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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-31 · Heft 1197 (31.5.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1197 (31.5.1922)
Date
1922-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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W ie n:■ Zm*i AbHolerilhder! £^editiori;ir4,Täborstr4i3i oder in eivt erVerachlei^tel Ife ' (Träfik) -monatlich ^2ltz0 Mit Postversand ffrr Wi/no. Oesterreich monatl, K' 2100 T$ ch e c h o- S1 owa k.e i: Mpn.) K 20. Un garn: Moh.; K150. J,n g o s lawi e n: Mort;' Dinar 25. P, o Mo ft.« Mark 800. Deutschland: Mon; Mark 50;' F ran k-/ r.e i c h: Monatlich ,Frcs.\6 - ■ i ■ N /.'r. HWMS.;u * ■■ ' :TÄW«' 1t j^l^e ä: Möflhtl^!^ Mrs^ ■ Pmmao i py-AMor/Mi/Lpi' : ‘ h v e! r uMMas«LvWv Ausland monaEch Frea. 3i > jRed&ktion u.Ädrninistraiion Wien, II., Täborstrassf ii-;-3 ■ ielephbneNWWll^ /' > ab 6* Uhr*äbehäsä£0$Qi.; :: Tel.-Adr;;;Mprgpnz'eithh?‘f ' .v.; OesterreichiscKfes Poptspap* , kassen - Konto JNr. 150.693 ..- ■ai Nr. 1197 SVien, Mittwoch, 31. Mai 1922 4. Jahrgang Der entpolitisierte Staat. .•jfcsawV# .• v - . —y. W i e n, Zl. Mai. . Vielleicht wirdder österreichische Nationalrat heute die Wahl einer neuey Regierung vornehmen und damit . die. null seit Dezembex/ändanernde Personalkrise zum Wchlnh briyyemUlMiH tritt in dem Zustand Oesterreichs/keine' durch die politischen Parteien . und ihre Prvgrannne bedingteAettderung ein. Die Schobersmen Richtlinien für die Peziehungen zum Ausland können nicht perschoben werden und der Fortgang der Kredit- . aktiön hangt kaun t davon ab, ob das Finanzministerium den Großdeutschenoder - den Christlichsozialen zufällt. Die Hauptfrage/ die.nach der Qualifikation der neuen Regierungsntäuner, kann nicht nach solchen Gesichtspunkten OMntz^ßtM/iverden und die 'einzelnen Stadien opr Megierüngskrise:häben gezeigt/ daß sich die Stimm- - fHv^,W.E..poMMN.Chors. von. solchen Erwägungen äilgfrlich.ferngehalten haben. Es ist dex'. Fluch des neuen. Oesterreich,- dgß' es die persönliche Färbung der Htagtsprobleme. aus der. Monarchiemit .übernommen, hat.- - 'Die, Personen, die sich um das . öffentliche-. Pertrauen bewerben/ werden heute wie damals., nicht auf ihre fachliche Eignung, auf die. Beherrschung bet ihnen zil^ubextrngeuden^Materie geprüft, fondepn darauf, ob M 'einemKlüngelunverantwortlicher . Vereinsvorfitzejcher m Gesichte stehen. v '; ~ : " ’ V - "Äe Kreises die - die sem Getriebe der Ministermacherei fepnMben, haben in der Zeit dieser/ Krise, noch mehr aber.'irt ben letzten Wochen, ihre Memüngen über den Stand der Dinge bündig gesagt. Das Äsislattd und die, breiten Schichten der den Staat und feine Lasten tragenden Bevölkerung haben, kein . anderes Mittels ihr Vertrauen zu dokumentieren, mls M Her-: tüng dä^ Geldes'als' des äußeren AüsdruM M inNWe , Leistung:-Diese- Meinung ist öffenbar därgelegtMorden: ' in Zürich sind in Wien. Die österreichische Krone..Mt. in Zürich in einern für alle' Mäthemätikex intereEsänten Krone. den Weg' W-RMifizierunp^chöschvittensi^Der Dollar ist über ftl-.OOO, das englische ' Pfund . über 50.000, die tschechische Krone über' 200gestiegen.' Das besagt, - daß - das Publikum^ vor - allem aber - die i Kaufmannschaft, niemandem mehr, glaubt. Das besagt weiter, daß Zucker, Kohle,. Textilien, Halb- und Ganzfabrikate, Rohstoffe ein. ununterbrochenes - Ansteigen der Quecksilbersäule zeigen und daß die Teuerungslinie für lange hinaus nicht zum Stillstand kommt: Das besagt ferner, daß die Programme, mögen sie auch noch so