Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1189 (23.5.1922)
- Date
- 1922-05-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1»,*-p.,Tiy* " z Seite 2 wm^ppT?'> : ,'1-'”ia-"•"' v'^tw^'w- ’ Men. Drenslag Mener Morgsnzeltimg 23. Mai 1922 WtaHüi' rl Wer nosh nicht «len fcliekel geleistet hsm* ins Laufe dieser» Weeh© &itiia§if#tf rata Nr.-4.18S schaffen kann, wird Man sich auf die Sowjeiregierung verlassen können. Die zivilisierte Welt Laut sich nach dem Kriege auf demokratischerBasis auf. Es kann darin auch für Rußland keine Ausnahme gemacht werden. Bon der Sojwetregierung ist deshalb zu verlangen: 1. Daß sie sich entschließt, die konstituierende Versammlung einzuLerufen; 2. daß sie während der UebergangSzeit, die angesichts deS herrschenden Chaos sich hinziehen kann, mit der Willkür ihrer Unterorgane, lokaler und spezieller Organisationen aufräumt und den Boden für regelrechte parlamentarische Wahlen vorbereitet. Einen Pakt mit dem Sowjetregime kann es nicht geben. Ein UeLereiukommen mit der Sowjetregierung ist möglich, wenn diese sich auf den Boden des europäischen Parlamentarismus stellt. Oesterreich. Die Regierung und die Krise» Morgen nachmittags wird Herr Schober im Ausschuß für Aeußeres sein Exposee übe<die Genueser Konferenz erstatten. Die Resultate seiner Reise, die Sicherung der Reparationsverschiebung, wirken bereits auf die innere Situation. Bereits cföt Sonntag wür ein Nachlassen der Spannung zu konstatieren. Klarheit wird sich jedoch erst ctft: Mittwoch abends gewinnen lassen. Heute wird der Bundeskanzler mit den Führern der Großdeutschen und dev Sozialdemokratischen Partei verhandeln, und man nimmt an, daß. bis spätestens Mittwoch früh auch unter den Parteien die Verhandlungen abgeschlossen sein werden. Die Entscheidung wird am Mittwoch im Ausschuß für Aeußeres fallen. Sollte die Stimmung bei den Parteien eltte derartige seien, daß der Bericht des Bundeskanzlers nicht zur Kenntnis genommen wird, und sollte es sich Herausstellen, daß die Regierung über keine Mehrheit im Nationalrat verfügt, so soll, wie verlautet, bereits im gestrigen Ministerrat der Beschluß gefaßt werden, die Demission der Gesamtregierung zu geben. Der italienische Vorschuß. 30 Millionen Lire. Rom, 22. Mai. (Tel.-Komp.). - „Äiornale dItaliä" erfährt, daß auf Vorschlag des Finänzmimsters Peano von dem an Oesterreich zu gewährenden Kredit am 26. d. ein Betrag von 3 0 Millionen Lire als Vorschuß zur Auszahlung gelangen wird. Italien hofft damit, auch die übrigen kreditgewahrenden Staaten zu einer raschen und ausgiebigen Bevorschussung dieser Kredite zu veranlassen. SLttnmnt in Wien. Der polnische Minister des Äeußern Slirmuut ist gestern früh am Südbahnhof aus Genua eingetroffen. Im Namen des Bundespräsidenten Dr. Harnisch wurde der Minister vom Ministerialrat Dr. Klasterskh begrüßt. Zum Empfange war der Polnische Gesandte in Wien Doktor Lasocki mit den Mitgliedern der polnischen Gesandtschaft erschienen. Bundesminister Dr. H e n.n e t, der in Begleitung des Minsterialrates Dr. Duffek sich zum Empfange eingefunden hatte, begrüßte den Gast im Namen der österreichischen Regierung. Die Verhandlungen mit Ungarn. Die „Staatskorrespondenz" meldet: Gestern haben im ^undesministerium für Aeußeres die Verhandlungen über ein seit längerer Zeit vorbereitetes