Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1212 (16.6.1922)
- Date
- 1922-06-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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srr. nrp-z asrcn, mehr hat auch der Führer der ostgalizischen Polnischen Sozialdemokratie Dr. Löwenherz (Jude) den ihm verliehenen Orden im Sinne des Beschlusses das sozialde'iml'^^ischen Parteirates nicht angenommen. I Oesterreich. Das große Maul. Herr Seipel sollte doch den Kunschak wieder an die Kette legen. Dieser Schreihals bringt es fertig, das klar zutage liegende JunktinOzwischen der inneren und der äußeren Sanierungsaktion seinen Parteigenossen in folgender Weise zu verulken: „Daß die Banken, und zwar, wie es in der Natur der Sache gelegen ist, die jüdischen Banken Mitwirken, kann mich nicht verstimmen. Der Sachverhalt ist eben der, daß der ursprüngliche Plan, die Notenbank durch ausländische Staatskredite zu errichten, bisher nicht zur Durchführung gelangen konnte, daß auch das Völkerbundprojekt schier kc'ne Aussicht auf Verwirklichung hat und jetzt nur mehr'die Hilfe der ausländischen, natürlich ebenfalls jüdischen Banken in Betracht kam. Bor die Wahl gestellt, die Notenbank durch die Hilfe ausländischer jüdischer Banken oder durch die Hilfe der inländischen jüdischen Banken zu errichten, kann mich unschwer für die letztere Alternative entscheiden. Wenn die Begleiterscheinungen, die sich. an der Börse usw. eingestellt haben, anhalten, daß die ausländischen Valuten sprunghaft nach unten abbröckeln, ist das ein Nebenerfolg, der nicht hoch genug angeschlagen werden kann." Nach ihm redete O r e l, der die kulturellen Aufgaben der Christlichsozialen in dem Kampf auf der Straße durchsetzen will. Der Weltpostverein. Paris, 15. Juni. (Havas.) Das Amtsblatt veröffentlicht die in Madrid am 30. November 1920 Unterzeichneten Konventionen und Abkommen betreffend den W e l t p o stverein. Tscheche- Slowakei. Ei« blutiger Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Gendarmerie. Neustadt a. d. Waag, 15. Juni. (Tschecho-Slowakisches Preßbureau.) Gestern wurde in Neustadtl der kommunistische Vertrauensmann und Agitator Ondrej B a j d i k wegen Aufhetzung und verschiedener Gewalttaten verhaftet und nach dem Gerichte in Trentschin überführt. Um 10 Uhr nachts versammelten sich auf dem Stadtplatz ungefähr 500 Personen und beschossen die Gendarmerieabteilung, die die Menge zum Auseinandergeheu aufforderte. . Da dies erfolglos blieb, mußte eine weitere Gendarmierieverstärkung herbeigeholt werden. Als ungefähr 20 Gendarmen von der Menge mit Steinen beworfen wurden, und als abermals aus der Menge g e schossen wurde, machte die Gendarmerie nach dreimaliger Aufforderung an die Menge, auscinänderzugehen, schließlich von der Waffe Gebrauch, wobei ein junger M a nn erschofsen und nach den bisherigen Feststellungen fünf Personen verwundet wurden. Inzwischen kamen den Kommunisten aus den Nachbargemeinden Verstärkungen zu Hilfe. Zwei Kolonnen von ungefähr ie 200 Mann wurden aber von der Gen- | darmerie zur Rückkehr gezwungen. Die Ruhe wurde um 11 Uhr 15 Minuten vollkommen wieder hergestellt. Haag, 15. Juni. (Havas.) Die Konferenz der Sachverständige» hat den holländischen Minister des Aeußern van Karnebeek zu ihrem Präsidenten gewählt. Jugoslawien. Der Vatikan gegen Jugoslawien. Belgrad, 14. Juni. Wie die „Politika" berichtet, hatte der päpstliche Staatssekretär inr Aufträge des Heiligen Stuhles a l I nt jugoslawischen katholi s ch e n Büsch äsen, die den orthodoxen kirchlichen Zeremonien anläßlich der Vermählung König Alexanders beigewohnt haben, eine strenge Rüge erteilt. Polen. Die Regierungskrise. Warschau, 13. Juni. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Wie Ihr Korrespondent aus zuverlässiger Qttelle erfährt, dürfte die Kabinettskrise noch recht lange anhalten. Gestern nachmittags fand eine Sitzung der K l u b o b m ä n n e r in Anwesenheit des Staatschess statt. Der Staatschef hielt eine längere Rede, in, der er eine klare. Umschreibung seiner Rechte und die. Be- - Hebung der Unklarheiten in der ,-kleinen Verfassung" verlangte. An der hierauf folgenden Debatte nahnten sämtliche Klubohmänner teil. Im Namen des jüdischen Klubs sprach Abgegeordneter Grünbaum. Da es zu keiner Einigung, kommen konnte, ersuchten die Klubobmänner den Sejmmarschall, sofort den Verfassungsausschuß einzubernfen,. um eine genaue Interpretation der >,kleinen Verfassung",, in der nach Artikel 3 „der Staatschef die Regierung in der vollen Zusammensetzung auf Gpund eines. Einverständnisses mit dem Sejm beruft", festzulegen, da nach Ansicht des Staatschefs die Ausdrücke „beruft und auf Grund eines Einverständnisses mit dent Sejm" unklar seien und nur verschiedeite Deutungen Hervorrufen können. In den Sejmcouloirs werden folgende Kandidaturen zum Ministerpräsidenten genannt: von der Rechten S t e s l o w i c z, K o rf a n t y; von der Volkspartei Da r o w s k i und der gewesene Ejsenbahnminister Bartel.; Me«« M-rz-nztIt«i,g IS. Jiim .tSLS Seile , Eine Konferenz der r--.itos- Partei. Warschau, 13. Juni. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnng".) Die anfangs dieser Woche tagende Delegiertenkonferenz der polnischen Volfspartei (Witos-Gruppe) beschäftigte sich auch mit der gegenwärtigen Kabinettskrise. In einer Resolution wurde der Staatschef aufgefordert, bei seinem Standpunkte zu beharren. Nach Schluß der Konferenz begab sich eine Sonderabordnung ins Belvedere, um dem Staatschef mündlich die Resolution bekanntzugeben, bei welcher Gelegenheit ihm lebhafte Ovationen bereitet wurden. Die polnische Delegation für die Haager Konferenz. Warschau, 13. Juni. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die polnische Delegation zur Haager Konferenz ist bereits abgereist. An der Spitze der Delegation steht der Vizeminister für Handel und Gewerbe Straßburger, der in Genua der polnischen Delegation als Wirtschaftsminister angehörte. Palästina. Das Palästina-Mandat. London, 14. Juni. (I. C. B.) Für die nächsten Tage ist einr große'Palästinadebatte i n beiden Häusern des englischen Parlaments vorgesehen. Die Regierung wird auf einige, hauptsächlich von den Antisemiten Sir Joinson Hicks und Lord Jslington eingebrachte Anfragen zu antworten haben. Es wird angenommen, daß die Palästinadebatte diesmal in beiden Häusern eine volle Sitzung in Anspruch nehmen wird. London, 14. Juni. (I. C. B.) Die Ankunft des italienischen Außenministers in London zwecks Besprechung des englisch-italienischen Einvernehmens wird täglich erwartet. Wie versichert wird, wird Signor Schanz er bei dieser Gelegenheit auch die Einzelheiten der Ratifizierung des britischen Mandats in Palästina mit der englischen Regierung besprechen. Ein Schritt des Vatikans.' Nom, 13. Juni. (I. C. B.) „L'Jdea Nazionale" veröfentlicht einen Leitartikel gegen das Palästina-Mandat und die jüdische Heimstätte, und glaubt zu wissen, daß der Vatikan die Veröffentlichung eines neuen Dokuments über die Palästinafrage vorbereitet. Der Heilige Stuhl sei angeblich beunruhigt, daß seine Aktion für gewisse Aenderungen im Mandat isoliert bleibe und daß das' italienische Ministerium des Aettßern, wie es scheint, wichtige Forderungen des Vatikans sich nicht zu eigen machen wolle. Rundschau. Eröffnung der Hääger Konferenz. Haag, 15. Juni. (Tel.