Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1191 (25.5.1922)
- Date
- 1922-05-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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v* V*w-hp^- ^-x '".? Ni. 11dl Wie«, DottttMüg .. Wiener MotgeuMüttg LS. Mai 1922 . „Seite '$ t Weedenland und die Judenfrage. U«terre-«ng mit Funktionären der griechischen Gesandtschaft. Der Papst und die Sowjets. ' DI?- schon seit läyKrcm zutage getrdten« , ' politische Jntimitätzwischen'der Kurie und'dem Bolschewismus.hat in Genua zu Verhandlungen. , über ein Abkommen geführt, die Wohl vom „Osservatore Nomano", nicht aber von. den ' Russen' abgeleugnet wurden. Der klerikale Kampf gegen das Judentum wird stets damit begründet/ daß das Judentum den Bolsche- . wismus bedeute und deshalb die Ruhe der . r Welt gefährde. Wenn es aber um die Weltherrschaftspläne sich handelt, findet der Bolschewismus auch in Nom feinen Anwert und eS ist interessant, daß hinter dieser neuen Freundschaft selbst die Freundschaft zu Frankreich und Polen zurücktritt. Der hier im Auszug folgende Artikel des „Temvs"'bietet einen sehr lehrreichen Ein-. blick in die Anpassungsfähigkeit der römischen Diplomatie, aus der man auf die gleiche Eigenschaft bei den .Bolschewiken schließen lamü , Das Ziel des Vatikans, die Vereinigung der russischorthodoxen mit der römischetr Kirche herbeizuführen, tritt' in dem päpstlichen Briefe vom 1. Mai .an Kardinal Gas p a r r iklar zutage. Der Papst , zeigt sich in diesem Schreiben von dem WunW beseelt, die Mächte zu einem Übereinkommen mit der. Sowjetregierung zu bewegen. Pius der Elfte richtete in diesem Briefe im eigenen und im Ncynen seiner Vorgänger „an die Bevölkerung, die durch ein Mißgeschick in alter Zeit von - der katholischen Gemeinschaft getrennt . wurde, den heißen Wunsch seines, väterlichen Herzens, daß sie im Schoße der römischen Kirche wieder jener Einheit und jenes Friedens teilhaftig werde, die ans der gemeinsamen Beteiligung an . den heiligen Mysterien hervorgehs." Der Heilige Stuhl hat ein großes Interesse daran, daß die großen Nationen .ihre Beziehungen mit Rußland wieder anfNehmen. Sein Ziel ist, wobei er über die religionsfeindliche Propaganda der Sowjets gerne den Schleier des Vergessens wirft, vor allem, den Katholiken Rußlands und besonders den Unierten in der Ukraine die Ausübung des Gottesdienstes zu. erleichtern, unr dann zur Vereinigung der russisch-orthodoxen mit der römisch-katholischen Kirche zu schreiten, die der größte Erfolg des Vatikans wäre, seitdem . die Kirchenspaltungen die Reihen der katholischen Kirche^ dezimiert haben. *. Die Gelegenheit, die Millionen von Verirrten in den Schoß der Kirche zurückzuführen, schien noch nie so günstig wie heute. Die orthodoxe Kirche hat ihr cäsaropäpstliches Oberhaupt, das der Hauptgrund der seinerzeitigen Spaltung war, verloren und besitzt heute infolge ihrer Schwäche vor den bolschewikischen Machthabern keine Autorität. .Infolge der Verfolgungen und der Konfiskation der Kirchengüter, wodurch : der untere Klerus - unt seine Existenz gebracht wurde, bleibt das Volk ohne Stzelenhirten, gerade in einer Zeit, wo es in seiner Not am meisten der materiellen und moralischen Aufrichtung und der Hoffnungi auf ein besseres Leben bedarf. Die Trennung von Staat und Kirche, die allen Religionen die gleichen Rechte gewährte,' macht es für die katholische Kirche noch viel leichter, ihre Arbeit zu tun, da die bevorzugte Stellung der orthodoxen Kirche ihr nicht 'mehr im Wege steht und der neue Vertrag ihr sogar noch Vorteile gewährt. Vom theologischen Gesichtspunkte aus stehen einer Vereinigung der orthodoxen'Kirche mit der römischen nur wenig Schwierigkeiten im Wege. Da die katholische Kirche die Gültigkeit der orthodoxen'Sakramente und die Weihung der Popen anerkennt, besteht die'einzige Differenz