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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-04 · Heft 1201 (4.6.1922) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1201 (4.6.1922)
Date
1922-06-04
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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'•x M 1201 '*' ’ * i* '( - . ' Ären/ .Wnritag' sbfteiwt« r^örgdriziritürtg 4. Mn, ifc'lK Seite fl;telr drei und bei einem kleinen Prozentsatz ntrhr Geburten,' Ein weiterer Faktor des Unterganges ffind die jüd'sch::: M i s chehest: von allen sonstigen Zahlen scheinen Hie7 ölt sichersten vorzuliegen und sie beweisen' 'eine konstant steigende' Pr o - grcssion! Die Kinder aus solchen Ehen geh m -wer allern"-.lst dem Judentum verloren, das heißt tragen zur Bei ringet' -ng der. Judenzahl bei: so waren bei den in Preußen ermittelten Mischehen zwischen Juden und Christen von 3643 Kindern nur 7L2, also 22 vom Hundert, im jüdischen Glauben erzogen. Der Reigen aller dieser Faktoren wird durch Taufe und Austritt aus dem Judentum beschlossen, die, soweit-Zahlen für Deutschland und Österreich vorliegen, gleichfalls ein stetiges Ansteigen zeigen. . Die Summe , all dieser Faktoren spricht — mag der eine oder der andere konkrete Zusammenhang strittig sein — zugunsten der TheilhaLerschen These, Bezieht man das-schreckliche Wort Untergang auf die Tendenz, so verliert diese These an ihrer — scheinbaren — Paradoxie. Denkt man.aber, in großer historischer Perspektive, zum Beispiel, wie der Verfasser mit' Recht.hinweist, an die verschwundenen zehn , Stämme, an die Chasaren, an die chinesischen Juden usw., fj» verliert jenes Wort, auch buchstäblich genommen, seine Paradoxie. Dr. E. Hurwic z. Börseii-Kommlsslonsgesshäft und WechSGlsftulbe MAGID & Co. Wien, I., Hohenstaufengasse 11 4027 Volkswirt. Gestempelte Krone Auszahlung Wien In Zürich notierte bis österreichische Kronr . . . die österr. gestempelte Krone. die tschechische Krone . . . . die Mark. .. Agram. . .. Sofia . . ........ Budapest ......... Warschau ........ -,04s/4 Centimes. •.O4V2 Centimes. -.04% —.043 * 10.15 1.92 , 1.85 . 3.92 -.63 —.14 (-.04V* (-.047* (10.12 ( 1.95 ( 1.86 ( 3.97 (-.64 (-.14 am am am am am am am am 2. Juni) 2. Juni) 2. Juni) 2. Jung, 2: Juni) 2. Juni) 2. Juni) L Juni) Vor dem KaiserschrriLt. Ein hervorragender Wäbrungsfachnmnn stellt uns folgenden.Beitrag zuder viel erörterten Frageder Devalvation zur .Verfügung. In der letzten Pressekonferenz hat der neue Bundesksuzler Seipel an die-Jornalistik die Aufforderung gerichtet, die Länge. in,-Oesterreich ohne --Gchonfarberei, aber auch ohne pessimistischen Ituterton zu betrachten. Will die Regierung eine richtige und objektive Orientierung des Publikums durch die Presse, dann muß sie diese auch, in den Stand setzen, über die wichtigstenbrennendsten und am meisten aufrüttelnden Probleme fachlich zu berichten. Ohne Rohstoffzufuhr steht jeglicher Betrieb still, und ohne Nachrichten, ohne diesen maßgebendsten Rohstoff der Publizistik, kann auch der Pressebetrieb nicht funktionieren. Vor. einigen- Wochen hat sich einer der - Feinsten Köpfe Oesterreichs, Dr. Wilhelm R 0 s e n b e r g, gewissermaßen als Wirtschaftsbevo.llmächtigter der, Regierung nach London begeben, nahm ein, Saniernngsprogramm mit, das wohl von ihm entworfen wurde, aber die Zustimnmng des ehemaligen Bundeskanzlers Schober und des jetzigen Bundeskanzlers Seipel fand, und erörterte mit Vertretern englischer und amerikanischer Banken die Möglichkeiten einer neuen Kreditaktion, aufgebant auf dem Grund-, gebauten der Devalvation. In den allernächste Tagen sollen nun Delegierte der Multimilliardäre in Wien zum Zwecke finanzieller Terrainstndien eintreffen — und die Oeffentlichkei.t. ist