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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-16 · Heft 1212 (16.6.1922) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1212 (16.6.1922)
Date
1922-06-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1212 Wien, Freitag ohrrs mit ihnn dortigen Gläubigern ein Uebereiirkommen getroffen zu habcn, und hatte in Wien Aufenthalt genommen. Hier lag gegen sie ferner eine Anzeige einer hiesigen großen Pelzwarenfirma am Kohlmarkt wegen Herauslockung von Pelzen in beder.ienden Millionenwerten vor, d^e sie sich in das Hotel hatte liefern lcssen. Mit der Bezahlung hatte sie die Firma auf das Einlagen des Checks ihres Gatten George Padoleforr vertröstet. Sie wollte dann eine zwecke. ebenso große Bestellung machen und gab vor, eide Rechn»">'n -.uf einmal bezahlen zu wollen. Auch bei zwei anderen hiesigen Firmen versuchte sie Pc'ze und Toiletten un Weite von 100 Millionen auf Kredit 51t erhalten. Im Sicherheitsbureau erklärte sie, es, wäre unsinnig, sie als die Gattin des nnllionenreichen kalifornischen Petroleumindustriellen George Paddlefort für eine Betrügerin halten zu wollen. Sie erhalte allmonatlich 15.000 Dollar von ihrem Gatten mittels Schecks übersendet und nur durch ein postalisches Versehen könne diesmal dev- Scheck ausgeblieben sein. In den von ihr bewohnten zwei Hotelzimmern wurden elf große Gepäcksstücke beschlagnahmt, die mit den feinsten Pelzen, mit den herrlichsten Toiletten und auserlesensten Wäschestücken angcfüllt waren. Man fand hier aber auch Gegenstände, die der l?irmabezeichnung nach aus dem Inventar eines Hotels stammten, so Bademäntel und mit Silber beschlagene Vasen aus dem Hotel Carton in New-Aork. Genoveva Paddlefort , Wurde trotz ihrer Unschuldsbeteuerungen dem Laudesgerichte eingeliefert, nachdem ein Haftbefehl der Schweizer Behörden vorlag. Das Sicherheitsbureau setzte sich mit den in Betracht kommenden ausländischen Behörden ins Einvernehmen, um festzustellcn, ob die Verhaftete wirklich die Gattin des amerikanischen Petroleum-Großindustriellen Paddlefort oder ob sie eine internationale Hochstaplerin sei. Nun ist ans Hollywood in Kalifornien an die Wiener P'olizeidirektion ein Telegramm des Mr. Dr. George Paddlefort eingelangt, in welchem dieser erklärt, daß er es ab lehne, etwas zu bezahlen, nachdem Frau Paddlefort wissen müsse, daß er für ihre Schulden nicht verantwortlich sei. Aber auch ein Schreiben in dieser Angelegenheit ist von einer Firma Saumeler in der Alpenstraße 7 in Luzern an die Wiener Polizei gelangt. Der Brief war ° an die Polizei addressiert, sein Inhalt aber an Genoveva Paddlefort gerichtet. In diesem Schreiben erinnert die Firma, daß die Amerikanerin bei ihr Lederjacken im Werte von 2200 Franks bestellt und nicht bezahlt habe. Die Lederjacken wurden auftraggemäß an das Hotel Riz nach Paris gesandt und erliegen dort, da keine Zahlung erfolgt ist. Die Schweizer Firma erklärt in dem Briefe, sich dem Strafverfahren a n z u s ch l i e ß e n, wenn die Schuldnerin nicht zahle. Dies dürfte der Frau aber schwer fallen, da sie bei ihrer Anhaltung nur über ganz geringfügige Barmittel verfügt hat und dem Telegramm ihres Gatten zukolge auf dessen finanzielle Unterstützung nicht rechnen kann. Im Kaffeehaus. Vor der gläsernen Drehtür des Kaffeehauses steht der Zigarettenhättdler und wartet auf den richtigen Augenblick. Denn er möchte in dieses Kaffeehaus hinein, -um feine Ware bei den Gästen abzusetzen. Bon seinem Standort kann er die ganze Lage im Innern des Kaffeehauses übersehen. Und er rechnet so: Ich muß warten, bis der Oberkellner zum Büfett geht; dort bleibt er durchschnittlich dreinndeinehalbe Minute. Wenn ich also gleich hineinflitze, kann ich schnell die ersten zehn