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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-15 · Heft 1211 (15.6.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1211 (15.6.1922)
Date
1922-06-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Töctit » s^rcn, acn?w*rrffm3 Vom Keren Hajefsod. 2m folgenden verössenliicht die Keren Kajeffod-Kommission öie Forlsehung der Liste der Zionistischen Mandatare, die laut Gutachten der Vertrcmeaskommission ihre Pflicht dem Acren Kajeffod gegenüber für das 2ahr 1921 erfüllt haben: Siegfried Abeles, Frieda Bau. Dr. Kugo Benedikt, Max Ernst. Loses Finzi. Ernst Fryer, Samuel Frost/ 2. 21. Gerstl. Oskar Gold" fchmied, Sabine Griffel, Mipa Kalpern, Dr. Zstdor Klaber, 2ofef Lanczener» Dir. Anselm Lazarus. Karl Liquornik, Klara Oltilie Löwenthal, Simon März, Bernhard Mayer, Rudolf Müller, Salamon Oberländer^ Dr. Benno Schallinger. Dr. Abraham Schmerler, Aron Schroertfinger, Leon Schräge, Dr. Max Sprecher, Oberrryident Ignaz Stern» 2ng. Wilhelm Winkler. Vereinigte In- und Anslandshilfe für tuberkulöse Kinder. Kürzlich fand unter dem Vorsitze des Bundespräsidertten Dr. Harnisch und im Beisein des Leiters des Volksgesundheitsamtes Sektionschef Dr. Helly eine Sitzung des Ausschusses der vereinigten In- und Auslandshilfe für tuberkulöse Kinder statt, in welcher' der ärztliche Leiter Hofrat Professor Dr. Moll einen eingehenden Bericht über die bisherige Tätigkeit des Hilfswertes erstattete. Er besprach die Zentralisierung der Kinderuntersuchungen in der Reichsanstalt für Mutter- und Säuglingsfürsorge, hob ferner die gr o ß z ü g i g e U n t e rst ü tz n n g, die die Krankenkass e it und deren Verbände der Aktion zuteil werden ließen, hervor, und erwähnte schließlich die ausgezeichneten Heilerfolge bei 1638 Kindern, die während des Berichtsjahres in verschiedenen ' Erholungsheimen und Lungenheilstätten Oesterreichs un-. tergebracht wurden. Der Bundespräsident dankte den ausländischen Förderern und der Aktionsleitung für ihre Unterstützung und fiir ihr unermüdliches, erfolgreiches Wirken und sprach die Hoffnung aus, daß es gelingen möge, die vereinigte In- und Auslandshilfe für tuberkulöse Kinder zu einer dauernden Institution auszugestalten. Entgleisung des Budapest-Wiener Schnellzugs Bisher zwei Todesopfer. Budapest, 14. Juni. (tt. T. K. B.) Der heute um' halb 7 Uhr früh vqh Budapest abgegangene Grazer Eilzug, von dem einige Waggons in Raab abgekoppelt werden und iiber Oedenburg nach Wien gehen, ist zwischen Bia- - torbagy und Herczeghalom infolge Schienenbruches entgleist. ' Das Unglück ereignete sich einige Minuten nach neun Uhr ans halbem Wege zwischen Biatorbagh und Herczeghalom vor den: sogenannten Akazienwäldchen an einer Stelle, wo die Eisenbahnlinie eine scharfe Kurve macht. Die Lokonrotive, jber Gepäckswagen und dreiweitere Wagen hatten die gefährliche Stelle bereits passiert/ als infolge Nadöruches des vierten Wagens ein Schienenbruch eintrat und infolgedessen der Zug iu zwei Teile zerrissen wurde. Der vierte Wagen sowie der ihnt folgende Speisewagen als auch ztvei weitere Waggons entgleisten und stürzten die Böschttng hinab. Bon Budapest wurden alsbald zwei Hilfszüge auf den Schauplatz des Unglücks entsendet. Unter den Trümmern der Waggons fand matt zwei Leichen. Das eine Opfer ist die Gattin des schleswigschen Großgrundbesitzers Mar Freiherr» von R e i tz en ft e i n, geborene Baronin Wenzel, das andere der Bankdirektor Lovacs. Vier Personen wurden schwer, zirka 20 leicht verletzt. Unter den Passagieren befaitd sich auch der Generaldirektor Baron Adolf Ullmann. Er ist mittags in Budapest wieder emgetrosfen und hat aus Anlaß seiner glücklichen Rettung 500.000 K. der Kinderschutzliga gespendet. Unter den schwerverletzten Passagieren befindet sich die Schwiegermutter