Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1210 (14.6.1922)
- Date
- 1922-06-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mm 4 ^yreit, '^rmwotq ^rirer ^torgenzettung Prost und Genossen betreffend die Regelung des Hebümmenwesrns wurde einem Unterausschüsse zugewiesen. Schließlich wurde das Schauspielergesetz unverändert angenommen. Das Gesetz wird im Hause aber erst gleichzeitig mit dem Theatergesetz, das gegenwärtig im Justizausschuß beraten wird, zur Verhandlung gelangen. Tschecho - Slowakei. Die Einlösung der Kriegsanleihe. Prag, .13. Juni. Nach der „Prager Presse" enthält bas > ArbeitSprogrannn für die laufende Parlamentssession die Einlösung der Kriegsanleihe und die Verschiebung der Gemeinde- Wahlen. MS parlamentarischen Kreisen wird gemeldet, daß der österreichische Kredit gleichfalls noch in dieser Session verabschiedet werten soll. - Jugoslawien. Ansnahmsznftand itt Agram. Agram, 13. Juni. Infolge von Z u s a m m e n st ö ß e n zwischen den Anhängern der Radic-Partei und den Soko listen wurde heute in Yen Straßen eine Kundmachung der Polizeidirektion angeschlagen, die die Anwendung schärff'ter polizeilicher Maßnahmen ankündigt. Danach müssen bereits um 9 Uhr abends alle öffentlichen Lokale, Gast- und Kaffeehäuser, Varietes und KinoS geschlossen sein. Die Polizei ist durch Gendarmerie verstärkt worden. Ungarn. Das Ergebnis der Wahlen. ' 76 Oppositionelle. Budapest, 13. Juni. (U. T. K. B.) Mit dem heutigen Tage wurden die Wahlen in die Nationalversammlung endgüttig abgeschloffen. Das Kräfteverhältnis der einzelnen Parteien gestaltet sich nunmehr folgendermaßen: Von den 245 Mandaten entfallen auf die einheitliche Regierungspartei 140, auf die Ernszt-Gruppe 15, auf die Heinrich-' Gruppe 2 und auf die außerhalb der Parteiverbände stehenden Abgeordneten 9 Mandate, zusammen 166 Regierungsfreundliche. Ihnen gegenüber stehen 76 Oppositionelle; davon gehören 25 Mandate der Sozialdemokratischen Partei, 12 der legitimrstischen Andraffh-Friedrich-Gruppe, 8 der legitimistischen klerikalen Haller-Gruppe, 8 der radikalen Raffay-Gruppe, 2 der Batthhany-Gruppe, 4 der Baszorchi-GruPPe an. 17 haben sich keinem Parteiverband angeschloffen, doch bekennen sie sich zur Opposition. Schließlich vechalten sich zwei parteilose Abgeordnete neutral. In einem Wcchlbezvck muß wegen eines Formfchlers eine Neuwahl vorgenommen werden, linier den heute gewählten Abgeordneten befinden sich Handelsmrnister Hegyeshalmy (Raab) nnd der ehemalige Finanzminister Koranyi. Der Verlustbringende Wahlschwindel. Ujsag" erzHlt das folgende, .angeblich wahre Wahl- Histörchens In K u n f e l e g y h a z a ist die Abstimmung in vollem Gange. Präsident der WcchlkoMmisston -ist der ange,chette Ledergroßhändler. Julius H o k y, der die Aufgabe hat, über die Interessen, des Kandidaten, dep Einheitspartei zu wachen und möglichst viele oppositionelle Wähler zurückzuweisen Tie Wahl rsl öffentlich. Da tritt der Schuhmacherm-iste* Alexander Polyak, eine Stütze der Unabhängigkeitspartei, in das Wahllokal. Eigentlich hatte der Präsident erst gar nicht stagen müssen, es war fa totsicher, daß Polyak für den Kandidaten seiner Partei, Zoltan Horvath, stimmen werde. Aus Vorsicht richtet der Präsident an ihn dennoch die Frage: „Für wen stimmen Sie?" — „Für Zoltan Horvath." — „Und wie heißen Sie?" „Mein Name ist Alexander Polyak/ Der Herr Präsident kennen mich ja sehr gut." — „Ich kenne Sie nicht. Haben Sie irgend welche Legitimationspapiere bei sich?" — Der Herr Präsident scherzt. Ich bin doch fast täglich in Ihrem Geschäft. Seit vierundzwanzig