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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-31 · Heft 1197 (31.5.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1197 (31.5.1922)
Date
1922-05-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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1"« Men. Mittwoch W. 1W7 Wiener Morgenzeitü»- : 3U Mai 192A j 'Sette "3;, Ei« jüdischer Konflikt mit der / , .. 'V': orthodoxen Kirche, ■ Bukarest, ä7.' Mai, (I. C. B.) Das yeue rmnänische, Mieterschutzgesetz sieht zahlreiche BegünftiguUgetl ffir -.bte * orthodoxe. Ki r ch e vyr. Der Metropolit dev orthy-, doxen Kirche benützte diese Begünstigungen dazu,üm -in.' einem vertraulichen, Rundschreiben alle untergeordneten' kirchlichen Behörden und Domänen anznweisen, aus den Wohnhäusern,- Gütern und sonstigen Besitztümern der rumänischen Kirche die jüdischen Pachter, beziehüngweise M i et er zu-e v a k u i e r e n. Dieses Vorgehen rief unter der Juöenheit Rumäniens'' große Erbitterung hervor. ' v? ■ ' ' ' Im Auftrag des Reichsvereines . der rumänischen Juden legte Abgeordneter Dr. ,F i l d e r m a n bei den zu-' ständigen Ministerien und beim Metropoliten selbst gegen dieses Vorgehen schärfste Verwahrung ein. Der Kultusminister und der Justizminister erklärten, daß das betreffende Gesetz sich gegen' keine Konfession, richte und versprachen, sich in dieser Angelegenheit mit der 'Oberbehorde der rumänischen Kirche isis Einvernehmen zu setzen. In dieser Angelegenheit interpellierte im Parlament der jüdische Deputierte Dr. .S t e r n den Justizminister, der den jüdischen. Deputierten versicherte, daß Juden rumänischer Staatsbürger. und/ selbst die Optanten nicht evakuiert werden könnet;. . Ergänzungsrvahlett in der Bukowina. Bukarest, .30. Mai. (Orient-Radio.) Bei den in der Bukowina vorgenommenen Teilwahlen für die Deputiertejnkommer wurden drei Anhang er derRegier u n g gewählt. ' ' > HaWinä. ' * London, 28. Mai. (I. C. B.) Wie wir erfahren, werden gegenwärtig die letzten Anstrengungen gemacht, um noch im Laufe dieses Sommers zumindest eine Fakultät ..mt der hebräischen Universität in Jerusalem zu eröffnen. Die erforderlichen Gelder sind bereits fast zur Gänze aufgebracht. " Das"Komitee der jüdischen Äerzte in Amerika sammelte.bisher 275.000 Dollar und hofft, - bis zum Herbst - diesen Betrag auf mindestens 400.000 Zu ergänzen,. da täglich neue bedeutende Beiträge einfließen. Ende Juni begibt sich eine N'ewDorker Aerztekommission nach Palästina, der voraussichtlich nebst anderen ärztlichen Autoritäten auch Dr. Goldwater vom Rockefeller-Jnstitut angehören.wird, um dort mit dem im Juli in Palästina eintreffenden Dr. Weitzmann die letzter! Vorarbeiten abzuschließen. (Der baldige Beginn her wissenschaftlichen. Tätigkeit in Palästina wäre nicht allein aus jüdisch-kulturellen, sondern äu ch aus anderen Gesichtspünkteusehr wünschenswEt. Die Begründung der Wischen Universität wird das sichtbarste Zeichen sein, daß die Wische Arbeit als.Träger friedlicher Kultur in Palästina einzieht und es wird nicht zu ihren letzten Aufgaben gehören dürfen, auch an den Arabern eine Kultüräusgabe zu erfüllen und durch die Herstellung einer Wisch-arabischeU Zusammenarbeit.' auf k u l t u r e l l e m Gebiete eine neue Sphäre geistigen Einvernehmens zu schaffen. Die Beschleunigung der Vorarbeiten zur Gründung der Universität ist um so nötiger, als man auf christlicher nicht palästinensischer Seite bereits die Idee einer arabischen Landesuniversität zu propagieren begonnen hat, welche, nach dem Charakter der geistigen Väter dieser Idee zu schließen, als Herd des extremen, antijüdischen arabischen Nationalismus zu gelten hätte. Die Schaffung einer jüdischen Kultur in Palästina, deren