des Geigenvirtuosen Kuieltf, die Witwe Wolfgang Szell. Budapest, 14. Juni. (It. T. K. B.) Die Staatsbahndirektion veröffentlicht über das Eisenbahnunglück bei Herczeghalom einen Bericht, woraus hervorgeht, daß die Entgleisung ditrch einen Schienenbruch verursacht worden ist, der auf einen innerett Konstruktionsfehler zurückzuführen ist. Es kamt daher weder von einem Versäumnis in der Instandhaltung des Bahnkörpers noch von einem anderen Dienstversäumnis die Rede sein. Die fünf ersten Wagen des Schnellzuges fuhrett glatt über die Bruchstelle hinweg und erst der sechste Wagen kam zur Entgleisung. Außer den beiden Toten werden 4 Schwer- und 33 Leichtverletzte gemeldet. In der Lobau. Die Glanzzeit der Lobau war jene Zeit, dc^man, um Eintritt zu erlangen, wochenlang vorher beim kaiserlichen Obersthosjägeramt einreichen mußte, da man nach gutem alten Brauch von einem Amtszimnter ins andere gejagt wurde und überall feine Staatsbürgerschaft, Wohlanständigkeit und spiegelblanke Loyalität Nachweisen mußte, um in den Besitz einer Eittlaßkarte zu gelangendie einem die Möglichkeit gewährte, sich in den Auen des kaiserlichen Wildparkes ztl verirren. Eine Möglichkeit, die so groß wat, daß sie, in Verbindung mit den Eintriitsschwierigkeiten, zu dem grimmigen Worte geführt hat: Erst weiß man nicht, wie man in die Lobau hinein kommt, dann weiß man nicht, wie man herauskomnit. Damals war die Lobau das geheimnisvolle Wunderland, der verbotene Zaubergarten, um den ein Sagenkrayz..vpn.,Mger^y<HM. glaublichkeiten gewunden war und dessen Reize;yn so Mitteilungen ans dem Publikum. 6erta KosenblatK Hermann Berlin . Wien . . Podwoloczyska empfehlen sich als Verlobte Mai 1922 osso Möbelfabrik ].. Spira Feine °>- W. ¥11., MMM« 1—1 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse) Samstag den 17. Juni 1922, anlässlich des 15 jährigen Bestandes des Vereines im Festsaale des Hotel Continental, unter Mitwirkung bedeutender Kunstkräfte Anschliessender Tanz Beginn 8 Uhr abends hilferstrasse 138 (Tel. 30*5-65), W. Krelndler, II., Obere Donaustrasse 69 (Tel. 48442) und M. Singer, II., Kleine Sperlgasse 8 (Tel. 40-0-71) «j: % stärker lockten, je unmöglicher es war, sie in Augenschein zu nehmen.. Damals hat man die Lobau nicht besucht, weil es so schwer war, hinein ztt gelangen. Jetzt besucht man sie nicht, weil es so. leicht ist. -<•- Selbstverständlich ' darf aus dieser Bemerkung rticht etwa geschlossen werden, daß die Straßenbahnwagen, die in Kagran Wartens leer sind. Im Gegenteil, in der neuen Elektrischen — die noch die Spuren ihrer Dampfvergangenheit an sich trägt, denn die „Beiwagen" sind fast alle jene grünen Kasten der Dampsbahn, deren Sitzreihen so . enge beisammenstehen, daß man mit den Knien des Gegenüber beständig' zu- .sammenstößt — herrscht ein richtiges Sonntagsgedränge, die Frauen kreischen beim Einsteigen, die Männer streiten uub bie Kinder weinen. Es ist also sehr gemütlich, aber das sind zum überwiegenden Teil bieder Enzersdorfer und Eßlinger, die Heimkehren, ( oder Leute, die Verwandte besuchen und sich mit erwarhi'ngsvoüen Markttaschen ausgestattet haben. Wenn man zu den grünen Hangars von Aspern kommt, spähen sachverständige und ortskundige Buben nach dem „neuchen Doppeldecker" aus und bei der Stadtmauer von Enzersdorf — ein Rest des alten Stadtwalles mit einem Gräben und sehr effektvollen Schießscharten — drängen sie sich mit Gewalt zum Fenster, um die Sensation zu genießen, bei der Fahrt durch den Durchlaß an die Mauer, mit den Händen zu streifen. Der um den Lobauweg befragte Schaffner zuckt die Achseln —- er fährt leider erst 19 Jahre die Strecke, hatte also noch keine Gelegenheit, die Au aufzusuchen/ Da sich auch keinerlei Wegmarkierung weit und, breit erblicken läßt, fühlt man sich als Pfadfinder und schreitet' kühn