in der Anerkennung des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papst es. und im .Gehorsam dem .Heiligen Stuhle gegenüber. Würde sich daher die Wiedervereini- . gung vollziehen, so wäre keine Aenderung der liturgischen - Riten notwendig, da der Ritus der ukrainischen Unierten, welche die. ruffisch-orthodoxen Kirchengebräuche pflegen und dabei dem Vatikan gehorchen, von dem Heiligen Stuhl ohnehin schön anerkannt worden ist. Der Gedanke des Wiedereinverleibens der ruffischen Kirche hat schon Benedikt den Fünfzehnten' stark beschäftigt und erklärt seine Stellung-. uahme während, des Krieges. In der'Angst, den Zaren über/ Konstantinopel herrschen sehen zu müssen, zeigte er sich mehr russenfeindlich als deutschfreundlich. Wie es auch ein Prälat vor kurzem erklärte: „Hätte sich der Zarismus am' Bosporus sestsetzett und das Kreuz'auf dem Hagia Sophia wieder entsetzen können, so hätte das für den Katholizismus ein orientalisches Sedan bedeutet., Der Vatikan hat sich über den Stürz des Zarismus aitdj gefreut, denn dieser war stetsder Verneiner aller religiösen Freiheit." Die ökonomischen Ziele Italiens, zur Erlangung des ukrainischen Getreides und der ukrainischen Kohle decken übrigens die Ziele des Heiligen Stuhles, für den die Ukraine als Basis für eine religiöse Tätigkeit in Rußland in Betracht kommt. ' Es ist bemerkenswert, daß die päpstliche Hilfsmifsion von den Sowjets ihre Reisepässe unter der Bedingung erhielt, daß unter ihren nach Rußland kommenden Mitgliedern kein Engländer oder Franzose sich befindet. Bisher - war es die Tschecho-Slowakei, die diese Aktion für die Aus- | dehnung der katholischen Machtsphäre, das heißt für die Werbung neuer Üniertengemeinden, über Karpathorußland, Ostgalizien und die Ukraine vorbereitete.'Polen konnte- * man nicht brauchen infolge des Gegensatzes zwischen der polnischen und ruthenischen Bevölkerung und infolge der Anwendung der römischen. Liturgie, die Ruthenen und Ostgalizier, die sich ebenso wie die russischen Schismatiker' der altslawischen Liturgie bedienen und dem griechischen Einer unserer Mitarbeiter ha^ dieser Tage Gelegenheit, in einem längeren Gespräch mit Legationsrat Drosos von der Wiener griechischen GjrsänÄschafk sowie einigen, anderen. griechischen Diplomaten die Stellung Griechenlands .zur. Juden-und Palästina-Frage eingehend zu erörtern. Die Funktionäre der griechischen Gesandtschaft gaben einmütig ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß Griechenland die Schaffung' eines jüdischamtionalen Heims jn Palästina nur auf das freudigste begrüßen könne und nichtß unterlassen werde, waS geeignet^erschtzint,. die. Pläne.der. Juden zu.fördern und zu unterstützen. Diese freundliche Haltung Griechenlands gegenüber der jüdischen Frage geht ja auch schon aus dem bisher immer geübten Entgegenkommen hervor, dessen sich die jüdischen Reisenden bei der Beschaffung von Paßvisa,nstv. seitens der griechischen Behörden zu'erfreuen hatten. Griechenland wünscht nichts sehnlicher, als daß das jüdische Volk rasch erstarke und in seinem eigenen Hoheitsgebiet .eine vollständige Selbständigkeit nach allen Seiten hiti erlange. 1 Die griechische Regierung betrachtet Palästina auch a l s w ich ti gen Faktor für .den-Händel und den .Export G r i e ch e n lands. Sicherlich würden hier, so meinten die Herren der griechischen Gesandtschaft, sich bald rege Wechselbeziehung entfalten, aus denen beide Teile nur den allergrößten Nützen ziehen würden. Was die Judenfrage in Griechenland selbst betrifft, so glaubten die Herren diesbezüglich nur die besten Auskünfte Ritus folgen, waren dagegen ein hervorragendes Propagandainstrüment zur Gewinnung des russischen Volkes. Daher wohl das besondere Ansehen,, das der unierte Metropolit von Lemberg S z e p t i c k i im Vatikan genießt. Er ist die Seele'der päpstlichen