Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1191 (25.5.1922)
- Date
- 1922-05-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Kandidatur des Sejmmarschalls zum , Staatschef. Warschau, 24. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Wie Kurjer Poranny meldet, haben die Nationalsozialdernokraten den: Sejmmarschall Trompczynski versprochen, ihn zmn Staatschef der Republik zu kandidieren, falls er ihrem Zentralwahlkomitee beitrete und seinen Namen hergebe. Den: Sejnunarschall wird von den Nationaldemokraten in politischer Beziehung eine ähnliche Anziehungskraft zugeschrieben, wie seinerzeit im Jahre 1919. Paderellvski. Palästina. Lord Apsley über die Kolonie«. Jerusalem, 21. Mai. Wie bereits gemeldet, hält sich fetzt in Palästina der Eigentümer der Londoner antisemitischen „M o r n i n g Po st", Lord A p s l e y, auf, um die Lage iür Lande zu studieren. Lord Apsley besuchte kn Begleitung des Mitgliedes der palästinensisch-zionisüschen Exekutive Dr. E d e r mehrere jüdische Kolonien und würdigte in anerkemrungsvollen Worten die von den jüdischen Kolonisten geleistete vorzügliche Arbeit. Lord Apsley erklärte, niemand in England widersetze sich der Einwanderung von Juden nach Palästina, die willens.sind, das Land zusammen'milden A r ab e r n aufzubauen. v Die Orthodoxen rmd die jüdische Arbeit. Jerusalem, 22. Mai. In Jerusalem wird seit einigen Höchen das große Waisenhaus D i s k i n gebaut. Die Mittel stammen von Spendern aus-dem Auslände. Die Arbeit wird größtenteils öon'Nichtjud.en durchgeführt. Am 3. Mai fand in Jerusalem eine Protestversammlung jüdischer Arbeiter statt, welche sich in sehr scharfen''Resolutionen dagegen wendet, daß die Leitung dieses streng, orthodoxen Waisenhauses es den Ehaluzim in jeder Weise erschwert, bei den Bauarbeiten Beschäftigung zu finden. „Der Sümpf". Die arabisch-nationalistische Zeitung „E l C a r m e l" veröffentlichte vor kurzem einen Artikel gegen die Bewerbung der „Ica" urn eine Konzession für die Trockenlegung der Sümpfe zwischen Cesaräa und Äthlit. In diesem Artikel schreibt „El Carmel": „Wir lebten Hunderte.und Tausende von Jahren mit den Sümpfen, wie sie jetzt sind, und haben das Zeugnis Lord Northcliffes, daß wir vor dem Besitzwechsel in Palästina glücklicher waren." Rundschau. Die Berliner Beratungen der drei Znternationalen von den Kommunisten gesprengt. Berlin, 24. Mai. Im Verlaufe der gestrigen Besprechungen der Neuner-Kommission der drei Internationalen erklärte der Vertreter der Zweiten Internationale Maedonald, daß sich die Zweite Internationale an keinem Unternehmen beteiligen könne, das das Proletariat mit einem bloßen Scheine einer Einigkeit betrügen würde. Es handle sich den Kommunisten nur um ein hinterlistiges taktisches Manöver, um die kommunistische Zellenbildung fortsetzen zu können. RädZ erklärte als Vertreter der Dritten Internationale, daß die Neuner-Kommission nach Ansicht der Kommunisten ihre Existenzberechtigung verwirkt habe, wenn sie nicht heute bereits' dar Datum des Weltarbeiterkongresses beschlösse. Die Kommunisten würden dann austreten und die Idee der Einheitsfront auf ihre eigene Weise unter den Arbeitern selbst propagieren. Die Sozialdemokraten und die Unabhängigen hätten die Kommunisten in ihrem weltgeschichtlichen Kampf in Genua im Stiche gelassen und sie wollten auch jetzt keine