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Wiener Morgenzeitung · 1922-06-04 · Heft 1201 (4.6.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1201 (4.6.1922)
Date
1922-06-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Die gab es oder auch unter den Christen. In seinem Korps hätten sich die, Juden' trefflich gehalten. Es sei statistisch festgestellt, daß die Juden in ejner ihrer Kopfzahl entsprechenden Werse teilhatten am Kriegsdienst, Blutopfern, Dekorationen und Beförderungen. Es wäre an der Zeit, daß der Judenhetze ein Ende gemacht werde. Sie haue nicht auf,^sondern reiße nieder. Der Zusammenbruch hatte viele Ursachen. Die entscheidende Rolle aber hat die ungeheure Uebermacht der Feinde ün Menschen und Material und . die Aushungerung gespielt. Wir.wären einfach fertig, erschöpft; der Bogen war überspannt.und mußte reißen. Schuld sind di-e<. Wenigen, die es nicht zu einem Berständigungs.frieden kommen ließen, als. es noch Zeit war. Das deutsche.Volk hat seine Schuldigkeit im Weltkrieg bis zum letzten getan. Es sollte sich diese Legende ' nicht weiter gefallen lassen. Die amerikanischen Präsiden-; ten und der Zionismüs. Wie bekannt, hat der nordämerikanifche Präsident Harding vor kurzem in einen! an die zionistische' Organisation Nordamerikas gerichteten Schreiben seine Sympathie mit den. Bestrebungen des jüdischen Volkes nach der Wiedererrichtung, seiner alten Heimstätte ausgedrückt. In einem Memorandum, an den. Senator L o d g e hat der Sekretär des jüdischen Kongresses Bernhard Richards einen kurzen historischen Ueberblick über die Stellungnahme der amerikanischen Präsidenten geliefert seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts zu den nationalen Bestrebungen des jüdischen Volkes. Schon in der ersten Hälfte, des neunzehnten Jahrhunderts hat der amerikanische Präsident A d a ms itt einem. Schreiben an den-ersten Vorläufer des jüdischen Staatsgedankens. Mordechar Immanuel Noah die Bestrebungen der Juden nach Wiedererrichtung ihres Staates. wärmstens unterstützt. Dmrnanuel Noah hat im Jahre 1885 in, der Nähe von New-Vork die JnselNew-Jsland um den Betrag von mehreren lausend Dollar, die ihm ejn christlicher Freund zur Verfügung'gestellt hatte, angekaust; um dort einen kleiuen I« den ftaat zu gründen. Zu gleicher Zeit richtete Noah einen Aufruf an die Gesamtjudenheit der Welt, in dem er sie aufforderte, ihm in der Begründung eines Judenstaates in Amerika zu unterstützen.' Er forderte alle Judengeckeinden auf, eine Steuer in der Höhe von drei Schkalim einzüheben, Um den von ihm begründeten Staat in New-JslaUd, welche Insel er nach der Bibel Ararat benannte, finanziell zu unterstützen. Ferner forderte er alle Rabbiner auf,, in den Synagogen genaue Listen der Juden aufzulegen und jene Juden, die in ihren Ländern keine Existenzmöglichkeit besitzen, nach Ararät zu schicken. In dem Aufrufe hatte Noah als Oberhaupt des von ihm gegründeten Judenstaates mehrere tief in die jüdische Tradition einschneidende Verfügungen getroffen, wie zum Bei-. spiel auf dem Gebiete der Ehegesetzgebüng. Diese Aufrufe Wurden an sämtliche Judengemeinden, selbst an die entlegensten in Ostrußland, geschickt. Die damalige jüdische Presse überging jedoch den Aufruf mit. Stillschweigen, nur das Organ der Maskilim in Wien „Bikurei Haitim" brachte den Aufruf Noahs in hebräischer Übersetzung, jedoch mit ironischen Randbemerkungen, zum Abdrucke. Noahs Aufrrrf hat auf die damalige Judenheit so gut wie kernen Eindruck gemacht, im Gegenteil, der damalige Großrabbiner in Paris de Cologna veröffentlichte im „Journal des Debats" eine Erklärung, in der er Noahs Tat als unpatriotisch und gotteslästerlich bezeichnete.. Eine, ähnliche Erklärung veröffentlichte auch der Oberrabbincr von Lonboi: H c rsche l. Deffenungeatchet schritt Noah an die . Gründung seines Judenstaates, und im September 1826 fand die feierliche Grundsteinlegung