Jahren kaufe ich das Leder bei Ihnen." — „Ich keime Sie nicht! Ich habe Me nie im Leben gesehen, ich habe keine Ahnung, was Sie sind und wer Sie sind!" Polyak antwortet schlau lächelnd: „So ist das vielleicht auch nicht wahr, daß ich Ihnen jetzt sogar noch 14.00V Kronen schuldig bin? Einem Menschen, den man nicht kennt, nie gesehen hat, dem gibt man doch keinen Kredit von 14.000 Kronen?" — „Sie ° sind mir nichts schuldig, ich habe Ihnen nichts geborgt und ich kenne Sie nicht," wiederholte Herr Julius Hokh, der konsequent bei seiner Behauptung verharren mußte. Nun wendet sich der Schuhmachermeister Alexander Polyak an die Mitglieder der Wahlkommiffion und an die Vertrauensmänner. „Die Herren haben es gehört. Die Herren werden Zeugenschaft für mich oblegen, und ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir es auch sofort schriftlich bestätigen wollten, daß der Herr Präsident auf sein Wort erklärt, daß ich ihm keinen Heller schulde." Die Menschen sind von Natur maliziös. Die Herren stellten ihm die gewünschte schriftliche Erklärung aus, die selbst der Präsident mit unterfertigte. Es war ja jetzt schließlich schon alleseins. Alexander Polyak steckt die wertvolle Schrift in die Tasche und macht keine Miene, fortzugehen. Er erklärt im Gegenteil: „Jetzt will ich abstimmen." — „Ja, haben Sie denn Legitimationspapiere bei sich?" Polyak lächelt. „Natürlich habe ich welche. Ich habe ja im voraus daran gedacht." Und er holt seine Papiere hervor: Geburtsschein, Heimaischein, Gewerbeschein, Meldezettel, Sittenzeugnis, JdentitätszeugniS, alles war vorbereitet. Was war nun zu tun? Seine Abstimmung mußte zur Kenntnis genommen werden. Alexander Polyak ist offenbar der einzige Wähler Ungarns, der sich nicht darüber ärgert, daß ihm die Abstimmung so erschwert wurde» , MilteilmiM ans dem Publikum. ist ein Lrillantring in Verlust geraten. Adzugeden gegen Koben finclerlokn beim Schalter der „Wiener Morgenzeitung“, II., Taborstrasse 1—3. <jU2 Wien, IV«, Argentinierstr. 20 Telephon SS-S-S3 Telephon 5S»5»53 erzielt jeder Kaufmann, Kaffeesieder und Gastwirt mühelos u. mit minimalen Spesen . Auskunft erteilt *kos(enfrei und unverbindlich die Die Internierungen und Inquisitionen dauern fort. Budapest, 13. Juni. (Tel. d. „Wr. Morgenzeiiung".) Während der Wahlkampagne erklärte die Bethlen-Regierung, daß die Internierten aus dem Lager in Zalaegerszeg bis auf eine ganz verschwindende Anzahl in Freiheit gesetzt wurden, und daß die Internierungen in Zukunft eingestellt werden sollen. Die inzwischen erfolgte Veröffentlichung der Namen jemt Personen, welche noch immer in der Hölle von Zalaegerszeg gefangen gehalten werden, hat die Behauptung des Grafen Bethlen und seines Ministers des Innern Grafen Klebelsberg rasch Lügen gestraft. Es werden aber auch noch immer Jnterniertentransporte nach Zalaegerszeg geführt, und nach wie vor sind in. dem berüchtigten Budapester Schübhaus die Häftlinge, welche zur Internierung bestimmt sind, der schauerlichsten Behandlung ausgesetzt. Es ist einwandfrei festzustellen, daß am 8. Juni die folgenden Personen aus dem Budapester Schubhaus nach Zalaegerszeg gebracht wurden: Arpad Weiß, Michael B e r n a d, Lüdisläus Vogel und Georg K u g l e r, welch letzterer samt Frau und zwei kleinen.Kindernln ZalöM^-szog interniert lynxde Auch seitdem wutden Wesire Internierungen Mrchgesichrt. Im Budapester Schubhaus, wo die Unglücklichen mitunter .monatelang gefangen gehalten werden, kämpfen diese buchstäblich mit dem Hungertod. Die Kost ist hier nicht nur qualitativ menschenunwürdig," sondern so