-Komp.) Heute um halb 1 Nor nachmittags wurde die Vorkonferenz in Abwesenheit der russischen Delegation eröffnet. Die Sitzung, die j vom holländischen Außenminister Van Karnebeck mit einer; kurzen Ansprache eröffnet wurde, war nicht öffentlich. Ueber die Haltung der Franzosen macht sich Beunruhigung bemerkbar, da die Ankunft der französischen Delegation immer wieder lnnausgeschoben wird. Gleichze'ug mit der Konferenz wird der ständige Gerichtshof des Völkerbundes im Friedenspalast seine Jahressitzimg abhalten. Orientkonflikt zwischen England und Frankreich. London,-15. Juni. (Reuter.) Der diplomatische Berichterstatter der „Daily News" schreibt, er erfahre zu den I letzten Erörterungen in der französischen Presse über die! Frage des geplanten Paktes zwischen Großbritannien und Frankreich, der britische Botschafter in Paris Lord,Hartz lng e habe Poitteare ein Memorandum überreicht, worin dargelegt wird, daß der englisch-französische Pakt, wie er in Cannes entworfen worden sei, einem Uebereinkommen über die verschiedenen zwischen Frankreich und England schwebenden Fragen, insbesondere jene betreffend den Orient und Tanger, folgen und nicht einem solchen vorausgehen sollte. In k e i n e r dieser Fragen sei der geringste Fortschritt erzielt worden. Jede Erörterung des Paktes im gegenwärtigen Zeitpunkt sei daher unmöglich. Hinsichtlich der Frage des nahen Ostens werde die Lage tatsächlich immer weniger befriedigend. Es bestehe eine ausgesprochene Spaltung zwischen der französischen und der britischen Ansicht, die sich der kemalistis ch e n Anregung einer Besprechung zwischen den Alliierten und den Türken unter Ausschluß der Griechen widersetzte. Italien wiirde den Zusammentritt einer Konferenz in Jsmidt vorziehen. Der krirmre Leui«. Die Nachfolger. Die von den diplomatischen Vertretungen in Moskau an ihre Zentralstellen gerichteten Berichte über den Gesundheitszustand Lenins lassen erkennen, daß in Kreisen der Sowjetregierung die e r n st e st e n Befürcht tut* gen gehegt werden. Die allgemeine Konstitution Lenins sei derart, daß mit einem Ableben des Sowjetführers gerechnet werde. Man erzählt, daß Lenin einen Bluterguß ins Gehirn erlitten habe, der zur teilweisen Lähmung führte, dadurch sei auch das Herz sehr bedenklich in MW leidenschaft gezogen worden. Die Sowjetregierung ist durch das drohende Ableben Lenins vor die schwere Frage gestellt worden, wer als sein Nachfolger an die Spitze des Rates der Volkskommissäre gestellt werden solle. In' führenden Sowjetkreisen bestehen über dieses Problem tiefgehende Differenz e n, da die in den höchsten russischen Behörden vertretenen gegensätzlichen Richtungen sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können.. Als Nachfolger Lenins werden genannt: S i n o w j e w, Tr o tz k y, Lunatscharsky, Krassin, Rakowski und Tschitscherin. Unzweifelhaft hat jeder dieser Kandidaten eine starke Anhängerschaft hinter sich, doch ist sie nicht ausreichend , genug, um ihm zum Siege zu verhelfen. Gegen Sinowjew wird eingewendet, daß seine extrem radikale Haltung nicht dem neuen wirtschaftspolitischen Kurs der Sowjetregierung anzupassen wäre. Trotzkys Kandidatur wird bekämpft, weil er nicht jüdisch er Abstammung ist und außerdem einen sehr weitgehend kommnnistisch-imperialisüschen Standpunkt vertritt. Lunat s ch a r s k t, der Volkskommissar für das gesamte Kunst- und Bildungswesen, erfreut sich zwar bei allen Richtungen einer gewissen Sympathie, doch glaubt man ihm ein ausreichendes Maß von staatsmännischem Geschick absprechen zu müssen. Krassin, einer der führenden und durchaus realpolitisch orientierten Wirtschaftsköpfe, ist als