tiefgründig -von der Gemeinsamkeit d'er Interessen sprechen, mur mehr als leeres Stroh gelten, um das sich niemand mehr-kümmert. Diese Entwicklung - war vorauszusehen,ist aber nichtsdeftoweniger /bedauerlich. Die Bevölkerung hat die Parteien gewähren lassen und sie selbst in. ihrem, Machtwahn bestärkt. Auch diese Erscheiung datiert aus der Monarchie her, die die politische Erziehung so weit mit - vollster- Absicht vernachlässigt hat, - daß sogar der Kriegsausbruch von der Bevölkerung lediglich als. Privatsache der den- Hofumlagernden Militär-- und Zivilbureaukratie betrachtet wurde, bei der das Volk nur als Statist in Frage kommt. Die Republik hat wenig oder nichts getan, um diese Denkweise zu bekämpfen und fo ist die Politik, die Relation zwischen hem einzelnen und der Gesamtheit, zu einer Angelegenheit'der weisen Parteihäupter geworden, die man schalten und walten läßt. Es ist kein Wunder,, daß. sich die politische. Apathie ans das wirtschaftliche Gebiet ausdehnt und daß jede Initiative zur Selbsthilfe in einer kraftlosen Raunzerei erstickt. Das ist, nun das Milieu, in . dem die Kandidaten der Parteien auf den Plan treten und mit den Staatsproblemen ein lustiges.Fußballspiel aüfführen, bei dem die Schiedsrichterrolle den unsichtbaren Geheimzirkeln der > linken und rechten Katastrophenpolitiker zufqllt. Die Rechnung bezahlt das erwerbende^ arbeitende Volk, das sich-wahrlich an Geduld nicht mehr übertreffen läßt. Die Regierungskrise wird vielleicht Heute gelöst,. die Staatskrise .dauert' fort - und die Bolschewisierung der Gehirpe schlägt einrasches Tempo -ein. Die Entente schickt eine Kommission nach Wien. Das Kabinett der starken :twaaa P ä r i s, M Mai. (Haväs;) Die Antlvort /der. deütschen Regierung an den ) Wedergutmächustgsaus- :t schütz setzt sich aus einenr Brief/pNd hiÜeN t^chnsiHen' Anhang zusammen. Das erste SchrifMick^^ hetrifft eineU/ Plan der Einnahmen und Ausgaben.. Für die E i ttn a h m e n sieht der Plan eine Verringerung der im Haushaltsplan vorgesehenen Zählen, die auf den neuen Steueransützen begründet sind, vor. Bezüglich der Ausgaben bemerkt die Antwort,; daß die öffentlichen Körperschaften geivährten Utiterstützchzgen eingestellt werden. Die Ausgaben sirr Verbilligung der Lebensmittel- / preise belaufen^^ sich int^Jahre/1ll22 auf 950 Millionen/ gegenüber 17>2 Milliarden im Jahre 1921. AusgabenJ a.nderer--E-stnP -im'^nshuWMe-geMchen worden" und durch diese Mittel die Gesamtzahl für! die Ausgaben: des Jahres 1922 um 24,si M i l l i a r d e n gegenüber/ dem Jähre 1921 v e r m i'yM vt, w! p r d e «. Die Ersparnisse in der-.- allgemeines ^DeMaststkg und bei den öffentlichen Dienststelsen beianfen sich im ganzen auf eine Minimalsumme von 3 Milliärden) die im. außer- / ordentlichen Haushalte vorgesehen wären. Es sinb-wei tere Maßnahmen getroffen kEorden, um noch Ersparnisse in der Verwaltung zu erzielen. Wäs die s ch w e b endI S ch u l d / anbelangt, hat die Neichscegierung beschlossen, wirksame Anstrengungen zu machen, um. jedes weitere A n-?W achfierr der'schwebenden Schuld zu v er h in d e r nC: Deutschland müß jedoch eine vernünftige Unterstützung durch eiye/ä u ß.e r e Ä n l e i h e/iWsDtt.. In der Voraussitznng einer solchen HisieleisnW verpflichtet sich : die R^ichsregiMmg, die Frage Wsolgender Weise; zu lösen: 11 Die Wwebendv Schuld, We sie' am A; März. ...«LLM' -Maximum betrachtet.