Höhe auch die Teilnahme der Araber zur Folge haben wird, wird eines der vornehmsten Mittel eines kulturellen Einvernehmens sein, das die politische.Einigung mit.sich bringen kann.) Die PqMMna-Frage im englische« Unterhaus. London, 29. Mai. (Tel. der „Wiener' Morgenzeitung".) In der letzten Sitzung des Unterhauses interpellierte Air. Mellvne den Kolonialmjnister, ob er Gelegenheit hatte, mit der muselmanisch-christlichen arabischen Delegation, die sich gegenwärtig in England befinde, zu konferieren, und ob die Delegation ihre' Stellungnahme zur englischen .Regierung bekanntgegeben habe; ferner ob der Kolömalminister angesichts der Wichtigkeit dieser Fragen diesbezügliche Erklärungen, abgeben oder einen genauen Bericht über den Verlauf der Konferenz mit dieser Delegation veröffentlichen wetde. Mr. Churchill antwortete, daß er mit der arabischen Delegation konferiert und ihre Stellungnahme zur palästinensischen Regierung kennen gelernt habe. Bezüglich der dritten Anfrage sei er gegenwärtig sticht in der Lage, irgendwelche Erklärungen abzugeben. Hierauf fragte Mr. Mellonc, ob der Kolonialmittister.'angesichts^ der Tatsache, daß der High Com m i s s i o n e r von Palästina, sowie ein spezieller Delegierter des Vatikans in England weile, versuchen werde, in der Palästinafrage zu einem endgültigen .Entschluß. zu gelangen. Churchill antwortete, daß er. auch. diesbezüglich keine Erklärungen. abgeben könne. Er habe zwar die. genannten Herren mehrmals Prag, SO. Mai. Der Ministerpräsident und Minister des Aeußern Dr. Benesch äptwortete in der heutigen Sitzung' .des Abgeordnetenhauses mehreren Rednern, die zu seinem Expose über die Konferenz von Genua Stellung genommen.hatten. Als er um.viertel 10 Uhr auf der Tri-' büne erschien, begannen die slowakischen Volksp arteil er zu schreien und auf die Pult- )eckel loszuschlägen und setzten den Lärm mit wechselnder Stärke dreiviertel Stunden lang fort. Dieses Verhalten war d^r Ausdruck des Protestes gegen die Zerstörung der Druckerei und der Redaktion des Blattes „Slovak" in Preßburg, die kürzlich von Legionären verübt worden war. Es gelang Dr. Benesch nur gelegentliche m der Verlesung seiner Ausführungen zu Wort zu kommen, o.h n esich in d eff en. Gehör v ers ch a f f e tt z u I ö n n e n. Der Präsident läutete mit kurzen Pausen während des ganzen Tumults, der sich steigerte, als zwei slowakische ' Abgeordnete zur O r dnung gerufen wurden. Erst' nach Beschwichtigungsversuchen des agrarischen Führers Abg. Svehla und nach Abgabe dr Zusicherung, daß die Interpellation der slowakischen Volksparteiler über den Angriff auf den „Slovak" mit einer ihnen entsprechenden Erklärung der Regierung werde ^beantwortet werden, konnte Dr." Benesch seine Rede fortsetzen. Indessen dauerte die Ruhe nur kurze Zeit. Eben war Dr. Benesch beim russischen Teil stiner Antwort angelangt, als die tschechischen und die d e u t s ch e n K o m m u n i st e n, unzufrieden mit den Ausführungen des Ministerpräsidenten, diesen immer wieder mit lärm enden Z w i s ch en r ufe n unterbrachen. Schließlich trat während des letzten Teiles der Rede des Ministerpräsidenten Ruhe ein. Mit Ausnahme der deutschen Kommunisten hasten sich die deutschen Abgeordneten an den Vorgängen dieser Sitzung 'nur als Zuschauer beteiligt. Prag, 30. Mai. (Tschecho-slow. Preßbur.) In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses ergriff Ministerpräsident Dr. Benesch das Wort, um auf die W bet Debatte gemachten Einwände gbgen seine Außenpolitik und die gestellten Anfragen zu erwidern. . Dr. Benesch erklärte gegenüber dem Abgeordneten Dr. Kafka, er habe niemals den, Versailler Friedensverirag als ein Werk ohne Fehl bezeichnet. Der Kampf um seine Äenderüng und insbesondere um