Propaganda, die polnischerseits bekämpft, von dem päpstlichen Nuntius in Prag M irora dagegen stark unterstützt wird. Es besteht außerdem eine , unmittelbare Tätigkeit zu diesem Zwecke im Vatikan selbst: Schon kurz nach dem Beginn der Bolschewikenregierung am 1. Dezember “ 1917 wurde in Rom eine Kongregation für die orientalischen Kirchen eingesetzt, die sich'dann in ein wahres Ministerium umwandelte. Nach dem Waffenstillstand sandte Benedikt der Fünfzehnte einen apostolischen Legaten nach der Ukraine, um dort die religiösen Verhältnisse und das Verhalten der. Bevölkerung der Orthodoxie 'gegenüber zu erforschen. Um die Werbung von MWiönären zü eMMichen und die Berührungsflächen zwischen der Orthodoxie und dem Katholizismus zu vergrößern, stiftete er einen orientalische'n Orden, der sehr reichlich dotiert wurde und dem nicht nur römisch-katholische, sondern auch Priester griechisch-katholischer Riten, ja sogar Schismatiker, welche die katholische Theologie kennen lernen wollten/ beitreten konnten. Man sieht dabei, wie der Vatikan in seiner Arbeit zur Vereinigung der verschiedenen katholischen Riten des Orients von Stufe zu Stufe fortschreitet und wie dieser grandiose Ausdehnungsplan durch die Ankunft der russischen Delegation in Genua an neuen Möglichkeiten gewinnt. ' Man muß übrigens auch die Rückwirkung dieser Pläne erwähnen. Der russisch-orthodoxe Klerus, mit den Metropoliten von Kiew und Charkow, die sich zurzeit in Serbien und Bulgarien aushalten, att der Spitze, plant eine Gegenoffensive, die sich die Rückkehr der Uniertengemeinden in Karpathorußland und im tschechischen Lande zur Orthodoxie zum Ziele' setzt. Andererseits beunruhigen sich gewisse polnische Kreise wegen dieser Pölitik des Papstes, die leicht ein Abschwächen des Interesses zur Folge haben könnte, das vom Vatikan gegenüber Polen als der katholischen Macht im Norden bisher an den Tag gelegt wurde. Ob diese große Unternehmung des Vatikans von Erfolg begleitet sein wird, ist schwer, vorauszusagen; das eine steht aber fest, daß es den Sowjets gelungen ist, eine moralische Stütze von höchster Bedeutung f ü r s i ch z u e r o b e r n: die Unterstützung des Heiligen Stuhles. _____ Oesterreich. Die Londoner Kreditverhandlungen. Zur gestrigen Meldung über die beschlossene Entsendung von Delegierten des Hauses Morgan nach Wien wird der „Politischen Korrespondenz" von maßgebender Stelle noch mitgeteilt: Es handelt sich bei der gegenwärtigen Kreditaktion um die M o r g a n - G r u ppe sowie um L o nd oit er Ban ff irm e n allerersten Ranges, denen sich auch ein nordländisches — dänisch-schwedisch-norwegisches — Bankeükonsortium anschließen will. . ‘ Nach den dem Bundeskanzler in Genua seitens, führender Finanzmänner der Schweiz und. der.Niederlande zuteil gewordenen Versicherungen , ist im Falle des Zuständekommens, der amerikanisch-englischen Anleihe auch die Teilnahme schweizerischer und niederländischer Banken mit Sicherheit zu erwarten. Was die Aussichten der Anleihe betrifft, so ist bereits. darauf hinge wiesest worden, daß die . Entsendung der Delegierten bezeugt, daß der.von Dr. Rosenderg namens. geben zu können. Wohl wurde vor kurzem in der. griechisches •; Oeffentlichkeit ein Streit, über die Gleichberechtigung. aller Andersgläubigen .ausgefochten, doch "drehte sich dieser Konflikt - lediglich um Worte in. der Abfassung des diesbezügliches. Gesetzes. In der Praxis genießen die Juden in. Griechenland nicht nur vollste.Gleichberechtigung, sondern sie haben sich . in einzelnen Zentren eine, angesehene gesellschaftliche Stellung gesichert. Die wichtigsten Judenzentren ■ sind . Saloniki, Korfu und Smyrna, wo die Juden einen stattlichen Prozentsatz der Einwohnerschaft ausmachen. Die Juden Griechenlands sind zum größten Teile . Spaniolen, die über eigenen Wunsch vom Militärdienst befreit