Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1197 (31.5.1922)
- Date
- 1922-05-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Für einen jüdisches Weltkongreß. — Für Le« Aufbau Palüstinas. si.MiMs Wietter'MorgenzeituU- Wien- Ptittwoch Ut" Jubfitt erstrecken. Diese Kreditgenossenschaften dienen den - Mitgliedern auch als Sparkaffen.iund der Bericht hebt hervor, daß etwa 5000 Einleger rund fünfeinhalb Millionen Lei in diesen Genossenschaftskassen etliegen haben. Sowohl in der Bukowina als auch in Betzarabien hat das, Joint-Komitee bedeutende Kursverluste erlitten. In Altrumänien, wo die Bevölkerung unter dem Kriege -licht unmittelbar gelitten hak, stand das Joint- Komitee dem Problem der Witwen- und Waisenunter st ützung gegenüber. Auch hier hat der „Joint" die Unterstützung Nach dem Prinzip der Kredithilfe und nicht der Almoseygabe behandelt. Das Ziel war, den Witwer: durch Gewährung eines Darlehens eine Erwerbs- Möglichkeit'zu bieten. Zu diesem Zwecke votierte das Komitee seinerzeit zwei Millionen Lei, von welcher Summe etwa 670 Witwe n gegen Rückzahlung in kleinen Raten in der Dauer von fünf Jahren Kredite erhielten. Groß ist die Zahl der Waisen in der Bukowina und besonders in Beßarabien, wo die aus Rußland herüberkommenden Flüchtlinge eine große Anzahl von Waisenkindern mitbringen, deren Eltern in den-ukrainischen Pogrom e n ums Leben kamen. Das" Joint-Komitee beschloß, 200 dieser Waisenkinder zu adoptieren und sie in Anstalten unter Aufsicht des Komitees zu erziehen. Im übrigen aber , bildet die Flüchtlings- und Waisenfürsorge ein eigenes Kapitel des Rekonstruktionswerkes des „Joint" und berührt nur zum Teile die unmittelbare Hilfsaktion. Oesterreich. Hie Cxplssionskatastrophe von Blumau Da es im Hinblick quf die Demission des Gesamtkabinetts Nicht gut angeht, meritorische Beratungen zu pflegen,' befaßte sich der Rationalrat gestern mit drei dringlichen Anftagen, die von den Sozialdemokraten, den Ehristlichsozialen rmd den GwßdeMschen in Angelegenheit der:B l u m au c r Explosion eingebracht wurden, nachdem Präsident We i s k i r ch n e r vorerst dem dahingeschiedenen Bundeskanzler Dr. M a y r einen Nachruf gehalten und auch der Opfer der Explosionskatastrophe gedacht hatte. . Abgordneter Richter (Soziald.) führte in Begründung feiner Anfrage u. a. aus: Es wird - erzählt, daß in Blumaü ganz ungeheure Mengen von Sprengmitteln lagern. Diese 4 sollen in entsprechende Depots am großen Mittel abgeführt werden. Selbstverständlich muß die Regierung alles daran setzen, um den Sachschaden, der durch Explosion verursacht worden ist, so rasch äls möglich gut zu machen. Eine der schrecklichsten Katastrophen aus dem SteinseDg. hatte ein Menge von sechs "Kilogramm Nitroglyzerin zur Ursache; nach schwankenden An-- gqben sollen gegenwärtig in Blumän 1.6.000 bis 16.000 Kilogramm lagern. Da-muß man sich wohl die.Frage . vorlegen, was die Regierung zu tun gedenkt, um jeneH-dichtbesiedelte . Gebiet vor dieser eminenten Gesiach'k' zu schützen.- ' Keines der Mitglieder der Regierung hat - es für wert gefunden, än einer der Begräbnisfeierlichkeiten für die Opfer der Blumauer Katastrophe .teilzunehmen. Vor wenigen Wochen wurden von diesem Platz aus sehr bewegte menschliche Töne angeschlagen und . man HM uns erzählt, es sei, eine. Pflicht der Menschlichkeit gewesen, als sich sämtliche Herren des Kabinetts zu einer Totenfeier für K a r l H a L s L u r g. gedrängt haben, während hier, wo es sich um Opfer der Pflicht, um wahrhafte Helden der Arbeit,' um "wirkliche Märtyrer, UM .wahrhaftige Adelige handlte, nichts von dergleichen