österreichisch-ungarisches Warenaustauschabkommen zwischen den nach Wien entsendeten Delegierten und den Vertretern der beteiligten österreichischen Fachmmisterien begonnen. Ungarn. Die Neuwahlen. Budapest, 22. Mai. Mit dem gestrigen Tage haben die Neuwahlen eigentlich begonnen. Da nämlich die Kandidierungen eine Woche früher abgeschlossen sein muffen, erscheinen 12 Abgeordnete gewählt. Es handelt sich um Abgeordnete, denen kein Gegenkandidat aufgestellt wurde. Im übrigen ist der Wahlkampf ä n ß e r st h e f 11 g. Eine Reihe von oppositionellen Abgeordneten und Blättern klagen über schwere Uebergriffe von Verwaltungsbeamten. Die Regierungsblätter beschuldigen die Opposition der Demagogie. Volksversammlungen dürfen in dieser Woche nicht mehr abgehalten werden. Der Kandidat her liberalen R a s s a y - P a r t e i, Andor Szabo, Obetlentnant in der Reserve, erschien gestern im Parteiklub und gab zu Protokoll, daß er vorigen Montag in seinem Wahlkreis Basarosnameny vom dortigen Oberstuhlrichter verhaftet wurde, weil er in seiner Programmrede den Justizrknnrster Tomesanyi einen Kommütnsten nannte. Szabo gab dies zu und berief sich auf: die Festsiellnng Paul Sandors im Parlament, baß'TpMcsanyi, wie er selbst zugeben muhte, während, dev Kommune de? Räteregierung Dienste leistete. Tags darauf wurde Szabo nach Tarpa, welches gleichfalls zu seinem Wahlkreis gehört, überführt. Oberstuhlrichter Pecsi hab'e ihn gar nicht einvernommen, sondern gleich nach seinem Eintreffen Len Gendarmen überantwortet. Gegen 7 Uhr morgens wurden mir — so erzählt Ändor Szabo — die ersten 85 Stockstreichö appliziert. Oberstuhlrichter Pecsi hielt sich in der Nähe auf. Um 9 Uhr wurden mir neuerl i ch 25 S t o ck st reiche versetzt und am nächsten Morgen abermals.25. Erst nach den letzten 26 Stockstreichen begann die Einvernahme. Da ich cckch diesmal zugab, Tomcsanyi einen. Kommunisten in dem von Paul Sandor antzödenteten Sinne genannt zu haben, wurde ich zwei Gendarmen übergeben, welche mich als Kommunisten aus der Gemeinde Tarpa abschoben und mir das Urteil verkündeten, daß ich aus sämtlichen Gemeinden meines Wahlkreises a u sgewiesen wurde. Der Arzt des Nyiredgyhazaer Gerichts- . Hofes stellte auf Grund der vorgenommenen Untersuchung Verletzungen fest, deren Heilung innerhalb von zwanzig Tagen erfolgen kann, jedenfalls aber langer als acht Tage brauchen wird. Dethlen gegen den Friedensvertrag. Budapest, 22. Mai. (U. T. K. B.) Ministerpräsident "iraf B e t h l e n sprach gestern in Kecskemet in einer groc~n Wählerversammlung. Er betonte, man müsse die durch den Friedensvertrag von Trianon Ungarn auferlegte Gutmachung von der Nation abwenden. Die Gutmachnngsschulden verursachen den Tiefstand der ungarischen Valuta, weshalb der ungarische Staatshaushalt das Gleichgewicht verliert und Ungarn zu größtem Elend verurteilt sei. Man müsse daher gegen die Quelle des wirtschaftlichen Elends den Kampf anfnehmen. Morgan im Europa. London, 22. Mai. (Wolfs.) Nach einer Meldung der „Times" soll Morgan vor.seiner Abreise nach Paris sich noch ein oder zwei Tage in London anfhalten. Laut „Daily ChroNicle" erklärte Morgan bei seiner Ankünft in London, er sei nach. Europa gekommen, ausschließlich um die Frage der Aufnahme einerReparatronsanleihe fürSeuEchWnp zu eryrtern. Die BeziehungeL zwischeü