Tische abklappern, und vielleicht fällt doch etwas ab. Der Oberkellner rafft die 36 leerem Mokka- und Mokka-Double-Tassen seines Reviers zusammen und verschwindet nach dem Büfett zu. Und im selben Augenblick ist der Zigarettenhändler durch die gläserne Drehtür drinnen im Cafe. „Bosnische Zigaretten, echte Aeghpter," haucht er atemlos und eilt mit fiebernden Augen von Tisch zu Tisch. Der dicke. Herr mit der silbergrauen Krawatte hat das ganze Monöver beobachtet und durchschaut. Er. hat zwar vor sich eine Stachelbeertorte, die er zu verzehren gedenkt, aber vorher muß er doch noch dem Kerl zeigen, daß man seine Absicht erkannt hat. „Zeigen Sie mal her, was haben Sie denn da für Sorten," so sagt er'zu dem Händler, der ungeduldig weiter möchte; und fängt nun an, ganz langsam eine Schachtel nach der anderen vorzunehmen und zu besichtigen. „Alles Dreck,'v sagt er bei jeder Schachtel. Das dauert glücklich so lange, bis der Oberkellner mit den 36' gefüllten Mokka- und Mokka-Donble-Tassen zurückkehrt und den Händler erblickt und ihn durch die Drehtür hinauswirft. Und nun kann der dicke Herr mit der silbergrauen Krawatte sich endlich an seine Stachelbeertorte wachen; und er verzehrt sie mit Behagen und Innigkeit . . . Warum, Freunde, quälen wiruns eigentlich, die Welt durch unser Wort zu bessern und zu belehren? Warum streben wir nach Aufklärung, Durchgeiftjgung usw.? Da die Fundamente und Basen der menschlichen Gemeinheit heute noch dieselben find wie zur Zeit des Kambyses, und da sie sich nun nicht mehr ändern werden, so lohnt sich unsere Mühe doch kaum. . Vsctor Auburtin (im „Berl. Tagebl"). * Camille F!ammarion — 80 Jahre alt. -Aus Paris l-ird > in chlel, Der 80. Geburtstag des berühmten Astronomen Camille ft 1 u m Marion wurde von der astronomischen Gesellschaft festlich begangen. - Wiener MorgWimrig * Personalnachricht. Der deutsche Gesandte Minister Drv Pfeiffer hat Wien verlassen und ist in Amtsgeschäften nach Berlin gereist." Während seiner Abwesenheit führt Gesandtschaftsrat v. Scharfenberg die Geschäfte der deutschen Gesandtschaft. * Die konfiszierte „Monarchie". Die zweite Nummer der leaitimiskiscben Wochenschrift. ..Die Monarchie* wurde im Aufträge der Siaatsanmackschait vorläufia beickmirahml. Der Leitartikel .Warum mitzsällt.uns die Republik?", in dem die Gründer der Republik auf das befligite angearisfen werden, wurde zur Gänze konfisziert; außerdem ein Passus in dem „Ruf an Alle". Die Bes^laanokme wurde in der Druckerei und im Redakiionslokale im Keillgendreuzerhof durchgeführt. * Die Bereinigung -er Synagvaen-Gemeinden in Prensten. Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde bat beschlossen, noch in diesem Monat eine Tagung der p r e u ß i» schen jüdischen Gemeinden nach Berlin einzuberuien. Der Umstand, daß die Begründung einer Gelamtorganisationder deutschen Süden zun'chit auf starke Schwierigkeiten ge^ekgeberischer Nomr stößt, hat den .Wunsch reae aemocht. zunächst die preußischen Gemeinden zu einer ae- . schlossenen Oraanisalion zusammen,zufübren. Es wird erwartet, daß in diesem Talle die von seiten der Regierung entstehenden Schwieerigke'iten leicht zu überwinden sein werden. (3, C. B.) * Der letzte deutsche Landsmqnnminister gestorben. In Klattau ist gestern der letzte deutsche Landsmannminister der ehemaligen Monarchie Dr. Gustav Schreiner im 75. Lebensjahre gestorben. Schreiner war lange Jahre hindurch Neichsrats- und Landtagsabgeordneter. * Svkolvws und Jabotinskys Niielilretzv nach Europa. Der Vorsitzende der. Zionistischen Exekutive. Nahum 6 0 k 0! 0 w, der sich o's Leiter des .