^ -Weim am 30. Jüni"1921yder am letzten Tage eiUes - diesem/Monat.folgenden Mö^ , siats die schwebeüde Schuld,Mse MgximalzÄhl über^. steigt, werden Maßnahmen getroffen, um die D.Wrenz' im Laufe der nächsten - drei Monate^ zu regulieren. Diese Regulierung soll entweder mittelst der verfügbaren AMrschüsse aus den Einnahmen dieser drei Mo- 5 nate oder Mit Hilfe von Krediten, in einer Form erfolgen, durch die der Notenumlauf nicht vermehrt wird.! Wen trotzdem im Lause dieser drei Wonate die schwebende Schuld nicht.^^üf.pas/yoWale.MaxjMch gebrächt worden ist, Imödlffeu/' um eine Ausdehnun g des Stenershstems im / Wege : der gesetzgebenden Körperschaften, zu erlangen; Durch, die aus diese Weise erhaltenen Summen sott das D.esizit gedeckt sind ein weiteres Defizit.verhindert werden.--: - -"/'Die deutsche Negierung erkläit fetner, Läß stle mit den vom WiedergütmachungsänBschuß vörgösehestm' ' -Q Kontrollmaßnahmen ' , Q'- im P r in zip ein verst an den sei, jedoch/ einige / Vorbehalte Mächen müsse. Bezüglich der K apita l sverschiebüügen wird in der Antwort erklarh däß - es nicht möglich gewesen fei, bie Beratungen zü eivem befriedigenden Abschluß zu führen. Was'die RMrh^ des Kapitals und die Verhinderung weiterer Verschie- ' jungen anlänge, sei die Reichsrtzgierüngmit hem .MäÄgüttüachttngsaMsHuß ' in .ber/--Aeb'erzeuWng - - vinig/^dast äyes getane weMn/^prüsse, um die Rückkehr -' des' KäpAaU zu - erzwingen. WW. Reich werde noch vor -däut- 30.. Juni ew^ Programm öieser Mäßnahmen 'porlegen. ^^Ochliesilsih betont die Aütwört die UnMaW^^^ ' M^WMelchsvM-Wenübep'/der' Regremng/'die' wtzch . *vtz5vöülM.Mai 1922 gesicheDwärdeg.sei^ ' - -ich- Frqnk '.sgrotzdeutsW-' -JustWinister:.'Dr. Leopold Wabe r (grotzdeutsch), Handelsnimister: Emil K r afit (großdeutsch), Finanzen: LanMrät August Segnr (christlichsozial), Soziale Verwaltung: Richard S ch m i tz .(christlichsozial). Unterricht und Kultus: Dr. Emil S ch n e i d e r. (christlichsozial), Heerwesen: Karl V a ugoin'(christlichsozial), Verkehr: Dr; Franz Odehnal .(christlichsozial), Aeutzeres: Dr.. Alfred Grünberger (Beamter). / ' Das neue Kabinett würde sohin aus sieben Christlichsozialen, drei Grotzdeutschen und einem Beamten bestehen. Mit Ausnahme des Landesrates Segur sind sämtliche christlichfoziälen und großdeutschen Ministerkandidaten Mitglieder des Nationalrates. Landesrat Segur, früher Graf Segur, war seinerzeit Bezirkshauptmann in Mödling und. ist jetzt Finanzreferent von Niederösterreich. Dr. S ch n e i d e r ist Mittelschulprofessor in. Vorärlbbrg. Die Kandidaturen der Nätionalräte Dr. W a b e r, K r a st und B a u g ö i n sind nicht als absolut feststehend zu betrachten, da der christlichsoziale Klub sich noch nicht für die oben angeführte Liste entschieden hat. Die Koülitionsparteien Höffen sidoch, noch im Laufe des heutigen Vormittags die endgültige Kabinettsliste vereinbaren zu können. 1 ' . -Die endgültige Zusäwmensetzung des neuen Kabinetts verursacht ben Christlichsäzialen und Großdeütschen noch immer viel KopherPrechen. Von Lrötzheutscher Seite würde / in den gestrigen ÄbendstÜn-en folgende^ Minifterliste kolpörticrt:' v. :-v.- - m" ■ . . Bündeskanzler: Dr.- Ignaz - S e i p e l-. (christttchsoziah/ Vizekanzler Md Minister des Innerst: Dr. Felix Jüdische Wiederaufbauarbeit ln Rumüuien. -; Früher als in allen anderen Kriegsländern hat das American Joint Distribution Committee, seine.Wiederaufbauarbeit in den neurnmänischen Gebieten Bukowina, und Beßar'abien begonnen. Rumänien hat im Gegensatz zu Polen viel früher den Krieg abschließen können und diesen Umstand hat das Joint-Komitee wahrgenommen, um mtt ider Arbeit gleich zu beginnen. Deshalb ist auch .dieses Komitee in der Lage, in einem.kurzm Berichte, dem wir