gering, daß die Gequälten schon nach einiger Zeit völlig geschwächt zusammeufallen. Den für pk Internierung bestimmten Personenwird eine schlechtere Behandlung ' zuteil als den Verbrecherhäftlingen. Speisepakete dürfen ihnen nicht hineingeschickt werden. Verfügt einer über die entsprechenden . Geldmittel, so darf er zur Aufbesserung seiner Kost sich Speisen aus der Küche des Herrn Verwalters N oviczky beschaffen, jedoch zu so horrenden Preisen, daß jeder andere dafür wegen Preistreiberei sicherlich der Internierung in Zalaegerszeg verfallen würde. Die Behandlung durch den Verwalter und das Wachpersonal ist unmenschlich und brutal. Jede Geringfügigkeit wird mit Schlägen und Ohrfeigen geahndet. Mit jeder Strafe ist auch die Kurzschließung verbunden. Soweit sestgestellt werden konnte, befinden sich u. a. gegenwärtig im Budapester Schubhausdie folgenden zur Internierung verurtellten Personen: Eugen K e r t e s z, Philipp K i r a l y, Ladis-' laus Schönmann, Alexander Engländer, Franz Engländer, Emmerich S a ch s, Bela Lackner, Josef F a z e k a s usw. Polen. Die Ministerkrise. Warschau, 11. Juni. (Tel.d. „Wr. .Morgenzetiung".) Der gewesene Ministerpräsident Ponikowski erklärte dem Staatschef, daß er auf keinen Fall die Mission der Neubildung eines Kabinetts übernehmen wird. Wie in den Mgeorhnetenkreisen verlautet, wird der Staatschef in den nächsten Tagen dem Sejm die Bildung eines parlamentarischen Kabinetts Vorschlägen. Da jedoch dasselbe nicht zustande kommen wird, dürfte der Staatschef dem Sejm seinen Kandidaten zum Ministerpräsidenten präsentieren. Zum Kandidaten soll vom Staatsches der gegenwärtige Arbeitsminister D a r o w s k i vorgeschlagen werden. Kein Kriegszustand in Oftgalizien. Das Preßbnreau der Wiener polnischen Gesandtschaft teilt uns mit: In einigen Wiener Zeitungen dom, 10. Juni 1922 erschienen Notizen über eine angebliche Verhängung des Kriegszustandes itt Ostgalizien, über Behinderungen des freien Verkehrs sowie über Truppenverschiebungen und Truppentransporte in vollster Kriegsausrüstung an die ostgalizisch-ukrainische Grenze. Auf Grund authentischer Nachrichten, die heute aus Warschau eingelaufen sind, wird mit allem Nachdnrck sestgestellt, daß alle diese Meldungen vollständig aus der Luft gegriffen sind. Ueber Ostgalizien 4 wurde kein Kriegszustand verhäng^ das .Betreten djeles 14. Jttnl 1922 . Nr. 1210 Teiles der polnischen Republik ist nicht untersagt, und Truppenverschiebungen respektive Truppentransporte an die ostgalizisch-ukrainische Grenze haben nicht stattgefunden. \ Palästina. Ba« eines neue« Viertels in Jerusalem. Jerusalem, 12. Juni. (I. C. B.) Der Vereine „Bone bajit" geht daran, noch diesen Sommer 80 Häuser zu bauen. Die Möglichkeit dazu gibt ein von der durch die Brand eis-Gruppe gegründeten Hypothekenbank gewährter Kredit. Die Hypothekenbank verlangt 8prozerttige Verzinsung ihres Darlehens. Ein anderer Bauplan dagegen wird leider nicht realisiert werden. Der Plan eines Viertels auf den neugekauften Nationalfondsgründen in der Nähe des Bezalel (Ratisbonne). Der Platt war darauf aufgebaut, daß vomKeccn Hajessod eine Hypothekenbank gegründet und der notwendige Kredit gewährt werden wird. Der Keren Hajessod konnte diesem Ansuchen. nicht entsprechen, die von der Branders-Gruppe gegründete Hypothekenbank kann auch keinen Kredit gewähren, da der Boden dem Nationälfouds gehört und als unverkäuflicher Boden nicht belehnt werden kann. Das neue „Botte bajit"-Viertel liegt am Ausgang der Stadt an der Straße nach Jaffa. Der Bau Wirt voraussichtlich von der Arbeiterkooperative