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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-13 · Heft 1209 (13.6.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1209 (13.6.1922)
Date
1922-06-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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I 1 i i ‘y y> i 'i i i •( 1 1 i- H ' j 1 ■! I- '■! ,.' A:^rc; 'Kl,? Belte 2 Men, Dienstag Wiener Morgenzeittckg Die ZurücKhüWnfl AmeritraÄ Paris, 12. Juni. Frank S i m o n d s schreibt, im .New-Aork Gerald": Die Wahlen in Indiana und Nenn- Oesterreich. Da» steirische LandesbrrdgeL. 5 Milliarden Defizit. — Automobilsteuer in Gold. Graz, 12. Juni. Nach eingehenden Beratungen im - Finanzauschuß, Parteienverhandlungen und einer Reihe von Obmännerkonferenzen konnte der steiermärkische Landtag, nachdem er in diesem Jahre zwei Budgetprovisorien beschlossen hatte, in seiner heutigen Plenarsitzung zur Beratrurg des definitiven Voranschlages für das Jahr 1922 schreiten. Abg. S a l o s ch n i g g erstattete namens des Finanzausschusses den Bericht über den Landesvoranschlag, dessen Abgang rund 5 Milliarden Kronen beträgt, wovon 2 Milliarden durch Überweisungen des Bundes gedeckt, während 1,2 Milliarden durch Umlagen ans die direkten Steuern aufgebraucht werhen. Zur Bedeckung des noch verbleibenden Restes von 1,8 /Milliarden beantragte der Referent, das Erträgnis der vom Bund vorgeschriebenen vierprozentigen Lohnabgabe (Fürsorgeabgabe) mit 55 Prozent für das Land, 40 Prozent'für die Gemeinden und 5 Prozent für die Bezirke aufzuteilen, eine Herbergsabgabe von 20 Prozent für das Land und eine Landesabgabe für Kraftfahrzeuge zu beschließen, und letztere Steuer in folgender Weise festzusetzen: Vier Goldkronen für jede Steuerpferdckrast für Personenautos zu Geschäftszwecken, acht Goldkronen pro Pferdekrast für andere Personenautos, eine halbe Goldkrone für Lastkraftwagen, vierzig Goldkronen für elektrisch betriebene Personeickraftwagen ohne Rücksicht auf die Pferdestärke, wenn sie Geschäftszwecken dienen, und achtzig Goldkronen für andere Kraftwagen diestr Art, siebeneinhalb Goldkronen für Lastkraftwagen ohne Rücksicht auf die Pferdestärke und fünfhundert österreichische Kronen pro Pferdekrast für Motorräder. Hierauf gaben die Christlichsozialen, die Sozialdemokraten, die Bauernbündler und die Großdeutscheu Erklärungen ab, in denen sie unter Hinweis auf den Ernst der wirtschaftlichen Notlage Oesterreichs die Bereitwilligkeit aussprachen, den Landesvoranschlag ohne Debatte e n bloe anzunehmen. Hierauf wurde das Budget ohne Debatte einsttmmig angenommen. Streik in Donawitz. Graz, 12. Juni. In D o n a w i tz sind die Arbeiter wegen Lohnforderungen in den Ausstand getreten. Tschecho-Slowakei. Verchlolb als Tschecho-Slowake. Prag, 12. Juni. Die „Tribuna" meldet, daß der . frühere österreichisch-ungarische Minister des Aeußern Graf B e r ch t o l d sich um die tschecho-flowakische Staatsbürgerfchaft bewerbe, um sich ständig auf seinem Gut B u ich l a u Niederzulassen. Die tschecho-flowakische Regierung wird das Ansuchen mit Rücksicht auf hie.. Rolle, die Berchtold im Kriege gespielt hat, der f ü d s l a w i s ch e n R e g i e r u n g sui Aeußerung übergeben. Ungarn. Die Wahlen. 162 Regierungsmandate, 72 Oppositionelle. Budapest, 12. Juni. Das Ung. Tel.-Korr.