Einheitsfront, teils aus Wahlgründen, teils wegen ihrer Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie. Die Sowjetregierung ' habe ihrerseits die Bekundungen der Berliner Konferenz vollkommen erfüllt. Seine Partei halte die Zugeständnisse, die anläßlich des Prozesses gegen die Sozialrevolutionäre gemacht worden seien, austecht. ' > Hierauf erklärte Dr. Friedrich Adler namens der Wiener Arbeitsgemeinschaft, daß diese vom Anfang an einig Mitteilungen aus dem Publikum. Dora Stand ■ Ludwig Dickstein Wfen-Lemberg Wien. XX. ’ Verlobte ,, . . Mal 1922 Anlässlich der Verlobung des Herrn Ludwig Dioksteln, Sohn unseres Vorstandsmitgliedes des Herrn Bezirksrates Siegmund Dickstein, mit Fräulein Dora Stand gratulieren wir herzlichst. . Zionistische Bezirkssektion Brigittenau. ' ik J. Feine M. U. MlklWM 1—Z Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse) IflDN Schuhhaus 9 a IWilli II., Taborstr. OÖ Feinste D amen«!, Herren» und Kinder« Schuhe!! Quailtfitsware11 ,667 und entschlossen für die internationale Einheit der Aktion und für den Weltarbeiterkongreß eingetreten seü Aber in der Zweiten und Dritten Internationale hätte sich ein innerer Widerstand geltend gemacht. Die Wiener Arbeitsgemeinschaft möchte alle Hindernisse für die Einigkeit aus dem Wege räumen und ihrer Anschauung nach habe die Neuner-Kommission noch ein großes Arbeitsfeld, a Dr. Adler erklärte weiter, nach diesem Ultimatum von beiden Seiten habe es leider keinen Wert mehr, die Verhandlungenfortzusetzen. , — An diese Erklärung knüpfte sich eine längere Erörterung. Dr. Adler versuchte wiederholt, die kommunistische Delegation zu bewegen, der Neuner-Kommission Zeit zu lassen, bis Ke allmählich die Meinungsverschiedenheiten überwunden habe. Ein Weltkongreß sei nicht möglich ohne die Gewerkschaften. Man müsse also versuchen, zwischen der Amsterdamer und der Moskauer Gewerkschaftsinternationale zu vermittelt. Das brauche Zeit. Mach einer weiteren Altseinandersetzung mit Dr. Adler sagte Radek: Ich erkläre im Namerchunserer Delegation, daß wir uns nicht mehr als Mitglieder der Neuner-Kommission betrachten. Dr. Adler erwiderte: Das ist doch Sache der Exekutive, den Austritt zu beschließen das können Sie doch nicht. Radek entgegnete: Nein, wjer haben den Auftrag erhalten, auszütreten, wenn nicht heute der Weltkongreß beschlossen wirb und wir treten hiermit aus der Neuner-Kommission aus. Dr. Adler erklärte hierauf die Sitzung für geschlossen. In einer Erklärung, die die Delegierten der Wiener Arbeitsgemeinschaft in der „Freiheit" veröffentlichen^ heißt es: „Wir fordern die Ex.'ulive iVr .Jnternatic-rn len Arbeitsgemeinschaft snz-'clistischer Pari-r''.-n'c:'f, die durch die Verhandlungen der Zd eiten und der Dritten Internationale geschaffene Lagtzu prüfen und ihre Bemühungen zur Herstellung einer e'rcheitlich?.? Allion des ...ternar'/nalen Proletariats zu verstärken. Zu diesem Zwecke schlagen wir vor, daß möglichst bald eine inte:narNr:a!e Kon^r-uz •.