Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1201 (4.6.1922)
- Date
- 1922-06-04
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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*»cnc iu - Lvren, «onntag Aktes in eine Nervenkrise. Der dritte Aufzug spielt in der Nervenklinik. Barsange. ist ziemlich hergestellt.. Fred, 'der freigesprochen worden-ist,, kommt, um ihm seine Teilnahme zn bezeugen. Im Laufe des Gespräches gesteht er, daß er im Elend der ungerechten Haft sich dem Rausch und Laster ergeben hat. Barsange fühlt sich eines doppelten Mordes schuldig und erschießt sich. — Die Jnhaltsangahe des Stückes spricht für sich selber. Sascha Güikrhs neue Farce „Une petite main qui se place" hat nsit Le Batghs Schauspiel nichts gemein, als daß es nicht eben günstig auf. das. Kunstempfinden des Publikums wirken kann. Ein kleines Stück voll bühnenwirksamen Witzes, manchmal feiner, manchmal.bMger Art, wie's eben kommt, voll'drolliger Situationen,, voll Komik des Alltags. .Aber was als Ganzes? Ein etwas seltsamer und langweiliger Ehemann wird von Frau und Freund hintergangen. Er tröstet sich sofort mit dem Kammerzöfchen. Keine Aussprache, kein Bedauern, kein Gedanke rückwärts. Hauptwitz: Der Ehemann läßt die Ungetreuen mit einer kinemathdgraphischen Ausnahme überraschen, und der Film wird nicht nur vor den Augen des Publikums, sondern vor den Beteiligten' selbst abgerollt. Wenn ein - großer Könner sich die. Kaltschnäuzigkeit des Stückes erlaubte, so würde er von Anfang an seine Personen in eine ganz Unwirkliche Atmosphäre versetzen; wir wüßten von Anfang an, daß wir es mit einem Witz, bloß mit einem Witz zu tun haben. Die Gestalten des Stückes sind aber zu realistisch geraten, um nicht einen menschlichen Konflikt als solchen empfinden und menschlich, nicht wie seelenlose Masken austragen zu müssen. Das Stückchen wird brillant gespielt. Es erwachsen aber der französischen Dramatik immer Zunge Sprößlinge. Gegen Saisonende werden Theater, die im Winter ihr Geschäft, gemacht haben, von Gelegenheitstruppen gegen billiges Geld gemietet, und die Neulinge kommen zum Wort. Diese Veranstaltungen, die der Fremde meist nicht ^findet und . nicht besucht, werden uns vielleicht von den.stärksten Pariser Theatererlehnissen Vorbehalten. Die Londoner FrühjahrsaussteLuny. ' Der Londoner' Korrespondent der „Baseler National- Zeitung" berichtet: - Bor. wenigen Wochen würde in der Royal Academy die Londoner 'Frühjahrsausstellung eröffnet. An'Größe und Umfang fleht sie weit hinter dem Parffer Salon zurück, an künstlerischem Wert womöglich noch ' weiter. Diese Wahrheij darf ruhig ausgesprochen werden, denn auch die englffcheKrisik verhielt sich zuM Teil sehr zurückhaltend. Die Hauptsache für den Londoner, nämlich die Frage, ob das Porträt der Lady £'. gut getroffen sei, ist für uns Ausländer weniger wichtig. Uns wird mehr interessieren, ob die englischen Maler etwas Besonderes zusagen haben, ob sie neue Ausdrucksmöglichkeiten erkannt und geschaffen haben, mit anderen Worten, ob es heute eine spezielle englische Kunst gibt. Leider muß man diese Frage verneinen. Man kann jedoch weiter frägen: Gibt's dafür große englische Künstler? In der Royal Academy sind sie sehr dünn gesät! Was den Einfluß des Auslandes anbetrisst, so ist immerhin etwas Gutes zu vermerken. Rein impressionisüsch sicht man hie und da Feinheiten in der Wiedergabe des Lichtes und hie und. da sieht man auch glühende Farben. Fast