zu weit rechts stehend verschrien, gegen Rakowski wird der Einwand erhoben, daß er, ein geborner Bulgare, nicht Russe sei. Alles in allem soll T s chitscherin die meisten Aussichten haben. Seine Politik verfolgte bisher immer einen mittleren Weg zwischen den in der Sowjetregierung vertretenen Auffassungen, außerdem aber glaubt man, in außenpolitischer Hinsicht in ihm einen Regierungschef zu. erhalten, der. die Wiederbelebung der Beziehungen zu den internationalen Mächten erheblich fördern würde. Musottni als Kämpfer für Freiheit. Rom, 15. Juni. (Tel.-Komp.) Der nationalistische Abgeordnete M u s o l i nt hat int Namen seiner Partei in der Kammer über die Frage des östlichen Mittelmeeres, eine Tagesordnung ausgestellt, worin mit dem Verfall des Vertrages von Sevres alle Mandate aufgehoben und die den Orient betreffenden Fragen als wieder aufgerollt erklärt werden. Die Mandate Frankreichs über Syrien und den Libanon uüd das englische Mandat über Palästina bilden öffentliche Verletzungen , der Unabhängigkeit und Freiheit der Völker, die auch unter der türkischen Herrschaft eine von allen Mächten gewährleistete Unabhängigkeit genossen. Die italienischen Vertreter im Völkerbund mögen dahin wirken, daß die freiheitswidrigen Mandate ohne Rechtsgrundlage nicht ratifiziert werden.. Italiens Interesse bestehe darin, im östlichen Mittelmeer die Bildung von Freistaaten zu begünstigen, damit sie der Herrschaft der englischen und französischen 'Imperialisten entzogen werden und die friedliche Entwicklung des italienischen Handels mit diesen Völkern gewährleistet werde. (Musolini ist der Organisator der Faszisten.) Die irische Verfassung. London, 15. Juni. (Tel.-Komp.) Die langwierigen Verhandlungen zwischen England und Irland über die B e rfass u » g s f r a g e sind gestern' abends endlich abgeschlossen worden. Churchill zeigte sich sehr befriedigt von dem Ergebnis der Besprechungen und erklärte, daß der Verfassungscnüvurf für England durchaus annehmbar sei. Das Abkommen wurde heute dem englischen Kabinett zur Genehmigung unterbreitet, nüd) der Beendigung der Kabinettssitzung begab sich Churchill 'n s Unterhaus, um. dort die schon seit einigen Wochen angekündigte Erklärung über die irische Frage abzugeben. Die deutsche Reparationsquote. Paris, 15. Juni. (Wolfs.) „Le Journal" Mt fest, daß die Reparätionskommission gestern von der ordn u n g s m ä ß i g e n Z a h l u n g der am 15. Juni fälligen 50 Millionen Goldmark benachrichtigt wurde. Die jüdischen Mrnoritätsrechte in Lettland. Riga, 14. Juni. (I. C. B.) Die Verfafsungskommission des lettischen Parlaments hat die Behandlung des Gesetzes zum Schutze der Minoritätsrechte abgeschldssen, wobei lediglich die auf die Anerkennung der Rechte der russischen und Deutschen Sprache bezüghabenden Paragraphen angenommen wurden. Hingegen wurde die Beschlußfassung über den Verfassungsartikel bezng'lick der Rechte der j ü d i s ch e n S p r a ch e ohne Begründun' bis zur nächsten Sitzung verschoben. Rntzland weigert sich den Vertrag mit Italien zu unterschreibe«. Paris, 15. .Juni. (Tel.-Komp.) Deut „Matin" wird aus Moskau gemeldet, daß die Sowjetregierung sich weigere, den von Krassin und Tschitscherin in Genua Unterzeichneten rnssischttälienischen Handelsvertrag anzuerkennen, da der Vertrag Rußland nicht genügend politische Rechte, gewährt. ,Die Sowjelregierung verlangt zumindest die de jüre-Anerkennung durch Italien und den Abbruch der Beziehungen Italiens zu allen früheren russischen Regierungen. engl. Stoffe, Herren- und Damenwäsche, Leinen- und Strickwaren, alles erstklassig und billigst bei II., Tatmrstraße 48 To!0phon 47-1-79 Eh sros En detail