in der Hauptstadt von Ararat, Buffalo, statt. In Gegenwart zahlreicher Würdenträger .des amerikanischen Staates und. unter Assistenz einer militärischen Abteilung erschien Noah im Gotteshaus von Buffalo, bekleidet mit einem PurPurmaytel, sprach das Gebet und nahm die Grundsteinlegung vor. Der Stein mit der Inschrift „Höre Israels unser Gott ist einzig'." erliegt noch heute im jüdischen Museum von New-Dörk. Sein Versuch' mußte jedoch nach kurzer Zeit mangels an Geld und Menschenmaterial scheitern, und Noah verschwand für mehrere Jahre von der Bildfläche. Erst im Jahre 1844 veranstaltete er im Tabernakelsaal in New- 8)ork zwei große Meetings, zu denen er die christlichen . Amerikaner.eingeladen hatte. Hier setzte er in zwei Vorträgen die Grundprinzipien seines jüdischen Staatsgedänkens auÄinäyder. Noah vertritt den Standpunkt, daß die Juden an die Wiedererrichtung ihres Staates in Palästina schreiten müssen und die im Orient damals zutage -tretenden Erscheinungen hält Noah.' für., günstig, um die Erneuerung "des Jndenstaates durchzusühren. Während also Noah im Jahre 1823 für einen Judenstaat in Amerika ejnwitt. ZÜ er cherM im Jahre 1844 m übMMtey 4. Juni 1922 Der jütische ÄNederaufbai» «i»d der „Joint .Uli (Von unserem Warschauer Korrespondenten.) Warschau, 31. Mai. Vor einigen Tagen fand hier die vom „Joint" einberufene Wiederausbaukonferenz statt. Den von den Referentenmitgeteilten Materialien ist zu entnehmen,. daß nach einer kürzlich durchgesührten Enquete iy 615 jüdischen Städten über 60.000 zerstörte jüdische Häuser. vorhanden sind. Die Lösung der W-ohnungsfrage bildet die Hauptgrundlage des Wiederaufbauwerkes. In den meisten Städten wohnen die Juden, unter den schauderhaftesten Bedingungen. In den meisten an tter Front gelegenen Ortschaften leben sie noch immer in Baracken und Schützengräben. Um die zerstörten 60.000 Häuser nur aus Holz aufzubauen, müßte man über ein Kapital von 300 Milliarden poln. Mark verfügen. Die Negierung habe, bisher nur in 70 Städten den Juden den Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser er-, möglicht. In ganz Polen zähle man eineinhalb Million e n zerstörter Häufe r. Im allgemeinen haben die Juden von der Unterstützung der Regierung sehr wenig genossen.. Nach dem Dezember 1921 sind, in ganz Polen noch 872.855 zerstörter Häuser zum Wiederaufbau verblieben. Während der christlichen Bevölkerung die Möglichkeit zum Wiederaufbau ihrer zerstörten Heime gegeben wird, werden den Juden überall Schwierigkeiten - gemacht.. In den staatlichen Kreditanstalten für den Wiederaufbau sind die Juden überhaupt nicht vertreten. Ebenso judenrein ist auch der beim Finanzministerium bestehende Aüfsichtsrat.für den Wiederaufbau/ Für den Wiederaufbau der zerstörten jüdischen Ortschaften Müßte daher ein spezielles jüdisches Aufbaukomitee geschaffen werden,, dem Kreiskomitees unterstellt werden müßten. Ebenso müßten auch spezielle Baumaterialienfabriken errichtet werden, Ueberaus traurig ist die Lage, der Juden in den zerstörten oft galiz is ch ep Ortschaften. ■ In der Debatte erklärten die meisten Redner, daß die polnische Judeyschaft nicht Imstande sei, aus eigenem den für den Wiederaufbau nötigen Betrag zu decken. Die .meisten Redner, bekämpfen die vorn. Joint Distributton Komitee mit der „Jca" ohne .Zustimmung des" Wiederaufbäukömitees getroffene Abmachung bezüglich des. Wie«» deraufbaues und fordern, der Verlesung, welche Forderung der Direktor des Wiederaufbaudepartements des „Joint", Herr R o b i ns o h n, ablehnt. Nach einer, längeren Beratung erklären die Mitglieder. des Wiederausbaukomitees Dr. Klumel (Zionist), Kirschbronn (Agudist)/ Äbg. Hartglas,' Abg. 