sind und der Ha"ptsache nach dem Kaufmannsstande angehören. In Smyrna bildet die Judenschast die ausgesprochene Oberschicht der Bevölkerung, und e8 war interessant zu hören, daß der Führer der dortigen Juden, der Abgeordnete Mal ach, als Vertreter Griechenlands vor kurzem zu der Konferenz nach Genua entsendet wurde und dort für sein Vaterland mit bestem Erfolg gewirkt hat. Malach wurde auch vor kurzem mit dem Kreuz des Erlöser-Ordeüs ausgezeichnet und erfreut sich m ganz Griechenland des allergrößten Ansehens. Griechenland verfolgt die Entwicklung der Dinge in Palästina mit dem größten Wohlwollen und wird in keiner Hinsicht verfehlen, seinen Einfluß aus die Palästina-Frage im Sinne.der Judenschaft gellend zu Machen. ’ ast. der österreichischen Regierung, in London vorgelegte Kreditplan von Morgan für annehmbar und als geeignete Grundlage für Spezialverhandlungen über die Gewährung eines größeren Privatkredits befunden wurde. Die Kreditaktion ist demnach in ein sehr ernst zu beur« - teilendes Stadium eingetreien. Ihr weiterer Verlauf wird von dem Ergebnis der Erhebungen durch die Delegierten und von dem Eindruck abhängen, den sie ihren Auftrag- , gebern hinsichtlich unserer wirtschaftlichen und politischen Situation übermitteln werden. .i Die Purgenlandgrenze. Paris, 24. Mai. (Havas.) Die Botschafterkonfereuz hat sich heute mit verschiedenen Fragen betreffend die Festsetzung der Grenze zwischen Oesterreich und Ungarn befaßt, Tschecho - Slowakei. Die Finanzverhandlungen mit Ungarn. Prag, 24. Mai. (Tel.-Comp.) Die ungarische Regierung erhielt von der Regierung die Verständigung, daß die geplanten tschechisch-ungarischen Finanzverhandlungen auf-- geschoben werden müssen, da die Regierung das nötige Verhandlungsmaterial noch nicht vorbereitet, habe. Die tschechische Regierung will aych ein eigenes Institut zur Regelung der ausländischen Schulden und Forderungen errichten. ' . In ungarischen Finanzkreisen ist matt bestrebt,' mit der Tschecho-Slowakei ejn Valorisationsabkommen zu schließen, demzufolge eine Tschechenkrone vier ungarischen Kronen gleichgesetzt werden soll. . - Ungarn. DieHorthy-Studenten. Budapest, 24. Mai, Wie die Blätter aus K eszth ely melden, kam es dort in einer von dem Kandidaten, der Rassay-Partei Josef Z s i g m o n d h einberüfenen Wählerversammlung zu einer blutigen Schlägere i. Kaum ' hatte Zsigmondy zu sprechen begonnen, als eine in der Versammlung anwesende Gruppe von Hörern der landwirtschaftlichen Akademie ihn durch höhnische Zwischenrufe unterbrach. Zwischen den Anhängern der Rassay-Partei und den Studenten kam es zu einer Schlägerei, wobei, ungefähr 16 Personen verletzt wurden. Einschreitende.Gendarmerie, und Husaren machten der Rauferei ein Ende. . Pole« will Herr« Tahy nicht. Budapest, 24. Mai. (Tel.-Comp.) Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, ist in den polnisch-ungarischen Beziehungen eine Verstimmung eingetreten. Die ungarische Regierung hat nach Abberufung ihres bisherigen Gesandten , in Warschau, des Grafen Csekonics, den früheren ungarischen Gesandten in Präg, Tahy, zum Gesandten in Warschau ernannt.'Die polnische Regierung verweigerte, jedoch Herrn, von Tahy das Agrement. Ein Zentralrat der Mischen kauf» mLnnischeN Vereine. Warschau, 24. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".). Heute wurde hier die Tagung der Delegierten der' jüdisch en k a uf m ä nn i s ch e n Vereine abgeschlossen. An der Konferenz, die zwei Tage dauerte, nahmen 59 Delegierte aus 64 Städten teil. Die Konferenz hat. u. a. beschlossen, einen Zentralrat sämtlicher jüdischer kaufmännischer Vereine mit dem Sitze, in Warschau zu gründen. engl. Stotte, HerrennstdvämenvLsode» deinen- und Strickwaren, alles erstklassig.und billigst bei II.,Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En dtiiJ mmmurnammmmmam. ■-■V: ’