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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-26 · Heft 1192 (26.5.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1192 (26.5.1922)
Date
1922-05-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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' ■’! * V - ' > ' '' > - . ' - - 4' ^■1192, ' .MwMkag MittöL SstorgeWchng- - . ' - 26.Mai-1S22- .' v V ' Seite 8' jMMentheoriL . ihres x wissenschaftlichen Charakters entkleidet sem .>7-. die geistige . Armseligkeit - der Hetzdeinagogik hrunkt eben,, da ihr.Diamanten versagt bleiben, mit falschem Schmuck. Daher die geistige und'/ sittliche Hohlheit, der deutschnationalen Jugendbewegung. Als der Zionismus. die jüdischen Geister, in seinen Bann zog, warf sich: i>ie JageUd mit Feuereifer auf, die alten Kulturschätze der Nation. Hebräisch würde wieder eine lebende Sprache.und das so lange vernachlässigte „Jüdisch" wurde als Kunst- und Umgangssprache breiter Volksmassen Objekt liebevollen/Stüdiums. Wie armselig nimmt sich daneben die deutschnationale,Bewegung aus! Hier sehen wir keim liehevchles/ Sich-Versenken in die alten und neuen Mltürschätze, Wie viele deutsch entflammte Mittelschüler lernen Mttel- oder garEliho'chdÄtsch, um sich an den Poetischen Perlen der nationalen. Vergangenheit zu erbauen, wieviele kennen auch von den modernsten Dichtern und Denkern ihrer Nation mehr als die. bloßen. Namen? Diese politische Schule hat keinen positiven Inhalt, sondern nstr einen negativen: den Haß gegen alle anderen. Das Bezeichnendste, was sie in die Schädel ihrer Jünger hineinhämmert, ist die überhebende Ueberzeugung der deutschen Süperiorität gegenüber den -Juden, die vom geistigen Deutschtum mehr in sich ausgenommen haben als die von der Natur bestimmten Träger dieses Geistes. . Am groteskesten aber nimmt sich der Rassenantisemstismus als Waffe der streitbaren Kirche Christi aus/ Es ist eine in der Weltgeschichte ganz vereinzelt dastehende Erscheinung, daß der Klerus einer Religion die natürlichen Quellen der Sittlichkeit ihres Glaubensstifters bereit-, willigst trüben hilft. Selbst H. St. Chamberlain, der eine arische Abstammung Christi annimmt, gibt zu: - „Sowohl sein Schicksal als auch die Hauptrichtung seines Denkens, ist eng'mit echt jüdischem Leben und Charakter verwachsen. Er überragt seine Umgebung, gehört ihr aber doch an. Hier.kommen namentlich, zwei Grundzüge des jüdischen.Nationälcharakters in Betracht: die geschichtliche Auffassung der Religion und das Vorwiegen'des Willens. Dw erstere hat namentlich das Lebensschicksal Christi und das Schicksal seines .Angedenkens tief beeinflußt, der letztere seine Sittenlehre .. . Christus ist ein Jude, und seine Erscheinung.kann nur verstanden werden, wenn wir die speziell jüdischen Anschauungen, die er Vorsand und sich zu eigen machte, kritisch begreifen gelernt haben." - Nun,, die Deutschvölkischen, die das kritisch begreifen gelernt haben, predigen konsequenter Weise die Rückkehr zur Wotananbetung, was die christlichen Kirchen kaum als einen Gewinn ihrer Politik büchen dürften. In welche Sackgasse diese Politik geraten ist, erhellt wohl am besten aus der Haltung-der österreichischen Klerikalen in der Iudenfrage: -Sie, bekämpfen die jüdische Äfsimilätton^ vom. Rassenstandpunkt, aus, gleichzeitig''befehden sie aber' auch auf Geheiß des. Vatikans den Zionismus. Die Antwort auf die Frage, wie sie sich dann eigentlich die Lösung der Jndenftage vorstellen, bleiben sie' schuldig. Ein Vierzehn- Millionenvölk gewaltsam auszurotten, wird indes auch den Vorkämpfern der katholischen . Liebe und deschristlichen Mitleids nicht so einfach'gelingen, selbst , wenn sie