eine gewaltsam erzwungene Aenderung bringe die g r ö ß t e G e f a h r sü r E u ro p a Mit sich. Die große Entente, .insbesondere die Freundschaft zwischen Frankreich und England, sei notwendig, um die Verhältnisse Europas zu ordnen. Das französisch-englische Einvernehmen sei für Europa und auch für Deütschland, besser als eine Uneinigkeit zwischen den . beiden Staaten. Gegen ' die ftanzösische Reparationsfordetu n g könne wendet werden. - - - . Der Ministerpräsident betonte sodann, daß die kleine Entente rein defensiven Charakter habe und nur für den Frieden geschaffen., sei.' Die kleine Entente sei auch keine exklusive Schöpfung, wie dies am besten die A b m a ch u n g e n m i t O e st e r r. e i ch beweisen, Dick tschecho-stowakische Regierung tvolltz nichtZ, anderes , als,den Frieden , im. Innert und nach außen .hin. Es verstehe , sich von selbst, daß die deutsche Minderheit in der Tschecho- Slowakei alle Rechte genießen solle, die ihm ein nationales' Leben ermöglichen. . ' - . Der Ministerpräsident befaßt' sich. sodann in ausführlicher Weise mit' der Politik des.Kommunistenführers Dx.Smeral uttö;stellt fest, das; sich Dr. Smeral im Jahre 1914 seinen österreichischen Opportunismus gebildet ' habe, 1918 und 1919 seinen Sowjetopportunismus. Gegenüber der kommunistischen Interpellation in Angelegenheit des Vertrages ntit Rußland erklärte der Ministerpräsident,, daß der Standpunkt der kommunistischen Partei e^er die Interessen des Auslandes als die des eigenen Staates vertrete. Die Regierung werde in Angelegenheit des Vertrages im Einvernehmen mit der Mehrheit der Nation und mit Zustimmung des Parlaments Vorgehen. Der Mnisterpräsident habe .den Abs ch lm ß de s Handelsvertrages mit Rußland in Genua gewiffermaßen end-. gültig verabred e t, vorausgesetzt die Zustimmung der konstitutionellen Faktoren. Peinr-Abschluß der Konferenz sei in Genua vor einigen Tagen ztvischen dem Gesandten Dr. G r r s a und Sowjetrußland der Text des Vertrages j Parastert worden. Formell werde die Sache in einigen Tagen erledigt werden.Die Frage der de jure-Anerrennuttg Sowjetrußlantzs könne' nur im Einvernehmen mit dem übrigen Europa gelöst'werdeir. ' . /' ' Bezüglich der politisch en' Flüchtlinge er->^ - klärte' Dr. Benesch, die Regierung könne nicht zulässen, daß die Flüchtlinge, seien, es Vertreter, der Rechten oder der Linken- , sich in die innerpolitischen Angelegenheiten ernmischen. Bei der Aufnahme der russischen Fl üch tl i n g x habe sich die Regierung von Humanitären, sozialen und nationalen Beweggründen leiten lassen. Von. einer militärischen Organisation und einer politischen Agitation der « Flüchtlinge sei dem Minsterpräsidenten mchts bekannt. Nur im Lager von Deut sch - G ab e i hätten 31' Ukrainer, unzufriedene Elemente, Unordnung hervorgerüfen und zersetzend gewirkt. Diese Elemente.seien transferiert worden. ' . Schließlich teilte der. MinsterpräsideNt auf eine Anfrage mit/daß während des Krieges Wed er g e g e n ü b e r den zionistischen noch auch den nichtzionistischen Juden Berpflichtun.gen übernommen so orDe n s e i e n. Auch int Friedensvertrag sei der j üd isch en Jr.age k ein e Erw äh uu n g getan worden, da btc; Verfassung der tschecho-slowakischen Republik und der in dieser Republik herrschende Geist solche Bestim- . mungen überflüssig machten. ' j Nachdem noch eine Reihe vyn Rednern hatten, darunter apch Abg. Dr. Kra ma r, wurde die Erklärungdes Minsterpräsidenten gegen die Stimmen der Deutschen, der Kommunisten und der slowakischen Volks- Partei zur Kenntnis genommen. ratungen gepflogen, die Lösung dieser Frage müsie jedoch in P a last; n a vor sich gehen. Auf eine Anfrage über die Stellung des Vatikans zur Regierungspolitik in Palästina und oh demnächst