die folgenden Einzelheiten, entnehmen, einen Ueherblick über bas bisher Geleistete zu geben'und daraus Schlüsse für die.Aussichten der in anderen Ländern erst beginnenden Hiederaufbautätigkeit zu ziehen. Die Arbeit mußte in Alt- und Neurumänien gewissermaßen nach den einzelnen Ge- > genden je nach der Dringlichkeit-, und ver Größe der Not > individuell' behandelt werden. Während - sich in B e ßaräbien als-däs wichtigste erwies, die dort bexeits Vorgefundenen jüdischen Kooperativgenoss.ens ch a f t e nzu 'retten und ihnen-die- Mittel für-den weiteren Bestand und ihre Entwicklung zu bieten, mußte, man - in der B n k ö w i n a, welche unter dem Kriege besonbers ' vtzi 'gelittW -Kattz,. -VU allem M hM Msbau W zerstörten. /Hä ms er. schreiten. Diesest^ZMAe diente.die vom „Joint" ' gegründete/ 'Bukvwinaer . W'ieheraufbäü.gvsells ch a f t. Entsprechen!) den Prinzipien des „Joint" hat diese Gesellschaft sieh die Aufgabe .gestellt, K r e d i tv unW günstigen. Bedingungen allen jenen zu gewähren, welche der Mittel zur Adaptierung oder zum Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser bedurften. Für .diesen Zweck erhielt yie.Wiederaüfbaugesellschaft in. Czernowitz vom „Joint" ein Kapital von 100.000 D o l l a r, und mit' den Krediten, die bisher gewährt wurden, sind bereits. .512 H ä u s e r von - Juden wieder entständen. Diese Häuser verteilensich auf die ganze Bukowina und sind zum Teil Häuser,, die nur Wohnstätten dienen, aber auch, viele solche, in denen nicht - nur'die Wohnung des'Besitzers, sondern auch das Ge-, schäftslökal, die Werkstätte oder eine kleine' Fabrik nntergebracht sind. Die Kredite wurden gegen eine vierprozen- - tige Verzinsung, und. kleine Abschlagszahlungenzu günstigen Zahlungsterminen gegeben. Der.Bericht hebt mit Genugtuung hervor, .daß die'Rückza-hlüngen sehr P u n k t I r ch. erfolgen und daß die Hälfte des Ursprünglich verliehenen Geldes wieder zur Kreditgewährung an . andere verwendet werden, kann. Die. zufriedenstellenden Ergebnisse dieser Aktion haben zu d.em Vorschläge des Komitees in der Plenärsitzung geführt, die Wiederaüfbäügesellschaft in der Bukowina weiter» auszugestalten-und die bisherige Subvention durch Vergrößerung des Grundkapitals zu erhöhen. - ■ Die jüdischen Kooperativgenossenschaften -in B e ßarabien existieren bereits seit dem Jahre 1900. Durch den Krieg wurde die Existenzznöglichkeit dieser gegenseitigen Hilfsgenossenschaften stark gefährdet und viele von ihnen müßten ihre Tätigkeit einstellen. Auch hier hat das Joint-^ Komitee durch einen Betrag von 100.000 Dollar, welcher-' nach damaligem Kurs über 8 Millionen Lei betrug, den Genossenschaften neue Lebensmöglichkeiten zugefühvt. ' Wie belebend diese Aktion ans die fast dem Untergange ge- . weihten Kooperativen gewirkt hat, geht aus, der Mitteilungdes Berichtes hervor,' daß-in den ersten' neun Monaten des abgelaüfenen Berichtsjahres durch die Genossenschaften' 5536 D a r l e h e n s g e suchen entsprochen: wurde. Diese Darlehen wurden durchwegs an f ä m-i hi e »reiche Jude n gegeben, die durch das Darlehen in die Lage versetzt wurden, einen Erwerb en gründen oder das von ihnen! betriebene Gewerbe auf' breiterer Grundlage - auszuübeu. Die in Beßarabien tätigen- 24 jüdischen Kreditgenossenschaften uckfassen 23.000 Mitglieder. Zieht man in Petracht, daß-es sich hier um lauter Familienväter handelt und daß die Zahl der Inden in Beßarabien 35Ö.0Q0 Seelen -beträgt, so: findet man, was; die .24 Kresisigenossenschaften .ihre DelWWWükM .

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