^eren Koiessod-Propagondokomttees iürAmerika mehrere Monaie in den Vereinigten Staaten aufg kalten Kot. wird am 4. Juli seine Rückkehr nach Europa antreien. Ein zwcktes Mitglied der Keren Kojessod-Abordnuna. Kerr Vladimir Iabvtinsky, ist bereits.am 11. d. wieder nach Europa adaereist. * Das Rahelgrab. Wie ein Jerusalemer arabisches Blatt erfährt, wurde das ganze Grundstück um das Rahelgrab in Bethlehem für die Dauer von 99 Jahren einer jüdischen , Gesellschaft in Pacht gelassen. Der Pachtvertrag wurde mit der Regierung abgeschlossen. (I. C. .B.) * Allgemeines Keren Hajessod-Komitee in Frankreich. In Paris wurde ein allgemein jüdisches, aus Zionisten und Nichtzionisten bestehendes Keren Hassejod-Komitee gegründet. Der konstituierenden Versammlung wohnten von bekannten französisch-jüdischen Persönlichkeiten bei: Der Advokat Fernand Corcos, der Direktor des jüdischen Archivs Henry Pragne und deu bekannte Schriftsteller Harry Marx. Von zionistischer Seite waren u. a. anwesend: Zlatopolski, Alenikosf und Jarblum. Als Vorsitzender des Komitees wurde Dr. L. Zadok- Kahan gewählt. Vizepräsidenten sind der französische Deputierte Blum und Isidore Weill. Auch der Kammerdeputierte Simony gehört dem Komitee an..(J. C. B.) * Cobra kontra Meerkatze. In den niedrigsten Spelunken der Londoner Hafendocks 'betreiben die Matrosen einen seltsamen Sport, der für! die ‘ nieist “ farbigen Zuschauer nicht weniger Interesse hat als für die Londoner die Pferderennen zu Epsom. In der Hinterstübe einer Schenke wird als Arena ein alter Teppich aus gebreitet und in der Mitte ein Käfig mit einer Cobra-Schlangc gestellt. Während ein Hindu, auf einer Pfeife zu spielen beginnt, öffnet man die Käfigtüre. Sobald sich die. Schlange herausgeringelt hat, wird eine Meerkatze auf den Teppich gesetzt. Sie springt sofort auf die Cobra los, die'sich mit geschwollenem Hals aufrichtet. Mit raschem Sprung schwingt sich die Meerkatze auf ihre Todfeindin, die Zähne in ihren Kopf einschlagend. Es entbrennt ein heftiger Kampf, der aber nur wenige Minuten dauert. Die Meerkatze bricht der Schlange das Rückgrat, und diese sinkt tot zusammen. Doch durch die Wirkung des Schlangengiftes büßt auch die Siegerin ihr Leben ein. Die Zuschauer, meist Matrosen, Chinesen und farbige Maschinenheizer, wetten eifrig, welches der beiden Tiere zuerst unterliegen werde. * Geschichten vom Kaiser. In der neuesten Nummer des „Zwiebelfisch" (München, Hans v. Webers Verlag) lesen wir die folgenden Anekdoten über Wilhelm den Zweiten: „Ein ehemaliger Reichtags-Abgeordneter Dr. S. erzählte uns, wie er einst zum Kaiser ins Schloß befohlen worden sei, in irgend einer politischen Angelegenheit Auskunft zu erteilen. Wilhelm der. Zweite empfing ihn, umgeben, von Würdenträgern, in einem fast unmöblierten Prunksaal, dessen Boden ein kostbarer Perserteppich bedeckte. Der Kaiser rauchte eine Zigarette. Als diese fast nur noch ein' Stummel war, sah er sich vergebens, nach einen Aschenbecher um. Auf den wertvollen Teppich wollte er die glimmende Zigarette nicht werfen, also übergab er sie einfach dem neben ihm stehenden General v. R: Was nun Mit Höchstseiner Zigarette zu geschehen habe, war Sache' des Militärs. Dieser aber grübelte ümsönst über Untertanenpflicht in solcher Dage.^ Ratlös drehte er. das Ding zwischen seinen Fingern hin und her und sah recht bedrückt dem Moment entgegen, wo die Glut mit seiner Haut Bekanntschaft schließen würde: Majestät hatte sich -inzwischen anderen Herren des Gefolges zugewandt. So riskierte es v. R., den Stummel doch auf den Teppich..fallen zu lassen und hastig mit den Stiefel totzutreten. Mehrere Höflinge entdeckten den Fauxpas und verständigten sich darüber mit bestürzten Blicken. Dem Adlerauge von S. M. war er zum Glück entgangen. Wie aber, wenn der Kaiser, wie von ihm zu erwarten war, sich erkundigt hätte: „Na, was haben Sie eigentlich mit meiner Zigarette apgefangen?" ■— Dem