ohne Ausnahme handelt cs sich in letzterem Fälle nur , schweizerische oder italienische Landschaften. In England selbst scheint der Maler nicht sarbenintensiv zu sehen. Oder sollte dies nicht mn Maler, liegen, sondern an der Landschäft, am Klima, an der Atmosphäre? Macht der Konvention oder Realität? Wahrscheinlich beides. Nun gibt es aber auf dem Kontinent einen - sogenannten Expressionismus. Die Natur ist nur Vermittlerin von seelischen Regungen. Die Seele des Malers selbst steht im Mittelpunkt, seine Empfindungen und Kämpfe. In dieser Beziehung . bieten die Engländer recht wenig, Hie und da ein Porträt mit etwas Ehrlichkeits willen, das ist alles. Am traurigsten sieht es bei den Skulpturen aus. Etwa die Hälfte sind „war Memorials", Kriegsdenkmäler. Halten Wir uns an den Titel-und lassen wir den Krieg auch für diese Sünden als Entschuldigung dienend Eine einzige Skulptur ragt unter dieser Gesellschaft von uniformierten Tommies und Wachs-Mannequins hervor,; ein „junges Mädchen" von William Mc. Millan. Wenn ich diesen Namen als einzigen neune, so geschieht es deshalb, weil es sehr woltnend ist. unter all diesem konventionellen Kunstbetrieb einen Menschen mit Seele zu entdecken. — Einer der Hauptanziehungspunkje der- Ausstellung ist ein Riesengemälde von zusammen 22 Generalen und Marschällen aus dem Weltkrieg. Sie sind "sehr gut getroffen, und bei jedem kann man aus dem farbigen Bruststreisen sämtliche Orden und Medaillen ablesen. Die meisten Leute stehen immer vor diesem Bild. Aus den Theatern. Im Bürgt h e a t e r gelangt morgen „N nterweg §", Dienstag „Die Tragödie des Enmenes" zur Dar« stellung. . - Im Opernthe'ater wird morgen ,$atme" und „Puppenfee", Dienstag „Carmen" gegeben. Im Redoute ns aal der Hofburg wird Dienstag „Der Barbier vonSevill a" gespielt. In der Volksoper wird heute „Madame Butterflys mit Frl. Wagschal als „Cho-cho-ean" und Herrn Rittersheim als „Lmkerton" gegeben. Dirigent: Herr Kraüs. Beginn halb 6 Uhr. — Am Pfingstmontag gelängt „Carmen" mit Frl. Gelter in der - Titelrolle zur Anfführung. - Sigismondo .Saleschi-setzt., an'diesem. Abend sein.Ga.mpjel aK „Escan'.lllö .fort, während Herr Anton Ludwig' vym 'National- ,' theater in München den „Jose" singt.'Dirigent: Herr de' Stör-' mich. Beginn 7 Uhr. Im Deutschen Volkstheater gelangt Freitag i den 9. d. Tolstois Scüam'Piel «Der lebende Leichnam^ mit \ Wiener Modenzeitung_.4 Juni 1922_'_' Nr. 1201 Hebräische Theaterabende Der ■ jüdisch-akademische Külturvorband „Jabne“ veranstaltet Montag den 12. funi 1922, VjS Uhr abends im Festsaale des kaufmännischen Vereines Wien, I, K Johannesgasse 4 den zweiten Theaterabend. Zur Aufführung gelangt: MIRJAM Drama in 4 Akten von Perez HirscHbeih. , Regie: Herr Leo Halpern. 64ie Karten im Vorverkauf: Schalter „Wiener Morgenzeitung“, Jüdischer Hochschulausschuss, lX. Zinitnermannplatz 8 und Jüdischer NationalfondSj II. Taborstr. 59 DOROTHEUM UERSTE1GUGSAMT Dorotheergasse 17 Wien,!., ■Splegetgasse 16 Versteigerüngse inteilung vom 5. Juni lila inkl. 18. Jtsnl 1822. i RtfaflÜHin der Versteigerungen, wo nichts » BIBow | . anderes vermerkt, nachmittags um will Täglich Gebrauoh«gegenstände im Ludwigsiorffu. Rödler-Saal, unbestellbare Postsendungen im Kolowrnt-Saal, Pretiosen im Franz- Saal; täglich, auch an Sonn- und Feiertagen :'Juwelen-, Silber, Antiquitäten, Teppiche, Oemälde, Wäsche, Kunstgewerbe ab 7 Uhr abends im Vergnügungs-Park ehemals „Venedig in Wien“, im Prater. Di 