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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-26 · Heft 1192 (26.5.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1192 (26.5.1922)
Date
1922-05-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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...r:.U\ >;j* -1?; y‘-sr 'mct FMH- A.J, ' U ' . v ■• .. ■ ,®tr V ' »> Menöt ÄsWttzettüttg 26. Mai 1922 arschAer Regierung ersucht habe, Hm unter Zusicherung, freien Geleites die Reise nach Warschau zwechs Aufnahme von Verhandlungen mit' Polen zu gestatten. Wie Ihr Korrespondent aus zuverlässiger Quelle erfährt, entsprechen diese Nachrichten nicht den Tatsachen, dagegen plant' &tc Regierung, eine Reorganisierung.dtzr gesamten Verwaltung in Ostgalizieu vorzunehnun. ' Die Lemberger Eisenbahnkonferenz. Lemberg, -28. Mai. Die hier tagende Konferenz der Delegierten der Eisenbahnverwaltungen Polens, Oesterreichs, der Ts che cho-Slowakei und Rumäniens, die zur Regelung des Trans i tverkehrS von Oesterreich und der Tschecho- Slowakei über Polen nach Rumänien einberufen wurde, hat im großen und ganzen ihre Beratungen beendet. In Lemberg verbleibt nur eitle Subkommission zur Ausarbeitung der technischen Einzelheiten. Die nächste Konferenz wird nach Wien für den 5. Juni einberufen werden. Die in der Konferenz gefaßten Beschlüsse sollen am 1. Juli ins Leben treten, insofern seitens der interessierten Staaten bis zum 20. Juni kein Protest erhoben wird. * , Palästina. Auflassung des Ägyptische« Arbeits- Korps. Infolge der Uebergabe der Militärarbeiten an die Zivilbehörden ist das von der Militärverwaltung - organisierte ägyptische Arbeitskorps - aufgelöst worden. 150 jüdische Arbeiter, die in diesem Korps gearbeitet hüben, werden damit arbeitslos. Die Arbeit im ägyptischen Korps gehört zu den schönsten Taten der CHalnzim, die, um dem jüdischen Arbeiter eine Position zu erobern, im vorigen Sommer freudig die schweren Bedingungen der militärischen Zucht ägyptischer Zivilarbeiter auf sich genommen haben. (I. C. B.) - Petachttkwah und die Mische Arbeit. In der größten jüdischen Kolonie Petachtikwah sind nach den Unruhen, des vergangenen Jahres nur jüdische Arbeiter beschäftigt worden. In der Zeit der Orangenernte fanden 850 Arbeiter Beschäftigung und die Zahl stieg zeitweise bis 800. Vor einigen Wochen, ist zwischen der Kolome Und den Nachbarn Friede geschlossen worden und infolgedessen ist wieder arabische Arbeit in die Kolonie eingedrungen. Jetzt arbeiten nur mehr 200 jüdische Arbeiter in'der Kolonie. In letzter Zeit ..fanden Verhandlungen zwischen der,Kolonie und den Mischen Arbeitern statt. Die Kolonisten erklärten sich bereit, die Zahl der Arbeiter zu erhöhen, wenn diese sich mit einem. Arbeitslohn von 3 Schilling an Stelle der bisherigen 4 bis 5 Schilling begnügen würden. Die Arbeiter ihrerseits waren dazu bereit, falls sich die Kolonisten verpflichten, 500 Arbeiter unterzubring en. Diese Bedingung haben die Kolonisten abgelehnt und die Verhandlungen abgebröchen. Derzeit sind in Petachtjkwah 150 Arbeitslose. (I. C. B.) ' Der Präsident von Chile für das Mische Nattoualheim. Buenos Aires, 26. Mai.. (I. C. B.) Der Keren Hajessod-Delgierte für Südamerika Dr.' Wilenski erhielt vom Staatspräsidenten von Chile folgendes " Telegramm: „Gemäß dem Versprechen, das ich Ihnen gegeben habe, werde ich alles, .was in meiner Macht liegt, tun, um die Ratifizierung des Paläftinämandais zu untere stützen." ' Die Rede Lloyd Georges. London, 25. Mai. Die angekündigte Rede Lloyd Georges über die Konferenz voll Genua hat keinerlei Sensation gebracht. Lloyd George, besprach in ausführlicher Weise den deutsch-russischen Vertrag, den er abfällig beurteilte. Was die Haager Konferenz anlangt, sprach Lloyd George die Hoffnung aus, daß sie im Interesse Europas, da§ sonst vor einer Katastrophe stehe, erfolgreich verlausen' möge. Aatheua» gege« Poincarö. Köln» 25. Mai. '^Wolff.) Der Berliner Vertreter der „Kölnischen Zeitung" nahm nach der Veröffentlichung deö Briefwechftls K' ov - Poincare über die Sanktion?