'F a r b st e i n und andere, daß das Jointkomitee bisher die Beschlüsse des Wiederausbqukomitees ignoriert und ihm jede Möglichkeit benommen habe, die Wiederaufbauarbeitin der notwendigen Weise zu führen. Die Vertreter. des Joint Distribution Komitee hätten ohne Zustimmung des Komitees mit der „Jca". ein Abkommen, getroffen und bisher dem Komitee dieses Abkommen nicht bekanntgegeben. Da nun die Direktoren des ,-Joint" erklärt haben, daß sie vom heutigen Tage an die ganze Arbeit dem Komitee übergeben und ihm die nötigen Mittel, zur Verfügung stellen, wie auch im Läufe der nächsten vier Wochen den Text der mit der „Jca" getroffenen Abmachung bekanntgeben und alle Aenderungen im Sinne der Forderungen des Komitees durchführen werden, erklärten sich die Genannten bereit, .die Agenden des Wiederaufbäukomitees werterzuführen. Da die Erklärung der „Joint"-Direktoren die' Mtglieder des Komitees nicht -be- -. friedigte, beschloß das Komitee, seine Tätigkeit einzustellen und den „Joint"-Direktoren eine. Frist von vier Wochen zur Beantwortung seiner Forderungen zu . gewähren. Wie das I, C. B. von gut.informierter Seite erfährt, ist die Ursache der Komiteeauflösung' darin Ansuchen, daß das Uebereinkommen zwischen „Joint"- und „Jea" der letzteren die volle Aussicht über die aus. „Joint"- Geldern zu errichtenden professionellen. Sch ul e n in Polen überläM Da die Tendenzen der ,;Jea" aus ihrer bisherigen Tättgkeit. als assimilatorisch bekannt sindwird es die polnische Judenheit auf keinen Fall zulaffen, daß mit^ den Geldern der amerikanischen Juden assimilatorische „Jca"-Politik in Polen betrieben werden söll. . wami'i'iMagk Palästinenser. Jedoch hält er die Gründung eines. Judenstäates ohne die Hilfe dev christlichen Amerikaner für unruöglich, und. in diesen zwei Vorträgen fordert er die christlichen Amerikaner atzf,,beiher>KeMMchMng dieses'.Htaaies. behilflich zu sem. Die''heHniHoHUg^ stnv' einige Monate später in Buchfonn rmte.r dem'Atel „Diseours on the Restauration o.f the Jews", die heute eine bibliographische Seltenheit bildert, erschienerr. Iw. Angelegenheitder Wiedererrichtung ds Judenstaates in Palästtnä stand Apah damals im regem Bnefverkehr mit seinem Jugendfreund, dem damaligen Staatspräsidenten Adams. In einem separaten Antwortschreiben an ihn, erklärte Adams seine Sympathien ftir den jüdischen Staatsgedanken. Ein späterer Präsident Nordamerikas, der sich der Wiedererrichtung eines - jüdischen Staates in Palästina - sympathisch . gegenüberstellte, war William Harrison. Ein christlicher Gelehrter, William B l a ck st o n e, hatte in diesem Jahre (1891) eine von Hunderten von angesehenen Amerikanern unterfertigte Denkschrift an das Staatsdepartement gerichtet, in welcher -die Mithilfe Amrikas bei der Wiedererrichtung einer jüdischen Heimstätte in.-Palastina gefordert wird.. Präsident Harrison erklärte sich in einem Briefe Mit diesen Bestrebungen einverstanden und versprach auch seine Unterstützung. Im Jahre 1917 richtete Theodor R o o s e v e 11 an den damaligen Sekretär der amerikanischen zionistischen Organisatton de Haas ein längeres Schreiben in welchem er^den zionistischen Bestrebungen seine Sympathien zum. Ausdruck brächte. Auch Präsident W r l s o n hat —* in einem Briefe an Stephan Wise, den er an diesen im Augüst 1918, knapp vor Kriegsabschluß richtete seine Züstimnng zum Zionismus beranntgegeben. Am 6. Juni 1921 richtete der jetzige Präsident H ar ding gelegentlich des l Aufenthaltes W e i tz m a n n s in Amerika an Alexander Wolf ein längeres Schreiben,' in dem er sich mit den Bestrebungen der Juden'nach Wiedererrichtung der nationalett Heimstätte einverstanden erklärt.> Neuestes aus Palästina. Der Eigentümer der „Mormtng Post" in den judäischen Kolonien. Die „Mormng Post", das willigste Sprachrohr der arabischen^ Delegation in London, will sich vom Zustande Palästinas aus eigener Anschauung überzeugen. Lord Apsley» der Herausgeber des Blqttes/ besuchte zu - dem Zweck in Begleitung des Dr. Eder die Arbeitersiedlung „Kirjath Anawim". Von hier aus suchten si Ben- Schemen ayf, wo sie bekanntlich die jüdische Versuchsstation befindet, hierauf Rischon le Zion. Nach einer Ansprache'des Kolonisten M e i e r o w i tz, der betonte;. daß. Lord Apsley nun in der Lage sein werde,, seinem Blatte einen genauen Bericht über die Wirkungen des Zionismus zu geben,.erwiderte ihm der Lor.d, daß sein Organ kein ant.