6. u. 13. VI.: Süber C .inasllber im Franz-Saal. und Di 6. u. 13., Fr. 9. u. 16. VI.. Möbel, eiserne Kassen, Oefen. Luster, Bilder, ' Haushaltungs- gegenstände im Olashof. Di 6. bis Sa 10 Vf., halb 3 Uhr nachm.: II. Autojrtphe.v Auktion im Dcchau-Saal. Mi-7. u. 14. VI.: Juwelen-, Brillanten- und Perlens hmuok, Präzisionsuhren im Franz-Saal. . Mi 7. u. 14. VI.: Flntogr. ftpoarate, Ferngläser, Uhren,, Schreibmaschinen im Ludwigr störfl-Saal.' Mi 7., Fr 0; >i. 16. VI.: AriltV .quitätgn. Gemälde, Miniaturen, kuhstj;6wor&I.Arb3ren. Perseru. Smyrna-Teppiche, Stdmobiiiar im Hoch-Saal. Do 8. VI.: Musikinstrumente,- Inusikatlen im Ludwigstorff-Saal. : Do 8., Sa 10. VI., Mi 14., Fr 16. u. Sa 17. VI.: BUoheraukt'on im, Eminger-Saal. Fr 9. u. 16. V .: Waffen. Oeweilte, Sportausrüstung, Satte!- zfeug, Pelze im Ludwigstorff-Saal. Fr 9., Di 13. u.. Fr 16. VI. Briefmarken, Versteigerungssaal, VI., Mariahilfcrstr. 73, nächst Hotel Kummer. Mo 12. bis Mi 14.’. VI.: SPEZIALAUKTION von Kunstmobir liar. Perser-Teppichen. Gemälden. Miniaturen. Kunstgewerbe, Alt- Wiener Po’zellan, Varia im Franz-Jöte* Saal. Zwei^anstalt Baden, Karlsplatz 6: Mi 7.11. 14. VI., 3 Uhr nachm., So 13. VI.. ha'b 10 Uhr vorm..: Möbel. Gemälde, Teppiche, Kleider, Wäsche, Kunstgewerbe. So 11. VI., halb 10 Uhr vorm.: luwslen-, RMlhtitenu. sonstiger SchnmcK .Silber, und Chinasllbcr, ferner Do 8 u. Fn 9. VI., dreivferlel 3 Uhr nachm.: 72. Auktion bei Daniel, Baden, Erzh. Rainer- Ring 3. Die ab 1 Uli-» währt in der Regel ' mehrere vorhergehende Nachmittage bis halb 6 Uhr | nachm., mindestens jedoch-am Auktioasta’gc bis zur Auktion. Alexander Moissi als Fedja. zur., ersten Aufführung. In Hauptrollen sind beschäftigt die Damen: Schilling, Hochwald, Werrer, Hetsey, Pohl und Gutmarm un.d die Herren: Tcnbler, Nowotny, Forest, Krones, Schreiber, Kammauf, Pater, Schumann u. a. - Das R a i m u n d - T he ater briugt.. Samstag W 10. d. als Fesirorllellmm zugunsten der Wohlfahrtseinrichtung der „Concordia" das Schauspiel von Arthur Schstitzler „Das Vermächtnis" zur Erstaufführuna/ worin Lonile Karton sch sich zum ersten iöcüle iu einer schauspielerischen Aufgabe betätigen wird: Mit dieser. Neueinstudierung, die bis. einschließlich 21. Juni auf dem Spielplan bleibt, schließt das. Raimund-Theater seine erste Winterspielzeit als Schauspielhaus.— Donnerstag den 22. Juni beginnt die Sommerspielzeit, und zwar gelangt die Wiener Posse mit Musik „Die Liebe geht um" .von Hardt und Bodansky, Musik von Robert Stolz, zur Uraufführung. — Franz Glawatsch und Pepi Glöckner werden in den Hauptrollen ein längeres Gapspiel absolvieren. In der Neuen Wpener Bühne ist das gemeinsame Gastspiel Carola Toelle, Exnst Stahl-Nachbaur, Maic Gülstorfs bis'inklusive 11. Juni verlängert worden. Zur Aufführung gelangen abwechselnd ,.D i e Jungfern v o m Bischofsbersch von Gerhari Hauptmann und „Die Liebe wacht" von Flers und Eaillavet. In der R e n a i s s a n c e - B ü h n e beginnt Ende dies«"-- Woche Maria Ley ein kurzes Gastspiel. Zur Aufführung gelangt „Gentz und Fanny Elßler" von Jakob Wassermann mit Maria Ley als Fanny Elßler. Hierauf bringt die ' ärünstleriu eine Reihe von Tänzen aus Balletten vergangener Zeiten. ■ . Im Johann Strauß-Theater gerlangt Freitag die Heubergersche Operette „Der Opern hall" zur Ausführung. Die Hauptrollen sind wie folgt besetzt: Beaubisson: Max Brod; Madame Beaubisson: Gusti Machst; Henri: Rosy Werginz a. G.; Paul Äubier: Fritz Jmhoff; Angele Anbier: Else Kochhann; Georges Dumenil: Alexander Haber; Maranerite: Mary Kienbnrg; Hortense: Mimi Kött; Feodora: Gisa Kolbe; Philippe: Joses Egger. Für den Ballakt wurden erste Tänzerinnen des -Balletts ver Staatsoper verpflichtet. Musikalische Leitung: Alois Dostäl; Regie: Karl Bastars; Tanzarrangenient: Franz Heer,'Staatsoper.' — Heute gelangt „D as dumm e Herz" zur Aufführung. Von morgen bis einschließlich Donnerstag Wirds/,Die Fled.ermäus".'