- srage Gelegenheit, den deutschen Außenminister Dr. R a- 1 h e it au über s'ine Auffassung in der Sanktionsangelrz-mheit nach d/r Veiöffentlichung dieses Briefwechsels zu befragen. Dr^ .Rathenau erklärte: . . Die Argumente, worauf Poincare und Klotz das an-- gebliche Recht Frankreichs zu Sanktionen gegen Deutschland stützen, sind von französischer Seite wiederholt vorgebracht und deutscherseits widerlegt worden. Aus der Schlußwendung des §19 der zweiten Anlage im Wiederherstellungskapitel des Versailler Vertrages will Frankreich das Recht herleiten, gegebenenfalls über die Rheinlands weiteres deutsches Gebiet zu besetzen. Die Gebietsbesetzung ist die denkbar fchärffte Maßnahme. die einem Staate gegenüber ergriffen werden kann. Es wäre geradezu ungeheuerlich, wenn der Versailler Vertrag beü Alliierten das Recht zu dieseräußersten Maßnahrüe in einer kurzen Nebenbemerkung ohne ausdrückliche Erwähnung hätte einräumen wollen, nachdem er an erster Stelle die weit minder eingreifenden wirtschaftlichen und' finan- .riGer» MaLreaeln Hewnders anaekührt Lat. Es wäre um4a An die .geehrte« Abon«enten hes^WieDr MorgenzerLung". Neuerürh'e Steigerungen -er Regien und aller zur Sers^Uung -er Zeikung nötigen Makerzalien zwingen uns» die Bezugspreise gleich -en anderen Wiener rageszetiungen enifpechsnzu erhöhen. Die Erhöhung epsolgi nur in -em unbedingt notwendigen Ausmaß; wir erwarten, -atz nufere geehrten Leser uns auch weiterhin ihre Anhänglichkeit bewahren werden. Bezugsbedingungen ab 1. Juni: Abonnement für Wien (zum Abholen lm Expedit v-er in -er» BerfchieitzMen) monatlich ...... . . , ....... ä. -100^ Sefierreich monatlich . ... . . . . ... .K.2100 — Tschechv-Siowakei monatlich .... ischech. K. 26'— Polen monatlich.......... pol». Mark 890'- Svgvslawien monatlich ......... Dinar 25'— Dentfchland monatttch «•*... . . . . Mark 50*- Rumänien monatlich Lei 40'— SoNand monatlich. . . . . . . .... holl. fl. HO Natten monatlich . . . « ....... . Lire 6*— Schweiz monatlich ...... schweig. Franken 3.— Frankreich monatttch ......... Francs 6'— Belgien monatttch ........ bslg. Francs 6»— England monailich. ......... Schilling 3*— Amerika monatttch .... . . . . . . Dollar —'50 Berfchleitzpreise ab Montag, 28. Mai: Einzelnummer ................ K. 70'- Montagsnnmmer ............... K. 80'— Zahlstellen: Oestrrrelchisches PostfPärKaffsnkvnto 150.693. Tfchechv-flowakijches Pofifparkaffenkonto (Prag) 59,331. Polnisches PoftsparhaffenKonto (Warschau) 190.227. Deutsches Pofifcheckksnio (Berlin A- 7) 108.722. Rumänien (Ezernywitz)r Allgemeine Depositenbank Czernowitz. Schweiz: Schweizer Dolksbank in Si. Gallen. Jugoslawien: Postsparkassenkonlo (Zagreb) 40.085. Italien: Sozieia -i Cre-tio Commereiale Triesle- Dia Mazztnt 30. Die Verwaltung -er „Wiener Jsiorgeuzeitung" Wien, ii., Tadorstratze 1—3. Telephon 44.038, 43,519. ungeheuerlicher, als dabei keinerlei Einschränkung hinst chtlich der Größe des zu besetzenden Gebietes gemacht wird, so daß die französische Interpretation letzten Endes auf die Behauptung hinausläuft, Deutschland böte den Alliierten durch die Unterzeichnung,des tz 18 eine Blankovollmacht für die Besetzung