endlich der: Mut aufbringen, sich aufrichtig zu diesem Programm zu bekennen. Dieses Spiel mit dem Schicksal eines-großen Volkes ist im höchsten Maße unsittlich und muß verloren gehen. Als Inden-Hohen wir so viel Glauben an die sieghafte Gewalt der-Sittlichkeit, daß wir an unserem Erfolge nicht zweifeln können. .Wir-können warten. Die Kirche glaubt, daß die politische Wiedererstehung des Judentums mit ihren Dogmen im Widerspruch , stehe. Aber das hat sie auch von der Lehre, daß sich die Erde um die Sonne drehe, geglaubt. Heute hat sie sich längst mit dem Gedanken, der Galilei, beinahe auf den Scheiterhaufen gebracht hätte, ebenso befreundet wie mit noch vielen anderen „Ketzereien". 0k . wird sich auch in die politische Auferstehungdesjüdischen Palästina schicken, wenn es ernst wird. Und es tvird ernst werden. ■ Dr. H. Sp. Oesterreich. Das Aufbauprogramm des Dr. Seipel. In der Sitzungder Christlichfozialen Vereinigung, die Mittwoch den 24 d. stattfand, legte der Parteiobmann Abg. Dr. Ignaz Seipel das-nachstehende Aüfbauproprogramm vor, das er den Parteienverhandlungen über die Bildung . einer parlamentarischen Arbeitsmehrheit zugrundezulegen vorschlug: - '1. Die Lage unseres Staates-verlangt gebieterisch, daß Regierung und Parlament alle Kräfte, auf die Rettung unserer Staats-- und -Volkswirtschaft konzentrieren. Zur Rettung ist notwendig, daß der von , den bisherigen Regierungen eingeschlagene- Weg, vom Ausland die für die Sanierung unseres Gedwesens notwendigen Kredite zu erhalten, weiter verfolgt werde: Die Kredite allein werden uns aber nicht helfen,-noch werden wir sie überhaupt erlangen, wenn wir nichtendlich,- koste eswas es wolle, unseren Staatshaushalt in Ordnung bringen und zugleich die heimische Produktion so - weit beleben, daß sie wieder mit der des Auslandes konkurreirgfähig ist. 2. Die Regierung wird daher'zunächst bei der Reparationskommiffion in Paris die nunmehr von allen Staaten zugesicherte Rückstellung der Pfandrechte zu., erreichen , haben und sich "bemühen müssen, in Fortsetzung der zu diesem Behufe bereits eingeleiteten Verhandlungen eine' ausländische Arlleihe zu beschaften, die in erster Linitz dazu bestimmt :st, den Grundstock für die zu. errichtende ne me Notenbank beizüstellen. ’ - 3. Der Bund übernimmt es:- Die Bundesverwaltung namentlich aber die Finanz Verwaltung so zn refoemieren, daß sie ihren Aufgaben voll gerecht werden kann; die Bundeseinnahmen aus öffentlichen Abg a b e n und Monopol e n in einem im geeigneten Zeitpunkt endgültig sestzusetzenden Ausmaße zu erhöhen; die sämtlichen Bundesbetriebe nach dem Prinzip der Selbstkostendeckung außer Defizit zu setzen; darüber hinaus innerhalb kürzester Frist namhafte Ersparungen im Bundeshaushalt durchzuführen; der neu zu errichtenden Notenbank, die den'gesamten Notenumlauf der Oesterreichisch-ungarischen Bank übernehmen wird, alle hiefür erforderlichen Sicherheiten zu gewähren; weder selbst Geld mit Zwangskurs. auszugeben, noch die neue Not e n b a n k für st a a ts f: n a nzielle Zw''L'ck''e7dweki^Mr'MEM'in Anspruch zn nehmen. , J 4. Die oben genannten Ersparungen sind durch den desangestellten und durch, rascheste Abstoßung der händige Zuschüsse aus Bundesmitteln beanspruchenden industriellen Bundesbetriebe zu. erzielen. - " . 5. Um alle Bundesangestellten geneigt zu machen, an der Reform der - Verwaltung - und dem Angestelltenabban .- mitzuwirken, müsien die dem Besoldungsgesetz Widern s P *e ch en d en B ev o Lzug nn g e n einz ein er Km tegorien rasch beseitigt werden. ' 6. Den' FolgG der-.überhändnchmen^ l o s i g k e i t kann weder durch fortwährende Erhöhungt.