Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1194 (28.5.1922)
- Date
- 1922-05-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Hetzt s .Ste Soüntag. listen sich Indiskretionen zuschulden komnien lassen, wandte. Ist daS etwa eine Jrdiskretion — ftug der Redner — daß. in Budapest ohne Wissen der Polizei ans dem zu ihrem Wirkungskreise gehörenden Gebiete v i e r M e n s ch e n g efangen gehalten werden und die Angehörigen derselben nicht einmal wissen, wo diese vier Menschen sich in. Hast befinden und wenn sie sich.an die Oberstadthauptmannschaft wenden, diese nicht in der Lage ist, Aufklärungen zu geben, weil auch sie k e i n e r l e i K e n n tn i s von dem Schicksal dieser vier Menschen hat? Ist es etwa eine Indiskretion,'wenn es in die Oefftntlichkeit dringt, daß die Recherchen in diesen! Falle von einem Vereine g'eWgen würden, welcher kein Recherchierungsrecht hat, daß ferner Nachforschungen auf Grund von Anzeigen desselben Vereines angeordnet werden und daß dieser Verein an den polizeilichen Nachforschungen bis zum Schluß teilnimmt? Die vom Vorstände des Journalistenverbandes tzorgelegte Protestresolution wurde einstimmig angenommen. ' . Jugoslawien. . Vertagung der Skupschtina. Belgrad, 27. Mai. Die Skupschtina kvmde nach ziemlich erregter Debatte, in.der die Opposition demonstrativ den Saal verlietz, bis 6. Juni vertagt. Ans der Tagesordnung der nächsten Sitzung steht die Verhandlung der Gesetzesvorlage über die Ministexverantwortlichkeit, nach deren Erledigung die Budgetdebatte eröffnet werden dürfte. Zu einer Erörterung der Vorgänge auf der Kenueser Konferenz dürfte es im Parlamente frühe- %*§ nach den tz-chzeiLsfeierlichkeiten kommen. Mvere Lei Pafie. Belgrad, 27. Mai. Außenminister. Dr. Nin cic begab sich heute nach Jlice, um dem Ministerpräsidenten Pasic über den Verlauf, der Konferenz von Genua, sowie über die Sonderverhandlungen mit Italien, beztv. über die Permittlungsaktion Lloyd Georges Bericht zu erstatten, und um die Entscheidung Pasic' über die in der Frage der Durchführung des Rapallo- Vertrages weiter einzunehmende Haltung einzuholen. Nach seiner Rückkehr wird Nincic den Ausschuß des Radikalen Parteiklubs über die Ergebnisse seines Genueser Aufenthaltes informieren.;; ■ ■■ '■ . V l ... .V V- MÄer ' keine bestimmte Antwort geben. Er stellte es in Abrede, : daß Juden DistriktsgouverneuE gewesen seien oder i noch heute sind. Einer der Wweserchen richtete an ihn die Frage, wie er 'es mit dem Selbstbe st i m m u n g s r e ch 1 Vereinbarlich finde, daß die Eintyanderung der Juden in solchem Maße ausgedehnt werde, paß sie schließlich, die Mehrheit bilden und auf solche Meise dieeingeborene Bevöfterung depossedieren würdew 'Samuel, antwortete hierauf, Wenn das Argument des Selbstbestimmungsrechtes. ins Extrem durchgefuhrt worden wäre, so wäre z. B. die Kolonisation Amerikas und Australiens. nicht zustande gekommen. Samuel fügte hinzu, daß die jüdische Siedlung schon wegen.der Vergrößerung >des Reichtums..und der : wirtschaftlichen Hilfsquellen des Landes; schließlich auch für'die arabische Gemeinschaft nicht von Nachteil wäre.. Zu bemerken ist noch, daß sich unter' den Anwesenden i einige ausgesprochene Gegner des Zionismus befänden. Fordernngen des syrisch-palästinensischen Kongreffes. Kairo, 25. Mar. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die Exekutive des syrisch-palästinensischen Kongresses in Aegy pten hat einen Aufruf veröffentlicht, in dem unter anderem die Selbstverwaltung für Palästina, der Zusammenschluß Palästinas mit Syrien, dev Abzug der englisch en Besatzung in Palästina wie auch der,der französischen in Syrien verlangt'wird. Die Einwanderungsbeschränkvnge«. Jerusalem, 25. Mai (I. E. B.) Beim.letzten'Euipfange des Waad Leumi beim Stellvertreter des High CommiffionerS Sir Deeds, beklagte sich der Waad Leumi<u. a, auch.darüber, daß . das Jmmigrationsdepartement den Zeugnissen der jüdischen Gemeinde von.Jerusalem, fein Pertraue» ^entgegenbringe und beantragte die Einsetzung einer K o m m i s s i o n in Jaffa, bestchend aus Pertretern per Regieptzng Und dev Gemeinde Jaffa,, zwecks Prüfung der Gesuche von Palästinensern um Einreisebewilligung , für ihre Angehörigen, Sir Deeds' hob inzwischen die' EinwanderungZbeschränküngen für Angehörige von Palästinensern auf und Versprach für die nächsten Tage die Einberufung einer Beratung, an der er selbst, die Chefs der Departements für Einwanderung, Arbeit und .Handel, sowie die Vertreter des Waad Leumi teilnehmen ' werden.' Palüftr«». Das jüdisch-nationale Krim. W« Vortrag Sir Herbert Samuels \n London. Am 23. Mar hielt Sir Herbert S am u el, der Gouverneur vbn Palästina, im englischeuUnterhauft Vor einer Versammlung von Mitgliedern be \ b e r ' H a u s e r d as b rttts ch em Parlüment S einen Bortrag über die gegenwärtige Läge in Palästina. Der Parlamentsberichterstatter des „Daily T el e gr a p h" schreibt hierzu: Mehr als fürHUHWtzlichtt'veWr 'Hauftr.-Hatten''sich'ftn Unter- Hause eingefunden. Die Versammlung, in welcher Lord Robert Cecil den Vorsitz führte, war wohl privater Natur, doch hÄ siä an Mdeutung 'dadurch gewonnen, daß der/l^uverrME'W -einen Vortrag von großem JD^WeHM. Er erstattete im ganzen einen auf-. uumterMn Bericht über; seine bisherige Arbeit und erwarte, daß die j ü dis ch e n Einw anderer vo llkommen entsprechen. Der politische Korrespondent der anti semitischen „Morning Post" gibt folgenden Bericht über den Verlauf der Versammlung. Lord Robert Cecil firhrte den Vorsitz in einer von Lord Eustace Pe rcy einberufenen Versammlung von Mitgliedern aller Parteien Zu dem Zwecke, ein Referat Sir Herbert Samuels über seine Tätigkeit in, Palästina anzuhören. Es waren auch einige Peers, u. a. der Herzog von North-Cumb e r l a n d und Lord Lamington, anwesend. Die Versammlung: war der Presse nicht zugänglich, doch, geht, aus Gesprächen rmt-Teilnehrner an der Versammlung hervor, daß. der Gouverneur des Mandatsgebietes auf die große Mehrheit seiner Zuhörerschäft einen guten Eindruck machte und daß ihm zum Schluffe über Antrag Asquick h % der herzliche Dank votiert wurde. Sir Herbert Samuel ist ein vollkommener Redner, pointiert die wichtigsten Stellen und arbeitet seine Argumente genau und geschickt heraus. Wiederholt betonte er in feiner Rede, daß es sinn Ziel'gewesen fei, eine faire, britische Verwaltung sicherzustellen. Er führte aus, daß die Juden gute Fortschritte machen, die Einwanderer den Erwartungen entsprächen und daß Palästina auf dem'Wege ist, ein „nationales, Heim" für die Juden, jedoch nicht jene Art, eines nationalen Heims zu werden, welches.die extremen Zionisten erhoffen. Die Juden muffen an Zahl zunehmen und schließlich die Majorität im Lande werden. Er habe mit ihnen und mit den Arabern Verhandlungen gepflogen und hoffe, ein gegenseitiges Verständnis herbeizuführen. Er habe die Tätigkeit der „VollMttgen Zionisten" auf der einen Seite wie die von den Gegnern der oritischen Regierung geführte politische Agitation auf der'anderen Seite aufs schärfste mißbilligt. Nach Schluß seiner Rede stellten die Anwesenden eine ganze Reihe von