-Bur. meldet amtlich: Gestern wurden in 23 Wahlbezirken Stichwahlen vorgenommen. Bisher liegen aus 15 Bezirken die Ergebnisse vor. Nach den bisherigen Ergebnissen' erhielte:: die einheitliche Regierungspartei 139/ die Ernest-Gruppe 17, die Heinrich-Partei 1 und die regierungsfreundlichen Parteilosen 8 Mandate. Der Regierungsblöck weist somit* bisher 162 Mandate auf. Die Friedrich-Andrassy-Gruppe erhielt 13, die Haller-Gruppe 8, die Rastay-Gruppe 7, die Väszonhi-Gruppe 4, die Batthiany-Gruppe 2 und die Sozialdemokraten 24 Mandate. Außerdem wurden 15 Oppositionelle Parteilose gewählt, so daß die gesamte Opposition bisher 72 Mandate erhielt. Zwei Parteilose sind neutral. Dos Ergebnis von neun Bezirken ist noch ausständig. Rekonstruktion des Kadinett». Budapest, 12. Juni. Wie in politischen Kreisen verlaut t> wird die bevorstehende Rekonstruktion des Kabinetts ziemlich weitreichend sein. Als ausscheidende Minister werden Graf Banffy, Hegyeshalmy, Tomefanyi, Mayer, VaS und Bernslak genannt. Zum Minister des Äeußern soll Gesandter Koloman bi Kanha ausersehen fein. Als weitere Minister kommen in Betracht Ivan v. Rakovsky, Stephan Szabo-Nagyatad und Staatssekretär Tibor S z i t o v s k y. Der bisherige Minister des Innern Graf K l e b e l s b e r g soll das- Kultusministerium übernehmen. Wie es heißt, werde die Rekonstruktion des Kabinetts erst nach der Konstituierung der Nationalversammlung erfolgen. Per Protest der ungarischen Juden iu Amerika gegen Horthy-Ungarn. AnS New-Aork wird uns berichtet: Vorige Woche fand hier die Jahres Versammlung des Verbandes der ungarischen I u d e n i n Amerika statt, zu welcher 666 Delegierte, aus . allen Tellen des Landes erschienen waren. Der Präsident des Verbandes Dr. Samuel B üchler erstattete den Bericht über die Verbandstotigkeit im abgelaufenen- Berichtsjahre. Hiernach hat der Verband an allen jüdischnationalen Unternehmungen. eiftigst uilgenommen, an der Keren Haiekiod-Kamvaüne der zioniMiben Organisation mitgefylvania lasten vermuten, dqtzdi e r e p ub likanische P a r t e i wie im Jahre I920hon einer. S p alt üu g bedroht fei. Dies schafft im Lande sine Erregung>die die politischen Angelegenheiten Europas i n d e ü Hl« t e rg r ü n d schiebt. Wenn man Weilers die Vorbereitung der Wahlen für das Reprasentänleühaüs. und die Erneuerung eines Drittels des Änats bedenkt, die im Herbst erfolgen werden, muß. man zur Ueberzeügug gelangen, dätz sich die Aufmerksamkeit der Politischen Welt Amerikas miehr und mehr von den europäischen AügelegeuheiteU abwendet und daß die Regierung Harding 8 immer'weniger geneigt sein wird, an den Konferenzen der alten Welt teilzunehmen. Gegen den Versailler Veptrag. Paris, 12. Juni..(Tek.-Comp.) Der frühere belgische' Ministerpräsident d e Pro e q u e v i l l e hat gestern in einer Rede gegen den Versai ller Bertrag Stellung genommen. Er betonte, daß die Verfasser dieses Vertrages eine F a t a M o r g a n a für Wirklichkeit genommen haben, um den Utopien einiger Staatsmänner Genüge zu tun. arbeitet, und war sowohl der Hias als auch, anderen, jüdischen Institutionen in der Erreichung ihrer Ziele behilflich. Wiederhol hat der Verband-gegen die Verfolgung der Juden in Ungarn Stellung genommen. Als, vor einigen Monaten Pater B a.n g h a und andere bekannte ungarische Pogrömisten nach Amcrika kamen, um dort für den christlichen'Kurs Stimmung zu machen und für die antisemitische Hetzpropaganda in Ungarn Gelder zu sammeln, hat der Verband es durchgesetzt, oaß diese Emissäre Horthys Amerika v e r l aff en mußten. Die Jahresversammlung nahm einen scharfen Protest gegen das Horthy-Regime in Ungarn an, die Protestresolution wird in je einem Exemplar' der Horthy-Regierung, dem amerikanischen Kongreß und dem Senat,',dem letzteren'mit , der Äuffordernng zugesandt werden, namens der Regie rü n g der Vereinigten Staaten gleichfalls'in Form eines Protestes gegen die aniijüdische Haßpolitik in Ungarn Stellung