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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-13 · Heft 1209 (13.6.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1209 (13.6.1922)
Date
1922-06-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer K 70 Wien: Zum Abholen.in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, oder in einerVerscnleisstelle (Trafik) monatlich K 2100 Mit Postversatid für Wien u. Oesterreich monatl. K2100 Tsch e c h o-S1owa kei: Mon. K20. Ungarn;. Mon. K 15p. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Folen: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 50. Frankreich: Monatlich' Frcs. 6 Nr 1209 1,1 1 ‘flMmilMMaWNMUllA fai uv t Tschecho-Slowakttl i tschech. RC 1'20 l,t a 1 i e n : Monatl. 6. Lire Rumänien: Mon. 40. Le? Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3. , Redaktion u. Administration Wien, II., Tabo^jjrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43r-3-19» ab 6 Uhr abends 16r301. Tel.-Adr.: .Morgenzeitung*, Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Wie«, Dienstag, 13. Juni 1922 4. Jahrgang In der Brandung. —y. W! e n. 13. Juni. . Ein Parlainent,. das auf der Höhe seiner * Aufgabe steht, müßte jetzt entschlossen handeln. Eshctt keine Zeit mehr zu verlieren. Die Hoffnungen auf Kredite müssen abgeschrieben werden, die Panik der Bevölkerung ist in atemlose Sinnlosigkeit hineingewachsen, die hauptsächlichsten Lebensmittel, wie Mehl und Zucker aus den Läden verschwunden. Mehr als 400 Kronen wirft man für die tschechische'Krone, mehr als 20.000 für den Dollar, über 90.000 für das englische Pfund hin, die Reichsmark kostet 66, der Schweizer Frank 4000 österreichische Kronen. Der unmittelbare Anlaß zu dieser Sowjetisierung unserer Währung liegt in der neuerlichen Notenvermehrung Oesterreichs und in dem Beschluß des Völkerbundes, die österreichische Frage wieder der Reparationskommission zuzuschieben. Es lag nicht im Plan der Entente, Oesterreich durch den Vertrag von Saint Germain auf den-russischen Weg zu drängen. Aber sie tut das Menschenmögliche, dieses Ziel zu erreichen. Ihre grenzenlose Unfähigkeit, auch nur eine einzige Frage zu lösen, auch nur eines der Liquidationsprobleme aufzuklären.. und aus dem Weg zu räumen, ..hat sie bei jeder. Gelegenheit bewiesen. Aber im österreichischen Fall liegt mehr vor. Hier steht. Wortbruch fest. Nicht nur die Mantelnote zum Friedensvertrag ist Lügen gestraft, auch ein Dutzend von Zusagen und Versprechungen stellt sich als unwahr heraus. Um Oesterreich , zu helfen, braucht es keiner so großen Mühen. Das Generalpsandrecht müßte zurückgestellt, die Handelsfreiheit normiert und ein Kredit gewährt werden, der gegenüber den Militärerfordernissen eines einzigen Tages in der Entente verschwindet.. Der Einspruch der kleinen-Staaten gegen die Generalhypothek ist keine Affäre, die die großen Mächte, wenn sie nur wollen, HnHrnu^«eiMnWMbück,Wg.jnr.PerlegenMt/ bringen würde? 'AW Entenlepolitiker.^DerKeßen? von - Sympathie, alle sind, voll des Labes ob det alten schönen- Kultur Wiens, alle würdigen die.große Transitmission. Oesterreichs - im europäischen Wirtschaftsleben und alle versprechend Nur dort, wo es sich um die Einlösung des Wortes handelt, dort zeigen sie sich desinteressiert. Freilich findet ihre kalte Reserve ihre Unterstützung in dem Verhalten derösterreichischen Parteien. In Oesterreich ist heute wie vor einem und vor zwei Jahren nur ein Zusammenschluß aller Parteien, möglich. Aber die Christlichsozialen haben die Koalition gesprengt, die Großdeutschen sabotieren den Staat