die breite Straße entlang, die sich zunächst durchaus nicht nach Wildnis gebärdet, sondern sehr friedlich und staubig an einem Tempel, einem Versorgungshaus und einer dereinstigen Artilleriekaserne hinaus ins Freie führt. Das Trüpplein Menschen, das jenseits der Kaserne noch weiter trabt, strebt entweder zum „roten Hansl", wie der Uferwirt äus unerfindlichen Gründen genannt wird, oder in die Lobau. Die Lobauwanderer erkennt man mit zweifelloser Sicherheit daran, daß die Frauen der Gesellschaft mächtige Wollknäuel mit sich führen und jeden Vorübergehenden fragen: „Bitte können sw mir nicht sagen, wo die vielen Maiglöckchen wachsen"? Denn in der Lobau gibt es Maiglöckchen. Alle Sachverständigen, d. h. diejenigen, die niemals über das Uferwirtshaus vorgedrungen sind, wissen zu erzählen, daß in der Lobau „alles weiß" ist von Maiglöckchen und daß sämtliche in Wien zum Verkauf gelangenden Maiblumen aus diesem schier uneicschvpflichen Reservoir stammen. Es gibt Theoretiker des Malglöckchen-Sucheus, die haargenau auseinandersetzen, wo und wie man nach allen Regeln der Logik die geschähe Blüte finden kann. Sie wissen mit aller Klarheit, daß und warum all diesen Stellen nichts wächst, und gehen meistens mit jungfräulichen Wollknäueln wieder nach-Hause. Die Praktiker dürchstöbertt den ganzen Wald, wühlen das dürre Laub auf, scheuen Rehe, Hasen und Blindschleichen aus ihrer Ruhe auf und finden schließlich wirklich sieben Maiblumen-Stämmchen, die sie stolz, in Unmengen von Blättern,' Seidenpäpier und Watte, glücklich nach Wien befördern. Der Weg zu den Maiglöckchen-Fundstellen ist übrigens bricht zu finden. Man zweigt von der Hauptstraße links ab, bis man zu einem Gitter kommt mit der Aufschrift: „Durchgang streüge verboten." Dort tritt man ein und ist bald zur Stelle. Aber wenn aus »diese Weise die Lobau zwischen so: /inint /ms'/ Nr. 1211 - — :;---— -——s alte Bäume umrahmen gewaltige Wiesenflächen/ die int und Wälder, Bächlein und Wege unter Buchen und Ulmen„ kleine Lichtungen mitten in duftenden Weißdornbüschen. Und wenn auch die Maiglöckchen hier noch ein bißchen seltener sind als im Mühlhausener Gebiet, so findet man dafür so manche andere seltene und schone Blume, stolze gelbe Schwertlilien, zu denen man über den Sumpf hinüberturnen'muß, Schneeballen, seltsame, wild aussehende Orchideen, wilde Reseden und zartes Frauenhaar. Das Schönste aber ist die Stille und Einsamkeit. Die Großstadt liegt in weiter, weiter Ferne, man kann — kaum eine Stunde vor ihren Toren — an sie vergessen. Selten nur kommen ein paar Wanderer des Wegesselten nur stört Lachen und Sprechen das heilige Waldesleben. Schwermütig klagt die Unke, das schrille Kreischen des Sumpfvogels klingt herüber, Krähengeschrei dnrchschneidet die Luft, die Lerche jubelt in die Sommerwelt hinaus und mitunter zieht ein Storch mit majestätischem Flügelschlag am blauen Himmel vorbei. Aber der Menschenlärm ist verstummt. Der Lobauwanderer ist allein, allein mit dem Sommer und der Sonne. Und wer da stille unter den rauschenden Bäumen liegt, in dem mag es klingen: mir ist, als ob ich längst gestorben wär'- In der Lobau ist eben — gottlob — keine Hetz zu finden. Das hindert offenbar die Entwicklung ihrer Beliebtheit. Uebrigens gibt es auch nichts Trinkbares, leider nicht einmal Wasser, denn der einzige Brunnen, der weit und breit zu finden war, ist unter Schloß und Riegel gelegt und man muß sich in Aspern mit Wasser versorgen. Sonst aber ist für alles gesorgt, was einen Ausflug reizvoll gestalten kann. Besonders für das Fehlgehen. Nirgends in der Welt kann man sich so leidenschaftlich „verlaufen" wie in der Lobau. Man geht in der Richtung nach Eßlingen und landet Plötzlich beim „Grabe Napoleons", das einem dann überhaupt nicht mehr losläßt und zu dem man immer wieder