übcr das Essentielle, über, die wesentlichen Hauptpunkte des SanierungsPr0gramms n 0 ch gar , nicht orientiert..Wie soll nun die Presse Stellung nehmen, .wie kann sie die Beschwörungsformeln findendie' die valutarischen Panikgeister wieder in die. Ecke jagt, wie kann sie Objektivität mit ein paar Eßlöffeln von Zuversicht vermengen, wenn sie über die sachliche Materie vollständig hu Finstern tappt-? Eine Regierung, die die Beruhigung der Bevölkerung und die 'Wiederherstellung einer Vertrauensatmosphäre änstrebt, muß darum vor allem mit der , Geheimdiplomatie in Finanzdingen brechen. . , In lauschigen Nischen, mitten im grünen Gehölz, an Kaffeehaustischen und an Börsenecken spricht man von nichts anderem als von der Devalvation, und die unklaren Vorstellungen hierüber haben die Devisenkurse wohl in erster Reihe hochgepeitscht. Was das Volk nicht versteht, wird auch in der Regel von der Entwicklung mißverstanden. Dey letzten, allerdings nicht unter offizieller Flagge segelndeü Nachrichten konnte man entnehmen, daß, die D e v,a l Vati 0 n noch nicht die Tod e s st ü n d e d e r K r 0 n e n w ä h r u n g' b e d e n t e n soll. Die Krvnenlväh'mng und auch öäs Kronmgebirge sollen bestehen bleiben, , nur in eine neue, feste Und unverrückbare Relation zunl Goldpreis gebracht werden. Wahrend nach der letzten Valutaregulierung 3280 K. einem Kilogramm Gold gleichgestellt wurden,, der Besitzer von 3280 K. daher Immer ein. Kilogramm Gold erwerben.konnte, und es.Aufgabe der Devisenarbitrage war, , die hier und da austauchenden Differenzierungen nach oben oder nach unten, auszugleichen, soll eine neue, auf m.etallistischer Grundlage basierende Notenbank den Einlosungswert für einKilogramyl'Gold mit u.ng esähv füns Mijtlton en Pap-ierk.r 0 n e n b e sti m m e n. Mit anderen Worten, sünf. Millionen Paprerkronett werden 3280 ursprünglichen Goldkronen angeglichen, der ,Snbftanzwert der Papierkr0ne sänke daher äus ein Fünfzehnhundertdreißigstel des WertausdruckeA der einstigen Goldkrone, soferne das neue Noten^ bankprojekt zur Tatsache herattreifett sind keine andere als die zur. Diskussion stehende Umtauschrelation gewählt werden sollte. Eine Devalvation auf Basis von ein Fünfzehn- Hundertdreißigstel des Goldwertes bedeutet einen Kurs von sechs e i'nch ä lb G o l d H el l e r n für 100 Papier- Schweizer Franken -wesentlich über dem Goldpunkt Wt. Will man daher , hie Devalvationsformel in ein 'natürlich gewachsenes Verhältnis zum Schweizer Franken bringen, so -kommt man darauf, daß die Krone unter den geschilderten Poraussetzungen und Einschränkungen mitmrgefähr 6. Rappen f ü r 100 P a p i e r krönen e n d g ü l ti g stabilisiert werden soll. Die von den Kronenbesitzern noch gehegten Illusionen würden nach Vornähmedes Kaiserschnittes ins kühle Grab sinken und sie könnten auf eine kleine Schmerzenslinderung nur dann hoffen, wenü die Negierung beim Hinüberschwimmen an. ein neues Währungsufer auch eine. Guts ch u l d u n g s st e u er mitnimmt, das heißt, die einstigen Hypothekargläubiger, die sich ihrer in guten Kronen empfangenen Darlehen durch Hingabe von schlechten Kronen entledigt haben, durch Nachbesteuerung zu einer sozialen Beitragsleistung zwingt, die Ausschließlich Hen notleidenden Rentnern und Kronenbesitzern zugute kommen müßte. ' - Es entsteht nun die Frage, , ob der Zeitpunkt für die Errichtung einer neuen Notenbank bereits gekommen ist. Mit'Recht weist man darauf hin, daß eine endgültige Stabilisierung auf dem Wege einer Devalvation die Stilllegung!' der- Notenpresse zur obersten Voraussetzung hat. Die Stillegung der Notenpresse ist wieder nur. dünn kein utopistischer Zukunftstramn, wenn einerseits. ' das Budget in Ordnung gebrächt wird und andererseits ein