Fragen an Sft Herbert Samuel..Dieser bestätigte, daß Herrn Rüttenberg eine auf ganz Palästina sich erstreckende Konzession für elektrische" Anlage gegeben wurde, und verteidigte Las Monopol' daniit. daß es ohn e e i n s o l ch e s Monopol unmöglich wäre, das erforderliche Kapital aufzubrinaen und das Elektrizitätswerk in zuftiedettstellender Weift auszuführen. Auf die Frage, ob . das Wezu notwendige Material und die Maschinen in. Der Joint uud das BeVässeruftgyrojekt ÄutLenÄergs. New-ßork, 25. Mai. (I. C. B.) Die letzte Sitzung des »Joint Disiribüfion EymmiMhefaßte sich Mit dem Plane;des Ing. Ruckt enb erg über dem Ausbau der palästi- Betrage von 5Q.0QQ, Pfitjtxd 0terlin g an der. vom. Ing. Ruttenberg gegründeten Gesellschaft "zu beteiligen,^ gungen abhängig gemacht: das' gezeichnete Kapital nMe mindestens 750.000 Pfund Sterling betragen, Mindestens die Hälf.te. dieses Betrages 'müsse außer'halb der V e r e i n i g t e n S. t achten gezeichnet werden; wovon ein .beträchüicher Teil,,-*r abgesehen, pH dem vom Jewish Colomal .Trnst. in Aussicht , gestellten Betrage — vom LondvPw MrtschaftSrat für Palästina übernommen werden soll, ferner müflen detaillierte Berichte über die Möglichkeit der Durchführung dieses Planes dem „Jointt^ unterbreitet werden. Die vom „Joint" zu zeichnenden 50,000 Pfund sollen als der einzige Betrag betrachtet werden, mit welchem der „Joint" sich an diesem Unternehmen beteiligen will. Jüdischer Arbeiterkongreß. Der Rat der jüdischen Arbeiter in Palästtna hat beschlossen, den zweiten Mischen Arbeiterkongreß in Palästina furchen 15. Juni nach Tel-Äwiw emzuberufen. (F. E. B.) Vatikan und Zionismus. Im Zusammenhangs mit ■ der Ankunft des Patriarchen von Jerusalem Monsignore Barlassina in London schreibt der „D a i l h Telegraph": Obgleich in hiesigen offiziellen Kreisen über den wahren Charakter dieser Mission nichts be-. kannt ist, wird in Nom behauptet, daß Monsignore Barlassina mit dem Zwecke nach London reise, um mit der brttichen Regierung über die Bestimmungen des Palästina-Mandats Verhandlungen zu pflegen. Monsignore Parlassina hat seine Reise von Jerusalem nach Rom in Gesellschaft des britischen Gouverneurs von Jerusalem, Ronald Storrs ' znrückgelegt. Das hat den Patriarchen nicht gehindert, sehr scharfe Kritik an der britischen Verwaltung zu üben, was hier beträchtliche Mißstimmung hervorgerufen hat. Monsignore Barlassint ist ein ontchiedener Gegner des Zionismus, mit dem viele - angesehene englische Katholiken, wie z. B. der verstorbene Sir Mark Shkes offen sympathisieren. Was den Vatikan selbst betrifft, so beziehen sich seine Emwendnngen gegen die Bestimmungen des Mandatsentwurses hauptsächlich daraus, daß in der kirchlichen KommWon, welche berufen sein, soll» die religiösen Probleme zu untersuchen . und die Bewachungde.r heiligen Stätten zu kontrollieren, sämtliche christlichen Kirchen durch eine gemeinsame Repräsentanz vertreten sind und nicht jeder Kirche eine eigene und gesonderte Vertretung zugestanden wurde. Die Mahle« ins mesopotamische v Parlament. London, 36. Mai. (I.' C. B.) Das soeben pMtzftpte Wahlgesetz für den Irak sieht die MM von 100 Mit- MMMU?MUDWMMMWNMMWWWWWUWWkM . ■■ .. I ‘ •v‘A'. )(■ ' . . 