zu sehen oder zu hören war.' Die Regierung hat den Ministerialrat Allmayer-Beck abgeordnet, auf daß er mü einem Worte den Angehörigen am Grabe sage, die Regierung werde dafür sorgen, daß für die Interessen der Hinterbliebenen vorgekehrt werde. Der Redner legte schließlich, einen Antrag vor, worin I die Bundesregierung aufgefordert wird: Die. eingeleitete Untersuchung auf das strengste durchzuführen; sofort.zu veranlassen, daß die in der Blümau noch lagernden Mengen fertiger Sprengstoffe weggeschafft werden; alle notwendigen Sicherheitseinrichtungen zur Verhütung von Exlosionen und Feuersgefahren einzuführen und diese Einrichtungen auf das strengste zu kontrollieren; den. durch das Unglück angerichteten Sachschaden zu ersetzen und insbesondere die zerstörten und beschädigten Häuser wieder her-.' zustellen; sofort die Vorlage eines Gestzes im Nationalrat ein-. zubringen, durch das die Bestimmungen das Jnvalidenentschädigungsgesetzes auf alle bei solchen Katastrophen Verun--' glückten und auf deren Hinterbliebenen ausgedehnt werden; zu verfügen, daß die durch die Katastrophe beschäftigungslos gewordenen Arbeiter und Angestellten im Genuß ihrer Bezüge und Löhne verbleiben und daß ihnen bei den Aufräumungs- und Wiederherstellungsarbeiten eine Verwendung geboten werde. Handelsministers Dr. Grünberger versicherte, daß die Regierung alles tun werde, um die Folgen der Katastrophe möglichst abzuschwächen.. Die vorgelegien Anträge wurden einstimmig angenommen. Im Einlaufe , befand sich u. a. ein Antrag der Großdeuschen betreffend die Ungültigkeit-der Verleihung dss Aeimatsrechtes an Neuausländer durch österreichische Gemeinden. :; Nächste Sitzung: Heute, 3 Uhr nachmittags. Die Morgan-Konnnisfion. London, 30. Mai. (Reuter.) Die Fimmzgrüppe unter Führung Pierpynt Morgans, der sich einige. englische Bankiers angeschloffen haben, wird demn ä chst Vertreter nach Wien entsenden, die zu prüfen haben Morden, ob die finanzielle Lage Oesterreichs. die Gmndlagm für eine-zur WiederausriÄtuns Oesterreichs- - Philadelphia, 22. Mai. (I. C. B., herspätet.) Die erste Satzung des Kongresses der amerikanischen Juden ist in Anwesenheit von3 0 0 D e l e g ir rten der jüdischen Gemeinden und bon hundert Hertretern verschiedener Organisationen / eröffnet worden. Den Vorsitz führte Rabbiner Dr. Stephan W i s e. An der Eröffnung nahm der Bürgermeister von Philadelphia teil, der den Kongreß in einer warmen Anspracht begrüßte. Erbe^gnerte die Einführung von Be- . fchränkungen gegen die Einwanderung und verdammte insbesondere die Verhängung Zeines „literarischen" Examens über die Immigranten. Dr. W i f e appellierte in einer Eröffnungsrede an die gesamte Iudenheit der Vereinigten Staaten, namentlich, an die . erprobten Führer Louis Mar s h a l l, .Oberrichter B rn n d e i s und Richter M a ck, sich dem Kongreß anzuschließen. Vor Eingang in die Tagesordnung wurde folgendes Kongreßpräsidium gewählt: Vorsitzender: Mr. Nathan S t r a u ß; Vizepräsidenten: Rabbiner Stephan W i s e, Samuel U n t e r m e h e r und Richter Levh. Als Schriftführer \ fungiert Mr. Bernard Richax d s und als Schatzmeister Mr. Georg I. F o x. Gleichzeitig wurde ein Komitee zwecks Vereinigung der. für den A ufbau P a last i n a s wirkenden Gruppen gewählt, dem, Samuel Untermeyer,. Nathan Strauß, Richter Nosalsky, Kottgreßmann Perlman und Professor Kaplan angehören. Im Verlaufe der Tagung nahm der Kongreß eine Reihe von Resolutionen an, deren wichtigste 1. die Einberufung eines j ü d i sch en W e l tkongresses verlangt; 2. die l i t a Nische Regier u n g zur Erfüllung der Versprechungen, betreffend die n a ti o n a len Minderheitsrechte, auffordert; 3. Protest gegen die Verfolgung a l l e r Religfons- . bekenntnisse, insbesondere der jüdischen Religion in S o w j e tr n ß l a n d erhebt; . 