des ganzen Gebietes. ' / Daß das nicht die Absicht des Versailler Vertrages war, wird glücklicherweise durch den Vertrag selbst außer Zweifel gestellt. ' Ich kann nicht glauben, daß Frankreich ernstlich daran denkt, sich über die klare Rechtslage einfach hinwegzusetzen. Zunächst hängen, wie Poincare nicht bestreiten wird, derartige Schritte davon ab, Laß die Wiederherstellungskommission eine vorsätzliche Verletzung der Wiederherstellungs- Verpflichtungen durch Deutschland konstatiert. Daß diese Voraussetzung verwirklicht werden. könnte, liegt für mich außer dem Bereich der Möglichkeit. Krasfin — Berliner Gesandter. Riga, 24. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Zuverlässige Nachrichten aus Sowjetrußland besagen, daß 'K r a s s i n. in den nächsten Tagen zum S o w j et gesund t c n in Berlin ernannt wird. Die FiimnzMne Amerikas. 200 Millionen Pfund Sterling für die internationale Anleihe. London, 25. Mar. (Wolfs.) Der diplomatische Berichterstatter' des „Evening Standard" meldet, Pierpont Morgan sei vor seiner Abreise von London mit Vertretern führender britischer Banken zusammengekommen und habe die Gelegenheit dazu benützt, um auseinanderzusetzen, was die Vereinigten Staaten vielleicht zu^tun in der Lage seien. Es werde mitgeteiltdaß für den Fall der Ausgabe einer Anleihe die Bereinigten-Staaten in der Lage sein werdenuygefähr 800 Millionen Pfund Sterling zu mobilisieren. Wie der Berichterstatter erklärt, fei aller Grund zu der Annahme vorhanden, datz Mörgün hoffe und erwarte, die internationale Anleihe zustande zu bringen. Ernste Lage 1« Irland. London, 25. Mar. Wie das Reutersche Bureau erfährt, ist die Lage in Dublin andauernd sehr ernst, Es herrscht große'Besorgnis. Die Berhästungen von Führern der re- .publikanischen Parteien Ulster sind bis auf 848 gestiegen.' Grtffity ünd DuggüN reisen heute gbends nach England, um mit Churchill über das Abkommen zwischen der Frcrstäaipartet ünh dewSftttWternMd^ ölgt MteL päA- ' ' ' ° ~ ' .-•- Nr. 1192 Eine neue Pogromwelle in der Ukraine. •Sewee»9, 28. SÖlah,(& C. 3.) NilchMitgSajchW« aus der Ukraine zufolge ergießt sich eine neue Pogromwelle über die Ukraine. Die neuesten Pogrome fanden in B ielöe e r k w a, Win i e a und U m a n statt. Zn mehreren Ortschaften wurden ganze jüdische Familien, kleine Kinder nicht ausgenommen, geschlachtet. Cs wurde nichts geraubt, so daß es scheint,Hie MaMrs seien der elnzige Zweck gewesen. Dieser Zug, dev den früheren Pogromen ganz , fremd war, ist das Charäkteristische der neuen Pogromwelle. Die Mörder scheinen es auf das. Rauben und Plündern überhaupt nicht abzusehen. Die Aktion wird von einer aus den einMen-„schwarze^ Hundert" sich rekrutierenden Geheimorganffation geleitet, die fich in den Provützen Czernichow, Kiew und Podolien festsetzw. Die' jüdische Bevölkerung f l ü ch t e t in Müssen. . Ein bulgarisches Dementi. sEumi, Mai. Das bulgarische Generalkonsulat ds. mcntie'L entschrc-.cn die Meldung eines Berliner Blatteö, wonach die bulgarische Regierung König Boris vorsichtshalber nach Varna geschickt hätte, weil sie ein Fra'ternistercn d^r bulgarischen Regimenter mit den .russischen MÄtärflüchtlingen Vojürchte. . . . Der Eucharistrsche Kongreß irr Rom, Kalhölizismus und Weltfrieden. Rom, 25. Mai. (Stefani.) Der Papst hat gestern nachmittags im Belvederehof des Vatikans den 26.1 n- Lernatlonalen. Eu charistisch en Kongreß' in Anwesenheit von 30.000 Personen, darunter mehrere Kardinale, das diplomatische Korps Beim Heiligen Stuhl und etwa 300 Erzbischöfe und Bischöfe sowie die .Spitzen der - kirchlichen Behörden - in feierlicher Weise