deutschen Heere hätte das einen seiner veröienstvöllsten Führer gekostet. ' Derselbe Abgeordnete wurde bald nach Ausbruch der Revolution von einem Geheimrat dienstlich durch die-Raume des Berliner Schlosses geführt. In einem derselben wies ihn sein Begleiter auf' einen' eigentümlichen alkovenartigen'Wandschrank hin. Als man dessen Flügeltür öffnete, ward eine Badewanne sichtbar, die Wilhelm der Zweite in seiner Eigenschaft als Chef der Flotte zu benützen pflegte. Dieses Badekabinett war mit Cadincr Kacheln ausgelegt. Ein ganzes Flottenmanöver-darauf abgcbildct :-Schlachtschiffe mit feuerspeienden - ^Geschützen, Torpedoboote in vojler Fahrt, explodierende Flatter¬ 10. tfintt xste* 0 minen usw. Der Baurat drückte auf einen neben der Wanne angebrachckit Gu.umiüol', und eine Sirene heulte durch den Raum. Danlit tiatte sich. S. M die angenehme Sensation einer gefahrlosen Seeschlacht verschcfft. Vermutlich war er auch in der Lage, den Kanonendonner täuschend nachznahmen. * Besinnlichkeiten. Wenn du ihnen wieder eine Gefälligkeit leisten kannst, dann vergessen die Menschen schnell alles, was — sie dir zuleide getan haben. Die werden immer für sehr töricht gehalten, die nichts Besseres zu tun wissen als — Gutes. Tränen, sagt man, lösen den Schmerz — das heißt sie verdünnen ihn wohl: sie setzen Wasser zu. Zum Lachen kannst du jeden bringen, zum Lächeln nur die Wenigen. Die meisten Menschen haben alles mit der Wetterfahne gemein, bloß nicht ihre Ehrlichkeit. Trennnngsschmerzen sind, wie Migräne, meistens einseitig. Der hat nie beit kleinsten Teil der Welt besessen, der nicht in ihrem winzigsten Teil eine Welt zu empfinden vermocht hat. Die schönett Blumen im Gartett der Resignation sind nur darunt unvcrwelklich, weil sie künstlich sind. Die Menschen gehen viel häufiger an ihren Vorzügen als art ihren Fehlern zugrunde. Die wenigsten Leute lieben und hassen mit der gleichen Intensität, mit der sie zu Mittag oder am Abend essen. Ihre tiefste seelische Verstimmung kommt nicht aus erschüttertem Herzen, sondern — aus verdorbenem Magen. Ein Genie, das einmal unter die Philister geraten ist, pflegt, sie immer erst — nach Tisch zu verhöhnen. Wie viele Menschen schon sind nur durch ihre'Begabung daran gehindert worden, Karriere zu machen! In politischen Bewegungen stellt die Masse nur — die Streichhölzer dazu, an denen das Licht der großen Einzelnen sich entzündet. Moritz G 0 l d s ch m i d t (Frankfurt a. M.) * Das Wetter. Amtlicher Bericht: In Oesterrech und Deutschland Kat es sich größtenteils ausge'Keüert. Tagsüber wurde es aestern auch ziemlich warm. Wien hatte nur gegen Mitiaq vorübergetzend etwas stärkere Bewölkung. Dir Temperatur stieg bis 25 Grad. Voraussage: Vorwiegend heiter, warm. * Zurückgehaltene Waren. In den letzten zwei Tagen wurden vom Kriegswucheramt zckhlreiche Erhebungsorgane ausgesendet, die die Aufgabe hatten, in den einschlägigen Geschäften Revisionen vorzunehnien, mn zurückgehaltene Vorräte von Zucker und Fett zu konstatieren. In allen Fällen, in denen der Verdacht der Verkaufsverweigerung vorlag, wurden bie Lebensmittel unter Aufsicht der Beamten des Kriegswucheramtes in den den Vorräten entsprechenden Mengen an die Verbraucher zum Verkauf gebracht. Gegen 16 Geschäftsleute, die. ihre Waren offenbar in preistreiberischer Absicht aufstapelten und den Verkauf verweigerten, wurde die Amtshandlung eingeleitet. Diese Revisionen werden täglich fortgesetzt, und Kanfleute, die durch Machenschaften irgend welcher Art künstlich eine Verminderung des Angebotes und hierdurch eine Preissteigerung verursachen, haben die strengsten Folgen, unter Umständen auch die sofortige Vorführung und die Beschlagnahme der eingelagerten Waren zu gewärtigen. Die Streifungen in den