.gegeben. > - -In der'Roland.bühne gelangt die'Novität.'„Schmsitz q u s P em i t h7>„Burleske, aus der .Lederbranche iy. 8 Akten von Emil-Brüll, und Oskar Friedmann während her ganzen - Pfingstsvöche' mit. LÜdwtg 'Statik als^ Wst' zur Wiederholung. ' Anfang dreiviertel 8 Uhr.. - -- - Roland-Bnhne. „S ch n h h a u s Z e n i t h", ein mehr als fragwürdiges Opns der Herren Emil Brüll und Oskar F r i e d m a n n wird nicht eimyal durch die Mitwirkung Ludwig Stär k S erträglich.. Cr weiß übrigens sien Text, den er Zu sprechen hat, streckenweise vergessen zu macheir und. VaS allein ist eine großst Leistung. Die anderen Mitwirkenhcn störten weniger als das .Stück, vbr dem'wir nach dem zweiten Akt die Flucht ergriffen. Das Premierenpublikum unterhielt sich scheinbar ausgezeichnet. Wir wollen also niemand abschrecken... „Mirjam", Drama'in vier Akten Von P. Hirschbein gelangt , Montag den 12. d. int Festsäale des Kaufmännischen Vereines zur Aufführung. Die Hebräische Bühne tritt mit dieser Uraufführung zum zweiten Male in. die Oeffentlichkeit. Die Regie besorgt Herr Leo H a'l p e r n. Die Alldeutschen gegen Gerhart Hauptmann. Bekanntlich haben die Alldeutschen die Hauptmann-Ehrnng in der Hauptstadt seiner Heimat, in Breslau, die anläßlich seines sechzigsten Geburtstag vorbereitet wird,.zu sabotieren versucht. Eine neuerliche Blamage ist ihre Stellungnahme gegen Hauptmann, weil er das Urlaubsgesuch für den „jüdischen Kommunisten" Ernst Toller mitunterzeichnet hat. Toller sitzt bekanntlich auf einer bayrischen Festung in schwerer Haft, und hervorragende deutsche Männer, darunter Hauptmann, haben den Reichsjustizminister in einer Eingabe gebeten, dem Dichter die Möglichkeit zu geben, wenn schon nicht der Aufführung, so doch wenigstens einigen Proben seines neuen. Werkes in Berlin beiwohnen . zu dürfen. Die „Deutsche Zeitung" erteilt Hauptmann wegen dieser Tat der Menschenliebe eine ernste Rüge, welche wiederum zeigt, daß die Alldeutschen von'allen guten Geistern verlassen sind. Skandal in der Berliner Oper. Aus Berlin wird uns gemeldet: In der Staatsoper kam es . anläßlich des Gastspiels des italienischen Tenors.Bernardo de Murro, der von der übereifrigen Reklame als neuer Caruso angepriesen wurde, zu einem großen Theaterskandal. Das dicht besetzte Hans gab seiner -Enttäuschung temperamentvoll Ausdruck und der Sänger kam ans der Fassung, so daß er nur mühsam seinen Part beenden konnte. Der Sänger fand sich im deutschen Ensemble anscheinend nicht zurecht. Jedenfalls ist de Murro ein Sänger von bedeutenden Stimmitteln, der als Darsteller nicht nur nicht an Caruso heranreicht, sondern in dieser Hinsicht manches zu wünschen übrig läßt. Jüdische Belletristik. Bin Gorion: Born Judas, 5. Band. Volkerzählungen (Papvband 60 Mk., Halbperg. 120 Mk.); — Bloch: Hersch Ostropoler (35 Mk.); — Biro: Die Juden von Bazin (brosch. 40 Mk., geb. 60 Mk.); — Bartsch: Seine Jüdin (drosch. 30 Mk., geb. 50 Mk.); — Fingermann: Menschen im Abgrund (25 Mk.); — Hoeflich: Feuer im Osten (drosch. 