IugojlarvLen und Jtaliett. Genua, 22. Mai. Gestern wurde ein Uebereinkommensprojekt zwischen Italien und Jugoflawien unterzeichnet, das die definitive Ausführung des Vertrages von Rapallo regeln soll. Das Abkommen wird in einigen Tagen, sobald die Ratifikation der Belgrader Regierung eingelängt sein wird, in Wirksamkeit treten. Belgrad, 21. Mai. (Avala.) Minister des Äeußern Nincie hat dem Ministertat die auf die Schlichtung der Meinungsverschiedenheiten zwischen Italien und Jugoslawien in der Adriafrage bezüglichen Vorschläge Lloyd Georges unterbreitet. Im Sinne dieser Vorschläge soll zur Festsetzung der Grenzen des Fiumaner Staates ein gemischtes Komitee eingesetzt werdell, das seine Arbeiten innerhalb eines Monats zu beenden hat. Es soll auch alle übrigst, die Organisation des Fiumaner Staates betreffenden Fragen regeln. Bezüglich Zaras schlägt Lloyd George Maßnahmen zur Verpflegung der Bevölkerung vor, darunter die Anwendung von Vorzugszöllen, die. jedoch neuerlich die Ausfuhr nach Italien ausschließen würden. Sin politischer Mord in Bulgarien. Sofia, 22. Mai. Das 'bulgarische Preßburöau meldet: Krakow, der Redakteur eines oppositionellen Blattes und gewesener, diplomatische Vertreter itt Paris und Stockholm, ist in der vergangenen Nacht vor seinem Hause ermordet würden. Die Mörder sind flüchtig. Das Attentat, dessen Ursache unbekannt ist, wird in allen Kreisen Bulgariens auf dos schärfste veturteilt. Die Krise in der englischen Metallindustrie. London, 22. Mül. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Gestern fanden neuerliche Verhandlungen zwischen den Unternehmern und den Vertretern der 47 Unionen, statt. Die Unternehmer haben ihre bisherigen Vorschläge etwas abgeändert. Der Vorstand der Mechanikergewerkschaft hat an diesen Verhandlungen nicht teilgenommen. Dienstag findet eine Konferenz der Exekutive der 47 Unionen statt, die sich mit den neuen Vorschlägen der Unternehmer zu befassen haben wird. Die Verhandlungskommission der Arbeiter hat auf die Vorschläge der Unternehmer keine Antwort erteilt und deren Annahme oder Ablehnung der Kynferenz überlasten. Korfanty Wolniode für Obrrschlesten. Warschau, 21. Mai. (Wolff.) Dem,,Nasz Kurjer" zufolge hat die polnische- Regierung K o r s a n t h den Posten > UesiMy. WModetz MgebAten^ : * " Internationaler ÄgrarietKongretz in Dublin. Die Bemühungen um die Schaffung eines internationalen Ägrarierbundes sind vor einiger Zeit ins Stöcken geraten. Ursprünglich wurde die Gründung der grünen Internationale als Gegengewicht gegen die rote Internationale geplant. Zum Teil die. Entwicklung, welche die kommunistische Wirtschaftspolitik in Sowjetrußland ge- ' norm mm hat, zum Teil aber auch die im Lager der Agrarier und der Agrarpolitiker zutage getretenen prinzipiellen Melnungsverschiedenheiten, und nicht zuletzt die Frage, ob die Agrarier der alliierten Mächte geneigt sein würden, mit den Agrariern der Mittelmächte in einem Buüd zu operieren, haben die internationale Agrarbewegung nicht recht vorwärts kommen lassen. In jüngster Zeit ist es jedoch in internationalen Agrarierkreisen wieder lebhafter geworden. Zuzuschreiben ist dies der Rührigkeit des italienischen Agrarpolriikers Abg. Nuss o, der auch Mitglied des Direktoriums des Pariser Internationalen Agrarierbundes ist. Russo hat vor kurzem