« der Arbeitslosenunterstützung noch auch durch/ Investitionen für öffentliche, Arbeiten allein wirksam gesteuert - werden. De Ursache der steigenden Arbeitslosigkeit - liegt nicht im Mangel an Äufträgen für die heimische Industrie, sondern darin, daß diese die Aufträge wegen man-, gelnder Fähigkeit, in per Preiserstellung mit den Nachbarländern zu konkurrieren, nicht übernehmen kann. Deshalb müsien vor allem unter Mitwirkung der Arbeitgeber und der Arbeiter die Produktionsbedingungen durch, Nachholung technischer Rückständigkeiten, durch' bessere 'Aus-; nützung der Arbeitszeit, durch Anpassung der Löhne an die allgemeine Wirtschaftslage usw. verbessert werden. , / . 7. Die vorstehendgenannten Maßnahmen müsien- Ji.' nach ihrem , natürlichen Zusammenhänge untereinander möglichst gleichzeitig beschlossen und durchgeführt werden.. ' 8. Die finanzpolitischen Maßregeln in engerem Sinne sollen, damit nicht, der ihre Wirksamkeit verbürgende Zeitpunkt durch ein umständliches parlamentarischs- Verfahrenx' versäumt werde, von einer, durch ein Bundesverfassungsgesetz für die Zeit des Ueberganges zur normalen Staats- Wirtschaft mit besonderen Vollmach 1 en auszust a t t e n d e n K ö r P e r s ch a f t verfügt, werden, falls . man nicht vorzieht, die Regierung selbst oder ein Ministerkomitee hiermit zu betrauen. Diese Körperschaft könnte etwa aus einem p a r l a m e ntarische n K o n t r o l lausschuß für das Kre.di{verwendungsgesetz, dem Bundeskanzler,, dem Bundesminister für Finanzen und drei durch den.Bundeskanzler zu ernennende nicht dem Parlameicte angehörige S a ch v e r st ä n d i g e in Finanz-"und Währungsfragen gebildet werden. Mhr sich, die Größdeüischen zuHiesem geniglen.Plan des Dr. Wpel stÄen,-ist"nvch niM Wannt.- Ber/der,bMnntAl geistigen Kapazität der Großdeutschen, werden sie wahr- AbLau der überzähligen Aemter und Bun- 1 scheinlich von dem Plan begeistert sein. setzt. Man hofft, daß am Mittwoch , oder Donnerstag die Wahl der neuen Regierung vorgenommen werden kann. Die Krise. , Die offiziellen Verhandlungen zwischen den Christlichsozialen und der Größdeutschen Volkspartei zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft haben, wie die Korrespondenz Horwei meldet; gestern vormittags im Salon des Präsidenten Dr. Dinghofer begonnen. An den -Beratungen nahmen teil: von - christlichsozialer Seite Präsident Dr. W e i sk i r ch n e r, Prälat Dr. Seipel und die Abgeordneten Dr.- O d e h n a l und M a t a j a, von den Großdeutschen Präsident Dr. D i n g h o f e r, die Abgeordneten Doktor F rank und S t r a f f n e r und von der Großdeutschen Reichsparterleitung Kammerrat K a n d l. Es' wurde die grundsätzliche Bereitwilligkeit ausgesprochen, zu einer Arbettsgemeinschäft zu gelangen. Dr. S eiP el erstattete einen längeren Bericht über das von ihm ausgearbeitete R^e tiintgsprogramm.'Als^Berhandlungsgrutidlage dient das im März 1922 zwischen beiden Parteien vereinbarte gemeinsante Arbeitsprogramm, auf das man wieder zurückgegriffen hat, das aber neu durchgeacheitet^mnd, soweit sich sachliche Aenderungen als notwendig erweisen, Korrekturen erfahren wird.- Personenf.r a g e n wurden-ni cht e rp tt e rt. Die Verhandlungen werden am Montag fortge- Die Kre-itaktion. Nach. Pariser Duldungen werden außer der Morgan- Kommission auch die Herren Staatsrat Glückstad (Dänemark) und Avenol nach Wien kommen, um der Kommission beim Studium der österreichischen Wirtschaftslage behilflich zu sein. Diese Experten, die seinerzeit im Auftrag des Völkerbundes mit der , österreichischen Finanzverwaltttng und den politischen Parteien ein Sanierungsprogramm vereinbarten, werden auch jetzt in dieser Richtung tätig sein. Nach Mitteilungen aus finanziellen Kreisen gehört zu dem neuen Sanierungsplan auch die Schaffung einer neuen Valuta für Oesterreich, die gls Puffer für den Verkehr Englands und Amerikas mit den Oststaaten gedacht ist. Von allen Seiten wird betont, daß die Gewährung der Anleihe davon abhängig ist, ob die politischen Parteien sich auf ein Arbeitsprogramm einigen und für dessen Realisierung auch. Garantien , geben. Zeigt sich dies als unmöglich, dann wird die Aktion im Sand.verlaufen. Die Exzesse der Nekruten. Warschau, 25. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung") In der letzten Sejmsitzung interpellierte- Abgo Grün-- b a u m den Kriegsminister in Angelegenheitder neuerlichen Militärexzesse gegen die jüdische Bevölkern n g. In' der Interpellation' wird daraus hingewiesen, daß in letzter. Zeit in einer^ Reihe von , Städten Rekruten auf Juden Uebersälle organisieren undselbst Juden in den Eisenbähnzügen überfüllen. Ferner, wird festgestellt, daß die Jntervenüon der.Polizeiorgane angesichts des Richteinschreitens der Militärbehörden erfolglos sei. Abg. Grün bäum fragte den Kriegsminister an,, ob er geneigt sei, entsprechende Verfügungen zu treffen und diesen Exzessen ein Ende zu bereiten. Die tschechischen Vorschüsse. Die tschecho-slowakische Negierung hat ihrem Abgeordnetenhaus die Vorlage betreffend die Gewährung. eines Kredites von 500 Millionen tschechischer Krone:: an Oesterreich übermittelt. Dieser in zwanzig Jahren rückzahlbare Kredit darf nur z n Z a h l ung e n der österreichischen Republik an die Tschecho-Slowakei verwendet werden. Die Gararttien, zu denen sich Oesterreich in den: Abkonnnen vom 8. Februar 1922 verpflichtet hat, bestehen in der Deponierung von sischechischen, Lokalbahnaktien - im Nominalwerte von zirka 15 Millionen und ' 213 Aktien der Zuckerfabrik von Unter-Cetüoim Nominalwerte von 172.400 K. Diese Effekten werden im Kurswert von 17 Millionen bei der Prager Landesbank hinterlegt. Ferner hat Oesterreich eine.erste Hypothek.::« Werte von 27 Millionen, tschechischer Kronm auf das Gebäude des Ministeriums, des Innern in -Wien zugestanden. — Die Vorlage enthält auch eine Entscheidung der Pariser Reparationskommissiott, in welcher die Abänderung des Generalpfandrechtes zugunsten der österreichischen Anleihe konstatiert Kein formeller Anschluß an die kleine Entente. Paris, 24. Mai. Der Wiener Korrespondent des „Temps" hatte eine Unterredung mit dem Polnischen Außenminister S k i r m u n t, der /erklärte, entgegen 'verschiedenen Gerüchten hatten, seine Besprechungen mtt den - polnischen Gesandten in Budapest, Prag, Belgrad und Bukarest nur den Zweck gehabt, die polnischen Dipiontaten über die Verhandlungen m Genua zu informieren und ihre Berichte entgegenzunehmen. Der Korrespondent habe den Eindruck gewoneu,, daß Polen im allgemeinen gemein s a m m i t d e r k l e i n e n Entente zusatnmengehe, es jedoch für vorteilhafter halte, vorläufig k e i n e f o r mellen V e r p f l i ch t u n g en einzugehen. Skirmunt.habe sich über Oesterreich in sehr sympathischen Worten geäußert und erklärt, daß die Konferenzen mit den österreichischen Staatsmännern die Beziehungen'. zwischen Oesterreich und.Polen, die'von jedem Gesichtspunkt bereit?" ausgezeichnet seien, in Zukunft noch enger gestalten Werder Die os^gLlizische Frage. Warschau, 25. Mai. (Tel der „Wr. Morgenzeitung".)' In den letzten Tagen waren hier in poetischen Kreisen Gerüchte verbreite^ daß der Präsident des ukrainijchen Nationalrates für/ Ostgalizien, Petroszietoftz, angeblich die » vnxl. 8tötke, tterrenunct vamenvLselrs, deinenuachStr! ekvsren. alles erstlrlssslK unck villiZst bei II., Taborstraße 48 Telophon 47*1 “79; En gros . En detail m

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