Teil der neuen - Anleihe - zur Deckung des Abganges, im Staatshaushalt herangezogen werden darf. Es werden dHer zweifellos dieDarisch-Gebühren, Porti und die-Preise für Tabak und andere staatliche Monopolartikel dem, ireuew Substanzwert unseres Geldes, und zwar von 6 Schweizer, Rappür-' für 100 Papierkronen, angepatzt werden müssen.. Ferner wird der Gedanke einer inneren Anleihe, cn^ der Versenkung auftauchen, und da diese nur in orga--. Mischer Verbindung mit dem Rosenbergschen Ausweg-- tiü n g s P laue, einen. respektablen.' Erfolg Ziefern kann, so wird' auch der, ÄufwertÜngsMaAe. Blutwärme erhalten, müssen. Die weitere Gitwicklung ist von Fragezeichen umstellt. Ohne eine, neue Notenbank und ohne die, Schaffung eines wirklichen Wertmessers bleibt die Zählungsbilanz ein , ewig verschleiertes Bild. Wir wissen wohl, was wir ' dem Auslande schuldig sind, wir kennen wohl das aus den Einfuhr- und Ausfuhrresultaten kommende Manko, aber wir kennen nicht unsere Forderungen an das Ausland und wir haben auch gär keine Ahnung davon, in welch konkrete Ziffern sich der unsichtbare Export, ■ der Handelsnutzen und der Fremdenverkehr manifestieren. Erst wenn die gehamsterten Valutenbestände, die festgelegten Kapitalien, die in Sicherheit gebrachten, vorläufig rastenden Vermögensteile sich-wieder zu Anlagekapital verflüssigen, kurzum, wenn die Heimkehrbewegung des Kapitals einsetzt, weil es sich im Jnlcinde besser als im Auslände fruktifizieren läßt, danw wird man erst wissen, ob Oesterreich lebensfähig ist und ob sich die Zahlungsbilanz ausbalancieren läßt. Vorläufig -ist die Statistik, die sich über diese Probleme verbreitetewohl eine sehr nützliche, aber auch sehr gehorsame Wissenschaft, und sie bewies immer nur das, was sie von, vornherein beweisen wollte. Durch die, Devalvation komnrt erst der ganze.-Staaten den Schmelztiegel und.wird neu umgegossen. Welch neues körperliches Gebilde hieraus entsteht, kann kein ernsthafter Volkswirt heute schön ausmalen. Am wenigsten klare Gedanken hat sich die Spekulation ’ geformt, die die Valutenkurse weit über die allem Vermuten nach zutreffende Stäbilisierungsformel von 0 Centimes für 100 Papierkrönen hinauftrieb. Wenn diese Hausse'nicht die Risikoprämie kapitalisiert, die mit'Rücksichtäus den abfälligen Abbruch dep 7 bevorstehenden Kreditverhandlungen einigermaßen besteht, dann ist sie nur öäs traurige Endprodukt einer mangelnden Erkenntnis,.- um deren Vertiefung sich allerdings auch die Regierung bisher nicht bemüht hat. v. ■ E. E. Gleise Ayionbsmk. Die Urnon-Bank hat die aus der letztbeschlosseney Kapitalsvermehrung noch restliche Tranche von 250.000 ihrer Aktien sowie die nach Lösung der Fusionsvereinbarungen mit der Allgemeinen Oesterreichischen Boden-Creöit-Anstalt frei gewordenen Stücke^ an ein aus der Dresdner Bank, Herrn Camillo Castiglioni, der Böchmischeu Union-Bank und der Banca U.ngär0- I t a l i a n a bestehendes Konsortiumbegeben. Die Aktierr bleiben' auf eine Reihe von I a h r e n g e s p e r r t. Infolge dieses Abschlusses treten drei Mitglieder des Vorstandes der Dresdner Bank, und zwar die Herren Henry 9^athan,'Herbert Gutmann und S. Ritscher in den Verwaltungsrat der Union-Bank, wogegen der Präsident dieser Bank, Herr Eugen Minkus, in den Aufsichtsrat der Dresdner Bank gewählt wird.'Hörr Camillo Cast i g l i 0 n i entsendet zwei Vertreter in den Verwaltungsrat der Union-Bank. Die Böhmische Union-Bank und die' Bänca Ungarö-Jtaliana delegieren Herrn Direktor Doktor M o r ä w e tz, respektive Herrn Generaldirektor E b e r. Das Vorstandsinitglied der Union-Bank Herr Hofrat Arnold Bärtä tritt in .die-Direktion der Banca Ungaro-Jtaliana ein. Die im-vorigen Jahre zwischen der Union-Bank und Bodenkreditanstalt beschlossene ' Interessengemeinschaft, die später zu einer Fusion führen sollte, ist unter anderem an den hohen Fusionssteuern, die mit einer solchen. Transaktion verbunden sind, gescheitert. .Vor einiger Zeit haben daher beide Kontrahenten freiwillig den Plan aufgegeben und einander die damals getauschten Aküen zurückgestellt. Mit Rücksicht daraus, daß die unter Führung des Vizepräsidenten der Deposiienbank Paul Goldstern stehende Gruppe von Herrn Castiglioni die Mehrheit der Aktien erworben, hat, wobei vorgesehen war, daß Castiglioni nach einer gewissen Zeit seine Stelle als Präsident niederlegen werde, ergab sich für Herrn Castiglioni die Möglichkeit, mit einer neuen Bank in Verbindung zu "treten. Die Lösung der Interessengemeinschaft zwischen Bodenkredit und Union-Bank war daher für die Verhandlungen Castiglionis mit der Union-Bank förderlich, die, wie nunmehr aus dem vorstehenden Communique hervorgeht, zu einenr günstigen Ergebnis geführt haben. Cafiigltout tritt allerdings nicht selbst in den Verwaltungsratder Union-Banr ein, sondern wird - dort durch, seine Freunde vertreten seirv Für die Union-Bank eröffnet das günstige Chancen für eine Erweiterung ihres 'Jndustriekonzerns, da. Castiglioni an zahlreichen Jndustrieunternehmungen, vor allem an den Daimler Werken und der Alpine Montangesellschaft beteiligt ist. Allerdings ist hierüber noch nichts Definitives beschlossen, die Frage.wird erst in dem nächsten Monaten - spruchreif werden, sobald Castiglioni,' der vorgestern in der Verwalinngsr-atssitzung der Depositenbank gemäß den seinerzeitigen Vereinbarungen mit der. Mehrheitsgruppe der Depositenbank züm Präsidenten wiedergewählt wurde, zugunsten des derzeitigen Vizepräsidenten Paul. Goldstein zurückgetreten sein wird. Die, neue Mehrheitsgruppe der Depositenbank- Hattenn der Zwischenzeit mit dem Generalrat der Anglobank Hugo Schwarz Fühlung genommen, um.ihn als geschästssührenden Vizepräsidenten zu gewinnen; die Verhandlun-- gen haben jedoch zmkeinem Ergebnis geführt, da sich Generalrat Schwarz nicht entschließen konnte, di^ Anglobank, zu verlassen. Erfolgreicher war Präsident Minkus bei seinen Verhandlungen. Es spricht für Üie Tüchtigkeit und Elastizität des Präsidenten Minkus, der die Union-Bank zu ihrem Aufstieg-geführt hat, daß er ihr eine neue wertvolle Verbindung in der Person des Herrn Castiglioni geschaffen hat. Geplante Vereinigung der städtischen Sparkassen. Die allgemeine Regienot, von der neben der Verficht rungsbranche in besonders.-starker Weise alleösterreichischen Sparkassen betroffen sind, hat. auch bei der Gemeinde die Frage der künftigen Führung, der Sparkassenbetriebe auf die Tagesordnung gesetzt. Bekanntlich hat eine Reihe österreichischer Sparkassen verschiedene Auswege gesucht. Ganz allgemein ging das'Streben-dahin,, von .dem als Aussichtsbehörde fungierenden Bnndesministerinm für Inneres eine sehr bedeutende Erweiterung des Geschästskreises,.die Einbeziehung einer ganzen Reihe von bankmäßigen Transaktionen zugestanden zu. erhalten. Die Gemeinde Wien hat sich indes nicht entschließeir können, für diese neuen Geschäftszweige die Haftung zu übemehw.en. Umnun doch die Sparkassen aufrechterhalten zu können, soll eine Z u-s a m m e n sassnng der bisher zersplitterten und daher von übermäßiger Regie belasteten Institutionen erfolgen.. In Wien gibt es derzeit als städtische Einrichtung die Zentralsparkasse, der Stadt Wien mit Zweiganstalten in der Leopoldsiadt, Landstraße, Wieden, Margareten, Josefstadt, Favoriten, Meidling, Ottakring Ititb Brigittenau. Daneben aber bestehen noch -unabhängig in fünf Bezirken K o m m u n a l s P a r k a s s e n als Nachfolgerinnen d.er Sparff ... inirrlfirt1^iiM

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