Kaffeehäusern sowie auf den als Sammelpunkt von Schleichhändlern und Valutenspekulnaten bekannten öffentlichen Plätzen werden gleichfalls wiederholt werden. * Beim Fenfierpuhen veruuMckl. Am Dienstag um 5 Ukr früh stürzte die 49jährige Wirtschafterin Berta Engel, H., Große Sperloasse 4, beim Fenslerputzkn aus dem zwecken Stockwerk in die Tiele und blieb mit schweren Veriehungen 'bewußtlos liegen. Die Reiiungsgesellschaft verband sie und brächte sie auf die eiste Unfallstation. * NttttivnenürsbttShle. In der letzten Zeit wurden aus dem Maaazin der Meiallwarenfabrik Roth am Nennweg 50 zirka 500 Kg. Kupferbleckrollen und Tombakblechrollen im Werte von zirka 5 Millionen Kronen entwendet. Nun würbe unter dem dringenden'Verdachte, an der Ausübuna der Diebstähle belciligt gewesin zu sein, der 21 jährige, bei der Fabrik angestellte Kilssarbeitet Karl Blecha, X., Favoritenerslratze 143, dem Landesgenchte eingckiefrrt. * Der FilmschavsAieler uud sei» Freund. Am 6. v. wurde dem Filmschauspieler E. SS, während einer Probe sein Wohnungsschlüssel gesloh'en. Noch am gleichen Tag schlich sich ein Dieb in seine Wohnung und entwendete ihm Kleider und Wäsche sowie eine, silberne Tabatiere, angeblich eine Widmung des Sulläns aus d-r Krieosze'.t, im Werle von dreioiertel Millionen Kronen. Durch die Erhebungen d.»s Potizeikommisiariates Iosefsladt gelang es, wie die Korrespondenz Wilhelm meldet» den Täter in dlr Person des 24jährigen akademischen Malers Paul K a r c, a g zu ermitteln. Karczag, der auf großem Fuße leble, Halle das gestohlene Gm sofort w e i t e r v e r k a u s t und den Erlös mit einer Filmschauspieter in verbraucht. Ex wurde in der Pacht zum Sonntag, ats er mit seiner Freundin im Auto bet einem Stadtkabarett vorsuhr, angehalien und verhaftet.. * Das Gartenfest des Jüdischen Schulvereins. Für das Sonntag den 18. d. um 3 Uhr nawmittags im l. Kaffeehaus (Prater, Kaüptallee 4) zu gunften des notteidenden i üdifchen Schutwerkes stattfindende Gartenfest des Jüdischen Schulvsieins haben sich bedeutende jüdische Kunstkräfte in selbstloser Weise zur Verfügung gestellt. Oberkantor Gerson M a r g u l i e s. von Prof. B r a f l a v f k y am Klavier begleitet, singt jüdische und hebräische Volkslieder (zum Teil neues Repertoir). Ä'erauf das Violinkonzert des Violinvirtuosen Rudolf Lampet.. OpernsSngerin Fräulein Kanna Schwarz wird drei hebräische Arien von Artur W 0 l f vertragen. Julius W 0! f j 0 h n s »Zwei Paraphrasen über oltjüdische Poiksweisen'. die in Wien mit Begeisterung ausgenommen wurden, sowie die „XU. Rhapsodie" vonLiszt werden von der Klavi-rkünsiterin Fräulein Sofia Spatz gespielt weiden. Um 9 Uhr abends Tanz im Kasinvsaal. Außerdem verschiedene originelle humoristische Arrangements. Besonders interessant dürfte das palästinensische ^ombolaspiel „Zud Dagim" werden. Verlosung einer reichhaltigen modernen hebräischen Bibliothek und Versteigerung von künstlerischen Wertgegenständen. Während der ganzen Dauer des Festes (Ende 12 Uhr nachts) großes Orchesterkonzert im Garten (Kapellmeister Kart Josef Richter). In jüdischen Gesellschaftskreisen'herrscht für diese Veranstaltung, deren. Reinerträgnis einem so hervorragend kulturellen. Zweck wie der Erhaltung des jüdischen Schutwerkes gewidmet ist, lebhaftes Interesse. Man' verspricht sich einen bedeutenden moralischen und materiellen Erfolg und erwartet mit Sicherheit, daß die gesamtg kulturell interessierte Wiener Iudenschaft an dem Feste Sttöt schen Schulvereins teilnehmcn wird. Restliche Karten nn Sekretariat des Jüdischen Schulvereins, H., Zirkusgasse 33, Zionistischen Landeskomiiee, 11., Taböruraße 20a, „Wiener: Morgen-1 Mung". U., TMrstMe 1/3 und an -er Earteytzgsse..,

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