Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1194 (28.5.1922)
- Date
- 1922-05-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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' '' ' \ •. ' ’ ' Nr. 1194 Men, Sonntag •i '—“•"•*•■<-- .. —.-—"‘"- •* " ■■■■■■——:■■ ' r—..- ->> abermalige Wahl., der Regierung Schober gegen unsere Stimmen erleichterte nicht die parlamentarischen Verhältnisses ' Der Bericht erörtert sodann die Finanzpolitik Doktor Gürtlers, der mit seiner 120-Milliarden-Anforderung seinen und, den Sturz Dr. Schobers herbeigeführt habe. Mit der Demission der Mesamtregierüng sei für die Großdeutsche Volkspartei die Frage aufgetaucht, ob sie sich an der Neubildung der Legierung beteiligen solle oder nicht. Weil es unser Grundsatz ist, stets die Volksinter.essen über" die ParteiirUressen zu stellen, sind wir bereit, an der Regierungsbildung mitzuwirken: Das Nächstliegende wäre es, wenn sich alle Parteien des Parlaments auf ein durchführbares RettungsProgramm einigen würden. Dies scheint nicht möglich, im die Sozialdemokraten, ihrem Programm gemäß, ihr Ziel in der.Aufrichtung der sozia- , listischeü Republik sehen, die schließlich in ihrem Endergebnis nichts anderes ist, als S o w j e t h e r r s ch a f t nach russischem Muster mit vielleicht etwas geänderter Taktik. Daher bleibt nur ein Zusammengehen mit.der C h r i st l i ch s o z i a l e »Partei übrig. Es muß der Partei die Möglichkeit gegeben sein, die allgemeine . Politik zu beeinsl ussen. Auch für die einzelnen Fragen der nächsten Zeit auf allen Wirtschafts- und'staatspolitischen Gebieten fasten und müssen wenigstens die großen Linien in Vereinbarungen abgesteckt werden. ... Vor allem liegt uns die Außenpolitik am Herzen; hier ist es unser unbedingtes Verlangen, daß die Po- - litik der Regierung nicht den A n s ch l n ß g e d a n k e n aus dem Auge verliere; Die Teilnahme an der Regierung gibt uns die Möglichkeit,' die R e g i e r u n g s p o l i t i k auf der Linie des'Ans chlnsse s festzuhalten und zu verhindern, daß der wirtschaftliche und politische Zersctzungsprozeß dieses Staates den Zusammenschluß mit dem Bruderreich möglicherweise 'auf Jahrzehnte hinaus verzögert. . .■ Ein österreLchisch-ungarLscher Konflikt wegen Versicherungsgesellschaften. Budapest, 27. Mai. (Tel.-Comp.) Die ungarische Regierung hat, da angeblich von österreichischer! Seite den ungarischen Versicherungsgesellschaften int Burgenland Schwierigkeiten bereitet wurden, als Repressalie die gleiche Behandlung der ungarischen Filiale der österreichischen' Versicherungsgesellschast „Phönix" in Aussicht gestellt. Um in Zukunft, derartige Unstimmigkeiten zu vermeiden; wird zwischen der österreichischen und der ungarischen Regierung ein Vertrag abgeschlossen werden^ durch den oie Frage der Behandlung der Versicherungsgesellschaftett geregelt werden soll. Beamtenabbau. " Amtlich wird mitgeteilt: Im. Ministerrate ist gestern über die Fertigstellung des im Besoldungsgesetz vom Juli 1921 vorgesehenen Stellenplanes der Bundeszentralstellen durchdie mit der Durchführung des Besoldungsgesetzes betraute Minifterialkommission berichtet worden.'Aus diesem Berichte ergibt ^sich, daß der Stellenplan, der nach dem Wortlaut des Besoldungsgesetzes die Anzahl der Dienstposten verzeichnen soll, die dem dauernden Bedarf der einzelnen Aemter des Bundes entsprechen, ein überaus wirksames Mittel zur Durchführung des A e m ter- und Personalabbaues darstellt. Dies erhellt aus folgenden Ziffern: Die Gesamtzahl der Sektionen in sämtlichen Bundesministerien und dem Rechnungshof betrug 87. Von diesen wurden '20 als überzählig erkannt, so daß die Zahl der Sektionen -sofort ans 67 vermindert wird. Zeit aus dem Aussande herbekommen. Vor etwa zwei Jahren machte der Müsikprosessor aus Rußland, Jehuda Har- Melach (Salzberg) den, gelungenen Versuch, in Erez Israel Vokalkonzerte zu geben. Er verblieb als Musiklehrcr im Lande und hat sich die Aufgabe gestellt, europäische Musik der hebräischen Bühne anzupassen. Alsbald kam sein Kollege Prof. Friedmann, der auch bald allgemeine Beliebtheit errang.. -Im letzten Winter gaben die beiden genannten Künstler' gemeinsame Konzerte in den' vier größeren Städten Erez Israels (Jerusalem, Jaffa, Tel- Awiw und Haisa), die überaus gelangen. Prof. Har-Melach und Prof. Friedmann-Lewow gingen weiter und legten die Grundlage zu einer hebräischen Oper, indem sie wiederholt Opern,russischer und sonstiger Meister in Jerusalem im Saale des Ziontheaters hebräisch vortrugen und so im jüdischen Publikum das Interesse für gute Musik erweckten. Zum Schlüsse möchte ich noch erwähnen, daß auch die hebräische Bühne, die hier aus begreiflichen Gründen einen schweren Stand hat, immer mehr Bedeutung gewinnt und zu einem wichtigen Kulturfaktor wird. Die jüngst gebildete dramatische Gesellschaft „T h e at r o n,d r.a m a t i" > in Tel-Awiw hat es bis nun so weit gebracht, daß'eine Reihe guter Stücke, darunter Ibsens „Gespenster"; mit gutem: Erfolge in Jerusalem, Tel-Äwiw und Haifa hebräisch aüfgeführt.wurden. Die Aussichten des Theaters scheinen Lrfölgverheißend , da die europäisch geschulte talentvolle Schauspielerin Sara B e r n st e i n- K o h.e n mit einer gutett Truppe alle Energie daransetzt, die hebräische Bühne aus die ihr gebührende Höhe zu bringen und dem jüdisches Püblikum (auch eine Anzahl hebräisch sprechender Araber und.Christen wohnen den' Vorstellungen gewönhlich bei) in.Erez Israel den Genuß der Werke europäischer und jüdischer Meister in hebräischer Sprache zu ermöglichen, ( ' , ME MWMfM > §S. Mai 1922 ■ , Seite 5) Aehnlich wurde die Zahl der Abteilungen und selbständigen, Referate in den Bundesministerien von 429 cmf 815 herabgesetzt. Außer durch diese sofort in Wirksamkeit tretende Verminderung der Zahl der leitenden Posten wurde noch die Bestimmung, getroffen, daß Posten, die dem künftigen Bedarf nicht entsprechen, im Falle ihres , Freiwerdens nicht mehr neu besetzt werden dürfen. Von der Gesamtzahl der heute in den Bundes-. Ministerien und ick Rechnungshöf besetzten 6372 Stellen werden auf diese Weise 1098 abgebaut werden. Diese Ziffern, beweisen, daß zum mindesten ein energischer Anfang zur Beseitigung der Hypertrophie unserer Bundeszentralstellen gemacht wurde. Eine Donauschiffahrtskonferenz. , Budapest, 27. Mai. (Tel.-Comp.) Demnächst soll auf tschechische Initiative eine Donauschiffahrtskonferenz oer Nationalstaaten in Preßhurg zusammentreten. Die Konferenz soll die privatrechtlichen Fragen der Binnenschiffahrt regeln. Die tschechischen Vertreter werden den Vorschlag Machen, daß.das Elbestat-ut auch für die Dönäuschissahrt eingeführt werden soll. Der Vorschlag dürfte jedoch von Ungarn mit Rücksicht aus den internationalen Charakter des Donauverkehrs abgelehnt werden. Die Verkehrskonfererrz in Lemberg, Lemberg, 26. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".), Gestern würden die Beratungen der Eisenbahnkonferenz, über die wir bereits berichteten, geschlossen. Es wurde eine Reihe von Beschlüssen, die den Transitverkehr betreffen und am 1. Juli in Kraft treten, gefaßt. Zur Regelung von Detailstagen wird eine neuerliche Konferenz für Mitte I uni nach Wien .einberufen. Tscheche - Slowakei. Ein Rotbuch des Außenministeriums. .' Prag, 27. Mai. In der gestrigen Gestrig der Nationalversammlung erklärte Dr. Benesch in Unterbrechung der Rede, des Abg. Schm er al, daß vom Ministerium des Äeußern ein R o t buch herausgegeben werde. Wie „Narodni Lisch" erfahren, sind, die Rotbücher, vier an der Zahl, bereits druckreif fertiggestellt. Ihr Inhalt bestellt aus nachstehenden Punkten: i. Entstehen der tschecho-slowakischen Republik. 