-isenrit isches sei. Er. unterscheide zwischen Zionisten und.radikalen-Zionisten.und er hätte allerorts, die gute-Arbeit gesehen, die geleistet worden sei. Es,sei unmöglich, gegen .die.jüdische Einwanderung, und gegen deren Züsa.Km.tznäx.b.e^ Arabern am Mieder? - / ausbau des Landes Opposition zu machen. Die Aeußerungen'des Lords sind ein neuer Beweis dafür, Paß die einzige erfolgreiche Waffe gegen alle Art von Feindschaft die positive von Juden geleistete Aufbauarbeit ist. -."7 Die^ Attigkttt hes Wqad Leumi. Der . Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) entfallet, in -der . letzten Zeit eine sehr, rege und - ftuchtbare Tätigkeit; -er beginnt die Rolle im jüdischen Leben, zu spjelen, zu der. er eigentlich berufen ist: der Hüter der allgemeinen nationalen . Interessen gegenüöer den Jntressen der Sondergruppen zu sein. :: . ,’1'- •>. ■ '; / /■; So hat er zuletzt in die L.ohn streitig keilen eingegriffen, welche zwischen Arbeitern.und Arbeitsgebern in Jaffa (Sylikatsabrik usw.) äusgebrochen waren.' Vorläufig hat er eine provisorische Regelung dieses Streites herbergeführt und. ist - im Begriffe, dieses Werk prinzipiell und dauernd zu tun.- Die Vertreter des.Waad Leumi, -David Iellin und Ben Zwi im Vereine mit dem Sekretär Herrn T s ch e r n o w i tz. bereisten irr der letzten Zeit eine Reihe von Kolonien, in denen sie Aussprachen mit deren Räten und: sonstigen Repräsentanten der verschiedenen Bevölkernngsschichten hatten. Die Vertreter des Waad Leumi wiesen, aus die Bedeutung der-jüdischen A r b e i t für das Siedlungswerk hin, die auch die - Kolonisten zugaben. Allseits wurde die Notwendigkeü der. jüdischen Arbeit zugegeben, und über Vorschlag des Herrn Tschernowitz -einige man sich in P et ach Tikwah dahin, daß eine eigene Kommission, bestehend aus drei. Vertretern des. lokalen Waad und drei der Arbeiterorganisation und aus Repräsentanten des Waad Leumi einen Modus suchen solle, wie die jüdischen Arbeiter bei' den jüdischen K o l ö n i st e u Beschäftigung finden könnten, wobei beide , Teile im Jurercssc her nationalen Sache Opfer bringen müßten. . Ebenso wurde die Frage der Unterbringung jüdischer P o g r o m w a i.s e.n ans der Ukraine und Rußland bei den Kolonisten erörterr: "\n der Arbeitersiedlung Kirjath A n a w i m äußerten die Siedler selbst den. Wunsch, Waisenkinder, als Kinder der Kwuzah in die Kolonie auszunehmen und.sie auf ihre Rechnung z r erziehen. Auf einer Konferenz de§ Waad Leumi. mit den .Ve'.n-ctern - von Tel- Awiw wurde das Problem - erörtert, wi'. das Verhältnis -der jüdischen Stodtwaad von Jaffa zu d-:r eigenen Gemeinde T.el-Awr.w zu gestalten seiob nämlich neben der durchaus jüstdischen Stadt. Tel-Awiw noch ein cic-ener Stadtwaad in Jaffa zu bestehen habe.. Die Frage wurde pnev endgültiqen Lösung noch nicht zugeführt. Der Stand der Arbeit und der Wirtschaft im Lände. - Der Direktor des Jüdischen - iliationalfonds, Herr Schocken, ein in wirtschäftlichen Fragen besonders erfahrener Zionist aus Deutschland, weilte mehrere Monate inr Lande, um sich über. den . Zustand, des Aufbauwerkes zu unterrichten und die Urberstedlung des NationalfondS- Hauptbureaus «nach Er'.z Israel vorzüLereiten. -In einem Inierview. mit einem Vertreter des „Haarez" machte er sehr mtcressänte Aeußeruagen über den Stand der Arbeit im Lande. Er. fand das Land. in. einem viel bessevey Zustande, als »r erwartet hatte., Me Möglichkeit seien sehr groß. Im Laute fände sich ein besonders geeigneter. Tyyus für" den landwirtschoftlichen Aushau. Die MischM'.SieWüM Mn-Wft--Oasry N dex MM er-

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