zu nehmen.' Der Verband hat auch eine Resolution betreffend die Unterstützung der z i o n i st i s ch e n Bewegung, und die Forderung nach Durchführung der Balfour-Deklaration einhellig angenommen. Vor Schluß der Jahresversammlung, deren Verhandlungen zwei Tage dauerten, würde eine 'Trauerfeier zum Andenken an die Opfer des christlichen Kurses in Ungarn'abgehalten, bei welchem Anlässe. Oberkantor Kwartin, der früher in Wien und in der großen Budapester Synagoge als'Oberkantor tätig war, das El mole rachamim rezitierte. ii.Hörttzy wU dM HchrMsteLer Keri echyvWN lassen. . Wie aus Budapest gemeldet wird, verspricht, die Banditenregierung durch. eine Lügenmeldung den Beweis.zu erbringen, daß. die Sowjetbehörden den Austausch der Geiseln sabotieren und Horihy zwingen,Keri dem Scharfrichter zu überliefern. Wahr ist,, daß die Budapester Gentlemans Keri um jeden Preis zurückbehalten wollen, damit Hprthy den bekannten Schriftsteller ermorden lassen kann. Polen. Pilsndski gegen Ponikowski. Warschau, 12. Juni. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".). Den Blättern zufolge soll.Staatschef Pilsndski seinen Rücktritt für den Fall angekündigt haben, daß die Parteien der Rechten, .die über 260 Stimmen verfügen, sich noa) weiter gegen die Opposition der polnischen Volkspartei, der Sozialdemokraten und. der Gruppe „Whzwolenie" . für d»e Betrauung des bisherigen Ministerpräsidenten Ponikowski mit der Mission der Bildung des neuen Kabinetts einsetzen sollten. Verlegung der zionistischen Landeskonferenz Lemberg, 9. Juni. (Tel. der„Wr. Morgenzeitung".) Die ursprünglich auf den 2. Juli anberaumte zionistische Landeskonferenz wurde infolge technischer Schwierigkeiten auf den 9. Juli verlegt. Die.Delegiertenwahlen werden auf Grund der Schekelzahlerlisten in der zweiten Junihälste stattsinden. PaMstkna. Bor der Rückkehr' Herbert Samoels nach PalSsttna. London, 10. Juni. (I, C. B,) Der Oberkomrnissar für Palästina hat nach fünfwöchigem Aufenthalt in England, wo er in steter Fühlung mit dem Kolonialministerium war und wiederholte' Besprechungen mit der zionistischest Organisation und mit der arabischen Delegation.hätte, London verlassen und wird seine weiteren Ferien bis Anfang Juli in Frankreich zubringen. Die Gesundheit des Oberkommissärs ist vollkommen wiederhergestellt,, er wird M i t t e I u l i auf seinen Posten nach Palästina - zurückkehren. AÄcktritt des Mpilitkvti'av*? London, 11. Juni. (I. E. ^).) .Der „Westminster Gazette" zufolge läuft die für zwei Jahre, vorausgesehene AmtsPeriode des palästinensischen Zivilsekretärs Sir Windham D e e d s in Kürze ah, Es'seien jedoch intensive.Anstrenaunoett im Zuge, um Sir Windham Deeds ziim Weiter- 13. Junt 1922 Nr. 120S , verbleib im Lande zu bewegerl, da er das Vertrauen der gefaulten Bevölkerrmg von Palästina genießt. Plötzliche Abreise Barlassinas aus Laudon. London, 9. Juni: (I. C. B.) Der katholische Patriarch von' Jerusalem, Mgr. B a r l a s s i n a,. der im Aufträge des Vatikans sich nach London begeben hatte, um dor in der Angelegenheit des Palästinamandats mit den maßgebenden Kreisen. Fühlung zu nehmen, ist nacb Erhalt eines dringenden Schreibens aus dem Vatikan aw 4. Juni plötzlich nach Rom abgereist. Die Verringerung des PäMftinabudgets. Jerusalem, 4. Juni. (I. C. B.) Im Zusamuienhang mit dem Beschluß der Regierung, die Ausgabenseite des Palästinabudgets für das laufende Jahr um 25 Prozen.' zu kürzen, wird die Zahl der Berwaltungsdistrikte Palästinas v o n 7 a u s 4 red u z i e r t werden. Ebenso ist . die-, Zahl der höheren Beamten in der Verwaltung betracht' sich v e r r i n g e r t worden. Die