2. Entstehen der kleinen Entente. 3. Restaurationsbestrebun-' gen der Habsburger und 4., Die Tätigkeit der Legionäre in Sibirien. Eröffnung der Pretzburger Produktenbörse. ' Pretzburg, 27. Mai. Heute vormittags wurde hier die Produktenbörse in Anwesenheit des Landwirtschastsnnnisters Dr. Stau e k, der Minister Dr. M i c u r a Und Dr. S r-v b a r, Vertretern des Jusüz-, Finctnz- und Handelsministeriunls und zahlreicher Korporationen feierlich eröffnet. lieferung für das polnische Monopol durch Bestechung einer ganzen Reihe von höheren Beanllen, darunter auch des gegenwärtigen Vizefinanzministers Mikuleeki, erhalten hat. Heyberg offerierte im Oktober. 1919 110.000 Kilogramm Tabak zu 13,5 Schweizer Francs.per Kilogramm, worauf sein Offert abweislich erledigt wurde. Daraufhin habe Heyberg durch Vermittlung des gewesenen Bankdirektors Marian Bilinski, der ein Honorar von einer Viertelmillion 'polnischer Mark erhalten habe, dem . Vizefinanzminister .eine halbe Million Mark a,n g e b o t e n; außer diesen Beträgen haben auch der Generaldirektor des Tabakmonopols wie auch andere höhere Beamte Schmiergelder erhalten. Daraufhin erhielt Heyberg die Lieferung, trotzdem sein Offert um zwei Francs per Kilogramm teurer war als die übrigen. Baltin habe seine Aussagen in Wien notariell durch Vermittlung des Wiener Oberlandesgerichtspräsidiums und des Wiener Außenministeriums legalisiert. Die Verlesung dieser Interpellation führte zu ungeheuren Sturmszenen. Die Abgeordneten Glombinski und Czerniews ki verlangten vom. Finanzminister die Sicherstellung der Akten der Monopoldirektion bis zur Aufklärung der Angelegenheit. ' > Vizefinanzminister Mikuleeki erklärte, daß diese,, Beschuldigungen unwahr seien, da er in diesem Zeitpunkte , Chef des Präsidialbureaus des Finanzministeriums gewesen sei und als solcher mit dem Tabakmonopol 'nichts, zu tun hatte. Während seiner Erklärung verließen die Nationaldemokraten demonstrativ den Saal. Auch die weitere Debatte über das Tabakmonopol verlief überaus stürmisch. In der Debatte wurde auch die. Frage berührt, was mitten jüdischen Arbeitern geschehen solle, die über 40 Prozent der 'Tabakärbeiter ausmachen. Eine entsprechende Erklärung der Regierung in dieser Hinsicht liegt bisher nicht vor, obgleich bereits verschiedene Redner auf diesen Umstand Mgewiefen haben. Antisemitische Hetze. Lodz, 26. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Hier. -fand im Saale des Stadtrates ein Vortrag des Redakteurs Spodanskr über die Judenfrage statt, während welchem es zu unangenehmen antisemitischen Szenen kam.. Der Referent machte die. Juden dafür verantwortlich, daß Polen der M i n d e r h e i t s v e r t r a g aufgezwungen worden sei. Trotzdem seine Ausführungen nicht besonders strdenfreundlich waren, traten gegen ihn nationaldemokratische Redner auf und erklärten ihm, daß es eine Schande für Polen sei, solche judenfreundliche Ausführungen zu. machen. Als hierauf von der anwesenden jüdischen Jugend ein Zwischenruf gemacht wurde, brach im Saale ehr, Tumult aus. und die versammelten Polen begannen die "Juden zu bedrohen. Unter Zwischenrufen wie: „Wir werden alle^ Juden ermorden, niemanden freilassen", wurden die Juden Überfällen: Als dann der Referent sich bemühte,^ Sie erhitzten Gemüter zu beruhigen, verließen die Nationaldenwkraten dssn Saal. Vor dem Eingang: zum Vorstagssaale er-, warteten die versammelten Nationaldemokraten. Spodanskr und wollten ihn lynchen. Erst nach schweren Bemü- ' Hungen gelang es> den Volkshausen auseinanderzutreiben und dem Redakteur die -Heimkehr zu ermöglichen. Polen. Skirmunt tu Warschau. Warschau,'27. Mai. (P°In. Tel.-Ag.) Der Minister des Aeußern S k i r m u n t ist gestern hier eingetroffen. Er wurde im Bahnhof vom diplomatischen Korps begrüßt. Die oftgalizische Frage. Warschau, 27. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".). Die Sozialdemokraten haben bereits ihren A u t o n. o m i eentwurf für Ostgalizien ausgearbeitet und werden diesen in den nächsten Tagen dem Parlament vorlegen. Ebenso plant die Regierung über Veranlassung des Außenministers Skirmunt, den: Lloyd George erklärt haben soll, daß "er noch vor der Haager Konferenz die Fragen der polnischen Ostgrenzen erledigt haben will, demnächst ein entsprechendes Autonoyneprojekt für.Ostgalizien dem Parlament vorzulegen. Wie in. hiesigen gut unterrichteten politischen Kreisen verlautet, beabsichtigt die Regierung, die Sejmparteien zur Annahme dieses Autonomieprojekts noch vor der Haager Konferenz zu veranlassen, um auf diese Weise eine, günstige Lösung der ostgalizischen Frage zu ernwglichen. Sozialdemokratische Kundgebungen gegen den Wahlresoxmentwurf. Warschau, 27. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) lieber Veranlassung der sozialdemokratischen Partei fanden hier große P r o t e st v e r s a m m l u n g e n und Demonstrationszüge gegen den Wahlordnungsentwurf statt. In entsprechenden Resolutionen, wurde gegen den jetzigen Wahlordnungsentwurf und die Benachteiligung der städtischen Bevölkerung schärfftens protestiert. Der Kampf um Las Tabakmouopol. , Eine Bestechungsaffäre im Sejm. Warschau, 27. Mai. (Tel. d. ,>Wr. Mortzenzeitung".) Die Mtionaldemokraten haben eine Interpellation einge- . bracht, in der dem. Verteidiger der Einführung des Tabakmonopols für ganz Polen, Vizefinanzminister M i k ul e c k i, B e st e ch l i ch k e i t vorgeworfen wird. Dieser Interpellation zufolge habe der Budapester Kaufmann Sandor B.a l k i n in Wien ausgesagt, daß dev Besitzer der schckei- , zerjscken Tabakiabrik Hevberg im Oktober 1919 eine Tabak-. Der Kampf gegen die Te« ruug. Lemberg, 25. Mai. (Tel. der „Wiener Morgen» zeitung.") Das von der Regierung eingesetzte Kommissariat zur Bekcknpstmg der Teuerung, dem auch der' jüdische Viz'ebürgermeistev von Lemberg Dr. Schleicher angc-. hört, hat eine Reihe von energischen Maßregeln, ergriffen, ' um die Teuerungswelle zmn Stillstand zu bringen. Die Bezirkshauptleute erhielten weitgehende Vollmachten zum ' Zwecke der Verhinderung der illegalen Ausfuhr vön Bedarfsartikeln erster Sorte. Aus Vergehen m dieser Hinsicht wurden im Verordnungswege sehr hohe Strafen festgesetzt, ' unter' Umständen bis zU fünfzehn Jahren schweren Kerkers und river Millionen Mark Geckstrafe; im Falle daß wichtige öffentliche Interessen in Mtleibenschast gezogen werden, kann ' lebe'^sl^ngliche Kerkerst rafe, in. besonders schweren Fällen sogar■.Todesst r a s e verhängt werden. Die Strafbemessung wird in den einzelnen Fällen den zuständigen Gerichten in kurzem' Wege überlassen. Es bleibt nunmehr abzuwarten, ob diese .radikalen Maßnahmen der Regierung von entsprechendem Erfolge begleitet sein werden. Prszetz gegen den Abgeordneten Domval. Warschau, 27. Mai. (Poln. Tel.-Ag.) Am 30. d. begint hier der Prozeß gegen den Abg. D'.o m b a l, der wegen Staatsverrates und kommunistischer Propaganda angeklagt ist. ' Ungarn. Protestaktion der Journalisten. Budlchcst, 26/ Mai. (Bericht d. „Wr, Morgenzeitung".) Der ungarländische Journalistenderband hielt eine Vollversammlung ab, in welcher gegen die neuerliche A u s s ch l.i etzung der Journalisten aus dem Gebäude der Oberst adt Haupt manns chast in energischer.Weise Pro- -test erhoben wurde. Es wurde'daraus hingewiesen, daß'die halbamtliche Korrespondenz der Polizei gleichzeittg das amtliche Organ einer politischen Partei ist, was die Journalisten um so mehr verpflichtet, direkte Berichterstattung zu pflegen. Tiefen Eindruck ckachie die Rede eines Polizeiberichterstatters, der sich gegen die Bebauptung -der Oberstadthauptmannschast, daß die Jomna-