7 4. eine Dankresvlntion an Präsidenten H a r d i N g und an das amerikanische Volk für die von ihnen zugunsten der jüdischen Sache - geleisteten Mithilfe richtet. Die weiteren Resolutionen beziehen sich auf den Keren Hajessod, auf sämtliche gesellschaftlichen jüdischen Institutionen, deren Ziel der W r e d e r a u fbau Pa last in a s ist und schließlichauf die Forde- , rung, die lLinwanderungsbeschrankungen in Pal8stjna ehestens astfzuheben. bestimmte Anleihe bietet.' Diese Anleihe wäre von der internationalen Anleihe des - Völkerbundes^ u nShhä ng i g. Wird die' Morgän-ÄNwihe verwirklicht, so würde jedoch wahrscheinlich die' internatronale Anleihe n'i ch t notwendig werden. Man. glaubt, b% sich auch s k a ndin a v i s ch e Ban k rer s 'Lei der Aufbringung der Anleihe für Oesterreich beteiligenwurden.. " In finanziellen Kreisen verlautet, daß die Delegierten Morgans gegen Ende der Woche in 'Wien eintresten werden. Das GrenzübereinLoMmen mit der TkchWo-Slowakei. Prag, 30. Mai. Heute, vormittags erfolgte durch den Gesandten Dr..Mareb für die österreichische. Republik ußd in Vertretung des, Ministers des Aeußern durch. Sektionschef Dr. W eblF die.. tschecho-powarisöh^. publik der Austausch der Ratifikationsurkunden , des Grenzüberernkommens.ß zwischen Oesterreich. und der Tschecho-Slowakei votzr-10. März 1921. ,Das ÄLb'erelnfonen-, Vieh- und Warenverkehrs, Ein- und. AusWxver-, bo.te im Grenzperkehr usw. , - Die Budapest, 30^ Mr)W-^omp.) Von dew öpposttionellen Parteien erklären sich bloß die Sozialdemokraten Mit dem Wahlergebnis zuftieden. Ihr Organ, die „Nepsava" erwartet, daß noch ungefähr 18 bis 20 Kandidaten ihrer. Partei im Wahlkampf den Sieg davontragen werden. Eine Zudendebatte beim polnischen Städtetag. (Bon unserem Lemberger Korrespondenten.) Im Laufe der Beratungen in. der juridisch-admini-. strativen Sektion trat der zionistische Gemeinderat Ing. Körner aus W a r s ch a u, Mitglied des ständigen Ständeausschusses, in einer längeren Rede in ebenso würdiger als energischer Weise , fsir die im offiziellen« Gemeindewahlprojekt gekürztem Rechte der jüdischen B e v ö l ke r u n g ein. Es zeigte' sich neuerdings, daß die ziottistischen und jüdischen Mandatare als erste > am Platze sind, wo es gilt, gefährdete jüdische Interessen mannhaft zu verteidigen. Die Debatte stand im Zeichen des Kampfes zweier Jntereffengruppen, von denen die eine der Wahlordnung einen möglichst demokraüschen Charakter verleihen und alle reartiönärin Tendenzen aus' derselben entfernen will, während die ändere Besttmmüngen hineinschmuggeln möchte, die auf eine Benachteiligung dev ntchtpolnischen Minoritäten hinauslaufen. Im Laufe der Debatte ergriff zunächst der jüdische Gemeinderat Sämolewiez (Lida) das Wort und sagte: >,Wenn jemand behauptet, daß die Juden Feinde des Polnffchen Staates seiensö -muß ich dagegen energffch Verwahmng einlegen. Nur 'eine gerechte Behandlung ' dev Bewohner der Randstaaten kann zur Konsolidierung des Reiches beitragen." ' Ing. Körner führte aus: ' Me -Politischen Beschränkungen seien für die Entwicklung von Staat und Stadt schädlich. Redner müsse gegen das System der spezifischen WahlgebMetWir' zwecks Benachteiligung .dir jüdischen Bevölkerung entschieden protestieren. Die Treüe und Loyalität-'der- Jriden gegen den- Staat'tretenkeineswegs hinter denen 'anderer Staatsbürger zurück. (Zwischenrüf auf der ReMW '. Md die Z10 n'W e'üH IG. selbst bin Zionist uEstelltz das. al^ solcher ^völlE fest^ -Leider gewähre man. - :best,Mhen keine G l ei.chb.e- 'reKtigun g, M MchwEEnen- MMe-E W Weise Die die volle 'Gleichberechtigung genießenden englischen und amerikanischen . Juden können, als Muster in der Erfüllung' der staatsbürgerlichen Pflichten hingestellt werben. Die polnischen Juden wissen wohl,, daß ihre wirtschastlichä Wohlfahrt mit der günstigen Entwicklung der Städte und des. ganzen Reiches züsarnmenhänge. Daher sei es verwerflich, Bestimmungen, zu schaffen, welche den Verwaltungsbehörden' eine möglichst freie Interpretation der geltenden Bestinnnungen ermöglichen ^rnd das Wahlrecht nur denjenigen 'zuerkennen, die die polnische Sprache in Wort und Schrift beherrschen. Man müsse berücksichtigen,, daß die Bwohner der polnischen Randgebiete, noch lange nicht die Möglichkeit hatten, die Sprache zu erlernen. In der Abstimmung gelangte der liberale Wahlentwurf des Ing. Jaw0r0w,s-ki (Sozialdemokrat). mit Itst- Stimmen gegen den reaktionären . Entwurf der Räsionaldemokraten (102 Stimmen) zur Annahme. Konferenz der profefffoneüen Vereine; im Pqk«. . Krockau, 29. Mar. (I.. C. B.) Hier fand unter dem Vorsitze Daszynskis eine Konferenz'der professionellen Vereine-Polens zwecks Koordinierung der professionellen" Arbeiten ohne Unterschied der Nationalität str Polen statt. An der Konferenz nahmen'120 Delegierte der polnischen Sozialdemokratie, 30 .Kommunisten, darunter 3 I u d e n, 25 Bundisten und 13 Poale-Zionisten teil. Die Tagung, faßte den. Beschluß, mit der. polnischen Arbeiterschaft e i p h e i t lstch e G e w e r k s ch a f t e n zu, bllden. Dieser Beschluß wird von der Erfüllung folgender Bedingungen abhängig' gemacht: Die Rechte der jüdischen Sprache müssen in der Arbeit 'der Gewerkschaften unbedingt 'sichergestellt sein; jede der gemeinschaftlichen. Gewerkschaften' muß einen Teil ihrer Einkünfte entsprechend der ihr angeschloffenen jüdischen Mitglieder j ü d i s chkultürellen Zwecken widmen. Die Sejmwahleü — verschoben? Warschau, 28. Mar. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Da der Wahlordnungsentwurf voraussichtlich zwecks Verbesserung der die st ä d tischen Inte res s e n benachteiligenden Bestimmungen an die Verfasiungskonunission zurückgeleitet werden . wirb, dürften die Wahlen zum nächsten Sejm-nicht, wie bereits bestimmt, im Oktober, sondern erst anfangs des n ä ch st e n Frühja h r e s stattfinden. Wie in hiesigen maßgebenderr politischen Kreisen verlautet, sind bereits diesbezügliche V e r Handlungen zwis'chen den Parteiführern im Zuge. Die Uebernahme Overschlesiens.. PreAau, 30. Mar. (Tel.-Cornp.) Der B e f c tz u n?g ss P l a n für- Polnisch-Oberschlesien liegt nunmehr vor. Die Uebernahme der Eisenbahnen erfolgt am 5. und 6. Juni. Die- Postämter werden anr 8. und 9. Juni übernommen, die sonstigen Berwaltungsämter gehen am 10. Juni, die Polizeireviere anl .15. Juni in die Hände der Polen über. Dem Vernehmen nach rücken als erste die französischen Truppen ab, dann folgen die italienischen und zum Schluß die englischen Truppen. Kattowitz wird , von den Polen am 10. Juni, Rybnik am 19. Juni besetzt, werden. RumSnie«. Organisation der jüdischen Gemeinde; Bukarest, 26. Mai. (I. C. B.) Kultusminister Ban hat eine Enquete dev weltlichen und geistlichen Ver'trei dei. WisHen Gemeinden Mrmäniens einberusen, in d -WMigtz, HgW., betreffend ' die Organisierung des W schen KüWsüttd Unterrichtswesens erörtert werden solle .De.t Mägjstrai der Stadt I a s.sh ^beschloß, jeder jü! schell Mchme m^ .0^ jäWKe' WbpWtion ' vi