ein spezieller Delegierter des Vatikans in dieser Frage mit der Regierung verhandeln werde, erklärte der Vertreter des Aüßeninimjters Mr. H a r m s w o r't h, daß der Vatikan sich um einen Schutz der. Rechte der Katholiken' und Christen in Palästina kümmere. Wegen dieser Frage sei jedoch bisher keine oWelle Mitteilung erfolgt. Mr. Mellonc verwies auch auf die. s ch ä n d l i ch e E r k l är u n g, die der katholische. Patriarch in Jerusalem, Monsignore Bavlafinoc, bezüglich des High Commrssloners von Palästina veröffentlicht habe. Die Nutzbarmachunq der Wasserkräfte. Eine Ruttenberg-Affäre in England. London, 28. Mai. (I. C. B.) Ein Teil der hiesigen Presse ist bemüht, der an Sir'Herbert Samuel während' seines Vortrages gestellten Frage über das Ruttenbergsche Elektrifizierungs - Programm eine agitatorische Wendung zu geben, indem sie darauf hinweist, daß die für die Durchstihrung des Planes bev nötigten Materialien und Haschinen in Deutfchland bestellt wurden. Diese Angelegenheit beschäftigt die Oeffentlichkeit in hohem Maße, vor allem wird aber, die Tatsache kommentiert, daß Sir Herbert Samuel die Antwort auf diesbezüglich an ihn gerichtete Anfragen schuldig blieb. ' Im Zusammenhang mit diesen -Erörtetungm veröffentlicht die zionistische Organisation eine Erklärung, in der. zugegeben wird, daß der in Frage stehende Lieferungsvertrag mit Deutschland sich ^auf Elektromaterial im Werte von 10.000 Pfund Sterling bezieht. Die deutschen Preise seien um die Hälfte niedriger gewesen als die britischen Angebote für das gleiche Material. Den britischen Firmen sei volle Gelegenheit gegeben worden, ihre Offerte zu unterbreiten, sie konnten aber mit ihren Preisen nicht heruntergehen. Es fei der allgemeine Wunsch gewesen, die Lieferungen an hritische Firmen zu vergeben; ein Lieferungsvertrag über Kupfer» draht wurde in England abgeschlossen, obwohl die englischen Preise für, diesen Artikel beträchtlich höher waren als die ausländischen. Der Autor des Elektrifizierungs-Planes Ing. Ruttenberg erklärte einem Mitarbeiter der. „Times", er habe dem britischen Kolonialarnte .mitget.eilt, daß er geneigt sei, die brittschen Angebote auch dann zu! berücksichügen, wenn sie üm zehn Prozent höher sind als die ausländischen.. Gleichzeitig treten „Daily News" mit einer energischen Verteidigung des Ruttenbergschen Planes gegen die verschiedenen entrüsteten Zeitungen auf, die einen „großen Ruttenberg-Skandal" arrangieren. Das Blatt ironisiert die entrüsteten Mitteilungen der Presse daß Ruttenberg das gesamte Material für seinen Plan in Deutschland bestellt habe. Wäre dem so, so würde- Deuffchland bald in der Lage sein, seine Reparationen zu zahlen. Leider sei es aber nicht der Fall. Jug. Ruttenberg verlangte' sowohl in ^gland als auch in Deuffchland Offerte. Da er in geschäftlichen Angelegenheiten kein Philanthrop' sei, habe er die deutschen Angebote auf eine Lieferung von' Maschinen im Werte von rund 9000 Pfund Sterling akzeptiert. Als ' er ein zweites Mal Maschinen benötigte, erhielt er wieder deuffche und englische Angebote. Er nahm die letzteren-an, trotzdem sie ebenfalls höher waren als-die denffchen. . - Lord N o r t h e l i f f e hatte vor seiner Abreise, aus England mij Sir.Herbert Samuel eine Unterredung in Angelegenheit des Ru t t e n b e r g s ch e n Planes. ' Rundschau. Italienische Handel-mMo« in Moskau. Moskaus 30. Mai. (Fünkspruch.) Die italienische Han» delsmission ist unter. Leitung 'Giovanni Am od o ri s in Moskau eingetroffen.. , n V1 n ii enfiri; Stbttö, Herffen- und Damenini Kl 8. Wäscheleinen-und StHckwarcn, alles erstk assig und bllligst bei II., TabörstraBe 48 Telöjihoh 47-1-79 En gros En detai ' v;- .■

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