japanische Regierung für die Ratifizierung des Palästina-MandaLs. Schanghai, 10. Juni. (I. C. B.) In Beantwortung eines Schreibens des Herausgebers von „Israels Mes. s e n g e r" in Schanghai an den j a Panis ch e n A Ü ß e n. minister, bezüglich der Haltung der japanischen Regie rung zur zionistischen Beilegung, erklärte der Minister, dir japanische- Regierrrng sympathisiere fortdauernd mit der zionistischen Zielen.und ist bereit, die schleunige Ratisi. zienung des Palästinamandats durch den Völkerbund zu un« terstützen. . Rundschau. Der Völkerbundrat. Genf, 11. Juni. (I. C. B.) Die nächste Sitzung des Völkerbundrates wird, wie bereits amtlich verlautbar. ist, anl 14. Juli eröffnet werden. Die Tagesordnung ist bisher nicht festgesetzt. Vnatsle France nach Moskau eingeladen. . .Frankfurt a. M., 12. Juni. (Tel.-Komp.> Wie der >,Frankfurter Zeitung" aus Moskau berichtet wird, haben sich die Verteidiger, der angeklagten'Sozialrevolutionäre der Aufforderung des Exekuttvkomitees der Dritten Jnternattonale angeschlossey, Anatole France aufzusordern, den VerhandluntzeH-WgLNdie Sozialrevölütionäre beizuwohnen. Van der ' Velde, Theodor i Liebknecht und Kurt Rosenfeld haben gestern an Anatole France ein Telegramm gerichtet, in dem "sic mitteilten, die' Angeklägteü würden glücklich sein, wenn er die Einladung zu? Teilnahme 2fn» Prozeß armehmen würde. Deutschnationale Demonstrationen gegen den Reichspräsidenten. . München, 12. Juni. Vor dem Byhnhofe und auch während der Fahrt des Reichspräsidenten Ebert nach dem Hotel wurden von dem versammelten Publikrtm Hochrufe auf den Reichspräsidenten, ausgebracht. Diese Ovationen wurden jedoch von einer Anzahl von nationalsozialistischen Demonstranten durch gellende Pfiffe gestört. Eine Anzahl junger Leute winkie dem Reichspräsidenten mit einer roten Badehose zu. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Das Organ der Deutschnationälen Volkspartei, die „München-Augsburger Abendzeitung", bringt heute einen Artikel des Obersten v. Lylander gegen Ebert unk besten Besuch in München. Die Bayrische Mittelparter sowie einige Off iz i e rs v er ei n ig u n g e n legten heute am Sarge des Königs Ludwig des Dritten einen Kranz nieder, und teilten dies dem Ministerpräsidenten Grafen Lerchenseld in einem Schreiben mit, Worin sie.erklären, daß sie am Tage des Besuches des Reichspräsidenten Eber^ diesen Kranz als Anerkennung der Verdienste der Werke der Wittelsbacher am Sarge des verstorbenen letzten Königs niedergelegt haben. , Bisher ist es zu keinerlei Störungen des Progranime des Besuches des Reichspräsidenten gekommen. München, 12. ^uni. (Wolff.) Einer Einladung der Regierung des Freistaates Bayern zum Besuche der deutschen Gewerbeschau, München, folgend, traf Reichspräsident Ebert heute vormittags hier ein. Zur Begrüßung hatten sich u. a. Ministerpräsident Graf Lerchenseld und Landtagspräsident Königsbauer im Bahnhose eingefunden. Der Reichspräsident begrüßte die Erschienenen aufs herzlichste und fuhr dann nach dem Staatsministcrium. Als er den Bahnhof verließ, ertönten zwar einige feindliche Rufe, doch wurden sie durch die Hochrufe übertönt. Kapp gestorben. Leipzig, 12. Juni. (Wolfs.) Der Generallandschaf^ j direkter a. D. Dr. Kapp ist heute morgen än den Folgen seiner Augenkrankheit gestorben. Kapp, bekanntlich der Urheber, des bekanntenletzten Rechtsputsches in Berlin, war nach Zusammenbruch des »Putfches. nach SchwedenMflohen. Nach einem Jahre hat er sich dann dem Reichsgericht freiwillig gestellt und wurde . in Hast genommen, wo er W einem Augenühel erkrankte, i

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