und die Sozialdemokraten, die Gründer und Erhalter der Republik, behandeln , sie wie. ein aussätziges Wesen. Sie haben sich zu einer Haltung entschlossen, die sie als Oppositionstaktik bezeichnen, die aber ini Grunde von dem Desinteressement der Entente gar nicht verschieden ist. Es ist eine Politik der Losungsworte,, die sich alle halben Jahre kundgibt. Die große, breite Volkspartei tut nichts anderes, als was die Minister der Siegerstaaten tun. Von diesen hört man Versprechungen, denen keine Tat folgt; die österreichische Sozialdemokratie , gibt aus ihrem oppositionellen Ausnahmsstüberl eine Parole und versinkt dann wieder in die beschauliche und ntinder riskante Stille der Lohnkämpse. Die Sozialdemokratie hat den BeaMtenabbau gefordert. Jetzt, sofort, energisch. Die Ausführung hat sie deu anderen überlassen und es ist natürlich nichts geschehen. Sie hat den Anschluß an Deutschland zur Grnndsäule ihres Programmes erwählt und seine Durchsetzung—den Großdeutschen anheimgestellt. Sie hat einen oder mehrere Finanzpläne aufgestellt, die Entlastung des Budgets, dieAktivmachung der Staatsbetriebe und Monopole und noch ein paar Dutzend schöner Dinge.kategorisch yerlcingt. Die Realisierung blieb stets deil Christlichsozialen und den Groß- . deutschen Vorbehaltelt. Was unter diesen Händen entstehen kann, wissen wir alle. Die Sozialdemokratie fühlt sich wohl in der Opposition. Heute tritt sie wieder mit einem. Losungswort heraus: Währungsanschluß an Delttschland. Den-Plan hat Otto Bauer entwickelt und er ist vom Arbeiterrat akzeptiert worden. Ist diese Parole. mehr als eine deklarative Demonstration? Selbst wenn urgn"''Ven, Widerstand des militaristischen Frankreich aus tzev Erwägung ausschaltet-,- so bleiben doch'ge-, ttügend viel Bedenken gegen die Aufwerfung dieser Idee inmittelt einer durch die Allgst bis zullt Wahnsinn erregtert Masse. Hat Otto Bauer, dem doch als seriösen Politiker doppelt die -Pflicht der Vorsicht zusteht, , sich'über das Einverständnis Dentschlckuds informiert? Rechnet, er nicht auf Ablehnung, und wenn diese, was ja selbstverständlich ist, kommt, was dann? Der. Bauersche Plan einer Bindung der Kroneau die deutsche Mark wäre' möglich, wenn die Mark eine stabile Währung wäre. So lange sie das-nicht ist, wäre diese Angleichung-nichts mehr.. ..als^per.. ..Uehertr.iit .ppn. eiiM kleiner; MsschM ne t nanzunse una a e Keaieruna. Der Burrdeskanzler ü^glert die Kredite. Wien, 12. Juni. Die Amtliche Nachrichtenstelle meldet: Bundeskanzler Dr. S e i P e l hat in den letzten Tagen bei den Vertretern der auswärtigen M ächte vorgesprochen. In längeren Unterredungen machte er sie auf die Stimmung der Bevölkernng aufmerksam, wie sie durch die noch immer nicht abflauende Valn t e n h a u s s e hervorgerufen wurde, die wieder hauptsächlich durch die Verzog erung der in Aussicht gestellten Kredite bedingt ist. Furchtbare Steigerung der fremden ZabtulfgsMittel. Die Entwertung der Kröne! hat gestern weitere Fortschritte, gemacht. Die fremden Zahlungsmittel haben alle bisher erreichten Höchstkurse \ übertroffen. Es stiegen Dollar auf 21.464 (gegen 15>694 am Freitag), London auf 91.175 (gegen 70.975), Zürich auf 4123 (gegen 3038), Warschau auf. 508 (gegen 391), tschechische Noten auf 419,90 (gegen 308.90), Lire aus 1071 (gegen 813.70) und Leinoten auf 144.94 (gegen 100.94). AusfM des heutigen Börsenverkehrs, Heute findet kein Berkehr gn .der Wiener Börse statt. Die Vertagung^MMlorgan- KvmmiDou. Eihe Warnung fW Frankreich. , Berlin, 12. Juni. (TeLMämp.) 