2«. Mai 1922 Nr. 1194 glie dern, darunter 5 Juden und 5'Christen, für -dic gesetzgebende Körperschaft' vor.. Die' Wahlordnung stößt aus überaus starke Kritik settens-der Einwohner.. Beratung der Militäks M Paris. Par i S, 27. Mai. (HavaS.) Der OBnfi« Rat füt Ländesverteidigung ist gestern im Elhfte «hier dem Vorsitz Millerands zusämmengetreten, . , OMvsWott gegtzn Psineare. Paris, 26. Mai. In dev gesttigen Kannnersitzüng unterzog der radikale Deputierte AHbedt Favre die PöMk Poincares einer scharfen Kritik. Deputierter Aubriot sprach im gleichen Sinne. Poincäre erwiderte, es genüge nicht, an den guten Willen Dentschländs zu appellieren, man müsse zeigen, daß wir, wenn ies diesen guten Willen nicht zeigt, dck e M kt 1 el haben,- seine Betätigung/ zu fordern. . v . Poineares Reise «ach London. Paris, 27. Mai. (Wolfs:) Einer Mitteilung, des Ministeriums des Aeußern zufolge wird sich Ministerpräsident P o i n c a r e am 17. oder 18. Juni in Begleitung des Marschalls P e t a i n nach London begeben, um dem. G edenktage für Verdun, den einige Vereinigungen veranstalten, beizuwohnen. Kein Einmarsch in Deutschland. Fristerstreckung bis Mitte Juni. - Paris» 27. Mai. „Echo de Paris" und »Hournal* stellen fest, daß entsprechend der Praxis der Reparationskomwiffion, im Notfälle eine Frist von 14 Tagen zu gewähren, nicht unmittelbar nach dem 31. Mai ein'Verzug auf Deutschlands Seite sestgestellt werden'könnte, sondern erst nach dem 19. Juni. Das internationale Anleihekomitee. Paris, 27. Mai. (Tel.-Comp.) Das internationale Anl lechekomitee vertagte seine Sitzungen bis zum nächsten Mttwoch den 31. Mai. - In der offiziellen Begründung dieser Verschiebung wird gesagt, das Komitee sehe sich genötigt, zum Zwecke p e r s ö n l i ch e r S tu d i e n U n d der Einholung technischer Informationen .«sowie um mit einzelnen Finanzkreisen in Verbindung zu! treten, eine kurze Pause m der- Abhaltung der Sitzungen "chttreftn zMckaffeM' ifr < Dte neutrale Zone zwischen Polen LttaneG Warschau, 27. Mai. (Tel-Comp.) Im Sinne. de3 Beschlusses des Völkerbundrates betreffend die neutrale Zone zwischen Polen und Litauen trifft am 16. Juni i eme Spezialkommission des Völkerbundes in- Warschau I ein. Nach Beendigung der Beratungen mit der polni-r. - schen Regierung begibt sich die Kommission nach Kowüv, Landnng eagNscher Trnppeu in China. Raris^ 27. Mai. '(Funkspruch.) Aus Trent s i u wird gemeldet, daß der britische Kreuzer „Curlew" bei Tschingwantao und Peitaiko Truppen gelandet hat, ünr das Leben uyd den Besitz der dort ansässigen britischen Untertanen vor allfälligen Uebergriffen der Truppen des Generals Tschüng-Tso-Lin zu schützen, Kx . Der Prozeß gegen 'die Gegner der Sowjets. ~ Moskau, 27. Mai. (Funksprüch.) V a n d e r v' e,l d« und Liebknecht fiitb in Moskau eingetroffen. Per ihrer Ankunft wurden aus der zahlreich erschienenen Mnge feindliche Rufe laut. Ende des Generalstreiks ln Rom> Paris, 27. Mai. (Funkspruch.) Der Generalstreik in Rom ist beendet. ' * - .••••••- * Die Sowjetbehörde« und das jüdische Hilfswerk. Riga, 88. Mai. (I. C. B.) Zufolge hier aus Moskau eingetrosfenm Berichten sind die von der jüdische n Welthtlfskonferenz an daS französische Rote^ Kreuz in Moskau gerichteten Mazzoth- und Geldspenden für die jüdischen Küchen Kiew, Zitomir und Berdttschew infolge von Transportschwierigkeiten erst jetzt angekommen. Diese Hilfsmittel wurden von den Sowjetbehörden mit Genehmigung Dr. F. NanseüS (?) für die allgemeinen Küchen in Cherson verwendet. Die Sowjetbehör-- , den erklärten offiziell, daß die besondere Verteilung von Lebensmitteln uüter die jüdische Bevölkerung, sogar wenn es sich um rt tu e ll e Kost handelt, u n z u las s i g sei. Die jüdischen Märtyrer in der Ukraine. 27. Mai. MComP.) Sinei Mchkauer Meldung zufolge'sind w'äbreud des letzten Bürgerkrieges in der ^Ukraine 260.00.0. Juden den Pogromen züm ' ^ObieraeMen./ "' ' - - /