zurückkommt, ganz gleichgültig, in welcher Richtung man sich bewegt. Ein Wieson- Plan, eine Lichtung sieht wie die andere aus und schließlich muß. man glücklich sein, wenn man aus dem Weg nach Norden den südlich gelegenen „Damm" erreicht ud irgendwie wieder zu den „wilden Bädern" und damit unter Menschen kommt. Jede andere Großstadt würde ein Wunderland unberührter Natur als Kleinod schätzen und lieben. Wien kennt es kaum. Aber jetzt kommt vielleicht für die Lobau eine Zeit der Popularität. Denn es droht ihre Schließung. Und wenn man dem Wiener etwas wegnimmt, dann lernt er es lieben. Denn dann kann er darüber raunzen. Klara Mautner. Kettenhandel mit „Beka"-Schuhen. Die Schuhfabrik Brüder Klein in Mödling gibt ihre Erzeugnisse nur an wenige, ganz bestimmte Schuhhändler ab, die kontraktlich verpflichtet sind, die Schuhe ausschließlich zu den gelegentlich der Erzeugung in die Sohlen eingestanzten Preisen zu verkaufen. In diese Preise ist ein entsprechender Kleinhändlergewinn bereits 'einkalkuliert, um dadurch willkürliche Preisausschläge und Preistreibereien hintanznbalten. Die Beliebtheit dieser Schutzmarke wurde seit längerer Zeit von unbefugten Händlern dazu benützt, solche „Beka"-Schuhe in den verschiedenen Niederlagen aufzukaufen und sie nach Unkenntlichmachnng der Preisstempelung mit übermäßigem Gewinn weiterznvernnßern. Vom Kriegswncheramte wurde in Erfahrung gebracht, daß sich der beschäftigungslose Eisendreher Johann Baar, 17. Bez., Gschwandtnergasse 8, erbötig gemacht hatte, 20 Paar „Beka"-Schuhe auf einmal zu verkaufen. Bei einer in der Wohnung des Baar vorgenommenen Hausdurchsuchung wurden 5 Paar solcher Schuhe beschlagnahmt. Die übrigen 15 Paar wollte Baar angeblich erst nach Abschluß des Kaufes in verschiedenen Niederlagen erwerben. Bei allen Vorgefundenen Schuhen waren die eingestanzten Preise unkenntlich gemacht. Wie in einigen Fällen nachgewiesen werden konnte, hat Baar für die vollkommen unnütze Tätigkeit als Zwischenhändler durchschnittlich Gewinne von 2770 Kronen pro Paar cingezogen und dadurch die Schuhe um mehr als 25 Prozent verteuert. Johann Baar wurde vom Kriegswncheramte wegen Preistreiberei, Schleichhandels und Kettenhandels der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Lage au? dem Arbeitsrnarkt. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat in den letzten Wochen im allgemeinen eine leichte Besserung erfahren. In der Branche der Schuhmacher herrscht gute Konjunktur, Tu der Schuhindustrie ebenfalls und zwar trotz der vorgerückten Saison. Im Friseurgewerbe ist die Konjunktur ßut, für die Sommerbäder herrscht Nachfrage nach höher qualifizierten Arbeitern. In der Hutbranche ist die Herrenhuterzeugung gut, die Damenhuterzengüng geht saisonmäßig zu Ende, während die Beschäftigung in der Federnschmückerei als sehr gut zu bezeichnen ist. Im Kürschner- und Miedergeschäft ist die Beschäftigung gut, die Blusen- und Wäscheerzeugung war in der. letzten Periode gut, doch ist dort mit einem Nachlassen zu rechnen. Im Schneidergewerbe war die Lage vor Pfingsten besser, einige Betriebe der Damenkonfektion arbeiten mit verkürzter Arbeitszeit; in der Hcrrcnschneiderei ist die Konjunktur gut, in den mechanischen Betrieben der Branche schlechter. Die Papierindustrie ist gut beschäftigt, die Kartonnagewarenerzcugung weist.eine leichte Besserung auf, hingegen ist die Beschäftigung in der Zigarettenhülsenerzeugung schlecht. Ziffernmäßig ansgedrifcki hat die Zahl der Arbeitslosen in Wien, wie das Ministerium für soziale EnzerOorf und Verwaltung ntttteilt, arg.20. Mai 40.862, am 8. d. 88.221 bedafür M »restliche Ml enWÄeii'vpleriMr. Herrlich« f trage»; hiervon bezogen am L0. atai 28.724, am 3. d. 27.789 MfflzwMn' VI., Unke Wienzeile 40. im Hofe

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