'Der Sonderberichterstatter Nes „United Teleß^gKMMkdet aus Paris: In! den Pariser parlamentarischen Kreiftn hat her Abbruch der Berätuygen hetz Bankier k tz m i t e e s tiefe Bestürzung und kaum verhohlenen Ü n w i l l e n mit der Haltüng der französischen Regierung in der gesamten Reparationsfrage erweckt. Man ist sich in unvöreingenommenen politischen Kreisen Frankreichs vollkommen klar darüber, daß die Aktion des Mörgan-Komitees, von Detailfragen abgesehen, im wesentlichen an dem Umstand gescheitert ist, daß Frankreich in der Reparationskomission hartnäckig an dem Standpunkt festhielt, daß es unter keinen Umständen in eine Herabsetzung seines Reparationsguthab e n s a »Deutschland einwilligen wolle, ehe nicht die französischen Schulden an Amerika ebenfalls eine Reduktion erfahren hätten. Der Standpunkt iorgarrs und seiner Mitarbeiter war genau der entgegengesetzte. Die Amerikaner erwarteten zunächst und vor allem eine N a chg i e b i g k e i t F r a n k r e i ch s. in der Neparationsfrage und meinten, daß nachher über eine Herabsetzung der französi--. schon Schulden an die Bereinigten Staaten in Washington ebenfalls zu reden sein werde. In der Jntransigenz der Regierung Poineare mutzten jedoch die Absichten des Bankierkomitees für diesmal scheitern. Wenn nun Morgan unverrichteter Dinge die Rückreise nach Amerika anrritt und dabei eine Wiederaufnahme der Verhandlungen des Anleihekomitees mit der Reparationskommissiön für den Herbst in Aussicht stellt, so bedeutet dies, wie man in Paris selbst in Regierungskreisen einsieht, nichts anderes als die Gewährung ei n e r Be denk seist an die Adresse Frankreichs. Das Endergebnis dieses Druckes der Morgan-Gruppe auf Frankreich ist unschwer auszudenken. Frankreich wird im Herbst seipe unnachgiebige Halinng in der Repärationssrage ganz erheblich modifizieren müssen. In diesem Sinne ist man sich in Politischen Kreisen Frankreichs, die nicht bedingungslos auf die nationalistischen Schlagwort? eingeschworen sind, dessen bewußt, daß die Vertagung der Beratungen des Bankierkomitees über die Reparatiosanleihe in Wahrheit einen entf erne etwas größere. Ob das in dem stürmischen Weltmeer eine Rettung bedeuten kann, darüber darf man sich keiner Täuschung hingeben. Aber selbst, wenn dem nicht so wäre, wie soll von dieser Regierung, die doch heute eine Tatsache ist, dieser Plan mit dem Appendix der agrarischen Besitzstenern, der Gratisaktien, der Zwangs Hypotheken, der Entbureaukratisierung 'der Staatsbetriebe ausgeführt werden? Von dieser Regierung, die in sich uneins, dank der sozialdemokratischen Taktik unter der Fuchtel der großdeutschen Wirtshausdemagogie lebt? . Aus dem Beschluß des Arbeiterrates spricht die u Verzweiflung der Stunde, und wie die Verzweiflung, so wie der Zorn schlechte Ratgeber sind, so wird auch jetzt 1 statt der.KrMthilfe der Enteiste. ,^ie HM Deutschlands Besprechungen mit den Parteiführern. Im Laufe des heutigen Tages hatte der Bundeskanzler auch mit den Führern der parlamentarischen Parteien Unterredungen, in denen er sie ersuchte, der nicht begründ e t e it, übertri ebenen Beunruhig»ng der Bes Völkernyg, die sich namentlich in unwirtschaftlichen Angstkäufen offenbart, entgegenzuwirken, da diese Ankäufe selbst wieder die Teuerung erhöhen und damit die allgemeine wirtschaftliche Lage erschweren müssen. Echee der offiziellen französischen Politik und einen lediglich um drei Monate hinausgeschobenen Erfolg Deutschlands bedeuten. Eine ErLliirnuq Morgans. Paris, 12. Juni. (Wolfs.). Morgan hat gestern abends vor seiner Abreise der Presse eine Erklärung abgegeben, worin er unter anderem sagte: Als er die'Einladung'der Reparationskontmission zum Eintritt in den Anleiheausschnß erhielt, habe er zunächst gezögert; da er aber empfand, daß die Angelegenheit für Europa und wegen der Haydelsbeziehungen mit Europa auch für die Vereinigten Staaten von so ungeheurer Wichtigkeit sei, daß er die Einladung nicht ablehnen könnte, so kam er in rein privater ' Eigenschaft mit der HoffnuHa nach Paris, etwas Positives zu erreichen.