für öffentliche Arbeiten durchgesührt werden. Der Ruthenberg-Plan. Jerusalem, 12. Jttni. (I. C. B.) Wie die arabische Zeitung „Alsaba" mitteilt, hat die Regierung, die im vorigen Jahre den Regierungsboden bei Betsan den Araberti überlassen hat, sich an die jetzigen Eigentümer mit dein Ersuchen gewendet, einen Teil des Bodens für das Ruth e n b e r g - Projekt abzugeben. Die Eigentümer haben dies abgelehnt. Die britische Polizei. Jerusalem, 12. Juni. (I. C. B.) Die bekannte antt» zionistische, moslemisch-christliche Vereinigung hat gegen die kürzlich in Palästina eingetroffene britische Polizei Protest erhoben. Diese Polizei sei dazu da, die. zionistischen Be-- strebungen mit Gewalt dnrchzusetzen, obwohl sie eine Belastung des palästinensischen Budgets bedeute. Unter den Gendarmen befinden sich — so behauptet der Protest — Zionisten englischer Staatsbürgerschaft. Rundschau. DtrVnnkierKanfeEz. Paris, 13. Jttni. (Havas.) „Echo de Parts" berichtet» daß dem Bankierkomitee drei Entwürfe Vorlagen. Der erste von Dr. Bergmann überreichte gestatte Deutschland die Aufnahme einer Anleihe von vier Milliarden Goldmark, wovon Deuffchland 1,25 Milliarden, Belgien 1 Milliarde und Amerika 1 Milliarde Golbmark erhalten. In den verbleibenden Rest von 760 Milliotten würden sich die Verbündeten teilen. Frankreich würde so 350 Millionen, jedoch unter der Bedingung erhalten, daß es 750 Millionen der Anleihe im eigenen Lande unterbrmgt, also endgültig 400 Millionen den eigenen Kassen entnimmt. Der zweite Entwurf sei aus die Erklärungen des französischen Delegierten S erg ent zurückzuführen. Er bestehe darin, nach und stach während eines Zeitraumes von 10 bis 12 Jahren Anleihen auszugeben, und zwar so, daß 60 Milliarden der deutschen Schuldscheine Serie A und B gedeckt werden, und daß augenblicklich auf die 82 Milliarden der Serie C verzichtet wird. Morgan gab der. Ansicht Ausdruck, daß man außerdem die deutsche Schuld auf einen offiziellen und endgültigen Betrag herabsetzen und aus jede Sanktion verzichten muffe. Der dritte Entwurf stamme von D e l a c r o i x. Er verfolge dm Zweck, in diesem Jahre die 1,3 Milliarden der belgischen Priorität zu decken. Diese Entwürfe habe Frankreich abgelehnt, da sie die Wiedergutmachungen vollständig preisgeben und dem Lande nicht einmal die Mittel sichern, seine eigenen Schulden an die Vereinigten Staaten und England zu bezahlen. . Frankreich und die Haager Konferenz. Paris, 13. Juni. (Havas.) Da die bevorstehende Zusammenkunft im Haag einen rein technischen Charakter haben und über alle Fragen nur ad referendum entscheiden soll, hat der heutige Ministerrat beschlossen, eine Atudienmifsion von Sachverständigett dahin zu entsenden, die später ernannt werden sollen. Da von den für Genua votierten Krediten ein bedeutender Restbetrag erübrigt wurde, wird den Kammern ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, der einen Teil dieses Restbetrages für die. Entsendung der Sachverständigen nach dem Haag bestimmt, so daß sich die Kammern über diese Frage werden aussprechen können. Faszisten und Kommunisten Rom, 13. Juni. Sonntag sandelt neuerdittgs zahlreiche Konflikte zwischen Faszisten und Kommunisten statt. In Sassari verwüsteten die Faszisten das Arbeiter- Heim, worauf Zusammenstöße erfolgten, die . sich auch an\ Montag wiederholten; hierbei wurde ein Arbeiter schwer verletzt. In Verona überfielen die Kontmunisten einen Zug der Faszisten, worauf diese das Arbeiterheim zerstörten. In Florenz behinderten die Faszisten die Hochzeit des.kommunistischen Abgeordneten Rabezzana, indem 44