750 K., geb. 1050 K.); Scholem Alejchem: Die erste jüdische Republik (brosch. 30 Mk.. geb. 46 M.); —Joseph: Kyrie eleison (brosch. 30 Mk., geb. 36 Mk.). LiLeraLue. . - Auschauungsgeometrie (hebräisch) von M. A. Beige? und M. Kip et/ '(Änsgabe^ der Gesellschaft „Torbut", Verlag Achiossof, Warschau.). Im Zusaminenhange mit den neuen jüdisch-pädagogischen Bestrebungen in Polen ist hier ein Elementarbuch (als Ausgabe fiir Lehrer) erschienen, das den modernen Förderungen, auch im Geometrieunterricht von der Anschauung; genauer:. Sacherfahrung aus, erst allmählich zur logischen Mehode überzugehen, voll Rechnung trägt. (So wird vor allem nicht mit dem Punkt, sondern mit dem Körper begonnen.) Freilich wird ein Extrem dieser Auffassung gewöhnlich vergessen,' daß die rein geometrischen, auch die nicht körperlichen Begriffe, wie Kreis, Linie usw.. nur scheinbar ans der Erfahrung abstrahiert werden und ohne eine'unmittelbare Anschauung anderer Art niemals gewonnen werden.könnten. Die Beispiele und Illustrationen des Büchleins, , dessen Inhalt nach den einfachsten Körpergebilden orientiert ist, sind recht glücklich gewählt, es werden auch die Wirklichkeitsgebiete der geometrischen Formen in anregender Weise dem Kinde vorgeführt. Sehr hübsch erscheint die Erwähnung des rechten Winkels an den.hebräischen Buchstaben, schwerfällig hingegen die Heranziehung von Wage und Lot zur Erklärung von „wcrgrccht" und „lotrecht". Die hebräische Terminologie ist hse und da etwas kühn und, es. wäre im allgeniemen mehr Einheitlichkit in dieser Beziehung wünschenswert. Hebräische Lehrer sollten immerhin das mit Sorgfalt geschriebene Büchlein kennen lernen. E. M. Felix A. Teilhaber: „Der Untergang der deutschen Juden/ 2. Auflage, 1921. Indischer Verlag, Berlin. . - Der Statistiker, der die T e n d e N z der Zahlen' verfolgt, eilt, mit Siebenmeilenstiefekn der Gegenwart^ voraus und kommt mitunter mit Erkenntnissen — oder Ansichten — zurück, die-die Zeitgenossen in Erstaunen setzen, dem Verkünder aber Kritik und Spott eintragen. So ist es . auch Teilhaber ergangen. Hat er doch in dieser Schrift nichts Geringeres unternommen, als jenen Satz, der beinahe zu einem historischen Axiom geworden ist, den Glauben an die U n v e r g ä n g l chkeit des „ewigen Volles" zu Widerlegen. Sein nächstes Beobachtungsseld sind freilich die Juden Deutschlands. Es ist hier nicht der Ort, von den Berechnungen Teilhabers auch nur ein Zahlenextrakt zu geben.. Hier sollen nur die hauptsächliche^ Gedankeugänge, die den Belveis für jene These liefern, namhaft gemacht werden. Es ist das vor allem: das Schwinden des orthodoxen Glaubens, der bisher, wie Theilhaber treffend mg!, ein überaus starker Faktor der Erhaltung des jüdischen Volkes nicht nur-als seelische Mnheit, sondern auch als sich sortpslanzend'c. Art . war. Dazu kommen „zivilisatorische"- Einflüsse der Jndnstrieälisieruug, die die Juden in ihren Bann zieht ,-nd die „Großstadtkultur" sogar aufs Land verpflanzt: die Sparsamkeit bei - den ökonomisch schtvachen, der Hang' znm Wisillehen -bei den(ökonomisch starken Schichten' der Judonheit, die ihren Ausdruck-in dem Sinken der Heiraten und' der Gebif len finden: von 100 Inden heiraten 25 überhaupt nicht; ein weiteres Viertel bleibt kinderlos,, das dritte Viertel begnügt sich mit ein oder rwei Kindern und nur iöeim letzten Viertel triüscn / A./ „«a.:, 1 Hill miuüitfi nrnit rhf 4aWnnrv^ a^güauaäiäiäätM