« der Internationalen Arbeitsgeme'iNichL't sozialillisber Parteien angeschlossenen Parteien und jener, die ihren Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft w. gemeldet hä'^en, ftoit%Dc. Diese internationale Kenscl enz wird sich, ebenso wie die vierte, uttc. nationale Konferenz vom Februar 1921, in den Dienst der Herstellung einer inwrnarirnalen Front des Proletariat? stellen. Von ihr wird ein neuer Anstoß ausgehen, um das Ziel, das sich die Arbeitsg.'nnn.'ckiafl stellt, der Verwirklichung emgcgcnruführen. Dllse Erklärung, ist von Dr. Adl»'. Brache und Crispien nnlerzlichnet, Die Exzesse der prentzischen Jnstiz. Aus Berlin wird uns gemeldet: Bei der Beratung des Etats der preußischen Justizverwaltung hielt der.Justizminister eine längere' Rede, in der er zugab, daß es eine Anzahl gerichtlicher Entscheidungen gebe, die er nicht vertretejr könne. Abg. Kutin er (Soz.) besprach die Politischen Urteile und erklärte, die Richter seien Politisch beeinflußbar. Beleidigungen sozialistischer Minister werden mit geringen Geldstrafen oder gar nicht bestraft, während die Beleidigung des volksparteilichen Abgeordneten Prof. Kahl mit drei Monaten Gefängnis bestraft wird! Oeffentliche - Aufforderungen zur Ermordung von v. Gerlach, Prof. Einstein und änderest Pazifisten werden mit lächerlich geringen Geldstrafen „gesühnt". Aus vielen Urteilen spricht ganz unverhüllt antisemitische Gesinnung. Der Redner führt zahlreiche Beispiele dafür an, Diese Gesinnung zeige sich auch in vielen Maßnahmen von Staatsanwälten, besonders in Ostpreußen. Ein Regierungsvertreter geht auf eine der Beschwerden des Abg. Kuttner ein. Es sei nicht zu billigen, daß der Breslauer Staatsanwalt wegen der Beleidigung des Ministers Severing nur eine Geldstrafe beantragt habe. Im „Spandauer Tageblatt" sei nicht zur Ermordung des Herrn b. Gerlach aufgefordert worden, sondern die Ueberschrift „Au f s S ch a s o 11!" habe stur bedeuten sollen: „A n d e n P ran g e r!" (Gelächter links und Rufe: Das werden wir uns merken!)-Wegen des Liedes „Judenblut muß fließen" hat der Staatsanwalt in Glatz allerdings die Erhebung der öffentlichen Anklage ab gelehnt, aber der Generalstaatsanwalt in Breslau hat diesen Bescheid aufgehoben. Tagesbericht. Das russische Htlfswerk. Das russische Bureau der American Relief Administration hat für den 25. Mai'eine Konferenz aller ihrer in Rußland tätigen Direktoren und Organisatoren nach Moskau einberufen, um einen Plan für die Hilfstätigkeit in den Hungergebieten während der Sommermonate festzusetzen. Zu dieser Konferenz wurde auch der Vertreter des „Joint" Dr. Bogen mit seinen Gehilfen emgeladen. — Die in Kiew tagende Konferenz der jüdischen Lehrer befaßte sich insbesondere mit der. schrecklichen Lage der jüdischen Kinder in der Ukraine. In den Ausführungen der Konferenzteilnehmer wurde vielfach der Vorwurf gegen die Kiewer jüdische Gemeinde erhoben, daß sie die Pogromwaisen in der Stadt in gröbster' Weise vernachlässige, die mangels an Aufmerksamkeit aussterben. — In Brüssel ist es gelungen, unter dem Vorsitz des „Jca"- Präsidenten Franz P h i l i p s o n und des belgischen Grandrabbiners Bloch ein Hilfskomitee für die Ausspeisung der PogromoPferinderUkrainezu begründen, dem die angesehensten Mitglieder der belgischen und russischen Gemeinde angehören. Herr Philipsön erlegte selbst einen großen Betrag und es wird erwartet, daß die beiden jüdischen Gemeinden Brüssels die Erhaltung einer großen Zahl von Kindern übernehmen werden. Daneben wurde ein zweites aus demokratischen Elementen'bestehendes Hilfskomitee geschaffen, das auch unter den minderbemittelten ^russst schen Emigranten in Belgien monatliche Geldsammlungen einheben wird. (I. C. B.) Bezirkskommission