teilnahmen. Die Versammlung setzte die Tagesordnung für die allgemeine internationale Konferenz in K a r l s b a d für den 16. September fest. D er Konflikt in der italienischen SozialdeMokraLie. Rom, 16. Juni. Die sozialdemokratische Kammerfraktion beschloß mit. 40 gegen 10 Stimmen für ihre Politik di'e Verantwortung zu übernehmen, indem sie sich für antonom'erklärte und ein eigenes Direktorium wählte. Die Fraktion/erklärte ferner mit 33 gegen 14 Stimmen bei drei Stimmenenthaltungen, auf ihrer Haltung gegenüber dem Parieirat zu beharren, und stellte ihre Verantwortung vor' dem Parteitag in Aussicht. Deputierter V ela gab die Erklärung ab, daß die Minderheit im Klub verbleiben werde, solange dieser die. Taktik nicht ändere, und drohte mit der Opposition gegen das Zu sammenarbeiten mit der Kammermehrheit. Der Arbeitsverband erklärte, daß er an seinem intransigenten Standpunkt sesthalte. : Die Wirkung des deutsch-ruififche« Vertrages. Militargesetze in Frankreich. Paris, 1K. Juni. (Wolff.). In der heutigen Nach-, Mittagssitzung der Kammer nahm Kriegsmmister.- ,M . ginot gegen einen Abänderungsantrag des Abgeordneten Rognot zum Militärgesetzentwurf Stellung, worin. für die. ältesten Söhne von Witwen -mit vier Kindern , die zwölfmonatige'Dienstzeit verlangt, wird, Der Minister stellte die Vertrauensfrage, wobei er den Interpellanten mit folgenden Worten apostrophierte: „Es handelt sich darum, ob Sie es n a ch d e tn, B e r t r a g v o b R a p o Ito wägen können, das Land weit?: zu schwächen", Der Antrag Rognot wurde schließlich äbgelehnt. >:;.; ‘ Rußlands Vertreter im Haag. Moskau, 16. Juni.. (Del^KomP.) „United.'Tele» gräph" zufolge wurden RakDwsky . und Sukolnikow als Vertreter der Sowjetregiemng für die Haager Konferenz "bestimmt. Während der Haager^ Konferenz dürfte Tschitscherrn in Berlin bleiben, um die direkte Verbindung mit her Haager Delegation ünfrechtzucrhalten, Lenin-/ ' . Berlin, 16. Juni. (Tel.-Komp.) Die drei -deutschen Professoren, die , Lenin zurzeit in Moskau bchandeln, erklärten, daß sein Zustand, unbedingte Ruhe erforderet.Sie verlangen im Interesse des Patienten, daß er, Rußland mindestens aus drei, Monate verlasse, da i es in Moskau kaum möglich sei, ihn, von den. .Regierüng'sgeschtzfteM. Wig.-.', fernzuhalten. Man erwägt, ihn in ein denssches Sanatorium zu bringen. V Japan für eine LöeltabrüflWff^ London, 16. Jn'ni. (Wolfs.) Nach New Aorker Meldungen besagt ein Gerücht aus To k i o, daß Premierminister- K a t o eine Erklärung veröffentlicht, habe, wonach eines der Hauptziele der neuen japanischen Regierung die Schaffung von Bedingungen sein soll, die eine über die bereits in Washington beschlossene V er min d e ru n g der Rüstungen de« -g a n z e n W e l t hinausgehende Abrüstung gestatten werden. Die MinoriLStett in Brrtgarien. Sofia, 16. Juni. (Bulg. Tell-Ag.) Der Standpunkt, der bulgarischen Regierung in der Frage des'Minderheitenschutzes geh^dahin, daß sie sich dem Völkerbünde Äs dem zur Entscheidung und Regelung dieser Frage berufenen Forum bereitwillig unterwirft. Die Regierung'begrüßt mit Freuden den Bevollmächtigten des Völkerbundes, der mit dem 'Aufträge nach Sofia gekommen ist, die zum Schütze der Minderheiten getroffenen Verfügungen zu kontrollieren. Die Üebergabe Oberschlestens an Oppeln, 15. Juni. (Wolfs.) ' In der elften Abendstunde sind die Bestimmungen betreffend die Uebergahe der Deutschland und Polen züerkannten Gebietsteile von den Mitgliedern der - Interalliierten Kommission und den Vertretern Deutschlands engl, Stoffe, Herren- und Damen-* »» Wäsche, Leinen-und Strickuraren, Nf alles erstklassig find billigst bei II., Taborstraße;48 Telephon; 47-1.70 En. grog';, .fe»;'. piwijiii1

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