^In der ersten-BMng des Anleiheausschusses setzte er auseinander, daß in den Vereinigten Staaten kein Interesse für eine deutsche Anleihe an sich borliege, jedoch erkenne man in den Vereinigten Staaten mehr und Mehr, daß die eigene Blüte^Amerikas in gewissem "Grade von dein Wohlstand der Alliierten Lmtder abhänge, die Mstrseits.wieder in hohem Grade von der Wiederherstellung des öeutschen Kredites DhOWK'.seien. Morßan Mirte^dänn wörtlich die Bedingungen für ein Beteiligung Amerikasan, und zwar ein Einvernehmen unter den Alliierten mnd' die Wiederherstellung, des deutschen Kredites. Sehr bald trat in den Beratungen des Anleiheausschusses eine Differenz zwischen dem englischen und französischen W o r t l a u t e des Auftrages der Reparationskom- Mission zutage. - ' Der Anleiheausschuß nahnr aber, und damit war er persönlich einverstanden, niemals an, daß er die Vollmacht besäße, jene Summe'anzugeben, welche die deutsche'Regierung tatsächlich schulde. Er wußte wohl, daß er nun ersucht würde, die Reparationskommission bezüglich der Grundlage einer deutschen Anleihe zu beraten. Die Kapitalsheträge der Reparationsschnlden wurden, nichterörtert. Zur Debatte stand nur eine etwaige Regelung der Jahreszahlungen. Diese 'Jahreszahlungen in Waren oder irr Barem stellen die einzige Methode dar, mittels -deren Deutschland die gerechtfertigten Verpflichtungen - erfüllen könne. Im iveiteren Verlaufe sei er zu dem bedauerlichen Schlüsse gelangt, daß eine deutsche. Anleihe unter den obwaltenden ^Umständen auf dem amerikanischen Kapitalsmarkte nicht ausgenommen werden könne. Morgan erklärte schließlich, er sei jetzt, und werde auch weiterhin bereit sein, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um zur Lösung der europäischen Fragen beizutragen. ■ Aber er nehme an, daß eine Lösung, soferne sie von-einer internationalen Anleihe unter amerikanischer' Beteiligung abhängig, sei, nicht ohne eine allgemeine Regelung der Reparationsfrage und nur als ein-Teil einer solchen-möglich sei. Zweifellos schließt die' Regelung, dieser Frag? die Erledigung. zahlreicher anderer Fragen in sich ein, die zwischen den Regierungen geklärt werden müssen, damit die erste Vorbedingung, .die für eine Anleihe erforderliche Einmütigkeit, zustandekomme. MirjaraM ih.üjh 'itmii'i ->» jnum, angesprochen. Das bedeutet wieder, daß die Bestimmung über die Entwicklung Oesterreichs einer auswärtigen Stelle anvertraut wird: Dannt begeben sich die Sozialdemokraten auf das Programm der Auslandseinstellung unserer Politik,, das jetzt so furchtbar strandet. Und das nur zu dein Zweck, wieder bei der Ausführung des Planes abseits zu bleiben rmd > die' anderen, ohnehin so Unzulänglichen, schuldig werden: zu lassen. Opposition: in Ehren: Aber, sie: ist heute unwürdig' einer so'. großen Partei, -die sich rühmt, die Revolution - gemacht und ün das. Bett der Evolution geleitet zu haben. Die Sozialdemokratie müßte /heute die Führung' des Parlamentes an sich nehmen^ den Nationalrat zur Arbeit zwingen und'in die Regierung eintreten. Tut sie das mcht, jtz.spM ftr. nur mitz dem.1. Dezember^ _ (S> i i i!!! Ks. i

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