mit den preußischen Führern der Agrarier Dr. Heim unb Krone eingehende Beratungen gepflogen, um sie zum Eintritt in den Internationalen Agrärierbund zu bewegen. Im Juni soll eine in Ulm stattsindende Konferenz der bayrischen und preußischen Agrarier die Bedingungen festsetzen, unter denen die Agrarierverbände Bayerns und Preußens sich dem Internationalen Agrarierbund anschließen. Bisher hat die extrem reaktionäre Haltung gerade dieser Agrarpolitiker den Zusammenschluß unmöglich gemacht. Russo ist jetzt in B u d a p e st eingetroffen und verhandelt mit den ungarischen Agrarpolitikern. In seinen BÜdapester Konferenzen versicherte Russo, daß der Anschluß der skandinavischen und der baltischen Länder gesichert erscheint. Gelingt es Russo, die Agrarier aller Länder aus eine gemeinsame Plattform zu bringen, so dürfte anfangs September in Dublin, der Hauptstadt Irlands, ein internationaler Agrarierkongreß abgehalten werden. Dieser «Kongreß soll über den weiteren Aufbau des Internationalen Bundes und über die Grenzen seiner Funktionen schlüssig werden. Von Wichtigkeit ist, was Russo als nahezu sicher hinstellt, daß nämlich der internationale Kongreß auch eine Art gegenseitiger Aushilfe der Agrarier verschiedener Länder bestimmen werde. Es soll nämlich die Landwirtschaft.. .der.-.Länder mit schlechter Vlllütä durch ' Gewährung von . Krediten von seiten landwirtschaftlicher Kreditanstalten der materiell bessergestelltem Länder gehoben werden. Tagesbericht. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich. Mittwoch den 24. d. M. findet um 6 Uhr abends im Zionistischen Bureau, 2. Bez., Taborstraße 20 a, die Sitzung der Finanzkom Mission statt. Wiener zionistisches LoKalKomitee Mittwoch den 24. d. findet um halb 6 Uhr abends ick Zionistischen Bureau. 2. Bez., Taborstraße 20 a, die Sitzung deS Lokalkomitees statt. JEativKomitee der Frauenorgauisation. Heute findet um präzise 6 Uhr abeuds im Zionistischen Bureau, 2. Bez., Taborstraß 20 a, eine dringende Besprechung des Jnstiat.ivkomitees statt. Sitzung der Pressereferenterr. Die PesseresereNten werden aufmerksam gemacht, daß die Sitzung aus Dienstag den 80. d. um 7 Uhr abends verlegt wurde und im Sitzungssaale des Zionistischen LcmdcskomitceZ. 2. Dez., Laborstraße 20 a, stottsindet. Zahlstellen für den Schekel. Das Zionistische Landeskomitee gibt folgende Wellen für Schekel bekannt: Zionistisches Landeskomitee, Bez., Taborstraße 20 a; ^Wiener Morgenzeitung", 2. Bez., chorstraße 1-3; Palästina-Amt, 1. Bez., Bauernmarkt 24; ittelstandsküche „Woja", bei Frl. Wirlh (12 bis 3 Uhr Nachtrags), 1. Bez., Griechengasse 2; Zionistische Bezirkssektion opoldstadt. 2. Bez., Zirkusgasse 33 (4 bis 7 Uhr abends), omstische Bezirkssektion Landstraße, 3. Bez., Untere Btaduktsse 14; Zionistische Bezirkssektion Mariahilf-Jostsstadt, Bez., Bennoplatz 1 (10 bis 12 Uhr vormittags und 4 bis Uhr nachmittags); Zionistische Bezirkssektion Alsergrund, Bez.. Liechtensteinstraße 11; Mittelstand8kücha„Woja". bei rm Eigenfeld, 9. Bez., Roßauerkaserne; Zionistische Bezirks, tion Favoriten-Simmering, bei Herrn Sandor Lowenstein, . Bez.. Favoritenstraße 130 (3 bis 6 Uhr nachmittags); Ziö- 'tische Bezirkssektion Meidling-Fünfhaus. 12. Bez.. Herklötz- Nr 21 (Turnverein, 7 bis 10 Uhr abends); Zionistische Be, Am» florlhrt'fh SistmänN.