Brigitte«»« der israelitischen Knltns'gemeinde. Bei der am Äontag den 22. d. stattgefundenen Sitzung enffpann sich nach einem Referat des Obmannes Herrn E. Nimhäuser über die Verdächtigungen der Agudath Jsroel, wonach ihre Mitglieder stärker besteuert werden, eine lebhafte Debatte. Der anwesende Kultusvorsteher Dir. Ehrenzweig wies die Behauptungen der Agudath mit Entrüstung zurück und erklärte, daß in 'der zwei Jahren> in denen er Gelegenheit hatte, mit der Bezirkskommission für den 20. Bezirk zusammenzuarbeiten, nur strengste Objektivität bei der Steuerbemessung gehandhabt wurde. Sodann gelangte eine Resolntio.n zm. Annahme, in der sich die Kommission a u f d a s e n t s ch i t* denste gegen die vorgebrachten An'würfe der Agw dath verwahrt. - ■ « AltSgyptische Lebensregeln. In ägyptischen Schülerhandschristen, dir 3000 Jahre alt sind, fand man, wie Dr. Mexan- . der Schorfs in der „DeMschen Revue" mitteilt, folgende Lehren, die der Wesir Ptahehotep seinem Sohne erteilte: „Laß nicht dein Herz wegen deines Wissens übermütig werden. Berate dich mit den Unwissenden wie mit den Wissenden. — Das gute Wort ist versteckter als.der grüne Edelstein, wenn man es auch zuweilen bei den Dienerinnen an den Mühlstein findet. — Wenn du einen Weisen in seiner Zeit findest, einen tatkräftigen, der trefflicher ist als du, so beuge deine Arme und krümme deinen Rücken. — Wenn du ein Führer sein wirst, dann sei ruhig, bis du die Rede des Bittenden gehört hast. Es ist ein Schmuck des Herzens, wohlwollend anzuhören. — Wenn du die Freundschaft in einem, Hause befestigen willst, in welches du als Herr, als Bruder oder Freund eintrittst, so hüte dich, daß du den Frauen nicht nahst. Die Stelle, wo sie sind, ist nicht gut. Tausend Männer werden verdorben, nachdem sie, eine kurze Zeit wie einen Traum genossen haben. — Sei nicht habgierig gegen deine Untergebenen; größer ist der. Ruhm des Milden als der des Strengen. Elend ist der, der mit seinen Untergebenen zankt, ohne ein begütigendes Wort anbringen zu können. Ist nur etwas Habgier dabei, so schafft sie nachher Gewissensbisse, wenn sich..da§ Blut abgekühlt hat^— Wenn du klug bist, so gründe dir einen Hausstand und liebe deine Frau; gib ihr zu essen und kleide sie. Ein Heilmittel für ihre Glieder ist das Oel; erfreue ihr..Herz Zeit deines Lebens. — Trage nicht Klatschereien weiter, höre erst gar nicht auf sie; das Nachreden steht dem Hitzkopf ähnlich. — Beuge deinen Rücken vor deinem Vorgesetzten, deinen Vorsteher von seiten der Regierung, dann wird dein Haus fest ' stehen und dein Lohn an rechter Stelle sein. Es ist schändlich^ sich gegen den Vorgesetzten anfzulehnen; man lebt, sq lange er milde ist. — Wie schön, wenn ein Sohn sich das, was sein Vater sagt, zu Herzen nimmt, es wird ihm dadurch ein hohes Alter zu fallen. — Laufe nicht viel vor Gericht, damit dein Name nicht stinke; rede nicht viel, schweigend wirst du gut. —• Uebernimm dich nicht beim Trinken. Wenn du sprichst, kommen dann wirre. Reden aus deinem Münde, du Wst Jjm,' deine Glieder brechen, und niemtmd reicht dir die Hand. Chiffore, ßstlOcbsr, Weben, eradf. Inlaits noch praisveeit V!.,WincienUhl- «» gasse Nr. 2 Post; Herrenhemden, färb lg, von K 4000 aufw., sowie Damenwäsche. Modestoffe von K 4000 ü**s5rt». OovfiMwite« 130 ma hrehk K 7500 ämWäschehaus Josef Berger*, XX.. XlostenxeubureerBtraBse nur