eröffnet. Ein Chor von 800 Sängern trug die eucharistische ■ Hymne b32..Sodann verlas Kardinal Vanüutelli eine Adresse, in der der Wunsch ausgesprocheri wird, daß aus dem Kongreß eine verstärkte Einigung der Völker hervor-. gehe die den Weltfrieden zum Ziele habe. Der Papst hielt sodan^r eine Rehe, .worin er hervorhob, der Kongreß wr^de den Beginn dcr a! l g e m e i n e n B e r u h i g u n g LUden. Ne d'e erste und unerläßliche Bedingung jeder gesellschastlichen Wiederauftichtung sei. Die IuLenstatistik des preutzi» schen Kriegsministertums. Unser Frankfurter. Korrespondent schreibt uns: Der bekannte Soziologe,und Jationalökonom p e.n?-^ h e i m e r hielt, wie schon kürz berichtet, kürzlich, einen ' Vortrag, über' „Die Iudenstatistik' . des preußischen Krie-gsminifterimits tm; Lichte, der Wissenschaft". Veranlassung.zu beit Ausführungen Oppenheimers gaben die. Publikgtionen Arnims und des Generals v. Wrisberg. ' Auf Grund tendenziöser und dilettantenhafter. BL- . nützung des Materials einer Reservaterhebung über die Juden im Heere, die das preußische Kriegsmimsterium seinerzeit veranstaltete, glaubten die beiden Autoren, auf „wissenschaftlichem" Wege zu denselben Ergebnissen zu kommen, die der antisemitische PöEseit jeher aus die von ihm so sehr bevorzugten Mauern der Anstandsorte gekritzelt hatte: Hast du einen Juden an der Frynt gesehen? Unfruchtbare Apologetik zu treiben, überlassen wir dem Zentralverein und neuerdings dem patentiert nationaldeutschen Juden Naumann, was uns Z i onisten aber an den Ziffern des preußisch e n K r i e g s .m i n i st e r i u m s. i n t e r e s s i e r t, sind d.ie Datdn zur Sozialgeschichte der Juden vor d e m K r i e g e, sind Gliederung und Tendenzen der gesellschaftlichen Gruppe der Juden Deutschlands, die Oppenheimer in seinem nachsalgend wiedergegebenen. Referate klar herausarbeitete. Im wesentlichen dürften die Ergebnisse dieser soziologischen Untersuchung auch für die Juden des eHein aligeü Oe st erreich-Ungarn zutreffen. Man kann statistisch die „Masse" der Juden Deutschlands mit der. der reichsdeutschen Gesamtbevölkerung nicht vergleichen: Lebensumstände, Beruf, Nahrung und Siedlungsverhältniffe sind fundamental verschieden. Bekanntlich liefert die gesündere Landbevölkerung einen größeren Prozentsatz Wehrfähiger als die- Städter, ebenso die besser genährten Stände und Berufe als die von den Wirtschastsverhältniffen zu Elend und Armut verurteilten Volksschichten. Wie darf man nun die Juden, eine ausgesprochene Gruppe der Stadtbevölkerung, vergleichen mit der normal gegliederten Gesamtbevölkerung Deutschlands, von der fast die Hälfte in gesunden bäuerlichen Berufen beschäftigt ist? Erwägen . wir ferner, daß ein großer Teib -der Juden dem Mittelstand angehört und sich hauptsächlich kaufmännischen und akademischen Berufen widmete und widmen mußte, so-werden uns viele Ziffern der „Judenstatistik" erklärlich sein. Vor allem die Zahl der Äerzte! EL gab im deutschen Heere 2428 südische Aerzte, davon an der Front allein 948. Ein Drittelnder „an der,Front fehlenden Juden" ist damit nachgewiesen; wenn der, Herr General,v. Wbisi-b e r g dagegen meint,, nur ganz wenige jüdische Aerzte m i t d e r W a sf e an der Frönt-angetroffen zu haben, so beweist diese; Aeußerüng die Oberflächlichkeit. ver. „wissenschaftlichen" Antisemiten: gls ob ., jemals ein Art gemäß der. Haager Konvention , eine Waffe getragen hätte!! Vielleicht hat der Herr v. Wrisburg aus Vergehen Seziermesser ft'ir Waffen angesehen/ WäS nun' die ,7000 «reklamierten" Juden anbelangt/ so ergibt M

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